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19.01.2008, 10:58
Die Börsenwoche
Das große Zähneklappern

Zuversicht ist derzeit ein knappes Gut an den Börsen. In der vergangenen Woche hat sie zunächst nur bis Montag gereicht und keimte dann noch einmal in den letzten Handelsstunden des Freitags auf. In der Zeit dazwischen bestimmte die Angst vor einem wirtschaftlichen Einbruch in Amerika und einem Übergreifen auf den Rest der Welt das Geschehen. Rund 200 Punkte oder 3 Prozent hat der Deutsche Aktienindex in der vergangenen Woche eingebüßt.

Die Arznei, die lange Zeit zuverlässig die Stimmung aufhellte, die Aussicht auf Zinssenkungen, hat inzwischen an Wirkung verloren. Zu oft und in zu großen Dosen ist sie verabreicht worden, als dass sie das große Zittern und Zähneklappern noch überdecken könnte. Mittlerweile setzen die Anleger schon eine Reduzierung des amerikanischen Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte voraus. Selbst ein noch größerer Schritt wird diskutiert. Doch was helfe das alles, wenn die Wirtschaft dann doch in die Rezession abgleitt, fragen die Pessimisten und haben gute Argumente auf ihrer Seite.

Dabei hatte die Woche ganz beschaulich begonnen. SAP übertraf die selbst gesteckten Ziele für das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Börse applaudierte, unter dem Strich endete der Tag mit einem Plus von knapp 3 Prozent für die SAP-Aktie, und auch der Dax ging mit leichten Gewinnen aus dem Handel. Doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm, denn viele Anleger hielten sich zurück, weil am folgenden Tag wichtige Konjunkturdaten bevorstanden. Und die lehrten dann tatsächlich das Fürchten. Die Einzelhandelsumsätze gingen in den Vereinigten Staaten unerwartet deutlich zurück. Das macht die Anleger nervös, weil der amerikanische Verbraucher seit Jahren die Stütze der größten Volkswirtschaft der Erde ist. Schränkt er den Konsum ein, dann bekommen selbst hiesige Unternehmen die Ausläufer der Verwerfungen zu spüren.

Noch stärker allerdings waren die Turbulenzen, die von den Banken ausgingen, so dass der Dienstag mit einem Tagesverlust von mehr als 2 Prozent endete. Die Citigroup meldete einen Verlust von nahezu 10 Milliarden Dollar. Da half es auch nicht, dass die Abschreibungen auf Anlagen im Zusammenhang mit dem Hypothekenmarkt etwas geringer ausfielen, als es mancher Experte befürchtet hatte. Wie ein richtiger Kursrutsch aussieht, war am selben Tag auf dem deutschen Aktienmarkt zu beobachten. Dort hatte die Hypo Real Estate lange den Anschein erweckt, sie ginge die amerikanische Hypothekenkrise nicht allzu viel an. Als der Vorstand dann doch eine Wertberichtigung melden musste, nahmen viele Anleger Reißaus. Der Kurs sackte um mehr als 35 Prozent ab. Das war einer der größten Tagesverluste, die eine im Dax vertretene Aktie je verzeichnet hat. Mit der Hypo Real Estate sackten am Dienstag auch die Kurse anderer deutscher Banken ab. Commerzbank-Aktien verloren 8 Prozent, Postbank mehr als 4 Prozent.

Häufig folgen an der Börse nach sehr schwachen Tagen Gegenbewegungen, weil mancher Anleger auf einen günstigen Einkauf hofft. Doch der Handel am Mittwoch und Donnerstag brachte weitere Verluste. Der Ruf des Vorsitzenden der Fed, Ben Bernanke, nach einem Konjunkturprogramm, also zusätzlichen Ausgaben des Staates, zur Stabilisierung der Wirtschaft trug kaum zur Beruhigung bei. Mancher Anleger mag gedacht haben, wenn die Fed schon zu solchen Schritten greift, dann steht es um die Konjunktur noch schlechter als befürchtet. Hinzu kommt die Sorge, dass die Anleiheversicherer, die umfangreiche Garantien für Schuldtitel der amerikanischen Städte und Gemeinden abgegeben haben, in eine Schieflage geraten. Denn dann würde ein weiteres Teilstück der Kreditmärkte in Unordnung geraten und die Finanzkrise verschärfen.

Dass am Freitag im europäischen Handel doch noch eine kleine Gegenbewegung folgte, die den Wochenverlust minderte, hat mit dem glänzenden Quartalsbericht des Mischkonzerns General Electric zu tun. GE steigerte den Gewinn um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kam ein verbessertes Übernahmeangebot des Rohstoffkonzerns BHP Billiton für den Konkurrenten Rio Tinto. Beide Nachrichten riefen in Erinnerung, dass es – Rezession hin oder her – an der Börse auch um die langfristige Bewertung der Unternehmen geht.

Viele Unternehmen erwirtschaften stattliche Gewinne. Sie mögen in dem bevorstehenden Abschwung dahinschmelzen, aber die zu befürchtende Durststrecke – noch hat sie nicht begonnen – wird nicht ewig dauern. Wer jetzt profitabel wirtschaftet und dabei keine übermäßigen Risiken eingeht, hat gute Chancen, die Krise ohne große Blessuren zu überstehen und sich danach rasch zu erholen.

19.01.2008 Seite 17

GvD.news
19.01.2008, 11:00
Rückgang der Frachtraten spiegelt Konjunktursorgen
Industriemetalle sind keine überzeugenden Frühindikatoren / Der Rohstoffbericht

hi. FRANKFURT, 18. Januar. Unter den Rohstoffen stoßen die Industriemetalle gegenwärtig auf stärkere Beachtung. Dies erklärt sich mit den immer schlechter werdenden Nachrichten von der amerikanischen Konjunkturfront. Doch entgegen dem Eindruck vieler Beobachter sind noch nicht alle sechs börsengehandelten Industriemetalle in einer tiefen Baisse. Tatsächlich lässt sich die Preisentwicklung in letzter Zeit eher als uneinheitlich bezeichnen. Dies wirft die Frage auf, ob die eigentliche Baisse erst noch bevorsteht. Dazu ist zunächst einmal festzustellen, dass sich die Metallmärkte in der Vergangenheit entgegen einer häufig verbreiteten These nicht als überzeugende konjunkturelle Frühindikatoren erwiesen haben. Als sehr viel besser gelten da schon die Aktien von Metallproduzenten.

Ob noch eine ausgedehnte Metallbaisse droht, kann allein mit der Einschätzung der Konjunktur in Amerika heute im Gegensatz zu früheren Jahren kaum noch beurteilt werden. Der amerikanische Anteil am Weltverbrauch von Metallen ist nämlich spätestens seit 2002 beachtlich, im Einzelfall sogar drastisch gesunken. Die geographische Verlagerung fand zugunsten der Schwellenländer statt. Daraus kann gefolgert werden, dass ein auf Amerika begrenzter Konjunktureinbruch heute eine geringere Bedeutung für die Metallmärkte hätte als noch vor zehn Jahren. Doch wenn die Talfahrt der amerikanischen Wirtschaft anhält und womöglich zu einer Rezession ausartet, würde dies auch dämpfend auf die Weltkonjunktur und damit auf den weltweiten Bedarf an Metallen wirken.

Dass dies zu einem gewichtigen Thema an den Metallmärkten geworden ist, behaupten jene, die in den internationalen Raten für Schiffsfrachten einen Frühindikator für die Weltkonjunktur sehen. Sie verfolgen den Baltic Dry Index (BDI), der international als Richtgröße für Trockenfrachten anerkannt ist. Zu den Trockenfrachten zählen auch Metallkonzentrate und Metalle selbst, die häufig über weite Strecken vom Produzenten zum Verarbeiter transportiert werden müssen. Der BDI hat eine beispiellose Hausse hinter sich. Die erste Phase dieser Hausse setzte im Sommer 2002 bei einem Stand von 1000 Punkten ein, die nächste Anfang 2006, als sich der BDI bei gut 2000 Zählern bewegte. Sie trieb ihn bis November 2007 auf den Rekord von rund 11 000 Punkten. Seither geht es mit ihm so steil bergab, wie es zuvor nach oben ging. Anzumerken bleibt, dass der an der Baltic Exchange in London gehandelte BDI als weitgehend frei von rein spekulativen Kräften gilt, was aber nicht ausschließt, dass die kommerziellen Marktteilnehmer dort ihrerseits spekulative Interessen verfolgen.

Aus der laufenden Baisse des BDI unmittelbar auf einen starken Einbruch der Weltkonjunktur und in China als bedeutendstem Importeur von Metallen zu schließen verbietet sich nach Meinung von Fachleuten. Sie weisen darauf hin, dass der zurückliegende steile Anstieg der Frachtraten Reeder in aller Welt bewogen hat, neue Schiffe in Auftrag zu geben. Nach einer durchschnittlichen Bauzeit von 15 bis 18 Monaten erhöhen sie das Angebot an Frachtraum. Der Gipfel der Hausse des BDI könnte daher den Zeitpunkt markieren, zu dem der Frachtenmarkt dieses Mehrangebot konkret zu spüren begann und all jene, die Frachtraum vorsorglich gebucht und damit gehortet hatten, zu Stornierungen bewogen hat. Aus diesem Grund muss Konjunkturpessimismus nicht unbedingt der entscheidende Anlass für die Baisse des BDI sein.

Unterdessen tendieren die Industriemetalle als Gruppe uneinheitlich, obgleich zuletzt ausnahmslos Stabilisierungs- oder sogar Erholungstendenzen zu verzeichnen waren. An diesem großen Bild ändert auch die am Dienstag auf breiter Front verzeichnete Schwäche nichts. Baisse herrscht unter mittelfristigen Aspekten bei Aluminium, Blei, Nickel und Zink. Kupfer bewegt sich nun schon seit fast zwei Jahren in einem breiten Band, während bei Zinn die Ende 2005 angebrochene Hausse noch nicht gebrochen zu sein scheint, obgleich die Notierungen dicht unter ihren Rekordständen in eine Seitwärtsbewegung eingetreten sind.

Für die weitere Entwicklung an diesen Märkten ist neben den allgemeinen konjunkturellen Perspektiven, die die Nachfrage dämpfen könnten, die künftige Produktion von großer Bedeutung. In Fachkreisen besteht kein Zweifel daran, dass die in den zurückliegenden Jahren bei allen Metallen verzeichneten starken Preissteigerungen die Bergwerksgewinnung anregen.

19.01.2008 Seite 19

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19.01.2008, 11:01
Krise wirbelt Machtgefüge der Banken durcheinander
Europas Finanzbranche wird mächtiger / Schwellenländer-Staatsfonds kommen

da. FRANKFURT, 18. Januar. Die seit Monaten an den Finanzmärkten tobende Krise hat das Machtgefüge der Banken kräftig durcheinandergewirbelt. Noch vor einem Jahr dominierten amerikanische Häuser die Rangliste der wertvollsten Banken. Doch die jüngsten Milliardenverluste haben Amerikas Kreditinstitute enorm geschwächt, europäische Banken haben aufgeholt. Zugleich nutzen Staatsfonds aus Schwellenländern die Schwäche der Banken geschickt aus, um sich in die Finanzbranche der westlichen Hemisphäre einzukaufen. Auch europäische Banken verhandeln hinter den Kulissen mit den politisch verteufelten Investoren.

Noch vor einem guten halben Jahr gab es eine klare Hackordnung in der westlichen Bankenwelt: Ganz oben auf der Liste der wertvollsten Finanzhäuser standen die amerikanischen Banken Citigroup und Bank of America; lediglich die britische HSBC konnte dank einer Marktkapitalisierung von gut 160 Milliarden Euro mithalten. Der Trend zur Größe schien unaufhaltsam. „Um ernsthaft mitspielen zu können, wird man künftig 100 Milliarden Euro Marktkapitalisierung benötigen“, sagte der Dresdner-Bank-Vorstandsvorsitzende Herbert Walter vor einem Jahr, als die Welt der Banken noch in Ordnung schien. Doch seit der heftigen Kreditkrise ist nichts mehr wie vorher. „Mitspielen“ nach Walters Definition können nur noch zwei Banken: Lediglich Bank of America und HSBC schaffen es über die Schwelle von 100 Milliarden Euro. Und die lange dominierende Citigroup ist in Amerika gar auf den dritten Platz zurückgefallen.

Gleichzeitig hat die Stunde der Asiaten und Araber geschlagen. Die Staatsfonds aus diesen von der internationalen Finanzkrise bislang weitgehend unbehelligten Ländern haben sich zuletzt in die westliche Finanzwelt eingekauft: Nach Zahlen der Investmentbank Morgan Stanley haben die aus Petrodollars und Exportüberschüssen gespeisten Fonds seit Ostern 2007 fast 70 Milliarden Dollar in westliche Finanzunternehmen gepumpt. Und 93 Prozent dieses Geldes stammt aus nur fünf Ländern: Die Staatsfonds aus Singapur, China, Abu Dhabi, Südkorea und Dubai haben die Gelegenheit zum günstigen Einstieg bei namhaften Häusern wie Citigroup, Merrill Lynch, UBS, Blackstone und Barclays genutzt.

Damit ist der Investitionshunger der von hiesigen Politikern und vielen deutschen Topmanagern äußerst kritisch beäugten Staatsfonds noch lange nicht gestillt. Die nach Schätzungen mittlerweile mehr als 2,8 Billionen Dollar schweren Anlagegesellschaften sind auf der Suche nach weiteren Einstiegsgelegenheiten. Sie haben es auf Banken mit starkem Wertpapiergeschäft und große Vermögensverwalter abgesehen. Auch auf europäische Banken mit guten Markennamen werfen die Staatsfonds ein Auge. „Es gibt namhafte Adressen, die mit Staatsfonds über einen Einstieg sprechen“, sagt ein Investmentbanker. Die Banken nutzen die Chance, neue Kapitalgeber an Bord zu holen und sich über die Staatsfonds den Zugang zu den asiatischen und arabischen Märkten zu sichern. Analysten von Morgan Stanley nennen unter anderen die Deutsche Bank, die Deutsche Börse, die Credit Suisse Gruppe und Julius Bär als Kandidaten. Bereits im Jahr 2007 hat das Emirat Dubai einen Anteil von 2,2 Prozent an der Deutschen Bank gekauft.

Schon Anfang der neunziger Jahre griff der Großanleger und saudische Prinz Alwaleed Bin Talal der damals schwächelnden Citicorp mit rund 550 Millionen Dollar unter die Arme. Ein gutes Investment: Selbst nach dem jüngsten Kursrutsch dürfte sich das Kapital in etwa verzehnfacht haben. Die jüngsten Fälle sprechen für eine ähnlich renditeorientierte Strategie der Staatsfonds. Besonders bei den in ihrer Notlage nach Kapital gierenden amerikanischen Banken haben sich die Investoren ungewöhnlich happige Dividenden garantieren lassen. Mitspracherechte haben die in der Politik gefürchteten neuen Könige der Kapitalmärkte für ihre Minderheitsbeteiligungen dagegen nicht erhalten. Jedoch verfolgen die Staatsfonds nach Ansicht von Bankern durchaus auch strategische Ziele: das Abschöpfen von Knowhow, um die unterentwickelte Finanzbranche ihrer Heimatländer aufzumöbeln.

19.01.2008 Seite 9

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19.01.2008, 11:02
Chinas Bankenaufsicht entdeckt hohe Risiken

PEKING, 18. Januar (Bloomberg). China hat im vergangenen Jahr Unregelmäßigkeiten bei Banken im Volumen von 860 Milliarden Yuan (81 Milliarden Euro) entdeckt. Das Ausmaß entspreche dem Dreifachen des Gewinns der Industrial & Commercial Bank of China Ltd. (ICBC) und anderer größerer chinesischen Geschäftsbanken, so der Vorsitzende der chinesischen Bankenaufsicht, Liu Mingkang. Anlässlich der jährlich stattfindenden Planungstagung der Institution kündigte er in einer Mitteilung an, die Überwachungskompetenzen seiner Behörde auszubauen und Risiken im Keim zu ersticken. China werde 2008 Anweisungen zu Projektfinanzierungen sowie zur Vergabe von Krediten für Akquisitionen, Kapitalinvestitionen, Betriebsmittel und für den privaten Bedarf ausarbeiten, hieß es. Chinas größere Geschäftsbanken haben im vergangenen Jahr Erträge in Höhe von 299 Milliarden Yuan erwirtschaftet.

19.01.2008 Seite 17

GvD.news
19.01.2008, 11:02
AMD leidet unter der Übernahme von ATI
Der Chiphersteller macht im vierten Quartal so viel Verlust wie Umsatz

utb./dpa FRANKFURT/SUNNYVALE, 18. Januar. Der amerikanische Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) hat mit seinem als überteuert geltenden Zukauf des Grafikchip-Spezialisten ATI zu kämpfen. Für das vierte Geschäftsquartal wies AMD nun einen Verlust von 1,77 Milliarden Dollar aus, der dreimal so hoch ist wie ein Jahr zuvor. Und für AMD, den Hauptkonkurrenten von Marktführer Intel, ist es der fünfte Quartalsverlust in Folge. „Operativ waren wir im vierten Quartel nahe an der Gewinnzone“, wird AMD-Finanzvorstand Robert Rivet in einer Mitteilung zitiert. Im Kerngeschäft mit Computer-Prozessoren erwirtschaftete der Intel-Konkurrent nach einem Rekordabsatz wieder ein positives Ergebnis. Die Börse wertete diese Fortschritte positiv: Am Freitag stieg der AMD-Aktienkurs nach Handelseröffnung um rund 9 Prozent auf knapp 6,90 Dollar. Analysten hatten mit einem fast doppelt so hohen Verlust gerechnet.

Der Umsatz des vierten Quartals stagnierte bei ebenfalls 1,77 Milliarden Dollar. AMD kämpfte zuletzt mit Lieferverzögerungen bei seinem neuen Vierkern-Computerchip „Barcelona“. Zudem steckt das Unternehmen mitten in der Sanierung. Analysten sind sich nicht einig, ob sich AMD dauerhaft erholt und den Vorsprung zu Intel verringern kann oder weiter in der Krise bleibt.

Im vierten Quartal lieferte AMD nach Angaben von Finanzvorstand Rivet immerhin 400 000 Vierkern-Chips aus. Ohne diverse Belastungen bezifferte er den operativen Verlust auf nur noch 9 Millionen Dollar. Der Großteil des nun ausgewiesenen Verlustes im Schlussquartal stammt aus einer Wertberichtigung von 1,61 Milliarden Dollar vor allem im Zusammenhang mit der Übernahme des Grafikchip-Herstellers ATI Technologies. AMD hatte der amerikanischen Börsenaufsicht schon im Dezember mitgeteilt, für ATI einen zu hohen Kaufpreis gezahlt zu haben. Der Prozessorenhersteller kaufte ATI für 5,6 Milliarden Dollar unter anderem mit der Idee, innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Die Fusion gestaltete sich jedoch schwierig. Im Gesamtjahr stieg der Verlust auch durch die Einmallasten auf 3,4 Milliarden Dollar nach 166 Millionen Dollar Verlust im Jahr zuvor.

19.01.2008 Seite 14

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19.01.2008, 11:04
IBM trotzt Rezessionsängsten
Computerkonzern gibt optimistischen Ausblick für 2008

SAN FRANCISCO, 18. Januar (Reuters). Der amerikanische Computerkonzern IBM trotzt den wachsenden Rezessionssorgen und blickt nach einem florierenden Geschäft zum Ende des vergangenen Jahres optimistisch auf 2008. Der weltgrößte Informationstechnik-Dienstleister sagte für dieses Jahr einen Gewinnanstieg von mindestens 15 Prozent auf bis zu 8,30 Dollar je Aktie voraus. Damit übertraf IBM deutlich die Markterwartungen. Anleger zeigten sich erfreut: Die Aktie legte am Freitag knapp 5 Prozent zu.

Für das vierte Quartal 2007 bestätigte IBM seine vorläufigen Zahlen vom Montag (F.A.Z. vom 15. Januar). Demnach stieg der Nettogewinn um knapp 15 Prozent auf 3,95 Milliarden Dollar. Der Umsatz kletterte um 10 Prozent auf 28,9 Milliarden Dollar. Während der Umsatz in Nord-, Mittel- und Südamerika im vierten Quartal mit einem Plus von 5 Prozent vergleichsweise schwach ausfiel, konnte IBM in Europa, dem Nahen Osten und Afrika stark zulegen. Hier kletterte der Umsatz auch dank der Dollarschwäche um 16 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar, in Asien wuchs er um 15 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar.

Der Umsatz der Dienstleistungssparte stieg um 17 Prozent. Das Software-Geschäft legte um 12 Prozent auf 6,26 Milliarden Dollar zu, die Umsatzrendite stieg auf 87,1 Prozent. Dagegen fiel der Hardware-Umsatz um 3,9 Prozent auf 6,8 Milliarden Dollar. Dieser Rückgang sei nicht überraschend und zudem geringer als erwartet, sagte Analyst Kim Cau-ghey von der Fort Pitt Capital Group.

19.01.2008 Seite 14

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20.01.2008, 22:58
Aktienmärkte nehmen Rezession vorweg
Die amerikanische Notenbank und die Administration reagieren schneller als bei früheren Wachstumsschwächen.

LONDON, 20. Januar. Einen derart jämmerlichen Jahresauftakt hat es an den Weltbörsen seit den fünfziger Jahren nicht gegeben, als Aktienindizes wie der amerikanische Standard & Poor’s 500 Index eingeführt wurden. Die Angst vor einer amerikanischen Rezession und die schauerlichen Quartalsergebnisse von Citigroup, JP Morgan und Merrill Lynch schickten die Börsen auf eine Talfahrt, die selbst die Ankündigung eines fiskalpolitischen Hilfspakets von etwa 130 Milliarden Dollar durch die Bush-Administration am Freitag nicht aufhalten konnte.

Der amerikanische Aktienindex S&P 500 verlor allein in der vergangenen Woche 5,4 Prozent. Er hat damit seit Jahresauftakt fast 10 Prozent eingebüßt. Auch der Deutsche Aktienindex lag am Freitagabend mit 7314,17 Punkten 10 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn. Der M-Dax hat seither gar 16 Prozent verloren.

Die Kursabschläge bedeuten, dass an den Märkten eine moderate Rezession in den Vereinigten Staaten bereits in den Preisen einberechnet ist. Es geht den Marktteilnehmern kaum noch darum, ob die Vereinigten Staaten in eine Rezession schlittern werden, sondern nur noch darum, wie ausgeprägt diese konjunkturelle Schwächephase sein wird. Die Sorge um die Liquiditätskrise am Interbankenmarkt ist vergessen. Das Augenmerk richtet sich derzeit auf die makroökonomischen Auswirkungen der Finanzkrise.

Entsprechend reagieren die Märkte: Die Rohstoffpreise gaben inklusive Öl, Basismetallen und Agrarrohstoffen auf breiter Basis nach, da spekuliert wird, dass eine amerikanische Rezession mit entsprechend globalen Auswirkungen die Nachfrage nach Rohstoffen schwächen könnte. Der Ölpreis verlor vergangene Woche 2,3 Prozent, zog am Freitag nach der Hilfsankündigung von Präsident George Bush allerdings wieder auf knapp über 90 Dollar je Barrel an.

Der Goldpreis lag leicht höher bei 881,60 Dollar je Feinunze, da Rezessionsängste die Nachfrage nach dem Edelmetall schüren. An den Anleihemärkten fielen die amerikanischen Renditen auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2003 und die Renditen in der Währungsunion auf den tiefsten Stand seit Sommer 2006. Bemerkungen von Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigten vergangene Woche, dass das Augenmerk selbst dort von den Inflationsgefahren langsam auf die gesamtwirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise schwenkt.

Die Talfahrt der Aktienmärkte spiegelt das Verhalten der Kurse zur Zeit der amerikanischen Rezession im Jahr 1990 wider. Damals hatten die Märkte in den Vereinigten Staaten 16 Prozent, in der Währungsunion 10, in Japan 23 und in den Schwellenländern um 11 Prozent nachgegeben – mit der derzeitigen Konstellation fast identische Kursrückschläge.

Würde es in den Vereinigten Staaten wirklich zu der von den Märkten antizipierten Rezession kommen, wäre dies bedrohlicher als nur eine deutliche Abschwächung der Konjunktur auf magere Wachstumszahlen. In einer Rezession verhalten sich Investoren und Verbraucher anders. Sie investieren weniger, geben weniger aus und tragen damit unweigerlich zu einer deutlichen Verschlechterung des Arbeitsmarktes bei – eine Konstellation, die bei einem „nur“ schwachen Wirtschaftswachstum ausbleibt. Sollte es jetzt zu der befürchteten Rezession kommen, dürfte sie nach Einschätzung der Investmentbank JP Morgan dennoch kürzer als normale Rezessionen ausfallen mit einer Dauer von vielleicht sechs bis neun Monaten und einem moderaten Wachstumseinbruch von nur einem Prozent. Allerdings dürfte sie auf Europa und Japan übergreifen, wenn auch nicht auf die Schwellenländer. Zahlreiche Analysten in der Londoner City und der Wall Street glauben allerdings, dass die Märkte derzeit übertreiben und eine Rezession gerade noch vermieden wird. Lehman Brothers schätzt, die Wahrscheinlichkeit einer amerikanischen Rezession liege derzeit bei 40 Prozent, wenn man dies überhaupt beziffern kann.

Es gibt Trost. In früheren Jahren war die amerikanische Federal Reserve während einer Rezession mit relativ hohen Inflationsgefahren konfrontiert, reagierte daher angesichts der sich zusammenbrauenden Rezession nicht schnell genug mit Zinssenkungen. Sollte die Rezession jetzt im zweiten Quartal beginnen, wie es viele Marktteilnehmer erwarten, hätte die Federal Reserve ihren Leitzins bereits im Vorfeld um mindestens 150 Basispunkte zurückgenommen, gibt Lehman Brothers zu bedenken. Der nächste Zinsschritt von 50 Basispunkten wird bereits für Ende dieses Monats erwartet. „Damit wäre der angeblich so langsam reagierende, akademische Chairman der Federal Reserve, Ben Bernanke, proaktiver und reaktionsschneller als sein Vorgänger“, sagt Lehman Brothers. Das könnte das Ausmaß eines Wachstumseinbruchs abfedern.

Das Gleiche gelte für fiskalpolitische Maßnahmen, deren Ausarbeitung und Verhandlung von Bush bereits in Aussicht gestellt wurde. Derartige Hilfspakete folgten in früheren Rezessionen erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen und die Rezession fast wieder vorbei war. Selbst in der Rezession im Jahr 2001 wurden die Steuersenkungen erst eingeführt, als die Rezession bereits zur Hälfte vorbei war. All dies kann den befürchteten Wachstumseinbruch möglicherweise nicht verhindern, seine Ausmaße jedoch begrenzen.

Ist also alles halb so schlimm? Können Anleger wieder an die Märkte zurückkehren und lukrative Kaufgelegenheiten nutzen? Die Versuchung ist groß, denn die Risikoaversion der meisten Investoren ist extrem hoch, normalerweise die ideale Konstellation, um günstige Bewertungen einzusammeln, bevor die Konkurrenz es tut. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt allerdings, dass der amerikanische Aktienmarkt seinen Tiefpunkt erst in der Mitte einer Rezession erreicht. JP Morgan warnt, dass dieser Zeitpunkt frühestens im März oder April erreicht wäre, der Zeitpunkt für den Griff nach günstig bewerteten Aktien also jetzt verfrüht wäre. Zu viele „schlechte Nachrichten“ müssten die Märkte in naher Zukunft noch abfedern.

GvD.news
20.01.2008, 22:59
Finanzkrise trifft Australien
Zwei große Finanzdienstleister rutschen in die Krise

che. SINGAPUR, 20. Januar. Australien gerät immer tiefer in den Sog der Finanzkrise in Amerika. Die Aktie des Finanzdienstleisters MFS Ltd., Southport, verlor am Freitag 69 Prozent ihres Wertes. Seit dem Höchststand im Mai vergangenen Jahres hat das Papier 90 Prozent eingebüßt. Vorausgegangen war die Ankündigung des Managements, das Unternehmen aufzuteilen und für die Reisegruppe Stella Tourism Group junge Aktien an den Markt zu bringen. Dadurch will das Unternehmen Schulden tilgen. MFS schuldet den Banken mindestens eine Milliarde australische Dollar (601 Millionen Euro), davon allein 790 Millionen Dollar der Schweizer UBS AG.

Die Anleger misstrauen dem Vorhaben, im jetzigen Wirtschaftsklima an die Börse gehen zu wollen. Zuvor war der Plan gescheitert, Stella an Privatinvestoren verkaufen zu wollen. MFS verwaltet rund 5 Milliarden australische Dollar an Anlegergeldern. Der Markt in Australien ist äußerst angespannt, nachdem der Immobilienentwickler Centro Properties Group. Melbourne vor dem Zusammenbruch steht. Die Lage in Amerika berührt die Australier besonders, da auch sie mit extrem wenig Eigenkapital Immobilien erwerben. Der Wert der an der Börse in Sydney notierten Unternehmen – seit Jahren von Rekord zu Rekord geeilt – ist innerhalb der vergangenen Tage um gut 150 Milliarden australische Dollar geschrumpft. Die zehn Verlusttage in Folge sind die längste Verlustphase überhaupt, die die Börse „down under“ verzeichnet. Erst im November hatte der Index S&P/ASX 200 mit 6829 Punkten ein Rekordhoch verzeichnet. Am Freitag endete er bei 5762 Punkten.

Centro hatte sich hoch verschuldet, um 700 Einkaufsmeilen in Amerika zu kaufen. Die Aktie war zu Wochenbeginn für drei Tage vom Handel ausgesetzt worden. Inzwischen ist der Vorstandsvorsitzende Andrew Scott zurückgetreten. Er verantwortete das schwer durchschaubare Firmen- und Fondsgeflecht, sieht sich bis heute aber kaum in der Verantwortung für den Zusammenbruch. Erst vergangene Woche verkaufte der 53 Jahre alte Manager die Hälfte seines Anwesens in Melbourne für 2 Millionen Dollar an seine Frau – um Schulden zu begleichen, wie er erklärte. Die Centro-Aktie hat, seit Mitte Dezember eine Deckungslücke von 3,9 Milliarden australischen Dollar öffentlich wurde, 90 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Die Centro-Geldgeber haben dem Unternehmen nun eine Gnadenfrist bis zum 15. Februar eingeräumt, um einen Entschuldungsplan vorzulegen. Analysten geben dem angesichts der harten Bedingungen für Firmenkredite wenig Chancen. Gleichwohl heißt es im Markt, Geldgeber wie die australische Macquarie Bank und der Hedge-Fonds Citadel seien an einem Einstieg interessiert. Macquarie-Analysten schätzen die Gesamtverschuldung von Centro auf 9,4 Milliarden australische Dollar.

Die privaten Hypothekenanbieter in Australien geraten zunehmend unter Druck. Dem Zusammenbruch von Rams Home Loans Ltd. im vergangenen Herbst würden weitere folgen, erklärte John Symond, der Gründer von Aussie Home Loans Ltd., gegenüber Bloomberg TV. „Ich denke, wir werden einige sehen, die das Geschäft aufgeben müssen – sie werden verschmolzen, übernommen oder abgewickelt“, warnte er. Rams hatte im Oktober sein Portfolio an die Westpac Banking Co. abgegeben, nachdem sich kein Käufer für amerikanische Schuldtitel im Wert von 6,17 Milliarden australische Dollar gefunden hatte.

GvD.news
20.01.2008, 23:00
Rohstoffkonzerne ringen um Kaufpreis

Das australische Unternehmen BHP Billiton muss sein Angebot für die britisch-australische Rio Tinto erhöhen. Schon am Montag könnte der weltgrößte Bergbaukonzern eine neue Offerte präsentieren.

che. SINGAPUR, 20. Januar. Das Ringen um den richtigen Preis für eine der größten Übernahmen der Wirtschaftsgeschichte geht in die entscheidende Runde. Bis zum 6. Februar muss BHP Billiton, Melbourne, der führende Bergbaukonzern, ein bindendes Angebot für den drittgrößten der Branche, Rio Tinto, London und Melbourne, vorlegen. Dies verlangt die britische Übernahmebehörde. Die Börse spekuliert auf ein Aufstocken des bisherigen Gebots. Deshalb stieg der Kurs der Aktie von Rio Tinto in einem fallenden Markt zum Wochenschluss um 4,9 Prozent. Australische Medien erwarten, BHP Billiton werde am heutigen Montag ein verbindliches Gebot vorlegen.

Sehr feindlich sind sich die beiden Branchengrößen nicht gesinnt. Beide nutzten in der vergangenen Woche dieselben eingeflogenen Journalisten aus dem Ausland in der westaustralischen Rohstoffmetropole Perth, um ihre jeweiligen Qualitäten zu zeigen. Tom Albanese, Vorstandsvorsitzender von Rio Tinto, warb zudem am Samstag offen um ein bedenkenswertes Angebot: „Es geht nur um die Bewertung. Stimmt die nicht, wird nichts passieren. Stimmt sie, wird es dazu kommen“, sagte er mit Blick auf die Übernahme dem Fernsehsender „Sky News“. Sein Gegenüber, BHP-Billiton-Vorstandschef Marius Kloppers, will nicht zu tief in die Tasche greifen und verweist darauf, dass knapp 70 Prozent der Aktionäre ohnehin an beiden Unternehmen beteiligt seien. Zudem erwartet er jährliche Einsparungen nur in Höhe von 3,7 Milliarden Dollar – sie aber sind schnell vernichtet, wenn der Kaufpreis in die Höhe schnellt.

Händler gehen davon aus, dass BHP Billiton nun willens sei, für jede Aktie des kleineren Wettbewerbers 3,58 eigene Aktien und 16,50 Australische Dollar bar zu bezahlen. Dies beliefe sich auf einen Preis von umgerechnet etwa 86 Euro je Rio-Tinto-Wertpapier. Bislang bietet BHP drei Aktien, was das Rio-Tinto-Management allerdings vehement ablehnt. Das erwartete Gebot entspräche allerdings immer noch nur dem Wert, den BHP Billiton schon im November geboten hatte. Aufgrund inzwischen gefallener Aktienkurse ist es allerdings, gemessen am heutigen Kurs von 74,24 Euro, für Rio Tinto ein Aufschlag. Sollte BHP Billiton kein Gebot vorlegen, rechnen Analysten mit einem Einbruch des Rio-Tinto-Papiers auf etwa 65 Euro.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen die bedeutenden Eisenerzminen in Westaustralien, die beide Konzerne betreiben. Derzeit überbieten sie sich darin, deren jeweilige Qualität zu betonen. Rio Tinto will damit belegen, dass es den großen Übernehmer nicht brauche. BHP Billiton will zeigen, dass die Übernahme eine Fusion der Starken werden könnte.

So erklärte BHP Billiton am Samstag, dass der Gewinn vor Zinsen und Steuern je Tonne westaustralischen Eisenerzes in diesem Geschäftsjahr auf 27 amerikanische Dollar steigen werde. Im vergangenen Jahr lag der Vergleichswert bei 24 Dollar, erst vor vier Jahren hatte er gerade einmal 7 Dollar betragen. Mit durchschnittlich 28 Dollar je Tonne geförderten Eisenerzes insgesamt arbeite BHP Billiton profitabler als Rio Tinto, die nach Angabe des Übernahmeinteressenten auf einen Mittelwert von 26 Dollar je Tonne kommt. Mit solchen Werten wollen die Australier den Anteilseignern von Rio Tinto eine Übernahme schmackhaft machen.

Auch ohne eine Fusion rüsten die beiden Rohstoffkonzerne gewaltig auf: Ian Ashby, Bereichsleiter Eisenerz für BHP Billiton, sagte am Samstag, das Unternehmen werde die Eisenerzförderung in der Kernregion Westaustralien bis 2015 auf dann 300 Millionen Tonnen pro Jahr fast verdreifachen. Dafür werde man rund 15 Milliarden Dollar investieren. Rio Tinto hatte zuvor bekanntgegeben, aus demselben Gebiet die eigene Produktion auf dann 600 Millionen Tonnen ebenfalls verdreifachen zu wollen.

Dies sei deshalb sinnvoll, weil beide Unternehmen eine weiterhin starke Nachfrage aus dem Wachstumsmarkt China erwarten. „Egal, was wir förderten, wir könnten es dorthin verkaufen“, sagte Albanese am Samstag im australischen Fernsehen.

GvD.news
20.01.2008, 23:00
Rettung der Bank Northern Rock rückt näher

bes. LONDON, 20. Januar. Eine Lösung für die angeschlagene britische Hypothekenbank Northern Rock rückt näher. Am Montag wird der britische Schatzkanzler, Alistair Darling, im Parlament ein Rettungskonzept der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs vorstellen. Goldman Sachs arbeitet als Berater für das britische Schatzamt. Premierminister Gordon Brown räumte auf einer Pressekonferenz während seines Besuches in China ein, alle Möglichkeiten einer Rettung, vor allem auch privatwirtschaftliche Transaktionen, würden geprüft. Brown sagte, er habe mit dem ihn begleitenden Unternehmer Richard Branson über die von der Regierung favorisierte Übernahme durch ein Konsortium der Virgin Group gesprochen.

Um eine Verstaatlichung zu vermeiden und eine private Übernahme zu ermöglichen, schlägt Goldman Sachs nach britischen Medienberichten vor, die Schulden von Northern Rock bei der Bank von England in Anleihen umzuwandeln, die vom britischen Staat gedeckt würden. Wenn sich die Finanzkrise an den Märkten gelegt hat, könnten diese Anleihen sukzessive an Privatinvestoren verkauft werden, der britische Staat also langsam finanziell entlastet werden. Die britische Regierung müsste damit Northern Rock nicht komplett verstaatlichen. Allerdings müsste sie dennoch die Garantiefunktion für die Schulden von Northern Rock von etwa 25 Milliarden Pfund auf Jahre übernehmen.

Von Goldman Sachs werden offenbar drei privatwirtschaftliche Konzepte berücksichtigt: die Übernahme durch die Virgin Group oder durch die Beteiligungsgesellschaft Olivant und eine vom derzeitigen Management von Northern Rock ausgearbeitete Rettungsstrategie. Die britische Regierung will sich jedoch die Möglichkeit offenhalten, Northern Rock im Notfall zu verstaatlichen. Einzelgespräche mit den Kaufinteressenten sollen in den nächsten Tagen geführt werden, so dass die Virgin Group, Olivant und das Management von Northern Rock Anfang Februar konkrete Rettungspläne vorlegen können. Am 17. März muss die britische Regierung das dann ausgewählte Konzept mit Brüssel absprechen, da geklärt werden muss, ob die Rettung – auch die Umwandlung der Schulden in Anleihen – nicht gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstößt.

GvD.news
20.01.2008, 23:00
Telekom erhöht Druck auf die Personalkosten

Die Mitarbeiter des Unternehmens müssen sich auf weitere Einschnitte gefasst machen. Aber der weitere deutliche Abbau der Personalkosten soll ohne neuen Kahlschlag erfolgen.

bü. BONN, 20. Januar. Trotz der in der vorigen Woche angekündigten Neueinstellung von bis zu 4000 Mitarbeitern muss sich die Belegschaft der Deutschen Telekom auf weitere Einschnitte einstellen. Ein neues umfangreiches Stellenabbauprogramm soll es jedoch nicht mehr geben, wie Personalvorstand Thomas Sattelberger in einem Pressegespräch versicherte. Der Konzern sucht nach neuen Wegen, um seine Personalkostenbelastung längerfristig auf das deutlich niedrigere Niveau der France Télécom zu verringern. Das französische Unternehmen bilde eine „realistische Benchmark für die Personalaufwandsquote“, sagte Sattelberger. Der Vergleichswert für das Inland liege bei der France Télécom bei 21,5 Prozent, während die entsprechenden Personalkosten bei der Deutschen Telekom 27,8 Prozent des Umsatzes beanspruchten. Sattelbergers Angaben bedeuten überschlägig gerechnet, dass die Telekom ihren Personalaufwand bei unverändertem Umsatz um fast 2 Milliarden Euro im Jahr reduzieren müsste.

Die Telekom beschäftigt in Deutschland immer noch mehr als 150 000 Menschen. Obwohl er seit der Privatisierung jährlich rund 10 000 Stellen gestrichen hat, gilt der Konzern weiterhin als stark überbesetzt. Ende dieses Jahres läuft ein 2006 aufgelegtes Programm aus, das 32 000 Mitarbeiter vor allem durch Vorruhestands- und Abfindungsangebote zum Ausscheiden aus dem Konzern bewegen soll. Die Telekom wendet dafür insgesamt rund drei Milliarden Euro auf. Sattelberger zeigte sich überzeugt, „dass wir das Ziel des 32 000-Programms erreichen werden“. Für die Zeit danach will er jedoch neue Wege einschlagen. „Für die Personalrestrukturierung, und ich meine hier ausdrücklich Personalumbau, -Abbau und -Aufbau, steht uns eine breite Palette von Möglichkeiten zur Verfügung“, sagte er. Es würden auch in Zukunft Arbeitsplätze gestrichen, aber in anderen Bereichen neue Stellen geschaffen. „Wir brauchen auch frisches Blut, damit unsere Innovationskraft erhalten bleibt“, sagte Sattelberger.

Auf gute Resonanz stoßen nach seinen Angaben Bemühungen, weitere Telekom-Beamte bei Behörden von Bund, Ländern und Kommunen einzusetzen. Es gebe darüber erfolgversprechende Gespräche mit der öffentlichen Hand, und auch bei den Mitarbeitern sei das Interesse groß. Unter anderem setzt Sattelberger darauf, dass die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesamt für Güterverkehr, das die Lastwagenmaut überwacht, Telekom-Beamte übernehmen. „Für die Zukunft der Beamten bei der Deutschen Telekom hat auch der Bund eine Verantwortung“, sagte er. Rund 62 000 Staatsdiener sind bei der Telekom noch beschäftigt. Bis zu 9000 von ihnen sollen nach Angaben aus Konzernkreisen zu einem öffentlichen Arbeitgeber wechseln. Einsparungen strebt Sattelberger in Zentralfunktionen wie Rechnungswesen, Personalservice, Fortbildung oder Kommunikation an. Auch in seinem eigenen Ressort setzt er dabei den Rotstift an. Es gebe in der Verwaltung zu viel Mehrfacharbeit und überflüssige Abstimmungsprozesse. Als weitere Herausforderung nannte Sattelberger die „Konsolidierung in der Fläche“, um Kleinststandorte aus der Behördenvergangenheit der Telekom zusammenzulegen. Davon betroffen sind unter anderem regionale Call-Center. Entlastung bei den Personalkosten erhofft sich der Konzern nicht zuletzt durch die Restrukturierung der Geschäftskundensparte T-Systems. Mit mehreren potentiellen Interessenten wird über eine Partnerschaft oder Auslagerung von Geschäftsfeldern mit insgesamt rund 19 000 Mitarbeitern verhandelt.

GvD.news
20.01.2008, 23:01
Japan schafft Verbraucherminister
Fukuda kündigt Steuerreform an

pwe. TOKIO, 20. Januar. Japans Regierung will den Posten eines Ministers für Verbraucherangelegenheiten schaffen und strebt eine Erhöhung der Verbrauchssteuer im Haushaltsjahr 2009 an, um die Haushaltskonsolidierung voranzubringen. Das hat Premierminister Yasuo Fukuda in einer Rede zur Eröffnung der regulären Sitzungsperiode des Parlaments angekündigt. Fukuda erklärte zugleich, dass er Japan zu einer „Niedrig-Kohlendioxid-Gesellschaft“ umbauen will, die Umweltschutz im Zeichen der Erderwärmung und Wirtschaftswachstum zugleich ermögliche. Japan soll dabei die Rolle eines umweltpolitischen Musterlands übernehmen. Unter anderem will die Regierung zehn Modellstädte auswählen, in denen der Ausstoß von Kohlendioxid radikal verringert werden soll.

Mit der Einrichtung eines Amtes für Verbraucherschutz reagiert die Regierung auf eine Reihe von Skandalen im vergangenen Jahr, in denen Hersteller von Lebensmitteln ihre Produkte falsch ausgezeichnet hatten. Das Amt soll alle verbraucherrelevanten Stellen und Funktionen vereinen, die bislang über mehrere Ministerien und Regierungsbehörden verstreut sind. Mit dem starken Fokus auf eine Politik, welche die Verbraucher und die Menschen in den Mittelpunkt stellt, sucht Fukuda zugleich, der größten Oppositionspartei DPJ das Wasser abzugraben und das Vertrauen der Wähler wiederzugewinnen. Seine Popularität ist nach Umfragen deutlich am inken, auch als Folge der immer noch andauernden Aufarbeitung des Skandals um Millionen von Rentenkonten, die keinem Anspruchsberechtigten zugeordnet werden können. Fukuda versprach, die Regierung werde alles Erdenkliche tun, um diese Fälle aufzuklären.

Mehr Vertrauen in den Sozialstaat soll zudem eine breit aufgestellte „Nationale Kommission“ schaffen, die angesichts der alternden Gesellschaft Optionen für eine Reform aller Sozialversicherungen erwägen soll. In diesem Forum will die Regierung auch für Steuererhöhungen werben, um die steigenden Sozialkosten und Maßnahmen zur Erhöhung der Geburtenrate zu finanzieren, die der Alterung der Gesellschaft entgegenwirken sollen. Die für das Haushaltsjahr 2009 angedachte Erhöhung des Konsumsteuersatzes von 5 Prozent in einer von Fukuda angekündigten weitreichenden Steuerreform dient auch der Haushaltskonsolidierung. Fukuda versprach abermals, das Primärdefizit, in dem der Schuldendienst nicht berücksichtigt ist, bis zum Jahr 2011 komplett abzubauen. Nach einer unlängst vorgelegten Prognose des Kabinettsbüros wird Japan dieses Ziel ohne Steuererhöhungen oder Ausgabensenkungen nicht mehr erreichen.

Fukuda verschrieb sich dem Ziel, die verdoppelten Sätze der sogenannten Straßensteuern, zu denen auch die Mineralölsteuer gehört, über den März hinaus für zehn Jahre zu verlängern. Er begründete diesen Plan mit dem angespannten Staatshaushalt und dem Umweltschutz. Die größte Oppositionspartei dagegen will die seit den siebziger Jahren immer wieder verlängerte „zeitweise“ Erhöhung dieser Steuersätze Ende März auslaufen lassen; sie hat im Oberhaus faktisch ein Vetorecht. Dieser Konflikt könnte in der gerade begonnenen Sitzungsperiode zum Stolperstein für die Regierung Fukuda werden.


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Japans Ziele für die G 8

Der Umweltschutz und ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das auch die Entwicklungsländer und besonders China und Indien umfasst, steht im Mittelpunkt der japanischen Präsidentschaft der Achtergruppe der sieben großen Industriestaaten und Russlands (G 8). Die Bereitschaft der Entwicklungsländer, in einem Kyoto-Nachfolgeprotokoll eigene Verpflichtungen zu übernehmen, soll durch einen „Finanzmechanismus“ gestärkt werden. Dabei geht es unter anderem um umweltbezogene Hilfsgelder für die Entwicklungsländer. Die Regierung will für eine umweltbezogene Entwicklungspolitik auch auf dem Afrika-Gipfeltreffen werben, zu dem Japan im Mai einlädt. Nähere Details seines G-8-Programms wird Fukuda bei seinem Auftritt vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos in dieser Woche vorstellen. Nach Medienberichten will Japan über fünf Jahre 10 Milliarden Dollar für Umweltschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern geben.

GvD.news
20.01.2008, 23:02
Der West LB droht ein Milliardenverlust 2000 Arbeitsplätze in Gefahr / Krisensitzung

St. DÜSSELDORF, 20. Januar. Die Fehlspekulationen aus dem ersten Halbjahr und die Belastungen aus der im Sommer offenkundig gewordenen Finanzmarktkrise treffen die Düsseldorfer West LB wesentlich härter, als von der öffentlich-rechtlichen Bank bisher prognostiziert wurde. Bereits am Donnerstag waren die Aktionäre informiert worden, dass sich für das Geschäftsjahr 2007 ein Jahresverlust von etwa 1,2 Milliarden Euro abzeichnet, wie aus Eigentümerkreisen zu erfahren war. Dabei wurde am Wochenende allein aus den Geschäften mit risikoreichen verbrieften Krediten (Subprime-Anlagen) ein Wertberichtigungsbedarf von bis zu 1,2 Milliarden Euro kolportiert.

In einem weiteren Krisengespräch am Sonntagabend standen die Modalitäten einer Kapitalsanierung und der erforderliche Arbeitsplatzabbau in dem mit 5900 Beschäftigten gemessen am Geschäftsumfang überbesetzten Bankkonzern im Mittelpunkt. Nach Informationen dieser Zeitung soll nun ein Drittel des Personals ausscheiden. Davon wären jeweils 1000 Beschäftigte im In- und Ausland betroffen. Den Informationen zufolge sind sich die Gesellschafter einig, dass die West LB zwei Milliarden Euro benötigt, um die durch den Verlust und die Konsolidierung weiterer Zweckgesellschaften abschmelzende Eigenkapitalausstattung wieder zu verbessern. Denn bereits im dritten Quartal 2007 war die Kernkapitalquote von 8,1 Prozent auf alarmierende 6,5 Prozent eingebrochen.

Am Sonntag sollte zum einen geprüft werden, welche Werte die Bank in ihrem in den letzten Jahren bereits ausgedünnten Beteiligungsvermögen noch zur Stärkung mobilisieren kann. Vorstellbar sei zum Beispiel der Verkauf von Anteilen wie an der Deka-Investmentfondsgesellschaft, hieß es. Die Stimmung im Gesellschafterkreis der West LB, die zu jeweils gut 25 Prozent den beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbänden sowie direkt und indirekt zu 48,5 Prozent dem Land gehört, ist angespannt. Die Neigung der Sparkassen, der West LB neues Barkapital zuzuführen, soll gegen null tendieren. Im Landeshaushalt ist kein Spielraum für die von dieser Seite erforderliche fast eine Milliarde Euro. So werden gegenwärtig Alternativen gesucht. Das könnten eine Landesbürgschaft und die Einbringung von Beteiligungen der Sparkassenverbände wie an der Wertpapierbank sein.

Bereits Mitte Dezember waren die Themen Restrukturierung und Kapitalbedarf in der Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro auf die Tagesordnung der ersten Aufsichtsratssitzung in diesem Jahr gesetzt worden. Damals war der Blick jedoch noch nach vorn gerichtet. Mit dem frischen Kapital sollte die Bank nicht nur restrukturiert, sondern auch für Fusionsverhandlungen mit der Hessen-Thüringer Landesbank Helaba gestärkt werden. Darüber hinaus sollte ihr der Zukauf von Privatkunden- und Firmengeschäft – zum Beispiel durch ein Angebot für die vom IKB-Großaktionär zum Kauf ausgeschriebene Beteiligung an der angeschlagenen Mittelstandsbank – ermöglicht werden.

Aber nun ist die Krisenbewältigung in den Vordergrund gerückt. Der in den begonnenen Arbeiten für den Jahresabschluss 2007 gegenwärtig auf 1,2 Milliarden Euro taxierte Verlust basiert auf einem Wertansatz für Subprime-Anlagen, bei dem noch nicht klar ist, ob er die Vorgaben der Bankenaufsicht erfüllt. Er könnte am Ende also größer oder – eher unwahrscheinlich – auch kleiner ausfallen.

Die Sparkassen hatten im Sommer im Alleingang eine Einbringung der Bank in den Konzern der baden-württembergischen Landesbank LBBW vorbereitet. Nach scharfem Widerstand des Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) willigten sie Mitte Dezember in die Neuausrichtung und Restrukturierung der Bank sowie Fusionsverhandlungen mit der Helaba ein. Wenige Tage zuvor hatte die West LB für die ersten drei Quartale einen Vor-Steuerverlust von 116 Millionen Euro bekanntgegeben und einen Jahresverlust im niedrigen dreistelligen Millionenbereich prognostiziert.

jjooey
20.01.2008, 23:34
Hallo GvD,

finde ich super, dass Du uns an Deinem FAZ-Abo teilhaben lässt!:-)

Kannst du die restlichen beiden Artikel aus der Rubrik "Finanzmarkt" auch noch posten? ("Verschobener Konjunktureinbruch Von Ulrich Kater"; "Beck-Office
Hin und her - oder Schlaftabletten")

In jedem Fall aber: Danke & mach weiter damit! j.

GvD.news
20.01.2008, 23:47
Europlatz Frankfurt
Verschobener Konjunktureinbruch

Die Krise an den Finanzmärkten ist noch in vollem Gang, da wird sie bereits gewogen, klassifiziert und analytisch seziert. Erschreckendes und Beruhigendes tritt dabei zutage. Es mag erschrecken, dass sich die Dauer der Stresslage immer weiter ausdehnt. Zwar zeigen einige Symptome aus der Frühphase dieser Krise bereits Besserungen, so etwa die Liquiditätsprobleme auf den Geldmärkten. Dafür tun sich neue Phasen auf, die noch abgearbeitet werden müssen. Nach wie vor wird die Verunsicherung in Bewertungs- und Abschreibungsfragen immer wieder neu angeheizt durch überraschende – und meistens negative – Nachrichten aus der Bankenlandschaft.

Und in die dritte Phase dieser Krise, die der realwirtschaftlichen Auswirkungen, sind wir gerade erst eingetreten. Das war aus konjunktureller Sicht die erste Botschaft des neuen Jahres: Mit der notwendigen Aufwärtsrevision für das amerikanische Bruttoinlandsprodukt des vierten Quartals wurde immer deutlicher, dass von den konjunkturellen Wirkungen der Kreditkrise im gesamten Jahr 2007 noch nichts zu sehen gewesen ist. Der Konjunktureinbruch wurde verschoben. Das bedeutete gleichzeitig, dass sich die Wirkungen wohl vollständig 2008 zeigen werden.

Beruhigender dagegen mag sich die Einordnung der gegenwärtigen Turbulenzen in den Kontext bisheriger Krisenereignisse ausnehmen. Grob gesprochen enthält die jetzige Krise viel von dem, was man an vergangenen Stressepisoden festgestellt hat. So deuten erste empirische Betrachtungen auf große Ähnlichkeiten im Vorfeld der jetzigen Probleme hin: stark steigende Immobilienpreise, deutlich steigende Aktienmärkte, ein hohes realwirtschaftliches Wachstum. Hinzufügen möchte man eine laxe Geldpolitik sowie den ausgiebigen Einsatz innovativer Finanzinstrumente. Es scheint, als gehörten solche Krisen genauso zum Inventar der Finanzmärkte wie ihr reibungsloses Funktionieren – eine These, die ebenfalls nicht neu ist. Die Erfahrung lehrt auch, dass ein schnelles Abarbeiten der finanzwirtschaftlichen Verwerfungen wichtig ist, um die realwirtschaftlichen Auswirkungen in Grenzen zu halten.

Wie hoch die realwirtschaftlichen Einbußen ausfallen werden, ist gegenwärtig noch nicht sicher abschätzbar. Aus der Vergangenheit ist beides bekannt: eher milde Rückwirkungen, aber auch mehr als einjährige Schwächeperioden. Gegenwärtig deuten die makroökonomischen Daten noch auf moderate Eintrübung hin. Der Datenkranz ähnelt eher der flachen Konjunkturdelle der amerikanischen Wirtschaft Mitte der neunziger Jahre als der langen Schwächeperiode zu Beginn dieses Jahrzehnts. Aber noch bewegen sich die Frühindikatoren nach unten, eine Gegenbewegung fand bislang nicht statt. Ganz große Krisen zeichnen sich durch eine Verschleppung von Anpassungen im Finanzsektor, durch fehlende Reaktion der Wirtschaftspolitik oder einfach durch eine Reihung von unabhängigen negativen externen Schocks aus. Gemessen an diesen Kriterien gibt es gegenwärtig keinen Grund, das Schlimmste anzunehmen.

21.01.2008 Seite 26

GvD.news
22.01.2008, 02:09
Den Banken glaubt fast niemand mehr
Banken und Versicherer beteuern, dass sie offen mit den Risiken der Kreditkrise umgehen. Doch die Anleger misstrauen ihnen und verkaufen ihre Aktien.

ruh. FRANKFURT, 21. Januar. Sieben Monate nach dem Beginn der Finanzkrise erleiden die Aktienmärkte abermals erhebliche Kursverluste. Auf der ganzen Welt sind am Montag vor allem die Aktien von Banken und Versicherern unter Verkaufsdruck geraten. Der Kurs der Allianz sank um 10 Prozent, nachdem er am Freitag schon um mehr als 5 Prozent nachgegeben hatte. Die Allianz ist Eigentümerin der Dresdner Bank. Die Aktien von Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank verloren am Montag zwischen 7 und 10 Prozent an Wert, die der Hypo Real Estate 19 Prozent.

Derartig große Kurseinbußen sind bei Werten, die im Deutschen Aktienindex Dax vertreten sind, selten. Beobachter führen die Verluste auf die große Verunsicherung der Anleger zurück. „Solange es keine testierten Abschlüsse für das Jahr 2007 gibt, wird es bei dieser Unsicherheit bleiben“, sagte Ralf Dibbern, Versicherungsanalyst bei M.M. Warburg. Anlagestrategen vergleichen die Finanzkrise mit einer Virusinfektion. Dass Banken und Versicherer infiziert seien, sei bekannt. Die mit unerwartet großen Verlusten verbundenen Investitionen in bonitätsschwache Hypotheken und Übernahmekredite haben fast alle Finanzdienstleister getätigt. Die Frage ist nur, wie stark die Belastung der einzelnen Gesellschaft ist und wie die Epidemie für das Finanzsystem und die Volkswirtschaft verlaufen wird.

Selbst den Optimisten unter den Anlegern ist klargeworden, dass die Finanzkrise die Wirtschaft belasten und in eine Rezession drücken kann. In der vergangenen Woche warnte der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann, die Krise sei nicht ausgestanden und werde auf die Gesamtwirtschaft übergreifen. Der „Kollaps“ der Marktpreise werde sich fortsetzen. In den vergangenen Tagen hat selbst die Aussicht auf Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Fed um mindestens 0,5 Prozentpunkte und auf ein Konjunkturprogramm der amerikanischen Regierung über rund 150 Milliarden Dollar die Stimmung auf den Märkten nicht mehr beruhigt.

Dass es nun die Aktienkurse der Banken und Versicherer besonders heftig trifft, hat mit Unwissenheit zu tun. Kein Anleger kann von außen abschätzen, welche der hochkomplizierten Finanzinstrumente bei den Unternehmen noch zu Verlusten führen werden. Noch schlimmer ist der Verdacht, dass es die Banken und Versicherer selbst nicht zu wissen scheinen. In der vergangenen Woche hat der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Abschreibungen von rund 400 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem amerikanischen Hypothekenmarkt zugegeben und so einen Kursverlust der eigenen Aktie um ein Drittel ausgelöst. Furchteinflößend war nicht die Höhe der Abschreibung, sondern dass die Bank vorher derartige Risiken ausgeschlossen hatte.

Nun fragen sich viele Anleger, was die Banken und Versicherer – einen ähnlichen Fall gab es auch bei der Swiss Re – noch alles zu beichten haben. Mit der Beichte beginnen nun offenbar auch die chinesischen Banken. Bank of China werde für das vierte Quartal 2007 deutliche Abschreibungen vornehmen müssen, berichtete die „South China Morning Post“ am Montag. Die Bankenaufsicht habe die Regierung entsprechend informiert. Betroffen von Abschreibungen könnten auch zwei weitere Banken sein, berichtete das Blatt, allerdings ohne die Quellen zu nennen. Die Abschreibungen könnten den Gewinn der Bank of China für das Gesamtjahr aufzehren oder sogar zu einem Verlust führen.

Ein weiterer belastender Faktor in der allgemeinen Verunsicherung ist die Krise der Anleiheversicherer. Jahrelang war die kleine Branche völlig unbeachtet, weil die Spezialversicherer ihre Garantien nur für amerikanische Kommunalanleihen ausgesprochen haben. Doch in jüngerer Zeit haben die sogenannten Monoliner ihr Geschäft auf strukturierte Finanzprodukte ausgeweitet, aus denen ihnen nun riesige Verluste drohen. Die Bonität des ersten amerikanischen Anleihenversicherers ist bereits herabgestuft. Für die Investoren – das sind auch Banken und Versicherer – bedeutet das, dass die einst als vollkommen sicher eingestuften Verbriefungen in ihren Portefeuilles heute wie ein Mühlstein hängen. Die Marktwerte sind stark gefallen, und nun kommt auch noch hinzu, dass die von den Anleihenversicherern gegebenen Garantien wertlos sein könnten. Einige Investmentbanken haben deshalb bereits damit begonnen, ihre Forderungen gegenüber einigen Kreditversicherern abzuschreiben. Zu noch größeren Verwerfungen könnte es kommen, wenn der mehrere tausend Milliarden Dollar umfassende Markt der handelbaren Kreditversicherungen – im Fachjargon Credit Default Swaps genannt – in Bedrängnis kommen sollte. Bisher konnten sich die Sicherungsnehmer darauf verlassen, dass sie eine Zahlung erhalten, wenn ihre versicherte Forderung ausfällt. Sollten nun die Ausfallraten in einem wirtschaftlichen Abschwung rasch steigen, würden ebenso rasch Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Sicherungsgeber aufkommen.

Bisher scheint dieser Markt allerdings noch zu funktionieren. Für Beobachter der Finanzkrise dient er als Indikator für die Risikoscheu der Anleger. In den vergangenen Tagen hat sich dabei gezeigt, wie sehr sich die Lage zugespitzt hat. Die Risikoprämie für die Absicherung einer Forderung über 10 Millionen Euro gegenüber der Allianz hat sich zum Beispiel seit Beginn des Jahres von einer Jahresprämie von rund 50 000 Euro auf 67 000 Euro erhöht. Ebenso viel müssen Investoren zahlen, wenn sie ihre Forderung gegenüber der Deutschen Bank absichern wollen. Für die Gläubiger beider Gesellschaften haben damit die Absicherungskosten ein Rekordhoch erreicht und sind etwa siebenmal so hoch wie vor dem Beginn der Finanzkrise im Sommer vergangenen Jahres.

GvD.news
22.01.2008, 02:09
Konjunkturprogramm spaltet Politik
Kongressmehrheit in Amerika will Hilfe für Arbeitslose / Bush für Steuersenkungen

ctg. WASHINGTON, 21. Januar. Zwischen der amerikanischen Regierung und dem von den Demokraten beherrschten Kongress bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber, auf welche Weise der schwachen Wirtschaft am besten zu helfen ist. Wenige Tage nachdem Präsident George Bush die Eckpunkte eines Konjunkturprogramms von rund 145 Milliarden Dollar skizziert hat, bleibt trotz des von beiden Seiten bekundeten Willens zur Zusammenarbeit fraglich, ob ein Hilfspaket so schnell wie beabsichtigt und von Ökonomen gefordert geschnürt werden kann.

Bush, der noch keinen detaillierten Plan vorgelegt hat, neigt offenbar einer Steuererstattung für Haushalte und verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten für Unternehmen zu. Führende Demokraten, darunter auch die Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton, Barack Obama und John Edwards, fordern darüber hinaus eine Ausweitung der Arbeitslosenunterstützung und finanzielle Hilfe für all jene, deren Einkommen so niedrig ist, dass sie keine Lohnsteuer bezahlen. Dafür sollen Besserverdiener mit Einkommen jenseits von 85 000 Dollar im Jahr keine Steuergutschrift erhalten. Bushs Plan „lässt Millionen von arbeitenden Amerikanern außen vor“, kritisierte Obama. Edwards warf dem Präsidenten vor, „die Sache noch schlimmer zu machen“. Chris van Hollen, Mitglied in der demokratischen Führung des Repräsentantenhauses, äußerte sich versöhnlicher. Der Umstand, dass Bush lediglich eine Skizze entworfen habe, lasse viele Möglichkeiten zur Kompromissfindung, sagte van Hollen. „Es kann eine Menge schiefgehen, aber im Augenblick ziehen alle an einem Strang.“

Zurückhaltend haben Bankvolkswirte an der Wall Street die Pläne aus Washington aufgenommen. „Eine Steuererstattung würde das Wachstum gewiss kurzfristig ankurbeln, doch es ist fraglich wie sehr“, sagt Maury Harris, Chefvolkswirt von der Investmentbank UBS in New York mit Blick auf Berichte, wonach Alleinstehende bis zu 800 Dollar und Verheiratete bis zu 1600 Dollar vom Finanzministerium zurückbekommen könnten. Würden auch jene einbezogen, die zwar Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung (payroll taxes), aber keine Lohnsteuer zahlen, dann fiele der Wachstumsschub vermutlich etwas größer aus: „In den niedrigen Einkommensgruppen ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass ein Steuergeschenk schnell ausgegeben wird.“ Harris weist darauf hin, dass die Steuererklärungen für 2007 erst bis zum Stichtag Mitte April abgegeben werden müssen. Dienten sie als Grundlage für eine Gutschrift, dann könnte das Finanzministerium die Schecks nicht vor dem Ende des zweiten Quartals verschicken.

„Die Aussichten auf ein schnelles Handeln des Gesetzgebers sind zwar gut, sicher ist es aber nicht“, sagt Roger Kubarych von der HVB Group in New York. Bush habe die Diskussion politisiert, indem er seine Forderung bekräftigt habe, die Steuersenkungen der Jahre 2001 bis 2003 nicht wie geplant 2010 auslaufen zu lassen, sondern dauerhaft zu gewähren. „Da werden die Demokraten nicht mitmachen“, prophezeit Kubarych. Viele Demokraten sehen in den damaligen Steuersenkungen vor allem Geschenke Bushs an die Reichen und wollen diese rückgängig machen.

Nach Ansicht von Patrick Franke von der Commerzbank steckt „der Teufel im Detail“ des zu schnürenden Pakets. Trotz des parteiübergreifenden Konsenses, dass ein solches Programm wünschenswert sei, gingen die Meinungen über die Ausgestaltung deutlich auseinander. Nach früheren Erfahrungen mit Steuererstattungen und -entlastungen sei mit einem positiven Wachstumsimpuls zu rechnen. „Unterstellt man für 2008 eine Entlastung um rund 100 Milliarden Dollar, die im zweiten Quartal zur Auszahlung kommt, dann wäre im zweiten und dritten Quartal mit einem Konsumimpuls von jeweils 30 Milliarden Dollar zu rechnen“, meint Franke. Die Wirksamkeit von zusätzlichen Investitionsanreizen für Unternehmen sei weitaus unsicherer abzuschätzen. Eine zeitliche Befristung sei notwendig, um den gewünschten Vorzieheffekt zu erzielen.

GvD.news
22.01.2008, 02:10
Kreditkrise erreicht offenbar China

PEKING, 21. Januar (Reuters). Die amerikanische Hypothekenkrise hat einem Zeitungsbericht zufolge jetzt auch chinesische Banken erreicht. Die Bank of China werde für das vierte Quartal 2007 kräftige Abschreibungen vornehmen müssen, berichtete die „South China Morning Post“ am Montag. Die Bankenaufsicht habe die Regierung entsprechend informiert. Betroffen von Abschreibungen könnten auch die Industrial Commercial Bank of China und die China Construction Bank sein, berichtete das Blatt unter Berufung auf nicht identifizierte Quellen. Die Abschreibungen könnten dem Bericht zufolge den Gewinn der Bank of China für das Gesamtjahr aufzehren oder sogar zu einem Verlust führen. Der „China Business News“ zufolge haben mehrere Regierungsstellen die Auswirkungen der Krise auf die Banken untersucht. „Der Schluss, den sie gezogen haben, ist nicht sehr erfreulich“, hieß es ohne Angaben von Quellen.

GvD.news
22.01.2008, 02:10
England sucht Käufer für Northern Rock

bes. LONDON, 21. Januar. Das britische Finanzministerium gibt privaten Übernahmeinteressenten von Northern Rock und dem Management der angeschlagenen Hypothekenbank bis zum 4. Februar Zeit, endgültige Rettungsvorschläge für das strauchelnde Institut vorzulegen. Am Montag bestätigte Schatzkanzler Alistair Darling, dass eine privatwirtschaftliche Lösung für Northern Rock bevorzugt werde, sich die Regierung aber im Notfall eine zeitweilige Verstaatlichung der Bank vorbehalte. In den kommenden zwei Wochen müssen die interessierten Privatinvestoren, also das von der Virgin Group geführte Konsortium, die Beteiligungsgesellschaft Olivant und das Management von Northern Rock, einen schlüssigen Geschäfts- und Finanzierungsplan vorlegen. Die Regierung werde dann einen Vorschlag auswählen. Der Unternehmer Richard Branson, der gegenüber Premierminister Gordon Brown kräftig die von seinem Konsortium geführte Lösung propagiert und von der Regierung als bevorzugter „Retter“ ausgewählt wurde, sagte, die Rahmenbedingungen des Schatzamtes schienen akzeptabel und machbar.

GvD.news
22.01.2008, 02:10
Der Auslandsmarkt
Der spanische Aufschwung wackelt

Dem jüngsten internationalen Kurs-rutsch ist auch der spanische Aktienmarkt nicht entkommen. Der spanische Leitindex Ibex 35 mit den 35 wichtigsten Börsenwerten des Landes ging im Einklang mit den übrigen europäischen Börsen zurück. Doch anders als der deutsche Dax, der sich zumindest bis zur vorigen Woche noch verhältnismäßig gut in der internationalen Finanzkrise schlug, leidet der Ibex schon seit vergangenem Dezember. Zwar verzeichnete die Madrider Börse bis zum Jahresende den fünften jährlichen Kursanstieg in Folge und schloss mit einem Plus von gut 7 Prozent auf mehr als 15 000 Punkte. Doch allein im Dezember verlor der Ibex mehr als 3 Prozent, und seitdem befindet er sich, von zwischenzeitlichen Erholungen abgesehen, auf Talfahrt. Am Montag lag er erstmals seit Oktober 2006 unter 13 000 Punkten.

Dass sich die spanische Börse derzeit verwundbarer zeigt als andere europäische Handelsplätze, hat mit der Finanzkrise direkt nur wenig zu tun. Die spanischen Banken haben offensichtlich nur in sehr begrenztem Maße in hochspekulative amerikanische Risiken investiert. Von größeren Abschreibungen etwa der Großbanken Santander und BBVA ist bisher jedenfalls nichts bekanntgeworden. So deutet die schwache Kursentwicklung in Madrid in erster Linie auf die spanische Konjunktur, die nach mehr als zehn Jahren des Aufschwungs erstmals ernsthaft gefährdet erscheint.

Und die Fallhöhe ist gewaltig. Die Pfeiler der spanischen Konjunktur bestanden fast ausschließlich aus dem privaten Konsum und der Bautätigkeit in Verbindung mit einem aufstrebenden Immobilienmarkt. Diese Pfeiler werden immer dünner: So gehen die Wohnungspreise seit einigen Monaten zurück – eine gänzlich neue Erfahrung für viele Spanier. Gleichzeitig steigen die Zinsen. Da die Spanier ihre Wohnungen ganz überwiegend zu flexiblen Zinssätzen finanzieren, steigen jetzt die Belastungen vieler Haushalte. Schon dies drückt den Konsum. Vor allem aber festigt sich jetzt unter den bisher so fröhlich konsumierenden Spaniern die Befürchtung, dass der Aufschwung nunmehr tatsächlich beendet sein könnte – mit allen negativen Folgen bis hin zur Sicherheit des Arbeitsplatzes. Falls diese Stimmung bis in die Supermärkte und Restaurants durchschlägt, würde dies die spanische Konjunktur ernsthaft beschädigen.

Am meisten haben bisher die erfolgsgewohnten spanischen Baukonzerne gelitten. Überwiegend waren ihre Aktienkurse schon gegen Ende des vergangenen Jahres deutlich gesunken. Seit Jahresbeginn haben die Kurse aller fünf im Ibex vertretenen Baukonzerne – Acciona, ACS, FCC, Ferrovial und Sacyr Vallehermoso – nochmals um 10 bis 20 Prozent nachgegeben. In diesem Bereich liegt auch der Wertverfall der sechs Banken im Ibex seit Jahresbeginn: Santander, BBVA, Popular, Sabadell, Banesto und Bankinter müssen mit Einbußen in ihren Schwerpunkten im Konsumentenkreditgeschäft oder der Immobilienfinanzierung rechnen. Doch auch konsumnahe Werte wie der Bekleidungskonzern Inditex mit der Marke Zara leiden unter einem ähnlichen Kursrückgang.

Immerhin gibt es auch in Spanien einige Werte, die der Krise bisher einigermaßen widerstanden haben, wenngleich sich das überwiegend nur in prozentual einstelligen Kursrückgängen äußert. Darunter finden sich vor allem Unternehmen des Energiesektors: Stromversorger wie Endesa und Unión Fenosa, das Stromleitungsunternehmen REE oder der Gasversorger Gas Natural. Auch die Telefongesellschaft Telefónica kann das Börsengeschehen bisher relativ gelassen verfolgen: Ihr Kursverlust seit Jahresbeginn ist ebenfalls noch solide einstellig. Vor allem aber ist sie wieder das mit Abstand höchstbewertete spanische Börsenunternehmen mit einem Marktwert von knapp 100 Milliarden Euro. Diese Position hatte Telefónica im vergangenen Jahr an Santander abgegeben. Die führende spanische Bank liegt inzwischen wieder um fast 30 Milliarden Euro zurück.

Das ist ein Trost für Telefónica, aber nicht für den spanischen Aktienmarkt. So schwer es derzeit einzuschätzen ist, ob die Kurse generell noch weiter fallen, scheint doch eines sicher: Höchststände von 17 000 Punkten, wie noch zum Jahresbeginn überwiegend erwartet, wird der Ibex 2008 wohl nicht erreichen.

GvD.news
22.01.2008, 02:11
Marktpanik signalisiert berüchtigte „Kapitulation“
Frühere Krisen zeigen: Der weitere Kursverfall ist begrenzt. Doch nun rechnen erste Analysten mit einem andauernden Bärenmarkt.

bes. LONDON, 21. Januar. Wenn die Märkte von Panik ergriffen werden, ist das Schlimmste meist überstanden. Das ist eine Beobachtung vergangener Krisen an den Märkten. Analysten von Credit Suisse haben sich die vergangenen zehn Panik-Phasen an den Aktienmärkten angeschaut. Sie raten Anlegern dennoch, eine Weile mit Aktienkäufen zu warten.

In den vergangenen zehn panischen Verkaufswellen seit 1982 haben die Aktienkurse in den drei Monaten bis zur Panik meist deutlich verloren, und zwar in den Vereinigten Staaten 8,4 und in Deutschland im Schnitt 13 Prozent. Mit einem Verlust beim Dax-Aktienindex von gut 15 Prozent seit Herbst vergangenen Jahres wäre der Markt jetzt exakt an diesem Panik-Punkt angelangt, was die Reaktion der Marktteilnehmer am gestrigen Montag zeigte.

In dem der ersten Panik folgenden Monat brechen die Kurse in der Regel nicht weiter ein, zumindest nicht deutlich. In den vergangenen zehn panischen Verkaufswellen gaben die Kurse weltweit nur noch 1,6 Prozent nach, amerikanische Aktien stagnierten, und deutsche Aktien verloren nach Berechnungen von Credit Suisse „nur“ 4,3 Prozent. Dann jedoch setzte die Erholung ein: In den drei Monaten nach der Panik schnellten die Aktienkurse zwischen 13 und 15 Prozent in die Höhe, in den folgenden zwölf Monaten gar um mehr als 20 bis 25 Prozent.

Dieses Muster wurde mehr oder weniger genau in den Verkaufswellen während der Rezessionen im Jahr 1982 und 1990 eingehalten wie auch in der Panik um die Schocks des Börsenkrachs 1987, der Japan-Krise 1992, der Mexiko-Krise 1994, der Asien-Krise 1997 und der Russland-Krise 1998. Die Ausnahmen von der Regel waren die Verkaufswellen während der Rezessionen in den Jahren 2000 und 2001 und nach der Enron-Krise im Jahr 2002. Damals aber waren die Aktien im Rahmen der Technologieblase extrem überbewertet, und in der Enron-Krise folgte der scharfen Verkaufswelle an den Märkten erst später eine Panik, die dann nochmals drei Monate anhielt und deutsche Aktien um weitere 25 Prozent in die Tiefe zog.

Die Frage, die sich Anleger derzeit stellen müssen, ist, ob sie von einer groß angelegten und lang anhaltenden Hausse überzeugt sind oder glauben, dass jetzt ein Bärenmarkt mit einem langen Abschwung der Aktienkurse begonnen hat. Credit Suisse meint, das sich die Märkte in einer Zwischenkorrektur einer Hausse befinden und die Risikoaversion im März oder April ihren Höhepunkt erreicht haben wird. Anleger sollten „geduldige Bullen“ sein und warten, bis die Energiepreise – wie der Ölpreis – drastisch fielen, konkrete fiskalpolitische Hilfspakete geschnürt würden und erste Anzeichen erkennbar seien, dass die Wachstumsschwäche ihren Tiefpunkt erreicht habe. „Das dauert aber noch Monate und nicht nur Tage“, warnt Credit Suisse.

Vorsichtiger sind die Analysten von Morgan Stanley, die sich von der Idee der Hausse verabschiedet haben und glauben, dass die Welt in einen Bärenmarkt eingetreten ist. „Wir erwarten flache und sehr volatile Märkte wie in der Zeit von 1989 bis 1992“, warnt Teun Draaisma, Chefstratege von Morgan Stanley. Er warnt Anleger, sich nicht von den günstigen Bewertungen anlocken zu lassen, auch wenn einige Risikoindikatoren von Morgan Stanley das Niveau der berüchtigten „Kapitulation“ erreicht hätten.

Dies ist eine Risikoaversion, wie sie bisher nur 1998 und 2001 zu beobachten war. Mehr als ein Drittel der Aktien sind seit dem Höhepunkt vergangenen Jahres um 40 Prozent gefallen, 82 Prozent der Aktien sind um mehr als 20 Prozent eingebrochen – Anzeichen einer sogenannten „Kapitulation“ am Markt.

„Die Wahrscheinlichkeit einer Rally ist derzeit hoch, blickt man in die Vergangenheit“, sagt Morgan Stanley. „Wenn dies noch ein Bullenmarkt ist, dann ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich für einen langen Kursaufschwung einzudecken.“ Wenn dies aber ein Bärenmarkt sei, wovon Morgan Stanley ausgehe, dann werde jegliche Stärke des Marktes von kurzer Dauer sein. Dies könne angesichts einer Zinssenkung der Federal Reserve in den nächsten Wochen durchaus der Fall sein. „Wir empfehlen Anlegern, dann zu verkaufen, denn wir haben den Tiefpunkt des Marktes noch nicht erreicht.“ Nachhaltige Aktienkäufe will Morgan Stanley erst empfehlen, wenn die Bewertungen an den Märkten noch günstiger geworden sind, die amerikanische Geldpolitik expansiv wirkt und die Rezessionsängste von Amerika auf die Welt übergegriffen haben.

Ein Blick in die Vergangenheit zeige, dass der Markt während einer Baisse zu einer Zwischenrally ansetze, nachdem der Höhepunkt der Unternehmensgewinne erreicht sei. Dies erwarten die Analysten von Morgan Stanley für den Sommer dieses Jahres.

GvD.news
22.01.2008, 21:47
Die Vertrauenskrise
Die Zinssenkung von Amerikas Notenbank wird die Märkte kaum nachhaltig beeindrucken.

Vertrauen ist die Basis von allem, ohne Vertrauen ist alles nichts. Was passiert, wenn Vertrauen in Misstrauen umschlägt, erlebten zu Beginn der amerikanischen Kreditkrise zuerst die Banken, als sie begannen, sich gegenseitig nicht mehr zu trauen. Kaum eine Bank wollte einer anderen einen Kredit geben, alle horteten ihr Geld, die Notenbanken sprangen ein, gaben klammen Banken kurzfristige Kredite. Die Liquiditätshilfen zeigten an den Geldmärkten die erwünschte Wirkung, doch das Vertrauen kehrte nicht zurück.

Jetzt hat die Vertrauenskrise die Weltbörsen erfasst. Auf den Kurssturz in Asien und Europa reagierte die amerikanische Notenbank noch vor der Handelseröffnung in New York mit der außerplanmäßigen kräftigen Senkung des Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. An den Aktienbörsen wird dankbar nach diesem Rettungsring der Fed gegriffen, die Kurse haben sich im ersten Reflex ein wenig erholt. Aber wie lange wird das Zinsmanöver helfen? Die Fed hat diese Notmaßnahme nicht mit Liquiditätsnöten der Banken, sondern mit steigenden Risiken für Amerikas Wirtschaft und Sorgen um die Konjunktur begründet.

Die noch zum Ende des vergangenen Börsenjahres gehegte Hoffnung hat getrogen. Die Krise am Markt für zweifelhafte amerikanische Hauskredite hat sich doch ausgebreitet. Sie ist vom Kreditmarkt auf die Gütermärkte übergesprungen und bedroht nun den wirtschaftlichen Aufschwung – und das nicht nur in den Vereinigten Staaten. Aus der Kreditklemme unter Banken droht eine allgemeine Kreditverweigerung für Unternehmen und Verbraucher zu werden, mit schlimmen Folgen für Wachstum, Investitionen, Löhne und Arbeitsplätze. All diese Sorgen drücken sich im Kurssturz der Aktienbörsen aus. Der Korrekturbedarf ist schnell, schonungslos und drastisch. Das spricht nicht gegen, sondern für die Funktionsfähigkeit der Börsen. Die Marktteilnehmer revidieren ihre Erwartungen, die Gewinnentwicklung eines jeden Unternehmens wird im Lichte des drohenden Abschwungs hinterfragt. Auch in der Korrektur zeigt der Markt seine Leistungsfähigkeit.

Im Unterschied zu den früheren Schockwellen kommen diesmal die schlimmsten Nachrichten nicht von den Banken, sondern von den Versicherungen. Wie zuvor die Kreditinstitute haben auch die Versicherungen immer wieder betont, sie hätten alle Risiken im Griff, es gebe keine Verluste. Plötzlich spricht man über den drohenden Zusammenbruch von bislang nur Fachleuten bekannten Spezialversicherungen, den „Monolinern“. Das sind Versicherer, die sich auf die Versicherung von Anleihen spezialisiert haben. Großanleger wie Versicherungen und Pensionsfonds haben Teile ihrer gewaltigen Anleiheportfolios bei diesen Monolinern gegen Ausfälle versichert. Wenn nun der Spezialversicherer pleitegeht, müssen die Großanleger die Verluste tragen. Das erklärt, warum der Marktwert der Allianz in nur zwei Börsentagen um 15 Milliarden Euro gefallen ist.

Wenn die Versicherungen und Vermögensverwalter dem schlechten Beispiel der Banken folgen, ihre Risiken ebenfalls nicht offenlegen und nur scheibchenweise die Verluste ausweisen, dann wird das Misstrauen weiter wuchern. Das könnte wie bei den Banken auch zu einem neuen Machtgefüge führen. Die ehemals großen Wall-Street-Banken sind zum Teil nur noch die Hälfte wert, das Geld für dringend benötigte Kapitalerhöhungen kommt von den in Deutschland verteufelten Staatsfonds aus Asien und Arabien, die in der Krise 70 Milliarden Dollar in westliche Banken investiert haben.

Die Zinssenkung der Fed wird die Märkte wohl kaum nachhaltig beeindrucken. Zu groß sind die Sorgen über das Verhalten der für die Konjunktur so wichtigen amerikanischen Verbraucher. Von deren Konsumfreude lebte in der Vergangenheit nicht nur die amerikanische Wirtschaft, sondern auch viele Exportunternehmen in Asien und Europa. Wenn nun Wellen von Zwangsversteigerungen über Amerika rollen, wird das nicht an den Konsumenten vorübergehen. Erste Bremsspuren zeigen sich bereits in den Bilanzen der Einzelhändler und der Bauwirtschaft. Auch in Europa hat es Übertreibungen auf den Immobilienmärkten gegeben, vor allem in Spanien und Großbritannien. Es spricht wenig dafür, dass sich Europa einem Abschwung der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt wird entziehen können, auch wenn in Deutschland, anders als in den Vereinigten Staaten, keine Rezession droht.

Selbst das vom amerikanischen Präsidenten Bush angekündigte Konjunkturprogramm im Volumen von 150 Milliarden Dollar kann die Akteure an den Märkten nicht beruhigen. Zwar hören die Amerikaner gern von sinkenden Steuern, Doch kommt diese Botschaft nicht gegen das Bündel schlechter Nachrichten an. Der Verfall der Hauspreise zusammen mit der Kreditklemme und der Bankenkrise, zu der jetzt noch der Bärenmarkt an den Aktienmärkten hinzugekommen ist, wirken stärker. Zum Glück trifft das die Weltwirtschaft in robuster Verfassung. Die Volkswirtschaften in Asien und Europa werden den Abschwung in Amerika wenigstens zum Teil auffangen können.

GvD.news
22.01.2008, 21:48
Der Tanz mit dem Tiger
Fasziniert blicken die Deutschen auf China. Sie rechnen mit dessen zunehmender Kraft und können sich zwischen Anforderungen und Anpassung nicht entscheiden. Von Dr. Thomas Petersen

Deutschland blickt mit Faszination und Unbehagen auf den Aufstieg der bevölkerungsstärksten Nation der Erde. Gegen die China-Begeisterung in der deutschen Wirtschaft, so spottete einst Johannes Gross in dieser Zeitung, lasse sich mit Fakten nichts ausrichten. Immerhin sei die Volkswirtschaft des Landes beinahe so groß wie die Spaniens.

Seitdem ist gerade ein Jahrzehnt vergangen. Inzwischen schickt sich die chinesische Volkswirtschaft an, die deutsche – in absoluten Zahlen – zu überholen. Nicht mehr allein die Wirtschaft schaut gebannt auf den Aufstieg der Weltmacht, sondern auch weite Teile der Bevölkerung sind davon überzeugt, dass China in Zukunft zu den wichtigsten Partnern Deutschlands in der Welt gehören wird. Das zeigen die Ergebnisse der jüngsten Repräsentativumfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für diese Zeitung. Von Begeisterung ist in der Bevölkerung allerdings nichts zu spüren. Die Gefühle erweisen sich als eine Mischung aus Faszination und Unbehagen. Die Deutschen wenden sich dem Partner nicht aus Sympathie zu, sondern aus einem Gefühl der Notwendigkeit heraus. Auf die Frage: „Was vermuten Sie: Welches Land, welche Region wird in etwa 20, 30 Jahren die führende Wirtschaftsmacht sein: die Vereinigten Staaten, die Europäische Union, China oder Indien?“ antworten heute 55 Prozent – 11 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren –, China werde dann die führende Wirtschaftsmacht sein. Erst mit großem Abstand, genannt von 14 Prozent, folgt die Europäische Union. Dass die Vereinigten Staaten bis dahin ihre wirtschaftliche Führung verteidigen werden, glauben nur 9 Prozent; 8 Prozent entscheiden sich für Indien.

Dass die Bevölkerung die Entwicklung in Ostasien mit wachsender Aufmerksamkeit verfolgt, hat auch mit der seit einiger Zeit zu beobachtenden außenpolitischen Orientierungslosigkeit zu tun. Das früher unerschütterliche Vertrauen der Deutschen in die Vereinigten Staaten ist seit dem Irak-Krieg erheblich gestört. Die Frage „Welches Land der Welt betrachten Sie als besten Freund Deutschlands?“ wurde jahrzehntelang stets eindeutig beantwortet: Rund die Hälfte der Bürger meinte, die Vereinigten Staaten seien der beste Freund Deutschlands; an zweiter Stelle folgte, genannt von höchstens 20 Prozent, Frankreich. Seither hat sich das Bild dramatisch geändert. 2003 sank der Anteil derer, die die Vereinigten Staaten als besten Freund Deutschlands ansahen, auf 11 Prozent, heute liegt er mit 16 Prozent nur wenig darüber. George W. Bush ist der bei den Deutschen mit Abstand unbeliebteste amerikanische Präsident seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Lediglich 5 Prozent sagen heute, sie hätten von Bush eine gute Meinung, 73 Prozent äußern sich negativ. Da ist es nur folgerichtig, dass die Antworten auf die Frage „Glauben Sie, Deutschland kann sich auf Amerika verlassen, wenn es darauf ankommt, oder glauben Sie das nicht?“ sehr zurückhaltend ausfallen. 39 Prozent sagen, man könne sich auf die Vereinigten Staaten verlassen, 32 Prozent widersprechen ausdrücklich.

Enttäuscht vom wichtigsten Bündnispartner, wandten sich die Deutschen nach Beginn des Irak-Krieges zunächst Frankreich zu, doch inzwischen ist die Halbherzigkeit der Umorientierung deutlich geworden. Zwar glauben heute immerhin 48 Prozent der Deutschen, man könne sich auf Frankreich verlassen; vor fünf Jahren vertraten noch 62 Prozent diese Meinung. Gerade einmal 20 Prozent sind der Ansicht, Frankreich sei der beste Freund Deutschlands, Staatspräsident Nicolas Sarkozy stößt bei der deutschen Bevölkerung auf Skepsis. 85 Prozent haben den Namen des französischen Präsidenten schon einmal gehört, von diesen sagen 9 Prozent, sie hätten eine gute, und 47 Prozent, sie hätten keine gute Meinung von ihm.

Offenbar hat sich bei der Bevölkerung der Eindruck, Deutschland sei eingebettet in einen festen Kreis verlässlicher Freunde, zum Teil verflüchtigt. Der Blick auf die Außenbeziehungen Deutschlands ist in den letzten Jahren nüchterner, desillusionierter geworden. Wer fragt, mit welchen Ländern Deutschland besonders eng zusammenarbeiten sollte, erhält heute insgesamt deutlich weniger Antworten als noch am Anfang des Jahrzehnts, und die Rangfolge der Länder, mit denen eine Zusammenarbeit gesucht wird, scheint weniger von weltanschaulichen als von pragmatischen Überlegungen bestimmt zu sein. An erster und zweiter Stelle stehen zwar, genannt jeweils von rund zwei Dritteln der Befragten, Frankreich und die Vereinigten Staaten, doch schon an dritter Stelle steht Russland (46 Prozent). China liegt, genannt von 38 Prozent, praktisch gleichauf mit Großbritannien, Österreich und der Schweiz und deutlich vor Polen, Japan und Italien.

Aus Sicht der Deutschen sprechen wirtschafts- und sicherheitspolitische Überlegungen für eine Zusammenarbeit mit China. 69 Prozent meinen, es sei wichtig, mit China zu kooperieren, weil es gut sei, dass Deutschland viele Partner in der Welt hat; 64 Prozent verweisen auf den Absatzmarkt, den China biete. 49 Prozent denken, dass eine enge Zusammenarbeit das Risiko von Spannungen zwischen China und Deutschland verringert. Dass Deutschland die Einhaltung der Menschenrechte in China befördern oder zur Demokratisierung des Landes beitragen könne, glaubt dagegen nur eine Minderheit.

Überhaupt gibt sich die Bevölkerung keinen Illusionen über das chinesische Regime hin. Gerade einmal 9 Prozent der Befragten meinen, Deutschland könne sich im Zweifelsfall auf China verlassen. Dass Russland ein verlässlicher Partner sei, meinen dagegen immerhin noch 16 Prozent. Bei einem Assoziationstest, bei dem die Befragten gebeten wurden, China verschiedene Begriffe zuzuordnen, sagten 3 Prozent, beim Stichwort China könne man an Freiheit denken, 3 Prozent dachten an Demokratie. Dagegen meinten 60 Prozent, der Begriff „berechnend“ passe zu China. Nebenbei sei erwähnt, dass eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent die Behauptung für glaubwürdig hält, dass die chinesische Regierung Sportler beim Doping unterstütze.

Wie wenig Sympathie die Deutschen für das Machtstreben des chinesischen Regimes haben, zeigt sich bei einer Frage zum Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt im September vergangenen Jahres. Sie lautete: „Vor einiger Zeit hat Bundeskanzlerin Merkel ja trotz heftiger Proteste aus China den Dalai Lama empfangen. War es aus Ihrer Sicht richtig von Angela Merkel, den Dalai Lama zu empfangen, oder hätte sie nicht das Risiko eingehen dürfen, die deutsch-chinesischen Beziehungen zu belasten?“ 73 Prozent antworteten im Januar auf diese Frage, es sei richtig gewesen, den Dalai Lama zu empfangen, nur 12 Prozent widersprachen. Noch eindeutiger fielen die Antworten auf eine Frage aus, bei der zwei Argumente gegeneinandergestellt wurden. Der Aussage „Aus meiner Sicht war es falsch, dass Angela Merkel den Dalai Lama empfangen hat. China ist ein wichtiger Handelspartner für Deutschland; daher sollte man die Beziehungen zu China nicht leichtfertig auf Spiel setzen“, stimmten 11 Prozent zu. 78 Prozent (und 80 Prozent der SPD-Anhänger) unterstützten dagegen die Aussage: „Meiner Meinung nach war es richtig, den Dalai Lama zu empfangen. Die chinesische Regierung kann der deutschen Bundeskanzlerin nicht vorschreiben, mit wem sie sich trifft.“ Für die von Außenminister Steinmeier in dieser Sache vertretene Position haben die Deutschen kein Verständnis.

So sind die Bürger hin und her gerissen zwischen demokratischen Prinzipien und dem Gefühl, sich mit einem ungeliebten, aber zunehmend wichtigen Partner arrangieren zu müssen. Sie zeigen sich gespalten bei der Frage „Sollte Deutschland mit China wirtschaftlich eng zusammenarbeiten, auch wenn dort die Menschenrechte nicht beachtet werden, oder sollte Deutschland seine wirtschaftlichen Beziehungen zu China davon abhängig machen, dass China Fortschritte bei den Menschenrechten macht?“ 42 Prozent entscheiden sich unter dieser Bedingung für eine normale Zusammenarbeit, ebenfalls 42 Prozent sprechen sich dafür aus, die Wirtschaftsbeziehungen von Fortschritten bei den Menschenrechten abhängig zu machen.

Das vielleicht prägendste Element des China-Bildes der Deutschen ist der Eindruck der Gefahr. Auf die Frage, ob das rasche Wirtschaftswachstum in China eher eine Chance für Deutschland biete, weil deutsche Unternehmen gute Geschäfte in China machen könnten, oder eher eine Gefahr darstelle, weil viele deutsche Unternehmen mit den billigen Löhnen in China nicht mithalten könnten, antworten 49 Prozent, sie sähen im Aufstieg Chinas eher eine Gefahr für Deutschland. Nur für 29 Prozent stehen die Chancen im Vordergrund. Auch bei dem Assoziationstest ordnen 65 Prozent China den Begriff „Gefahr“ zu.

Fast ebenso viele Befragte, 63 Prozent, geben allerdings zu Protokoll, dass China für sie faszinierend sei, und 50 Prozent sagen, sie würden gerne einmal nach China reisen. Nach Russland zieht es dagegen nur 46 Prozent, nach Indien 37 Prozent. Hier werden die gemischten Gefühle der Bevölkerung besonders deutlich: Wider Willen schaut sie dem Tiger ins Auge – und kann den Blick nicht abwenden.

GvD.news
22.01.2008, 21:48
Der Arbeitsmarkt ist noch in Schwung

Schlagen die Nervosität an den Börsen und die Sorge vor einer Abschwächung der Wirtschaft auf den deutschen Arbeitsmarkt durch? Unmittelbar nicht, meint die Bundesagentur für Arbeit. Die Betonung liegt auf unmittelbar. „Der Arbeitsmarkt ist ein Spätindikator und hinkt der wirtschaftlichen Entwicklung etwa sechs Monate hinterher“, sagte ein Sprecher dieser Zeitung. Die Unternehmen benötigten auf jeden Fall noch Personal, um Aufträge aus dem vergangenen Jahr abzuarbeiten. Selbst wenn danach Stellen abgebaut werden sollten, dauere dies wegen der arbeitsrechtlichen Vorschriften einige Monate. Die Behörde bleibt bei ihrer Einschätzung für das laufende Jahr, wonach die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt um 300 000 auf 3,5 Millionen sinken wird. Als guter Frühindikator gilt die Zeitarbeitsbranche. Nach einem mehrjährigen rasanten Wachstum deutete sich schon im vergangenen Jahr vermindertes Tempo an. „Die Unternehmen melden etwas weniger Bedarf an“, sagte Uwe Beyer, Geschäftsführer von Adecco. Gleichwohl erwartet sein Unternehmen immer noch kräftiges Wachstum. Nach 12 000 Stellen 2007 sollen in diesem Jahr 10 000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Höherqualifizierte müssen sich wohl am wenigsten Sorgen machen, so sie nicht in krisengeschüttelten Finanzfirmen tätig sind. Konzerne wie Unternehmen aus dem Mittelstand suchten weiterhin gut ausgebildete Fachkräfte, sagte ein Sprecher der Personalberatung Kienbaum. 2007 sei ein Ausnahmejahr gewesen, doch auch im neuen Jahr laufe die Personalsuche bislang auf hohem Niveau, und auch der Auftragsvorlauf sehe noch immer recht gut aus. (hap./svs.)

GvD.news
22.01.2008, 21:48
Missbrauch verkaufter Hauskredite soll verhindert werden
Zwangsversteigerungen nach dem Verkauf von Krediten an Finanzinvestoren – eine Gesetzeslücke macht es möglich. Sie soll nun geschlossen werden.

sfu. FRANKFURT, 22. Januar. Dem Missbrauch von verkauften Immobilienkrediten kann offenbar rasch ein Riegel vorgeschoben werden. In den vergangenen Wochen waren bei Banken und Sparkassen viele Anfragen von verunsicherten Kunden eingegangen. Diese waren von Berichten aufgeschreckt worden, wonach selbst bei einer zuverlässigen Tilgung durch den Verkauf des Kredits an einen Finanzinvestor eine Zwangsversteigerung drohen könnte. Inzwischen zeigen sich auch Bundespolitiker und Banken alarmiert und dringen auf eine Klärung.

Tatsächlich gibt es eine Gesetzeslücke, die ein solch fragwürdiges Geschäftsgebaren möglich macht. Danach können die Grundschuld als Grundpfandrecht und die Sicherungszweckerklärung, in der sich die Tilgungen widerspiegeln, getrennt voneinander veräußert werden. Ein Finanzinvestor könnte somit isoliert die Grundschuld erwerben, die während der Darlehenslaufzeit konstant bleibt, und diese dann ohne Rücksicht auf die bislang geleisteten Tilgungen einfordern. Dafür müsste nicht einmal ein Vertragsverstoß des Darlehensnehmers vorliegen. Zwar macht sich die Bank, die eine solche Trennung ermöglicht, nach Ansicht von Juristen schadensersatzpflichtig. Jedoch ist eine Zwangsvollstreckung in der Regel schneller abgeschlossen, als ein Gerichtsurteil auf Schadensersatz ergeht.

Derzeit deutet sich aber an, dass das Problem schnell aus der Welt geschafft wird. An diesem Mittwoch findet im Finanzausschuss des Bundestags eine Anhörung statt, die sich dem geplanten „Gesetz zur Begrenzung der mit Finanzinvestitionen verbundenen Risiken“ widmet. Aufgeschreckt von den Berichten über mögliche Zwangsversteigerungen, wollen die Finanzpolitiker nun auch den Missbrauch von Kreditverkäufen diskutieren. Inzwischen stehen mehrere Lösungsmöglichkeiten im Raum. Am weitesten geht der Vorschlag des SPD-Bundestagsabgeordneten Reinhard Schultz. Er tritt für ein Sonderkündigungsrecht von Darlehensnehmern bei einem Verkauf ihres Kredits ohne Vorfälligkeitsentschädigung ein.

Dieser Vorschlag bereitet den Banken und Sparkassen erhebliche Schmerzen. „Die deutsche Kreditwirtschaft hat ein großes Interesse daran, die Verunsicherung zu beseitigen, und nimmt Sorgen, die von ihren Kunden und im politischen Raum im Zusammenhang mit der Veräußerung von Krediten geäußert werden, ernst“, heißt es in einer Stellungnahme des Zentralen Kreditausschusses (ZKA) zur Anhörung im Finanzausschuss. Das Sonderkündigungsrecht würde jedoch der Veräußerung von Krediten – inzwischen ein international übliches Mittel der Risikostreuung von Kreditinstituten – die Grundlage entziehen. Es mache den Erwerb einer Darlehensforderung wegen der unsicheren Zustimmung des Kunden zu einem unkalkulierbaren Risiko und die Festlegung eines angemessenen Kaufpreises faktisch unmöglich.

Nach Ansicht von Thorsten Höche, Geschäftsführer beim Bundesverband deutscher Banken (BdB), würde schon die bestehende Rechtslage ausreichen, um dem Missbrauch vorzubeugen. Allerdings räumt er ein, dass es zu der aktuellen Thematik noch kein höchstrichterliches Grundsatzurteil gibt. Um jedoch der Verunsicherung unter Bankkunden schnell zu begegnen, würde er sich nicht grundsätzlich gegen eine gesetzliche Regelung stellen, die die Trennung von Grundschuld und Sicherungszweckerklärung künftig ausschließt. Praktisch bedeutet das, dass sich die Sicherungszweckerklärung zwischen Bank und Darlehensnehmer bei Kreditverkauf automatisch auf den Erwerber erstreckt.

Daneben steht auch eine mögliche Klarstellung der Bankenaufsicht als Lösung im Raum, um einem Missbrauch vorzubeugen. Danach müsste die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) lediglich präzisieren, wie Kreditverkäufe auf Basis der bestehenden Rechtslage stattzufinden haben, wobei sie besonders auf die gemeinsame Übertragung von Grundschuld und Sicherungszweckerklärung verweist. Wenn dann ein Bankenvorstand den Verkauf nicht sorgfältig abwickelt, würde es automatisch Zweifel an der Ordnungsmäßigkeit seiner Geschäftsführung geben.

Allerdings liegt den Banken daran, die regelmäßig bedienten Kredite und die leistungsgestörten Kredite, bei denen der Darlehensnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommt, deutlich voneinander zu trennen. Das Schutzbedürfnis aller Darlehensnehmer werde sehr ernst genommen, sagt BdB-Geschäftsführer Höche. Allerdings stelle die Veräußerung von leistungsgestörten Krediten eine Form der Verwertung einer Sicherheit dar. Diese dürfe gegenüber der geltenden Rechtslage nicht beschränkt werden.

GvD.news
22.01.2008, 21:49
Bank of America enttäuscht Anleger
Auch die zweitgrößte amerikanische Bank und ihr Lokalrivale Wachovia leiden unter der Hypothekenkrise und steigenden Kreditausfällen. Bank of America-Vorstandschef Lewis hofft erst auf eine Erholung im zweiten Halbjahr.

nks. NEW YORK, 22. Januar. Das zweitgrößte amerikanische Kreditinstitut, Bank of America, Charlotte (North Carolina), hat mit dem Ergebnis des vierten Quartals die Erwartungen der Wall Street klar enttäuscht. Die Bank berichtete gegenüber dem Vorjahr von einem Rückgang des Nettogewinns um 95 Prozent. Der Grund: höher als erwartete Abschreibungen in Zusammenhang mit Hypothekenanlagen sowie gestiegene Kreditkosten. Die Bank hatte ihre Rückstellungen für notleidende Kredite im vergangenen Quartal verdoppelt. Mit der gleichen Begründung rechtfertigte die viertgrößte amerikanische Bank Wachovia Corp., ebenfalls Charlotte, einen Rückgang des Nettogewinns um 98 Prozent. An der Börse blieben die Aktienkurse der beiden Lokalrivalen nahezu unverändert.

Die Bank of America, die größte Privatkundenbank und der größte Kreditkartenanbieter in den Vereinigten Staaten, wies für das vierte Quartal einen Nettogewinn von nur 268 Millionen Dollar aus. Das entsprach 5 Cent je Aktie. Die Bank hatte bereits im Dezember vor schwachen Ergebnissen gewarnt. Analysten hatten im Durchschnitt dennoch mit einem Gewinn von 18 Cent je Aktie gerechnet. Zudem hatten die Auguren unterstellt, dass sich die Einkünfte der Bank of America auf 13,2 Milliarden Dollar summieren würden. Die Einnahmen der Bank fielen jedoch um 31 Prozent auf 12,7 Milliarden Dollar. „Unsere Resultate im vierten Quartal wurden ernstlich von den anhaltenden Verwerfungen in den Kapitalmärkten und dem nachlassenden Wirtschaftswachstum belastet“, sagte der Vorstandschef der Bank of America, Kenneth Lewis. „Aber angesichts dieses Umfeldes sind wir nicht mit unserer Geschäftsentwicklung zufrieden“, fügte er hinzu. Für das Jahr 2008 sei er „vorsichtig optimistisch“, auch wenn das Wirtschaftswachstum in der ersten Hälfte des Jahres „bestenfalls blutleer“ sein würde.

Wachovia wies einen Nettogewinn von 51 Millionen Dollar oder 3 Cent je Aktie aus. Ohne Berücksichtigung von einmaligen Kosten in Zusammenhang mit einer Übernahme belief sich der Gewinn der Bank auf 8 Cent je Aktie. Das lag deutlich unter den Prognosen von 33 Cent je Aktie, die Analysten vorher abgegeben hatten.

Die Bank of America hat, wie alle anderen großen Kreditinstitute auch, höher als erwartete Abschreibungen bei mit Hypotheken besicherten Anleihen vorgenommen. Die Bank reduzierte den Wert dieser Papiere um 5,3 Milliarden Dollar. Noch im November hatten Manager der Bank of America Abschreibungen von mindestens 3 Milliarden Dollar avisiert. Wachovia schrieb 1,7 Milliarden Dollar in Zusammenhang mit Hypothekenanlagen ab.

Die Ursache der anhaltenden Hypothekenkrise sind steigende Zahlungsausfälle bei Immobiliendarlehen, die an Hauskäufer mit schwacher Kreditwürdigkeit vergeben wurden – sogenannte Subprime-Hypotheken. Aufgrund der steigenden Zahlungsausfälle fiel der Wert der mit den Darlehen besicherten komplexen Anleihen, was in massiven Abschreibungen resultierte. Für zahlreiche dieser Anleihen existiert zudem kein Markt mehr.

Der Rückgang der Immobilienpreise hat zudem zu steigender Verunsicherung und höherer Belastung der Verbraucher in den Vereinigten Staaten geführt. Die hatten Anschaffungen häufig mit Krediten bezahlt, die mit dem Wert ihrer Häuser besichert waren. Dazu sind die Budgets der Verbraucher wegen der gestiegenen Benzinpreise angespannt. Diese Entwicklung trifft das Konsumentenkreditgeschäft der Banken, die nun fürchten, dass Kunden die Raten für ihre Kredite nicht mehr zahlen können. Alle großen amerikanischen Banken sorgen daher für mögliche Kreditausfälle vor. Die Bank of America verdoppelte ihre Rückstellungen für Kreditausfälle von 1,6 Milliarden Dollar im Vorjahr auf 3,3 Milliarden Dollar. Wachovia versiebenfachte die Rückstellungen für notleidende Kredite auf 1,5 Milliarden Dollar.

Der größte amerikanische Finanzdienstleister Citigroup Inc., New York, hatte als einzige der vier größten amerikanischen Banken für das vierte Quartal einen Verlust ausgewiesen. Die Citigroup verlor 9,8 Milliarden Dollar. Die Bank schrieb Engagements bei zweitklassigen Hypotheken in Höhe von 17,4 Milliarden Dollar ab. Die Kreditkosten waren um insgesamt 5,4 Milliarden Dollar gestiegen. Besonders betroffen war das amerikanische Verbraucherkreditgeschäft.

GvD.news
22.01.2008, 21:49
Mit Bestnoten in den Ruin
Anleiheversicherer galten lange als solide Branche / Jetzt gefährden sie das Finanzsystem

ruh. FRANKFURT, 22. Januar. Lange Zeit galten Anleiheversicherer als Gelddruckmaschinen. Doch nun bedrohen die Verluste im Geschäft mit strukturierten Finanzprodukten ihre erstklassigen Bonitätsnoten und damit ihre Geschäftsgrundlage. Die Schieflage der verhältnismäßig kleinen Branche könnte eine Kettenreaktion auslösen und ist deshalb zu einer zusätzlichen Belastung für das Finanzsystem geworden. Noch tragen die meisten Anleiheversicherer Bestnoten der Ratingagenturen. Doch viele Investoren trauen diesen Einschätzungen nicht und halten den Ruin einiger Anleiheversicherer für sehr wahrscheinlich.

Ursprüngliches Kerngeschäft der sogenannten Monoliner – Ambac und MBIA sind nach Marktanteilen die größten – ist die Garantie von amerikanischen Kommunalanleihen. Für den meist unwahrscheinlichen Fall, dass eine amerikanische Stadt nicht mehr zahlen kann, verspricht der Versicherer einzuspringen. Die Versicherungsprämie ist bei diesem herkömmlichen Geschäft gering, aber weil es Tausende dieser Anleihen gibt, ernährt das eine kleine Branche. Die Ratingagentur S & P listet ein gutes Dutzend fast ausschließlich amerikanischer Anleiheversicherer auf.

Vor einigen Jahren wurde dieses Geschäftsmodell den Aktionären und Vorständen der Monoliner zu langweilig. Sie begannen damit, Sicherung für komplizierte Finanzprodukte anzubieten, unter anderem auf dem rasch wachsenden Markt der Kreditverbriefungen. Das brachte viel höhere Einnahmen und trieb die Eigenkapitalrenditen auf mehr als 40 Prozent. Zugleich schafften die Monoliner eine der Voraussetzungen für die Übertreibungen auf dem Verbriefungsmarkt. Denn nur dank ihrer Garantien erhielten manche Verbriefungen von bonitätsschwachen amerikanischen Hypothekenkrediten erst ihre erstklassigen Bonitätsnoten und fanden eine ausreichend Zahl von Käufern.

Für diesen Ausflug ins Risiko zahlen die Anleiheversicherer nun einen hohen Preis. Die Ausfallraten bei den garantierten Kredit-Portefeuilles sind viel höher als gedacht. Die Kurse ihrer Aktien haben sich in den vergangenen sechs Monaten in einigen Fällen um mehr als 95 Prozent verringert. Wer heute eine Forderung über zehn Millionen Euro gegenüber dem Monoliner Ambac absichern will, zahlt bei einer fünfjährigen Laufzeit eine jährliche Prämie von rund 1,6 Millionen Euro. Mit anderen Worten: Die Investoren halten einen Ruin für fast so wahrscheinlich wie einen guten Ausgang der Geschichte.

Die Masse des Monoliner-Geschäfts – versichert sind Anleihen im Wert von geschätzt 2300 bis 2700 Milliarden Dollar – gilt als solide und sicher. Doch der toxische Anteil im Nennwert von rund 250 Milliarden Dollar, davon Subprime-Risiken 32 Milliarden Dollar, könnte zum Kollaps führen. Die daraus drohenden Verluste gefährden die erstklassigen Bonitätsnoten. Die Ratingagentur Fitch hat bereits die Note für Ambac von „AAA“ um zwei Schritte auf „AA“ herabgestuft. Ambac hat am Dienstag einen Quartalsverlust von rund 3,3 Milliarden Dollar gemeldet, weil aus Derivategeschäften Verluste von mehr als 5 Milliarden Dollar angefallen waren. Der Marktwert des Unternehmens ist innerhalb der vergangenen sieben Monate von einst knapp 10 auf nur noch 0,6 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen.

Die Investoren auf den Kapitalmärkten befürchten nun, dass es zu weiteren Herabstufungen der Bonitätsnoten kommen wird, zumal S & P bereits einen besonders wagemutigen Anbieter auf Ramschniveau herabgestuft hat. ACA trägt nur noch ein „CCC“-Rating. Aus Sicht der Ratinganalysten ist der Weg bis zum Ruin also nicht mehr weit. Andere Monoliner wie die Financial Security Assurance oder die zur französischen Dexia gehörende Assured Guaranty gelten als solider finanziert, aber die gesamte Branche steht unter Beobachtung. Denn wenn die Bestnoten tatsächlich verlorengehen sollten, dann könnte das der Anfang vom Ende sein.

Die Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway, geführt vom legendären Investor und Milliardär Warren Buffet, steht schon bereit, mit einer unbelasteten Neugründung das Geschäft zu übernehmen. Die Aussichten dafür gelten als günstig. Denn wenn es zu einer Welle von Herabstufungen in der Branche kommen sollte, würden die Schwierigkeiten auf das gesamte vermeintlich unbedenkliche und solide Geschäft übergreifen, das nichts mit Subprime-Risiken und toxischen Finanzinnovationen zu tun hat. Dann würden nämlich auch Tausende von Städteanleihen, die mit Garantien der Monoliner versehen sind, an Wert verlieren. Selbst wenn die Kurse nur um wenige Prozent fallen würden, würden die Investoren – häufig Pensionskassen und Versicherer – viele Milliarden Dollar verlieren. Ihre Bereitschaft bei einem der etablierten Anbieter neue Verträge abzuschließen, ginge dann wohl gegen null, befürchten Analysten. Ohne ausreichendes Neugeschäft wären die Monoliner aber wohl nicht überlebensfähig.

Diese Kettenreaktion könnte auf den gesamten Finanzmarkt ausstrahlen, zumal die Anleiheversicherer sich besonders bei ihren riskanteren Geschäften der handelbaren Kreditversicherungen bedient haben, der Credit Default Swaps. Eine Verunsicherung dieses ungleich größeren Marktes könnte die Risikoprämien für Unternehmenskredite weiter in die Höhe treiben. Außerdem wird befürchtet, dass auch deutsche Banken bei den amerikanischen Monolinern Ausfallsicherungen abgeschlossen haben, die nun im schlimmsten Fall nicht bedient werden. Analysten der Privatbank Sal. Oppenheim schätzen zum Beispiel, dass der deutsche Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate mit rund 20 bis 25 Milliarden Euro in Krediten engagiert ist, die von Monolinern versichert worden sind. Deshalb seien weitere Abschreibungen zu befürchten.

GvD.news
22.01.2008, 21:50
Wachstumspläne der Minen drohen an der Finanzkrise zu scheitern
Die globale Übernahmewelle unter den Rohstoffkonzernen gerät ins Stocken. Die brasilianische CVRD zögert bei der schweizerischen Xstrata, die australische BHP Billiton stockt ihr Angebot für die englisch-australische Rio Tinto nicht auf.

che. SINGAPUR, 22. Januar. Der brasilianische Rohstoffkonzern Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) hat bestätigt, an einer Übernahme seines schweizerisch-britischen Wettbewerbers Xstrata zu arbeiten. Der Kaufpreis könnte – die derzeitigen Börsenturbulenzen nicht mit einbezogen – bei rund 100 Milliarden Dollar liegen. Allerdings warnte das Unternehmen am Dienstag, dass „die derzeitigen Bedingungen an den internationalen Kapitalmärkten eine große Herausforderung für jedes strategische Vorhaben darstellen“. Unterdessen deutet auch alles darauf hin, dass BHP Billiton sein Angebot für den Kauf von Rio Tinto bis zur Ablauffrist am 6. Februar nicht aufstocken wird. Die Aktie von Rio Tinto hat seit dem Wochenende deutlich an Wert verloren. Die letzte große Übernahme der Branche war der Kauf des kanadischen Aluminiumherstellers Alcan durch Rio Tinto für knapp 43 Milliarden Dollar im November.

Deshalb geben Analysten nun auch dem Übernahmeversuch von CVRD wenig Chancen. „Der Zeitpunkt ist einfach falsch“, sagte ein Marktbeobachter in Sydney. Aktionäre haben die CVRD-Aktie massiv verkauft, da sie eine Überbezahlung fürchten. Das Papier verlor am Dienstag im Handel in Brasilien mehr als 12 Prozent. Die Xstrata-Aktie büßte im Handel knapp 6 Prozent ein. Der CVRD-Vorstandsvorsitzende Roger Agnelli arbeitet daran, mit seinem Konzern an Marktführer BHP vorbeizuziehen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren investiert er fast 60 Milliarden Dollar, um sein Geschäft im Heimatmarkt, aber auch in Australien, China und Kanada auszubauen.

CVRD baut etwa ein Fünftel der gesamten Eisenerzproduktion der Welt ab und ist damit Marktführer bei dem Rohstoff der Stahlindustrie. Xstrata ist der größte Exporteur von Kraftwerkskohle. Beide Rohstoffe sind gerade in den Wachstumsmärkten China und Indien begehrt. Während Xstrata Gejagter ist, ist das Unternehmen zugleich aber auch Jäger: So plant es die Übernahme von zwei australischen Bergbauunternehmen im Gesamtwert von 2,3 Milliarden australischen Dollar (1,37 Milliarden Euro). Seinen Anteil von 48 Prozent am Nickelproduzenten Jubilee Mines will Xstrata zu einer Mehrheit ausbauen. Beim Kohleschürfer Resource Pacific kämpfen die Schweizer gegen dessen Vorstand, der ihr Angebot ablehnt. Auch Vale sucht – so wie die ganze Branche – nach weiteren Übernahmekandidaten neben Xstrata: „Zusätzlich loten wir weitere Optionen mit anderen Unternehmen des Sektors aus, ohne jede Garantie auf einen Abschluss“, heißt es beim Konzern.

So vergleichbar die Größenordnung der geplanten Übernahme von Rio Tinto durch BHP Billiton mit derjenigen von Xstrata durch CVRD wäre, so unterschiedlich sind die Vorhaben angelegt: Die australisch-britische Fusion würde zu einer Kombination gleicher Ressourcen führen und weckt damit die Hoffnung auf Kostensenkung und Synergieeffekte. Der brasilianisch-schweizerische Zusammenschluss dagegen ist auf Diversifikation angelegt. Xstrata bietet, was CVRD nicht hat. Nach einer Übernahme würden die Brasilianer an der russischen Norilsk Nickel vorbeiziehen und stünden für rund 30 Prozent der weltweiten Nickelproduktion. Denn unter dem neuen Dach würden die beiden größten Nickelproduzenten Kanadas zusammengeführt: Inco, das CVRD 2006 für 17 Milliarden Dollar übernommen hatte, und Falconbridge, die Xstrata gekauft hatte. Da aber der Markt für Nickel wesentlich vielfältiger ist als der von den nur drei Anbietern BHP Billiton, CVRD und Rio Tinto bestimmte Markt für Eisenerz, dürfte Hauptabnehmer China gegen den Zusammenschluss von CVRD und Xstrata weniger einzuwenden haben als gegen denjenigen von BHP Billiton und Rio Tinto. Zugleich würde CVRD nach der Übernahme zu einem der führenden Anbieter von Kupfer, Zink und Kraftwerkskohle werden.

GvD.news
22.01.2008, 21:50
Der Devisenmarktbericht
Rezessionsangst drückt den Euro

Auf den ersten Blick erscheint es widersinnig, dass der Dollar zum Euro zulegt, seit die Angst vor einer Rezession in Amerika um sich greift und in Washington an einem Konjunkturpaket gebastelt wird. Doch für die Kursgewinne, die die amerikanische Währung von rund 1,49 Dollar je Euro in der vergangenen Woche auf etwas mehr als 1,45 Dollar je Euro getrieben haben, gibt es eine verhältnismäßig einfache Erklärung: Auf den Devisenmärkten ist die Furcht gewachsen, dass ein Knick in der amerikanischen Konjunktur auch das Wachstum im Euro-Raum dämpfen wird, und zwar stärker als bisher vermutet. Darauf, so meinen nun viele Marktakteure, werde die Europäische Zentralbank schon bald mit einem Kurswechsel reagieren und auch die Leitzinsen senken.

„Eine Zinssenkung im Euro-Raum ist nach Einschätzung der Märkte wahrscheinlicher geworden. Auf der anderen Seite waren die Erwartungen fallender amerikanischer Leitzinsen schon in den Kursen enthalten“, schreiben die Währungsfachleute der Unicredit in einem Kommentar. Der Zielzinssatz für Tagesgeld, den die amerikanische Notenbank Fed anstrebt, werde zum Jahresende bei rund 2,5 Prozent erwartet, noch deutlich niedriger als das aktuelle Niveau von 3,5 Prozent. Eine Reihe von Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern, darunter dem Präsidenten der Banque de France, Christian Noyer, deute auf eine weniger aggressive Geldpolitik hin. „Eine Zinserhöhung scheint nun vom Tisch zu sein. Der nächste Zinsschritt führt vermutlich nach unten“, meinen die Unicredit-Analysten. Sie halten zwar eine Erholung des Euro für möglich, wenn die Fed tatsächlich die Zinsen nach dem Schritt vom Dienstag weiter deutlich senken sollte; zunächst aber werde der Dollar wohl weiter zulegen und könne auch Kurse um 1,43 Dollar je Euro erreichen.

Von der allgemeinen Nervosität und wachsenden Risikoscheu der Marktakteure profitiert aber nicht zuletzt der japanische Yen. Für einen Dollar mussten am Dienstag rund 106,5 Yen bezahlt werden, rund 3 Yen weniger als in der vergangenen Woche. Und es genügen 155 Yen zum Kauf eines Euro, verglichen zu 161 Yen vor Wochenfrist. Nach Auskunft von Marktbeobachtern handelt es sich zu einem beträchtlichen Teil um die Auflösung der lange Zeit beliebten „Carry Trades“: Anleger, die zum niedrigen japanischen Zins Kredite aufgenommen und das Geld andernorts investiert hatten, lösen diese Geschäfte nun auf und fragen Yen nach, damit sie ihre Kreditschulden tilgen können. Der Aufwertungsdruck für den Yen dürfte wohl noch eine Weile andauern, solange die Finanzmärkte sich in so großer Unruhe befinden. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, dass die japanische Regierung sich mittels Interventionen gegen eine allzu rasche Kursgewinne zu stellen versucht. Ein starker Yen, dessen ist sich die Führung in Tokio bewusst, beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Exporteure und damit das eigene Wachstum. Zumal mit einer schwachen amerikanischen Konjunktur auch zum aktuellen Wechselkurs die Nachfrage von einem wichtigen Auslandsmarkt geringer werden dürfte.

Daten des japanischen Finanzministeriums zum Kapitalverkehr im vergangenen November liefern unterdessen eine Erklärung dafür, weshalb der Yen-Kurs während dieser Zeit so schwankungsanfällig war: Japanische Anleger haben im vorletzten Monat des Jahres 2007 unter dem Strich ausländische Wertpapiere im Wert von 852 Milliarden Yen gekauft, ausländische Investoren trennten sich im Saldo von japanischen Aktien im Wert von 726 Milliarden Yen. Ausländer verkauften zwar auch japanische Anleihen, sie stockten aber ihr Engagement bei japanischen Geldmarktpapieren um beträchtliche 4,1 Billionen Yen auf. Im Saldo flossen im November rund 1,6 Billionen Yen an die japanischen Finanzmärkte. „Die hohen Bargeldbestände ausländischer Investoren sind gefährliches, heißes Geld. Sie können in jedem Augenblick abgezogen werden“, warnt Carl Weinberg, Chefvolkswirt von High Frequency Economics in New York. Mit Blick auf die japanischen Leitzinsen gebe es keinen überzeugenden Grund, weshalb das Geld im Land bleiben sollte, sagt der Ökonom.

GvD.news
24.01.2008, 23:27
Der Aktienkurs: Erst ausgesetzt – dann eingebrochen
Die übrigen französischen Bankaktien verbuchten dagegen hohe Kursgewinne

gb. FRANKFURT, 24. Januar. Der Aktienkurs der Société Générale ist am Donnerstag am Nachmittag um rund 6,5 Prozent eingebrochen, nachdem der Handel mit dem Papier am Vormittag ausgesetzt war. Händler und Analysten zeigten sich fassungslos über den Betrugsfall.

Der Kursverlust wäre wohl noch höher ausgefallen, wenn die Aktie nicht schon seit einigen Tagen sehr schwach tendiert hätte. Seit der vergangenen Woche hatte es Gerüchte über sehr hohe Wertberichtigungen – im Gespräch waren Beträge bis zu 40 Milliarden Euro – als Folge der Finanzmarktkrise gegeben. Dass die Wertberichtigungen mit 2 Milliarden Euro weitaus geringer als erwartet ausfielen, verhinderte einen noch schlimmeren Kurssturz.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Bewertung der langfristigen Verbindlichkeiten der Großbank mit „AA“ beibehalten, aber unter Beobachtung gestellt mit der Möglichkeit einer Herabstufung. Sie bestätigte dagegen das kurzfristige Rating mit „A-1+“. Die Agentur Fitch hat ihre Bewertung der langfristigen Verbindlichkeiten der Bank von „AA“ auf „AA-“ reduziert. Ein Betrugsfall dieser Größenordnung stelle die Effizienz der internen Kontrollen in Frage, kommentierte die Agentur. Die gleichzeitig bekanntgegebene Kapitalerhöhung über 5,5 Milliarden Euro sollte allerdings für eine angemessene Kapitalausstattung sorgen. Gleichwohl stehe die Société Générale vor einem schwierigen Jahr. Die Analysten der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs nahmen die Aktie der Société Générale zwar von ihrer Liste der Werte, die „bevorzugt verkauft“ werden sollten, empfahl aber weiterhin, Aktienbestände zu reduzieren.

In Paris äußerten sich Händler sehr kritisch gegenüber der seit vielen Jahrzehnten hochangesehenen Bank. Der Betrugsfall gehe mit einem erheblichen Verlust an Glaubwürdigkeit gegenüber der Aktie einher, hieß es. Auch die Ankündigung einer Kapitalerhöhung wurde nicht nur positiv aufgenommen, da sie eine Gewinnverwässerung zur Folge haben dürfte.

Andererseits belebte das Malheur der Bank Spekulationen über eine Fusion oder Übernahme. „Die Bank ist substantiell geschwächt, und es ist klar, dass sie nicht allein weiterbestehen kann“, sagte ein Pariser Händler. „Die haben keine Wahl.“ Als ein Interessent wurde der französische Marktführer BNP Paribas genannt. Solche Spekulationen existieren allerdings schon seit Jahren. Daniel Bouton, der Vorstandsvorsitzende der Société Générale, hatte in der Vergangenheit mehrfach Gespräche mit nahezu allen anderen großen europäischen Banken über eine Allianz bestätigt. Allerdings habe die Société Générale den richtigen Partner nicht gefunden, gestand Bouton. Vor einiger Zeit kursierten an den Finanzmärkten Spekulationen über Gespräche mit dem italienischen Unicredit.

Die Aktien der anderen großen französischen Banken verbuchten am Donnerstag teils erhebliche Kursgewinne. Der Marktführer BNP Paribas teilte mit, es existiere keinerlei Anlass für eine Gewinnwarnung. Die Großbank wird bereits in der kommenden Woche einen Überblick über die Geschäftsentwicklung im vergangenen Jahr geben. Die eigentliche Bilanzpressekonferenz war bisher erst für den Februar vorgesehen.

Deutliche Kursgewinne verbuchte auch die Aktie des Crédit Agricole, die wieder über 20 Euro notierte, obgleich Goldman Sachs sein Kursziel für die Aktie von 29 auf 27

GvD.news
24.01.2008, 23:27
Die Tiefstkurse sind noch nicht erreicht
Zwölf Lehren aus dem scharfen Kurseinbruch an den internationalen Aktienmärkten / Technische Analyse

FRANKFURT, 24. Januar. In Tagen wie diesen ist eine nüchterne und tabulose Analyse mehr denn je das Gebot für jeden Analysten. Schönfärberei kann niemand gebrauchen, Schwarzmalerei ebenso wenig. Im Folgenden deshalb alle derzeit möglichen, wesentlichen analytischen Erkenntnisse mit den Ableitungen für die Zukunft von Dax, Dow Jones und den anderen großen Aktienindizes.

Erstens: Vor zwei Wochen herrschte an dieser Stelle noch Zuversicht. Diese Einschätzung war schon drei Handelstage später hinfällig.

Zweitens: Als ultimatives analytisches Stoploss zur Verlustbegrenzung für jedweden nach oben gerichteten Blick wurde die Unterstützung von 7512 Punkten genannt. Diese Unterstützung wurde am Mittwoch vergangener Woche unterschritten. Seither ist Deutschland analytisch in Bärenhand.

Drittens: Erschreckend ist, wie schnell der Dax seine in den vergangenen Monaten aufgebaute relative Stärke gegenüber dem Dow Jones abgebaut hat. Zum Ende der ersten Januarwoche stand noch eine um 8 Prozent bessere Entwicklung zu Buche. Mittlerweile hat sich dieser Vorteil in der Spitze auf nahe null reduziert. Vor allem das ist ein Desaster.

Viertens: Mit den Kurseinbrüchen der vergangenen beiden Wochen sind in allen relevanten Märkten die langfristigen Aufwärtstrends gebrochen. Die hatten die Aktienmärkte fast fünf Jahre, seit den Tiefpunkten im März 2003 und im Herbst 2002, begleitet. Dies gilt explizit auch für die drei wichtigsten Indizes an Wall Street, den Dow Jones, den S&P 500 und den Nasdaq Composite. Damit geht eine lange Erfolgsgeschichte zu Ende, und die Zeichen stehen auf Sturm. Per definitionem befinden sich die Weltaktienmärkte damit in einer Korrektur oder möglicherweise sogar in einem langfristigen Abwärtstrend. Eine gewisse Ausnahme bilden momentan nur China und Indien.

Fünftens: Richtig unangenehm ist, dass dieser Kurseinbruch zu einem Zeitpunkt stattfand, da entsprechend unseren Indikatoren und den von uns in der Finanzwelt wahrgenommenen Eindrücken die Stimmung schon am Boden war. Das aber geschieht in der Regel vor allem, wenn die Marktteilnehmer sich mit einer neuen Informationssituation, im vorliegenden Fall mit einer neuen Enttäuschungs- oder Bedrohungssituation, konfrontiert sehen. Mut kann das nicht machen.

Sechstens: Die aus diesen Beobachtungen ableitbaren Prognosen für die mittelfristige Zukunft sind zumindest schwierig. Eine rasche Trendumkehr ist unwahrscheinlich. Vielmehr muss mit einer Fortsetzung der Korrektur gerechnet werden. Dabei rücken für den Dax Stände unter 5700 Punkten und für den Dow Jones ein Niveau um 11 000 Punkte ins Blickfeld.

Siebtens: Kurzfristig deutet einiges darauf hin, dass es des Schlechten zu viel geworden ist und nun eine auch im Chart sichtbare Erholung ansteht. Die wird allerdings kaum das Zeug haben können, eine dauerhafte Trendwende einzuläuten. Besonders unangenehm daran dürfte auch sein, dass die Volatilität mit einiger Sicherheit hoch bleiben wird. Tagesschwankungen wie die in den vergangenen Tagen von manchmal 5 Prozent und mehr werden zunächst auf der Tagesordnung bleiben.

Achtens: Auffällig war in den vergangenen beiden Wochen, dass der Einbruch nun auch die starken Werte des Dax wie die Versorger und Chemietitel heftig erwischt hat. Wenn aber die Marktteilnehmer beginnen, sich von ihrem Tafelsilber zu trennen, dann kann das ein Hinweis auf ein besonders Ausmaß von Panik und Angst sein und damit auf ein nicht mehr allzu fernes Ende des Einbruchs. Dennoch findet sich momentan entsprechend unseren Beobachtungen nicht eine Aktie im Dax, die bereits jetzt eine Trendwende zum Besseren begonnen oder gar abgeschlossen haben könnte.

Neuntens: Trotz dieser mittelfristig wenig erbaulichen Analyse und Prognose erscheint uns momentan die Wahrscheinlichkeit für ein Abdriften der Aktienmärkte in eine waschechte Baisse wie in den Jahren 2000 bis 2003 relativ gering. Solange der Dax nicht nachhaltig unter den oben genannten Unterstützungsbereich zurückfällt, wähnen wir wenigstens ihn in einer Elliott „4“ seit dem Beginn der Hausse im März 2003.

Zehntens: Ein kurzer Blick auf die Charts der in den vergangenen Tagen diskutierten Monoliner von Ambac und MBIA. Die eine ist in den vergangenen Monaten in der Spitze auf ein Zwanzigstel ihres Kurswerts gefallen, die andere etwa auf ein Zehntel. Manches spricht dafür, dass die begonnene Erholung sich ein wenig fortsetzen kann, vieles dafür, dass beide Werte noch lange Sorgenkinder bleiben werden, und so gut wie nichts für eine Rückkehr zu altem Glanz.

Elftens: Gold als in vielen Schlachten kampferprobtes Krisenmetall wird seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Mit der Überschreitung des fast 28 Jahre alten historischen Höchstkurses bei 850 Dollar steht seit ein paar Wochen ein neues Kaufsignal im Chart. Das vor Jahren an dieser Stelle ausgegebene, unverändert gültige Ziel eines vierstelligen Goldpreises rückt damit in greifbare Nähe.

Zwölftens: Die in der Krise der letzten Tage entstandenen Signale in den Zinscharts deuten darauf hin, dass unabhängig von den Notenbanken vorerst nicht mit weiter sinkenden Zinsen an den Finanzmärkten zu rechnen ist. Der letzte Dienstag war der klassische Reversal, eine zumindest vorläufige Trendumkehr.

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24.01.2008, 23:28
Rohstoffe im Abwärtssog der Aktienbörsen
Zuletzt sind auch Rohstoffe kräftig unter Druck geraten. Während sich die Aktienbörsen von den Turbulenzen zu erholen scheinen, könnten Rohstoffe weiter unter der höheren Risikoscheu leiden.

hi. FRANKFURT, 24. Januar. Nahezu alle börsengehandelten Rohstoffe sind während der zurückliegenden Tage in den Abwärtssog der Aktienmärkte geraten. Selbst wenn sich Letztere jetzt gefangen haben und wieder in ruhigeres Fahrwasser zurückfinden sollten, dürfte es noch etwas dauern, bis sich die einzelnen Rohstoffe wieder an den ihnen jeweils eigenen fundamentalen Bedingungen ausrichten. Analysten sind davon überzeugt, dass sich die an den Aktienmärkten zuletzt krass zutage getretene Risikoscheu nachhaltiger auch auf die Rohstoffmärkte und besonders auf die ihnen jeweils nachgeordneten Terminbörsen übertragen hat.

Sie begründen diese These damit, dass die spekulativen Fonds während der jüngsten Turbulenzen finanziell erheblich zur Ader gelassen wurden und dass das verlorene Kapital wegen der allgemeinen Risikoscheu nicht so rasch wieder voll ersetzt werden kann. Dazu trage auch bei, dass sich die Fonds in Zukunft nicht mehr ohne weiteres die Kreditmengen von Banken beschaffen könnten, mit denen sie ihren Engagements an den Terminbörsen zusätzliche Hebelwirkung (leverage) zu verschaffen pflegten, heißt es.

Mit dem Schwächeanfall an den Aktienmärkten ist aller Welt deutlich vor Augen geführt worden, dass, ausgehend von der Immobilien- und der Kreditkrise in Amerika, erhebliche Gefahren für die Weltwirtschaft entstanden sind. Dieses Thema ist an den Rohstoffmärkten zwar schon seit dem Sommer vergangenen Jahres intensiv diskutiert worden, doch hat es die Preisbildung konkret wenig beeinflusst. In diesem Zusammenhang erinnern Analysten immer wieder daran, dass die Rohstoffpreise kein zuverlässiger konjunktureller Frühindikator sind. Angesichts der jüngsten Ereignisse an den Aktienmärkten sind aber auch an den Rohstoffmärkten insgesamt die Sinne für die konjunkturellen Gefahren geschärft worden. So wird jetzt selbst bei der Analyse des Kakaomarktes die These vertreten, die schlechteren Aussichten für die Weltwirtschaft ließen eine spürbare Dämpfung des Verbrauchswachstums erwarten. Und wer den Baltic Dry Index (BDI), den international anerkannten Index für Trockenfrachten in der Seeschifffahrt, als konjunkturellen Frühindikator betrachtet, kommt kaum noch um den Schluss herum, dass sich die Weltwirtschaft bereits auf Talfahrt befindet. Dieser Index hat sich seit seinem im November verzeichneten Rekord in der Spitze fast halbiert.

Kupfer, das Flaggschiff unter den Industriemetallen, eilt ebenfalls der Ruf eines konjunkturellen Frühindikators voraus. Das Metall hat während der jüngsten Turbulenzen mit rund 10 Prozent recht wenig an Boden verloren, jedenfalls wenn man einen Vergleich mit dem Einbruch von mehr als 20 Prozent zieht, der sich von Anfang Oktober bis Mitte Dezember erstreckte. Aus dem jüngsten Verhalten des Kupfermarktes lässt sich jedenfalls nicht überzeugend ableiten, dass die Weltwirtschaft auf der Kippe stehen könnte. Da das Zentrum des Nachfragewachstums eindeutig in Asien, und hier besonders in China, liegt, könnte die relative Stabilität des Metalls jedenfalls für den Augenblick eher ein Indiz für einen wenig geschwächten Bedarf sein. Das große Bild verrät jedoch eine steigende Weltproduktion, so dass der Bedarf weiter nachhaltig zunehmen müsste, um den Kupferpreis auf dem gegenwärtigen Niveau halten zu können.

Als schwer angeschlagen bieten sich nach den jüngsten Turbulenzen die Getreide- und die Ölsaaten dar. Dies kann nicht verwundern, weil sich die Spekulation in den vorausgegangenen Wochen an diesen Terminmärkten besonders stark engagiert hatte. Analysten berichten übereinstimmend, dass zuletzt massiv Kaufpositionen liquidiert wurden, um bereits entstandene Verluste zu begrenzen und/oder finanzielle Löcher, die wegen Nachschussforderungen an anderen Märkten entstanden waren, zu stopfen. Hinzu kommt, dass an den Agrarmärkten der berüchtigte „February Break“ droht. Dieses recht häufig auftretende Phänomen erklärt sich mit massiven Verkäufen der amerikanischen Farmer an den physischen Märkten besonders für Weizen, Mais und Sojabohnen. Sie treten im Februar, zunehmend aber auch schon in der zweiten Januarhälfte auf, weil die Erzeuger neu beschaffte Landmaschinen und Saatgut für die Sommerernten bezahlen müssen.

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24.01.2008, 23:28
Wall-Street-Banken sollen Anleiheversicherer retten
New Yorker Versicherungsaufsicht drängt die Investmentbanken auf eine Kapitalspritze von 15 Milliarden Dollar

nks. NEW YORK, 24. Januar. Die New Yorker Versicherungsaufsicht dringt auf eine Rettung der im Zuge der Hypothekenkrise angeschlagenen amerikanischen Anleiheversicherer. Damit will die Aufsichtsbehörde eine drohende negative Kettenreaktion an den Finanzmärkten verhindern. Der Chef der New Yorker Versicherungsaufsicht, Eric Dinallo, war am Mittwoch mit Vertretern von rund einem Dutzend Investmentbanken zusammengekommen, um einen Stützungsplan zu diskutieren.

Die Aussicht auf eine solche potentielle Rettungsaktion beflügelte die Aktienkurse der beiden größten Anleiheversicherer MBIA und Ambac und sorgte für eine allgemeine Kurserholung, da die Versicherer eine wichtige Rolle für die Stabilität des Rentenmarktes spielen. „Die Anleiheversicherer jagen den Leuten Todesangst ein“, sagte Harry Clark, der Vorstandschef des Vermögensverwalters Clark Capital aus Philadelphia, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. An der Wall Street habe es „erleichtertes Aufatmen“ gegeben.

Finanzaufseher und Investoren befürchten eine Kettenreaktion, falls Emittenten von Anleihen ihre Zinsen nicht mehr zahlen und die Versicherer wegen ihrer prekären Geschäftslage nicht für den von ihnen garantierten Ersatz aufkommen können. Das würde zu hohen Verlusten bei den Käufern von Anleihen wie Banken oder Pensionskassen führen und schlimmstenfalls das Vertrauen in das gesamte Finanzsystem erschüttern.

Chefaufseher Dinallo drang daher auf eine Kapitalspritze von rund 15 Milliarden Dollar innerhalb von zwei Tagen. Dinallo will so einer drohenden Abstufung der Bonität der beiden führenden Spezialversicherer durch Kreditbewertungsagenturen zuvorkommen und den Markt stabilisieren. In Bankenkreisen wurden die Verhandlungen aber als „sehr vorläufig“ charakterisiert. Die Kreditbewertungsagentur Fitch hatte die bisher exzellente Bonität von Ambac in der vergangenen Woche schon von „AAA“ auf „AA“ heruntergestuft. Die beiden bedeutenderen Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s prüfen eine mögliche Reduzierung ihrer Bonitätsnoten noch.

Die Titel von MBIA legten an der New Yorker Börse am Mittwoch um 33 Prozent zu, verloren allerdings am Donnerstag 10 Prozent. Der Aktienkurs von Ambac stieg – beide Tage zusammen gerechnet – um rund 65 Prozent. Die Aktienkurse beider Gesellschaften waren zuvor um rund 85 Prozent gefallen, weil die Anleger eine Abstufung der Bonität durch die Ratingagenturen befürchten.

Die bis vor kurzem den meisten Anlegern an der Wall Street eher unbekannten Anleiheversicherer, die im Branchenjargon „Monoliner“ heißen, spielen eine wichtige Rolle auf dem Anleihemarkt. Sie versichern traditionell von amerikanischen Städten und Gemeinden emittierte Anleihen, sogenannte Kommunalobligationen, gegen Ausfälle. Das Volumen der von den Spezialversicherern garantierten Anleihen beläuft sich schätzungsweise auf 2400 Milliarden Dollar – etwa der Hälfte der amerikanischen Kommunalanleihen. Die Bonitätsnoten der Versicherer sind wichtig, weil sie in enger Verbindung zum Wert der Anleihen steht. Sinkt die Kreditwürdigkeit, müssten Rentenfonds, die keine riskanten Anleihen halten dürfen, die herabgestuften Titel verkaufen.

In Schwierigkeiten gerieten die Versicherer, weil sie ihr Geschäft auf strukturierte Finanzprodukte ausgeweitet haben. Darunter versteht man komplexe Anleihen, die mit verschiedenen Arten von Darlehen besichert sind, auch mit Hypotheken. Der amerikanische Hypothekenmarkt ist aufgrund von Zahlungsausfällen bei zweitklassigen Hypotheken stark unter Verkaufsdruck geraten.

Das hatte sich negativ auf die Bewertung der Anleihen ausgewirkt, die mit diesen Darlehen besichert sind. Die Monoliner hatten in der Vergangenheit betont, dass die Wertberichtigungen nicht zu steigenden Schadenersatzansprüchen ihrer Kunden führen würden. Analysten glauben jedoch, dass das Risiko von Versicherungsverlusten viel größer ist, als von den Unternehmen bisher angenommen wird.

GvD.news
24.01.2008, 23:29
Kreditkrise trifft Bayern LB härter als gedacht

theu. MÜNCHEN, 24. Januar. Die Kreditmarktkrise trifft die Bayern LB härter, als die zweitgrößte deutsche Landesbank bisher zugegeben hat. Die tatsächlichen Belastungen lägen höher als die von der Bayern LB im Dezember eingeräumten Zahlungsausfälle von bis zu 100 Millionen Euro, sagte der bayerische Finanzminister und CSU-Vorsitzende Erwin Huber vor Journalisten in München. „Darüber hinaus wird im Jahresabschluss sicherlich ein Korrektur- und Abschreibungsbedarf aufgrund von Bewertungsschwankungen in Ertragsrechnung und Bilanz spürbar werden“, gestand Huber ein, ohne konkreter zu werden. Er ist Verwaltungsratsmitglied der Bayern LB, die jeweils zur Hälfte dem Land und den bayerischen Sparkassen gehört.

Ein Sprecher der Bayern LB hatte noch zu Wochenbeginn auf Anfrage die Angaben der Bank vom Dezember bestätigt. In Finanzkreisen galt diese ursprüngliche Schätzung von 100 Millionen Euro, welche die Bank nach langem Schweigen genannt hatte, allerdings schon damals als viel zu niedrig. Die Bayern LB hat in ihrem amerikanischen Kapitalmarktgeschäft ein großes Rad gedreht: Nach Angaben vom September ist sie mit 1,9 Milliarden Euro im Krisengeschäft mit bonitätsschwachen Hypothekenkrediten („Subprime“) engagiert. Das Gesamtvolumen außerbilanzieller Zweckgesellschaften („Conduits“), in denen verdeckt hohe Risiken angehäuft sind, beläuft sich sogar auf 16 Milliarden Euro. Damit zählt die Bayern LB zu den stark im Conduit-Geschäft engagierten deutschen Großbanken. Der langjährige Vorstandschef der Bayern LB, Werner Schmidt, ist seit Monaten auf Tauchstation und hat sich bislang öffentlich nicht dazu geäußert, wie es zu der Ballung von Risiken in den Büchern kommen konnte.

Huber sagte am Donnerstag, trotz der höheren Belastungen rechne die Bank mit einem „deutlich positiven Jahresergebnis 2007, so dass auch die Dividendenausschüttung für das Jahr 2007 nicht gefährdet ist“. Auch die Liquidität sei „weiterhin in vollem Umfang gewährleistet“. Huber widersprach damit Befürchtungen, die Bayern LB könnte in eine ähnliche Klemme geraten wie die schwer angeschlagene Düsseldorfer West LB, deren Eigentümer voraussichtlich ein Finanzloch von 2 Milliarden Euro stopfen müssen, um die Bank vor dem Kollaps zu retten. In Münchner Bankkreisen hieß es, es seien keine Kapitalmaßnahmen bei der Bayern LB geplant. Auch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hatte am Wochenende mitgeteilt, 700 Millionen Euro auf ihre Neubewertungsrücklagen abschreiben zu müssen.

GvD.news
24.01.2008, 23:29
Deutsche Post stutzt DHL in Amerika
Das Amerika-Geschäft hat der Post eine halbe Milliarde Euro Verlust beschert. Aber aufgeben wird sie es dennoch nicht, weil viel internationales Geschäft aus den Vereinigten Staaten kommt oder dorthin versandt wird.

bü. BONN, 24. Januar. Die Deutsche Post will das verlustträchtige Expressgeschäft in den Vereinigten Staaten zurückfahren, es jedoch nicht vollständig verkaufen. „Das amerikanische Inlandsgeschäft aufzugeben, ist sehr, sehr unwahrscheinlich“, sagte Finanzvorstand John Allan dieser Zeitung. Amerika spiele im internationalen Expressnetz der Tochtergesellschaft DHL eine wichtige strategische Rolle, und auf diesen Knoten werde die Post nicht verzichten. Verluste auf dem bisherigen Niveau seien jedoch nicht mehr hinnehmbar. Sie müssten „so schnell wie möglich und sehr deutlich sinken“. Wie Allan erläuterte, heißt das nicht, dass die Post in den Vereinigten Staaten notwendigerweise die Gewinnzone anstrebt. „Unter dem Strich kann der amerikanische Markt für uns auch dann rentabel sein, wenn wir dort keine schwarzen Zahlen schreiben. Denn unsere Präsenz in Amerika generiert viel internationales Geschäft“, sagte der Finanzvorstand.

Nach Angaben der Post gehen etwa zwanzig Prozent der DHL-Expresssendungen in die Vereinigten Staaten oder kommen von dort. Vor allem das Expressgeschäft zwischen Asien und Amerika hat in den vergangenen Jahren kräftig zugelegt. Wie hoch die Verluste in Amerika tatsächlich sind, hat die Post zuletzt für das Jahr 2006 mitgeteilt. Damals waren es 600 Millionen Euro, für 2007 rechnen Analysten mit 500 Millionen Euro. Seit der Übernahme des amerikanischen Paketdienstes Airborne, den die Post 2004 für knapp eine Milliarde Euro gekauft hatte, belastet das Amerika-Geschäft massiv die Konzernergebnisse. Eine Wende ist immer noch nicht in Sicht.

In der Bilanz für 2007 wird die Post 600 Millionen Euro auf ihr Anlagevermögen in den Vereinigten Staaten abschreiben. Das entspreche mehr als 75 Prozent des gesamten Buchwertes, sagte Allan. Analysten drängen die Post seit Monaten zu einer Radikalkur in Amerika. Als denkbare Variante gilt neben einer Komplettaufgabe des Inlandsgeschäftes, in dem die Post gegen die Platzhirsche UPS und Fedex nur auf einen Marktanteil von 6 bis 7 Prozent kommt, das Zusammengehen mit einem Partner. Allan wollte sich zur künftigen Strategie noch nicht äußern, stellte aber klar, dass neben den beiden Alternativen eine ganze Reihe von Optionen geprüft werde. Mit einer Entscheidung sei sehr bald zu rechnen. Als wahrscheinlichster Ausweg wird in Analystenstudien ein Rückzug von DHL in die Ballungszentren genannt. Der Expressdienst für die Provinz könne dann ganz oder zum Teil Partnergesellschaften übertragen werden.

Die Schwierigkeiten in Amerika schlagen in der Bilanz für 2007 auf den operativen Gewinn (Ebit) durch. Vor Einmaleffekten wird das Ziel von rund 3,7 Milliarden Euro zwar erreicht. Unter Berücksichtigung der Wertberichtigung und der im ersten Quartal erzielten außerordentlichen Erlöse aus dem Verkauf des Entsorgungsunternehmens VfW ist jedoch nur mit 3,2 Milliarden Euro zu rechnen. Entlastung kommt aus den im November angekündigten Verkäufen von nicht betriebsnotwendigen Immobilien. Es seien daraus bereits Einnahmen von mehr als 350 Millionen Euro erzielt worden, teilte der Konzern mit. Zudem gab die Post die Auslagerung großer Teile ihrer Informationstechnik an den amerikanischen Konzern Hewlett-Packard bekannt. Über die kommenden sieben Jahre würden daraus Einsparungen von mindestens einer Milliarde Euro erwartet. HP soll fast ein Viertel der gesamten Informationstechnik des Konzerns übernehmen, darunter die kompletten Rechenzentren in Prag, Scottsdale (Arizona) und in Cyberjaya (Malaysia). Etwa 2500 Mitarbeiter werden dabei von der Post zu HP wechseln. Der Absichtserklärung soll bis Mitte 2008 ein verbindlicher Vertrag folgen. Allan sagte, Hewlett- Packard veranschlage für den IT-Betrieb während der kommenden sieben Jahre rund drei Milliarden Euro, während die Post vier Milliarden Euro hätte kalkulieren müssen.

Nach Angaben der Post, die ihre vollständige Bilanz erst Anfang März vorlegen wird, haben alle Konzernsparten „ihre Ziele erreicht und das Jahr mit einem soliden Ergebnis abgeschlossen“. Allan zeigte sich „vorsichtig optimistisch“ über die weitere Entwicklung des deutschen Briefgeschäftes, in dem die gesetzlichen Mindestlöhne den erwarteten Wettbewerb stark behindern. Ob die Post ihren Ausblick anheben wird, ließ er offen.

GvD.news
24.01.2008, 23:29
Chiphersteller AMD bleibt seinen Fabriken in Dresden treu
Ehrgeizigste Ziele übertroffen / Scharfe Kritik am Wettbewerbsverhalten von Intel

Kno. DAVOS, 24. Januar. Angesichts der Diskussion um die Schließung des Handy-Werks von Nokia in Bochum hat der amerikanische Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) ein klares Zukunftsbekenntnis für seine Fabriken in Dresden abgegeben. „Wir werden Dresden auf Jahre hinaus treu bleiben. Die Ergebnisse, die die Mitarbeiter in Dresden abliefern, übertreffen unsere ehrgeizigsten Ziele deutlich“, sagte Thomas McCoy, der für Rechts- und Verwaltungsfragen zuständige Chief Administration Officer von AMD, dieser Zeitung am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. „Die Kostenstruktur in Dresden ist im höchsten Maße mit Werken in Asien wettbewerbsfähig. Ein Rückzug aus Dresden wäre vollkommen falsch.“ Im Rahmen solcher Standortentscheidungen gehe es auch längst nicht nur um Subventionen. „Es geht um die Frage, wie man sich taktisch im Wettbewerbsumfeld aufstellt, welche Werke strategisch wichtig sind.“

Im Unterschied zum Fertigungsstandort Dresden lässt McCoy allerdings kein gutes Haar am einzigen wichtigen Wettbewerber Intel. Die Hoffnungen, die sein Unternehmen mit den Untersuchungen der Europäischen Kommission und des Bundesstaates New York im Zusammenhang mit einem möglichen wettbewerbsschädlichen Verhalten von Intel verknüpft, sind groß: „Wir wollen, dass Intel solche Handlungen verboten werden. Und wir gehen davon aus, dass Intel mit einer Strafzahlung belegt wird“, sagt McCoy. Nach den bisherigen Erfahrungen mit vergleichbaren Fällen sei damit zu rechnen, dass die Europäische Kommission im Sommer zu einer Anhörung bitte und bis zum Jahresende zu einer Entscheidung komme.

In New York und Brüssel sollen Vorwürfe geklärt werden, Intel bestrafe seine Kunden dafür, wenn diese auch Mikroprozessoren von Wettbewerbern kauften. Weitere Vorwürfe drehen sich um Zahlungen an Kunden für den exklusiven Einsatz von Intel-Chips und das Ausschließen von Mitbewerbern aus Vertriebskanälen mit illegalen Mitteln. „Durch sein Verhalten schließt Intel aber nicht nur Wettbewerb aus, es werden auch Innovationen behindert“, sagt McCoy. Computer hätten noch längst nicht das mögliche Niveau an Benutzerfreundlichkeit, das man ohne die monopolartige Stellung von Intel hätte erreichen können.

Intel hatte Anfang Januar auf die von der EU-Wettbewerbskommission erhobenen Vorwürfe geantwortet. Die Einzelheiten der Stellungnahme wurden noch nicht bekanntgegeben. „Man kann aber davon ausgehen, dass Intel jeglichen Missbrauch bestreitet und angibt, sich im Rahmen der Gesetze verhalten zu haben“, sagt McCoy. Ein klares Dementi zu den Intel vorgeworfenen Verhaltensweisen habe das Unternehmen noch nie abgegeben. Intel betont allerdings stets, es handle sich bei den untersuchten Vorwürfen nicht um Klagen von Kunden. Die Beweise, dass es auf dem Markt für Mikroprozessoren erheblichen Wettbewerb gebe, seien eindeutig.

Sollte die Kommission die Vorwürfe für begründet halten, kann sie Bußgelder bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Scheu vor großen Namen hat die Kommission dabei nicht, was in der Technologiebranche zuletzt der Softwarekonzern Microsoft erfahren musste.

Zur Zukunft des Billig-Laptops „XO“ für Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern der Initiative „One Laptop per Child“ des MIT-Professors Nicholas Negroponte ist McCoy optimistisch. „Der Rückzug von Intel aus dem Projekt ist zwar ein schwerer Schlag, aber das Gerät ist gut.“ Auch in diesem Zusammenhang kritisiert McCoy Intel scharf. Der Konzern habe mit seinem eigenen „Classmate“-Billiglaptop nicht nur Konkurrenz zum „XO“ konstruiert, sondern mache damit auch anderen Computerherstellern Konkurrenz, die ja eigentlich Intels Kunden seien. Zudem sei das Konzept des Classmate bei weitem nicht so innovativ wie das des Geräts von Negroponte – dessen Herzstück nun auch künftig allein ein Chip von AMD sein wird.

GvD.news
24.01.2008, 23:30
Sinkender Ölpreis könnte Russland schrecken
Die russische Wirtschaft geriete angesichts der Finanzkrise nur dann in Schwierigkeiten, wenn der Preis für Öl auf 25 Dollar je Fass sinken sollte. Die zweitgrößte russische Bank VTB hat nach den Worten ihres Vorstandsvorsitzenden Andrej Kostin nur minimalen Wertberichtigungsbedarf.

Kno. DAVOS, 24. Januar. Die zweitgrößte russische Bank VTB ist von der amerikanischen Immobilienkrise nur in einem minimalen Ausmaß betroffen und erwartet auch künftig keine weiteren Belastungen. Die gesamte russische Wirtschaft geriete nur dann in Schwierigkeiten, wenn der Preis für Öl und andere Rohstoffe im Zuge einer nachhaltigen Rezession in den Vereinigten Staaten deutlich fiele. „Wir bekommen ein Problem, wenn der Ölpreis auf 25 Dollar je Barrel sinkt“, sagte der VTB-Vorstandsvorsitzende Andrej Kostin am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos im Gespräch mit dieser Zeitung. Davon sei man aber noch weit entfernt. Und auch der gesamte russische Finanzsektor sei gegen die Kreditkrise weitgehend immun: „Auf dem russischen Markt spielen moderne, derivative Finanzinstrumente bisher kaum eine Rolle“, sagt Kostin. Die VTB habe lediglich ein Engagement im sogenannten Subprime-Markt von 30 Millionen Dollar – und das bei einem Bilanzvolumen von etwa 80 Milliarden Dollar.

Dass auch die russische Aktienbörse sehr negativ auf die Verwerfungen an den übrigen Finanzplätzen der Welt reagiert habe, sei zwar psychologisch verständlich, sachlich aber unlogisch. „Dem Abwärtsdruck an den Börsen konnte sich der Kurs unserer Aktie ebenso wenig entziehen wie die Notierungen anderer großer russischer Unternehmen wie Gasprom. Und weil die VTB natürlich auch Beteiligungen an solchen Unternehmen hält, ist der Wert unseres russischen Aktienportfolios gesunken.“ In den bisherigen Gesprächen, die er mit Geschäftspartnern in Davos geführt habe, hat Kostin aber nicht den Eindruck gewonnen, angesichts der Krise seine grundsätzliche Geschäftsstrategie für das laufende Jahr in Frage stellen zu müssen. Die russische Wirtschaft sei im vergangenen Jahr um mehr als 7 Prozent gewachsen und weiterhin in guter Verfassung; das größere Problem sei, die Inflationsrate wieder auf einen einstelligen Prozentsatz zu drücken.

Seine Bank wird daher weiterhin stark in den Aufbau ihres Filialnetzes in Russland investieren und versuchen, spätestens bis Juni auch die Nummer zwei im Geschäft mit Privatkunden zu werden, das von der Sberbank mit ihrem Marktanteil von rund 50 Prozent dominiert wird. „Der hohe Marktanteil der Sberbank und auch andere Wettbewerber behindern unsere Wachstumsmöglichkeiten nicht, denn der Privatkundenmarkt ist in Russland noch weitgehend unerschlossen“, sagt Kostin. „Aber je mehr Russen ins Ausland reisen wollen, desto stärker wird die Nachfrage nach Bankkonten werden“, ist Kostin überzeugt, brauche man für solche Reisen doch in jedem Fall eine Kreditkarte. Es sei in Russland Platz für zwei Institute von der Größe der Sberbank, wenn man berücksichtigt, wie stark der Privatkredit schon heute in Osteuropa oder Polen genutzt wird.

Die Expansion im Ausland vollziehe sich vor allem in China, Indien und in arabischen Ländern; Investitionen in Westeuropa oder den Vereinigten Staaten plant Kostin auf absehbare Zeit nicht. „Dort ist der Wettbewerbsdruck sehr, sehr hoch.“ Im Gegenteil sei die VTB gerade damit befasst, ihre Tochtergesellschaft in der Schweiz an die Bank des Energiekonzerns Gasprom zu verkaufen. Mit Blick auf die Investitionen russischer Staatsfonds im Ausland sei zu beachten, dass immer nur Minderheitsanteile angestrebt würden. Kostin selbst würde es ohnehin am liebsten sehen, wenn diese Fonds vorrangig in Russland investieren würden.

Die VTB ist seit dem vergangenen Mai börsennotiert; doch die Aktionäre konnten sich bisher noch über keinen nachhaltigen Kursgewinn freuen. Die Aktie hat auch schlechter abgeschnitten als die Papiere der Sberbank, die im vergangenen Jahr ebenfalls emittiert worden sind. Die Emission der VTB-Bank an der Londoner Wertpapierbörse (LSE) war mit rund 8 Milliarden Dollar der größte Börsengang des Jahres 2007. Dieses Listing am Finanzplatz London ist für Kostin auch einer der wesentlichen Gründe, warum die Aktie schlechter abgeschnitten hat als die der Sberbank. „Die Notierung in London, die die Sberbank nicht hat, ist in dieser Situation ein Nachteil, weil sie uns stärker mit den internationalen Finanzmärkten verbindet.“ Hinzu komme, dass das Geschäftsmodell der Sberbank als konservativer wahrgenommen würde; auch das sei in unsicheren Zeiten ein Vorteil. Die VTB erfülle aber ihre Versprechungen, steigere ihren Gewinn und bleibe bei ihren strategischen Zielen. Mehr könne man gegenüber den Investoren nicht tun.

Getrennt hat sich die VTB auch von ihrem Anteil am Europäischen Verteidigungs- und Raumfahrtkonzern (EADS). Die Bank habe ihr Paket von 5,02 Prozent für 994,79 Millionen Euro an die staatliche russische Bank für Entwicklung und Außenwirtschaft (VEB) verkauft. Das Paket soll in Russland in einem nächsten Schritt an die Flugzeugholding des Landes weitergereicht werden. „Und vielleicht ergibt sich ja doch noch die Chance für eine tiefer gehende Zusammenarbeit von EADS mit der russischen Flugzeugindustrie“, sagt Kostin. Von der Zukunft von EADS selbst ist Kostin überzeugt; er geht davon aus, dass sich der Aktienkurs spätestens mit der Auslieferung der ersten Modelle des Typs A350 wieder verbessern wird.

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24.01.2008, 23:30
Turbulente Finanzbranche
Oliver Wyman: 300 Milliarden Dollar Abschreibungen

du. DAVOS, 24. Januar. Die Finanzbranche unterliegt nach Meinung der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman in den nächsten Jahren „turbulenten Marktbedingungen“. Die Hypothekenkrise in Amerika dürfte noch einmal zu Abschreibungen von 250 bis 300 Milliarden Dollar führen und damit fast so viel wie die schon getätigten gut 300 Milliarden Dollar. Der neue Betrag entspreche dem Vorsteuergewinn aller amerikanischen Banken im Jahr 2006, schreibt Oliver Wyman in ihrem jährlichen Bericht über die Finanzindustrie, der in Davos vorgelegt wurde. Auch die Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert. Oliver Wyman nennt geringere Wachstumsraten in den Industriestaaten und Börsenblasen in zahlreichen Schwellenländern. Dies betreffe vor allem China, aber auch Indien, wo neben einer Aktienkurssteigerung von rund 600 Prozent in den vergangenen fünf Jahren auch die Immobilienpreise in die Höhe schossen. Beunruhigend nennt die Beratungsgesellschaft des Weiteren, dass viele Bankvorstände den Ernst der Lage noch nicht zur Kenntnis genommen hätten. Dies sei umso unverständlicher, als schon 2007 ihre Vorhersagen dem tatsächlichen Geschäftsverlauf keineswegs entsprochen hätten. Derzeit gingen 48 Prozent der Befragten von schlechteren Marktbedingungen aus.

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24.01.2008, 23:31
Nokia schließt Bochum trotz Milliardengewinns
Nokia strotzt vor Kraft. Der Konzern hat seinen Gewinn um zwei Drittel gesteigert – und will seine Fertigung in Bochum dennoch schließen. Eine „Riesensauerei“ nennt das die Gewerkschaft. Nokia aber bleibt dabei: Bochum ist nicht konkurrenzfähig.

jcw. FRANKFURT, 24. Januar. Mit einem Marktanteil von 40,2 Prozent hat der Nokia-Konzern seine Dominanz im internationalen Handygeschäft im vierten Quartal des vergangenen Jahres weiter gestärkt. Das finnische Unternehmen beherrscht den Markt und hat 2007 deutlich von den Kostenvorteilen seiner Massenfertigung profitiert. So kletterte der Nettogewinn um 67 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Die Kostenvorteile zeigen sich vor allem in einer erheblich gestiegenen Profitabilität. Die Umsatzmarge im Geschäft mit den Handys kletterte im Jahresvergleich von 16,6 auf 21,7 Prozent.

Entsprechend dieser branchenweit einzigartigen Zuwächse will Nokia die Aktionäre am Erfolg beteiligen und eine 23 Prozent höhere Dividende zahlen. Auch diese Nachricht erfreute die Anleger. Die Aktie des Konzerns legte an der Börse im Handelsverlauf am Donnerstag um 13,5 Prozent auf 23,78 Euro zu.

Parallel dazu beharrt der Konzern aber weiter darauf, sein Werk in Bochum wie angekündigt bis zur Mitte des Jahres zu schließen und damit rund 2300 Arbeitsplätze in Deutschland zu streichen. „Leider sind die Kosten für Arbeit einschließlich Nebenkosten in Deutschland nicht konkurrenzfähig für die industrielle Massenfertigung von Nokia-Produkten“, rechtfertigte Olli-Pekka Kallasvuo, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, abermals die Entscheidung, den Standort zu schließen. Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte Kallasvuo am Montag erklärt, Bochum stehe einerseits für etwa 6 Prozent der Handyproduktion von Nokia. Auf der anderen Seite entfielen aber rund 23 Prozent der direkten Personalkosten im Nokia-Produktionsverbund auf dieses Werk.

Insgesamt hat Nokia im vergangenen Jahr rund 437 Millionen Mobiltelefone verkauft, 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit wurden rund 25 Milliarden Euro umgesetzt.

Durch den Preisverfall ist dies allerdings nur rund 1 Prozent mehr als im Vorjahr. „Nicht konkurrenzfähig“, aber offenbar profitabel ist das Werk in Bochum für Nokia im Vergleich mit den anderen neun Standorten des Konzerns. Vor allem in Rumänien, wo im ersten Quartal 2008 ein neues Werk die Produktion aufnehmen wird, kann Nokia zu erheblich niedrigeren Kosten produzieren, erläuterte Kallasvuo. „Es ist die Pflicht des Managements, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens klar und proaktiv zu sichern. Das ist meine Aufgabe“, sagte der Nokia-Chef und verweist auf den sehr harten Preiswettbewerb im Geschäft mit den Mobiltelefonen. Hier seien die Durchschnittspreise für die Geräte in den vergangenen Jahren um rund 35 Prozent gefallen.

Allerdings zeigt Nokia inzwischen Verständnis für die Kritik an der Art und Weise, wie die Entscheidung vermittelt wurde: „Ich will mich dafür entschuldigen, dass wir dazu kommen mussten, eine so schmerzliche Entscheidung zu treffen. Sie basiert aber auf soliden Argumenten“, sagte Kallasvuo am Donnerstag.

Die Beschäftigten in Bochum wollen hingegen weiter um ihre Arbeitsplätze kämpfen. Bestärkt durch den Milliardengewinn des Konzerns, forderten der Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall die Konzernleitung am Donnerstag auf, die Schließungspläne zurückzunehmen. „Das ist und bleibt eine Riesensauerei“, sagte Betriebsratschefin Gisela Achenbach. Sie bezifferte die Umsatzrendite des Werks im Bochum mit rund 15 Prozent. Die Bochumer Mitarbeiter hätten durch Sonderschichten und Sonntagsarbeit erheblich zum Erfolg beigetragen.

Während sich der Streit um das Werk in Bochum fortsetzt, kommt der Konzern an anderer Stelle gut voran. So entwickelt sich der Umsatz der Problemsparte Nokia Siemens Networks nach Angaben des Unternehmens weiterhin gut und wird das Sparpotential von rund 2 Milliarden Euro bis zum Jahresende 2008 erreichen können. Auch konnten offenbar die Verluste der Netzwerksparte gestoppt werden. Für das vierte Quartal weist die Bilanz nach Sondereinflüssen ein ausgeglichenes Ergebnis für diesen Bereich aus. Auf das Jahr gerechnet, stabilisiert sich der operative Verlust damit bei rund 1,3 Milliarden Euro.

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24.01.2008, 23:31
Cromme will schnellen Vergleich mit SEC
Gespräche mit der amerikanischen Börsenaufsicht beginnen im Februar

him. MÜNCHEN, 24. Januar. Siemens kommt in der Bewältigung der Korruptionsaffäre einen wichtigen Schritt voran. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC und das Justizministerium in Washington wollen in Kürze mit Siemens Gespräche führen. „Ziel ist ein umfassender und fairer Vergleich“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Cromme den Aktionären. „Diese Gespräche – so hoffe ich und bin mir auch sicher – könnten schon im Februar beginnen.“ Cromme rechnet mit einer Dauer von mehreren Monaten. „Wir wissen nicht, wann ein Vergleich geschlossen werden kann“, sagte er. Vorstandsvorsitzender Peter Löscher, Compliance-Vorstand Peter Solmssen und er strebten so rasch wie möglich ein für Siemens faires Ergebnis an. Schon am 17. Dezember waren Cromme, Löscher und Solmssen zu einem Gespräch mit der SEC und dem Justizministerium nach Washington gereist.

Siemens ist seit 2001 an der Börse in New York notiert und unterliegt deshalb auch in Amerika den Gesetzen gegen Korruption. Spekuliert wird über Strafzahlungen von einer oder einigen Milliarden Euro. Zudem droht dem Konzern ein Ausschluss von öffentlichen Aufträgen in den Vereinigten Staaten. „Die Behörden haben einen großen Ermessensspielraum für ihre Entscheidungen“, sagte Löscher. Cromme deutete an, die Schritte von Siemens zur Aufarbeitung der Bestechungsaffäre und für das Engagement, dass künftig alle Mitarbeiter Gesetze und Richtlinien einhalten (Compliance), kämen in Amerika gut an. „Die Behörden haben erklärt, dass dies sehr positive Entwicklungen seien und dass wir auf dem richtigen Weg seien.“ Cromme erwähnte die amerikanische Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte Touche, die Siemens mit den internen Ermittlungen beauftragt hat. „Beide Firmen – das ist ganz entscheidend – werden von den amerikanischen Behörden als verlässliche Ermittler angesehen.“ Über die Aufarbeitung der Korruptionsaffäre berichtete Cromme, langsam zeichne sich ein deutlicheres Bild darüber ab, was passiert und wer verantwortlich sei. „Wir erwarten, dass sich in den nächsten Wochen weitere konkrete Fakten ergeben.“ Das Amnestieprogramm habe die Ermittlungen erheblich beschleunigt. Siemens bietet seit November und bis Ende dieses Monats Mitarbeitern an, über Korruptionsfälle zu berichten. Im Gegenzug verzichtet das Unternehmen auf Schadensersatzansprüche und eine Kündigung. Bisher ist vier Beschäftigten eine Amnestie gewährt worden, in zwei Fällen wurde es abgelehnt. „Von diesem Programm haben bis heute mehrere Dutzend Mitarbeiter Gebrauch gemacht“, sagte Löscher. „Die Fakten, die wir dadurch in Erfahrung bringen, werden die Ermittlungen wahrscheinlich schneller zum Abschluss bringen“, ergänzte Cromme. Die Frage mehrerer Aktionäre, wann die Untersuchungen beendet sein werden, konnten aber weder Löscher noch Cromme beantworten.

„Es ist unbefriedigend, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind“, monierte Hans Hirt von der britischen Fondsgesellschaft Hermes. Dass sich die Prüfung schon länger als ein Jahr hinziehe, erscheine ihm zu lang. „Siemens braucht Ruhe und Klarheit für die Herausforderungen im globalen Wettbewerb.“

Die Aktionärsvereinigungen DSW und SdK stimmten wie angekündigt gegen eine Entlastung der Aufsichtsräte. Er sei mit ihrer Arbeit im vergangenen Jahr nicht einverstanden, sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Im Gegensatz zur Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) plädierte Petersen aber für die Wiederwahl von Cromme und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in den Aufsichtsrat. „Sie haben erkannt, was getan werden muss.“ DSW-Sprecherin Daniela Bergdolt kritisierte dagegen, dass der Neuanfang vor dem Aufsichtsrat haltmache: „Ich finde, Herr Cromme, Sie hätten ganze Sache machen sollen.“ Hirt von Hermes sagte dagegen, Kontinuität und Stabilität seien wichtige Kriterien für den Aufsichtsrat. Die Fondsgesellschaft stimmte deshalb für alle zehn vorgeschlagenen Kapitalvertreter. Sieben von ihnen sind neu, darunter die Vorstandsvorsitzenden von MAN, Hakan Samuelsson, und der Allianz, Michael Diekmann.

Cromme hatte zuvor in seinem Vortrag klargestellt, dass er in der Korruptionsaffäre nicht belastet sei. Er habe die Ermittler von Debevoise immer wieder gefragt, ob der Prüfungsausschuss und er selbst als Vorsitzender es versäumt hätten, die richtigen Dinge zu tun. „Jedes Mal war die Antwort Nein“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende. „Tatsache ist, dass nach heutigem Stand der Dinge der Prüfungsausschuss aus dem Unternehmen heraus lückenhaft und in einigen Fällen irreführend informiert wurde.“ Die Entlastung der Vorstände für das vergangene Geschäftsjahr vertagte die Hauptversammlung mit Ausnahme der Abstimmung über Löscher. Auch die Abstimmung über den im April 2007 zurückgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer wurde vertagt.

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24.01.2008, 23:31
China wird wichtigster Handelspartner Japans
Die Hälfte des Exports geht mittlerweile in den asiatischen Raum

pwe. TOKIO, 24. Januar. China ist zum wichtigsten Handelspartner Japans geworden und hat damit die Vereinigten Staaten abgelöst. Im vergangenen Jahr verschickten die japanischen Unternehmen erstmals mehr Waren in die Volksrepublik einschließlich Hongkongs als in die Vereinigten Staaten. Nach China einschließlich Hongkongs gingen Waren im Wert von 16,7 Billionen Yen (rund 107,9 Milliarden Euro). Dagegen schwächte die Ausfuhr in die Vereinigten Staaten sich leicht auf 16,9 Billionen Yen ab. Auch gemessen an der Einfuhr, ist China der wichtigste Handelspartner Japans. Der Wechsel an der Spitze der wichtigsten Absatzmärkte symbolisiert für Japan die allmähliche Verschiebung der Handelsströme. Die Unternehmen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt richten sich zunehmend auf den asiatischen Raum aus. Der japanische Warenexport nach Asien addierte sich im vergangenen Jahr auf 48 Prozent der gesamten Ausfuhr von 83,94 Billionen Yen; nur 20 Prozent wurden in die Vereinigten Staaten ausgeführt.

Aufgrund der stark wachsenden Nachfrage aus Asien verzeichneten japanische Unternehmen im vergangenen Jahr Exporterfolge. Der japanische Handelsüberschuss stieg nach den vorläufigen Angaben im vergangenen Jahr um 37 Prozent auf 10,8 Billionen Yen (rund 67,1 Milliarden Euro). Dabei stieg die Ausfuhr mit 11,6 Prozent stärker als die Einfuhr mit 8,6 Prozent. Die Ausfuhr in die Europäische Union und in die Vereinigten Staaten legte gegen Jahresende deutlich langsamer zu als zuvor.

Die Verschiebung der Ausfuhr nach Asien begründet den moderaten Konjunkturoptimismus japanischer Regierungsstellen und die These einer gewissen konjunkturellen Eigenständigkeit, sollte die amerikanische Wirtschaft in die Rezession stürzen. Freilich sind viele der aus Japan vor allem nach China gelieferten Waren nur Vorprodukte für Güterlieferungen in die Vereinigten Staaten oder nach Europa und damit von der dortigen Wirtschaftsentwicklung indirekt abhängig.

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24.01.2008, 23:32
Einzelner Händler vernichtet 5 Milliarden Euro
Die französische Bank Société Générale wird von einem bespiellosen Betrugsfall erschüttert. Der Chef bot seinen Rücktritt an.

chs. PARIS, 24. Januar. Ein Betrugsfall in bisher ungekanntem Ausmaß hat die französische Bank Société Générale und die Finanzbranche am Donnerstag erschüttert. Die Bank gab bekannt, dass ein einzelner Händler durch ungenehmigte Geschäfte einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro angerichtet habe. Zudem enthüllte das Finanzhaus Abschreibungen im Wert von 2,05 Milliarden Euro im Zusammenhang mit der amerikanischen Hypothekenkrise. Der Nettogewinn der Bank wird im laufenden Geschäftsjahr daher anstatt der erwarteten 5,5 Milliarden Euro nur 600 bis 800 Millionen Euro betragen. Eine Kapitalerhöhung von 5,5 Milliarden Euro, die von den Banken, JP Morgan und Morgan Stanley garantiert wird, ist nun erforderlich. Der Aktienkurs der Société Générale notierte am Donnerstag mit gut 7,5 Prozent im Minus, obwohl der französische Leitindex CAC-40 mit fast 5 Prozent im Plus lag. Der Handel der Aktie von Société Générale hatte erst mit Verspätung begonnen. Seit Jahresbeginn hat die Bank bereits knapp ein Viertel ihres Börsenwertes verloren.

Der Vorstandsvorsitzende Daniel Bouton entschuldigte sich bei Aktionären und Mitarbeitern für den „außergewöhnlichen Betrug“. Er hatte dem Verwaltungsrat seinen Rücktritt angeboten, dieser drängte ihn nach eigenen Angaben jedoch zum Bleiben. „Der Verwaltungsrat hat ihn gebeten, die Gruppe wieder auf einen profitablen Wachstumskurs zu bringen“, teilte die Société Générale mit. Bei einer Pressekonferenz in der französischen Unternehmenszentrale im Pariser Bankenviertel La Defense versuchte Bouton Licht in die Affäre zu werfen. Ein einzelner Händler im Alter von rund 30 Jahren habe über Monate hinweg mit Terminkontrakten auf europäische Aktienindizes gehandelt. Seine Position habe er mit „fiktiven“ Geschäften gedeckt und damit „vor fünf bis sechs verschiedenen Kontrollebenen versteckt“. Die eingegangenen Geschäfte seien eigentlich „einfacher Natur“ gewesen, doch sein Vorgehen zur Verdeckung der Transaktionen sei „extrem intelligent“, gewesen, sagte Button. Einen Namen wollte die Société Générale zunächst nicht nennen. Im Laufe des Tages stellte es sich jedoch heraus, dass es sich einen Mann namens Jérome Kerviel handelt, der in einem Pariser Handelsraum arbeitete. Der Chef des Investmentbanking, Jean-Pierre Mustier, ist sich „so gut wie sicher“, dass Kerviel allein handelte. In Finanzkreisen kamen jedoch Zweifel auf, ob dies angesichts der Höhe der Risikogeschäfte möglich gewesen ist.

Vergleiche mit anderen Betrugsfällen drängten sich nach der jüngste Affäre in Frankreich sofort auf. Besonders bekannt wurde der britische Händler Nick Leeson, der 1995 die Barings-Bank zum Zusammenbruch brachte. Er sorgte damals freilich nur für einen Verlust von rund 1,4 Milliarden Dollar. Bouton, der Chef der Société Générale, wollte indes keinen Vergleich mit Barings zulassen. Sein Haus sei in keiner Weise in seiner Existenz bedroht. Dass es trotz der fast 5 Milliarden Euro hohen Betrugsverluste noch einen Nettogewinn von mindestens 600 Millionen Euro erreiche, zeige, dass die Bank auf gesunden Fundamenten stehe. Im Übrigen werde die geplante Kapitalerhöhung im Umfang von 5,5 Milliarden Euro die Kernkapitalquote (Tier One) von 6,7 auf 8,0 Prozent erhöhen. Die Ratingsagentur Fitch stufte die Bewertung der französischen Bank dennoch von A/B auf B herunter und nannte dafür Zweifel an den internen Prozessen der Bank und die Befürchtung eines erheblichen Rufschadens. Standard & Poor's setzte die Société Générale auf die Beobachtungsliste mit negativem Ausblick.

Der Gouverneur der Banque de France, Christian Noyer, ist genauso wie die französische Finanzaufsicht AMF am vergangenen Wochenende von der Société Générale über die betrügerischen Geschäfte informiert worden. Noyer bestätigte, dass die Bank auf festen wirtschaftlichen Fundamenten stehe und betonte, dass es sich bei der Affäre um einen Einzelfall handele. Er wolle aber prüfen, wie Kontrollen verstärkt werden könnten. Noyer bestätigte, dass der hohe Verlust erst dadurch entstanden sei, dass die Société Générale zwischen Montag und Mittwoch zum Verkauf der illegal aufgebauten Positionen gezwungen worden sei. Aufgrund der sinkenden Aktienkurse hat sich dadurch erst der Verlust von 4,9 Milliarden Euro eingestellt. Gerüchte, nach denen die Verkäufe der Positionen in ganz Europa die Kurse belasteten, wies die Société Générale zurück. Das eingesetzte Volumen habe dazu nicht ausgereicht, sagte ein Bankmanager.

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26.01.2008, 15:05
Rückversicherer im Sturm
Die Aktien der Rückversicherer sind in der Kreditkrise mit allen anderen Finanzwerten unter die Räder gekommen. Nun besinnen sich viele Investoren darauf, dass die Branche zurzeit hochprofitabel wirtschaftet.

ruh. FRANKFURT, 25. Januar. Selbst die schlimmsten Wirbelstürme haben auf die Aktien der Rückversicherer nicht eine so verheerende Wirkung gehabt wie die aktuelle Finanzkrise. In den Jahren 2004 und 2005 musste die Versicherungswirtschaft für die Folgen von Naturkatastrophen wie den Wirbelstürmen „Katrina“ und „Wilma“ mehr als 120 Milliarden Dollar bezahlen. Einen guten Teil trugen die Rückversicherer. Damals sanken die Kurse weniger stark als heute in der Finanzkrise, da die Aktien von Hannover Rück, Swiss Re und Münchener Rück bis zu einem Drittel ihres Wertes eingebüßt haben.

Hinter dem Kurseinbruch steht die Befürchtung, dass die Gesellschaften bei der Kapitalanlage genauso versagt haben wie die Banken. Die Rückversicherer haben riesige Reserven aufgebaut. In der Zeit zwischen der Prämienzahlung der Kunden und der Schadenabwicklung wird das Geld angelegt. Wenn sich nun herausstellen sollte, dass sie vermeintlich erstklassige Kredit-Verbriefungen gekauft haben, die in der Krise stark an Wert verloren haben, dann wären auch die Rückversicherer zu Abschreibungen gezwungen. Für die Aktionäre ist von außen kaum zu beurteilen, ob die Portefeuilles sauber sind. Dass diese Sorge begründet ist, belegt dass Beispiel der Swiss Re. Im November veröffentlichte sie einen vermeintlich soliden Quartalsbericht. Doch gerade zwei Wochen später musste sie eine Milliardenabschreibung im Zusammenhang mit der Kreditkrise beichten. Seitdem schlägt den Rückversicherern das gleiche Misstrauen entgegen, unter dem die gesamte Finanzbranche leidet, zumal die Befürchtung hinzu- kam, die Versicherer könnten im großen Stil strukturierte Anleihen halten, die von den in Schieflage geratenen Anleiheversicherern garantiert sind, deren Garantie heute nicht mehr viel wert ist.

Doch in den vergangenen Tagen hat sich das Bild aufgehellt. Für die amerikanischen Anleiheversicherer gibt es wieder Hoffnung. Hannover Rück und Münchener Rück beteuerten, dass sie nur in geringen Dosen die verlustreichen Verbriefungen gekauft haben. Vor allem aber beruhigt der Einstieg des amerikanischen Milliardärs Warren Buffett bei der Swiss Re die Gemüter. Er kaufte über seine Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway 3 Prozent der Anteile und übernimmt per Versicherungsvertrag für fünf Jahre 20 Prozent der Risiken aus dem Sach- und Unfallgeschäft der Swiss Re. Das setzt Kapital frei, mit dem der Rückversicherer noch mehr Aktien zurückkaufen will, als ohnehin schon geplant war. Buffett kennt sich in dem Metier aus: Zu seinem Imperium gehört der Rückversicherer General Re. Wenn also Buffett zugreift, kann es um Swiss Re nicht schlecht bestellt sein, denken sich viele Anleger und kaufen ebenfalls.

Das hat die Kurse der Rückversicherer in den vergangenen Tagen stark steigen lassen. Die Aktie der Hannover Rück hat zum Beispiel seit dem Tiefpunkt zu Beginn der Woche mehr als 15 Prozent zugelegt. Dennoch ist die Bewertung der Branche nach wie vor auffallend niedrig. Die Hannover Rück hat im vergangenen Jahr, vorausgesetzt es kommt nicht doch noch zu großen Abschreibungen, etwa 6 Euro je Aktie verdient. Nächstes Jahr könnten es, sofern nicht überdurchschnittlich viele Großschäden den Ertrag aufzehren, immerhin 4,50 Euro je Aktie werden. Die Dividende erwarten Analysten im Durchschnitt bei 1,90 Euro, wegen der Ausschüttung eines einmaligen Steuereffekts könnte sie noch höher ausfallen. Bei einem Kurs von derzeit gut 28 Euro – er war schon auf 24 Euro abgesackt – bedeutet das eine Dividendenrendite von 6,7 Prozent und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa sechs. Anleger zahlen also das Sechsfache des jährlichen Gewinns.

Bei anderen Rückversicherern sind die Bewertungen ähnlich niedrig, und das ist schon eine Tradition. Viele Anleger misstrauen den Rückversicherungswerten, weil das Geschäft stark zyklisch ist. Vor einem Jahr erreichten sie den Höhepunkt und sinken seitdem. Zudem gehen die Umsätze zurück, weil neue Anbieter in den Markt drängen, um sich die immer noch attraktiven Margen zu sichern. Die hohen Gewinne werden also – selbst bei einem freundlichen Verlauf der Schäden – nicht von langer Dauer sein. Das müssen sie allerdings auch nicht, denn selbst bei einer Halbierung der Erträge würden die Rückversicherer noch gut zurechtkommen. Dann würde das KGV lediglich auf den Durchschnitt des Marktes steigen.

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26.01.2008, 15:05
Singapur hofft auf das Geld aus Festlandchina
Chinesen dürften künftig auch in Finanzprodukte des Stadtstaates investieren. Das ist ein Schub für Spezialwerte.

che. SINGAPUR, 25. Januar. Die Ankündigung Chinas, seine Geschäftsbanken Aktien und andere Finanzprodukte auch in der südostasiatischen Wirtschaftsmetropole Singapur kaufen zu lassen, treibt dort die Kurse. Zu den Gewinnern zählen die Papiere, die festlandchinesische Unternehmen ausgegeben haben. Die chinesische Bankenaufsicht kündigte an, dass institutionelle Investoren „bald“ auch ähnliche Genehmigungen für den amerikanischen, japanischen und den deutschen Aktienmarkt erhielten. Dafür müssten allerdings noch Abkommen der beteiligten Regierungen unterzeichnet werden. „Wir erwarten, dass sich die Auslandsanlagen unter diesen Genehmigungen bis Ende 2008 auf einen Wert von rund 90 Milliarden Dollar summieren werden, und dies wird erst der Anfang sein“, sagte Jing Ulrich, der für JP Morgan den chinesischen Markt beobachtet.

Das nun erreichte Abkommen mit der Zentralbank Monetary Authority of Singapore (MAS) wurde in China unter dem Programm für qualifizierte heimische Investoren (QDII) geschlossen. Unter dem im April 2006 aufgelegten Programm erhalten ausgewählte chinesische Finanzinstitutionen insgesamt mehr als 40 Milliarden Dollar Quoten für Anlagen in Auslandsaktien, Staats- und Unternehmensanleihen.

Die Zusage nun dient beiden Seiten: Singapur kann damit seinen Finanzmarkt einem breiteren Kaufinteresse öffnen. Die Festlandchinesen ihrerseits erhalten ein breiteres Anlagespektrum, das sie brauchen, um vom heimischen Markt unabhängiger zu werden. Dies tut dringend not: Vier im QDII-Programm geführte Fonds haben allein im vierten Quartal einen summierten Verlust von 11,8 Milliarden Yuan (1,1 Milliarden Euro) ausgewiesen. Mitte Dezember wurde den festlandchinesischen Banken genehmigt, auch in britische Aktien zu investieren, die erste Auslandsexpansion über die Börse der festlandchinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong hinaus.

„Wir suchen nun auch nach weiteren Feldern der Zusammenarbeit“, erklärte Heng Swee Keat, Geschäftsführer der MAS, in Singapur schon. Noch freilich steht nicht fest, wann die China-Banken Singapur überhaupt werden ansteuern dürfen. Gleichwohl haben sich die im sogenannten S-Index gebündelten festlandchinesischen Werte an der Börse des reichen Zwergstaates aufgrund der Erwartungen prächtig entwickelt: Die beiden Reederei-Werte Cosco Corp. und Yangzijiang Shipbuilding legten an einem Tag 11,4 und 11,2 Prozent zu. Das wiederum trieb auch den wesentlich breiteren Singapurer Straits Times Index (STI), denn beide Werte sind zugleich in ihm gelistet.

Am Donnerstag, dem ersten Handelstag nach der Bekanntgabe der Pläne, legte der FT ST China Index im Handel mehr als 10 Prozent zu und schloss 7,6 Prozent über Vortag. Der STI hingegen machte nur 2,6 Prozent gut. Kleine chinesische Werte wie Synear Food (plus 12,4), China Energy (10,9), China Fishery (11,9) und China Hongxing Sports (10,3) waren die Gewinner des Tages. Der Grund für den Anstieg gerade der China-Werte liegt auf der Hand: „Wir erwarten, dass die Banken, wenn sie ihre Käufe beginnen, zunächst auf bekanntem Terrain operieren werden und deshalb festlandchinesische Werte kaufen, die in Singapur gehandelt werden“, sagt Carmen Lee von OCBC Research.

Schub haben die China-Werte in Singapur dringend nötig: Der S-Index hatte seit seiner Auflegung bis zur Bekanntgabe der Pläne Pekings 24 Prozent an Wert verloren. Anleger mochten die Sino-Aktien bislang nicht sonderlich, denn sie sind sehr volatil und sehr unterschiedlich in ihrer Qualität. Gerade diese Marktenge dürfte nun zu dem spekulativen Anstieg geführt haben: „Das Geld der Banken wird wohl einen spürbaren Einfluss auf die S-Aktien haben. Viele von ihnen werden nur in geringen Stückzahlen frei gehandelt“, sagt Gabriel Yap von DMG & Partners Securities in Singapur.

Bislang wetteten allerdings auch die Festlandchinesen lieber zu Hause oder vor der eigenen Haustür an der Börse Hongkong: Denn ein extra für Investitionen in Übersee aufgelegter Fonds der chinesisch-schweizerischen ICBC Credit Suisse Asset Management hat bislang noch nicht einmal die erwartete Anlagesumme von 22 Milliarden Yuan einsammeln können. So betrachtet Tan Min Lan von der Schweizer UBS-Bank die Lage denn auch nüchterner als mancher Spekulant in Singapur: „Derzeit haben wir kaum das Umfeld, in dem Chinas Banken das große Geld nach Singapur pumpen werden. Aber die Ankündigung wird zu einem kurzfristigen Auslöser für eine starke Erholung der überverkauften S-Werte werden.“ Ähnlich wie schon in Hongkong werden Aktien in Singapur auch deutlich preiswerter angeboten als in Festlandchina: Während die A-Aktien in Schanghai auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 43 kommen, liegt dasjenige für den Hongkonger Hang-Seng-Index bei 16, das für den STI bei 12.

GvD.news
26.01.2008, 15:05
Spekulation über IKB-Käufer

hap. FRANKFURT, 25. Januar. Die Aktie der um ihre Existenz kämpfenden IKB-Bank hat am Freitag an der Börse für Furore und Ratlosigkeit gesorgt. Sie stieg zu Handelsbeginn um rund 35 Prozent, gab dann deutlich nach, notierte am Nachmittag aber noch immer mit einem Plus von 20 Prozent um 6,80 Euro – und dies mit den höchsten Umsätzen seit November 2007. Dabei gab es von der Bank keine Neuigkeiten. Zunächst ging das Gerücht um, die Postbank könne an einem Zusammenschluss mit der zum Verkauf angebotenen IKB interessiert sein, doch selbige dementierte dies. Konrad Becker, Analyst von Merck Finck & Co, sagt, womöglich sei der Anstieg schlicht eine Gegenbewegung nach den herben Kursverlusten. Womöglich glaubten auch einige Anleger, die Aktie notiere unter Buchwert, der um 8 Euro liegen könnte. Doch den wahren Wert kennt niemand genau, denn die IKB hat schon lange keine testierten Abschlüsse mehr vorgelegt. Mitte Februar soll ein aktueller Abschluss vorliegen.

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26.01.2008, 15:06
Stromausfall in Südafrika erreicht Rohstoffmärkte
Gold- und Platinminen müssen Produktion einstellen / Edelmetallpreise auf Rekordhoch

clb. JOHANNESBURG, 25. Januar. Die drei größten Goldproduzenten sowie der größte Platinproduzent Südafrikas haben am Freitag wegen andauernder Stromausfälle die Produktion in sämtlichen Minen stillgelegt. Bisher ist nicht abzusehen, wann die Arbeit wiederaufgenommen wird. Die Preise für Gold und Platin erreichten an den internationalen Börsen in der Folge historische Höchststände. Der Goldpreis am Spotmarkt stieg am Freitag zwischenzeitlich auf 923,73 Dollar je Feinunze, nach 907 Dollar am Vortag. Platin kostete 1701 Dollar je Feinunze, nach 1606 Dollar am Tag zuvor.

Südafrika erlebt derzeit die schlimmsten Versorgungsengpässe seit Jahrzehnten. Der nationale Stromversorger Eskom schaltet seit Wochen täglich für mehrere Stunden den Strom ab, weil die Kapazität bei weitem nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken. Analysten schätzen den bisherigen Schaden für die Wirtschaft auf mehr als 2 Milliarden Rand (200 Millionen Euro). Ein Ende der Engpässe ist nicht abzusehen. Eskom hat Stromausfälle für die kommenden fünf bis acht Jahre angekündigt. Besonders betroffen sind Johannesburg und die Region Gauteng, das Zentrum der Gold- und Platinproduktion des Landes.

Der Minister für öffentliche Unternehmen, Alec Erwin, und Energieminister Buyelwa Sonjica riefen am Freitag auf einer Pressekonferenz den „nationalen Versorgungsnotstand“ aus. Erwin gestand ein, dass die Regierung mitverantwortlich sei für die Stromkrise. Sie habe zu spät auf die rapide gestiegene Stromnachfrage reagiert. Südafrika sei zum „Opfer des eigenen Erfolgs“ geworden. Sonjica kündigte höhere Strompreise und Stromrationierungen für private wie gewerbliche Kunden an. Wann damit zu rechnen ist, blieb jedoch offen. Die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft, die 2010 in Südafrika stattfinden soll, ist nach Angaben der Minister nicht in Gefahr.

Die Unternehmen Anglo-Gold Ashanti, Gold Fields und Harmony teilten mit, dass sie die Produktion gestoppt hätten, weil Eskom keine ausreichende Stromversorgung mehr garantieren könne. Die ohnehin angespannte Lage sei durch die andauernden Regenfälle in den vergangenen Tagen verschärft worden, da Eskoms Kohlevorräte nass geworden seien. „Wir wissen nicht, wie lange dies dauern wird. Aus meiner Sicht wird es keine schnelle Lösung geben“, sagte der Harmony-Vorstandsvorsitzende Graham Briggs. Für Harmony bedeute der Stillstand einen Produktionsausfall von 300 Kilogramm Gold am Tag. Dies entspreche einem Wert von 60 Millionen Rand (6 Millionen Euro). Gold Fields entgeht nach eigenen Angaben eine Produktion von etwa 7000 Unzen Gold am Tag. „Diese Stromausfälle haben schwerwiegende Folgen für unsere Operationen in Südafrika“, sagte der Gold-Fields-Vorstandsvorsitzende Ian Cockerill. Anglo-Gold Ashanti machte keine Angaben zum Produktionsausfall.

Angloplat, der Weltmarktführer auf dem Platinmarkt mit einem Anteil von 40 Prozent, rechnet mit einem Produktionsausfall von 9000 Unzen am Tag. Die Nummer zwei im Markt, Impala Platinum, verliert nach eigenen Angaben 3500 Unzen. Impala Platinum hat ebenfalls seine größte Mine geschlossen. Lediglich in der kleineren Marikana-Mine wird noch gefördert. Die Gewerkschaft der Minenarbeiter teilte mit, dass die Unternehmen mehrere zehntausend Mitarbeiter nach Hause oder zu Trainings geschickt hätten.

Die Aktienkurse der Minenunternehmen gaben kräftig nach. Sie appellierten an Eskom, eine schnelle Lösung zu finden. Wegen der regelmäßigen, meist unangekündigten Stromausfälle könne die Sicherheit der Minenarbeiter nicht mehr gewährleistet werden. Ohne Strom kann das Wasser nicht aus den Minen gepumpt und für ausreichend Sauerstoff in den teils mehrere Kilometer tiefen Minen gesorgt werden. Südafrikas Minen haben in den vergangenen Jahren immer wieder wegen schwerwiegender Sicherheitsmängel für Schlagzeilen gesorgt. In manchen Jahren starben bis zu 200 Arbeiter. Die Regierung drohte vor kurzem, Minen zu schließen, wenn die Sicherheit der Mitarbeiter nicht gewährleistet werden könne.

Südafrika war seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts der größte Goldproduzent der Welt. Wegen der schrumpfenden Goldvorkommen gab das Land die Spitzenposition im

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26.01.2008, 15:06
BASF verstärkt Pflanzenforschung in China

mir. LUDWIGSHAFEN, 25. Januar. Der Chemiekonzern BASF baut seine Forschung im Bereich Pflanzenbiotechnologie in China aus. Die Biotech-Sparte des Chemiekonzerns BASF und das chinesische National Institute of Biological Sciences (NIBS) haben eine Zusammenarbeit und eine Lizenzvereinbarung beschlossen. Schwerpunkt ist die Ertragssteigerung bei Nutzpflanzen wie Mais, Soja und Reis. Asien spielt für die Pflanzenbiotechnologie eine immer wichtigere Rolle. Weitere Partnerschaften sind geplant, kündigt Biotech-Spartenchef Hans Kast an. Europa verliere dagegen seine Wettbewerbsfähigkeit aufgrund zu langsamer und widersprüchlicher Entscheidungen. Die BASF müht sich seit längerem um die EU-Zulassung für die genveränderte Stärkekartoffel Amflora. Im Oktober 2007 hatte die BASF bereits eine Kooperationsvereinbarung mit dem Crop Functional Genomics Center in Südkorea bekanntgegeben. Die chinesische NIBS hat eigenen Angaben zufolge eine Gruppe von ertragsteigernden Genen entdeckt. Nun soll gemeinsam mit der BASF weiter geforscht werden. Mit der Vereinbarung erhält die BASF das Recht zu Entwicklung und Vermarktung von Nutzpflanzen mit den neuentdeckten Genen außerhalb Chinas.

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26.01.2008, 15:06
Standpunkt Klaus Schwab und Peter Brabeck-Letmathe
„Wir stehen am Rand einer globalen Wasserkrise“

Wir stehen am Rande einer Wasserkrise. Mit zunehmendem Wachstum der Weltwirtschaft und der Weltbevölkerung steigt auch unser Wasserverbrauch stark an. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, wie viel Wasser wir benötigen, damit unsere Wirtschaft in all ihren Facetten funktionieren kann. Für die Produktion eines Liters Erdöl werden bis zu 2,5 Liter Wasser aufgewendet. Getreide, das zur Erzeugung von Bioenergie angebaut wird, benötigt durchschnittlich mindestens 1000 Liter Wasser, bis gerade einmal ein Liter Biotreibstoff daraus gewonnen werden kann. Rund 2700 Liter Wasser braucht es, um ein Baumwoll-T-Shirt herzustellen, bis zu 4000 Liter Wasser sind für die Produktion von einem Kilo Weizen und bis zu 16 000 Liter für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch notwendig.

Bei Hunderten anderer alltäglicher Konsumgüter wie Milch, Saft, Kaffee, Obst, Pizza, Waschmittel, Teppiche, Farben, Elektrogeräte oder Kosmetikartikel sind die Zahlen ebenso überraschend. Wohlhabende Menschen „verbrauchen“ im Durchschnitt täglich mehr als 3000 Liter Wasser. Aber auch für die Produktion der in unserer Wirtschaft benötigten Grundstoffe wie Zement, Stahl und Chemikalien sowie im Bergbau oder bei der Stromerzeugung werden enorme Mengen von Wasser verbraucht.

Wir haben in diesem Jahr erlebt, wie sich eine Verlagerung der Getreideproduktion hin zu Biotreibstoffen bei einer gleichzeitigen Dürreperiode auf die Lebensmittelpreise auswirken kann. In diesem Zusammenhang ist das Wasser als vornehmliches Problem anzusehen. Es besitzt Potential für einen noch stärkeren Einfluss auf das Verhalten von Verbrauchern und Wählern.

In den Kornkammern der Welt, die zur Ernährung unserer schnell wachsenden Stadtbevölkerungen beitragen, steuern wir auf schmerzliche Kompromisse oder gar Konflikte zu. Sollen die Bewohner der Einzugsgebiete großer Flüsse wie Colorado, Indus, Murray Darling, Mekong oder Nil beziehungsweise in den nordchinesischen Ebenen das knappe Wasser für die Landwirtschaft, die Treibstoffherstellung, den Konsum und die Wasserversorgung der Städte oder für das industrielle Wachstum verwenden? Inwieweit sollen und können die Flüsse stromaufwärts gestaut werden?

Welchen Verteilschlüssel wenden wir an, damit alle Wirtschaftsteilnehmer das Wasser bekommen, das sie benötigen, um ihren menschlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bestrebungen gerecht zu werden? Und wie lässt sich sicherstellen, dass die Umwelt dabei nicht zerstört wird, sondern sich positiv entwickeln kann?

Diese schwierigen Fragen müssen wir uns stellen. Und im Gegensatz zur CO2-Reduzierung gibt es beim Wasser weder Alternativen noch Ersatz. Ebenso wenig steht eine globale Lösung zur Diskussion. Das Zudrehen Ihres Wasserhahnes in Vancouver oder Berlin wird die Trockenheit in Rajasthan oder Australien nicht mildern. Wasser ist ein lokales Gut, und somit werden die Wassereinzugsgebiete zu Spannungspunkten. Gemeint sind die weitläufigen Einzugsgebiete, welche die großen Ströme und Flüsse der Welt speisen, die anschließend ins Meer fließen.

Diese Gebiete, die sich oft über politische Grenzen hinweg erstrecken, werden von Millionen von Menschen bewohnt und umfassen Ackerland, Wälder, Städte, Industrie- und Küstenregionen. Im Brennpunkt stehen wird das in der Landwirtschaft zur Herstellung von Nahrungsmitteln und Textilien verwendete Wasser – 70 Prozent unserer gesamten Frischwasserentnahmen sind diesem Sektor zuzuschreiben. Ein sparsamerer Verbrauch hier kann an anderer Stelle im Wassereinzugsgebiet Entlastung bewirken.

Das International Water Management Institute ließ 500 Wissenschaftler eine Studie über unseren Wasserverbrauch in der Landwirtschaft durchführen. Nach fünf Jahren legten die Experten ihren umfassenden Bericht vor. Sie kamen zum Schluss, dass die Wasservorkommen nicht ausreichen, um den Bedarf für die weltweite Lebensmittelproduktion in den nächsten Jahrzehnten zu decken, sofern das Wassermanagement und der Agrarsektor nicht rasch und tiefgreifend reformiert werden.

Der Klimawandel wird die Lage noch zusätzlich verschlimmern. Der letzte Bericht des IPCC besagt, dass bei einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 3 Grad Celsius mehrere hundert Millionen Menschen einer zunehmenden Wasserknappheit ausgesetzt sein werden. Dies muss uns ein Weckruf sein, um das Wasserproblem endlich aktiv anzugehen.

Die Krise wird sich in den kommenden Jahren vor unseren Augen zuspitzen; dunkle Sturmwolken brauen sich bereits zusammen. Überdies gilt es zu bedenken, dass 20 Prozent der Weltbevölkerung keinen Zugang zu einer angemessenen Wasserversorgung haben – eine moralisch unhaltbare Situation.

Noch lässt sich die drohende Katastrophe indes abwenden. Es liegt in unser aller Hand, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So können Unternehmen ihre Wasserressourcen effizienter einsetzen und ihren Verbrauch reduzieren, was vielerorts bereits geschehen ist. Es gibt dementsprechend zahlreiche Erfolgsgeschichten. Doch um die Perspektiven insgesamt zu verbessern, müssen alle im Wassereinzugsgebiet am selben Strick ziehen. Und darin besteht die besondere Herausforderung. Es ist noch nicht zu spät, denn wir sind überzeugt, dass die bevorstehende Krise verhindert werden kann, wenn Staat und Privatwirtschaft sich um neue Formen der Zusammenarbeit bemühen und gemeinsam nach raschen und innovativen Lösungen suchen.

Deshalb haben wir am diesjährigen Jahrestreffen des World Economic Forum die wirtschaftlichen und politischen Dimensionen der Wasserproblematik erörtert und bei unseren Geschäftskollegen, den Politikern und der Gesellschaft insgesamt das Bewusstsein für diese mit großen Schritten auf uns zukommende Herausforderung zu schärfen versucht. Was können wir heute tun, um für alle Menschen – aber auch Unternehmen – weltweit bis 2020 eine sichere Wasserversorgung zu gewährleisten? Unser Ziel war es, beim diesjährigen Treffen im schweizerischen Davos erstmals eine einflussreiche Koalition aus Vertretern des öffentlichen und privaten Sektors sowie der Zivilgesellschaft zu schmieden, um gemeinsam aus der Wasserkrise zu finden – und zwar bevor uns die Katastrophe ereilt.

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26.01.2008, 15:07
Biokraftstoffe jetzt auch aus Kalifornien
Technology Pioneer Award für Primafuel / Ziel ist die lückenlose Nachhaltigkeit

Kno. DAVOS, 25. Januar. Spezialisten für Biokraftstoffe müssen nicht unbedingt aus Europa kommen. Auch in Amerika – und besonders im umweltbewussten Bundesstaat Kalifornien – gibt es inzwischen aufstrebende Anbieter. Das zeigt sich unter anderem daran, dass das kalifornische Biokraftstoffunternehmen Primafuel mit Sitz im Städtchen Signal Hill auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos mit dem „Technology Pioneer Award“ ausgezeichnet worden ist, der in vergangenen Jahren vor allem an Internetunternehmen vergeben wurde. „Biokraftstoffe haben in letzter Zeit für große Kontroversen gesorgt, die ihren potentiellen positiven Beitrag heruntergespielt haben. Es ist wichtig zu begreifen, dass es ‚gute‘ und ‚schlechte‘ Biokraftstoffe gibt und dass wir lernen müssen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Aus diesem Grund ist es so wichtig, Biokraftstoffe entlang der gesamten Beschaffungskette auf ihre Nachhaltigkeit zu prüfen“, sagt Christoph Frei, Senior Director für Energieindustrie und -politik beim WEF.

Diese lückenlose Nachhaltigkeit ist eines der zentralen Ziele von Primafuel, einem Unternehmen, das vor drei Jahren von drei Absolventen der University of California gegründet wurde. Das Unternehmen versucht, die Produktion und den Vertrieb von Biokraftstoffen, die arm an Kohlendioxid sind, entlang der gesamten Prozesskette zu optimieren. Parallel dazu werden Kohlendioxid-neutrale Kraftstoffe der sogenannten zweiten Generation entwickelt, die nicht auf essbaren Rohstoffen wie zum Beispiel Mais oder Soja, sondern auf Kohlenstoff oder Algen basieren.

Erst vor wenigen Monaten hat das Unternehmen vom Staat Kalifornien Fördermittel erhalten, um im Sommer dieses Jahres ein Produktions- und Vertriebszentrum für Biokraftstoffe im Hafen der Landeshauptstadt Sacramento zu bauen. In der ersten Ausbaustufe sollen dort 75 Millionen Liter Biokraftstoff produziert werden; langfristig soll die Fabrik eine Kapazität von mehr als 200 Millionen Liter im Jahr haben. „Die Fördermittel für das 90-Millionen-Dollar-Projekt entsprechen der größten staatlichen Unterstützung, die in diesem Bereich je vom Staat Kalifornien gewährt wurde“, sagt Rahul Iyer, einer der Gründer von Primafuel, im Gespräch mit dieser Zeitung. Zu den Innovationen von Primafuel zählen nach Angaben des Unternehmens ein intelligentes Kohlendioxid-Kontrollsystem, Infrastrukturkonzepte für den Multi-Kraftstoff-Vertrieb, skalierbare Raffinerien und Raffineriemodule, die den Kohlendioxid-Ausstoß bestehender Biokraftstoff-Produktionsanlagen senken sollen.

„Im Gegensatz zu anderen verbreiteten Verfahren der Biokraftstoffgewinnung hat Primafuel nicht nur Technologien zur Herstellung von Biokraftstoffen entwickelt, sondern auch eine Infrastruktur, mit der die Kraftstoffe auf den Markt gebracht werden können“, erklärt Iyer. Diese Infrastruktur sei in der Lage, den Kohlendioxidausstoß der gesamten Prozesskette zu überwachen, von der Rohstoffbeschaffung über die Herstellung bis hin zum Vertrieb: „Primafuel verfolgt damit das Ziel, ähnlich wie es mit Bio-Nahrungsmitteln geschieht, ein geschlossenes System zu entwickeln, das die ökonomische, umweltbezogene und soziale Nachhaltigkeit der erzeugten Energie lückenlos gewährleistet.“ Zu den wichtigsten Innovationen des Unternehmens zähle ein Verfahren, mit dem ein Abfallprodukt der Biodieselerzeugung in BioMethanol umgewandelt werde. Dadurch könne auf den Einsatz von rohölbasiertem Methanol verzichtet werden.

Das Potential der Branche am Stand der heutigen Biosprit-Entwicklung zu beurteilen sei aber so, als ob man das Internet nach dem Stand eines Modems des Jahres 1990 bewerte: „Damals hat das nicht sonderlich brauchbar ausgesehen. Heute können wir ohne das Internet nicht mehr leben.“ In den Vereinigten Staaten gibt es nach den Worten Iyers nur wenige Unternehmen, die das gleiche Geschäftsmodell wie Primafuel haben. „Imperium Renewables ist aber ein bedeutender Wettbewerber im Biodieselmarkt; die Renewable Energy Group zählt auch dazu“, sagt Iyer. Diese Unternehmen konzentrierten sich jedoch auf die Produktion von Biodiesel, während Primafuel ein diversifiziertes Portfolio von Biokraftstofftechnologien entwickle. Angaben zum Umsatz will Iyer noch nicht machen. Derzeit werden 46 Mitarbeiter beschäftigt, der Personalstamm wachse kontinuierlich. Zur weiteren Finanzierung des Unternehmens sei ein Börsengang nicht unbedingt erforderlich.

Mit dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger persönlich habe Primafuel noch nicht zu tun gehabt. „Wir stehen aber in regelmäßigem Kontakt mit seinem Büro.“ Auch Präsident George W. Bush setzt inzwischen auf Biotreibstoffe wie Ethanol, um sich etwas aus der Abhängigkeit von Benzin und Öl befreien zu können. Bio-Ethanol entsteht ähnlich wie trinkbarer Alkohol aus der Destillation nachwachsender Rohstoffe. Kongress und Senat haben ein Gesetz verabschiedet, nach dem Autohersteller bis 2020 den Durchschnittsverbrauch ihrer Wagen um 40 Prozent senken müssen. Darüber hinaus soll bis 2022 sechsmal mehr Ethanol verwendet werden als bisher.

Der „Technology Pioneer Award“ wird jährlich vom WEF an Unternehmen vergeben, die bahnbrechende Technologien in den Bereichen Energie, Biotechnologie, Gesundheit und Informationstechnologie entwickelt haben. Dieses Jahr wurden 39 Unternehmen mit dem Preis ausgezeichnet, darunter neun Unternehmen in der Kategorie Energie/Umwelt und zwei Unternehmen aus der Biokraftstoff-Branche.

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26.01.2008, 15:07
Société Générale gilt jetzt als Übernahmekandidat
Aktienkurs erholt sich leicht / Zweifel an Darstellung des Milliarden-Betrugs wachsen

chs. PARIS, 25. Januar. Die Aktien der krisengeschüttelten Bank Société Générale (SG) haben sich am gestrigen Freitag leicht erholt. Doch gleichzeitig äußerten immer mehr Experten Zweifel an der Darstellung der Bank, dass nur ein einzelner Händler für den Verlust von 4,9 Milliarden Euro verantwortlich gewesen sein soll. „Auch wenn sich die erste Aufregung gelegt hat, werden sich die Investoren fragen, wie ein Händler alleine solche Verluste verstecken konnte. Die Risikokontrolle wird bei der SG für einige Zeit ein Fragezeichen bleiben“, meinte Guillaume Tiberghien, Analyst bei Crédit Suisse.

Der französische Premierminister François Fillon hat seine Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde beauftragt, ihm in spätestens acht Tagen einen Bericht über die Vorgänge bei der Bank vorzulegen. Auch er habe Schwierigkeiten, die Affäre bei der SG zu verstehen, sagte Fillon. Gleichzeitig versuchte Staatspräsident Nicolas Sarkozy von Indien aus, wo er auf Staatsbesuch weilt, die 10,5 Millionen Kunden der Bank zu beruhigen. Dieser „interne Betrug“ habe „weder die Solidität noch die Zuverlässigkeit des französischen Finanzsystems gemindert“, sagte er. Christian Noyer, der Gouverneur der Banque de France, versicherte, dass die Kunden bei der SG weiter Kredite aufnehmen könnten. „Kein Kunde hat irgendetwas verloren, und auch der Steuerzahler wird in keiner Weise herangezogen“, sagte Noyer.

Bis zum Freitagnachmittag notierte der Kurs der SG an der Pariser Börse mit knapp 2,5 Prozent im Plus. Dazu trug auch die Vermutung bei, dass die SG nun zu einem begehrten Übernahmeobjekt werden könnte. An erster Stelle unter möglichen Angreifern sehen viele Analysten die führende französische Großbank BNP Paribas, die schon einmal 1999, damals noch ohne die Paribas, einen Übernahmeversuch wagte, damit aber scheiterte. Die SG sei bis zu Beginn der amerikanischen Hypothekenkrise und der Betrugsgeschäfte des Händlers Jérôme Kerviel eine hochprofitable Bank gewesen, heißt es unter Fachleuten. Dazu trugen nicht nur die Derivategeschäfte mit festverzinslichen Wertpapieren bei, sondern auch das Filialgeschäft in Frankreich und Osteuropa sowie der Bereich spezialisierter Finanzdienstleistungen. Unterdessen hat ein Staatsanwalt in Paris die Ermittlungen gegen den Händler Kerviel aufgenommen, der sich nach Angaben seiner Anwältin weiter in Frankreich aufhält.

Neben Kerviel haben vier Vorgesetzte die Bank verlassen oder eine Kündigung vorliegen. Darunter befinden sich Luc François, der Verantwortliche für den Handel mit Aktien und Derivaten, Pierre-Yves Morlat, der den Aktienhandel überwachte, sowie Jean-Pierre Lesage, der im Investmentbanking unter anderem für die Informationstechnik zuständig war.

François Chérèque, Generalsekretär der Gewerkschaft CFDT, forderte, den „Finanzkapitalismus“ schärfer zu kritisieren. Zwei Vereinigungen von Kleinaktionären haben gegen die SG Klage eingereicht, weil die Anleger falsch informiert worden seien, so ihr Vorwurf. Eine Vereinigung forderte auch die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. 7 Prozent des SG-Kapitals befinden sich in der Hand der Mitarbeiter. Patrice Leclerc, der Präsident ihres Verbandes, wies darauf hin, wie empfindlich diese Beschäftigten getroffen worden seien. „Im Durchschnitt haben diese Aktionäre zwei bis drei Jahresgehälter investiert“, sagte er, wollte sich mit Kritik an der Unternehmensführung aber noch zurückhalten, solange er keine detaillierten Informationen habe. Nach Ansicht von Fachleuten zeigt der Schaden der Mitarbeiter-Aktionäre auch die Schattenseiten dieses Modells, denn es vereinigt das Arbeitsplatzrisiko und das Anlagerisiko auf ein und dasselbe Unternehmen.

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26.01.2008, 15:07
3,8 Prozent mehr Geld in der Landwirtschaft

svs. Frankfurt, 25. Januar. Die rund 170 000 Beschäftigten in der deutschen Landwirtschaft bekommen von März an mehr Geld. Die IG Bauen Agrar Umwelt gab die Einigung am Donnerstagabend in Frankfurt bekannt. Demnach sollen die Löhne zunächst um 3,8 Prozent steigen. Im Februar 2009 wird es einen weiteren Aufschlag um 3,3 Prozent geben. Insgesamt ist eine Laufzeit bis März 2010 vereinbart worden. Im Februar müssen Arbeitgeber und Gewerkschaft der Einigung noch endgültig zustimmen. Angesichts der gestiegenen Milchpreise und der guten Ernten hatte die Gewerkschaft ursprünglich eine Erhöhung von 5,5 Prozent gefordert.

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26.01.2008, 15:08
Inflationssorgen lasten auf Russlands Wirtschaft
Arbeitsgruppe zur Bekämpfung der Teuerung

gho. Moskau, 25. Januar. Die russische Wirtschaft läuft auf vollen Touren. Im vergangenen Jahr erreichte Russland laut Zahlen der Weltbank im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von real 7,5 Prozent. Für das laufende und das kommende Jahr rechnet die Weltbank für Russland mit einer Wachstumsrate von 6,5 Prozent und 6 Prozent. Sorgen aber bereitet die anziehende Inflation, die wohl derzeit eines der wichtigsten wirtschaftspolitischen Probleme in Russland darstellt. Laut dem russischen Statistikamt betrug die Jahresteuerung im vergangenen Jahr 11,9 Prozent und erreichte den höchsten Wert seit 2003. Die Zentralbank hatte eine Inflationsrate von bis zu 8 Prozent angestrebt. Die russische Regierung machte vor allem die international steigenden Lebensmittelpreise für die Teuerung verantwortlich.

Die russische Regierung will nun den Inflationstendenzen entgegentreten und hat bekanntgegeben, eine Arbeitsgruppe unter der Leitung des Finanzministers Alexei Kudrin zu bilden, die ein Programm zur Eindämmung der Inflation ausarbeiten soll. Die Wirtschaftsministerin Elwira Nabiullina und der Landwirtschaftsminister Alexei Gordejew sollen Kudrin sekundieren. Der Aktionismus der Regierung wird wohl nicht zuletzt durch die anstehende Präsidentenwahl Anfang März angestachelt, zumal sich der aussichtsreichste Kandidat, der erste stellvertretende Ministerpräsident Dmitri Medwedew, die Verbesserung der Lebensumstände auf die Fahne geschrieben hat.

Unterdessen berichtete die Tageszeitung „Kommersant“, dass Kudrin und das Wirtschaftsministerium 24 Maßnahmen vorgeschlagen hätten. Ministerpräsident Wiktor Subkow habe aber die Ministerien gebeten, die Vorschläge zu überarbeiten. Neben Preiskontrollen soll das Programm auch eine Überwachung der Verschuldung staatlicher Unternehmen enthalten. Während das Wirtschaftsministerium die weltweit gestiegenen Preise für Lebensmittel für den Anstieg der Inflation verantwortlich macht, argumentiert das Finanzministerium vielmehr mit einer gestiegenen Geldmenge. Die Aufnahme von Kapital im Ausland von Staatsgesellschaften soll dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres seien die Auslandsschulden Russlands um 39 Prozent auf rund 431 Milliarden Dollar gestiegen. Die Schuldenaufnahme staatlicher Unternehmen nahm dabei um 64 Prozent zu, während diejenige der privaten Unternehmen nur um 35 Prozent zulegte. In den ersten elf Monaten des Jahres 2007 erhöhte sich laut der Zentralbank die Geldmenge M2 seit Jahresbeginn um 35,2 Prozent.

Ein inflationstreibender Faktor sind auch die erhöhten Staatsausgaben. Während im Jahr 2006 noch ein Haushaltsüberschuss von mehr als 7 Prozent des Bruttoinlandprodukts erzielt wurde, rechnen Experten des Internationalen Währungsfonds im kommenden Jahr mit einem ausgeglichenen Haushalt – bei heutigen Erdölpreisen. Die zunehmende Geldmenge lässt sich auch auf die Politik der Zentralbank, den nominellen Außenwert des Rubels konstant zu halten, zurückführen. Die Höhe der Geldsumme, die nach Russland fließt, erschwert die Währungsmanipulation. Der Netto-Kapitalzufluss wird von der Zentralbank für das Jahr 2007 auf 82,3 Milliarden Dollar beziffert, was eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die russischen Währungsreserven erhöhten sich um rund 170 Milliarden Dollar auf 474 Milliarden Dollar; der Stabilitätsfonds, in dem die Staatseinnahmen aus dem Erdölgeschäft gesammelt werden, wuchs um rund 68 Milliarden Dollar auf 157 Milliarden Dollar.

Aufgrund der Rezessionsängste in den Vereinigten Staaten und in der Folge in der Welt könnte aber der Inflationsauftrieb gemildert werden, weil weniger Gelder nach Russland fließen könnten. In den vergangenen Tagen wurde Kapital aus Russland abgezogen, was den Rubel gegenüber dem Dollar sinken ließ. Zudem könnten eine schwieriger werdende Kapitalaufnahme an den internationalen Finanzmärkten sowie sinkende Rohwarenpreise den Aufwertungsdruck des Rubel dämpfen.

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26.01.2008, 15:08
Bär im Portemonnaie

Willkommen im Karussell, bitte festhalten! Montags tobt an der Börse der Bär. Panik macht sich breit. Dienstags springt, wie von den Investoren gefordert, als Retter in der Not Amerikas Zentralbank den Börsianern bei, mit einer kräftigen Zinssenkung. Mittwochs folgt der Markt dem gewohnten Drehbuch nicht. An der Börse stürzen die Kurse weiter, besonders tief in Europa. Donnerstags beichtet ein um Fassung ringender Daniel Bouton, der Chef der französischen Großbank Société Générale: Einer seiner Junghändler habe 5 Milliarden Euro verzockt – und keiner will etwas gemerkt haben. Freitags fragt der Boulevard: Wegen Börsen-Krise Lohnerhöhung futsch?

An eine so turbulente Börsenwoche können sich selbst altgediente Händler kaum erinnern. Was in Paris passiert sein soll, ist unglaublich. Ein einzelner Händler hat auf den Anstieg der europäischen Börsenindizes gewettet, also zum Beispiel den Dax auf Termin gekauft. Er soll angeblich den unvorstellbaren Betrag von bis zu 50 Milliarden Euro eingesetzt und sich gründlich verspekuliert haben. Die Bank hat zum Auftakt der Börsenwoche sofort begonnen, die Positionen glattzustellen, hat also im großen Stil Kontrakte auf Aktienindizes wie den Dax-Future verkauft. Erst nach dem Ausbügeln der Spekulation, was die Société Générale – in Worten – fünf Milliarden Euro gekostet hat, wurde der Skandal der Öffentlichkeit mitgeteilt, die sich verwundert die Augen reibt. Eine Petitesse ist, dass danach die amerikanische Notenbank sich beeilte zu versichern, sie habe davon nichts gewusst. Wer oder was hat denn nun den Kurssturz ausgelöst? Die Verluste der Banken, die Furcht vor einer Rezession oder der von allen guten Geistern und Kontrolleuren verlassene Pariser Spekulant? Die Antwort muss die Société Générale liefern. Nur sie weiß, wann sie welche Kontrakte verkauft hat. Der Rest des Markts weiß nur, dass die Bank schwindelt, wenn sie beteuert, ihre Verkäufe hätten die Aktienkurse in Europa nicht belastet.

Doch was hat die Börse mit den Löhnen zu tun? Weil in Amerika der Wirtschaftsabschwung drohe, sollten die Beschäftigten in Deutschland nur mäßige Lohnforderungen erheben, warnen Ökonomen. Für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe ist das immer gut. Aber noch ist die Rezession nicht da. Die Mitarbeiter erfolgreicher Firmen dürfen ihren Anteil am Gewinn fordern. Auch an der Börse dürfen im Aufschwung nicht nur Gewinne, sondern auch Löhne steigen, am besten über eine Erfolgsbeteiligung für die Mitarbeiter.

GvD.news
26.01.2008, 15:08
Kurz vor Börsenschluss kehrt die Sorge zurück
Hinter den Anlegern liegt eine der turbulentesten Wochen aller Zeiten. Niemals zuvor sind über das Handelssystem der Deutschen Börse so viele Aktien gehandelt worden. Der Freitag war ein Wechselbad der Gefühle: Der Deutsche Aktienindex Dax stieg deutlich, doch zum Schluss siegte wieder die Nervosität.

ham. FRANKFURT, 25. Januar. Möglicherweise hat die amerikanische Notenbank mit ihrer außerplanmäßigen und ungewöhnlich deutlichen Zinssenkung am Dienstag nicht nur einen Ausverkauf am amerikanischen Aktienmarkt verhindert, sondern gleich eine Trendwende auf vielen Aktienmärkten eingeleitet. Zumindest haben sich die Aktienkurse in Asien und Europa im Wochenverlauf von ihrem Einbruch zu Wochenbeginn wieder deutlich erholt. Doch für den Deutschen Aktienindex Dax, der seine Tagesgewinne am Freitag nicht halten konnte und mit 6818 Punkten schloss, beläuft sich das Wochenminus immerhin auf 6,8 Prozent. Ein Grund für die nachgebenden Kurse in der letzten Handelsstunde waren Gerüchte, ein Hedge-Fonds sei in Liquiditätsnot geraten. Obwohl auch an der Wall Street die Kurse daraufhin am Freitag ins Minus drehten, stieg in Amerika, dem eigentlichen Krisenherd, der Standardaktienindex S&P 500 in der gesamten Woche um 1,5 Prozent.

Am Montag und Mittwoch erlebten Aktionäre in Europa dagegen einen Aktiencrash. Am Montag sank der Dax um 7,5 Prozent und verzeichnete den höchsten Tagesverlust seit den Terroranschlägen im September 2001. Aus Besorgnis vor einer Rezession in Amerika waren zunächst die Kurse in Asien vielerorts um 10 Prozent eingebrochen. In Indien wurde die Börse zeitweise geschlossen. Die Verkaufswelle schwappte weiter nach Europa. Am Mittwoch verlor der Dax nochmals 5 Prozent.

Wie man inzwischen weiß, verstärkte die französische Bank Société Générale den Abwärtstrend. Sie warf angeblich am Wochenende entdeckte Aktienterminkontrakte auf den Markt, die ein Händler in den vergangenen Jahren heimlich gekauft haben soll. Zwischen Montag und Mittwoch entstand der Bank daraus ein Verlust von 4,9 Milliarden Euro.

Am Montag ließ sich mit Verkaufsaufträgen mehr Wirkung auf die Kurse entfalten als üblich, weil der amerikanische Aktienmarkt wegen eines Feiertags geschlossen blieb. Ohne die Impulse von der Leitbörse sind an solchen Handelstagen in Europa die Umsätze in der Regel niedriger als sonst. Daher traf die Verkaufswelle zunächst auf nur wenig Kaufbereitschaft. Mit Unterschreiten bestimmter vorab festgelegter Kursschwellen schlossen zudem viele professionelle Anleger ihre Aktienpositionen. Händler hatten, als der Dax das Jahr 2007 mit 8067 Punkten – dem höchsten Stand am Ende eines Monats – beendet hatte, die Kursschwellen für ihre automatischen Aktienverkäufe hochgesetzt. Am Montag kam es daher trotz des Feiertags in Amerika zu Umsätzen an der Deutschen Börse, die dreimal so hoch waren wie an einem durchschnittlichen Tag.

Am Dienstag vor Börsenöffnung sorgte die amerikanische Notenbank für einen Paukenschlag. Nachdem die Anleger am Anleihemarkt für Ausleihungen über zwei Jahre keinen Aufschlag, sondern einen in diesem Ausmaß noch nie dagewesenen Abschlag von 1,9 Prozentpunkten gegenüber dem Leitzins für Tagesgeld forderten, senkte die Notenbank in einer von vielen als Notwehr eingestuften Reaktion den Leitzins erstmals seit 26 Jahren auf einen Schlag um 0,75 Prozentpunkte. Dass die Währungshüter mit der Zinssenkung nicht bis kommenden Mittwoch, ihrem nächsten regulären Treffen, warten wollten, unterstreicht in den Augen vieler Marktbeobachter ihre große Sorge über die Konjunktur, aber auch über die Stabilität der Finanz- und Immobilienmärkte.

Am 30. Januar erwarten die meisten Marktteilnehmer von der amerikanischen Notenbank einen weiteren Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte auf dann nur noch 3 Prozent. Hinter den aggressiven Leitzinssenkungen steht der Versuch, die Konjunktur zu beleben. Dazu soll auch ein Stützungspaket der Regierung von 150 Milliarden Euro beitragen, das den Konsum animieren und die Immobilienkrise überwinden soll. Dann, hoffen Optimisten, könnten auch höhere Aktienkurse durch wieder steigende Unternehmensgewinne untermauert sein. Doch Pessimisten wittern durch eine Niedrig-Zins-Politik vor allem Inflationsgefahren. Die Feinunze (31 Gramm) Gold, das als Inflationsschutz gilt, stieg am Freitag auf den Rekordpreis von 923,40 Dollar.

GvD.news
27.01.2008, 22:57
Europlatz Frankfurt
Abzüge in der B-Note

Der scharfe Abschwung an den Weltbörsen hat Ben Bernanke und die Fed dazu bewogen, auf eine radikale geldpolitische Lockerung umzuschalten. Um einen Dreiviertelprozentpunkt senkte die Zentralbank die Zinsen, und am kommenden Mittwoch steht vermutlich ein weiterer Zinsschritt auf dem Programm.

Im Prinzip ist dieses höhere Tempo begrüßenswert, denn die amerikanische Wirtschaft steht meines Erachtens am Beginn einer Rezession, zumindest aber eines kräftigen Wachstumsabschwungs. In einem solchen Umfeld sollten Zentralbanken die Inflationssorgen zurückstellen, denn ein konjunktureller Abschwung führt über kurz oder lang nicht nur zu höherer Arbeitslosigkeit, sondern auch zu einem Abflauen der Preissteigerungsraten.

Allerdings ließ das Timing stark zu wünschen übrig. Noch vor drei Wochen wäre eine schnelle Zinssenkung leicht zu vermitteln gewesen. Damals waren gerade die extrem schwachen Zahlen zum Arbeitsmarkt und Einkaufsmanagerindex für den Dezember bekanntgegeben worden, und die nächste Zentralbankratssitzung lag noch in relativ weiter Ferne. In vergleichbaren Situationen hat die Fed in der Vergangenheit oft die Zinsen gesenkt, und im Nachhinein stellte sich solch rasches Handeln meist als gute Idee heraus.

Anders dagegen die jüngste Zinssenkung. Zum Zeitpunkt des Zinsschritts war man von der nächsten Sitzung nur noch acht Tage entfernt, und in den Wirtschaftszahlen gab es keine handfesten Anzeichen für eine weitere Verschlechterung des konjunkturellen Ausblicks. Das Timing der Zinssenkung lässt sich also nur mit den scharfen Aktienkursverlusten erklären.

Ein so unmittelbarer Zusammenhang zwischen Geldpolitik und Börse ist problematisch. Erstens wird er einmal mehr die verbreitete These unterstützen, dass die Politik der Fed vor allem darauf gerichtet ist, die Wall Street zufriedenzustellen. Ich halte diese These für falsch, denn die Fed betrachtet die Finanzmärkte nicht als Ziel an sich, sondern in erster Linie als Signal und Transmissionsmechanismus für die Geldpolitik. Allerdings wird die jüngste Zinsentscheidung den Verteidigern der Fed – zu denen ich mich grundsätzlich zähle – das Leben schwerer machen.

Zweitens kann der Schritt der Fed unrealistische Erwartungen wecken. Wenn eine Zentralbank sich so eindeutig an den Aktienkursen orientiert, dann wächst die Gefahr, dass die Öffentlichkeit die Börse dann auch zum Maßstab für eine erfolgreiche Geldpolitik macht. Das ist gefährlich, denn die Fed hat noch viel weniger Kontrolle über die Aktienkurse als über Wachstum und Inflation.

Wie geht es nun weiter? Wenn die Wirtschaftszahlen in den kommenden Monaten schwach bleiben, dürften weitere Zinssenkungen folgen. Dies hat kurzfristig wenig Einfluss auf die Verfassung der Wirtschaft, wird aber in der zweiten Jahreshälfte für eine gewisse Belebung sorgen. Im Jahr 2009 ist dann zu vermuten, dass es mit der Konjunktur langsam wieder aufwärtsgeht. Zu dieser Belebung trägt dann auch der jüngste Zinsschritt bei, so problematisch seine Ausführung auch war.

Der Autor ist Chefvolkswirt von Goldman Sachs

GvD.news
27.01.2008, 22:58
Der Kampf um den Anschluss
Der Umsatz im Festnetz schwindet. Dennoch glauben Experten, dass die Preise nicht viel weiter sinken werden. Die Konzerne sind auf der Suche nach neuen Einnahmenquellen.

Die Telekommunikationsbranche ist im Umbruch. Das gilt besonders für das Festnetzgeschäft. Zehn Jahre nach der Marktöffnung hat sich in Deutschland ein Preisniveau entwickelt, von dem die Kunden früher nur träumen konnten. Für knapp 30 Euro gibt es heute einen Telefonanschluss mit DSL-Breitbandzugang. Auch die Gespräche ins Festnetz und der Internetverkehr sind damit schon bezahlt. Die Flatrate ist das Bezahlmodell der Stunde – außer für die Gespräche in die Mobilfunknetze. Die Minutenabrechnung von Telefongesprächen wird aber über kurz oder lang ganz ausgedient haben.

Grund für diese Entwicklung ist der harte Wettbewerb, der dem ehemaligen Monopolisten Deutsche Telekom zunehmend zu schaffen macht. Dabei geht es längst nicht mehr darum, der Telekom allein die Telefonminuten abzujagen. Jetzt geht es um den Telefonanschluss. Die Konkurrenz will den Kunden ganz – und ist dabei durchaus erfolgreich. Bis zum Ende des vergangenen Jahres haben sich nach Schätzungen der Bundesnetzagentur rund 7,1 Millionen oder mehr als 18 Prozent der Haushalte entschlossen, zu einem Wettbewerber der Telekom zu wechseln. Die Tendenz ist weiter stark steigend. So freuen sich Arcor und Hansenet mit der Marke Alice , Versatel und die anderen Stadtnetzbetreiber über das große Interesse der deutschen Kunden. Sie locken diese mit immer preiswerteren Bündelangeboten. Neue Preisrunden waren besonders in den vergangenen Monaten die Folge.

„Da ist viel Marge vernichtet worden“, sagt etwa Harald Stöber, der Vorstandsvorsitzende der Arcor AG aus Eschborn. „Nach den Preissenkungen im abgelaufenen Jahr ist hier nicht mehr viel Luft nach unten.“ In der Branche wird daher damit gerechnet, dass der Preis von 29,90 Euro für das Komplettpaket noch etwas länger stabil bleibt und sich der Wettbewerb in anderer Weise bemerkbar macht. So erwarten die Beobachter, dass der Kunde in Zukunft wahrscheinlich gleich hohe oder ähnliche Beträge zahlen wird wie bisher, dafür aber mehr Leistung zum Beispiel in Form von höheren Bandbreiten an seinem DSL-Anschluss erhalten wird.

Telekom verliert weiter Marktanteile

Dieser harte Wettbewerb hinterlässt Spuren im Umsatz des Festnetzgeschäftes. Während der Preisverfall in den ersten Jahren nach der Marktöffnung noch durch mehr Telefonminuten überkompensiert wurde, meldet das Festnetzgeschäft inzwischen sinkende Einnahmen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz nach Schätzungen des Branchenverbandes VATM auf der Höhe von rund 37 Milliarden Euro – 1,4 Milliarden Euro weniger als im Jahr zuvor. Davon entfielen mit etwas mehr als 23 Milliarden Euro immer noch rund 62 Prozent auf die Deutsche Telekom. Die Wettbewerber kamen zusammen auf knapp 14 Milliarden Euro, nach 13,3 Milliarden im Jahr zuvor. Der Umsatzrückgang trifft also vor allem den ehemaligen Monopolisten, der im Jahr 2006 im Geschäftsfeld Festnetz/Breitband noch Erlöse von 24,7 Milliarden Euro ausgewiesen hatte.

Die Verlagerung des Wettbewerbs auf den Kampf um den Telefonanschluss hat in den vergangenen zwei Jahren auch dazu geführt, dass die Telekom sich vor allem noch zwei Wettbewerbergruppen gegenübersieht. Auf der einen Seite sind dies die Stadtnetzbetreiber wie Netcologne oder EWE-Tel, die einen starke Präsenz in ihren Städten haben, über ihre Region hinaus aber kaum eine Rolle spielen. Einzig der Stadtnetzverbund unter dem Dach der börsennotierten Versatel kann eine gewisse Überregionalität für sich in Anspruch nehmen.

Auf der anderen Seite konkurriert die Telekom mit den finanzstarken Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen. So steht hinter Hansenet und deren Marke Alice die Telecom Italia, Arcor gehört zur britischen Vodafone, und die Telefónica ist mit einer Gesellschaft angetreten, die inzwischen eines der größten alternativen Festnetze in Deutschland betreibt, die Produkte aber nicht unter eigenem Namen an den Endkunden bringt. Allerdings liefert Telefónica Festnetzanschlüsse zum Beispiel an 1&1 oder auch Freenet und die Mobilfunk-Schwestergesellschaft O2. Einzig die Kölner QSC AG hat sich mit einem gut ausgebauten Netz bisher als konzernunabhängiges Unternehmen in dem Wettbewerb behaupten können, ist aber stärker auf Geschäftskunden konzentriert.

Der Wettbewerb für das Festnetz der Telekom wird inzwischen auch von den Kabelnetzbetreibern forciert, die ihre Netze in immer mehr Gebieten aufgerüstet haben und jetzt auch Telefonate und einen DSL-ähnlichen Internetanschluss anbieten. Nicht zuletzt trägt zudem der Mobilfunk zu einer Verschärfung der Konkurrenz auf dem Kommunikationsmarkt bei. Immer mehr Kunden kündigen ihren Festnetzanschluss vollständig und setzen komplett auf die Angebote der Mobilfunker. Dort ermöglicht der leistungsstarke Datenfunk UMTS inzwischen schnelle Internetzugänge in DSL-Qualität im Mobilfunknetz. Dem Wettbewerb in Deutschland steht in den kommenden Jahren aber eine weitere Runde bevor, die zu einer neuen Ordnung auf dem Markt führen wird.

Dies hat vor allem technische Gründe und hängt mit der Umstellung der Netze auf das Internet-Protokoll (IP) zusammen, das nach Ansicht der Fachleute künftig der alleinige Standard für den Transport von Sprache und Daten in den Netzen sein wird. Das hört sich zwar einfach an, ermöglicht aber einen aufwendigen Umbau der Netzstruktur, die am Ende indes hohe Effizienzgewinne bringt. Die Telekom will ihr Netz bis zum Jahr 2012 vollständig auf IP umstellen. Die Wettbewerber werden etwas früher damit fertig sein.

50 Prozent weniger Kosten

Zu den wesentlichen Neuerungen der IP-Netze gehört es, dass erheblich weniger Schaltstellen im Netz gebraucht werden. Insgesamt erhofft sich die Branche eine Kostensenkung von bis zu 50 Prozent für den Netzbetrieb. Dieses Sparpotential resultiert daraus, dass die IP-Netze mit deutlich weniger Personal betrieben werden können; was dazu führt, dass die Telekom auch in Zukunft zu einem weiteren Personalabbau gezwungen sein wird. Die ganze Branche hofft, ihre Ertragskraft weiter steigern zu können, auch wenn der Umsatz im Festnetzgeschäft wahrscheinlich nicht wieder deutlich steigen wird.

Ein wichtiger Teil der neuen Netzstruktur für die Telekom ist der Ausbau des VDSL-Netzes, das die Glasfaserleitung näher an den Kunden bringt und damit sehr hohe Übertragungsgeschwindigkeiten ermöglicht. Dafür wird das Glasfasernetz in den großen Städten bis zu den kleinen grauen Kästen am Straßenrand, die in der Fachsprache als Kabelverzweiger oder KVZ bezeichnet werden, ausgebaut. Dadurch werden Dienste möglich, für die die konventionellen Netze bisher nicht ausgelegt waren.

Ein Beispiel ist das von der Telekom jetzt angebotene IPTV, das Fernsehsignale auf der Basis des Internet-Protokolls in die Wohnzimmer bringt. Die Wettbewerber Arcor und Hansenet haben zwar ähnliche Angebote, nutzen dafür aber bisher die klassische Kupferleitung, die in Sachen Geschwindigkeit an ihre Grenzen stößt – auch wenn moderne DSL-Übertragungstechnik genutzt wird. So wird die gleichzeitige Übertragung von zwei unterschiedlichen Programmen in hoher Auflösung (HD) problematisch. Dennoch hofft die gesamte Festnetzbranche durch solche neuen Dienste auf Umsatzsteigerungen.

So dringen auch die Wettbewerber darauf, einen eigenen Zugang zu dem VDSL-Netz der Telekom zu erhalten, was der Konzern aber zu verhindern sucht. Eine Lösung für diese Frage steht bisher aus. Obwohl das Verwaltungsgericht Köln in der vergangenen Woche der Bundesnetzagentur recht gegeben und im Eilverfahren eine Entscheidung der Behörde bestätigt hat. Demnach muss die Telekom ihren Wettbewerbern den Zugang zum KVZ gewähren. Darüber verhandeln die Wettbewerber auch schon mit der Telekom. – bislang allerdings ohne Ergebnis.

GvD.news
27.01.2008, 22:58
3,7 Milliarden für Mobilfunklizenzen

WASHINGTON, 27. Januar (dpa). Für zusätzliche Mobilfunk-Frequenzen sind in den Vereinigten Staaten während einer Versteigerung bis zum Wochenende Höchstgebote von 3,7 Milliarden Dollar (2,5 Milliarden Euro) eingegangen. An der Auktion beteiligen sich neben den Branchenriesen AT&T und Verizon auch der Internet-Konzern Google, der ins Handy-Geschäft einsteigen will. Beobachter halten einen Gesamterlös des Staates für alle angebotenen Frequenzblöcke von weit mehr als zehn Milliarden Dollar für möglich. Die derzeitige Summe von 3,7 Milliarden Dollar setzt sich aus den jeweils höchsten Einzelofferten für mehrere Frequenzblöcke zusammen. Unter den Hammer kommen bei der seit vergangenem Donnerstag laufenden Versteigerung Sendefrequenzen im 700-Megahertz-Band. Sie werden durch den Übergang zur digitalen Fernsehübertragung in den Vereinigten Staaten frei.

GvD.news
27.01.2008, 22:59
Der Vier-Milliarden-Dollar-Mann

John Paulson war bisher an der Wall Street kein sonderlich bekannter Mann. Gemessen am Vermögen, dürfte Paulsons Bekanntheitsgrad nun rapide steigen. Er hat nämlich im vergangenen Jahr geschätzte drei bis vier Milliarden Dollar verdient, schreibt das „Wall Street Journal“. Das gilt als das höchste Jahressalär in der Geschichte der Wall Street. Neben seinem Milliardeneinkommen sorgte Paulson zudem mit der Verpflichtung des früheren amerikanischen Notenbankchefs Alan Greenspan als Berater bei Paulson & Co. für Aufsehen. Es ist erst der dritte Beratervertrag für Greenspan nach dem Ende seiner Amtszeit bei der Fed. Der wählerische Greenspan berät bisher nur die zur Münchner Allianz gehörende Rentenfondsgesellschaft Pimco sowie die Investmentbanker der Deutschen Bank.

An der Wall Street, wo derzeit Banken wegen der Hypothekenkrise Abschreibungen in Milliardenhöhe beichten müssen, fällt Paulson aus dem Rahmen. Er hat seine Milliarden nämlich mit Wetten auf einen schwachen Häusermarkt gemacht. Einer seiner Fonds hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 590 Prozent erzielt. Insgesamt ist der Wert der Paulson-Fonds 2007 um 15 Milliarden Dollar gestiegen. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 28 Milliarden Dollar zählt Paulson & Co. jetzt zu den größten Hedge-Fonds der Welt.

Im Jahr 1994 hatte sich Paulson mit einem Hedge-Fonds, einem Investmentvehikel für reiche Privatanleger und Institutionen, selbständig gemacht. Der 51 Jahre alte New Yorker Hedge-Fonds-Manager hatte zuvor beim berühmten Investor Leon Levy und als Investmentbanker bei Bear Stearns gearbeitet. Vor zwei Jahren war er entgegen der herrschenden Meinung schon zu der Überzeugung gelangt, dass das Ende des mehrjährigen Aufschwungs am amerikanischen Häusermarkt nahe. Zudem war sich Paulson sicher gewesen, dass die immer lockerer werdenden Standards bei der Vergabe von Hypotheken zu steigenden Kreditausfällen führen würden.

„Die meisten Leute sagten uns, dass die Häuserpreise auf nationalem Niveau nie fielen und dass es noch nie einen Zahlungsverzug bei einer mit hoher Bonität versehenen Hypothekenanleihe gegeben habe“, beschreibt Paulson die Überzeugung der amerikanischen Hypothekenexperten. Doch genau das geschah. Die Häuserpreise fielen, und besonders Besitzer der populär gewordenen zweitklassigen sogenannten Subprime-Hypotheken hatten zunehmend Schwierigkeiten, ihre Raten zu zahlen.

Paulson war eigentlich kein Fachmann für Hypotheken. Er erwartete aber ein nachlassendes Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten und wollte daher seine anderen Anlagen absichern – und gleichzeitig profitieren, wenn es wirtschaftliche Probleme geben sollte. „Wo ist die Spekulationsblase, gegen die wir wetten können?“, fragte er seine Mitarbeiter. Die Antwort war der Häusermarkt. Paulson, der bis spät in die Nacht über Daten aus dem Hypothekenmarkt brütete, wettete auf fallende Preise bei Hypothekenanleihen und kaufte sogenannte Credit Default Swaps, also Wertpapiere, mit denen sich Anleger gegen Kreditausfälle absichern können. Die waren damals billig zu haben, weil kaum jemand mit Ausfällen rechnete.

Als sich Anfang 2006 der große Subprime-Hypothekenanbieter Ameriquest, dem aggressive Vertriebsmethoden vorgeworfen worden waren, auf einen außergerichtlichen Vergleich einigte, war Paulson überzeugt, dass solche Methoden weit verbreitet waren. Er folgerte daraus, dass Subprime-Hypotheken zunehmend an Leute vergeben wurden, die sich die Häuser eigentlich nicht leisten konnten.

Paulson machte daraufhin Mitte 2006 einen Fonds auf, der sich auf diese Risikohypotheken konzentrierte. Er sammelte dafür 150 Millionen Dollar von hauptsächlich europäischen Investoren ein – eine relativ geringe Summe und ein Zeichen der Skepsis unter Anlegern. Der Häusermarkt blieb aber weiter robust, und der Fonds verlor anfänglich Geld. Zum Ausgleich für den Stress joggte Paulson im Central Park. Seine Wetten erhöhte er.

Zu diesem Zeitpunkt gab es mit dem neuen ABX-Index auch ein Finanzinstrument, das einen Korb ausgewählter Subprime-Hypotheken abbildete. Der Fonds von Paulson setzte auf einen fallenden Wert des ABX. In der zweiten Jahreshälfte 2006 hatte er endlich Erfolg. Der ABX gab nach, und der Wert von Paulsons Credit-Opportunities-Fonds stieg um 20 Prozent. Paulson machte umgehend einen zweiten, ähnlichen Fonds auf.

Die entscheidende Wende kam dann Anfang Februar des vergangenen Jahres. Einer seiner Händler kam damals aufgeregt mit einer Pressemitteilung in sein Büro gerannt. Die brisante Nachricht: Der große Subprime-Anbieter New Century avisierte einen Quartalsverlust und musste frühere Ergebnisse revidieren. Das sorgte an der Wall Street für große Verunsicherung. Der ABX rauschte nach unten – und die Fonds von Paulson stiegen allein im Februar um 60 Prozent. Nachdem sich die Lage etwas entspannt hatte, sorgte im Mai dann die Schieflage von zwei in Subprime-Papieren investierten Hedge-Fonds bei Bear Stearns für neuerliche Schockwellen. Bis zum Herbst hatte der ABX dann 80 Prozent seines Wertes verloren, der Wert der Hypothekenanleihen war deutlich gefallen, und die Preise für Kreditausfallversicherungen waren in die Höhe geschossen. Das katapultierte Paulson 2007 erstmals auf Platz 165 der Forbes-Liste.

Wie die meisten Hedge-Fonds-Manager hält Paulson seine Anlagestrategien geheim, damit niemand seine Ideen kopiert. Nur Kunden und potentielle Investoren werden darüber informiert. Als der Wert seiner Fonds stieg, begannen jedoch einige seiner Anleger, das Erfolgsrezept auszuplaudern. Paulson reagierte darauf mit einer Software, die verhinderte, dass Kunden seine E-Mails weiterleiten konnten. Er war ein gebranntes Kind. Einem Freund, dem Immobilienmogul Jeff Greene, hatte Paulson im Frühjahr 2006 seinen Anlageplan erläutert, als er Investoren suchte. Greene wartete jedoch nicht auf Paulson. Er setzte die Strategie auf eigene Faust um, nachdem zwei Banken ihm erlaubt hatten, diese normalerweise nur institutionellen Anlegern vorbehaltenen Anlagen zu tätigen. Greene verdiente damit mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Paulson habe „aufgebracht“ gewirkt, als er ihm davon berichtet habe, sagte Greene dem „Wall Street Journal“. „Er hat mir aber nie gesagt: ,Mach es nicht!‘“, rechtfertigt sich Greene. Doch Paulson hat der Ideenklau offenbar getroffen. Für seine neuen Fonds ist das Geld von Greene nicht mehr erwünscht.

GvD.news
27.01.2008, 22:59
„Wir stellen jeden Monat 20 Leute ein“
Centrotherm liefert Produktionsanlagen für die Solarindustrie. Die Auftragsbücher sind voll, die Börse noch unsicher.

Stolz zeigt Robert Hartung ein Modell auf seinem Schreibtisch. Die weißen Quader deuten an, welche Gebäude auf dem Areal in den nächsten Jahren entstehen sollen. Der Vorstandschef von Centrotherm Photovoltaics hegt große Pläne. „Bis zum Wald“, sagt Hartung und zeigt aus dem Fenster zum einige hundert Meter entfernten Forst, „kaufen wir das Gelände.“ Jegliches Brachland der näheren Umgebung soll der weiteren Expansion des Unternehmens im schwäbischen Blaubeuren dienen. Neue Produktionshallen, Bürogebäude und ein Parkhaus sollen entstehen.

Centrotherm Photovoltaics liefert Technologie und Anlagen für die Herstellung von Solarzellen und hat damit in den vergangenen drei Jahren ein atemberaubendes Wachstum hinter sich gebracht. Von damals 20 Millionen Euro Umsatz im Jahr steigen die Erlöse im Jahr 2008 voraussichtlich auf rund 300 Millionen Euro. Die Auftragsbücher sind voll, und die Gewinnmarge liegt bei mehr als zehn Prozent.

Begonnen hat alles mit der Bonner Solarworld AG. Deren Chef Frank Asbeck rief im Jahr 2003 in dem 12 000-Einwohner-Ort im Osten Baden-Württembergs an und fragte, ob sie nicht eine Anlage zur Produktion für Solarzellen für ihn bauen könnten. „Bis dahin waren wir auf die Halbleiterproduktion spezialisiert“, sagt Hartung. „Wir haben uns dann über Weihnachten zwei Wochen zurückgezogen und nachgedacht.“

Dabei entwickelte der Unternehmenschef eine Vision, die er Stück für Stück umgesetzt hat. „Die Halbleiterindustrie wanderte nach Asien ab, die Überkapazitäten waren groß, so dass sich für uns ohnehin die Frage stellte, ob wir nicht etwas ändern müssen.“ Und der Solarindustrie sei man sowieso nicht so fern gewesen. „Mit dem auch für die Solarzellen so wichtigen Silizium kannten wir uns schon aus, und technologisch waren wir wegen langfristiger Kooperationen mit den Fraunhofer-Instituten und der Universität Konstanz auch vorbereitet.“

Im Jahr 2004 lieferte Centrotherm die erste schlüsselfertige Produktionslinie zur Herstellung von Solarzellen an Solarworld. Dann ging es Schlag auf Schlag. „Als Mittelständler konnten wir es uns nicht erlauben, Aufträge abzulehnen“, sagt Hartung. Er hat daher die Kapazitäten rasch ausgebaut, im Jahr 2005 entstand ein neuer Bürokomplex und bei der Schwestergesellschaft, die Teile zuliefert, auf demselben Gelände eine neue Produktionshalle. „Wir haben das hier nach dem Feng-Shui-Prinzip bauen lassen“, sagt Hartung. Ein Bach fließt durch das Firmengelände, zahlreiche Sitzgruppen laden zum Verweilen im Freien ein. Nicht ganz passt ein Containerkomplex ins Ensemble, aber sonst war kein Platz mehr für die vielen neuen Mitarbeiter. „Wir stellen durchschnittlich jeden Monat 20 Leute ein“, sagt Hartung. „Anfang Januar war das Foyer voll mit Menschen, ich dachte, es sei eine Besuchergruppe, es waren aber neue Kollegen.“ An einigen Stellen im Haus hängen Schaukästen mit den Fotos der neuen Mitarbeiter. Jeweils nach einem Monat werden die Kästen neu bestückt, dann mit den neueren Neulingen. So arbeiten mittlerweile 650 Mitarbeiter in Blaubeuren bei Centrotherm Photovoltaics und deren Schwestergesellschaften, 100 weitere in Dresden und gut 50 über die Welt verteilt.

Zu verdanken hat das mehr als 30 Jahre alte Unternehmen den plötzlichen Aufschwung den drei Buchstaben EEG. Die stehen für das Erneuerbare-Energien-Gesetz der rot-grünen Bundesregierung. Es hat von 2004 an mit hohen Fördersätzen die Einspeisung von Solarstrom in das deutsche Stromnetz gefördert. Damit wurde die Umwandlung der Sonnenstrahlen in Strom selbst in einem vergleichsweise sonnenarmen Land wie Deutschland profitabel. Politisch interessant ist die Solarenergie aber längst auch für viele andere Staaten, die kaum eigene Rohstoffe zur Energiegewinnung haben. Mit dem Einstieg in die Solarenergie erkaufen sich die Länder die Aussicht auf eine geringere Abhängigkeit von Energieimporten.

Für Centrotherm Photovoltaics ist Deutschland mit einem Umsatzanteil von derzeit 23 Prozent zwar weiterhin ein wichtiger Markt, 70 Prozent der Umsätze macht das Unternehmen aber mittlerweile in Asien. „In Taiwan stammt der größte Teil der Produktionsanlagen für Solarzellen von uns“, sagt Hartung. Daher nimmt Hartung auch die Überzeugung, ein ganzes Land entwickeln zu können. „Durch einen kleinen Kern entstehen Arbeitsplätze, damit eine Lobby und letztlich ein großer Markt.“ Derzeit versucht Centrotherm unter anderem, den italienischen Markt für sich zu gewinnen. „Dort gibt es zum Beispiel Sockenfabrikanten, die etwas anderes machen wollen als bisher. Wir haben dahin schon fünf Fertigungslinien für Solarzellen verkauft.“

Längst bietet Centrotherm aber nicht nur Anlagen für die Fertigung von Solarzellen. Auch Produktionsanlagen für die Herstellung von Solarsilizium konzipiert das Unternehmen aus Blaubeuren. Zudem ist bereits der Einstieg in den Verkauf von Anlagen zur Herstellung von Dünnschicht-Solaranlagen gelungen. „Wir sind lange unter dem Radar der Großen geflogen“, sagt Robert Hartung mit Blick auf wesentlich größere Konkurrenten wie die amerikanische Applied Materials. „Erst wenn wir etwas wirklich Markttaugliches haben, starten wir steil nach oben und zeigen uns am Markt.“ So habe Centrotherm rund drei Jahre an der Verbesserung der Dünnschichttechnologie geforscht. Nun liegen bereits Aufträge im zweistelligen Millionenbereich vor.

Mit dieser Wachstumsgeschichte wurde das Unternehmen vor gut drei Monaten mit offenen Armen an der Börse empfangen. 138 Millionen Euro flossen durch den Börsengang dem Unternehmen zu. Der Familie Hartung gehören nun nur noch gut 50 Prozent der Unternehmensanteile, dem Vorstandsmitglied und Mitarbeiter der ersten Stunde Hans Autenrieth 13 Prozent. „Wir brauchten das Geld, um das schnelle Wachstum finanzieren zu können“, sagt Hartung. 22 Millionen Euro wurden bereits in den Erwerb der FHR Anlagenbau nahe Dresden investiert. Dies soll bei der Weiterentwicklung der Dünnschichttechnologie helfen. Ähnliche Zukäufe seien denkbar.

Mit von der Partie waren beim Börsengang auch die damals rund 700 Beschäftigten des Unternehmens und seiner Schwestergesellschaften. „Wir haben ihnen zum symbolischen Preis von einem Euro je 15 Aktien angeboten“, sagt Hartung. „Alle haben das Angebot angenommen.“ Zu 34,50 Euro wurden die Aktien im hoch regulierten Frankfurter Prime Standard plaziert, auf 46 Euro kletterten sie gleich am ersten Handelstag. Mittlerweile kostet eine Aktie wieder rund 45 Euro, zwischendurch waren es aber mal 76 und auch mal 28 Euro. „Am Anfang habe ich fast ständig auf den Aktienkurs geschaut“, sagt Hartung. „Nun gehe ich davon aus, dass die Börse uns langfristig fair bewerten wird.“

Mit eher konservativen Prognosen will er das Vertrauen der Investoren gewinnen. „Und unser großes Ziel ist ja immer schon, die Anlagen so zu verbessern, dass die Produktion von Solarstrom ohne staatliche Subventionen auskommt. Dann geht es für uns erst richtig los.“ In vier, fünf Jahren sei es so weit, meint Hartung.

GvD.news
27.01.2008, 22:59
Arabiens Boom geht trotz Rezessionsangst weiter
Ölnachfrage bleibt hoch / Wachsende Inflationsgefahr

Her. RIAD, 27. Januar. Der Wirtschaftsaufschwung in den arabischen Golfstaaten würde auch im Fall einer Rezession in den Industriestaaten andauern. Selbst falls es zu einer Rezession in Nordamerika kommen sollte, rechnet Henry Azzam, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank in Dubai für den Nahen Osten und Nordafrika, nicht mit einem deutlichen Rückgang des Ölpreises. Eine Rezession in Nordamerika würde das Wachstum in China lediglich von knapp über 10 Prozent auf 7 Prozent drücken. Mit 7 Prozent würde aber auch die indische Volkswirtschaft 2008 weiter wachsen. Nicht aus Europa und Nordamerika sei die zusätzliche Nachfrage nach Erdöl gekommen, die zuletzt den Preis nach oben drückte, sondern aus China und Indien. Und sie werde weiter wachsen, sagte Azzam dieser Zeitung.

Die arabischen Golfstaaten haben das Jahr 2007 mit einem Überschuss in ihrer Leistungsbilanz von mehr als 300 Milliarden Dollar abgeschlossen, was einem Viertel ihrer Volkswirtschaft entspricht. Den durchschnittlichen Ölpreis für 2007 beziffert Azzam auf 73 Dollar für einen Barrel Rohöl. In diesem Jahr rechnet er, der seit Jahrzehnten zu den führenden Ökonomen der arabischen Welt zählt, mit einem Preis zwischen 60 und 90 Dollar und einem durchschnittlichen Ölpreis von 75 Dollar je Barrel. Selbst wenn der Ölpreis auf 25 Dollar sänke, wäre die Fiskalpolitik der arabischen Golfstaaten aufgrund der Renditen ihrer Investitionen im Ausland noch expansiv. Da zudem die Währungen der Länder an den Dollar gekoppelt sind und ihre Zinsen daher erheblich niedriger liegen, als es für eine Hochkonjunktur geboten wäre, ist auch die Geldpolitik expansiv. Die Privatwirtschaft werde daher weiter boomen, sagt Azzam.

Trotz der hohen Einnahmen aus den Ölverkäufen zeigen die Regierungen fiskalische Disziplin. Im vergangenen Jahr hat Saudi-Arabien seine Staatsausgaben um 13,5 Prozent erhöht, seine Staatseinnahmen stiegen aber um 55 Prozent. Die Investitionen in die Infrastruktur, in die Ausweitung der Ölförderung und die Anlagen im Ausland seien sinnvoll, sagt Azzam. Das Geld werde nicht in „weißen Elefanten“ verschwendet. Alle arabischen Golfstaaten wollen in den kommenden Jahren in den Ausbau ihrer Infrastruktur mehr als 700 Milliarden Dollar investieren. Saudi-Arabien steigert seine Ölförderung um mehr als 2 Millionen auf 12,5 Millionen Barrel am Tag und baut sechs „Megastädte“ als neue Wirtschaftszentren. Eine „Eisenbahnlandbrücke“ vom Osten des Königreichs an die Westküste ist ausgeschrieben.

Wegen des Booms zieht in allen sechs Staaten des Golfkooperationsrats (GCC) die Inflation an. In Saudi-Arabien erreichte sie im Dezember auf Jahresbasis 6 Prozent, den höchsten Wert seit vielen Jahren. Gründe sind die Auslastung aller Kapazitäten und die gestiegenen Preise importierter Waren. Den zunehmenden Inflationsdruck sieht Azzam auch als einzig möglichen Grund für die GCC-Staaten, ihre Dollarbindung aufzugeben oder neue Dollarparitäten ihrer Währungen festzulegen. Denn die Teuerungsraten werden teilweise auf den schwachen Dollar zurückgeführt. Grundsätzlich hält Azzam diese Diskussion seit dem letzten Gipfeltreffen der GCC-Staaten im vergangenen Dezember in Doha allerdings für beendet. Er sieht es als unwahrscheinlich an, dass die GCC-Staaten unter dem Druck der Währungsspekulation handeln könnten.

Eine Studie der Deutschen Bank prognostiziert für 2008 im Nahen Osten ein Wachstum von 5,6 Prozent nach 5,7 Prozent im vergangenen Jahr. Neben den Öleinnahmen und dem Aufschwung der einheimischen Privatwirtschaft nennt Azzam zwei weitere Faktoren, die den Erfolg der arabischen Golfstaaten begünstigen. Der „Gemeinsame Markt“, den die sechs GCC-Staaten zum 1. Januar 2008 eingeführt haben, schafft an der Stelle der sechs kleinen Märkte einen großen Markt, der als Einheit in der Rangliste der größten Volkswirtschaften auf Rang 13 liegt und in dem die Unternehmen nun mit Größenvorteilen agieren. Zweitens zahlt sich die Aufnahme Saudi-Arabiens in die Welthandelsorganisation (WTO) aus. Saudi-Arabien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von umgerechnet 375 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr die größte Volkswirtschaft und die Börse mit einer Marktkapitalisierung von 500 Milliarden Dollar der größte Aktienmarkt der arabischen Welt. Während sich Dubai mit dem „Dubai International Financial Exchange“ (DIFX) zu einem internationalen Finanzzentrum innerhalb der Region entwickelt, rechnet Azzam damit, dass Riad wegen seiner Größe, der breiten Diversifizierung seiner Volkswirtschaft und der Verfügbarkeit von Kapital zum regionalen Finanzzentrum aufsteigen wird.

GvD.news
27.01.2008, 23:00
Peking wird die Weltwirtschaft nicht retten
Allem Wachstum zum Trotz: Das Reich der Mitte ist wirtschaftlich noch längst nicht so stark, dass es eine Rezession in Amerika ausgleichen könnte.

Chinas Wachstumsgeschwindigkeit fesselt alle Beobachter. Seit Jahren schon richten sich die Blicke auf die atemberaubend schnell heranreifende, viertgrößte Volkswirtschaft der Erde. Anlegern brachte ihr Aufschwung trotz der jüngsten Einbrüche enorme Zuwächse im Wert ihres Aktiendepots. Und während der Westen nun immer tiefer in eine Finanzkrise hineingleitet, scheint ausgerechnet den Kommunisten in Peking wirtschaftspolitisch alles zu gelingen. Ende vergangener Woche vermeldeten sie nun auch Erfolge bei der Abkühlung ihrer in Teilen überhitzten Konjunktur: Zwar legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2007 mit 11,4 Prozent so schnell zu wie seit 13 Jahren nicht mehr. Doch sank die Wachstumsgeschwindigkeit von 11,9 Prozent Anfang vergangenen Jahres auf zuletzt nur noch 11,2 Prozent. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre wuchs China damit um 10,6 Prozent. Analysten zeigten sich von den jüngsten Zahlen angetan: Sie prophezeien China eine „sanfte Landung“ in diesem Jahr.

Wieder einmal haben also die Optimisten recht behalten. Bislang bestimmten abnehmende Zweifel über die Nachhaltigkeit des chinesischen Wachstumsweges sowie zunehmende Sorgen vor einer Übermacht der kommunistisch gesteuerten Marktwirtschaft in der Welt den Blickwinkel. Nun aber tritt eine neue Perspektive hinzu: Zugespitzt lautet die Frage: Hat China die Kraft, die Welt zu retten? Schlichter gesagt, fragen sich die Auguren der globalen Wirtschaft, fragen sich Politiker, Unternehmensstrategen und Börsianer, ob Herr Li in Schanghai in den nächsten Jahren so viel kaufen kann und will, dass er die wachsende Zurückhaltung von Average Joe in Iowa oder Lieschen Müller in Braunschweig wird ausgleichen können. Ist China schon eine Lokomotive der Weltwirtschaft? Vermag die heranwachsende asiatische Mittelklasse einen Nachfrageschwund oder gar eine Rezession in Amerika auszugleichen? Oder wird sie in deren Sog gezogen werden? Für Tom Albanese, den Vorstandsvorsitzenden des australisch-britischen Rohstoffkonzerns Rio Tinto, ist die Sache klar: „China koppelt sich mehr und mehr von Amerika ab“, sagt er. Selbst wenn Amerika in eine Rezession gleite, werde Chinas BIP in diesem Jahr um 10 Prozent wachsen. „Egal wie viel wir schürfen, in China finden wir einen Markt für unsere Rohstoffe“, sagt er. Unterstützung bekommt Albanese von einer ganzen Reihe von Ökonomen und Analysten.

Ganz anders indes klingen die Chinesen selber. Zhang Tao, stellvertretender Direktor der Internationalen Abteilung der chinesischen Zentralbank, warnte gerade vor den Folgen einer Rezession auf der anderen Seite des Pazifiks: „Wenn der amerikanische Konsum wirklich einbricht, ist das eine schlechte Nachricht für uns. Es wird ziemlich ernste Auswirkungen auf unsere Ausfuhren haben.“ Wang Jian, Vorsitzender der Chinesischen Vereinigung für Makroökonomie, warnt davor zu glauben, dass der wachsende Handel mit Europa und dem restlichen Asien eine schwindende Nachfrage für chinesische Produkte in Amerika ausgleichen könne. „Die globale Nachfrage ist letztlich von Amerika getrieben“, sagt er und verweist darauf, dass auch die Europäer weniger in China einkauften, wenn sie selber weniger nach Amerika ausführen könnten.

Schon im vierten Quartal 2007 stiegen Chinas Exporte so langsam wie seit 2002 nicht mehr. Denn nun geraten die Chinesen in eine Zange, die von innen wie außen zupackt: Während sich die Nachfrage in Amerika abflacht, bekommt die Industrie die konjunkturellen Bremsmanöver der eigenen Regierung zu spüren. Durch höhere Exportsteuern versucht sie, das Handelsdefizit mit Amerika zu verringern. Als wäre dies nicht genug, steigen auch im Billiglohnland China die Kosten. „In den Vereinigten Staaten ist der Durchschnittspreis für Einfuhren aus China erstmals im Juli vergangenen Jahres wieder gestiegen. Eine nominale Aufwertung des Yuan und die höhere Inflation verdeutlichen die Bedeutung von Produktivitätsgewinnen“, schreibt James McCormack von der Bewertungsagentur Fitch Ratings den Chinesen ins Stammbuch. Nicht auszuschließen, dass bald nicht mehr die Überhitzung Pekings größte Sorge ist, sondern ein Absatzrückgang.

Entwarnung also kann nicht gegeben werden. Ohne Frage muss sich Peking mehr denn je darauf konzentrieren, die eigene Volkswirtschaft durch widrige Verhältnisse zu steuern, als sich um den Rest der Welt zu sorgen. Ein Abflachen der Nachfrage aus dem Ausland birgt hohe Risiken: Seit Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001 haben sich die Ausfuhren verfünffacht. Mit dem schnellen Geld entstanden neue und immer neue Fabriken, die oft mit einfach erlangten Krediten bezahlt wurden. Sollte der Export nun einbrechen, drohte eine Kettenreaktion: Die Überkapazitäten würden sichtbar, die Zahl fauler Kredite wüchse schlagartig und würde den chinesischen Banken die Bilanzen verhageln. Am Ende einer solchen Reihe stünde der chinesische Sparer, der sein Geld an der Börse verspielt hat, seine Verschuldung nicht tilgen kann, kein Einkommen mehr hat. „China hat enorme Fertigungskapazitäten hochgezogen, die bislang dank steigender Exporte aufgesogen wurden. Ein durch Exportmangel ausgelöster Wachstumseinbruch würde diese Überkapazitäten offenlegen, den Lagerbestand hochtreiben und zu massiven Preiseinbrüchen in der zweiten Jahreshälfte führen“, malt Sun Mingchun von der Bank Lehman Brothers schwarz. Paul Sheard, Chefökonom von Lehman, bringt es auf den Punkt: „Die Risiken Chinas sinken nicht, sie wachsen.“ Ein wichtiges Glied in dieser Kette sind die Banken. Deren Lage hat sich dank kräftiger Finanzspritzen des Staates und mit dem Fachwissen aus dem Ausland zwar spürbar gebessert. Sicher aber sind chinesische Institute nicht. Die Regulierungsbehörden erklärten, chinesische Banken hätten im vergangenen Jahr die enorme Summe von 860 Milliarden Yuan (82,13 Milliarden Euro) irregulär verwendet. 177 Manager seien entlassen, fast 13 000 Mitarbeiter bestraft worden. Ein verlässliches Bankensystem sieht anders aus. Liu Minkang, anerkannter Vorsitzender der Bankenaufsicht, warnte gerade erneut vor der Zerbrechlichkeit des chinesischen Bankensystems. „Die Krise in Amerika ist eine deutliche Lektion für uns“, sagte er.

Kühlt sich die Konjunktur stärker als erwartet ab, wird die Regierung freilich nur in Maßen gegensteuern können. Denn ihr sind die Hände gebunden. Die Inflation steht mit knapp 5 Prozent im vergangenen Jahr auf dem höchsten Stand seit elf Jahren. Allein im Dezember lag die Teuerungsrate 6,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. Der Grund liegt nahezu allein in den extrem steigenden Lebensmittelpreisen: Eier kosten 35 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Fleisch liegt 48 Prozent höher, und der Preis für Gemüse ist um 30 Prozent gestiegen. Der Gang auf den Markt ist für viele Menschen zur Qual geworden. Solche Steigerungen stellen ein enormes Risiko für die Stabilität dar. Peking befürchtet soziale Verwerfungen, Unruhen. „Im extremen Fall kann schon allein die Erwartung einer starken Inflation zum Horten und zu Panikkäufen führen und damit die Inflationsspirale als eine sich selbst erfüllende Prophezeiung auslösen. Investoren sollten sich dieses Risikos bewusst sein“, warnt Michael Spencer von der Deutschen Bank. Fitch erwartet für dieses Jahr eine durchschnittliche Inflationsrate von 5,2 Prozent für China – deutlich über dem oberen Ende des Korridors der Zentralbank, das bei 3 Prozent liegt. Zu Jahresbeginn verhängte Peking deshalb erstmals seit einem Jahrzehnt wieder Preisobergrenzen für Grundnahrungsmittel wie Milch oder Nudeln.

Viel mehr aber kann die Politik derzeit nicht tun. Denn schon jetzt stehen die Zinsen auf dem höchsten Stand seit neun Jahren. Sie weiter heraufzuschrauben drohte nicht nur der Wirtschaft die Luft zu nehmen – und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die eigene Nachfrage langsamer anziehende Exporte ausgleichen soll. Hohe Zinsen, verbunden mit der Spekulation auf eine weitere Aufwertung des Yuan, ziehen zusätzlich auch spekulatives Kapital aus dem Ausland an. Allein im Dezember hat der Yuan 1,3 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt. Solches Kapital aber wirkt destabilisierend, denn es verflüchtigt sich so rasch, wie es gekommen ist.

Nüchtern betrachtet, hängt das Schicksal der globalen Wirtschaft zwar mehr und mehr von China ab. In noch stärkerem Maße aber hängt China von der Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft ab. Für Peking dürfte es in den kommenden Monaten also darum gehen, den richtigen Zeitpunkt für ein Umschwenken von einer restriktiven zu einer lockereren Geldpolitik zu finden. Bislang hat die Regierung mehr Geschick bewiesen, als viele erwarteten. Die großen Herausforderungen aber warten erst noch auf sie.

GvD.news
27.01.2008, 23:00
Eine neue Ära im Zahlungsverkehr
Der einheitliche europäische Zahlungsraum ist da: Wer Geld ins europäische Ausland überweist, soll keinen Unterschied zum Inland mehr spüren.

ham. FRANKFURT, 27. Januar. An diesem Montag hat ein neues Zeitalter im europäischen Zahlungsverkehr begonnen. Die Banken halten jetzt standardisierte Überweisungsträger bereit, mit denen Firmen- und Privatkunden auch über Ländergrenzen hinweg bargeldlos ihre Zahlungen abwickeln können. Nach der Einführung des Euro als Zahlungsmittel in weiten Teilen der Europäischen Union im Jahr 2001 erfolgt damit ein weiterer Schritt hin zu einem einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum (Sepa). Als nächstes soll die „europäische Lastschrift“ von November 2009 an folgen.

„Vor allem grenzüberschreitend tätige Firmenkunden profitieren von Sepa. In einem ersten Schritt können sie mit der neuen Euro-Überweisung 30 europäische Länder inklusive der Schweiz erreichen, und zwar zu Inlandskonditionen und ohne Betragsgrenze“, erklärt Dietrich Voigtländer, Vorstandsmitglied der DZ Bank, dem Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken. Bislang haben viele Unternehmen ihre Zahlungen innerhalb der EU über eine Vielzahl von Konten in verschiedenen Ländern abgewickelt. Mit den neuen Sepa-Produkten kann künftig der gesamte Zahlungsverkehr im europäischen Binnenmarkt über das Konto der Hausbank im Inland gesteuert werden.

Auch für Privatkunden sollen die Vorteile spürbar sein – zum Beispiel, wenn sie die Miete für die Ferienwohnung im Ausland von zu Hause aus überweisen. Schon seit 1. Juli 2003 darf die Überweisung von Frankfurt nach Paris nicht mehr teurer sein als von Frankfurt nach München. Mit der neuen Europa-Überweisung soll das Geld nun schneller zwischen den Konten fließen. Um den besseren Service zu erhalten, muss der Überweisungsaussteller die internationale Bankkontonummer (IBAN) und die internationale Bankleitzahl (BIC) des Empfängers verwenden. Die neuen Kontoverbindungsdaten finden sich in der Regel auf Kontoauszügen und Geschäftspapieren.

Die Banken halten im Parallelbetrieb die alten Zahlungssysteme noch bis mindestens 2010 aufrecht. Von wem der Durchbruch für die neuen Systeme abhängen könnte, deutet DZ-Bank-Vorstand Voigtländer an. Einer der größten Zahlungsverkehrsteilnehmer sei der Staat. „Erst wenn die öffentliche Hand ihre Systeme auch auf Sepa umstellt, werden wir bei den Transaktionen die kritische Masse erreichen, die die Vorteile der neuen Sepa-Infrastruktur erst richtig zur Geltung bringen – wie etwa mögliche Kostenreduzierungen“, sagt Voigtländer.

73 Milliarden Überweisungen werden jährlich von den im „Sepa-Raum“ lebenden 490 Millionen Bürgern über 9000 Banken und 326000 Bankautomaten getätigt. Aus Sicht der Unternehmensberatung A.T. Kearney eröffnet Sepa den Wettbewerb unter den europäischen Banken um einen Gesamtjahresumsatz von 70 Milliarden Euro. Die Effizienzunterschiede in den nationalen Zahlungssystemen seien groß. Südeuropäische Banken müssten bis zu 8 Cent je Transaktion aufwenden, deutsche und Institute aus dem Benelux-Raum „produzierten“ eine bargeldlose Transaktion für im Schnitt einen Cent. „Den kostengünstigsten Banken bringt die Vereinheitlichung des Zahlungsverkehrs einen Wettbewerbsvorteil, der ihnen die europäische Expansion erlaubt“, sagt Andreas Pratz von A.T. Kearney. Allerdings sei Größe wichtig. „Sepa zwingt die Banken dazu, sich entweder als führender Anbieter für Zahlungsverkehrsdienstleistungen zu positionieren oder nur Basisprodukte anzubieten und möglicherweise die gesamte Zahlungsverkehrsabwicklung an darauf spezialisierte Dienstleister auszulagern“, sagt Pratz.

DZ-Bank-Vorstand Voigtländer setzt auf weitere Vereinheitlichungen in Euro- pa. Sepa dürfe nur ein erster Schritt sein. Auch das Kartengeschäft müsse intensiviert werden. „Sepa wird nur dann zu einer ganzheitlichen europäischen Erfolgsgeschichte, wenn wir neben den Überweisungen für Lastschriften und für das Kartengeschäft europäische Perspektiven realisieren“, sagt Voigtländer.

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27.01.2008, 23:00
Koch stürzt ab — Wulff bestätigt
SPD und CDU in Hessen nahezu gleichauf / Schwarz-Gelb gewinnt in Niedersachsen

F.A.Z. FRANKFURT, 27. Januar. Bei der Landtagswahl in Hessen hat die CDU starke Verluste erlitten. Nach Prognosen und ersten Hochrechnungen der Rundfunkanstalten liegt die Partei von Ministerpräsident Koch mit rund 37 Prozent etwa gleichauf mit der SPD, die erhebliche Zugewinne erzielen konnte. In Niedersachsen hingegen behauptete sich die CDU trotz leichter Verluste mit etwa 43 Prozent klar als stärkste Partei und kann mit der FDP, die etwa acht Prozent der Stimmen erzielte, weiterregieren. Die SPD im Norden unterbot ihren historischen Tiefstand von 2003 mit etwa 30 Prozent noch einmal. In Hannover zieht die Linkspartei mit gut sechs Prozent in den Landtag ein. In Hessen verbesserte sich die FDP auf rund neun Prozent, die Grünen verloren und kommen auf rund acht Prozent. Offen war zunächst, ob der Linkspartei der Einzug in den Wiesbadener Landtag gelingen würde. Die Prognosen gehen auf repräsentative Befragungen der Wähler nach ihrer Stimmabgabe zurück.

Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff (CDU) sagte: „Wir haben die Wahl gewonnen, wir können gemeinsam mit unseren Freunden von der FDP weiterregieren und auf der Überholspur halten.“ CDU-Generalsekretär Pofalla gestand die Niederlage in Hessen ein: „In Hessen haben wir uns ein besseres Ergebnis gewünscht, die Verluste sind deutlich.“ Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), die ihren Wahlkreis in Darmstadt hat, sprach von einem „grandiosen Ergebnis“ in Hessen. Sie führte den Erfolg auf den Wahlkampf Andrea Ypsilantis zurück. Sie habe gezielt auf die Themen soziale Gerechtigkeit, Bildungspolitik und erneuerbare Energien gesetzt. Der hessische Innenminister Bouffier (CDU) sagte: „Wir haben unsere Wähler nicht ausreichend mobilisieren können.“ Der aus Hessen stammende Bundesverteidigungsminister Jung (CDU) verteidigte die Wahlkampfstrategie Ministerpräsident Kochs: „Es ist richtig, dass er die Themen aufgegriffen hat, die die Menschen bewegen. Die Diffamierungskampagne gegen Koch hat ein Stück weit gegriffen.“ Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth wertete das Ergebnis als „Sieg der politischen Kultur im Lande“. Es sei nicht nur eine Niederlage Roland Kochs, sondern auch eine Niederlage Bundeskanzlerin Angela Merkels.

Der SPD-Landesvorsitzende in Niedersachsen, Duin, sagte: „Es ist uns, anders als in Hessen, hier nicht gelungen, eine Polarisierung hinzubekommen. Wir haben es mit einer wirklich bitteren Niederlage zu tun, die dadurch noch bitterer wird, dass die Linkspartei in den Landtag einzieht." Der niedersächsische FDP-Spitzenkandidat Rösler äußerte sich sehr zufrieden über das Ergebnis.

Bis zum Sonntagnachmittag zeichnete sich in Hessen eine ähnlich hohe Wahlbeteiligung wie vor fünf Jahren ab. Nach Angaben des Landeswahlleiters waren um 14 Uhr rund 35 Prozent der Wahlberechtigten zur Stimmabgabe erschienen, eine leichte Steigerung gegenüber 2003. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung vor fünf Jahren in Hessen bei 64,6 Prozent. In Niedersachsen gingen dagegen bis zum frühen Nachmittag deutlich weniger Wähler an die Wahlurnen. Dort gaben bis 16. 30 rund 50 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie der Landeswahlleiter mitteilte. Bei der Landtagswahl 2003 hatte die Beteiligung zum gleichen Zeitpunkt bei 60 Prozent gelegen. In Hessen waren 4,4 Millionen und in Niedersachsen 6,1 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, einen neuen Landtag zu wählen.

Die Wahlbeteiligung spiegelt den unterschiedlichen Verlauf der Wahlkämpfe und die unterschiedlichen Erwartungen in Wiesbaden und Hannover wider: Im Norden hatten alle Umfragen Ministerpräsident Wulff (CDU) eine dritte Amtszeit an der Seite seines Koalitionspartners FDP vorhergesagt. Die SPD unter ihrem Spitzenkandidaten Jüttner beklagte, Wulff biete in seinem präsidial geführten Wahlkampf keine Angriffsfläche. In Hessen hingegen konnte die SPD unter ihrer Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti nach einem stark polarisierten Wahlkampf in den letzten Umfragen deutlich aufholen und einen zwischenzeitlich sicher geglaubten Wahlsieg von Ministerpräsident Koch (CDU) an der Seite seines früheren Koalitionspartners FDP unsicher erscheinen lassen. Schon von 1999 bis 2003 hatte die CDU mit der FDP in Hessen regiert. (Fortsetzung Seite 2.)

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28.01.2008, 22:02
Die brasilianische Börse fällt immer weiter zurück
Düstere Konjunkturaussichten in den Vereinigten Staaten belasten die Schwellenmärkte insgesamt. Auch von der Börse in São Paulo ziehen die internationalen Anleger spürbar ihr Kapital ab.

gap. FRANKFURT, 28. Januar. Der brasilianische Aktienmarkt hat die Schwächephase an den internationalen Börsen bisher vergleichsweise gut überstanden. Dennoch drängt sich der Eindruck auf, als könnte noch Unangenehmeres bevorstehen. Charttechnisch orientierte Analysten glauben eine ausgedehnte, auf ein deutlich niedrigeres Niveau des Leitindex Bovespa hindeutende Gipfelbildung zu erkennen. Sie habe im Oktober begonnen und sei Mitte Januar mit dem Unterschreiten der Marke von 60 000 Punkten abgeschlossen worden, heißt es in diesem Lager. Derzeit liegt der Bovespa bei etwa 56 881 Punkten und damit schon deutlich unter seinem Hoch von 65 791 Punkten, das der Bovespa Anfang Dezember erreicht hatte.

Chartanalysten weisen ferner darauf hin, dass die brasilianische Währung Real im Oktober ihre langjährige Aufwertung besonders gegenüber dem amerikanischen Dollar beendet hat und sich seither stabilisiert. Im Laufe des Januar hat der Real sogar leicht abgewertet. Auf der fundamentalen Seite wird die Diskussion von der Entwicklung der Weltwirtschaft beherrscht. Brasilien wäre als bedeutender Exporteur zahlreicher Industrierohstoffe einer sich abschwächenden Weltkonjunktur besonders stark ausgesetzt.

Langfristig orientierte Anleger sind mit brasilianischen Aktien über die Jahre hinweg ausgezeichnet gefahren, so dass die jüngst verzeichneten Einbußen des Bovespa kaum zu Buche schlagen. Die als „säkular“ bezeichnete Hausse lässt sich bis 1995 zurückverfolgen, als der Index bei einem Stand von 2100 Punkten zu steigen begann. Die gegenwärtige, aus technischer Sicht ungebrochene Haussephase setzte im Oktober 2002 ein, als sich der Bovespa bei knapp 10 000 Zählern befand. Danach verlief der Anstieg bis Anfang Dezember exponentiell steil. Mit der noch laufenden Haussephase ging eine krasse Aufwertung des Real einher, der die Kursgewinne am Aktienmarkt mit einem zusätzlichen Turboeffekt auf der Währungsseite versah. Gegenüber dem Dollar verteuerte er sich seit Herbst 2002 in der Spitze um mehr als 100 Prozent.

Das wenigstens vorläufige Ende des Aufwertungsprozesses wird vielerorts so gedeutet, dass ausländische Anleger Gewinne mitgenommen und das erlöste Kapital aus Brasilien abgezogen haben. Daneben heißt es aber auch, die Entwicklung des Real spiegele schwindende Einnahmen aus dem Exportgeschäft wider. In diesem Zusammenhang wird unter anderem auf schwächere Preise für einige Industrierohstoffe hingewiesen, besonders aber auf den seit November zu beobachtenden massiven Fall der Frachtraten in der internationalen Seefahrt, gemessen am Baltic Dry Index (BDI).

Letzterer wird so interpretiert, dass der Bedarf an Frachtraum für Massengüter, wie sie Brasilien exportiert, stark zurückgehe. Bedeutendstes Ziel brasilianischer Rohstoffausfuhren ist China, wo Experten Hinweis auf ein geringeres Wirtschaftswachstum ausmachen. Goldman Sachs erwartet, dass sich das Wachstum des brasilianischen Exports 2008 gegenüber dem vergangenen Jahr von 17 Prozent auf 12 Prozent verringert.

Bei der Diskussion über die konjunkturelle Entwicklung steht Amerika im Mittelpunkt. Die Möglichkeit einer Rezession dort wird inzwischen nicht mehr bestritten. Während die einen glauben, die Schwellenländer und Brasilien im Besonderen hingen mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung nur noch wenig von der Konjunktur in Amerika ab, sehen die anderen die Gefahr, dass das Land indirekt zur Quelle wirtschaftlichen Ungemachs in den Schwellenländern wird. Als Argument wird angeführt, dass besonders die chinesischen und die indischen Exporte stark zurückgehen dürften, wenn die Nachfrage aus Amerika nachlasse. Albert Edwards, der Chefstratege von Société Générale, erklärt, die Volkswirtschaften der Schwellenländer seien wahrscheinlich nicht stark genug sind, um einem konjunkturellen Abschwung in den Industrieländern standzuhalten. Seiner Ansicht nach wird sich die verbreitete These von der Abkopplung der Schwellenländer als falsch erweisen.

Ihre Börsen dürften daher auf Talfahrt gehen, und die Preise für Industrierohstoffe könnten spürbar sinken. Edwards erinnert daran, dass allein die amerikanische Wirtschaft so groß ist wie die Volkswirtschaften aller Schwellenländer zusammen. Ferner sei die sich rapide abschwächende Wirtschaft in Japan etwa so groß wie die chinesische und indische zusammen. Auch Goldman Sachs sagt voraus, dass sich das Wachstum in den führenden Schwellenländern, darunter Brasilien, im Zuge einer zu erwartenden milden, sechs bis neun Monate dauernden Rezession in Amerika abschwächt. Es bestehe aber die Gefahr gravierenderer Konsequenzen, falls die amerikanische Wirtschaft stärker einbricht. Merrill Lynch sagt voraus, dass im laufenden Jahr das Weltwirtschaftswachstum zu 80 Prozent von den Schwellenländern getragen werden dürfte.

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28.01.2008, 22:03
Märkte rechnen fest mit niedrigerem Leitzins
Amerikanische Notenbank dürfte Geldpolitik weiter lockern / Rezession wahrscheinlich

ctg. WASHINGTON, 28. Januar. Die amerikanischen Währungshüter um den Vorsitzenden Ben Bernanke werden in dieser Woche den Leitzins weiter senken. Und auch mit diesem Zinsschritt ist das Ende der geldpolitischen Lockerung noch nicht erreicht. Denn die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die schlechte Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten erfordern weitere Liquiditätsspritzen. In dieser oder ähnlicher Weise äußern sich Bankvolkswirte an Wall Street kurz vor Beginn des Treffens des geldpolitischen Rates der Federal Reserve (Fed) an diesem Dienstag und Mittwoch und knapp eine Woche nach der außerplanmäßigen Verringerung des Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Fed den Zielzins für Tagesgeld am Mittwoch auf 3 Prozent ermäßigt.

David Rosenberg, Chefvolkswirt der Investmentbank Merrill Lynch und einer der größten Pessimisten seiner Gilde, sieht die Fed auch nach der kraftvollen Zinssenkung von der vergangenen Woche deutlich im Hintertreffen. „Das liegt doch auf der Hand, wenn man sieht, dass die Rendite der zweijährigen Staatspapiere mit rund 2,2 Prozent rund 1,3 Prozentpunkte niedriger ist als das Geldmarktniveau“, sagt Rosenberg. Der Ökonom ist sicher, dass die amerikanische Wirtschaft mit dem Jahreswechsel in eine Rezession geglitten ist und sagt für drei Quartale dieses Jahres ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts voraus.

„Der Abschwung wird ausgelöst von den Konsumausgaben, die unter einen zu erwartenden Rückgang der Häuserpreise von 15 Prozent in diesem und weiteren 10 Prozent im kommenden Jahr leiden“, meint Rosenberg. Mit einer Fülle von Daten hat der Bankökonom sein Modell gefüttert und kommt zu dem Schluss, dass die amerikanische Notenbank ihren Kurs noch eine Weile fortsetzen und den Leitzins auf 1 Prozent senken muss, um eine Erholung der Konjunktur einzuleiten.

Auch für die Analysten der Investmentbank ING ist es keine Frage des „Ob“, sondern nur des „Wie viel“, wenn es um die Zinsentscheidung am Mittwoch geht. Eine Reihe von Volkswirten plädiere für einen kleineren Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten, die Marktakteure hingegen sähen derzeit 0,5 Prozentpunkte als wahrscheinlichstes Ergebnis. „Wenn die Märkte auch am Mittwoch noch fest mit einem halben Prozentpunkt rechnen, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass die Fed das auch beschließt“, schreiben die ING-Fachleute in einer Mitteilung an ihre Kunden. Die Fed wolle unter den jetzigen Umständen gewiss nicht die Erwartungen der Marktakteure enttäuschen.

Tim Bond von Barclays Capital weist darauf hin, dass die Zinssenkungen der Fed in den vergangenen Monaten angesichts der konjunkturellen Entwicklung und im historischen Vergleich nicht ungewöhnlich seien. „Der Leitzins mag etwas niedrig sein, wenn man nur auf die Lage auf dem Arbeitsmarkt blickt, die so schlecht nicht ist. Aber mit Blick auf die verhältnismäßig niedrige Kerninflationsrate und die gestiegene Zurückhaltung in der Kreditvergabe ist die Reaktion der Fed nichts Besonderes“, sagt Bond.

Der Banker rechnet ebenfalls mit einem Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die Fed in den vergangenen Tagen nichts unternommen habe, um die Markterwartung in eine andere Richtung zu lenken. „Wenn es dazu kommt, würde die Fed allerdings etwas aggressiver vorgehen als in der Vergangenheit“, sagt Bond. Das Barclays-Modell legt einen Leitzins von 3,25 Prozent nahe, etwas höher als die nun erwarteten 3 Prozent. „In diesem Umfeld müssen wir den Handel mit inflationsindexierten Staatsanleihen besonders beobachten. Dort könnte sich eine wachsende Besorgnis über eine Inflationsbeschleunigung zeigen“, erläutert Bond.

Roger Kubarych, der die Fed im Auftrag der Hypo-Vereinsbank beobachtet, hält es für recht wahrscheinlich, dass die Fed-Ökonomen eine Rezession in ihrer Konjunkturprognose nun zu ihrem Hauptszenario machen werden und der Rat den Leitzins diese Woche von 3,5 auf 3 Prozent senkt. Kubarych ist nicht entgangen, dass die Zinssenkung der Fed am vergangenen Dienstag nicht überall auf Zustimmung gestoßen ist: „Manche kritisierten, dass das Timing fast schon Panik signalisierte und dass der Markt einen Zinsschritt in dieser Höhe bereits in den Terminkontrakten eingepreist hatte.“

Doch der Ökonom schlägt sich auf die Seite jener, die den Beschluss für richtig halten. Die Zinssenkung sei erfolgt, um einem drohenden Kollaps vorzubeugen: „Da die Subprime-Krise einige der führenden Finanzinstitute bereits erheblich in Mitleidenschaft gezogen hat, wären die Folgen eines Einbruchs nur mit Mühe zu beheben gewesen“, argumentiert Kubarych. Ob dem Schritt vom Mittwoch noch weitere folgen werden, lässt der Banker offen: „Das hängt von den Finanzmärkten und dem Konjunkturverlauf ab.“

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28.01.2008, 22:03
Zertifikate ohne Kurs

Der Ärger ist verständlich: Viele Anleger können ihre Zertifikate derzeit nicht wie gewünscht handeln. Eine rechtliche Handhabe gibt es für die erboste Kundschaft nicht, denn die Emittenten „bemühen“ sich lediglich um das zuverlässige Stellen von Kursen. Sie garantieren es nicht. Was in diesen hektischen Börsentagen besonders übel aufstößt, ist die Tatsache, dass dies nicht zum ersten Mal passiert. Schon an vorherigen umsatzstarken Börsentagen mit großen Kurssprüngen lag der Handel mit Zertifikaten und spekulativen Hebelprodukten oftmals brach. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Die Beteiligten schieben sich derweil gegenseitig den Schwarzen Peter zu, wer wann wo nicht genug investiert hat. Vor der eigenen Türe kehren die wenigsten. Bisher gab es dazu auch kaum Anlass. Die Volumina im Zertifikatemarkt sind weiter gestiegen; der Anleger hat sich immer neue Produktkreationen ins Depot legen lassen. Nun ist er überrascht, dass vermeintlich sichere Produkte nicht halten, was sie versprechen, und er sie in kritischen Zeiten nicht einmal vernünftig verkaufen kann. Die Branche sollte dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. Oft werden sich die Anleger den Ärger nicht antun.

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28.01.2008, 22:03
Toyota bleibt die Nummer zwei

pwe. TOKIO, 28. Januar. Die japanische Toyota Motor Corp. bleibt – gemessen am Absatz – Nummer zwei in der Rangliste der weltgrößten Automobilhersteller. Das Unternehmen teilte am Montag in Tokio mit, es habe im vergangenen Jahr nach endgültigen Daten 9,366 Millionen Fahrzeuge verkauft. Damit liegt Toyota rund 3000 Fahrzeuge hinter dem amerikanischen Rivalen General Motors Corp. (GM), der vorläufig den Verkauf von 9,369 Millionen Fahrzeugen gemeldet hatte. Die endgültigen Verkaufszahlen von Toyota sind niedriger als die zunächst vorläufig gemeldeten 9,37 Millionen Stück (F.A.Z. vom 11. Januar). Mit einer Produktion von 8,535 Millionen Fahrzeugen hat Toyota dagegen GM um rund 2000 Stück überholt. Auch gemessen an wirtschaftlichen Kenndaten wie Gewinnen oder Marktkapitalisierung, führt Toyota den Vergleich der beiden Autogiganten an. Nachdem das Unternehmen in den neunziger Jahren begonnen hatte, in den wichtigsten Absatzmärkten Produktionsstätten aufzubauen, hat der Absatz sich rasant und deutlich dynamischer entwickelt als derjenige von GM, das eher auf Zusammenarbeit und Firmenübernahmen setzte, um global zu wachsen. Auch der frühe Einstieg in die Entwicklung umweltfreundlicher Hybridautos verschaffte dem Unternehmen Vorteile. Manager von Toyota zeigten sich über den zweiten Platz in der Rangliste kaum enttäuscht. Die Wirtschaftszeitung „Nikkei“ zitierte einen Toyota-Manager mit den Worten: „Das ist gut.“ Der zweite Platz werde die Mitarbeiter vor übergroßer Zufriedenheit schützen. Toyota-Präsident Katsuaki Watanabe wird das Wort zugeschrieben: „Der Arrogante hat ein kurzes Leben.“

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28.01.2008, 22:04
Jenoptik gibt sich zuversichtlich
Fast kein Vorsteuergewinn / Eurofighter-Auftrag

itz. LEIPZIG, 28. Januar. Der Thüringer Optikkonzern Jenoptik, der nach der Trennung vom Anlagenbau die schwachen Zeiten eigentlich hinter sich lassen wollte, hat 2007 deutlich weniger verdient als 2006 und setzt jetzt auf das laufende Jahr. Das Unternehmen bestätigte am Montag eine frühere Warnung, dass wegen des schleppenden Sensorik-Geschäfts der Gewinn deutlich geringer ausgefallen sei als angenommen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug vorläufigen Zahlen zufolge „über 34 Millionen Euro“ und lag damit in der Mitte der reduzierten Voraussage vom August. Damals hatte Jenoptik sein Ziel von bis zu 42 Millionen Euro auf 32 bis 36 Millionen verringern müssen. 2006 hatte das Ebit noch 38 Millionen Euro betragen.

Auch der Gewinn vor Steuern (EBT) ist stark gefallen, von 19,1 Millionen Euro auf null oder einen „leicht positiven“ Wert. Als Grund hierfür wird die Belastung des Zinsergebnisses mit rund 30 Millionen Euro durch die vorfristige Rückzahlung einer Hochzinsanleihe genannt. Zum Nachsteuerergebnis gab es keine Angaben, da die Berechnung der latenten Steuern gemäß der Steuerreform noch nicht abgeschlossen sei. 2006 hatte der Überschuss 16,1 Millionen betragen.

Der Umsatz nahm 2007 den neuen Zahlen zufolge um 7 Prozent auf 520 Millionen Euro zu. Für 2008 werden 550 Millionen und ein höheres Ebit erwartet. Da die Zinsbelastung der Anleihe wegfalle, dürften das Nettoergebnis und der Gewinn je Aktie überproportional zulegen, hieß es. Mittelfristig will Jenoptik, das in der Vergangenheit bis zu 2,5 Milliarden Euro umgesetzt hatte, wieder mehr als 1,0 Milliarden erlösen; langfristig soll die Ebit-Marge auf 9 bis 10 Prozent steigen. Als Umsatzzuwachs sind 10 Prozent im Jahr geplant, wobei man mancherlei Akquisitionen im Auge hat, offenbar auch größere.

Der neue Vorstand, der seit Juli im Amt ist, gibt sich zuversichtlich. Man habe die Finanzen und das Kerngeschäft gestärkt sowie die Internationalisierung und die Kundennähe vorangetrieben. Die Nettoverschuldung sei trotz zweier Zukäufe auf weniger als 200 Millonen Euro gefallen, die Eigenkapitalquote betrage nach der Bilanzverkürzung fast 40 Prozent. Der Mittelzufluss (Cashflow) habe deutlich zugelegt. Der Auftragsbestand erreiche mit 438 Millionen Euro etwa den Vorjahresstand, der Auftragseingang liege mit 510 Millionen Euro um 5 Prozent höher. Die Schwierigkeiten im Sensorik-Geschäft gelten als ausgestanden, seit man mit Mitsubishi den größten Raumfahrtauftrag der Geschichte zur Lieferung von Andock-Sensoren schließen konnte. Zudem liegt eine Militärbestellung von 27 Millionen Euro für „Radome“ vor, die optischen Kappen von Radarsystemen in Flugzeugen wie dem Eurofighter.

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28.01.2008, 22:04
McDonald’s hat Schwierigkeiten in Amerika

lid. NEW YORK, 28. Januar. Die weltgrößte Hamburgerkette McDonald’s hat auf ihrem Heimatmarkt eine abrupte Abschwächung des Geschäfts erlebt: Bei der Vorlage des Quartalsberichts meldete das Unternehmen eine Stagnation der Umsätze in den amerikanischen Filialen für den Monat Dezember. Nach Angaben des Unternehmens hat es im Dezember im bestehenden Filialnetz keinerlei Wachstum gegeben. Die Stagnation ist für McDonald’s sehr ungewöhnlich: Nach Überwindung einer schweren Krise im Jahr 2002 hat McDonald’s nun schon mehrere Jahre am Stück kontinuierlich deutliche Umsatzzuwächse in Amerika geschafft. Noch im November erreichte McDonald’s hier ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum von 4,4 Prozent, und für das Gesamtjahr 2007 verbleibt ein Plus von 4,5 Prozent. Vorstandsvorsitzender Jim Skinner machte eine größere Konsumzurückhaltung der amerikanischen Verbraucher sowie den Wintereinbruch in Teilen des Landes für die Abschwächung im Dezember verantwortlich. Der Aktienkurs verlor am Montag im Handelsverlauf rund 4 Prozent und notierte um 52 Dollar. Das Papier hatte zuvor in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 25 Prozent an Wert gewonnen und sich damit deutlich besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Gerade mit Blick auf den amerikanischen Markt hatte McDonald’s zuletzt für viel Optimismus im Markt gesorgt: Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass das Unternehmen alle seine amerikanischen Filialen mit Kaffee-Bars ausrüsten und damit der Kaffeehauskette Starbucks stärker Konkurrenz machen will.

Insgesamt lag McDonald’s mit seinen Quartalszahlen über den Erwartungen von Analysten, auch wenn es ohne Berücksichtigung von Währungseffekten kein Wachstum gegeben hätte. McDonald’s steigerte den Umsatz im vierten Quartal um 6 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar, währungsbereinigt wäre das Unternehmen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres geblieben. Analysten hatten im Schnitt mit 5,6 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn stieg um 3 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 73 Cent lag um 2 Cent über den Analystenschätzungen.

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28.01.2008, 22:04
Wincor Nixdorf setzt auf das internationale Geschäft
Der Hersteller von Geldautomaten und Kassensystemen bekräftigt seine zuversichtlichen Prognosen. Der Start in das neue Geschäftsjahr ist gelungen. Jetzt nimmt er Amerika ins Visier, aber auch Tankstellen und Restaurants. Die Dividende für 2006/2007 steigt um 99 Prozent.

B.K. DÜSSELDORF, 28. Januar. Die Wincor Nixdorf AG ist bestens in das neue Geschäftsjahr 2007/08 (30. September) gestartet und sieht sich auf Wachstumskurs. „Wir gehen davon aus, dass sich das Geschäft nach dem sehr guten Auftakt weiter so gut entwickelt wie in den zurückliegenden Monaten. Das bedeutet ein sehr gutes Bankengeschäft und ein starkes Wachstum des internationalen Geschäftes“, sagte der Vorstandsvorsitzende Eckard Heidloff am Montag auf der Hauptversammlung des Paderborner Geldautomaten- und Kassensystem-Herstellers. Er bestätigte den Aktionären zugleich bisherige Prognosen, wonach in diesem Jahr der Umsatz um 8 Prozent und das operative Ergebnis vor Abschreibungen auf Produkt-Knowhow (Ebita) um 10 Prozent wachsen sollen.

Mit dem ersten Quartal wurde die Basis für das weitere Umsatz- und Ergebniswachstum gelegt. So stieg der Umsatz um 10 Prozent auf 602 Millionen Euro. Bereinigt um Wechselkurse, machte das Plus 13 Prozent aus. Das operative Ergebnis zog um 13 Prozent auf 52 Millionen Euro an, so dass sich die Rendite um 0,2 Punkte auf 8,4 Prozent verbesserte. Der Periodenüberschuss erhöhte sich um 23 Prozent auf 32 Millionen Euro. Die Zahlen des seit 2004 börsennotierten Unternehmens kamen bei den Analysten zwar gut an. Die Aktie konnte sich allerdings nicht der allgemein schlechten Börsenstimmung entziehen. Mit einem Minus von mehr als 3 Prozent auf etwas über 54,40 Euro gab ihr Kurs sogar noch etwas mehr nach als das gesamte Nebenwertesegment M-Dax.

Wincor Nixdorf wächst stark im Bankgeschäft. Nach den Worten Heidloffs wird es von der Investitionsbereitschaft der großen Filialbanken beflügelt. Zum einen herrscht in dieser Branche ein Zwang zur weiteren Rationalisierung. Zum anderen dehnen die Banken ihre Aktivitäten in neue Wachstumsregionen aus. Die entsprechenden Chancen schätzt der Vorstand auch größer ein als die Risiken, die mit der Subprime-Krise oder einem möglichen weiteren Dollarkursverfall verbunden sind. Im ersten Quartal hat diese Sparte ein Umsatzplus von 16 Prozent auf 406 Millionen Euro verbucht. Dagegen blieb das Geschäft mit dem Einzelhandel mit 196 Millionen Euro Umsatz leicht hinter dem Vorjahr zurück.

Die größte Schubkraft für das Wachstum kam abermals aus dem internationalen Geschäft, das mittlerweile mehr als drei Viertel des Gesamtumsatzes trägt. Dabei wuchs Wincor Nixdorf im europäischen Ausland besonders stark, während das deutsche Geschäft um 5 Prozent zurückfiel. In Europa ist das Unternehmen bei Kassensystemen für den Handel die Nummer eins vor IBM, im Geschäft mit den Banken hat man mittlerweile fast zum Branchenführer NCR aufgeschlossen. Auch beim Geschäft in den Regionen Asien/Pazifik und Amerika sei das Unternehmen weiter gut vorangekommen, berichtete Heidloff. Wie der Vorstand bereits bei der Bilanzvorlage im vergangenen Dezember gesagt hatte, will man vor allem in den Vereinigten Staaten den beiden dominanten Wettbewerbern Diebold und NCR Marktanteile abjagen.

Wie Heidloff den Aktionären erläuterte, setzt die Wachstumsstrategie des Paderborner Unternehmens an vier Hebeln an. So soll die globale Expansion weiter forciert werden. Außerdem will Wincor Nixdorf Innovationen vorantreiben, mit denen die Geschäftsprozesse bei den Kundenunternehmen weiter optimiert werden können. Der Anteil des Servicegeschäftes am Gesamtumsatz soll ebenfalls zunehmen. Auch soll zusätzliches Wachstumspotential in benachbarten Branchen geprüft werden, auf die das Knowhow mit Filial- und Selbstbedienungssystemen übertragen werden kann. Beispiele sind Tankstellen, Restaurantketten oder Postunternehmen. Nach einem abermaligen Rekordergebnis im Geschäftsjahr 2006/07 konnten die Aktionäre am Montag über eine um 99 Prozent auf 2,78 Euro erhöhte Dividende abstimmen.

GvD.news
28.01.2008, 22:04
Die Marke Loewe glänzt wieder
Der Fernseherhersteller zahlt nach schweren Jahren seinen Aktionären erstmals wieder eine Dividende und der Belegschaft einen Bonus.

theu. MÜNCHEN, 28. Januar. Drei Wochen ist es her, dass Torben Ballegaard Soerensen Knall auf Fall sein Büro räumen musste. Der Aufsichtsrat des dänischen Unterhaltungselektronik-Herstellers Bang & Olufsen hatte nach überraschenden Umsatzeinbrüchen das Vertrauen verloren, dass der Vorstandschef den kriselnden Edelhersteller von Flachbildfernsehern und Stereoanlagen wieder flottbekommen werde.

Am Montag wurde auch im fränkischen Kronach ein Stabwechsel angekündigt. Doch bei Loewe, dem deutschen Konkurrenten von Bang & Olufsen, sind die Vorzeichen völlig anders. Rainer Hecker, der Vorstandsvorsitzende und Miteigentümer des Traditionsherstellers aus Süddeutschland, hinterlässt seinem Nachfolger Frieder Löhrer, der vom Möbelhersteller Rolf Benz kommt, ein Unternehmen, das nach jahrelangem Niedergang die Kurve gekriegt hat. Die am Montag ebenfalls veröffentlichten Geschäftszahlen für 2007 machen den rund 1000 Mitarbeitern des börsennotierten Mittelständlers Mut.

Loewe, neben Metz und Technisat der letzte Fernsehgerätehersteller in Deutschland, hat vergangenes Jahr seinen Betriebsgewinn (Ebit) um 60 Prozent auf 21 Millionen und den Umsatz um 9 Prozent auf 373 Millionen Euro gesteigert. Nach vier Jahren Pause sollen die Aktionäre erstmals wieder eine kleine Dividende von voraussichtlich 12 Cent je Aktie erhalten. Bei der Belegschaft, die in der Krise Gehaltsstundungen akzeptiert hatte, bedankt sich das Unternehmen mit einer Bonuszahlung.

Dem Hersteller ist es in dem von hartem Preiskampf gekennzeichneten Fernsehermarkt gelungen, die Gewinnmarge zu verbessern. „Preisstabilität ist für uns 2007 der wichtigste Erfolgsfaktor gewesen“, sagte Hecker am Montag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Vor allem das Geschäft mit den besonders großen und damit teuren Geräten mit mehr als 90 Zentimeter Bildschirmdiagonale wachse kräftig. 2007 habe Loewe den Umsatz mit solchen Geräten verdoppelt. Mindestens 2500 Euro verlangt Loewe zum Beispiel für sein gerade im Handel eingeführtes neues Modell „Connect“. Für dieses Jahr verspricht der scheidende Loewe-Chef ein Umsatzplus von 7 Prozent. Der Betriebsgewinn soll abermals überproportional um 14 Prozent wachsen.

Noch vor drei Jahren war Loewe dagegen am Boden. 2004 schrieb das Unternehmen zweistellige Millionenverluste. Der Umsatz war binnen weniger Jahre um ein Viertel eingebrochen. Scharenweise begann die Kundschaft, die damals neuen Flachbildschirmfernseher zu kaufen. Doch in der Luxusabteilung streikten die Käufer. Angesichts der ohnehin hohen Preise für die schicken flachen Fernseher wollten nur die wenigsten Kunden noch mehr Geld für eine Edelmarke wie Loewe ausgeben. 10 000 Euro kostete damals einer der riesigen Plasmafernseher aus Kronach.

Loewe war zu dieser Zeit mit rund 30 Millionen Euro verschuldet und zum Spielball der Banken geworden. Wenn die Umsatzerosion nicht gestoppt werde, drohe dem Unternehmen das Aus, warnten Analysten. Loewe schien damit vor demselben Schicksal zu stehen wie Grundig, Telefunken, Saba, Nordmende und andere verblichene deutsche Hersteller.

Hecker brauchte Geld und holte Ende 2004 den Elektronikriesen Sharp als neuen Gesellschafter an Bord. Die Japaner wurden mit 29 Prozent Hauptaktionär. Loewe strich Stellen, entwickelte neue Modelle und investierte ins Marketing. Die Fabrikation jedoch blieb in Deutschland. Bis heute ist Kronach der einzige Fertigungsstandort geblieben. 2005 zeichnete sich erstmals die Wende ab. Der Umsatz wuchs wieder, und Loewe schaffte den Sprung aus der Verlustzone. „Wir wussten, dass der Markt für Premiumfernseher wieder anspringen würde, wir wussten aber nicht genau, wann“ sagt Hecker heute.

GvD.news
28.01.2008, 22:05
Der rätselhafte Betrug
Auch mehrere Tage nach dem Bekanntwerden bleibt es ein Rätsel, wie sich die Société Générale von einem einzelnen Händler hinter das Licht führen lassen konnte. Allmählich lassen sich Fragen beantworten.

Wie kann ein Händler einen Verlust von 5 Milliarden Euro verursachen?

Etliche Finanzfachleute bezweifeln, dass es ein einzelner Händler war. Wenn man aber der Bank glaubt, dann hat der Händler Jérôme Kerviel von Ende 2006 an heimlich „ein Unternehmen im Unternehmen aufgebaut“. Er war für Arbitragehandel zuständig. Dort handeln Banken Finanzprodukte, die an unterschiedlichen Orten Kursunterschiede aufweisen. Weil die Kursunterschiede sehr gering sind, setzten die Banken sehr viel Geld ein, um einen Profit zu erzielen. Kerviel kaufte schrittweise von Februar 2007 an Termin-Kontrakte für europäische Aktienindizes auf, die bei ihrer Entdeckung am 20. Januar 2008 einen Wert von 50 Milliarden Euro aufwiesen (30 Milliarden Euro lauteten auf den Index EuroStoxx, 18 Milliarden Euro auf den Dax, 2 Milliarden Euro auf den britischen Index FTSE-100). Kerviel überschritt mit diesen Transaktionen sein persönliches Limit bei weitem, denn es lag nur bei einigen hunderttausend Euro. Vor allem aber hatte er dem Kauf der Kontrakte nur fiktive Verkäufe zur Absicherung gegenübergestellt.

Wo waren die Kontrolleure?

Nach Angaben der SG veränderte Kerviel seine fiktiven Transaktionen immer wieder, so dass sie die Kontrolleure für echt hielten. Dabei benutzte er auch Passwörter von Kollegen, unter deren Identität er sich in das Computersystem einloggen konnte, und er fälschte Dokumente, die ihm die Eingabe von fiktiven Transaktionen erlaubten. Normalerweise sind beim Kauf von Terminkontrakten Anzahlungen („Initial Margins“) erforderlich. Doch laut SG wählte Kerviel „sehr spezielle Operationen, die keine Bargeld-Bewegungen oder Margin Calls erforderten und keine sofortige Bestätigung brauchten“. Wenn Terminkontrakte zur Absicherung eingesetzt werden, die vor ihrer Fälligkeit annulliert werden, muss keine Anzahlung geleistet werden. Gelegentlich fielen Unregelmäßigkeiten auf, doch Kerviel überzeugte die Kontrolleure offenbar immer wieder, dass es sich um „banale Irrtümer“ handelte, berichtete SG-Chef Daniel Bouton. Seinen Sommerurlaub hat der Händler nicht genommen, damit kein Kollege sein Portfolio übernimmt und Einblick erhält. Die hohe Summe von 50 Milliarden Euro fiel den Kontrolleuren offenbar nicht auf, weil sie Nominalbeträge nur selten kontrollieren. Sie betrachten im Wesentlichen das vermeintliche Risiko der eingegangenen Positionen: Ob Käufe durch Verkäufe gedeckt sind, wie weit sich die aktuellen Kurse von vereinbarten Kursen in der Zukunft entscheiden, die Marktentwicklung, Währungsbedingungen et et cetera.

Wie flog der verdeckte Handel auf? Eine Email einer Bank, die Kerviel für fingierte Transaktionen benutzt hat, fiel im Januar auf. Dann setzte die interne Ermittlung ein. Seltsam ist, dass die Terminbörse Eurex die Bank schon im November wegen der Geschäfte Kerviels angesprochen haben soll.

Wie kam es konkret zu den Verlusten?

Die Transaktionen von Kerviel notierten am Abend des 18. Januar mit 1,4 Milliarden Euro im Minus. Der Verlust war freilich noch nicht realisiert, weil die Bank bis dahin noch keine Positionen verkauft hatte. Die SG beschloss in Absprache mit der Banque de France und der Aufsichtsbehörde AMF, so schnell wie möglich die Kontrakte im Wert von 50 Milliarden Euro zu verkaufen. Üblicherweise geht die SG keine derart hohen Positionen ein, wenn sie nicht abgesichert sind. Bankchef Bouton befürchtete auch, dass die Anleger gegen die Bank spekulieren würden, wenn sie von der Schieflage erfahren hätten. Sie hätten den Zwang der SG zum Verkauf zu ihren Gunsten ausgenutzt. In Augen von Kritikern war es jedoch falsch, die Positionen überstürzt zu verkaufen. Sie weisen etwa darauf hin, dass die amerikanische Börse am Montag geschlossen war. chs./da.

GvD.news
28.01.2008, 22:05
Der Schnee stürzt China ins Chaos
Der harte Winter treibt die Inflation, Kohle ist knapp, das Land wird von Stromausfällen geplagt. An der Börse in Schanghai redet man von einem „schwarzen Montag“.

che. SINGAPUR, 28. Januar. Das schneereiche Winterwetter in China belastet mehr und mehr die Wirtschaft. Der Preis für Kraftwerkskohle ist am Montag auf einen Rekord gestiegen. Zuvor hatte die Regierung einen Ausfuhrstopp verhängt. In weiten Teilen Chinas schneit es seit Tagen so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Der Verkehr kommt zum Erliegen, 17 Provinzen melden lang andauernde Stromausfälle, Kohleschiffe können nicht entladen werden, die Preise für Gemüse und Reis treiben die Inflation. Die Stromknappheit sei sehr ernst, erklärte die einflussreiche Nationale Entwicklungs- und Reformkommission. Die Sorgen über die Folgen des Schneechaos zogen auch die Börsen in China hinunter. Die staatlichen Medien bezeichneten den Tag als „schwarzen Montag“, nachdem der Index der Börse Schanghai 7,2 Prozent verloren hatte. Die Regierung hatte die Kosten der Unwetter schon am Sonntag auf mehr als 15 Milliarden Yuan (1,4 Milliarden Euro) geschätzt.

Der strenge Winter berührt die viertgrößte Volkswirtschaft der Erde an ihrem Nerv. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, in der Hauptstadt der „Fabrik der Welt“, der südchinesischen Industriemetropole Guangzhou (Kanton), warteten 150 000 Menschen auf Züge, die aufgrund des Winterwetters aber nicht verkehren. Die meisten von ihnen sind Wanderarbeiter, die den Jahresurlaub zu Hause mit ihren Familien verbringen wollen. Das Nahen des chinesischen Neujahrsfestes verschärft die Lage noch. Denn der landesweite Urlaub vom Ende der kommenden Woche an ist den Chinesen heilig. Die Regierung rechnet mit mehr als 2 Milliarden Einzelreisen in der Urlaubswoche.

Elektroloks aber verkehren derzeit kaum noch. Mehrere Hochöfen und Aluminiumschmelzen mussten abgeschaltet werden, da sie entweder keinen Nachschub an Rohstoffen oder keine Elektrizität mehr bekommen. Auch Stromleitungen zum Drei-Schluchten-Damm sollen beschädigt sein. 5 Prozent der Kohlekraftwerke wurden abgeschaltet, heißt es von der Reformkommission. China gewinnt fast 80 Prozent seines Stroms aus Kohle. Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums von 11,4 Prozent im vergangenen Jahr ist der Energieverbrauch der Volksrepublik im Jahresvergleich um 14 Prozent gestiegen.

Nun aber sind auch die Kohlevorräte Chinas so knapp wie schon lange nicht mehr. Staatlichen Angaben zufolge decken sie nicht einmal mehr den Verbrauch einer Woche, weniger als die Hälfte der normalen Reserven. Zhu Hongren, Bereichsleiter bei der Reformkommission, erklärte am Montag, die Gründe für die Stromkrise seien vielfältig: „Das schlechte Wetter hat die Transporte behindert. Die Wasserkraftwerke im Süden des Landes leiden unter der schlimmsten Dürre seit fünf Jahren. Dem Schließen zahlreicher kleiner Minen steht der immer höhere Kohleverbrauch dank des Wachstums der Industrie gegenüber.“ Nach Zhus Angaben fehlen China, dem zweitgrößten Energieverbraucher der Welt nach Amerika, derzeit fast 40 Gigawatt Strom. Die Regierung hatte im vergangenen Jahr erklärt, Kleinkraftwerke mit einer Gesamtleistung von gut 14 Gigawatt aus Umwelt- und Sicherheitsgründen geschlossen zu haben. Analysten indes glauben, dass auch das Einfrieren der Preise durch Peking zu den Problemen beitrage. Die Regierung hatte, unter dem Druck einer aus dem Ruder laufenden Inflation, vor wenigen Tagen die Preise für Grundnahrungsmittel, aber auch für Treibstoff und Strom gedeckelt. Damit aber arbeiten viele Kraftwerke nicht mehr kostendeckend.

Im wichtigen Baoshan-Hafen der Wirtschaftshauptstadt Schanghai können zahlreiche Schiffe nicht entladen werden. Flughäfen werden geschlossen. An der Börse verloren am Montag daher auch Fluglinien, Reeder, Stahl- und Energiekonzerne überdurchschnittlich. Air China und China Southern büßten 10 Prozent ein und erreichten damit das tägliche Limit der Börsen in China. Baoshan Steel, Chinas größter Stahlproduzent, verlor 6,6 Prozent. Die negative Börse zog in der Folge besonders die Versicherungswerte nach unten. Denn sie haben bei Kursverlusten am meisten zu verlieren, fürchten Anleger: So stießen China Life Insurance Co. und Ping An Insurance (Group) Co beide mit einem Minus von 10 Prozent an die Tagesgrenze.

Die Versorgungskrise trifft China in einer ohnehin schwierigen Phase. Denn schon im Dezember lag die Inflationsrate vor allem aufgrund der steigenden Lebensmittelpreise mit 6,5 Prozent weit oberhalb des Korridors der Zentralbank mit seiner Obergrenze von 3 Prozent. Höbe die Regierung nun die verhängten Preisgrenzen auf, stiege die Teuerungsrate sprunghaft an, fürchten Ökonomen. Dann aber könnte der Unmut der Bevölkerung, der sich schon vor dem Wintereinbruch angestaut hatte, zum Ausbruch kommen. „Die Energieknappheit und die Transportprobleme werden den Inflationsdruck wahrscheinlich noch erhöhen. Durch diese Entwicklungen wird die Teuerungsrate wohl auf einen Stand getrieben werden, der für Politiker wie Investoren unangenehm wird“, warnte die Investmentbank Goldman Sachs am Montag.

GvD.news
28.01.2008, 22:06
Die Wahlverlierer heißen Fraport und K+S
Nach der Landtagswahl herrscht in der hessischen Wirtschaft Verunsicherung vor. Der Stimmenverlust der CDU hat zwei Unternehmen große Kursverluste gebracht.

FRANKFURT, 28. Januar. Für zwei börsennotierte Konzerne hat das schwache Ergebnis der Partei des Ministerpräsidenten Roland Koch bereits konkrete Folgen: Die Kurse des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport und des Kasseler Düngemittel- und Salzspezialisten K+S (früher Kali + Salz) brachen um 5 beziehungsweise gut 4 Prozent ein. Die Kursverluste von Fraport begründeten Börsenbeobachter mit neuen Ungewissheiten über den Flughafenausbau. Auch wenn es unrealistisch sei, dass der Bau der neuen Landebahn noch verhindert werde, dürften die Kursverluste von diesen Sorgen und vor allem denen über die Frage nach künftigen Nachtflügen geprägt sein, hieß es am Markt. Die Fraport AG, als Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, sieht dagegen durch den Wahlausgang keine negativen Auswirkungen auf die Ausbaupläne. „Der Planfeststellungsbeschluss könnte nur noch auf den Klageweg in Frage gestellt werden“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Er wies darauf hin, dass die Mehrheit der Parteien – auch im neuen Hessischen Landtag – sich für den Ausbau des größten deutschen Flughafens in der Vergangenheit ausgesprochen hätten. Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG, hatte den Wahlausgang mit den Worten kommentiert: „Ich freue mich, dass es im Hessischen Landtag weiterhin eine überragende Mehrheit für den Ausbau gibt.“

Auch der Kursverlust von K+S wurde an der Frankfurter Börse mit dem Ausgang der Hessenwahl begründet: K+S müsse nun befürchten, dass die Einleitung von Salzlaugen in die Werra blockiert werde und das Unternehmen deshalb eine teure Pipeline zur Nordsee bauen müsse. Die aktuelle Genehmigung läuft 2012 aus. Danach darf der Konzern salzhaltige Abwässer nur noch dann in die Werra einleiten, wenn bestimmte Grenzwerte unterschritten werden. Je nach Zusammensetzung der neuen Regierung könnten diese Grenzwerte gesenkt werden.

Nur wenige von dieser Zeitung befragte Unternehmen zeigten sich so gelassen wie der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius. „Wir sind seit mehr als 80 Jahren in Hessen und haben mit verschiedenen Landesregierungen vertrauensvoll zusammengearbeitet“, sagte ein Sprecher des Konzerns. Der Ausgang der Landtagswahl habe keine Auswirkung auf unternehmerische Entscheidungen.

Enttäuscht äußerte sich Robert Koehler, Vorstandsvorsitzender des international tätigen Graphitherstellers SGL Carbon AG mit Sitz in Wiesbaden. „Mit Roland Koch ist einer der wenigen wirtschaftspolitisch kompetenten Politiker in Deutschland abgewählt worden. Ich finde es sehr schade, dass die politische Tendenz aus Angst vor den Folgen der globalen Entwicklung nach links tendiert. Das wird negative Folgen auf die Arbeitsplätze haben, die Unternehmen werden nämlich noch mehr im Ausland investieren.“ Für den nordhessischen Heizungsbauer Viessmann ist die dringlichste Aufgabe der Landespolitiker, schnell eine handlungsfähige Landesregierung zustande zu bringen. Die neue Landesregierung müsse unabhängig von den sie tragenden Parteien auf den Feldern Infrastruktur, Energie, Bildung und Steuern die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhöhen. Es gelte vor allem, den von der alten Landesregierung forcierten Ausbau der Autobahnen (A 49 Kassel–Marburg, A 44 Kassel–Erfurt und A 4 durch das Siegerland) fortzusetzen und am Ausbau der Flughäfen Frankfurt und Kassel-Calden festzuhalten, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Die meisten befragten Unternehmen wollten sich zu den Konsequenzen der Wahl allerdings nicht äußern, auch im Hinblick darauf, dass die Regierungsbildung noch ungeklärt sei. Vor allem die Akteure am Finanzplatz Frankfurt schienen am Montag regelrecht abgetaucht. Weder die Deutsche Börse noch Deutsche Bank, Commerzbank, Dresdner Bank, BHF-Bank oder Bankhaus Metzler waren zu Kommentaren bereit – offenbar im Bemühen, es sich nicht mit einer neuen, noch unbekannten Regierung zu verscherzen. Mit Aufatmen ist das Wahlergebnis allerdings in der Sparkassen-Organisation aufgenommen worden. Koch hatte stark in die öffentlich-rechtliche Bankengruppe „hineinregiert“. Nach dem von ihm maßgeblich betriebenen Verkauf der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) hatte Koch der Fraspa durch Gesetz gegen den Willen der Eigentümer Stammkapital vorgeschrieben und auch die Satzung erlassen. Zuletzt hatte Koch mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ausgemacht, dass Helaba und West LB Fusionsgespräche führen sollten. Die Helaba versucht gerade, einen Überblick über die wirtschaftlichen Verhältnisse der schwer angeschlagenen West LB zu erhalten. Diese Arbeiten gingen auch nach den Landtagswahlen weiter, hieß es am Montag. Ein offizieller Kommentar war indes auch aus der Sparkassenorganisation nicht zu erhalten.

GvD.news
28.01.2008, 22:06
Kochs Schuss ging nach hinten los
Die hessische Chronik eines angekündigten Wahldesasters / Von Daniel Deckers

Besser ging es dem Land in den zurückliegenden Jahrzehnten selten. Jedenfalls wirtschaftlich. Nicht nur die Unternehmensgewinne waren gestiegen, die Arbeitslosigkeit war deutlich gesunken. Auch auf dem sensiblen Gebiet der Inneren Sicherheit hatte sich die Regierung kaum etwas zu Schulden kommen lassen: Zahl der Polizisten, Aufklärungsquote – alles im hellgrünen Bereich. Mehr oder weniger ausgeglichen die Bilanz der Schul- und der Hochschulpolitik. Der Einführung von Studiengebühren stand der Beschluss gegenüber, das Geld uneingeschränkt zur Verbesserung von Lehre und Forschung einzusetzen. An den Schulen herrschte Unruhe, weil auf zu vielen Baustellen gleichzeitig gearbeitet wurde. Doch besser Baustellen als die organisierte Verantwortungslosigkeit, die die Regierungspartei vorfand, als sie 1999 an die Macht kam. Und diese Regierung, nicht ihre Vorgänger, hatte mit der „Integration“ der Einwanderer Ernst gemacht: Die verpflichtenden Deutschkurse vor der Einschulung setzten bundesweit Maßstäbe. Kurz: Folgten Landtagswahlen den Gesetzmäßigkeiten der Politikwissenschaft, dann wäre die Bestätigung der Regierung Koch am Sonntag eine Formsache gewesen.

Danach sah es bis wenige Monate vor dem Wahltermin auch aus. Doch schon Anfang Dezember zeichnete sich ab, dass eine erneute absolute Mehrheit der CDU unwahrscheinlich und selbst eine Mehrheit mit Hilfe der FDP nicht gewiss sei. Die Linkspartei könnte zum Zünglein an der Waage werden, mutmaßten die Meinungsforscher der Forschungsgruppe Wahlen. Denn was dem Ministerpräsidenten Koch an positiver Ausstrahlung abgehe, werde durch die Kompetenz seiner Partei auf entscheidenden Politikfeldern wie der Schul- und Bildungspolitik nicht mehr ohne weiteres ausgeglichen.

„Viel getan, viel zu tun“ – unter diesem Motto hatte Koch 2003 die Landtagswahl gewonnen. Doch damals war die Erinnerung an die rot-grünen Jahre in Hessen noch frisch, und im Bund zeigten SPD und Grüne einige Wochen nach der Bundestagswahl, dass sie ihr Handwerk noch immer nicht verstanden. Koch hingegen war damals nicht nur ein ambitionierter Ministerpräsident von Hessen, sondern auch die Speerspitze der Union gegen die rot-grüne Bundesregierung.

Doch nicht nur die bundespolitisch günstige Konstellation war am Sonntag Geschichte. Auch die Erinnerung an die rot-grünen Jahre in Hessen war verblasst, jedenfalls so sehr, dass die Vorstellung, dass die SPD in der Schulpolitik wieder die Federführung übernehmen könnte, einer Mehrheit weniger abschreckend erschien, als wenn Koch und sein Kabinett weitere fünf Jahre die Richtung vorgeben sollten. Das war, wie gesagt, Anfang Dezember. Den Namen Ypsilanti kannten damals nur wenige Hessen, und die Wahlplakate der SPD waren kaum gedruckt.

Im neuen Jahr, zu Beginn der „heißen“ Phase des Wahlkampfs, hatte die CDU endlich das Thema gefunden, mit dem sie glaubte, dass sie ihre zweifelnden Anhänger hinter sich bringen und Rot-Grün marginalisieren könne: Versäumnisse in der Ausländerpolitik und der Kriminalitätsbekämpfung. Doch der Schuss ging unversehens nach hinten los. Nun hatte Koch nicht nur Lehrerverbände, sondern auch die Richterschaft gegen sich, und Sozialdemokraten, Grüne und Linke führten der staunenden Öffentlichkeit ein Polit-Spektakel vor, in dem der Ministerpräsident den Volksverhetzer gab. Der aber lieferte im Wochenrhythmus neuen Stoff für eine Kampagne, in der er mit jedem Tag nur noch stärker verlor. Denn je länger, desto mehr hatten auch bürgerliche Wähler das Gefühl, dass die Kochschen Einlassungen nur einen kleinen Ausschnitt ihrer Interessen und Sorgen abbildeten. Das Ergebnis: 25 Prozent weniger Stimmen als 2003, stärkste Verluste der CDU ausgerechnet in ihren Hochburgen wie der Region Fulda, im ländlichen Mittelhessen und im Rheingau, für die FDP das beste Ergebnis seit Jahrzehnten. Hätten nicht alles in allem die älteren Wähler der CDU die Treue gehalten, die Union wäre so tief gestürzt wie die SPD vor fünf Jahren.

Damals waren auf die hessischen Sozialdemokraten nicht einmal 30 Prozent der Stimmen entfallen. Am Sonntag wurde der Abstand zur CDU von 19,7 Punkten auf 0,1 minimiert. Denn diesmal hatte die SPD in der Person von Andrea Ypsilanti aber nicht nur das richtige Gesicht, um gegen die CDU einen extrem personalisierten („Er oder ich“) und polarisierenden Wahlkampf („Auslese oder Chancengleichheit“) zu führen. Als Landesvorsitzende hatte die Spitzenkandidatin in den vergangenen zwei Jahren auch nichts unversucht gelassen, um die SPD auf dem Gebiet der Ökologie mit dem Versprechen einer umfassenden Energiewende und auf dem Gebiet der Wirtschafts- und Sozialpolitik mit dem Thema Mindestlohn so breit zu positionieren, dass den Grünen und der Linkspartei nur wenig Spielraum blieb. Der Wahlsonntag geriet daher zu ihrem ganz persönlichen Triumph: Gegen die Stimmengewinne von der CDU, den Grünen sowie von Bürgern, die zuletzt nicht gewählt hatten, sind die Verluste an die in Hessen überdurchschnittlich gut organisierten PDS-Nachfolger zu vernachlässigen.

Ihrerseits profitierte die Linkspartei nach den Berechnungen der Wahlforscher von infratest-dimap nicht nur von ehemaligen SPD-Wählern, sondern auch von potentiellen Wählern der Grünen. Auch manch ein Bürger, der zuletzt nicht wählte, stimmte diesmal für die Linkspartei. Zerrieben zwischen allen Fronten wurden dabei die Grünen. Prozentual verloren sie fast exakt so viele Stimmen wie die CDU, etwa 25 Prozent.

Doch dass sich die zwei Verlierer dieses Sonntags über der gemeinsamen Trauer an der Seite der strahlenden FDP auf einmal auf der Regierungsbank im Wiesbadener Landtag wiederfinden, ist wohl eine kühne Spekulation wider jene Gesetzmäßigkeit der Politikwissenschaft. Doch nicht kühner als die Hoffnung der SPD vor vielen Monaten, mit Frau Ypsilanti an der Spitze Roland Koch zu stürzen.

GvD.news
28.01.2008, 22:07
Jenseits der Relativitätstheorie
Die CDU muss nach der Hessenwahl auch über das Undenkbare nachdenken.

Nun hat Christian Wulff noch einen Grund, Roland Koch dankbar zu sein. Letzterer hatte sich im hessisch-niedersächsischen Doppelwahlkampf trefflich als der „bad guy“, der böse Junge der CDU, darstellen lassen (hauptsächlich von SPD und Grünen), mit dem verglichen Wulff wie der beste aller Schwiegersöhne aussah. Doch erst Kochs schlechtes Ergebnis brachte Wulffs Stern am Firmament der Union richtig zum Aufleuchten. Das hessische Debakel überdeckte weitgehend, dass Wulff ebenfalls Stimmen verlor, unter Berücksichtigung der niedrigeren Wahlbeteiligung sogar mehr als Koch. Auch der Niedersachse hat auf seiner Bahn Substanz eingebüßt. Das ist das Schicksal von Kometen.

Doch braucht die CDU in den schwierigen Zeiten der großen Koalition einen strahlenden Wahlsieger, schon um dem Eindruck entgegenzuwirken, von nun an gehe es bis zur Bundestagswahl mit ihr bergab. Beck kann unter Verweis auf das hessische Ergebnis davon sprechen, sein Linksschwenk habe die SPD wieder auf Erfolgskurs gebracht. Dass die Sozialdemokraten es nicht schafften, den Einzug der Ultralinken in die Parlamente Hessens und Niedersachsens zu verhindern, wird unter den Teppich gekehrt. (Was würde Koch erst vorgehalten, wenn eine rechtsextreme Partei ein ähnliches Ergebnis erzielt hätte?)

Die CDU wird nach diesem zwiespältigen Wahlsonntag wieder ins Grübeln darüber verfallen, welchen Weg sie bis zum Herbst nächsten Jahres und darüber hinaus einschlagen soll. Mit Koch wurde ein Ministerpräsident abgestraft, der sein Profil nicht von dem Ort ableitet, an dem gerade die SPD steht. Die neue Relativitätstheorie der CDU aber, gültig seit 2005, besagt, dass die Union in der Sozial- und Gesellschaftspolitik den immer stärker auf einen Fürsorgestaat ausgerichteten Wünschen der Wähler mindestens so nah sein müsse wie die SPD. Seit die nach links rückt, rückt die CDU auch. Wulff bringt dafür die nötige Flexibilität mit. So viel, dass er jetzt selbst der CDU-Vorsitzenden unheimlich werden müsste.

Doch bietet auch der neue starke Mann der CDU nicht die Gewähr dafür, dass 2009 ein bürgerlich-liberales Bündnis die große Koalition ablöst. Die seit 2005 im Bundestag herrschenden Kräfteverhältnisse schreckten die Hessen nicht davon ab, sie im Wiesbadener Landtag zu duplizieren. Fünf-Parteien-Parlamente werden jetzt in Deutschland zur Normalität. Deshalb wird die Republik in den nächsten Wochen nach Hessen schauen – in der Hoffnung, einen Blick in die bundespolitische Zukunft tun zu können. Bleibt es dabei, dass CDU und SPD unter solchen Umständen die große Koalition als das kleinste Übel ansehen? Die hessische SPD wird, so grotesk diese Verbindung auch aus landespolitischen Unvereinbarkeiten wäre, die FDP in eine Ampelkoalition mit den Grünen zu ziehen versuchen. Das wäre ein starkes Signal für die Bundestagswahl. Übertroffen in der Wirkung, auch auf den Bund, würde es nur noch von „Jamaika“, einem Bündnis aus CDU, FDP und Grünen, das in Hessen bisher als Unmöglichkeit galt, nicht erst seit diesem Wahlkampf.

Doch die Erfolge der Linkspartei zwingen auch die Union, über das Undenkbare nachzudenken. Hessen ist wieder zur Experimentierstube der deutschen Parteiendemokratie geworden, in der die Volksparteien versuchen (müssen), Mehrheiten mit Zukunft zustande zu bringen. Dazu muss freilich auch die CDU erst einmal an sich selbst glauben. Kochs Politik war und ist bei weitem nicht so falsch und so schlecht, wie sie jetzt geredet und geschrieben wird.

GvD.news
29.01.2008, 21:41
Gold und Platin so teuer wie nie
Minen in Südafrika wegen Stromknappheit geschlossen

kpa. FRANKFURT, 29. Januar. Der Goldpreis hat am Dienstag ein neues Rekordhoch erreicht. Mit bis zu 933,33 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) kostete das Edelmetall im Londoner Handel so viel wie nie zuvor. Binnen eines Jahres hat der Goldpreis damit um mehr als 40 Prozent zugelegt. Dabei ging es mit den Notierungen seit Mitte Dezember besonders deutlich nach oben. Seither steht ein Preisanstieg um rund 200 Dollar oder 16 Prozent zu Buche.

Für Auftrieb sorgten am Dienstag Nachrichten aus Südafrika, wonach die meisten Goldminen des Landes wegen Stromknappheit weiterhin geschlossen bleiben. Die Analysten von Barclays Captital begründen die fortgesetzten Preissteigerungen auch mit den im Handel vorweggenommenen Leitzinssenkungen der amerikanischen Notenbank. Denn fallen die Zinsen, dann werden zinslose Anlagen wie Gold vergleichsweise attraktiver. Am Vortag hatte noch der schwächere Dollar preisstützend gewirkt, am Dienstag zeigte sich die amerikanische Währung zum Euro dagegen kaum verändert. Die fortgesetzte Stärke des Euro führt aber dazu, dass der Anstieg des Goldpreises aus Sicht eines europäischen Anlegers geringer ausfällt, als die Dollarnotierungen nahelegen. So ist Gold in den vergangenen Monaten in Euro gerechnet nur um gut ein Viertel teurer geworden.

Auch für andere Edelmetalle ging es am Dienstag weiter aufwärts. Der Preis für die Feinunze Platin erreichte mit zeitweilig 1739 Dollar ebenfalls ein neues Allzeithoch. Auch hier blieben in Südafrika wichtige Minen geschlossen, was die Notierungen in die Höhe trieb. Nach Angaben der Commerzbank kommen gut Dreiviertel der jährlichen Weltplatinproduktion aus dem afrikanischen Land. Auch Silber haussiert weiter. Das Edelmetall kostete so viel wie seit 27 Jahren nicht mehr.

GvD.news
29.01.2008, 21:41
Chancen für eine Zwischenerholung an der Wall Street
Die Lage gilt unter technischen Analysten als „überverkauft“. Das könnte zumindest kurzfristig für steigende Kurse sorgen.

hi. FRANKFURT, 29. Januar. An der Wall Street wird das Wort Hausse seit Wochen nicht mehr erwähnt, obgleich die langjährige, im Oktober 2002 entstandene Aufwärtsbewegung nach der gängigen Definition noch nicht gebrochen ist. Dafür häuft sich der Begriff Baisse. Standard für die Beschreibung des Geschehens bleibt aber die Kennzeichnung Korrektur, die letztlich alle Deutungen offenlässt.

Für zahlreiche technisch orientierte Analysten befindet sich der amerikanische Aktienmarkt nach den zurückliegenden Terrainverlusten inzwischen in einer hinreichend „überverkauften“ Lage, um eine nachhaltigere Erholung anzutreten. Mit der historischen Elle gemessen, könne ein solcher Aufschwung mindestens einige Wochen, ja sogar bis zu sechs Monate dauern, heißt es. Diese Auffassung wird jedoch nicht überall geteilt. Viele Techniker vermissen noch immer einen wahren „Ausverkauf“, der ihrer Meinung nach allein die Voraussetzungen für einen auf mittlere Sicht tragfähigen Boden schaffen könnte.

Jeffrey Saut, einer der Strategen von Raymond James, befasst sich eingehender mit dem Thema Ausverkauf. Am 22. Januar habe zunächst alles nach einem solchen von Panik getriebenen Ereignis ausgesehen. Bis die Notenbank in Washington (Fed) ihrerseits in Panik geraten sei und den Leitzins noch vor Börsenbeginn in New York um 75 Basispunkte gesenkt habe. Notenbankpräsident Ben Bernanke sei zwar ein sehr smarter Mann, doch scheine er nicht das rechte Gefühl für die Märkte zu haben wie sein Vorgänger Paul Volcker zu Beginn der achtziger Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts. Saut vermutet, dass Volcker, wäre er jetzt noch an der Spitze der Fed, den Dow-Jones-Index für Industriewerte am 22. Januar um 500, 800 oder sogar 1000 Punkte hätte abstürzen lassen.

Dann wäre die Börse in der Lage gewesen, das nach unten vorhandene Potential aus eigener Kraft auszuloten und auch auszuputzen. Wenn sie sich stabilisiert und dann wieder erholt hätte, aber auch nur dann, wäre Volcker zu einer Zinssenkung geschritten, um das erreichte Tief zu „versiegeln“ und der Börse Rückenwind für eine nachhaltigere Erholung zu geben. Bernanke aber habe am 22. Januar das letzte Aspirin aus der Packung verteilt, und die Wall Street leide noch immer unter Kopfschmerzen.

Saut vermutet, dass noch eine Chance für eine kräftigere Erholung bestünde, wenn der Dow Jones das in der vergangenen Woche verzeichnete Tief von 11 971 Punkten auf Schlussbasis und/oder das zugleich erreichte Tagestief von 11 634 Punkten nicht unterschreiten sollte. Wenn diese Tiefs jedoch nicht halten sollten, verschlechterten sich die Aussichten deutlich.

Besorgt zeigt sich der Stratege über das offenbar verbreitet an der Wall Street herrschende Gefühl, dass ein Test der in der vergangenen Woche erreichten Tiefs erfolgreich verlaufen dürfte und dass daher bei neuerlicher Schwäche gekauft werden solle. Würde der Test fehlschlagen, käme wohl Kapitulationsstimmung auf. Saut argwöhnt, dass der Auslöser für einen weiteren Kursrutsch die Nachricht wäre, dass die Fed am 30. Januar ihren Leitzins entgegen den Erwartungen nicht weiter gesenkt habe.

David Rosenberg, der für Nordamerika zuständige, auch technisch argumentierende Stratege von Merrill Lynch, äußerte sich ebenfalls zur Frage Korrektur oder Baisse. Er erinnert daran, dass die Monate Dezember und Januar aus historischer Sicht gewöhnlich die beiden besten Perioden eines Zwölfmonatszeitraums an der Wall Street seien. Wenn man die in diesen beiden Monaten bis jetzt eingetretenen Terrainverluste saisonal bereinige, wie es bei Konjunkturdaten üblich sei, zeige sich, dass diese „Baisse“ schlimmere Ausmaße angenommen habe, als es auf den ersten Blick erscheine.

Zu möglichen Erholungstendenzen erklärt Rosenberg, dass selbst in ausgeprägten Baissephasen wie in den Jahren von 2000 bis 2002 immer wieder ansehnliche Zwischenerholungen eingetreten seien, bevor die Kurse abermals nachgegeben hätten.

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29.01.2008, 21:42
Der Devisenmarktbericht
Die Notenbanken im Blick

Es ist verständlich, dass auch die Akteure an den Währungsmärkten in diesen Tagen mit besonderer Aufmerksamkeit nach Washington blicken: Dort diskutiert zum einen der Senat über ein milliardenschweres Konjunkturpaket, nachdem sich vergangene Woche schon Repräsentantenhaus und Regierung auf die wesentlichen Punkte eines solchen Maßnahmenbündels verständigt haben. Zum anderen trifft sich der geldpolitische Rat der amerikanischen Notenbank unter Führung von Ben Bernanke, um über den weiteren Kurs der Geldpolitik zu beraten. An diesem Mittwochnachmittag (Ortszeit) werden die Währungshüter ihre Entscheidung verkünden, und eine große Mehrheit von Marktbeobachtern rechnet damit, dass sie der außerplanmäßigen Zinssenkung der vergangenen Woche einen weiteren Zinsschritt folgen lassen werden und den Zielzins für Tagesgeld von 3,5 auf 3 Prozent senken.

Im Austauschverhältnis zwischen Dollar und Euro ist diese Erwartung schon enthalten, sie hat die europäische Gemeinschaftswährung in den zurückliegenden Tagen gestärkt. Am Dienstag wurden im Handelsverlauf Kurse um 1,4785 Dollar je Euro genannt, nach zeitweise weniger als 1,44 Dollar in der vergangenen Woche. Wichtiger für das Geschehen wird darum die Begründung sein, die die Währungshüter ihrer Entscheidung folgen lassen, und die Schlüsse, die sich daraus für den weiteren Kurs der Geldpolitik ziehen lassen. Zwar rechnen viele Beobachter der Federal Reserve damit, dass der Leitzins in den kommenden Monaten noch weiter gesenkt werden muss, um den Konjunkturrisiken zu begegnen. Doch eine Bestätigung dieser Prognose durch eine deutliche Formulierung des Rates könnte den Druck auf den Dollar weiter erhöhen.

Der Euro ist derweil nicht nur zum Dollar auf dem Vormarsch, auch zum britischen Pfund verbucht er in diesen Tagen Kursgewinne. Rund 0,744 Pfund mussten am Dienstag für einen Euro bezahlt werden, verglichen mit 0,739 Pfund vergangene Woche. Dahinter steckt die Erwartung der Devisenmarktakteure, dass die Bank von England angesichts der konjunkturellen Abkühlung auf der Insel ebenfalls die Geldpolitik lockern wird und ihr geldpolitischer Rat auf seiner Sitzung in der kommenden Woche den Leitzins von derzeit 5,5 Prozent senkt. Zumindest hatte sich eines der Ratsmitglieder, David Blanchflower, in dieser Weise geäußert und gemeint, die „Old Lady“ solle sich doch etwas beherzter um die Wirtschaftsentwicklung kümmern. Sich unter diesen Umständen um die Inflation zu sorgen, sei wie „Geige zu spielen, während Rom brennt“, sagte Blanchflower, der auf der vergangenen Sitzung des Gremiums am 10. Januar als einziger für eine Zinssenkung plädiert hatte.

Carl Weinberg zählt zu den wenigen Beobachtern, die keine schnelle Zinssenkung in England erwarten: „Das geldpolitische Komitee beobachtet doch jetzt genau die Verlangsamung des Wachstums, die es mit den fünf Zinserhöhungen zu erreichen versuchte“, sagt der Chefökonom der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York. „Wenn ich recht behalte, wird es in der Londoner City nächste Woche drunter und drüber gehen. Die Kapitalmarktzinsen werden steigen und das Pfund wird deutlich zulegen. Passen Sie auf“, sagt Weinberg.

Daniel Waldman, Währungsexperte von Barclays Capital, rechnet damit, dass das Pfund noch eine Weile unter Druck stehen wird, falls die Schwankungsanfälligkeit der Devisenkurse insgesamt fortdauert. Zusammen mit dem australischen und dem neuseeländischen Dollar sei das Pfund anfällig, weil die Zinsen dort verhältnismäßig hoch seien und die Länder hohe Defizite in ihren Leistungsbilanzen aufwiesen. Diese Kombination habe sich in einem Marktumfeld, das von hoher Volatilität geprägt sei, häufig als negativ für die Währungen erwiesen, meint Waldman. Umgekehrt sei es wahrscheinlich, dass jene Währungen besonders profitierten, wo die Zinsen niedrig und ein Leistungsbilanzüberschuss vorhanden seien. Waldman nennt hier vor allem den japanischen Yen und den Schweizer Franken.

GvD.news
29.01.2008, 21:42
Der Duracell-Manager
Der ehemalige SAP-Vorstand Shai Agassi will mit Batterieautos das Autofahren revolutionieren

Wenn der deutsche Softwarekonzern SAP am heutigen Mittwoch in Frankfurt zur Bilanzpressekonferenz einlädt, wird von ihm nur vordergründig keine Rede mehr sein: Shai Agassi, bis März 2007 Produktentwicklungschef von SAP, ist nun schon eine ganze Weile nicht mehr an Bord. Aber Agassi wird doch ein wenig fehlen – so wie schon in den Monaten zuvor. Denn der Mann hat eine Qualität, die dem ruhig und konzentriert, aber auch unaufgeregt und deshalb etwas grau vor sich hin arbeitenden SAP-Vorstand um den Vorstandsvorsitzenden Henning Kagermann abgeht: Agassi ist eine Person, die Blicke auf sich lenkt, die in der Öffentlichkeit Themen setzen kann. Der jugendlich wirkende Agassi ist schlicht und einfach ein guter Verkäufer pfiffiger Ideen.

Deshalb ist es auch kein Wunder, wenn SAP-Mitarbeiter bewundernd auf die große Zahl von Zeitungsartikeln blicken, die Agassi mit dem Projekt angestoßen hat, um das er sich seit seinem Abschied von SAP kümmert. Die Unternehmung trägt den ambitionierten Namen „Better Place“ – und soll das Autofahren revolutionieren. Geht es nach Agassi, dann schließt sein Unternehmen auf der ganzen Welt mit Autoherstellern Verträge über den Einbau standardisierter Batterien in Elektroautos ab. Better Place will dann ein Netz von Servicestationen einrichten, an denen diese Batterien in kurzer Zeit ausgetauscht und gewartet werden.

Das Geschäftsmodell, das sich Agassi dazu ausgedacht hat, entspricht dem von Mobiltelefonen und den zugehörigen Mobilfunknetzen. Zu jedem Auto gehört ein Servicevertrag, der über das Netz von Servicestationen garantiert, dass das Batterieauto immer mobil bleibt. Die Batterien gehören Better Place, die Anschaffungskosten des Autos bleiben überschaubar, da der Käufer nicht in die Batterien selbst investieren muss. Auch auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos warb Agassi für sein Unternehmen und schreckte dabei nicht vor drastischen Worten zurück: „Wenn die Inder jetzt auch das Auto entdecken und mit Benzin betreiben sind wir doch tot“, sagte Agassi. Und: „Wir müssen den Konsumenten zum Motor einer neuen Lösung machen.“ Den Antrieb, um den es geht, können zuerst die Einwohner Israels testen. Dort hat Agassi einen ersten großen Erfolg erzielt. Gemeinsam mit dem Renault-Vorstandsvorsitzenden Carlos Ghosn und Präsident Schimon Peres hat er den Aufbau eines landesweiten Netzes von Ladestationen in Israel angekündigt. Der Autohersteller und seine Tochtergesellschaft Nissan haben dafür neue Elektroautos entwickelt, die schon 2008 in kleinen Serien getestet werden sollen. Vorgesehen sind rund 500 000 Stationen, die das Aufladen der Batterien erlauben. Zusätzlich sollen an 150 Standorten leere Batterien gegen volle getauscht werden können. Der Strom für die Autos soll aus regenerativen Energien kommen. Die Kosten des Aufbaus der Infrastruktur werden auf rund 1 Milliarde Dollar geschätzt. Agassi hatte schon vor einiger Zeit mitgeteilt, in der ersten Finanzierungsrunde 200 Millionen Dollar für sein Unternehmen gesammelt zu haben. Zu den Geldgebern gehören die Investmentbank Morgan Stanley, das Venture-Capital-Unternehmen Vantage Point und der Mischkonzern Israel Corporation.

Dass das Projekt in Israel seine ersten Früchte tragen wird, ist kein Zufall. Denn Agassi ist ein israelischer Software-Unternehmer; er wurde 1968 in Ramat Gan in der Nähe von Tel Aviv geboren. Mit fünf Jahren sammelte Agassi Lochkarten und belegte mit sieben Jahren an der Universität von Tel Aviv einen Computerkurs. 1986 trat Agassi seinen Wehrdienst als Programmierer der israelischen Armee an. Im Anschluss studierte er am Israel Institute of Technology. Agassi lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Los Gatos in Kalifornien. Bevor er SAP-Vorstandsmitglied wurde, war er Vorstandschef der Tochtergesellschaft SAP Portals. Das Unternehmen war aus der israelischen Firma Top Tier Software hervorgegangen, die von den Deutschen im Jahr 2001 für 400 Millionen Dollar gekauft wurde. Top Tier war 1992 von Shai Agassi gegründet worden – seit dem Verkauf ist er finanziell ein unabhängiger Mann. Und bei SAP war Agassi für den Chefposten gesetzt. „Ich hatte Shai über meinen Plan informiert, dass er als Co-CEO Nachfolger von Henning Kagermann werden soll“, hatte SAP-Mitbegründer Hasso Plattner Agassis Abschied kommentiert. Doch nachdem festgestanden habe, dass Kagermann seinen Vertrag verlängern würde, habe Agassi deutlich gemacht, dass das „zeitlich nicht seiner persönlichen Karriereplanung entsprochen hätte.“ Der Mann ist Unternehmer, er kann nicht warten – und er verströmt auch jetzt eine gewisse Ungeduld in dem Versuch, die Menschen von seinen Ideen zu überzeugen.

GvD.news
29.01.2008, 21:42
American Express ist vorsichtig
Der Kreditkartenanbieter spürt Konsumzurückhaltung

lid. NEW YORK, 29. Januar. Der Kreditkartenanbieter American Express hat bei der Vorlage seines Quartalsberichts die Sorgen verstärkt, dass die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten sich ausweitet und andere Bereiche angreift. Die Schwäche im Immobilienmarkt, die sich in gesunkenen Häuserpreisen und Zahlungsausfällen bei Hypotheken äußert, schlägt sich auch im Geschäft von American Express nieder. Die Kunden des Unternehmens waren im vergangenen Quartal weniger konsumfreudig, und es kam zu mehr Zahlungsausfällen. Auch andere Kreditkartenanbieter wie Capital One haben dies zu spüren bekommen und meldeten Gewinneinbußen. Vorstandsvorsitzender Kenneth Chenault sagte nun in einer Mitteilung: „Wir sind nicht immun gegen eine weitere Verschlechterung des Konjunktur- und Kreditumfelds.“

Wie in einem Teil unserer Dienstagauflage berichtet, meldete American Express für das vierte Quartal einen Gewinnrückgang um 10 Prozent auf 831 Millionen Dollar. Grund dafür ist ein Sonderaufwand von 438 Millionen Dollar, um Zahlungsausfälle zu decken. American Express hat bereits vor rund zwei Wochen vor diesem Aufwand gewarnt und damals von einer Eintrübung des Geschäfts im Dezember berichtet. Kunden zeigten sich im Schlussmonat des Jahres nach Angaben des Unternehmens zurückhaltender mit ihren Ausgaben, und das Volumen von Zahlungsausfällen sei gestiegen. American Express habe dies vor allem in Regionen beobachtet, die hart von der Immobilienkrise betroffen seien. Nach dieser Warnung kam der nun veröffentlichte endgültige Gewinn nicht mehr überraschend: Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 71 Cent traf genau die durchschnittlichen Analystenschätzungen. Die Einnahmen blieben dagegen hinter den Erwartungen zurück: American Express steigerte die Einnahmen um 10 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 7,9 Milliarden Dollar gerechnet. Auch mit Blick auf das laufende Jahr zeigte sich American Express vorsichtig. Das Unternehmen sagt für das erste Quartal einen Rückgang beim Ergebnis je Aktie voraus, für das Gesamtjahr wird ein Zuwachs um 4 bis 6 Prozent erwartet. Der Aktienkurs büßte am Dienstag im Handelsverlauf knapp 3 Prozent ein und notierte um 46,10 Dollar.

Der amerikanische Hypothekenanbieter Countrywide Financial meldete am Dienstag für das vierte Quartal sogar einen Verlust von 422 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte es noch einen Gewinn von 622 Millionen Dollar gegeben. Countrywide steht vor der Übernahme durch den Finanzkonzern Bank of America für 4 Milliarden Dollar.

GvD.news
29.01.2008, 21:43
Tuifly und Germanwings proben den Schulterschluss
Die Konsolidierung im deutschen Flugverkehr setzt sich fort. Lufthansa und TUI wollen ihre Billigfluglinien Germanwings und Tuifly zusammenlegen. Es entsteht ein Konkurrent für Air Berlin.

rit./ufe. HAMBURG/LONDON, 29. Januar. Die Fluggesellschaften Tuifly, Germanwings und Eurowings sollen unter ein gemeinsames Dach schlüpfen. Darauf haben sich die drei Eigentümer dieser Fluggesellschaften – TUI Travel, Lufthansa und Albrecht Knauf – im Grundsatz geeinigt. Eine endgültige Einigung könnte innerhalb der nächsten Wochen erzielt werden. Im Erfolgsfall entstünde eine Gruppe, die mehr als 23 Millionen Passagiere im Jahr transportieren und damit zu Air Berlin aufschließen würde. Air Berlin, zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nach der Lufthansa, hatte im vergangenen Jahr knapp 28 Millionen Fluggäste.

Über die Details des geplanten Schulterschlusses wollten sich die Beteiligten am Dienstag nicht äußern. In einer Telefonkonferenz verwies der Vorstand der TUI Travel plc. auf die noch ungeklärten Bewertungsfragen und die anstehenden Detailverhandlungen. Dem Vernehmen nach wird folgende Struktur angestrebt: Die Airlines werden unter dem Dach einer Holding-Gesellschaft zusammengefasst, an der TUI Travel und Lufthansa mit jeweils 40 Prozent und der Eurowings-Miteigentümer Albrecht Knauf mit 20 Prozent beteiligt sein sollen. Ob es zu einer solchen Anteilsverteilung kommt, hängt freilich nicht zuletzt von der Einzelbewertung der Gesellschaften ab.

TUI hatte die beiden deutschen Fluggesellschaften, den Billigflieger HLX und die auf Charterflüge spezialisierte Hapagfly, erst vor gut einem Jahr unter der Marke Tuifly zusammengefasst. Jetzt wird das Ganze offenbar wieder auseinanderdividiert: Branchenkenner gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte der 48 TUI-Flugzeuge fortan unter die Billigflieger-Marke Germanwings geschoben werden. Die restlichen Flugzeuge sollen unter „Tuifly“ nur noch im eigenen Veranstaltergeschäft des Reisekonzerns eingesetzt werden. Von diesem Kapazitätsabbau erhofft sich die deutsche TUI steigende Margen, weil sie fortan weniger stark dazu gezwungen ist, die Kunden mit Sonderangeboten in die Flugzeuge zu locken. Weil das Fluggeschäft als Minderheitsbeteiligung künftig nicht mehr voll in der TUI-Bilanz konsolidiert wird, reduzieren sich Kapitalbindung und Finanzierungskosten.

Nach 100 Tagen an der Spitze von TUI-Travel, die Anfang September aus dem Zusammenschluss des TUI-Reisegeschäfts mit dem britischen Wettbewerber First Choice entstanden ist, zog Vorstandschef Peter Long eine positive Bilanz: Die Fusion mache sich besser bezahlt als gedacht. Bis zum Jahr 2010 sei mit Synergien von gut 200 Millionen Euro zu rechnen, sagte Long, der bisher mit Einsparungen von rund 135 Millionen Euro gerechnet hatte. Zugleich fallen aber die Kosten für den Umbau des Konzerns mit umgerechnet 245 Millionen Euro um 67 Millionen Euro höher aus. Der größte Teil davon komme in diesem und im nächsten Jahr zum Tragen. Insgesamt soll die TUI-Travel-Gruppe die Rendite auf das investierte Kapital verdoppeln. Aktuell liege die Rendite bei 5,5 Prozent, sagte Long, ohne einen Zeithorizont für dieses Ziel zu nennen.

Die größten Einsparungen sind in Großbritannien zu erwarten, weil sich dort die Geschäfte von Thomson Travel (TUI) und First Choice stark überlappen. Der Löwenanteil der Synergien soll durch die Zusammenlegung von Thomson Fly mit den Flugaktivitäten von First Choice erreicht werden. Um die durch die Fusion entstandene Filialdichte in Großbritannien abzubauen, werden 100 Reisebüros schließen, sagte Long. Gleichzeitig sollen die Aktivitäten in den First-Choice-Standorten in Manchester und Crawley auf die neue TUI-Travel-Zentrale im Londoner Vorort Luton verlagert werden. Im Zuge dieser Konzentration werde es zum Stellenabbau in zentralen Bereichen wie Verwaltung oder IT kommen. Nach Branchenschätzungen könnten insgesamt rund 2000 der insgesamt 18 000 Arbeitsplätze bei den britischen Gesellschaften gestrichen werden. Long selbst nannte keine Zahlen, räumte aber ein, dass der Umfang des geplanten Personalabbaus „nicht gering“ ausfallen werde.

Beim Geschäftsausblick für das laufende Jahr gab sich Long optimistisch. „Im Gegensatz zum heimischen Einzelhandel kann in der britischen Reisebranche von gedämpfter Konsumlaune keine Rede sein.“ Trotz hoher Verschuldung der privaten Haushalte seien die Verbraucher nicht bereit, auf Urlaub zu verzichten oder Abstriche im Reisebudget zu machen. In der vergangenen Wintersaison stieg der Umsatz um 3 Prozent. Und für die kommende Sommersaison melden die britischen Tochtergesellschaften ein Buchungsplus von 8 Prozent. In Deutschland, dem mit 5 Milliarden Euro Umsatz größten Einzelmarkt der TUI, ist die Buchungslage im Moment ähnlich gut.

GvD.news
29.01.2008, 21:43
Der Maschinenbau bleibt optimistisch
VDMA bestätigt Wachstumsprognose von 5 Prozent trotz gestiegener Risiken

kön. FRANKFURT, 29. Januar. Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau erwartet trotz wachsender Sorgen für das Jahr 2008 weiter einen Produktionszuwachs von 5 Prozent und hält damit an seiner Aussage vom Oktober fest. „Die Prognose ist okay, auch in der jetzigen kritischen Lage“, sagte Manfred Wittenstein, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), am Dienstag. „Der Spielraum ist aber enger geworden“, fügte der im Oktober gewählte Präsident auf seiner ersten Jahrespressekonferenz in Frankfurt hinzu.

Die Risiken hätten zugenommen. Die Immobilien- und Finanzkrise drohten die Realwirtschaft zu infizieren. „Eine Rezession in den Vereinigten Staaten würde der Weltkonjunktur einen spürbaren Dämpfer verpassen“, sagte Wittenstein. „Wir sind aber dafür gut aufgestellt, weshalb wir die Prognose halten können.“ Im vergangenen Jahr hatte der VDMA, der 3000 Mitglieder hat und eine Branche mit insgesamt 6000 vor allem kleinen und mittleren Unternehmen repräsentiert, seine Erwartungen mehrfach nach oben korrigiert. Am Jahresende kam ein Produktionsplus von 11 Prozent auf 181 Milliarden Euro für das Jahr 2007 heraus. Zuletzt hatte es 1969 eine zweistellige Zuwachsrate von 15 Prozent gegeben. Alle Fachbereiche profitierten von dem Aufschwung; 18 der 28 Sektoren verzeichneten sogar zweistellige Zuwachsraten.

Der Maschinenbau geht 2008 in das fünfte Rekordjahr in Folge, was ungewöhnlich für diesen sonst so zyklisch geprägten Wirtschaftszweig ist. Die positiven Erwartungen für dieses Jahr beruhen nach Aussagen von Wittenstein auf den hohen Auftragsbeständen mit einer von 5,5 auf 6,3 Monate erhöhten durchschnittlichen Reichweite. Der Auftragseingang sei nach wie vor positiv. Vor allem aber basiere die Prognose auf einem „nach wie vor ausgeprägten Wachstumsoptimismus“. Noch immer hat die Branche eine hohe Kapazitätsauslastung, die 2007 mit 92 Prozent ein Rekordniveau erreichte. In diesem Jahr sollen 10 000 neue Stellen geschaffen werden. Angesichts der Engpässe werde voraussichtlich auch die Leiharbeit wieder ausgeweitet. Bereits im vergangenen Jahr hat der Maschinenbau 50 000 neue Mitarbeiter fest eingestellt. Zum Jahresende beschäftigte er 935 000 Menschen. „Vier von zehn neuen industriellen Arbeitsplätzen gehen auf unser Konto, womit wir unsere Position als mit Abstand größter industrieller Arbeitgeber ausgebaut haben dürften“, sagte der VDMA-Präsident.

Eine Anspielung auf das Aus für das Nokia-Werk in Bochum konnte sich Wittenstein nicht verkneifen: „Wir sind keine Basar-Ökonomie, die sich nur darauf beschränkt, aus anderen Ländern zugelieferte Teile zu montieren, und zunehmend Gefahr läuft, diese Montage an Billiglohnländer zu verlieren.“ Der schwache Dollar- und Yen-Kurs bereitet unverändert Sorgen, da Wettbewerber aus den Vereinigten Staaten und aus Japan auf dem Weltmarkt gegenüber den Deutschen einen starken Währungs- und damit Wettbewerbsvorteil haben. Rund ein Drittel der Exporte wird in diesen Währungen abgerechnet.

Trotz des starken Euro ist aber mehr denn je im Ausland verkauft worden. Die Ausfuhren stiegen um 12,7 Prozent, die Inlandsverkäufe sogar um 17,5 Prozent. Der Inlandsmarkt wird laut VDMA in diesem Jahr etwas schwächer zulegen als das Auslandsgeschäft. Die Vereinigten Staaten sind der größte Einzelmarkt im Maschinenbau. Der Rückgang von nur 2 Prozent dort sei mit Blick auf die Abschwächung und auf den starken Euro schon als Erfolg zu werten, sagte Wittenstein. „Ich bin erstaunt , dass wir dort bis heute bei dem hohen Euro-Kurs so gute Geschäfte machen.“

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29.01.2008, 21:43
Amerika wirft seinen Schatten über den Euro-Raum
Die Weltwirtschaft kühlt ab, und Europa wird sich davon nicht völlig abkoppeln können. Doch eine Rezession erscheint unwahrscheinlich. Der monatliche Konjunkturbericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Von Philip Plickert

FRANKFURT, 29. Januar. Die lange befürchtete zweite Welle der Kreditkrise ist gekommen. Vergangene Woche brachen die Kurse an den Börsen der Welt kräftig ein. Allgemein besteht die Sorge, dass in den Bilanzen der Banken und einiger Versicherer noch größere Posten an faulen Krediten verborgen sind als bislang geglaubt. Zugleich wächst die Angst vor einer Rezession in den Vereinigten Staaten. Eilig haben sich der amerikanische Präsident und die Parteien im Kongress nun auf ein keynesianisch anmutendes Paket zur Konjunkturankurbelung geeinigt, das Steuererleichterungen von fast 150 Milliarden Dollar vorsieht. Das Volumen des Notfallplans wie auch die überraschend drastische Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Fed zeigen jedoch überdeutlich, wie real die Rezessionsgefahr ist.

Entscheidend wird sein, wie stark und dauerhaft der Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität sein wird: Nach klassischer Definition liegt eine Rezession vor, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) über zwei Quartale schrumpft. Dies halten die meisten Volkswirte angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit und der fallenden Häuserpreise für wahrscheinlich, auch wenn die Fed von einem zwar viel schwächeren, doch weiter positiven Wachstum ausgeht. Die Frage ist, ob sich die amerikanische Wirtschaft zur Jahresmitte wieder fängt oder ob sie in eine Abwärtsspirale gerät.

Ein amerikanischer Schwächeanfall zöge ohne Zweifel die Wirtschaft im Euro-Raum nach unten, eine völlige Abkoppelung erscheint den meisten Volkswirten nicht möglich. Zwar könnten die aufstrebenden Schwellenländer den Ausfall an amerikanischer Nachfrage zum Teil ausgleichen, aber auch sie leiden darunter. Die Stimmung der Europäer hat sich seit Monaten eingetrübt, wie der vom Institut NTC Economics ermittelte Einkaufsmanagerindex zeigt. Am stärksten ist dieser konjunkturelle Frühindikator im Januar für den Dienstleistungssektor zurückgegangen, worin sich die neuerliche Verschärfung der Finanzmarktkrise widerspiegelt. Das Verarbeitende Gewerbe bewegt sich immerhin noch auf moderatem Expansionskurs.

Bedenkt man die belastenden Faktoren – den hohen Euro-Wechselkurs, die verteuerten Rohstoffe und die nachlassende internationale Dynamik –, so erscheinen die Einkaufsmanager der Industrie aber noch vergleichsweise zuversichtlich. Die laufende Produktion hat nach einer Delle im November offenbar wieder etwas Schwung bekommen, auch der Export zeigt sich trotz der Euro-Aufwertung bislang robust. Hingegen deutet der schwächere Zuwachs der Auftragseingänge auf eine merkliche Wachstumsbremsung.

Das vergangene Jahr war für die Wirtschaft im Euro-Raum recht erfolgreich. Noch liegen keine offiziellen Zahlen zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von Eurostat vor, doch dürfte die nach unten revidierte Prognose der Europäischen Kommission von rund 2,5 Prozent BIP-Wachstum erreicht worden sein. Mit real 2,5 Prozent Zuwachs entwickelte sich Deutschland etwa wie der Durchschnitt, Frankreich blieb mit voraussichtlich 1,8 bis 1,9 Prozent darunter. Die vorliegenden deutschen Zahlen zeigen, dass die Konjunktur weiterhin überwiegend von den Exporten und Investitionen getragen wurde, während der private Konsum – anders als erhofft – infolge des Mehrwertsteuerschocks und der neu aufkommenden Inflationssorgen weiterhin lahmte.

In einem normalen Konjunkturzyklus müsste auf der Verwendungsseite der private Konsum nun die führende Rolle übernehmen. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Arbeitslosen im Euro-Raum um gut eine Million gesunken; die Zahl der Erwerbstätigen stieg voraussichtlich sogar um fast 2 Prozent oder mehr als 2,5 Millionen. Die bessere Beschäftigungslage und höhere Lohnabschlüsse sprechen für ein Anziehen des privaten Konsums in diesem Jahr. Allerdings sind die Verbraucher verunsichert, da die Inflationsrate zum Jahresende erstmals seit sechs Jahren mehr als 3 Prozent betrug.

Die Teuerung wird sich nach Erwartung der EZB im Jahresverlauf aber wieder abschwächen. Dies liegt zum einen daran, dass in Deutschland der Schub der Mehrwertsteuer endgültig in die Statistik des Jahresvergleichs eingegangen ist. Zum anderen werden die Energiepreise nach Ansicht der meisten Fachleute in diesem Jahr nicht weiter über ihr derzeitiges Niveau steigen. Lässt die Inflationssorge also wieder nach, sollte die Konsumnachfrage im Jahresverlauf deutlich anziehen und die Binnenkonjunktur stützen. Das ist das Hauptargument der Konjunkturoptimisten.

Die Unsicherheit in allen Prognosen bleibt jedoch hoch. Eine wichtige Frage wird sein, wie stark die andauernde Finanzkrise die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen verschlechtert. Bisher gibt es noch keine Anzeichen für eine Kreditklemme: Noch im Dezember wurden im Euro-Raum trotz steigender Zinsen gut 11 Prozent mehr Darlehen an den privaten Sektor vergeben; zudem sitzen die Unternehmen auf dicken Gewinnpolstern, die sie für Investitionen einsetzen können. Der Euro-Raum erscheint daher weit weniger verletzlich durch die Kreditkrise. Er wird zwar vom weltwirtschaftlichen Abschwung erfasst, doch ist eine Rezession nicht in Sicht.

GvD.news
29.01.2008, 21:44
Keine Finanzspritzen in Europa
Regierungen halten die Konjunktur für robust

mas. Berlin, 29. Januar. Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien sehen derzeit keine Notwendigkeit für ein Konjunkturprogramm. Daran ändern auch die Finanzmarktturbulenzen und die Rücknahme der Wachstumsprognose durch den Internationalen Währungsfonds nichts. Zumindest im Entwurf des Kommuniqués für das Treffen der Regierungschefs aus den vier Ländern und des Präsidenten der EU-Kommission am Abend in London findet sich dazu kein Hinweis. Wie aus Regierungskreisen in Berlin vor der Zusammenkunft verlautete, wird vielmehr darauf gesetzt, dass die europäischen Volkswirtschaften robust dastehen. Die Situation in Amerika sei nicht eins zu eins auf Europa zu übertragen. Die Beschäftigung steige und die Auslastung der Wirtschaft sei normal. Als wichtiger wird daher angesehen, die unter dem Stichwort Lissabon-Strategie verabredete Reformagenda abzuarbeiten.

Um Vertrauen an den Finanzmärkten zurückzugewinnen, nehmen die vier Länder die Finanzinstitute und Ratingagenturen in die Pflicht. Sie fordern die Banken auf, relativ schnell ihre Risiken offenzulegen. So will man verhindern, dass jedes Quartal neue schlechte Zahlen bekanntwerden. Die Marktteilnehmer sollen zudem klären, wie bei Ratingagenturen Interessenkonflikte verhindert werden können. Hintergrund ist, dass diese erst Banken beraten haben, wie diese ihre Kredite am besten zu Paketen bündeln, um eine geringe Ausfallwahrscheinlichkeit bescheinigt zu bekommen, und ihnen anschließend selber gute Noten gegeben haben. Grundsätzlich sehen die Länder zunächst die privaten Akteure in der Verantwortung. Wenn es jedoch kein Ergebnis geben sollte, werde man „regulatorisch handeln“.

Darüber hinaus konzentrieren sich die Überlegungen auf eine enge Zusammenarbeit der nationalen Aufsichtsbehörden. Auch soll das Financial Stability Forum, das von den Finanzministern der sieben führenden Industrieländer beauftragt worden war, den Markt für hochspekulative Finaninstrumente zu untersuchen, enger mit der EU zusammenarbeiten.

GvD.news
29.01.2008, 21:44
Bush dringt auf schnelles Konjunkturpaket
In der Rede zur Lage der Nation hat der amerikanische Präsident versucht, die Ängste vor einer Rezession zu zerstreuen. Die Amerikaner könnten optimistisch sein.

ctg. Washington, 29. Januar. In seiner wohl letzten Rede zur Lage der Nation hat der amerikanische Präsident George Bush sich bemüht, seinen Landsleuten die Furcht vor einer Rezession zu nehmen, und an den Kongress appelliert, das in der vergangenen Woche vereinbarte milliardenschwere Konjunkturpaket unverzüglich zu verabschieden. Bush bekräftigte seine Forderungen, die Abhängigkeit Amerikas von ausländischem Öl zu verringern und den Freihandel auszuweiten, machte aber nur wenige neue wirtschaftspolitische Vorschläge.

„Unsere Wirtschaft befindet sich in einer Phase der Unsicherheit. 52 Monate in Folge sind zusätzliche Arbeitsplätze entstanden, doch nun hat sich der Stellenaufbau verlangsamt. Die Löhne sind gestiegen, gestiegen sind aber auch die Preise für Lebensmittel und Benzin. Der Export wächst, aber die Hauspreise sind gefallen. Und an den Küchentischen quer durchs Land breitet sich Besorgnis über die wirtschaftliche Zukunft aus“, sagte Bush. Langfristig könnten die Amerikaner optimistisch sein, doch es sei offensichtlich, dass sich das Wachstum verlangsamt habe. Bush warnte den Senat davor, das Konjunkturprogramm durch zusätzliche Maßnahmen zu überfrachten: „Das würde die Umsetzung verzögern oder sogar ganz verhindern. Das ist nicht akzeptabel. Es ist eine gute Vereinbarung, die das Wirtschaftswachstum sichert und die Menschen in Arbeit hält. Der Kongress muss sie so schnell wie möglich verabschieden.“ Bush wiederholte seine Forderung, die Steuererleichterungen der Jahre 2001 und 2003, von denen viele zeitlich auf das Jahr 2010 befristet sind, dauerhaft zu gewähren. Andernfalls komme es zu einer Steuererhöhung, zum Nachteil für die Wirtschaft. „Die Kongressmitglieder sollten wissen: Gegen jedes Gesetz, das eine Steuererhöhung enthält, werde ich mein Veto einlegen.“ Bush kündigte an, in der kommenden Woche einen Haushaltsentwurf zu präsentieren, der trotz sinkender Steuereinnahmen und des Konjunkturpakets an dem Plan festhält, den Etat bis zum Jahr 2012 auszugleichen.

Regierung und Kongress müssten sich bei der Bewältigung der Herausforderungen „von jener Philosophie leiten lassen, die unser Land großartig gemacht hat: dass wir Amerikaner davon überzeugt sind, dass der Einzelne in der Lage ist, sein Schicksal zu bestimmen und den Fortgang der Geschichte zu prägen.“ Washington müsse den Menschen die Möglichkeiten geben, ihr Leben zu verbessern. Das gelte nicht zuletzt in der Gesundheitsversorgung. Mehr Wettbewerb, nicht mehr staatliche Kontrolle sei der Weg zu einer besseren Versorgung. Steuerliche Anreize zum Abschluss einer privaten Krankenversicherung seien nötig.

„Und wir müssen Vertrauen in unsere Arbeitnehmer haben, dass sie im Wettbewerb mit jedem in der Welt bestehen können“, sagte Bush. Der Kongress solle darum schnell den Freihandelsabkommen mit Kolumbien, Panama und Südkorea zustimmen. Es gelangten viele Produkte aus diesen Ländern zollfrei auf den amerikanischen Markt; umgekehrt aber würden amerikanische Produkte dort mit hohen Zöllen belegt.

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30.01.2008, 22:01
Die Prognosen für den Goldpreis gehen weit auseinander
Manche Analysten erwarten Rückgang im Jahresverlauf

kpa./gb. FRANKFURT, 30. Januar. Gold ist so gefragt wie selten zuvor in seiner Geschichte. Am Mittwoch kostete die Unze (rund 31 Gramm) 918 Dollar und damit nur 15 Dollar weniger als am Tag zuvor. Am Dienstag hatte der Goldpreis mit 933 Dollar, entsprechend einem Wert von 624 Euro, einen neuen historischen Rekordstand erreicht. Konjunktursorgen und Inflationsängste der Anleger, ein schwacher Dollar und zuletzt verstärkte spekulative Käufe gelten als Hauptgründe für diesen dynamischen Anstieg. Hinzu kommt die vorübergehende Schließung von Minen in Südafrika wegen Strommangels.

Die Vorhersagen der Analysten zur weiteren Entwicklung des Goldpreises unterscheiden sich deutlich (siehe Tabelle). Einig sind sich die Experten vor allem darin, dass die Notierungen in diesem Jahr stark schwanken dürften. Dies ergibt eine Umfrage dieser Zeitung unter mehreren Finanzinstituten. Viele Rohstoffexperten rechnen zunächst mit einer Fortdauer der Goldhausse, der eine Korrektur mit möglicherweise kräftigen Preisrückgängen folgen könnte. Die Spanne der Vorhersagen ist gleichwohl breit: Zum Jahresende liegen zwischen dem niedrigsten und dem höchsten genannten Preis 250 Dollar.

Aus der Sicht europäischer Anleger gilt es auch zu bedenken, dass Gold in Dollar gehandelt wird. Bleibt der Euro stark, dann mindert dies die Rendite. Zum Vergleich: 2007 ist das Edelmetall, in Dollar gerechnet, um 31 Prozent teurer geworden, in Euro waren es 19 Prozent. Bei Gold handelt es sich zudem um eine zinslose Anlage. Doch Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) verweisen darauf, dass Gold trotzdem schon im siebten Jahr in Folge haussiere. Gold sei in einem Marktumfeld mit sinkenden Zinsen wie nun in Amerika vergleichsweise attraktiver.

Vor allem spekulative Marktteilnehmer, aber auch klassische Investoren haben den Goldpreis zuletzt in die Höhe getrieben. Dabei haben sie auf der Suche nach Sicherheit in bewährter Manier auf Gold gesetzt. Seine Rolle als Krisenmetall bei politischen Auseinandersetzungen habe Gold zwar weitgehend eingebüßt, heißt es bei der Hanauer Metallhandelsgesellschaft Heraeus. So reagiere der Preis in der Regel nur kurz auf entsprechende Nachrichten. Bei wirtschaftlichen Krisen sei dies aber zuletzt anders gewesen, wie das höhere Anlegerinteresse nach dem Ausbruch der Kreditmarktkrise gezeigt habe.

Viele Anleger investieren über börsengehandelte Fonds (Exchange Traded Funds, ETF) in das Edelmetall. Die Gesellschaften müssen sich dann am Markt mit physischem Gold eindecken, das treibt den Preis. Physische Verkäufe setzen dagegen den Preis unter Druck, wie in dieser Woche durch eine sehr große Fondsposition geschehen.

Nach Einschätzung vieler Marktexperten dürfte es in diesem Jahr für Gold neue Rekordpreise geben. „Der Markt will die Marke von 1000 Dollar je Feinunze sehen“, sagt Jens Herdack von der Weberbank. Der Analyst hält anschließend jedoch Preisrückgänge um bis zu 20 Prozent für möglich. Aufgrund wachsender Konjunktur- und Inflationssorgen und des schwachen Dollar ist nach Ansicht von Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, ein weiterer Anstieg in Richtung 1000 Dollar auf kurze Sicht nicht auszuschließen. Andere Analysten begründen mit diesen Argumenten ihre dauerhaft hohe Erwartung an den Goldpreis. Das fundamentale Umfeld stützt ebenfalls: Einer stetig wachsenden Goldnachfrage auch von Investoren steht ein nur begrenztes Angebot gegenüber.

Der hohe Anteil spekulativer Gelder am Goldmarkt macht die Hausse jedoch anfällig für Korrekturen. Jochen Hitzfeld, Rohstoffexperte von Unicredit, beziffert die Goldmenge, die sich aktuell in Händen von Spekulanten befindet, auf gut 600 Tonnen. Zum Vergleich: Die jährliche Minenproduktion beträgt rund 2500 Tonnen. Die von den Notenbanken verkaufte Goldmenge, die zweite große Stütze des Angebots, beläuft sich auf bis zu 500 Tonnen je Jahr. Dieser Zustand bereitet Hitzfeld Sorgen: „Ziehen diese Anleger ihr Geld plötzlich zurück, dann könnte der Goldpreis leicht um 150 Dollar fallen.“

Auch andere Banken warnen vor einer Überhitzung. „Die jüngste Aufwärtsbewegung bei Gold ist übertrieben“, sagt Bargel. Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, spricht schon fast von einer Euphorie auf dem Goldmarkt: „Je stärker aber ein Preis steigt, desto größer kann die mögliche Korrektur ausfallen.“ Von April an rechnet Weinberg auch aus saisonalen Gründen mit Preisdruck, erfahrungsgemäß lasse dann die Nachfrage nach Gold nach. Der Preis könne dann bis auf 850 Dollar fallen. Kurzfristig scheine die Hausse aber ungebrochen. Nach Einschätzung von Heraeus könnte Gold bei einer Fortsetzung der Rally bis auf 975 Dollar je Feinunze steigen. Im zweiten Halbjahr könnte sich die Lage am Goldmarkt beruhigen und der Preis bis 2009 wieder unter 700 Dollar fallen. Bargel gibt sich ebenfalls pessimistisch für den weiteren Jahresverlauf: Es dürften die Faktoren an Gewicht gewinnen, die für einen niedrigeren Goldpreis sprechen, also die konjunkturellen Unsicherheiten abebben und der Dollar stärker werden, sagt der Postbank-Chefvolkswirt und begründet so seine niedrige Prognose für das Jahresende.

Druck auf den Goldpreis könnte auch von Nachfrage ausgehen. Die Schmuckindustrie macht hier mit gut 50 Prozent den größten Anteil aus. Zwar wächst sie vor allem in aufstrebenden asiatischen Ländern, doch der höhere Goldpreis könnte bei der Schmucknachfrage insgesamt zunächst für Zurückhaltung sorgen. „Der Goldpreis wird hier nach dem starken Anstieg als teuer empfunden“, stellt Hitzfeld fest. Bleibe er allerdings längere Zeit hoch, dann trete ein Gewöhnungseffekt ein. Zwar habe die Bedeutung des Schmuckmarktes in vergangenen Jahren abgenommen (1997 lag der Anteil bei 78 Prozent), ein Einbruch der Nachfrage in China und insbesondere Indien würde aber den Goldpreis sicherlich fallen lassen, heißt es bei Heraeus.

Die Rekordjagd des Goldpreises relativiert sich mit Blick auf die Inflation. Vor 28 Jahren, im Januar 1980, war Gold nominell zwar ähnlich teuer wie derzeit, allerdings nur an einem einzigen Tag. „Der damalige Monatsdurchschnitt lag bei 630 Dollar“, rechnet Hitzfeld vor. Bereinigt um die Inflation, müsste Gold auf 1400 Dollar steigen, um diesen Wert wieder zu erreichen. Langfristig – vielleicht in zwei bis drei Jahren – sei das ein realistisches Szenario, beschreibt Hitzfeld seine langfristig positive Einschätzung für Gold.

GvD.news
30.01.2008, 22:01
Alle Blicke richten sich auf Josef Ackermann
In der kommenden Woche legt die Deutsche Bank ihre Quartalszahlen vor. Sie werden richtungsweisend für den Aktienmarkt sein.

da. FRANKFURT, 30. Januar. Für die deutschen Banken ist die Finanzkrise nicht ausgestanden. Im vierten Quartal stehen den Banken weitere Abschreibungen wegen der amerikanischen Hypothekenkrise ins Haus. Und auch darüber hinaus wird es für die hiesigen Banken ungemütlich. „Der Abschwung in dieser Branche wird sich im Jahr 2008 fortsetzen und bis ins Jahr 2009 hineinreichen“, sagt Scott Bugie, leitender Kreditanalyst der Ratingagentur Standard & Poor’s.

Alle Blicke richten sich auf Josef Ackermann. Am Donnerstag wird der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank nicht nur seinen sechzigsten Geburtstag feiern, sondern auch die Zahlen des Schlussquartals 2007 präsentieren. Auf dem Spiel steht mehr als nur sein Ruf – der Bankchef hat seit Ende Oktober mehrfach wiederholt, die Bank habe nicht nochmals Abschreibungen zu befürchten. Die übernervösen Aktienmärkte werden hochsensibel auf die Zahlen der in als Leitwolf gesehenen Deutschen Bank reagieren. An Ackermanns Prognose werden zwar immer mehr Zweifel laut. Die meisten Analysten rechnen mit abermaligen Wertberichtigungen. Sofern diese allerdings weitaus geringer sind als die 2,2 Milliarden Euro des dritten Quartals, würde das nicht mehr als negative Überraschung interpretiert.

„Ich erwarte, wenn überhaupt, Abschreibungen im kleinen dreistelligen Millionenbereich“, sagt Joachim Müller, Analyst von Cheuvreux. „Wir glauben der Deutschen Bank. Vor Bekanntgabe der Zahlen empfehlen wir die Aktie aber nicht zum Kauf – so weit reicht das Vertrauen in diesen Zeiten nicht mehr.“ In den vergangenen Monaten hat sich nämlich mancher eine blutige Nase geholt, weil er auf die beschwichtigenden Aussagen von Bankenchefs gesetzt hatte. Analysten wie Müller loben das im Branchenvergleich herausragende Risikomanagement und verweisen auf die starke Kapitalkraft der Deutschen Bank.

Doch das ist nur die kurzfristige Sicht. Die Aussichten sind auch für die Deutsche Bank nicht rosig. Analysten der Credit Suisse verweisen auf den starken Schwerpunkt der Bank im Geschäft mit festverzinslichen Produkten. Weil sich die Krise auf immer mehr Segmente des Kreditmarktes ausweite, werden die Erträge der Deutschen Bank unter Druck geraten. Einige Analysten halten das für 2008 ausgelobte Ziel eines Vorsteuerergebnisses von 8,4 Milliarden Euro für hinfällig.

Auch andere deutsche Banken kommen nicht ungeschoren davon. Als erste hatte die Dresdner Bank die Belastungen veröffentlicht. Im vierten Quartal musste sie 900 Millionen Euro auf strukturierte Finanzprodukte abschreiben und operativ einen derben Verlust ausweisen. So schlimm dürfte es für die Commerzbank, die in zwei Wochen ihre Zahlen veröffentlicht, nicht werden. Der designierte Vorstandssprecher Martin Blessing hat bereits angekündigt, dass die Abschreibungen des vierten Quartals unter den 291 Millionen Euro des Vorquartals liegen werden. Susanne Knips von Dresdner Kleinwort erwartet, dass die Abschreibungen auf das fast 13 Milliarden Euro schwere Portfolio strukturierter Produkte 200 Millionen Euro betragen werden. Der Betrag wäre höher, hätte die Bank im dritten Quartal nicht – nahezu unbemerkt – 170 Millionen Euro Wertberichtigungen in der nicht in der Erfolgsrechnung auftauchenden Neubewertungsreserve versteckt.

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30.01.2008, 22:02
Singapur nutzt die Schwäche der Banken
Der Staatsfonds GIC will sich mit 12 Milliarden Euro an Citigroup und UBS beteiligen. Das aber muss nicht alles gewesen sein. Denn die Singapurer besitzen viel Finanzkraft.

SINGAPUR, 30. Januar
Singapurs Staatsfonds „Government of Singapore Investment Corp.“ (GIC), der in den vergangenen Monaten als Großinvestor bei westlichen Banken aufgetreten ist, bleibt hungrig: „Wir schauen uns jede Investitionsmöglichkeit an, die uns geboten wird. Betrachten wir sie als lohnenswert, besitzen wir die Kapazität zu investieren“, sagte Tony Tan, der stellvertretende Chairman von GIC. An einem Mangel an Finanzkraft werde nichts scheitern müssen: „Ob in der gleichen Größenordnung, muss dann entschieden werden.“ Hier lässt Tan alle Optionen offen. Mitte Dezember hatte GIC erklärt, sich für 11 Milliarden Franken (6,8 Milliarden Euro) einen Anteil von 9 Prozent an der Schweizer UBS AG Bank sichern zu wollen. Mitte Januar folgte der Kauf von etwa 4 Prozent an der amerikanischen Citigroup Inc. für 6,88 Milliarden Dollar (4,7 Milliarden Euro).

Nach Berechnungen der Analysten von Thomson Financial ist der reiche Zwergstaat seit Jahren der aktivste Investor unter den Staatsfonds: Mit der Ausnahme des Jahres 2006 lag der Anteil von Singapurs Staatsinvestoren einschließlich Tochtergesellschaften an der Gesamtinvestition von 18 führenden Staatsfonds weit über 50 Prozent. Thomson bezieht in seine Berechnungen alle Tochtergesellschaften ein, an denen die Fonds mehr als 50 Prozent Anteil halten. Im Stadtstaat Singapur sind dies auch die Akquisitionen, die von den börsennotierten Unternehmen wie Sembcorp., Singapore Telecom und dem Hafenbetreiber PSA Corp. vorgenommen werden. Allein 2007 kam die „Singapore Inc.“ demnach mit 38 Milliarden Dollar Investitionssumme auf einen Anteil von 57 Prozent aller Transaktionen dieser Gesellschaften. Erst am Dienstag hatte Temasek Holdings, die staatliche Anlagegesellschaft des Tropenstaates, ihren Anteil an der britischen Standard Chartered Bank auf 19 Prozent aufgestockt. Im Dezember hatte Temasek sich für 4,4 Milliarden Dollar an der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch beteiligt. Schon in den Jahren zuvor hatte sich Temasek an der China Construction Bank mit 1,4 Milliarden Dollar und an der Bank of China mit 1,5 Milliarden Dollar und weiteren asiatischen Finanzunternehmen beteiligt.

Mit den Beteiligungen an den Großbanken nutzt der Stadtstaat seine Handlungsfähigkeit, seine Finanzkraft und die Gunst der Stunde: „Wir haben eine sehr ungewöhnliche Situation für Finanzaktien in Amerika und Europa, bei der mehrere Ereignisse – die Subprime-Krise in Amerika, die Enge auf dem Kreditmarkt und die Möglichkeit einer Rezession – zusammenfallen. So etwas passiert vielleicht ein einziges Mal in zwei Dekaden oder mehr“, sagt Tan. GIC, die eigenen Angaben zufolge ein Portfolio von „mehr als 100 Milliarden Dollar“ führt, hat sich rechtzeitig Ressourcen für weitere Großakquisitionen geschaffen: „Wir haben im zweiten Quartal vergangenen Jahres bemerkt, dass Risiken im amerikanischen Markt nicht korrekt bewertet wurden und die Preise auf nicht nachhaltige Weise in die Höhe schossen. Unter diesen Umständen bekamen wir das Gefühl, unser Portfolio eher konservativ gestalten zu müssen. Wir verkauften im dritten Quartal einen Teil unserer Aktien und hielten Bargeld – etwas, das wir über Jahre nicht gemacht hatten“, gewährt Tan einen Einblick in die Strategie. Zugleich erntet Singapur die Früchte, die es vor Jahren gesät hat. So hält der Stadtstaat schon längst 0,3 Prozent an der Citibank. „Wir haben ihre Geschäfte und ihre Probleme genau verfolgt“, sagt der frühere stellvertretende Ministerpräsident Tan im Rückblick auf die vergangenen Jahre. Enge Beziehungen pflegt der Stadtstaat „seit Jahren“ mit Citi-Chairman Winfried Bischoff und dem neuen Vorstandsvorsitzenden Vikram Pandit. Und am Ende waren es dann Citigroup und wohl auch UBS selber, die GIC um einen Einstieg baten, offenbarte Tan im Gespräch mit der staatlichen Zeitung „The Business Times“. „Als wir dann die Einladungen von UBS und Citi zur Beteiligung bekamen, hatten wir dafür eine ausreichende Finanzkraft, ohne Notmaßnahmen ergreifen zu müssen, um Bargeld zu realisieren.“ An der Citigroup interessiert den Stadtstaat besonders das starke Filialnetz. An UBS überzeugt die asiatischen Investoren deren ausgereifte Vermögensberatung. „Eine solche Struktur kann keine andere Bank nachbauen“, sagt Tan.

Allerdings haben Singapurs Unterhändler auch viel herausgeholt. Da GIC mit den staatlichen Währungsreserven auf Einkaufstour geht, bleibt sie vorsichtig. Tan offenbart nun, dass der Einstieg bei Citibank auf mittelfristigen Optionen über Vorzugsaktien beruhe. Die festgeschriebene Ausschüttung liege bei 7 Prozent. Die UBS spricht von 9 Prozent. Schon zuvor hatten die Staatsmedien gejubelt, der Einstieg bei den Amerikanern sei „fast frei von jedem Risiko“. Denn der Garantiedividende von 7 Prozent unabhängig von der Kursentwicklung der Citi-Aktie stünde die Möglichkeit gegenüber, ihre Papiere jederzeit gegen einen Aufschlag von 20 Prozent auf einen geringen Basispreis in Aktien zu wandeln. Wenn also die Aktie ihr derzeitiges Vierjahrestief verlässt, kann GIC zügig Geld verdienen.

Ob ihr das in der Schweiz auch gelingt, ist noch offen. Denn dort steigt der Widerstand gegen die staatlichen Investoren aus Asien und Arabien. Bei einer außerordentlichen Aktionärsversammlung am 27. Februar werden die Anteilseigner darüber entscheiden, ob die Singapurer und ein ungenannter arabischer Investor erwünscht sind. Der Pensionsfonds Profond und die Schweizer Aktionärsvereinigungen Actares und Ethos haben sich schon dagegen ausgesprochen. Sie drängen auf eine Kapitalerhöhung, die offen für alle Anteilseigner ist. GIC versucht, seinen Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem sich das seit Jahrzehnten verschwiegene Institut plötzlich sehr offen gibt. Es verspricht größere Transparenz, auch wenn es nicht plane, jährliche Geschäftsberichte vorzulegen. Auch verzichten die Singapurer bewusst auf einen Sitz im Direktorium der UBS, um keinen direkten Einfluss auf dessen Geschäftspolitik zu nehmen. „Als ein Finanzinvestor, der nicht nur in UBS, sondern auch in andere Banken investiert, und angesichts unserer Absicht, keinerlei Kontrolle über UBS zu suchen, werden wir keinen Sitz im Board übernehmen“, hatte Tan zu Wochenbeginn erklärt.

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30.01.2008, 22:02
Arcandor ist eine Baustelle
Karstadt-Quelle: Vom Handels- zum Tourismuskonzern

B.K. DÜSSELDORF, 30. Januar. Für Thomas Middelhoff, den Vorstandsvorsitzenden des Essener Arcandor-Konzerns, soll spätestens 2008/09 Normalität im Zahlenwerk der Touristik- und Handelsunternehmen einkehren. „Wir verlassen die Phase der Restrukturierung“, sagte der Chef der 2004 in eine tiefe Existenzkrise geratenen ehemaligen Karstadt-Quelle-Gruppe bei der Vorlage der Bilanz für das Rumpfgeschäftsjahr 2006/07 (30. September). Bis dahin will der Konzern einen Umsatz von 23 Milliarden Euro erreichen und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 850 Millionen Euro erwirtschaften. Beim operativen Ergebnis vor allen Abschreibungen (Ebitda) soll die Hürde von 1,3 Milliarden Euro genommen werden. Mögliche Akquisitionen oder Chancen, die sich im Versandhandel und im Warenhausgeschäft aus der weiteren Konsolidierung der Märkte ergeben könnten, sind in diesen Planungen nicht berücksichtigt. Schon im laufenden Geschäftsjahr 2007/08 will Arcandor eine Dividende zahlen.

Die größten Erwartungen knüpft Middelhoff an das Touristikgeschäft von Thomas Cook, mit 60 Prozent Umsatzanteil und einem weit überdurchschnittlichen Ergebnisbeitrag die stärkste Konzernsäule. „In diesem Riesen schlummern noch viele Kräfte.“ Der tiefgreifende Umbauprozess bei der Versandhandelsgruppe Primondo und der Karstadt-Warenhaussparte verläuft nach seinen Worten planmäßig. So wird der Versandhandel im laufenden Geschäftsjahr in jedem Quartal wieder ein positives Ebitda erwirtschaften, sagte Middelhoff. Auch das neue Geschäftsmodell von Karstadt mit ertragreicheren Sortimenten wird nach seiner Überzeugung im Verlauf der kommenden 20 Monate greifen und für deutlich verbesserte Ergebnisse sorgen. Die Sparte hatte im Weihnachtsquartal mit einem Umsatzeinbruch von mehr als 8 Prozent geschockt und die Arcandor-Aktie auf weitere Talfahrt geschickt. Nicht zuletzt die Umbauten für 2000 neue Marken-Shops hätten den Verkauf in den Filialen erheblich beeinträchtigt. Wie er versicherte, steht der Vorstand auch weiterhin voll hinter der Strategie von Karstadt-Chef Peter Wolf.

Middelhoff, der Ende des Jahres sein Amt beenden und eine interne Nachfolgelösung präsentieren will, zeigt sich nach wie vor unzufrieden mit dem Aktienkurs. Allerdings zog dieser nach der Bilanzvorlage um mehr als 6 Prozent auf 12,35 Euro an. In dem neun Monate umfassenden Rumpfgeschäftsjahr ist der Konzernumsatz wegen der vollständigen Einbeziehung von Thomas Cook um 72 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro gewachsen. Hätte es Thomas Cook in der Konstellation schon im Vorjahr gegeben, hätte der Umsatz nahezu stagniert, sagte Finanzvorstand Peter Diesch, der sich in seinem einstündigen Vortrag um größtmögliche Transparenz und Vergleichbarkeit bemühte. Auch das positive operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) von 602 (Vorjahr: minus 64) Millionen Euro geht allein auf Thomas Cook zurück. Das Warenhausgeschäft, dem das wichtige Weihnachtsquartal fehlte, schloss mit einem Minus von 34 (36) Millionen ab, der Versandhandel mit einem operativen Verlust von 73 (74) Millionen Euro. Dass unter dem Strich lediglich ein kräftig geschrumpftes Konzernergebnis (nach Minderheiten) von 16,3 (479) Millionen Euro verbleibt, begründet Diesch mit erheblichen positiven Steuereffekten im Vorjahr.

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30.01.2008, 22:03
SAP hat keine Angst vor einer Rezession Kagermann kündigt für dieses Jahr Wachstum der Software- und Serviceerlöse an

mir./utb. FRANKFURT, 30. Januar. Der größte deutsche Softwarekonzern SAP will 2008 genauso schnell wachsen wie im vergangenen Jahr. Das gilt nach Angaben von Vorstandssprecher Henning Kagermann auch angesichts der unklaren wirtschaftlichen Aussichten in den Vereinigten Staaten und möglichen Nebenwirkungen auf Europa. Kagermann teilt damit die Bedenken von Konzernchefs anderer Branchen nicht. „Wir sind sehr zuversichtlich“, sagte er bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. Schon in der vergangenen Woche hatte der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft mit einem positiven Jahresausblick für gute Stimmung in der Informationstechnikbranche gesorgt.

SAP-Software, die die Geschäftsprozesse in Unternehmen automatisiert, sei in unterschiedlichen Konjunkturzyklen immer gefragt. Gehe es aufwärts, helfe sie, mehr zu verkaufen. Werde die Lage schwieriger, werde in die Standardisierung der Informationstechnik investiert. Das bringe mehr Effizienz und helfe, die Kosten herunterzuschrauben. „Die Flexibilität, die wir in unsere Software eingebaut haben, versetzt die Unternehmen in die Lage, ihre Strategie je nach Konjunkturlage schnell zu ändern“, warb Kagermann.

Für das laufende Geschäftsjahr kündigte der SAP-Chef ein Wachstum der Software- und softwarebezogenen Serviceerlöse, die Kennzahl wird an der Börse stark beachtet, von 12 bis 14 Prozent ohne Wechselkurseinflüsse an. Das ist die gleiche Spanne wie 2007. Mit dem Zukauf des Softwareherstellers Business Objects – die Übernahme soll mit einem Squeeze-out bald abgeschlossen sein – erhöht sich die Wachstumsspanne auf 24 bis 27 Prozent ausgehend vom Vorjahreswert von 7,4 Milliarden Euro.

Die operative Marge soll, bereinigt um Abschreibungen und akquisitionsbedingte Aufwendungen im Zusammenhang mit dem 4,8 Milliarden Euro teuren Zukauf von Business Objects, im laufenden Jahr zwischen 27,5 und 28 Prozent liegen. Die Kennzahl war vergangenes Jahr aufgrund der Investitionen in die neue Mittelstandssoftware „Business by Design“ auf 27,3 Prozent gesunken. Finanzvorstand Werner Brandt kündigte für die Aktionäre eine stabile Ausschüttungsquote von 30 Prozent an. Angesichts des höheren Konzernergebnisses deutet das auf eine höhere Dividende hin.

Die Börse quittierte die Zahlen für 2007 und den Ausblick im Handelsverlauf mit leichten Kursgewinnen. Am Aktienmarkt würden die Investitionen von SAP in die auf einem Mietmodell basierende Software „Business by Design“ und Business Objects und damit in die Nachhaltigkeit nicht goutiert, kommentierte Kagermann die sei Monaten schwache Kursentwicklung des Papiers. „Wir wollen, dass SAP auch in zehn Jahren noch zweistellig wächst“, sagte der Konzernchef. Wenn sich zeige, dass die Investitionen erfolgreich sind, werde sich das auch im Kurs bemerkbar machen, gibt sich Kagermann optimistisch. Allerdings räumte er auch ein, dass die aggressive Zukaufsstrategie von Hauptkonkurrent Oracle – zumindest derzeit – ebenfalls aufginge.

Doch SAP will sich davon nicht beeindrucken lassen. „Alle Regionen sollen zweistellig wachsen“, gab Vertriebsvorstand Léo Apotheker vor. Es gebe keinen Grund, warum das nicht auch in Amerika der Fall sein sollte. Auch die Gefahr eines Wachstumsdämpfers im Bankengeschäft, das 2007 um 30 Prozent zulegte, sieht Apotheker nicht. Hier will SAP vor allem von Business Objects profitieren: Das auf Analysesoftware spezialisierte Unternehmen habe „viele Kunden im Bankenbereich“, sagte Apotheker. Neben der gezielten Ausschöpfung der Kundenbasis will SAP auch die Marge bei Business Objects verbessern. Das Unternehmen hatte einen Tag zuvor rückläufige Ergebnisse aufgrund von erhöhten Steuerrückstellungen berichtet. Beim Umsatz hingegen zeigte sich Business Objects stark: Dieser stieg in den Monaten Oktober bis Dezember um 20 Prozent. In der Region Europa, dem Nahen Osten und Afrika lag das Umsatzplus sogar bei 32 Prozent.

Marktforscher von Gartner bezweifeln jedoch, dass der Markt für diese als „Business Intelligence“ bezeichnete Software weiterhin so stark wachsen werde. Sie rechnen nur noch mit einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von knapp 9 Prozent bis zum Jahr 2011, nach 12,5 Prozent im vergangenen Jahr. Als Grund für die Verlangsamung nennen die Gartner-Fachleute das Vorliegen von ausgereiften Produkten sowie eine deutliche Marktbereinigung innerhalb der vergangenen zwölf Monate, an der sich auch die amerikanischen SAP-Wettbewerber Oracle und IBM beteiligt hatten.

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30.01.2008, 22:03
Porsche kämpft gegen das neue VW-Gesetz

sup. STUTTGART, 30. Januar. Der Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche – Hauptaktionär bei VW – kämpft gegen die geplante Neufassung des VW-Gesetzes, das ein Vetorecht des Landes Niedersachsen sowie umfassenden Einfluss der Arbeitnehmer vorsieht. In einem Brief an Bundesjustizministerin Brigitte Zypries schreiben die Vorstände der Porsche SE, Wendelin Wiedeking und Holger Härter, diese Pläne widersprächen dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober. Vor allem sei nicht klar, warum für Volkswagen andere Regeln gelten sollten als für andere Unternehmen. „Wenn das Justizministerium tatsächlich der Auffassung sein sollte, dass die Regeln des Aktiengesetzes, des Mitbestimmungsgesetzes und des Betriebsverfassungsgesetzes nicht ausreichen, dann müssten Sie konsequenterweise die geplanten gesetzlichen Verschärfungen generell für alle Unternehmen geltend machen“, lautet die Argumentation von Wiedeking und Härter, die durch ein Rechtsgutachten der Kanzlei Freshfields gestützt wird: „Die Diskussion müssten Sie dann allerdings mit allen Repräsentanten der deutschen Wirtschaft führen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Bundesregierung dafür großen Beifall bekommen würde“, heißt es in dem Brief, der auch an Vertreter von Parteien und Wirtschaftsverbänden ging. Während Wiedeking und Härter „eindringlich bitten“, die Pläne für die Novellierung des VW-Gesetzes zurückzuziehen, finden die Vorschläge aus dem Justizministerium Beifall bei den Belegschaftsvertretern von Volkswagen. Das Gesetz schütze die Arbeitnehmer vor „willkürlicher Verlagerung von Standorten oder Werksschließungen“, erklärte Bernd Osterloh, Vorsitzender des VW-Konzernbetriebsrats: Jeder Politiker oder Unternehmer, der sich vollmundig in der Öffentlichkeit zum Standort Deutschland bekenne, müsse dafür eintreten.

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30.01.2008, 22:03
Finanzkrise lässt Münchener Rück kalt
Rekordgewinn und kaum Wertberichtigungen / Vorsichtiger Ausblick für 2008

theu. MÜNCHEN, 30. Januar. Die Münchener Rück ist mit Kapitalanlagen von mehr als 170 Milliarden Euro einer der größten deutschen Investoren. Doch die seit Monaten grassierende Finanzkrise, die vor allem bei Großbanken reihenweise zu Milliardenabschreibungen führt, lässt den zweitgrößten Rückversicherer der Welt weitgehend kalt. Der Konzern hat 2007 einen Rekordgewinn von 3,9 (Vorjahr 3,5) Milliarden Euro eingefahren und damit sein im November nach oben gesetztes Ergebnisziel erreicht.

Die Abschreibungen auf schlecht besicherte amerikanische Hypothekenanleihen („Subprime“) hätten im Schlussquartal lediglich bei 10 Millionen Euro gelegen, teilte die Münchener Rück am Mittwoch weiter mit. Der Assekuranz-Konzern will für 2007 eine um einen Euro auf 5,50 Euro je Aktie aufgestockte Dividende zahlen. Auch die bis 2010 angekündigten weiteren Aktienrückkäufe von mindestens 3 Milliarden Euro sollen wie geplant erfolgen.

Selbst wenn sich die Bankenkrise noch verschärfe, „wird es nicht dramatisch für uns“, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. „Unsere risikobewusste Anlagepolitik und eine gesunde Skepsis gegenüber Übertreibungen an einzelnen Märkten haben sich bewährt“, glaubt Schneider. Das Unternehmen zerstreute mit der vorgezogenen Veröffentlichtung seiner wichtigsten Geschäftszahlen für 2007 Befürchtungen, es könnte wie zahlreiche Großbanken in den Strudel der Finanzmarktkrise geraten sein.

Die Aktie der Münchener Rück legte am Mittwoch um 5,9 Prozent auf 120,86 Euro zu und war damit Spitzenreiter im Deutschen Aktienindex. In den vergangenen Wochen ist das Papier dagegen wegen der Unsicherheit über mögliche Belastungen um bis zu 20 Prozent eingebrochen. Analysten reagierten am Mittwoch erleichtert auf die Geschäftszahlen. „Die Qualität der Kapitalanlagen ist bei der Münchener Rück deutlich besser als der Branchendurchschnitt und gibt keinen Anlass zu Bedenken“, lobte Stephan Kalb vom Bankhaus Sal. Oppenheim in Frankfurt.

Der Finanzkonzern aus München war zum Jahresende mit nur 340 Millionen Euro im Subprime-Segment investiert. Auch die Schieflage von Anleihenversicherern („Monoliner“), die in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt hat, werde allenfalls zu Ausfällen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich führen, versicherte Finanzchef Schneider. Bislang zumindest haben die Münchner sich in der Krise besser geschlagen als etwa der Weltmarktführer Swiss Re, der bereits im November überraschend hohe Wertberichtigungen beichten musste. Die Allianz hat dagegen ähnlich wie die Münchener Rück mit ihren Jahreszahlen vergangene Woche zumindest im Versicherungsgeschäft weitgehend Entwarnung gegeben. Hohe Abschreibungen verbuchte aber die Allianz-Tochtergesellschaft Dresdner Bank.

Trotz der soliden Zahlen für das vergangene Jahr ist die Münchener Rück für die Zukunft vorsichtig. „2008 wird ein schwierigeres Jahr“, kündigte Schneider am Mittwoch an. Preisdruck bei den Rückversicherungsprämien und die Unsicherheit am Kapitalmarkt seien dafür verantwortlich. Schon im Sommer hatte der Konzern die Erwartungen für 2008 zurückgeschraubt und einen Jahresüberschuss von lediglich „mehr als 3,1 Milliarden Euro“ in Aussicht gestellt. Dieses Ziel bestätigte Schneider am Mittwoch.

Im Kerngeschäft Rückversicherung leidet der Konzern zunehmend unter sinkenden Preisen. Bei der turnusmäßigen Neuverhandlung großer Teile der Verträge mit Kunden zu Jahresbeginn sei ein durchschnittlicher Rückgang um 2,8 Prozent verzeichnet worden. In der Schaden- und Unfallrückversicherung, dem wichtigsten Bereich, gingen Prämieneinnahmen in Milliardenhöhe verloren, weil am Markt keine angemessenen Preise zu erzielen gewesen seien. Die vor allem von der Düsseldorfer Sparte Ergo betriebene Erstversicherung steigerte dagegen ihr Neugeschäft um 3,7 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro.

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30.01.2008, 22:04
UBS steckt tief in der Verlustzone
Der Konzernverlust für das vierte Quartal erreicht 12,5 Milliarden Franken. Jetzt wird über den künftigen Aktionär Singapur diskutiert.

du. ZÜRICH, 30. Januar. Die Schweizer Großbank UBS steckt noch tiefer in der Krise als gedacht. Als Folge des Missmanagements von Hypothekenrisiken in den Vereinigten Staaten ist im vergangenen Jahr ein Verlust von 4,4 Milliarden Franken oder umgerechnet 2,7 Milliarden Euro entstanden, wie die UBS am Mittwoch im Vorgriff auf die Veröffentlichung des Jahresberichts am 14. Februar bekanntgeben musste. Der Konzernverlust für das vierte Quartal erreichte sogar 12,5 Milliarden Franken. Verluste hatte die Bank schon am 10. Dezember vergangenen Jahres angedeutet, in dieser Höhe waren sie allerdings nicht erwartet worden. Gleichwohl hielt sich der Kursverlust der UBS-Aktie gestern mit knapp zwei Prozent in Grenzen. Wer den Ausstieg bisher verpasst habe, versuche die Krise nun auszusitzen, hieß es hierzu aus Analystenkreisen. Aufs Jahr gerechnet, hat die Aktie allerdings gut 40 Prozent an Wert verloren.

Im Mittelpunkt der schlechten Nachrichten stehen im vierten Quartal Abschreibungen über 12 Milliarden Dollar (13,7 Milliarden Franken) auf Engagements in zweitklassigen, sogenannten Subprime-Hypotheken sowie weitere 2 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Franken) auf andere Anlagen, die mit dem amerikanischen Wohnungsmarkt in Verbindung stehen. Am 10. Dezember waren 10 Milliarden Dollar genannt worden. Dieser Betrag habe sich auf Oktober und November bezogen, erläuterte nun ein Sprecher der Bank, im Dezember seien weitere 4 Milliarden Dollar hinzugekommen. Insgesamt dürfte die Bank damit im vergangenen Jahr rund 19 Milliarden Dollar verspielt haben. Gleichwohl schätzen Beobachter, dass in den Büchern der Bank immer noch mit Subprime-Risiken durchsetzte Hypothekenverbriefungen in Höhe von rund 25 Milliarden Dollar schlummern.

Aus den Zahlen ergibt sich, dass die Bank im vierten Quartal in der Vermögensverwaltung als ihrer Geschäftsdomäne einen Gewinn von rund 3,5 MilIiarden Franken erwirtschaftet haben dürfte. In der offiziellen Mitteilung räumt die UBS indes ein, dass im Zuge der Bereinigungsmaßnahmen nicht nur Wertminderungen, sondern auch echte Verkaufsverluste realisiert worden sind. Im Unterschied zu realisierten Verlusten könnten nur in der Bilanz abgewertete Anlagen bei besseren Marktverhältnissen auch wieder an Wert gewinnen. Das Kernkapital der UBS (Tier 1) sank bis zum Jahresende auf 8,8 Prozent nach 11,9 Prozent Ende 2006. Die Bankenkommission in der Schweiz verlangt nach Angaben eines Sprechers vom Mittwoch eine Mindestquote von 4 Prozent. Durch den Einstieg der staatlichen Investitionsbehörde von Singapur und eines Investors aus dem Nahen Osten soll Tier 1 aber wieder auf 12 Prozent gebracht werden. Allerdings ist unklar, ob die hierzu am 10. Dezember bekanntgegebenen Bedingungen noch tragfähig sind. Die Investoren sollten zunächst eine Anleihe über zusammen 13 Milliarden Franken zeichnen, die mit vergleichsweise hohen 9 Prozent im Jahr verzinst würde. Die Anleihe sollte spätestens nach zwei Jahren in Aktien umgetauscht werden, wobei sich die Zahl dieser neuen Aktien aus einem noch festzulegenden Kurs innerhalb der Bandbreite von 51,48 und 62,92 Franken je Aktie errechnet. Aktuell notiert die UBS-Aktie allerdings bei gut 45 Franken, so dass die neuen Großaktionäre möglicherweise auf die Zuteilung von mehr Aktien dringen.

Die für diese Investoren notwendige Kapitalerhöhung muss des Weiteren auf einer außerordentlichen Generalversammlung am 27. Februar verabschiedet werden. Hierzu haben schon mehrere Aktionärsgruppen wie die Ethos-Stiftung ihre Ablehnung angekündigt. Sie begründen diese einerseits mit dem fehlenden Bezugsrecht für alle Aktionäre. Des Weiteren verschaffe die Beteiligung von Singapur in Höhe von geschätzten 12 Prozent nach dem Aktienbezug dem Staatsfonds einen zu großen Einfluss auf die Generalversammlung.

Die nun veröffentlichten Verlustzahlen sind indes eine bittere Pille für alle Aktionäre und Kunden der UBS. Claudia Meier von der Bank Vontobel schließt daher einen Vertrauensverlust bei den vermögenden Privatkunden der UBS nicht mehr aus. Die Bank ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Da die Verluste in der Sparte Festzinsgeschäft, Währungen und Rohstoffe (FICC) des UBS-Investmentbankings entstanden sind, dürfte sich auch die Diskussion über eine Aufteilung der Bank wieder beleben. Die UBS-Führung unter ihrem umstrittenen Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel hält offiziell weiter an dem integrierten Modell aus Investmentbank und Vermögensverwaltung fest. Ins Blickfeld rücken des Weiteren die Bonuszahlungen an die UBS-Investmentbanker für 2007, über die in diesen Tagen verhandelt wird.

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30.01.2008, 22:04
Japan warnt die Siebenergruppe vor Panikstimmung
Skepsis in Tokio gegenüber international abgestimmter Geld- und Finanzpolitik

pwe. TOKIO, 30. Januar. „Das Wichtigste ist, keine Panikstimmung aufkommen zu lassen.“ Das ist die Botschaft, mit der die japanische Regierung in die Gespräche der führenden sieben Industriestaaten (G 7) Ende der kommenden Woche in Tokio geht. Im Mittelpunkt des Treffens der Finanzminister und Notenbankgouverneure werden die Finanzkrise und deren Rückwirkungen auf die Weltwirtschaft stehen. Dabei hat der Fokus sich deutlich verschoben. Drehte sich im vergangenen Jahr auf deutsches Drängen vieles um die unregulierten Hedge-Fonds am Rande des Finanzmarktes, richtet sich der Fokus nun auf den Kern des Finanzmarkts, auf Banken, Versicherungen und Rating-Agenturen. Die Regierung in Tokio, die in diesem Jahr der Siebenergruppe vorsteht, setzt dabei wie andere G-7-Staaten auf mehr Transparenz, aber auch auf mehr Verantwortungsbewusstsein der Marktteilnehmer. „Die Geschäftsbanken haben recht lax gehandelt“, heißt es in Regierungskreisen etwa mit Verweis auf die Verbriefung von Krediten und die Auslagerung von Risiken. „Sie haben den Rating-Agenturen blind geglaubt.“ Während des Treffens der G 7 wird der italienische Notenbankgouverneur Mario Draghi einen Zwischenbericht über eine Studie im Auftrag der Gruppe geben, wie sichergestellt werden kann, dass Banken und andere Finanzmarktteilnehmer besser mit Risiken umgehen.

Skepsis herrscht in Tokio gegenüber der Idee einer international abgestimmten Wirtschaftspolitik, um im Gefolge der Rezessionsgefahren in den Vereinigten Staaten weltwirtschaftlichen Risiken entgegenzutreten. „Wir stimmen im Kreis der G 7 in den Zielen überein“, heißt es. Aber jedes Land müsse das tun, was seinen Gegebenheiten angemessen sei. Japan fühlt sich dabei nicht unter Druck. Möglichen Wünschen nach einer stärker expansiven Geld- oder Finanzpolitik wird vorbeugend entgegengehalten, dass die wirtschaftlichen Fundamentaldaten gut und japanische Banken in die Finanzkrise kaum involviert seien. Nach der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds wird die Wirtschaft in diesem Jahr 1,5 Prozent wachsen. Von einer drastischen Abschwächung in den Vereinigten Staaten würde Japan zwar betroffen werden, aber weit weniger stark, als allgemein vermutet werde, heißt es in Regierungskreisen. Ohnehin habe die Bank von Japan bei einem niedrigen Zinssatz von 0,5 Prozent keinen Spielraum für eine expansivere Politik. Finanzpolitisch verböten sich angesichts der angespannten Haushaltslage und der Staatsschuld zusätzliche Stimuli. In Regierungskreisen wird zudem darauf verwiesen, man habe in den neunziger Jahren gelernt, dass fiskalische Stimuli nicht funktionierten. Japan hatte damals vergeblich und um den Preis einer deutlich steigenden Staatsschuld versucht, durch kreditfinanzierte Konjunkturprogramme die Wirtschaft aus der Rezession zu befreien.

Gelegentlich aus Frankreich zu vernehmenden Forderungen, Japan müsse den Yen zum Abbau weltwirtschaftlicher Ungleichgewichte stärker aufwerten, steht man in Tokio gelassen gegenüber. Die Siebenergruppe habe im vergangenen Jahr betont, dass die Wechselkurse sich gemäß den wirtschaftlichen Begebenheiten entwickeln sollten. Die Regierung hat seit 2004 nicht mehr am Devisenmarkt interveniert. Zwar beäugt sie die jüngste Stärkung des Yen gegenüber Dollar und Euro angesichts der Exportabhängigkeit der Wirtschaft skeptisch, doch nimmt die Aufwertung auch Forderungen an Japan den Wind aus den Segeln. Als sicher gilt indes, dass die Finanzminister der Siebenergruppe in der Abschlusserklärung China empfehlen werden, den Yuan stärker aufzuwerten. Im Gegensatz zu Deutschland, das 2007 mit Verve das Thema Hedge-Fonds auf die Tagesordnung der Siebenergruppe gesetzt hatte, verfolgt Japan keine besonderen Projekte für seine Präsidentschaft. Doch will das Land dafür werben, dass die Verringerung der Armut vor allem privatwirtschaftliche Initiative voraussetze. „Die Diskussion der G 7 kann hier bereichert werden“, heißt es mit dezenter Kritik an den Partnerländern. „Wir wollen nicht Fisch geben, sondern Angelruten.“

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30.01.2008, 22:04
Amerikas Konjunktur knickt ein
Das Wachstum hat sich im vierten Quartal erheblich verlangsamt. Das Hilfspaket des Präsidenten für die Wirtschaft hängt im Senat fest.

ctg. WASHINGTON, 30. Januar. Die amerikanische Konjunktur hat sich in den letzten Monaten des vergangenen Jahres erheblich abgekühlt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs nach einer ersten, vorläufigen Berechnung des Wirtschaftsministeriums im vierten Quartal mit einer Jahresrate von nur 0,6 Prozent. Bankvolkswirte an Wall Street hatten mehrheitlich mit 1,2 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal lag das Wachstum noch bei 4,9 Prozent. Für das Gesamtjahr 2007 ergibt sich eine Steigerung des amerikanischen BIP von 2,2 Prozent, 0,7 Prozentpunkte weniger als 2006.

Besonders belastend auf das Wachstum zwischen Oktober und Dezember hat sich die Krise in der Bauwirtschaft ausgewirkt, aber auch sinkende Investitionen in Lagerbestände hätten die Konjunktur gedämpft, hieß es. Die Konsumausgaben sind viel schwächer gestiegen als im dritten Quartal; sie haben nur rund 1,37 Prozentpunkte zum Wachstum beigetragen, verglichen mit gut 2 Prozent in den Sommermonaten. Auch vom Export ging ein schwächerer Wachstumsimpuls aus als zuvor.

Im Kongress wurden die Beratungen über ein Konjunkturpaket fortgesetzt. Das Repräsentantenhaus hat zwar mit großer Mehrheit einem mit Präsident George Bush in der vergangenen Woche vereinbarten Programm aus Steuererstattungen an 117 Millionen Haushalte und Investitionsanreizen für Unternehmen zugestimmt; doch in der anderen Kongresskammer, dem Senat, sind die Beratungen noch nicht abgeschlossen. Vielmehr zeichnet sich ab, dass sich der Gesetzentwurf in einigen wesentlichen Punkten von dem des Repräsentantenhauses und der Regierung unterscheiden wird. Unter anderem will der Senat den Kreis jener noch erweitern, die vom Finanzministerium einen Teil ihrer schon gezahlten Steuern zurückerhalten werden in der Hoffnung, auf diese Weise den Konsum zu beleben. Außerdem ist vorgesehen, die Bezugsdauer der Arbeitslosenunterstützung angesichts der Eintrübung auf dem Arbeitsmarkt zu verlängern und Unternehmen die Möglichkeit zu geben, Verluste aus den vergangenen Jahren in größerem Umfang steuerlich geltend zu machen und ebenfalls einen Scheck vom Finanzministerium zu bekommen. Dafür fallen im Plan des Senats die Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen deutlich geringer aus. Unter dem Strich würde das Konjunkturprogramm des Senats die Regierung rund 161 Milliarden Dollar kosten, rund 15 Milliarden Dollar mehr als die vom Repräsentantenhaus beschlossene Version.

Republikanische Senatoren haben an die demokratische Mehrheit appelliert, die Auseinandersetzung nicht auf die Spitze zu treiben und schnell einen Beschluss zu fassen. Der Führer der republikanischen Minderheit, Mitch McConnell, sagte, eine deutliche Mehrheit der republikanischen Senatoren unterstütze das von Repräsentantenhaus und Regierung geschnürte Paket in unveränderter Form. Harry Reid, Mehrheitsführer im Senat, hat versprochen, Präsident Bush werde spätestens am 15. Februar ein Gesetz zur Unterschrift vorliegen.

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01.02.2008, 09:20
Die Preise für Rohkakao steigen
Der Preis für Kakao erreicht neue langjährige Hochs. Dies ist vor allem auf Spekulanten zurückzuführen. Ob daher die Hausse noch von langer Dauer sein wird, bezweifeln Händler in New York und London. Der Rohstoffbericht.

hi. FRANKFURT, 31. Januar. Rohkakao wird am Weltmarkt immer teurer. Ob sich die Hausse fortsetzt und auch die Verbraucher dies bald spüren werden, wird besonders in Händlerkreisen erheblich bezweifelt. Hier gelten die seit Ende Dezember zu beobachtenden Preissteigerungen weithin als schwer zu rechtfertigen. Sie seien wesentlich das Werk spekulativer Fonds, die offenbar nicht müde würden, Kakao am Terminmarkt zu kaufen.

Kakao hat sich in New York seit Ende vergangenen Jahres, in Dollar betrachtet, in der Spitze um rund 20 Prozent verteuert. Doch dies ist nur ein Ausschnitt des Gesamtgeschehens, denn die laufende Aufwärtsbewegung hat bereits Mitte August begonnen. Seither sind die Notierungen um fast 30 Prozent gestiegen. Der gesamte am Donnerstag von neuen Höchstständen bestätigte Haussezyklus am Kakaomarkt setzte in New York Mitte Oktober 2006 ein. Seit damals ergibt sich eine Verteuerung um gut 60 Prozent.

Die gängige These, bei der laufenden Haussephase handele es sich weitgehend um ein spekulatives Phänomen, wird von den amtlichen Daten über die Netto-Kaufpositionen der Hedge-Fonds an der Terminbörse für den Rohstoff in New York bestätigt. Zählt man die Engagements der Index-Fonds hinzu, die Rohstoffindizes nachbilden und von institutionellen Anlegern genutzt werden, ergibt sich nach dem Urteil von Analysten eine Kopflastigkeit der „privaten“ Positionen im Gegensatz zu den rein kommerziellen Engagements. Letztere werden von Produzenten, Händlern und Verarbeitern gehalten.

Die sehr starke spekulative Beteiligung auf der Hausseseite der Terminbörsen für Kakao in New York und wohl auch in London bewegt viele Analysten und Händler zu der Prognose, bald werde der Punkt erreicht sein, an dem Liquidationen einen Preiseinbruch auslösen könnten. Doch es sind auch warnende Stimmen zu vernehmen. Sie verweisen darauf, dass die Verarbeitende Industrie als Gruppe in ungewöhnlich geringem Umfang mit physischer Ware eingedeckt sei. Offenbar hätten die Verarbeiter die für steigendes Angebot sprechende Lage richtig eingeschätzt, aber nicht voraussehen können, dass sich die Spekulanten so stark engagieren würden.

So könne es sein, dass zunehmende physische Nachfrage die Notierungen noch eine Weile auf hohem Niveau halte oder sogar weiter nach oben treibe, was die Kaufbereitschaft der Fonds wohl zusätzlich anspornen würde.

Das fundamentale Bild vom Kakaomarkt zeichnet sich durch eine rege Diskussion darüber aus, ob die laufende Saison von Oktober 2007 bis September 2008 einen Überschuss oder ein Defizit hervorbringt. Ein verlässliches Urteil darüber wird wohl erst im Sommer möglich sein, wenn der Umfang der Mittelernten vor allem in den westafrikanischen Erzeugerländern abgeschätzt werden kann.

Gegenwärtig bewegen sich die Prognosen, grob beschrieben, zwischen einem Defizit von 100 000 Tonnen und einem Überschuss von 250 000 Tonnen. Die Mehrheit der Experten scheint jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt allenfalls ein nicht ins Gewicht fallendes Defizit, eher aber einen Überschuss in der Größenordnung von etwa 100 000 Tonnen für möglich zu halten.

In der vergangenen Saison entstand nach Erkenntnissen der Internationalen Kakao-Organisation (ICCO) ein Defizit von 242 000 Tonnen. Die Fachwelt ist sich allem Anschein nach einig darin, dass schon ein Gleichgewicht von Produktion und Verbrauch im laufenden Rechnungsjahr die derzeit herrschenden Preise nicht rechtfertigen würde.

Der Kakaomarkt steht traditionell phasenweise im Zeichen von Gerüchten und Mutmaßungen, die sich später oder bei genauem Hinsehen als bedeutungslos für die tatsächlichen fundamentalen Bedingungen erweisen. So haben die gewalttätigen innenpolitischen Auseinandersetzungen in der Elfenbeinküste, dem mit Abstand führenden Erzeugerland, in den vergangenen Jahren immer wieder die Kommentare geprägt. Die tatsächlichen Auswirkungen auf Produktion und Export waren jedoch letztlich nicht der Rede wert.

Kürzlich haben Nachrichten über einen Streik bei der Vermarktungsorganisation dort für Schlagzeilen gesorgt. Sie sollten offenbar suggerieren, dass der Kakaoexport von dort akut gefährdet sei. In Wirklichkeit war davon aber kaum etwas zu spüren. Gegenwärtig wird häufig erwähnt, der Harmattan, ein heißer Wüstenwind, bedrohe die noch heranwachsenden Mittelernten in westafrikanischen Erzeugerländern. Tatsächlich ist der Harmattan ein zu dieser Jahreszeit immer wiederkehrendes Phänomen. Händler vermuten, dass auch von ihm schon bald keine Rede mehr sein wird.

GvD.news
01.02.2008, 09:20
Übergeordnete Gegenbewegungen brauchen Zeit
Viele Aktienindizes haben ihren Haussetrend verlassen. Jetzt liegt eine holprige Wegstrecke vor ihnen. Die Technische Analyse.

Aus übergeordneter technischer Sicht haben fast alle europäischen Aktienindizes für Standardwerte, aber auch viele breiter gefasste Indizes die Hausse der vergangenen fünf Jahre in eine Gegenbewegung verlassen. Aus technischer Sicht haben die Standardwerteindizes mit einer Baisse zu kämpfen, wenn sie, ausgehend von den Kurshochs aus dem Vorjahr, mehr als 20 Prozent Kursverlust hinnehmen müssen. Damit ergeben sich für ausgewählte Aktienindizes wie den europäischen Stoxx 600, den Euro Stoxx 50 und den Dax die Fragen, wie lange diese Baisse dauern wird und welches technische Rückschlagspotential vorliegen sollte.

Der Stoxx 600, der die 600 nach Streubesitz größten Aktien aus Europa umfasst, hatte seit März 2003, beginnend bei 162 Punkten, eine dreiphasige Hausse herausgebildet. Erstens ergab sich im Jahr 2004 ein Erholungstrend bis auf 248 Punkte. Zweitens bildete sich seit August 2004 mit einem Tief auf 225 Punkten ein idealtypischer, mehrjähriger Haussetrend. Hierbei kam es erst von Januar 2007 an zu einer Abschwächung der Aufwärtsdynamik. Was aus technischer Sicht oberhalb der Unterstützung um 350 Punkte zunächst wie eine Konsolidierung aussah, entwickelte sich im Laufe des Jahres 2007 zu einer Seitwärtspendelbewegung mit dem technischen Charakter einer Kopf-Schulter-Verkaufsformation (Hoch bei 400 Punkten; Nackenlinie bei 350 Punkten).

Im vierten Quartal 2007 war der Index aus dem Hausse-Trend herausgefallen, bevor es im Januar 2008 wegen des Verkaufssignals bei Unterschreiten von 350 Punkten zum Abschluss dieser Top-Formation kam. Einerseits hat der Index mit dem Kursrückgang auf 296 Punkte – einem Minus von 25 Prozent – eine Baisse etabliert und das aus technischer Sicht ableitbare Minimum-Kurspotential bereits schlagartig abgearbeitet. Andererseits hat die Herausbildung der Top-Formation fast ein Jahr in Anspruch genommen, so dass für das Jahr 2008 die bereits diskutierte holprige Wegstrecke einkalkuliert werden sollte. Nach den massiven Kursverlusten seit dem Jahresanfang sollte jetzt eine Kurserholung anstehen, jedoch sollte es der Index sehr schwer haben, die alte Unterstützungszone um 350 Punkte, die jetzt als Widerstandszone arbeitet, zu überwinden. Aktuell steht der Stoxx 600 auf 316 Punkten. Nach dieser Erholung sollte ein weiteres Abbröckeln einkalkuliert werden. Erst wenn beim nächsten Rückfall auch die neue Unterstützungszone von 295 bis 300 Punkten verteidigt werden sollte, hat der Index die Chance auf eine mittelfristige technische Bodenformation.

Der Euro Stoxx 50, der die 50 führenden Standardwerte des Euro-Raums umfasst, hatte, ausgehend von Kursen um 1847 Punkte im März 2003, eine vergleichbare Hausse durchlaufen wie der Stoxx 600. Allerdings bildete der Index erst seit dem Sommer 2007 – nach dem Erreichen des Jahreshochs bei 4573 Punkten – eine Seitwärtspendelbewegung heraus, die den technischen Charakter einer Dreiecksformation aufweist. Im vierten Quartal 2007 steckte der Index einerseits in diesem Dreieck fest, andererseits konnte der Euro Stoxx 50 noch den gut dreijährigen Haussetrend verteidigen. Zum Jahreswechsel ist der Index dann mit einem Verkaufssignal aus der Dreiecksformation und dem alten Haussetrend herausgefallen, wobei der bisher aufgetretene Gesamtverlust von 23 Prozent anzeigt, dass die nach fünf Jahren Hausse eingeleitete übergeordnete Gegenbewegung den Charakter einer technischen Baisse aufweist.

Einerseits deutet sich auch im Euro Stoxx 50 eine Erholung an, jedoch sollte es dem Index schwerfallen, sich in den nächsten Wochen wieder dauerhaft bei mehr als 4000 Punkten festzusetzen. Aktuell notiert er bei rund 3730 Punkten. Beim nächsten Rückfall sollte der Index die neue, gestaffelte Unterstützungszone von 3380 bis 3500 Punkten verteidigen, damit sich auch hier die technische Chance auf eine Bodenformation abzeichnet. Sofern dies im Laufe des ersten Halbjahres 2008 nicht gelingt, sollte aus technischer Sicht eine Baisse-Verschärfung einkalkuliert werden.

Beim Dax liegt aus technischer Sicht seit März 2003 vordergründig ein vergleichbares Bild wie bei anderen Standardwerteindizes vor. Zunächst eine mehrjährige Hausse mit einem Kursanstieg von 2190 auf 8150. Danach die Abschwächung der Aufwärtsdynamik und seit dem Sommer 2007 die Etablierung einer Seitwärtspendelbewegung mit der gestaffelten Unterstützungszone von 7200 bis 7400 Punkten und der gestaffelten Widerstandszone von 8000 bis 8150 Punkten.

Nachdem der Dax im zweiten Halbjahr 2007 mehrmals daran gescheitert war, diese Widerstandszone zu überwinden, kam der Index seit Anfang Januar unter Druck. Hierbei wurde der mehrjährige Hausse-Trend mit Verkaufssignalen beendet. Festzustellen bleibt, dass der Dax mit dem Rutsch bis auf die nächste, gestaffelte Unterstützungszone um 6400 Punkte zwar das Kurspotential dieser Verkaufssignale schlagartig abgearbeitet hat, die eingeleitete übergeordnete Gegenbewegung auf die vorherige, fünfjährige Hausse mit einem Kursrückgang von knapp 22 Prozent aber ebenfalls den Charakter einer (Zwischen-)Baisse besitzt.

Wegen der kurzfristig überverkauften Lage sollte der Index eine technische Erholung durchlaufen, jedoch sollte es ihm in den nächsten Wochen schwerfallen, wieder in die alte Trading-Range zurückzukehren. Erst wenn der Dax während des nächsten mittelfristigen technischen Rückfalls den neuen Unterstützungsbereich von 6400 bis 6500 Punkten verteidigen kann, besteht aus technischer Sicht die Chance, dass diese eingeleitete übergeordnete Gegenbewegung den technischen Charakter einer „milden Baisse“ erhält.

Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.

GvD.news
01.02.2008, 09:21
Anleihe-Rendite sinkt unter 4 Prozent

ham. FRANKFURT, 31. Januar. Nach der Zinssenkung der amerikanischen Notenbank ist die Rendite für europäische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit am Donnerstag unter 4 Prozent gerutscht. Händler begründeten den Anstieg des Zins-Termin-Kontraktes Bund-Future um 70 Basispunkte auf 116,58 Prozent mit der starken Unsicherheit der Anleger in der Finanzkrise. In Amerika gab das „lange Ende“ dagegen nur wenig nach. Die Rendite für Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fiel von 3,67 auf 3,61 Prozent. Anleger verlangen relativ hohe Renditen für langfristige Anlagen, weil sie einen Inflationsschub befürchten. Damit wird im Euro-Raum die Renditekurve über das Laufzeitenspektrum flacher, in Amerika in Teilen etwas steiler. Zwei-Jahres-Geld ist in Amerika indes mit einem Zins von 2,1 Prozent immer noch teurer als Tagesgeld mit 3 Prozent.

GvD.news
01.02.2008, 09:21
S&P schockiert mit Massenherabstufung
Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat auf einen Schlag die Herabstufung von gut 8000 Bonitätsnoten amerikanischer Kreditverbriefungen über mehr als 500 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Anleger fürchten zusätzliche Wertberichtigungen der Banken und Versicherer.

ruh. FRANKFURT, 31. Januar. Die Kreditmärkte müssen eine neue Welle von Herabstufungen verkraften. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat am späten Mittwochabend für Kreditverbriefungen im Wert von mehr als 500 Milliarden Dollar die Bonitätsnoten reduziert oder auf eine Überprüfungsliste mit negativer Ausrichtung gesetzt. Ein großer Anteil der Verbriefungen bonitätsschwacher amerikanischer Hypotheken (Subprime) ist betroffen. Anleger vermuten, dass viele der herabgestuften Verbriefungen in den Depots der Finanzdienstleister liegen. Das hat am Donnerstag die Aktien von Banken und Versicherern unter Verkaufsdruck gesetzt. Die entsprechenden europäischen Branchenindizes gaben zeitweise um mehr als 4 Prozent nach, erholten sich allerdings im späten Geschäft und endeten mit einem Tagesverlust von rund 1,7 Prozent.

Derartige Herabstufungswellen hat es seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 wiederholt gegeben. Doch bei keiner waren so viele Verbriefungen betroffen. Viele Anleger befürchten, dass die in diesem Umfang unerwarteten Herabstufungen die Belastungen der Finanzdienstleister abermals verstärken werden. In den ersten Herabstufungswellen der Monate August bis Dezember hatte S&P die Bonitätsnoten um durchschnittlich acht Schritte reduziert. Auch dieses Mal handelt es sich nicht um marginale Veränderungen. Die Ratingagentur selbst schätzt, dass sich die Verluste der Banken aus den Subprime-Engagements von 90 auf 265 Milliarden Dollar erhöhen werden.

Die Verbriefungsmärkte könnten durch die Herabstufungen unmittelbar unter Verkaufsdruck gesetzt werden, denn viele Investoren dürfen Wertpapiere nicht mehr halten, deren Rating zu tief gesunken ist. Sie könnten nun zu Verkäufen gezwungen sein und so den Preisrutsch der Verbriefungen verstärken. Die gleiche Befürchtung nährten Gerüchte über bevorstehende Herabstufungen für amerikanische Anleiheversicherer. Sie garantieren in riesigem Umfang die Anleihen von amerikanischen Städten, aber auch Subprime-Verbriefungen. Sollten die Anleiheversicherer ihre guten Ratings verlieren, hätten auch die Garantien kaum noch Wert, was zu weiteren Herabstufungen der Verbriefungen führen könnte.

Doch selbst bei Investoren, die Subprime- und andere Verbriefungen trotz der Herabstufungen halten dürfen, könnte es zu weiteren belastenden Wirkungen kommen. Viele insbesondere der kleineren Banken hätten Wertberichtigungen auf ihre Subprime-Anlagen bisher vermieden, schreiben die S&P-Analysten. Die Herabstufungen der Bonitätsnoten könnten sie nun dazu zwingen, die erforderlichen Abschreibungen nachzuholen.

Die neuen Ratings können außerdem zu einer zusätzlichen Belastung des Eigenkapitals der Banken führen. Nach den neuen Aufsichtsregeln ist die Summe an Eigenkapital, die als Absicherung für eine Forderung erforderlich ist, vom Risiko abhängig. Nach Tabellen, die auf der Internetseite der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin zu finden sind, erfordert eine erstklassig bewertete Verbriefung zum Beispiel je nach Struktur und Rang 0,56 bis 1,6 Prozent des bilanzierten Wertes an Eigenkapitalhinterlegung – also bei einem Nennwert der Verbriefung von einer Million Euro zwischen 5600 und 16 000 Euro Eigenmittel.

Sinkt die Bonitätsnote der Verbriefung zum Beispiel um acht Stufen von „AAA“ auf „BBB“, dann steigt die Eigenkapitalanforderung auf 4,8 bis 6 Prozent. Bei einer Million Euro Verbriefungswert sind dann also zwischen 48 000 und 60 000 Euro an Eigenmitteln erforderlich. Noch größer ist der Sprung, wenn aus einem mittleren „BBB“-Rating eine Ramschnote wie „B“ wird. Denn dann würde sich die Eigenkapitalanforderung für die Position um mehr als das zwanzigfache erhöhen. Da manche Banken Milliardensummen investiert haben, kann der Bedarf an Eigenkapital in nennenswertem Umfang steigen. In solchen Fällen verringert sich bei konstanter Kapitalausstattung die Fähigkeit, neue Kredite zu vergeben, was mittelfristig zu einem belastenden Faktor für die Wirtschaft werden kann.

Die Bafin wollte sich am Donnerstag auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob aus den Herabstufungen der amerikanischen Kreditverbriefungen auch auf deutsche Banken Belastungen zukommen könnten. Vor einigen Tagen hatte sie allerdings signalisiert, dass die deutschen Versicherer von Risiken, die aus der Verbriefung von Krediten resultieren, nicht in größerem Umfang betroffen sind. Dennoch standen auch deutsche Versicherer und Banken am Donnerstag unter Verkaufsdruck. Deutsche Bank, Commerzbank, Hypo Real Estate und Allianz zählten zu den größten Tagesverlierern unter den Werten des Deutschen Aktienindex Dax.

GvD.news
01.02.2008, 09:21
Japans Finanzhäuser stärker von der Krise betroffen
Die Gewinne gehen stark zurück / Mizuho setzt Ertragsziel herab

pwe. TOKIO, 31. Januar. Die japanischen Finanzhäuser sind stärker von der Subprime-Krise betroffen als bislang erwartet. Die Mizuho Financial Group meldete am Donnerstag für die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres Verluste rund um die Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten von 345 Milliarden Yen, rund doppelt so viel wie noch im November erwartet. Mizuho setzte seine Gewinnerwartung für das Geschäftsjahr, das im März endet, von 650 auf 480 Milliarden Yen herab. Damit würde der Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent sinken. Mehr als zwei Drittel der Subprime-Verluste verbuchte Mizuho bei der Tochtergesellschaft Mizuho Securities. Diese meldete allein Abschreibungen auf Anlagen, die durch Spezialversicherungen (Monoline) abgesichert sind, von 49 Milliarden Yen.

Die größte japanische Bank, Mitsubishi UFJ Financial Group, benannte am Donnerstag die realisierten Verluste aus Anlagen rund um zweitklassige amerikanische Hypotheken zum Stand Ende Dezember mit 55 Milliarden Yen, 51 Milliarden Yen mehr als noch Ende September. Hinzu kommen 31 Milliarden Yen an Wertberichtigungen. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet Mitsubishi UFJ mittlerweile eine Belastung von 95 Milliarden Yen, nach früher genannten 27 Milliarden Yen. Die Bankengruppe behielt dennoch das Gewinnziel für dieses Geschäftsjahr von 600 Milliarden Yen bei; dies entspricht einem Rückgang von 31 Prozent. Bei diesem Vergleich ist wie bei Mizuho zu berücksichtigen, dass die Banken im Vorjahr von Sonderfaktoren profitierten.

Mizuho erwirtschaftete im dritten Quartal einen Überschuss von 393 Milliarden Yen, nach fast 580 Milliarden Yen vor einem Jahr. Die Bank meldete größere Zinsgewinne im Kerngeschäft der Ausleihungen und Einlagen; das Ergebnis wird aber vorwiegend durch höhere Kreditkosten bestimmt.

Mizuho hatte sich unlängst an der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch beteiligt, die durch die Subprime-Krise wie die meisten amerikanischen Banken deutlich stärker betroffen ist als die japanischen Geldhäuser. Auch die anderen japanischen Großbanken haben angekündigt, dass sie verstärkt im Ausland nach Beteiligungen Ausschau halten wollen. Mitsubishi UFJ berichtete von einem Überschuss im Zeitraum von April bis Dezember von 314,6 Milliarden Yen, nach 690,5 Milliarden Yen im Vorjahr. Quartalsdaten gab die Bank nicht bekannt.

Japans größtes Wertpapierhaus, Nomura Holdings Inc., meldete am Donnerstag gleichfalls einen drastischen Gewinnrückgang. Im Zeitraum von Oktober bis Dezember fiel der Überschuss auf 22,65 Milliarden Yen, weniger als ein Drittel des Vorjahreswertes. Unter den japanischen Finanzhäusern hatte Nomura vergangenen Herbst bislang den größten Subprime-induzierten Verlust gemeldet. Nach Angaben des Finanzvorstands Masafumi Nakada hat Nomura durch Spezialversicherungen (Monoline) abgesicherte Anlagen von insgesamt 79 Milliarden Yen. Davon seien 42 Milliarden Yen durch Gegengeschäfte abgesichert. Im verbleibenden Portfolio von 37 Milliarden Yen sei bislang ein Verlust von 10 Milliarden Yen entstanden.

GvD.news
01.02.2008, 09:22
Amazon lässt viele Fragen offen
Der Umsatz steigt, aber die Margen bereiten Sorge

lid. NEW YORK, 31. Januar. Der amerikanische Online-Händler Amazon.com hat mit seinem Quartalsbericht an der Börse wenig Beifall geerntet. Amazon hat zwar sein Geschäft im abgelaufenen Quartal deutlich ausgebaut. Allerdings äußerten sich Analysten besorgt über die Margen von Amazon, die schon in der Vergangenheit oft enttäuscht hatten. Der Aktienkurs von Amazon verlor am Donnerstag zu Börsenbeginn mehr als 7 Prozent an Wert, erholte sich im Handelsverlauf jedoch und drehte sogar ins Plus. Amazon hat ein gutes Jahr an der Börse hinter sich. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Kurs um mehr als 90 Prozent gestiegen. Amazon meldete nun für das vierte Quartal eine Umsatzsteigerung um 42 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar. Damit hat sich das Unternehmen besser entwickelt als von Analysten erwartet, die im Schnitt mit 5,4 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Ohne Berücksichtigung von Währungseffekten hätte Amazon nach eigenen Angaben ein Plus von 37 Prozent geschafft.

Auch auf dem amerikanischen Heimatmarkt konnte Amazon deutlich zulegen, obwohl viele andere Unternehmen hier zuletzt von einer stärkeren Zurückhaltung der Verbraucher beim Einkaufen berichteten. Amazon meldete für den gesamten nordamerikanischen Markt ein Umsatzwachstum von 40 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Im Ausland legte das Unternehmen um 46 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar zu.

Beim Nettogewinn schaffte Amazon mehr als eine Verdopplung von 98 Millionen auf 207 Millionen Dollar. Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 48 Cent traf genau die Analystenschätzungen. Für das Gesamtjahr 2007 meldete Amazon ein Umsatzwachstum um 39 Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn erhöhte sich von 190 Millionen auf 476 Millionen Dollar.

Kritisch blickten Analysten einmal mehr auf die Margen des Unternehmens: Der Betriebsgewinn von Amazon erreichte im Schlussquartal 4,8 Prozent des Umsatzes und blieb damit leicht unter dem Vorjahreswert. Die Prognose für den Betriebsgewinn im laufenden Jahr verfehlte die Erwartungen: Amazon sagt hier 785 Millionen bis 985 Millionen Dollar voraus. Das würde zwar einem Anstieg von bis zu 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 655 Millionen Dollar entsprechen. Analysten hatten aber mit mehr als einer Milliarde Dollar gerechnet.

Die Entwicklung des Betriebsgewinns hat Analysten schon in der Vergangenheit zu denken gegeben, weil sich darin hohe Kosten äußern. Amazon verfolgt seit Jahren die Strategie, in der Hoffnung auf künftiges Geschäft viel Geld auszugeben, zum Beispiel für kostenlose Versandangebote oder neue Technologien. Das Unternehmen hat aber in jüngster Zeit in Aussicht gestellt, sich stärker zurückhalten zu wollen, und damit Hoffnung auf höhere Margen gemacht. Amazon hat auch sehr lange gebraucht, um überhaupt unter dem Strich profitabel zu werden. Das 1994 gegründete Unternehmen hat erstmals im Jahr 2003 einen Nettogewinn ausgewiesen.

Das Management des Online-Händlers sieht keinen Anlass zur Sorge: „Unserem Geschäft geht es gut“, sagte Finanzvorstand Tom Szkutak in einer Telefonkonferenz. Amazon gab auch eine optimistische Umsatzprognose: Das Unternehmen sagt für das Gesamtjahr 2008 einen Umsatz von 18,75 Milliarden bis 19,75 Milliarden Dollar voraus. Analysten hatten im Schnitt mit 18,25 Milliarden Dollar gerechnet.

Zufrieden zeigte sich Amazon mit der Entwicklung des digitalen Lesegeräts „Amazon Kindle“, das im November auf den Markt gekommen ist. Das Gerät, mit dem ganze Bücher heruntergeladen und zum Lesen abgerufen werden können, ist bei seiner Einführung auf großes öffentliches Interesse gestoßen. Es wird in Amerika für 399 Dollar verkauft, Pläne für eine Einführung in Deutschland gibt es bislang nicht. Amazon-Vorstandschef Jeff Bezos wollte keine genauen Zahlen nennen, sagt aber, der Kindle verkaufe sich besser als erwartet und Amazon müsse die Produktion ankurbeln, um die Nachfrage zu decken. Amazon kündigte am Donnerstag außerdem an, das amerikanische Unternehmen Audible Inc., einen Anbieter von digitalen Hörbüchern, für 300 Millionen Dollar zu kaufen.

GvD.news
01.02.2008, 09:22
Die Arbeitslosigkeit steigt im Januar
Der Zuwachs fällt vor allem wegen des warmen Wetters geringer aus als für die Jahreszeit üblich. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt hoch.

svs. FRANKFURT, 31. Januar. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Deutschland ist von Dezember auf Januar um rund 250 000 auf fast 3,7 Millionen gestiegen. Das waren 625 000 gemeldete Personen weniger als ein Jahr zuvor. Die Quote stieg um 0,6 Punkte auf 8,7 Prozent. Dies gab die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg bekannt. Die Zunahme führte deren Vorstandsvorsitzender Frank-Jürgen Weise vor allem auf jahreszeitliche Gründe zurück. Im Winter meldeten sich vor allem Beschäftigte in den Außenberufen, etwa am Bau oder im Dachdeckerhandwerk, bei den Arbeitsagenturen. Wegen des bislang relativ warmen Wetters fiel der Zuwachs in diesem Jahr um rund 90 000 Arbeitslose niedriger aus als im Durchschnitt der vergangenen beiden Jahre. Um diese saisonalen Effekte bereinigt ergibt sich sogar ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um 89 000. Dies zeige, dass die gute Konjunktur den Arbeitsmarkt weiter belebe, sagte das BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Es lägen weiterhin keine Anzeichen für eine Wende am Arbeitsmarkt vor. Darauf deuteten neben der Arbeitslosigkeit auch die Entwicklung der Beschäftigung und des Stellenangebotes hin.

Vertreter der Bundesregierung sahen dadurch ihre Politik bestätigt. „Deutschland bleibt auf Wachstumskurs“, sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Trotz Bankenkrise und Nokia-Schließung dauere der Aufschwung am Arbeitsmarkt an. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sprach vom Arbeitsmarkt als Konjunkturstütze angesichts sich eintrübender weltwirtschaftlicher Perspektiven. Die positive Entwicklung sei auf die Deregulierung in der Vergangenheit etwa des Zeitarbeitsmarktes zurückzuführen. Glos warnte deshalb vor einer Kursänderung: „Bei der Zeitarbeit dürfen wir keine neuen Hürden aufbauen.“ Kritischer bewertete die Opposition die Arbeitsmarkdaten. Eine rasche Senkung der Steuern und Abgaben forderte Rainer Brüderle, der stellvertretende FDP-Vorsitzende, „bevor sich die Auftragsbücher der Unternehmen geleert haben“. Auch Brigitte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, plädierte für „eine Weichenstellung, solange der Konjunkturzug noch fährt“. Allerdings schlug sie gezielt eine Entlastung von Geringverdienern vor. Grüne und Linkspartei warfen der Koalition außerdem vor, mit der Verlängerung des Arbeitslosengeldbezugs die Älteren aus der Statistik zu nehmen und diese zu schönen.

Die Zahl der Erwerbstätigen ist nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes gegenüber dem Vormonat um 140 000 auf 40,15 Millionen gefallen. Der Rückgang sei geringer ausgefallen als zu dieser Jahreszeit üblich. Saisonbereinigt ergab sich damit ein Anstieg der Erwerbstätigenzahl um 37 000. Die wichtige Teilgruppe der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist nach ersten Hochrechnungen der Nürnberger Behörde im November um mehr als 30 000 auf 27,5 Millionen gewachsen. Das waren 545 000 Sozialversicherte mehr als vor einem Jahr. Kleiner geworden ist dagegen die Gruppe der Menschen in staatlich geförderter Beschäftigung. Die Zahl der Personen in Ein-Euro-Jobs ging innerhalb eines Jahres um 9 Prozent auf zuletzt 280 000 zurück.

Weiter auf hohem Niveau befindet sich laut Weise die Nachfrage nach Arbeitskräften. Insgesamt waren im Januar rund 930 000 offene Stellen bekannt, das waren 131 000 mehr als vor einem Jahr. Den größten Teil (528 000) hatten Arbeitgeber den Agenturen zur Vermittlung gemeldet. Dies waren 65 000 weniger als vor einem Jahr. In neun von zehn Fällen waren die Arbeitsplätze sofort zu besetzen. In knapp zwei Drittel der Fälle handelte es sich bei den gemeldeten Offerten um „normale, sozialversicherungspflichtige Stellen“.

GvD.news
01.02.2008, 09:22
Wegen des VW-Gesetzes drohen Zwangsgelder
Gutachten: Beibehaltung des Vetorechts für Niedersachsen verstößt gegen EuGH-Urteil

jja. Frankfurt, 31. Januar. Der Plan der Bundesregierung, das VW-Gesetz in wesentlichen Punkten aufrechtzuerhalten, verstößt gegen Europarecht. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der renommierten Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer im Auftrag des Sportwagenbauers Porsche, das dieser Zeitung vorliegt. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) unter Hinweis auf die Studie zur vollständigen Abschaffung des Gesetzes aufgefordert (F.A.Z. vom 31. Januar).

Die Freshfields-Anwälte stufen es als „europarechtswidrig“ ein, dass Zypries an der erforderlichen Mehrheit von 80 Prozent auf der Hauptversammlung für Grundsatzentscheidungen festhalten will. Wenn die Aufhebung dieser Vorschrift unterbleibe, könne die Europäische Kommission in Brüssel erneut ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland einleiten. Dies hätte zur Folge, dass der Europäische Gerichtshof (EuGH) Zwangsgelder verhängen könnte. Ebenso könne ein deutsches Gericht in einem Rechtsstreit – etwa auf Antrag von Porsche – die Luxemburger Richter einschalten.

Zypries will zwar wegen deren Urteil das bisherige Höchststimmrecht von 20 Prozent abschaffen (F.A.Z. vom 17. Januar). Doch argumentiert sie, der EuGH habe die von ihm ebenfalls gerügte Sperrminorität von 20 Prozent nicht als solche verworfen, sondern nur im Zusammenspiel mit dem bisherigen Höchststimmrecht. Dieser Interpretation widersprechen die Gutachter nachdrücklich. Der EuGH habe jede der beiden Vorschriften einzeln und für sich gekippt. Dabei berufen sich die Aktienrechtler auf einzelne Formulierungen des Urteils sowie auf die vorherigen Anträge der Brüsseler Kommission und auf das Votum des Generalanwalts, die ebenfalls „unmissverständlich“ die Streichung beider Regelungen gefordert hätten. Wenn die Europarichter sich dem nicht vollständig hätten anschließen wollen, schreibt Freshfields, hätten sie der Behörde sicherlich wenigstens einen Teil der Verfahrenskosten auferlegt.

Doch beschränken sich die Anwälte nicht auf eine Auslegung des Urteils, sondern pochen zudem auf die Bestimmungen im EU-Vertrag. Die dort garantierte Kapitalverkehrsfreiheit verbiete nicht nur eine Diskriminierung einzelner Aktionäre. Gemeinschaftsrechtswidrig sei schon jede Maßnahme, die die Ausübung der Grundfreiheiten bei Direktinvestitionen behindere oder „weniger attraktiv“ mache. Eine Rechtfertigung für diese Beschränkung komme nicht in Betracht. Denn dieses Privileg für das Land Niedersachsen, das rund 20 Prozent der Anteile hält, sei weder zum Schutz der Arbeitnehmer noch der Minderheitsaktionäre erforderlich. Zwar dürften die Anteilseigner eine solche Regelung in der Satzung treffen, aber nicht der Staat durch Gesetz.

Die Anwälte loben, dass Zypries das Entsenderecht der öffentlichen Hand streichen will. Nach dem allgemeinen Aktiengesetz kann ein solches zwar auch in der Satzung festgelegt werden, allerdings nur noch für drei statt bisher vier Aufsichtsratsmitglieder. Nicht untersucht haben die Gutachter den Plan, auch die vorgeschriebene Zwei-Drittel-Mehrheit im Aufsichtsrat bei Standortentscheidungen – und damit den besonderen Einfluss der Arbeitnehmer bei VW – beizubehalten.

GvD.news
01.02.2008, 09:23
Amerikas Zinssenkung verpufft am Aktienmarkt
Die Fed hat nur ein Strohfeuer entzündet. Die Angst vor weiteren Abschreibungen wegen der Finanzkrise überwiegt. Zudem gibt es Inflationssorgen.

ctg./ham./ppl. WASHINGTON/FRANKFURT, 31. Januar. Die Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank Fed vom Mittwoch hat die Stimmung an den Aktienmärkten nur für kurze Zeit aufgehellt. Unter den Börsianern wuchs am Donnerstag die Befürchtung wieder, dass die Krise im Finanzsystem noch längst nicht ausgestanden ist und zusätzliche Wertberichtigungen der Banken in Milliardenhöhe anstehen. Genährt wurde diese Vermutung durch eine Warnung der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P).

S&P befürchtet Verluste im Zusammenhang mit Wertpapieren, die mit zweitklassigen Hypotheken besichert sind, von mehr als 265 Milliarden Dollar. Händler mutmaßten daher, die Deutsche Bank werde zu weiteren Abschreibungen gezwungen sein. Am nächsten Donnerstag wird sie Geschäftszahlen für 2007 vorlegen. Die Deutsche Bank kommentierte die Spekulationen nicht. Sie hat 2,2 Milliarden Euro auf Wertpapiere abgeschrieben und mehrfach ihr Ziel bekräftigt, einen bereinigten Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro zu erreichen. Der Aktienkurs der Deutschen Bank brach zeitweise um fast 5 Prozent auf 73 Euro ein, zum Handelsende betrug das Minus noch 2 Prozent. Die Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) befürchtet, den Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse könnten weitere Abschreibungen drohen. Die Risiken griffen auf Kreditkarten, Kleinkredite und Gewerbekredite über, warnte EBK-Chef Daniel Zuberbühler.

Der Deutsche Aktienindex Dax gab am Donnerstag um 0,3 Prozent auf 6852 Punkte nach. Für zusätzlichen Druck auf die Aktienkurse sorgten am Nachmittag schlechte amerikanische Arbeitsmarktdaten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der abgelaufenen Woche überraschend deutlich. An der Wall Street eröffneten die Aktienkurse tiefer, erholten sich aber im Handelsverlauf. Seit Jahresbeginn hat der Dax nun 16 Prozent verloren. Der amerikanische Aktienindex S&P 500 liegt mit 7 Prozent im Minus. Angesichts der Aktienschwäche zieht es Anleger zunehmend in den Rentenmarkt. Der Euro stieg am Donnerstag in der Spitze bis auf einen Kurs von 1,4913 Dollar.

Derweil rechnen zahlreiche Marktakteure und Bankvolkswirte damit, dass die Fed den Leitzins in den kommenden Monaten weiter senken wird. Die beiden Zinsschritte am vergangenen Dienstag und an diesem Mittwoch um insgesamt 1,25 Prozentpunkte waren die abrupteste Senkung seit fast 25 Jahren. Mit der Lockerung der Geldpolitik verbindet die Notenbank die Hoffnung, dass Geschäftsbanken ihre Kreditzinsen verringern und damit sowohl dem Konsum als auch den Unternehmensinvestitionen neuen Schwung verleihen.

„Die Fed hat die Tür zu einer weiteren Zinssenkung geöffnet; aber sie hat auch die Erwartungen eines deutlichen Zinsschrittes zu dämpfen versucht“, kommentierte David Greenlaw von Morgan Stanley die jüngste Zinssenkung von 3,5 auf 3 Prozent. Greenlaw verweist darauf, dass die Währungshüter in der schriftlichen Begründung zum Beschluss die Konjunkturrisiken nicht mehr, wie noch in der vergangenen Woche, als „beträchtlich“ bezeichnet haben. Er hält an seiner Prognose fest, dass der Leitzins bis zur Jahresmitte auf 2,5 Prozent fallen wird. Die deutsche Commerzbank erwartet ein Absenken bis Juni auf 2 Prozent.

Doch mehren sich auch die kritischen Stimmen zum Kurs der amerikanischen Notenbank. „Die Fed hat nicht den Willen gezeigt, die Märkte und deren Erwartungen einer Zinssenkung zu enttäuschen“, sagt beispielsweise John Ryding, Chefökonom für Amerika bei Bear Stearns in New York. „Wir steuern auf größere Inflationsprobleme zu.“ Auch der Chefökonom Deutschland von Barclays Capital, Thorsten Polleit, kritisiert, die Fed betreibe eine „klar inflationäre Politik“. Dies verstärke die Instabilität der Wirtschaft. „Ich glaube nicht, dass ihre Zinsentscheidungen außer Inflation einen realen Effekt haben werden.“ Die Kerninflationsrate der amerikanischen Verbraucherpreise, die Lebensmittel- und Energiepreise unberücksichtigt lässt, lag im vierten Quartal 2007 bei 2,7 Prozent.

Im Euro-Raum zog die Teuerungsrate im Januar an. Nach einer Vorausschätzung von Eurostat erreichte sie 3,2 Prozent nach 3,1 Prozent im Dezember. Nur eine Minderheit der Ökonomen hatte eine weitere Beschleunigung erwartet. In Deutschland ging die Inflationsrate im Januar nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes auf 2,7 Prozent zurück. Die von der Europäischen Kommission nach Umfragen berechneten Indices für Unternehmens- und Konsumentenvertrauen sanken im Januar. Besonders die Verbraucher zeigten sich verunsichert. Der Stimmungsindikator fiel auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2006, teilte die Kommission am Donnerstag mit.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist damit in einem Dilemma: Zum einen bereitet ihr die Inflation große Sorge, wie sie mehrfach betont hat. Zum anderen steht sie unter Druck, ihren Leitzins von derzeit 4 Prozent nach dem Vorbild der Fed zu senken. An den Finanzmärkten wird vielfach auf Zinssenkungen im zweiten Quartal spekuliert. Bundesbankpräsident Axel Weber hatte dies vor einer Woche als „Wunschdenken“ abgetan. Er versicherte, dass er den wirtschaftlichen Ausblick im Euro-Raum positiv beurteile. Der EZB-Leitzins sei nicht zu restriktiv.

GvD.news
10.02.2008, 23:01
Fastnacht & Urlaubspause ;-)

GvD.news
10.02.2008, 23:13
Flucht in die Sicherheit
In den vergangenen Tagen haben die Aktienbörsen kräftig nachgegeben. Die Kurse von Staatsanleihen sind gestiegen.

FRANKFURT, 10. Februar. Das Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben führenden Industrienationen (G 7) am Wochenende in Tokio dürfte die Nervosität an den Finanzmärkten keineswegs beruhigen. Denn einig waren sich die Politiker nur in einem: dass die Weltwirtschaft schwierigen Zeiten entgegengeht. Die Flucht in die Sicherheit – weg aus Aktien, insbesondere Finanzwerten, hin zu Staatsanleihen – dürfte sich deshalb fortsetzen.

Die Situation ist in der Tat vertrackt. So zeichnet sich ab, dass das Wirtschaftswachstum in allen G-7-Ländern abflaut; in den Vereinigten Staaten ist nach den jüngsten Konjunkturdaten sogar eine Rezession wahrscheinlich. Doch nimmt gleichzeitig der inflationäre Preisauftrieb immer noch zu: Die Preise für Weizen und Soja sind in den vergangenen Tagen kräftig gestiegen und haben jeweils ein Rekordniveau erreicht. Zudem ist der Rohölpreis wieder über 90 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Beides zusammen nährt Sorgen, dass einige Volkswirtschaften, allen voran die amerikanische, demnächst in eine „Stagflation“ geraten könnten, also eine Phase wirtschaftlicher Stagnation bei gleichzeitiger Inflation.

Mit großer Spannung wird deshalb erwartet, wie am Mittwoch der Bericht über die amerikanischen Einzelhandelsumsätze im Januar ausfällt. Die Konsensprognose sagt einen leichten Rückgang gegenüber Dezember voraus. Am Donnerstag werden dann Ben Bernanke, der Chef der amerikanischen Notenbank, sowie Henry Paulson, der Finanzminister, vor einem Kongressausschuss ihre Einschätzung der Lage darlegen.

Die amerikanische Politik hat auf die Stagflationsgefahr bereits mit einem Doppelschlag geantwortet: Senkung der Leitzinsen und Auflage eines kreditfinanzierten Konjunkturprogramms. Das G-7-Treffen am Wochenende hat deutlich gemacht, dass die übrigen Regierungen den Amerikanern auf diesem Weg nicht folgen wollen. Sie sehen jeweils wenig fiskalpolitischen Spielraum, die Konjunktur anzukurbeln. Dabei spielt eine Rolle, dass der Nutzen solcher Programme als zweifelhaft gilt, zudem die Konsolidierung der Staatshaushalte fast überall das dringendere innenpolitische Ziel ist.

Auch was die Zinspolitik anbelangt, herrscht keine Einigkeit. Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am vergangenen Donnerstag zwar die Tür zu Leitzinssenkungen einen Spalt weit geöffnet, als er in seinem Kommuniqué die Konjunkturrisiken hervorhob. Die Volkswirte der Deutschen Bank haben daraufhin gleich ihre Leitzinsprognose weiter herabgesetzt: Sie erwarten nun, dass die EZB den Leitzins von derzeit 4 Prozent bis Jahresende auf 3 Prozent senken wird. Auch die meisten übrigen EZB-Beobachter sagen nun für die kommenden Monate, beginnend im April, Zinssenkungen voraus, meist allerdings nur auf 3,5 Prozent. Doch könnte der jüngste Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise einen Strich durch diese Erwartungen machen. Denn der EZB-Rat wird sich schwertun, den Leitzins zu senken, wenn die Inflationsprognose, welche die EZB Anfang März veröffentlicht, nicht nur für dieses Jahr, sondern auch für 2009 auf eine Teuerungsrate von mehr als 2 Prozent lautet. Im Dezember hatte die EZB für 2009 im Mittel eine Inflation von 1,8 Prozent vorhergesagt – was genau dem Ziel entsprach. Zu den Konjunktur- und Inflationssorgen kommen Befürchtungen hinzu, dass sich die Kreditkrise ausweitet. So deuten die Quartalsberichte einiger amerikanischer Banken darauf hin, dass die Verluste aus Hypothekenkrediten an schlechte Schuldner („subprime“) noch deutlich höher ausfallen werden als bisher veranschlagt. Daneben hat die Angst vor einer Rezession nun auch Unternehmenskredite und Hypotheken für gewerbliche Immobilien ergriffen: Auf beiden Märkten sind die Risikoprämien in den vergangenen Tagen stark gestiegen, weil für die nächste Zeit mit höheren Ausfallraten gerechnet wird. Beispielsweise ist der europäische Index für die Versicherung von Unternehmenskrediten mit guter Bonität am Freitag auf 97,75 Basispunkte gesprungen, ein Rekordhoch. Der Risikoprämienindex für riskante Unternehmenskredite ist seit Jahresbeginn von rund 350 auf 530 Basispunkte nach oben geschnellt. Der Markt für Kreditversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps, ist seit Beginn des Jahrzehnts exponentiell gewachsen und hat inzwischen ein Nominalvolumen, das nach Billionen Euro zählt – was von den Notenbanken schon seit langem mit Sorgen beobachtet wird.

Die Investoren haben auf diese Entwicklungen in den vergangenen Tagen mit einer Flucht in die Sicherheit reagiert. Fast alle großen Aktienindizes erlitten im Wochenvergleich deftige Einbußen von 4 Prozent und mehr; der Deutsche Aktienindex Dax kam da mit einem Wochenminus von 2,9 Prozent noch glimpflich davon. Besonders heftig erwischte es, kaum überraschend, Finanzwerte. An der Wall Street rauschte der Subindex für Banken sogar um 8,6 Prozent nach unten, der höchste Wochenverlust seit dem katastrophalen Terroranschlag auf das Finanzzentrum im September 2001. Selbst die Aktie der Deutschen Bank, die ein respektables Jahresergebnis vorlegte, verlor im Wochenverlauf 2 Prozent.

Von der Suche nach sicheren Anlagen profitierten Staatsanleihen: Ihre Kurse stiegen, ihre Renditen fielen. So ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Freitag auf 3,85 Prozent gefallen, den tiefsten Stand seit mehr als einem Jahr. Und in Amerika ergab sich bei der jüngsten Versteigerung von dreißigjährigen Staatsanleihen eine Emissionsrendite von 4,45 Prozent – ein Rekordtief. Angesichts der niedrigen Zinsen und der beträchtlichen Schwierigkeiten der amerikanischen Wirtschaft auf den ersten Blick überraschend hat der Dollar zuletzt an Wert gewonnen. Zum Wochenschluss kostete ein Euro nur noch 1,45 Dollar. Devisenhändler erklären dies damit, dass amerikanische Investoren angesichts der erhöhten Unsicherheit – oder um Verluste abzudecken – Engagements im Ausland auflösten. Das führe zu einer erhöhten Nachfrage nach Dollar und treibe dessen Wechselkurs nach oben.

GvD.news
10.02.2008, 23:14
Microsoft holt Sony-Ericsson ins Boot
Seit fünf Jahren versucht Microsoft im Mobilfunkmarkt Fuß zu fassen. Inzwischen nutzen fast alle Handyhersteller seine Software – außer Nokia und Apple. Jetzt will auch Google mitmischen. Zwischen diesen Polen entscheidet sich künftig der Wettbewerb um den Kunden im Mobilfunk.

Der Softwareanbieter Microsoft kommt mit seinem Bemühen voran, immer tiefer in den Mobilfunkmarkt vorzudringen. Jetzt hat der Konzern auch den Handyhersteller Sony-Ericsson ins Boot holen können. Der drittgrößte Anbieter von Mobiltelefonen präsentierte am Sonntagabend in Barcelona sein erstes Gerät, das mit dem Betriebssystem Windows Mobile von Microsoft läuft. Das Gerät soll unter der neuen Marke Xperia vertrieben werden, die künftig mobiles Internet und Multimediaunterhaltung in Geräten im höheren bis teuren Preissegment vereinen soll – und damit vor allem auf den Privatkunden ausgerichtet ist.

Dass Sony-Ericsson ausgerechnet für diese Kategorie das von den großen Herstellern hin und wieder etwas belächelte Windows Mobile als Betriebssystem gewählt hat, wird von Branchenbeobachtern als unverhohlener Affront gegenüber dem von Nokia dominierten Wettbewerber Symbian und dessen Betriebssystem gewertet. Gerade Nokia und Symbian haben sich eine Konzentration auf Multimedia und die permanente Verbindung der Geräte mit dem Internet auf die Fahnen geschrieben. Sowohl Sony-Ericsson als auch Nokia wissen, dass sie nur so gegenüber dem neuen Wettbewerber Apple und seinem iPhone bestehen können.

Das Betriebssystem der Handys, das den multimedialen Alleskönnern erst ihr Leben einhaucht, ist für Microsoft das ideale Einfallstor in den Milliardenmarkt Mobilfunk, und der Konzern versucht seit fünf Jahren mit hohem finanziellen Aufwand einen Fuß in die Tür zu bekommen. „Wir haben international inzwischen 140 Geräte mit dem Windows-Mobile-Betriebssystem auf dem Markt. Im vergangenen Geschäftsjahr von Microsoft haben wir den Umsatz mit dem Betriebssystem verdoppelt und es sind etwa 20 Millionen solcher Handys verkauft worden. Im Geschäftsjahr davor waren es erst 11 Millionen Geräte“, erklärte Scott Horn, General Manager in der Mobile Devices Group von Microsoft gegenüber dieser Zeitung.

Angesichts von insgesamt mehr als 1,1 Milliarden im vergangenen Jahr verkauften Handys ist das zwar ein geringer Anteil, Horn sieht Microsoft dennoch auf einem guten Weg: Windows Mobile habe in dem Segment der als Smartphones bezeichneten Multimediamaschinen einen erheblichen Anteil gewinnen können. „Wir sind führend bei den Geräten, die vor allem von Geschäftsleuten benutzt werden“, erklärt er, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Allerdings sind die meist vom Hersteller HTC aus Taiwan gefertigten Zwitter aus elektronischem Notizbuch, E-Mail-Maschine, Terminkalender und Mobiltelefon wirklich recht erfolgreich und in Deutschland im Programm aller Mobilfunkanbieter zu finden. Bei T-Mobile heißen sie MDA, Vodafone vermarktet sie unter den Namen VDA und VPA ebenfalls unter dem eigenen Logo. O2 bringt sie unter dem Namen XDA auf den Markt – alle mit dem Betriebssystem von Microsoft. Auch Motorola und Samsung haben Geräte mit Windows Mobile im Programm.

Während diese Taschencomputer bisher eher von Geschäftskunden genutzt werden, hat Microsoft nach Angaben von Horn jetzt den Markt der Privatkunden im Visier. „Auch die Privatkunden wollen Smartphones mit den erweiterten Multimediaeigenschaften“, erwartet der Microsoft-Manager. Da kommt die neue Kooperation mit Sony-Ericsson gerade recht. Deren Geräte sind mit guten Kameras und MP3-Playern an Bord vor allem im höherwertigen Privatkundensegment positioniert – auch wenn das Unternehmen inzwischen auch preiswertere Angebote für den Massenmarkt in Schwellenländern ins Programm genommen hat.

Nachdem es jetzt auch Sony-Ericsson mit Microsoft versucht, ist Marktführer Nokia fast der einzige Hersteller, der sich dem Software-Giganten und seiner Handysoftware generell verweigert. Außer Nokia sind dies nur noch das kanadische Unternehmen Research in Motion (RIM) mit seinem Erfolgsgerät Blackberry und natürlich Apple mit dem iPhone. Hier läuft das hauseigene Apple-System OS X. Blackberry hat ebenfalls sein eigenes System, und Nokia setzt eben auf Symbian, an dem die Finnen mit 47 Prozent beteiligt sind. Aber auch Sony-Ericsson selbst hält 13,1 Prozent an Symbian, und auf die Muttergesellschaft Ericsson wiederum entfallen weitere 15,6 Prozent – was den gesamten Vorgang nach Einschätzung von Analysten abermals ein pikante Note gibt, zumal der Markt für diese Geräte überproportional schnell wächst.

Die Beobachter der britischen Canalys gehen davon aus, dass im vergangenen Jahr insgesamt rund 118 Millionen Smartphones über den Ladentisch gegangen sind. Das entspricht einem Zuwachs von 53 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im vierten Quartal erreichte das Plus sogar fast 72 Prozent. Damit liegt die Wachstumsrate dieser Mobiltelefone deutlich über dem Plus des gesamten Handymarktes, das die Beobachter von Strategy Analytics mit rund 12 Prozent auf ebenjene 1,1 Milliarden Stück ausgerechnet haben.

Die Analysten von IDC rechnen zudem damit, dass dieser Markt weiterhin erheblich schneller zulegen wird als der restliche Absatz von Mobiltelefonen. Schon im Jahr 2011 erwartet IDC einen Absatz von fast 315 Millionen Einheiten, was einem jährlichen Zuwachs von mehr als 30 Prozent und einem Marktanteil von etwa 22 Prozent entsprechen würde.

Auf eine Kontinuität dieser Marktbewegung hin zu den kleinen Alleskönnern setzt Microsoft und verweist auf eine der wichtigsten Eigenschaften dieser „Multimedia-Computer“, wie Nokia diese Gerätekategorie inzwischen nennt. Sie sind programmierbar. Wie auf dem Rechner am heimischen Schreibtisch lassen sich einzelne Applikationen aufspielen oder löschen. So wird das Handy zu einem noch genauer auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenen Gerät. Microsoft versucht an diesem Punkt seinen Vorteil auszuspielen, schon auf fast 90 Prozent der Computer vertreten zu sein und die enorme Vielzahl der Anwendungen. So soll eine einfache Synchronisation aller Datenbestände über die Gerätegrenzen hinweg sowohl für Geschäfts- als auch für Privatleute interessant sein und diese zum Windows-Handy greifen lassen.

Unter diesem Gesichtspunkt kommt dem Konzern sogar das iPhone des Erzrivalen Apple gelegen: „Das iPhone rückt wieder in den Vordergrund, welche Bedeutung die Software künftig für das Nutzerinteresse haben wird“, erklärt Horn. Das belegt auch das Android-Projekt des zweiten Microsoft-Erzfeindes Google.

Dafür hat der Suchmaschinenanbieter Ende vergangenen Jahres eine Kooperation von 30 verschiedenen Technologieunternehmen um sich geschart, um eine eigene Betriebssystemumgebung namens Android auf der Basis des freien Betriebssystems Linux zu entwickeln. Wichtig auch bei diesem Vorstoß ist vor allem die Tatsache, dass die Initiative um Google sofort alle Schnittstellen der Softwarearchitektur offengelegt hat, um es Programmierern zu ermöglichen, neue Anwendungen für Android zu schreiben oder bestehende Software anzupassen. Inzwischen kursieren Gerüchte, dass Google gemeinsam mit dem Chiphersteller Arm schon während der Messe in Barcelona einen Prototyp des Google-Phones vorstellen will – obwohl das Projekt noch ganz am Anfang steht.

Auch der Marktführer Nokia hat inzwischen auf die Tendenz hin zu einer stärkeren Bedeutung der vernetzten Dienste auf dem Handy reagiert. Das Unternehmen begann Mitte 2007 mit einer weitreichenden Umstrukturierung und ist nach dem Willen seines Vorstandsvorsitzenden Olli-Pekka Kallasvuo auf dem Weg zu einem Internetkonzern. Unter dem Titel Ovi – was im Finnischen Tür bedeutet – baut Nokia seither kräftig an einem eigenen Portal, das sowohl per Handy als auch vom heimischen Rechner aus besucht werden kann. Vor allem das Herunterladen von Musik – in Kooperation mit Warner Music –, Navigation und Handyspiele stehen bisher im Vordergrund. Es kann aber damit gerechnet werden, dass von Nokia während der Mobilfunkmesse in Barcelona an diesem Montag weitere Ankündigungen folgen werden.

Nokia hat bei den Betriebssystemen der Smartphones bisher einen eindeutigen Vorsprung vor den Wettbewerbern. So hält der von dem finnischen Unternehmen dominierte Anbieter Symbian nach Angaben von Canalys einen Anteil von rund 65 Prozent am Weltmarkt. Microsoft kommt mit Windows Mobile auf rund 12 Prozent, und Blackberry erreicht etwa 11 Prozent. Diese Balance wird sich nach Schätzungen von IDC aber verschieben: So soll Microsoft mit Windows Mobile bis zum Jahr 2011 bei knapp 20 Prozent liegen und Symbian auf immer noch gute 50 Prozent zurückfallen.

GvD.news
10.02.2008, 23:14
Yahoo weist Microsoft ab
Der Internetkonzern hält das Übernahmeangebot für zu niedrig. Die Yahoo-Führung fordert für ihre Aktionäre einen höheren Preis, der den Kauf für Microsoft um 12 Milliarden Dollar verteuern würde. Zugleich sucht Yahoo nach einem Weg, die Eigenständigkeit zu erhalten.

lid. NEW YORK, 10. Februar. Das amerikanische Internetunternehmen Yahoo lässt den Softwarekonzern Microsoft bei seinem feindlichen Übernahmeversuch zunächst einmal abblitzen. Wie die Finanzzeitung „Wall Street Journal“ am Wochenende berichtete, hat der Verwaltungsrat von Yahoo beschlossen, die Annäherung von Microsoft zurückzuweisen. Yahoo sieht sich mit dem von Microsoft gebotenen Preis „massiv unterbewertet“. Die Ablehnung soll am Montag offiziell mitgeteilt werden, die Unternehmen äußerten sich am Wochenende noch nicht offiziell dazu.

Microsoft hat Anfang Februar ein Angebot in Höhe von 44,6 Milliarden Dollar oder 31 Dollar je Aktie für Yahoo abgegeben. Der Preis entsprach einem erheblichen Aufschlag von 62 Prozent auf den damaligen Aktienkurs. Die Yahoo-Führung vertritt dennoch die Auffassung, Microsoft komme damit viel zu billig davon, zumal der Aktienkurs noch im November bei mehr als 31 Dollar notierte. Yahoo fordert dem Bericht zufolge für seine Aktionäre mindestens einen Preis von 40 Dollar je Aktie.

Das würde den Gesamtpreis für Microsoft um gut 12 Milliarden Dollar nach oben treiben. Das von Microsoft ursprünglich gemachte Angebot entspricht wegen der gesunkenen Aktienkurse im Moment ohnehin nur noch einem Preis von etwas mehr als 29 Dollar je Yahoo-Aktie. Microsoft will den Kaufpreis jeweils zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien bezahlen, und der Aktienkurs von Microsoft ist seit dem Angebot um 12 Prozent gesunken. Die Finanzmärkte haben bislang also klar negativ auf die Aktion von Microsoft reagiert und dürften wenig begeistert sein, wenn Microsoft den Preis so deutlich erhöhen würde wie von Yahoo erhofft.

Die Ablehnung von Yahoo kommt nicht überraschend. Der Vorstandsvorsitzende Jerry Yang hat in der Vergangenheit betont, die Unabhängigkeit des Unternehmens erhalten zu wollen, und dürfte nach Alternativen zum Microsoft-Angebot gesucht haben. Denkbar wäre eine Partnerschaft mit dem Wettbewerber Google. So könnte Yahoo das überlegene Werbesystem von Google nutzen und damit wohl aus dem Stand seine zuletzt schwachen Umsätze wieder ankurbeln. Damit wäre die Hoffnung verbunden, den Börsenwert zu steigern, ohne das Unternehmen verkaufen zu müssen. Der Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt hat sofort nach dem Vorstoß von Microsoft signalisiert, Yahoo unterstützen zu wollen. Auch eine solche Allianz würde aber einer Kapitulation von Yahoo gleichkommen, denn das Unternehmen hat viel Geld investiert, um im Geschäft mit Online-Suche und -Werbung gegenüber Google aufholen zu können. Yahoo hat Investmentbanken engagiert, die ihre Fühler nach anderen möglichen Bietern ausgestreckt haben. Es gilt aber unter Analysten als zweifelhaft, ob sich ein anderes Unternehmen auf einen Bieterstreit mit Microsoft einlassen würde, und bislang hat auch niemand seinen Hut in den Ring geworfen.

Die nach außen gedrungenen höheren Preisvorstellungen von Yahoo könnten nur eine Verhandlungstaktik sein, die am Ende dazu führt, dass sich beide Unternehmen irgendwo in der Mitte einigen. Nicht auszuschließen wäre es aber auch, dass Yahoo Microsoft damit abschrecken will und gleichzeitig darauf wettet, dass Microsoft nicht schwerere Geschütze auffahren lässt. Denn es wäre gut möglich, dass Microsoft es auf eine Kampfabstimmung bei der nächsten Aktionärsversammlung von Yahoo ankommen lässt und versucht, den Verwaltungsrat zu stürzen.

In den Vereinigten Staaten hat es in jüngster Zeit einige feindliche Übernahmerennen gegeben. In keinem prominenten Fall blieb das Objekt des Übernahmeversuchs am Ende unabhängig, und sofern keine anderen Interessenten gefunden wurden, landete sie auch beim ersten Bieter. Der Softwarekonzern Oracle zum Beispiel hat im vergangenen Herbst ein feindliches Angebot für den Wettbewerber Bea Systems abgegeben. Oracle ist zunächst abgeblitzt, einige Monate später einigten sich die beiden Seiten aber auf einen freundlichen Zusammenschluss zu einem deutlich höheren als dem ursprünglich vereinbarten Preis.

Der Medienkonzern News Corp. des Unternehmers Rupert Murdoch bot unaufgefordert für den Verlag Dow Jones, der mehrheitlich einer Unternehmerfamilie gehörte. Unter den Inhabern gab es zunächst einigen Widerstand, am Ende setzte sich Murdoch aber durch und musste auch sein ursprüngliches Angebot nicht erhöhen. Der kanadische Aluminiumkonzern Alcan wurde Ziel eines feindlichen Übernahmeversuchs durch den amerikanischen Wettbewerber Alcoa. Alcan wies Alcoa zurück und wurde am Ende zu einem deutlich höheren Preis an den Bergbaukonzern Rio Tinto verkauft.

GvD.news
10.02.2008, 23:14
Sparkassen segnen Umbau der West LB ab

DÜSSELDORF, 10. Februar (Reuters). Die Spitzen der Sparkassenverbände in Nordrhein-Westfalen haben dem lange umstrittenen Rettungsplan für die angeschlagene West LB zugestimmt. Die Vorstände des Rheinischen (RSGV) und des WestfälischLippischen Sparkassenverbandes (WLSGV) hätten „nach ausführlicher, intensiver Diskussion“ einstimmige Empfehlungen an die jeweiligen Verbandsversammlungen gegeben, teilten die beiden Institutionen nach einer gemeinsamen Sitzung am Samstag in Essen mit. Die Verbandsversammlungen finden am 15. Februar (RSGV) und am 18. Februar (WLSGV) in Düsseldorf und Münster statt. Auf Druck von Finanzaufsicht und Bundesbank hatten sich die zerstrittenen Eigner in einer Krisensitzung auf dringend benötigte zusätzliche Garantien über 3 Milliarden Euro verständigt. Dafür steht das Land Nordrhein-Westfalen gerade. Wenn es tatsächlich zur Kasse gebeten wird, erhält es von den übrigen Eigentümern, den Sparkassen- und Landschaftsverbänden, entweder West-LB-Aktien oder Geld. Zudem sollen 1500 von 5900 Arbeitsplätzen wegfallen.

GvD.news
10.02.2008, 23:15
Standpunkt: Joaqu

GvD.news
10.02.2008, 23:17
Wolfsburger Sonderrecht ohne Grund
SPD und CDU müssen die Vorrechte von Staat und Gewerkschaften bei VW aufgeben.

Die Stadt Wolfsburg liegt nicht weit von dem einstigen Todesstreifen mit Stacheldraht und Selbstschussanlagen entfernt, der bis zum Zusammenbruch der DDR „Zonengrenze“ genannt wurde. Doch 18 Jahre nach dem Fall der Mauer arbeiten SPD und CDU in trauter Eintracht an einem neuen Gesetz, um beim dortigen VW-Konzern den Staatssozialismus zu retten. Dieser Verstoß gegen die Grundprinzipien europäischer Investitionsfreiheit und marktwirtschaftlicher Ordnungspolitik ließe sich als Treppenwitz der Geschichte abtun, wenn es nicht um den größten Autobauer Europas ginge. Doch ausgerechnet dort will die große Bundestagskoalition den gescheiterten „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ unter Naturschutz stellen und der Räterepublik eines Marx, Engels oder Lenin ein letztes Reservat sichern.

Möglich gemacht hat das (vorerst) der Europäische Gerichtshof. Denn den Luxemburger Richtern unterlief ein kleiner Flüchtigkeitsfehler, als sie im vergangenen Oktober drei Elemente des VW-Gesetzes von 1960 für unvereinbar mit dem Europarecht erklärten. Die Europäische Kommission hatte in ihrer Klage dargelegt, dass jede dieser Vorschriften auch einzeln und nicht nur im Zusammenspiel miteinander rechtswidrig sei. Das Gericht hielt dies aber offenbar für so selbstverständlich, dass es das nicht ausdrücklich in sein Urteil hineinschrieb.

Damit lieferte es dem SPD-Parteichef Kurt Beck und seiner Bundesjustizministerin Brigitte Zypries einen Vorwand für ihre kürzliche Ankündigung, auf dem Paragraphenwege weiterhin das Vetorecht eines jeden Aktionärs auf 20 Prozent zu drücken. Weil dies ausschließlich dem Land Niedersachsen nutzt, das ziemlich genau diesen Anteil am Grundkapital hält, ziehen auch dessen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und die Gewerkschaften an demselben Strang. Das Nachsehen hat der Sportwagenbauer Porsche, der nach dem erwarteten Ende des gesetzlichen Schutzzauns die Macht bei VW übernehmen und den Konzern auf größere Effizienz trimmen wollte.

Um den Großinvestor aus Zuffenhausen abzuwehren, wollen Beck, Zypries und Wulff nur das bisherige Höchststimmrecht abschaffen. Fallen soll zudem das Entsenderecht der öffentlichen Hand in den Aufsichtsrat, das über die Regeln des allgemeinen Aktiengesetzes hinausgeht. Aber das ist eine Petitesse, weil es dabei im Vergleich zum normalen Aktienrecht nur um einen einzigen Sitz mehr oder weniger in dem Kontrollgremium geht.

Viel bedeutsamer ist eine weitere Bestimmung in dem Regelwerk, die SPD und CDU hingegen aufrechterhalten wollen. Diese hatten die Brüsseler Wettbewerbshüter gar nicht erst angegriffen – sei es aus politischer Rücksichtnahme oder weil hier das Europarecht nicht eindeutig entgegensteht. Es geht um jene Vorschrift im VW-Gesetz, die den Gewerkschaften in diesem Unternehmen eine einzigartige Machtstellung sichert: dass nämlich jede Entscheidung über einen Produktionsstandort eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat benötigt. Dadurch lässt sich gegen das Votum der Arbeitnehmervertreter keine Fabrik schließen. Nicht einmal eine neue Werkshalle an einem Niedriglohnstandort kann der Vorstand ohne Erlaubnis der Belegschaftsvertreter und der IG-Metall-Funktionäre errichten.

Wie verhängnisvoll gerade diese Bestimmung ist, hat der Strafprozess um die Korruption von VW-Betriebsräten durch Lust- und Luxusreisen deutlich gemacht. Ob Bernd Pischetsrieder oder Ferdinand Piëch – kein hochkarätiger Zeuge verzichtete im Schwurgerichtssaal auf den Hinweis, dass sich das Management wegen dieser Vorschrift mit dem Vorsitzenden des Weltbetriebsrats, Klaus Volkert, habe gut-stellen müssen. Der Prozess vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Braunschweiger Landgerichts macht in allen Details deutlich, wie das Wolfsburger Biotop unter dem Schutzdach des VW-Gesetzes zu einem „volkseigenen Betrieb“ denaturieren konnte.

Der Bundestag sollte die Erkenntnisse dieser Beweisaufnahme bei seinen bevorstehenden Beratungen über die Novellierung des VW-Gesetzes nutzen. Den Politikern bietet sich dabei eine glückliche Chance: Wann sonst können sie auf die Beweisaufnahme einer strafgerichtlichen Hauptverhandlung zurückgreifen, wenn sie ein bestehendes Gesetz „evaluieren“ wollen? Zumindest das verschärfte Vetorecht dürfte ohnehin nicht mehr allzu lange Bestand haben. Denn die Europäische Kommission könnte ein neues Verfahren gegen Deutschland einleiten. Oder, was noch schneller ginge: Porsche klagt gegen einen Beschluss der Hauptversammlung und bittet das deutsche Landgericht, den Fall dem Europäischen Gerichtshof vorzulegen.

Selten wäre eine Reform so einfach zu bewerkstelligen wie hier: Das spezielle Regelwerk für den Wolfsburger Autokonzern gehört schlichtweg aus dem Bundesgesetzblatt gestrichen, und zwar ersatzlos. Für VW muss dasselbe Rechtsregime gelten wie für sämtliche anderen börsennotierten Unternehmen in Deutschland, das Aktiengesetz. Für eine Sonderbehandlung und einen Schutz vor den Regeln des Kapitalmarkts gab und gibt es keinerlei Berechtigung.

GvD.news
11.02.2008, 22:05
Korruption, Missmanagement, Abzocke
Das „Schwarzbuch Börse“ stellt eine Reihe von Aktiengesellschaften an den Pranger

dmoh. FRANKFURT, 11. Februar. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wirft in ihrem am Montag vorgestellten „Schwarzbuch Börse“ abermals einer Vielzahl von Aktiengesellschaften Verhaltensweisen zum Nachteil ihrer Aktionäre vor. „Das Jahr 2007 war zwar im Großen und Ganzen ein gutes für die Aktionäre, es gab aber auch wieder zahlreiche Schattenseiten“, sagte Klaus Schneider, Vorstandsvorsitzender der SdK.

So habe es die 1847 gegründete Siemens AG innerhalb eines Jahres geschafft, auf der ganzen Welt zum Inbegriff der Korruption zu werden. Daimler habe wegen einer aktionärsfeindlichen Ausgestaltung seiner Aktienoptionsprogramme seinem ehemaligen Chef Jürgen Schrempp – von der SdK als Managementversager bezeichnet – auch noch millionenschwere Gewinne beschert. Und Ferdinand Piëch setze rücksichtslos bei Volkswagen und MAN – wo er jeweils Aufsichtsratsvorsitzender ist – seine Interessen durch und missachte dabei jedwede Form guter Unternehmensführung.

Einen wesentlichen Teil des Schwarzbuchs widmet die SdK der Kreditkrise. So wirft sie dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate vor, wider besseres Wissen die Belastungen aus der Kreditkrise viel zu lange verschwiegen zu haben. Nur deshalb sei der Kurssturz nach Bekanntwerden der Abschreibungen dann auch derart heftig ausgefallen. „Die Börse hat die Hypo Real Estate nicht nur für die Abschreibungen abgestraft, sondern vor allem wegen des massiven Vertrauensverlusts in die Führung“, sagt Schwarz. Die SdK fordert daher den Rücktritt von Vorstandschef Georg Funke. Auch an den Vorgängen in der IKB und der West LB lässt die SdK kein gutes Haar. Der Deutschen Bank kommt in diesem Jahr die zweifelhafte Ehre zuteil, die IPO-Zitrone verliehen zu bekommen. Sie habe 2007 vier der schlechtesten fünf Börsengänge in maßgeblicher Funktion begleitet: Tognum, Versatel, Alstria und Wacker Construction. Lediglich Platz drei der größten wertvernichtenden Börsenneulinge ging mit Envitec Biogas an einen Börsengang von Dresdner Kleinwort. Lob gibt es hingegen für die Citigroup, die mit dem Hamburger Hafen und Centrotherm Photovoltaics zwei gute Börsengänge organisiert habe.

Die Mehrzahl der kritisierten Unternehmen finden sich abermals unter den Nebenwerten. Meist handelt es sich um Aktiengesellschaften, die den Großteil ihres Börsenwertes eingebüßt haben. So habe GPC Biotech weitgehend auf die Zulassung eines Medikaments gesetzt und sei gescheitert. Auch die ambitionierten Pläne des Solarunternehmens Conergy mussten begraben werden. Escada-Aktien seien seit 15 Jahren eine einzige Enttäuschung. Jene von Beate Uhse hätten seit dem Börsengang 1999 auch fast nur eine Richtung gekannt – nämlich nach unten.

Die SdK möchte mit ihrem Schwarzbuch die Anleger über vergangene Skandale aufklären und sie damit vor künftigen bewahren. Mit ihrer Forderung nach einer weiter gehenden Haftung der Vorstände und Aufsichtsräte für Fehlverhalten konnte sie bisher nicht durchdringen.

GvD.news
11.02.2008, 22:05
Viel Phantasie, wenig Rendite
Immer mehr Zertifikate setzen auf das Geldanlagethema Wasserknappheit

dmoh. FRANKFURT, 11. Februar. Die meisten „Wasser-Zertifikate“ haben ihren Anlegern bislang keine positive Rendite beschert. Die Mehrzahl der rund ein Dutzend Produkte dümpelt unter ihrem Ausgabepreis. Kaum ein Zertifikat kann bisher als wirklich ertragreiche Anlage bezeichnet werden. Das Anlagethema bietet jedoch langfristig Perspektiven.

„Die nächsten Kriege werden um Wasser geführt“, prophezeite Anfang der neunziger Jahre der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Boutros Boutros-Ghali. Vom Öl des 21. Jahrhunderts ist die Rede. Neben den bekannten Problemen in der afrikanischen Wasserversorgung leiden zunehmend auch Länder wie China, Australien, aber auch südeuropäische Staaten wie Griechenland oder Spanien unter einer mangelnden Wasserversorgung. Da Wasser noch nicht als Gut an den Terminmärkten gehandelt wird, suchen Banken und Anleger andere Wege, um von der Knappheit möglicherweise profitieren zu können.

So partizipieren „Wasser-Zertifikate“ an Indizes oder Aktienkörben, in denen Unternehmen enthalten sind, die besonders von Investitionen in eine bessere Wasserversorgung profitieren könnten. So gelten Unternehmen, die über eine Technik zu effizienterem Wassereinsatz, zu einer besseren Wasseraufbereitung, zur günstigeren Entsalzung und zur Reinigung von Schmutzwasser verfügen, als besonders attraktiv. Die Weltbank rechnet in den kommenden zehn Jahren mit insgesamt 600 Milliarden Dollar (rund 415 Milliarden Euro), die in die Wasserwirtschaft investiert werden sollen. In den meisten Ländern ist die Wasserversorgung noch überwiegend staatlich organisiert, die Leitungen sind oft marode, und der Investitionsstau ist erheblich.

Dass die Wertentwicklung der Zertifikate bislang wenig erbaulich ist, liegt weniger an der Geldanlageidee, sondern vielmehr an der schwachen Wertentwicklung an den Kapitalmärkten an sich, da die Zertifikate ausschließlich in börsennotierte Aktiengesellschaften investieren. Die Ratingagentur Scope Analysis hat die Zertifikate unter die Lupe genommen und den meisten von ihnen hohe oder gar sehr hohe Qualität bescheinigt.

Lobend hervorgehoben werden flexible Investitionsansätze. So setzt die DWS Go mit ihrem Wasser-Aktiv-Index auf die Leistungsfähigkeit ihrer Fondsexperten. Diese können je nach Marktlage einzelne Aktien aus dem Index nehmen und andere dafür aufnehmen. Auch die Gewichtung der einzelnen Unternehmen ist flexibel. Im Januar hatte das amerikanische Wassertechnikunternehmen Layne Christenesen das größte Gewicht, der französische Energieversorger Veolia und das japanische Wassertechnikunternehmen Kurita Water Industries folgten auf den weiteren Plätzen. Mit 48 Euro kostet das Zertifikat derzeit 2 Euro weniger als zur Emission vor knapp einem Jahr.

Etwas weniger flexibel ist das Zertifikat der Société Générale auf den World Water Index (Wowax). Der Index besteht aus 20 Werten und wird nach festen Kriterien einmal im Halbjahr angepasst. Der Index umfasst die jeweils größten Unternehmen der Bereiche Wasserversorgung, Wasserinfrastruktur und Wasserreinigung und wird vom unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter Sustainable Asset Management (SAM) zusammengestellt. ABN Amro lässt für sein „Wasser-Zertifikat“ Standard & Poor’s den Custom Water Index berechnen. Auch hier finden sich große Energieversorger wie die französischen Firmen Veolia und Suez, aber auch eine Reihe kleinerer Wasserspezialisten wie zum Beispiel die brasilianische Sabesp.

Den Schwerpunkt auf die Wasserversorgung in China legt ein Zertifikat von Goldman Sachs, das erst seit wenigen Wochen auf dem Markt ist. China gilt bereits jetzt als ein Land, in dem rund ein Drittel der Städte Probleme mit einer vernünftigen Wasserversorgung hat. Wegen des starken wirtschaftlichen Wachstums und der zunehmenden Verstädterung deutet vieles auf eine weitere Verschärfung des Problems hin. Das Zertifikat basiert auf dem Themax China Water Index. Darin enthalten sind zehn Aktiengesellschaften, die an den Börsen in Hongkong oder Singapur notiert und in chinesischen Wasserprojekten engagiert sind.

GvD.news
11.02.2008, 22:06
Der Auslandsmarkt
Ratten und Olympia

Die Ratte bringt nichts Gutes. Der Mondkalender sagt kaum Positives für das gerade in der chinesischen Welt begonnene Jahr der Ratte voraus. Für die Börsianer aber kommt es gleich heftig. Zwar waren am Montag die Märkte in Festlandchina aufgrund der Neujahrsferien noch geschlossen. Doch gab der Handel in der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong deutlich nach und damit schon einen Vorgeschmack auf das, was nun auch in China folgen dürfte.

Am Montag warnte Dominique Strauss-Kahn, Geschäftsführer des Internationalen Währungsfonds, bei einer Rede an der indischen Zentralbank davor, dass keine Region von der Krise der Weltwirtschaft verschont bleiben werde. Die noch um die Jahreswende im Westen diskutierte Frage, ob China und ganz Asien sich von einer Krise in Amerika würden abkoppeln können, tritt immer mehr in den Hintergrund. Denn gerade Exportstandorte wie Hongkong werden eine Rezession in ihrem Hauptabsatzmarkt Amerika zu spüren bekommen. So fiel der Index der festlandchinesischen Unternehmen in Hongkong (H-Aktien) von seinem Hoch bei 20 400 Punkten Ende Oktober am Montag um weitere 4,1 Prozent auf 12 530 Punkte. Der Index der Börse Hongkong, der Hang-Seng-Index, gab 3,6 Prozent auf 22 616 Punkte nach. Seit dem Jahresbeginn hat er 18 Prozent verloren.

Die Analysten von Credit Suisse machen eine einfache Rechnung auf: „Wir denken, die Märkte in China und Indonesien besitzen angesichts der Abkühlung der Industrieländer die geringsten Risiken, Hongkong, Singapur und Taiwan die höchsten.“ Denn die drei letztgenannten Volkswirtschaften leben zu weiten Teilen vom Export. „Auch Hongkongs Finanzmarkt ist außergewöhnlich abhängig von der Entwicklung der Industrieländer: Die Marktkapitalisierung ist die höchste der Region, und der Strom der Börsengänge ist nun praktisch ausgesetzt.“ Dem Hongkonger Markt, der letztlich in zwei Hälften zerfällt – dem Handel mit Hongkonger Papieren und demjenigen mit H-Aktien –, bliebe entlang dieser Einschätzung also nur der Puffer Festlandchina. Wenn nicht China selbst zu leiden beginnt. Das aber scheint nun allmählich einzusetzen, die hausgemachten Probleme wachsen.

Die Zerbrechlichkeit der Volksrepublik förderte der Schnee zutage, mit dem Peking nicht fertig wurde. Die weiße Decke wiege schwerer auf dem Land, als es zunächst den Anschein hatte, warnten Analysten von Lehman Brothers. Ein Zehntel des Ackerlandes lässt sich in diesem Jahr nicht bebauen, 16 Millionen Tiere verendeten. „Chinas Bruttoinlandsprodukt könnte im ersten Quartal 1 bis 2 Prozentpunkte unter den Vorhersagen enden, die Inflation wird unterdessen von den Lebensmittelpreisen getrieben“, befürchten Analysten.

Hinzu kommt die Überbewertung der chinesischen Aktien. Zwar sind sie in Hongkong preiswerter zu haben als in Schanghai und Shenzhen. Doch fallen die Kurse dort, fallen sie auch am Handelsplatz jenseits des hohen Drahtzaunes. Was helfen könnte, ist die Öffnung der Landesgrenzen für festlandchinesische Anleger. Schon heute lassen sich Busladungen chinesischer Spekulanten vor Hongkonger Banken absetzen, um Internetkonten zu eröffnen. In großem Stile hat die angekündigte Liberalisierung – die auch die Börsen in London und Singapur betreffen wird – noch nicht eingesetzt. Der Zeitpunkt ist offen.

Trotzdem gibt es Hoffnung. „Chinas alles überragende politischer Wille, im Jahr der Olympische Spiele Stabilität zu wahren, dürfte wahrscheinlich dazu führen, dass der Einbruch gebremst wird, die Konjunktur langsam abkühlt“, sagt Steven Xu, der ehemalige Chefvolkswirt der Industrial & Commercial Bank of China (Asia) und nun China-Chef der Economist Intelligence Unit. Aber wird die chinesische Regierung die Kraft haben, selbst den Verlauf des Aktienmarktes zu bestimmen? „Ja“, sagt Xu. „Die fortgesetzte Hoffnung auf eine Aufwertung des Yuan und der Wille der Regierung, dem Jahrhundertereignis eine gute Kulisse zu bieten, werden die Bullen befördern“, sagt Xu voraus.

Wer daran nicht glauben mag, aber noch auf Aktienbeständen aus Hongkong sitzt, ist wohl gut beraten, nun bis zum glücksverheißenden Datum der Eröffnung der Spiele, dem 8. 8. 2008, dem Elend seinen Lauf zu lassen: Wenn die Welt erst Olympia in Peking feiert, dürften die Kursverluste zum Stillstand kommen – zumindest kurzfristig.

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11.02.2008, 22:07
Zoff mit Zuffenhausen
Das VW-Gesetz bleibt dem Autokonzern erhalten. Betriebsratschef Osterloh kann sich auf die Politik verlassen, Porsche-Chef Wiedeking leidet.

Bernd Osterloh, der mächtige VW-Betriebsratsvorsitzende, kann sich vor Schulterklopfern aus den eigenen Reihen kaum retten. Er hat es geschafft, den Volkswagen-Mitarbeitern einzigartige Sonderrechte zu sichern – das wird die einhellige Meinung sein, wenn Osterloh in zwei Wochen auf der Betriebsversammlung vor die Belegschaft tritt. Denn entgegen der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes soll das VW-Gesetz neu aufgelegt werden. Schon im April könnte das Gesetz vom Bundestag verabschiedet werden, und damit ginge Osterloh als Sieger im Kampf des VW-Betriebsrats gegen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hervor. Dieser hatte fest damit gerechnet, dass Porsche als Hauptaktionär über VW ohne Einschränkung gebieten kann.

Osterloh spricht in Interviews zwar offen von „massiven atmosphärischen Störungen“ im Verhältnis zum neuen Großaktionär, wird aber beinahe versöhnlich in Sachen VW-Gesetz: „Hier geht es nicht um die Frage VW-Betriebsrat gegen Porsche, sondern darum, wie auch künftig Standorte und Beschäftigung bei VW gesichert werden.“ So gönnerhaft kann nur jemand reden, der einen wichtigen Sieg vor Augen hat und auf den am Boden liegenden Gegner nicht auch noch einschlagen will.

Für Wiedeking dagegen ist der Referentenentwurf von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) ein Schuss vor den Bug. Noch hofft man am Porsche-Stammsitz Zuffenhausen, dass alles nur ein böser Traum ist: „Wir gehen davon aus, dass die Bundesregierung noch zur Besinnung kommt“, sagt ein Porsche-Sprecher. So wie es aussieht, würde das neue VW-Gesetz dafür sorgen, dass bei VW bloß 20 Prozent plus eine Aktie für eine Sperrminorität genügen – das Land Niedersachsen hätte mit 20,1 Prozent Anteil an VW bei wichtigen Hauptversammlungsbeschlüssen ein Vetorecht. Obendrein würde der VW-Belegschaft ein Mitspracherecht in Fragen der „Errichtung oder Verlegung von Produktionsstätten“ erhalten bleiben – und dem Betriebsrat somit eine Blockadehaltung ermöglichen, wie Porsche es fürchtet. Solch ein Mitspracherecht indes gehört zum Selbstverständnis der Wolfsburger Autobauer. „Der VW-Betriebsrat blockiert keine Vorstandsentscheidungen, er hinterfragt sie. Außerdem haben wir zuletzt auch die neuen Werke in Russland und Indien mitgetragen“, sagt Osterloh.

Porsche bringt das Vetorecht auf die Barrikaden: „Wenn wir ein Hedge-Fonds wären, könnten wir so etwas verstehen. Aber aus unserer Geschichte heraus ist es nicht erklärlich“, sagt der Porsche-Sprecher und kommt richtig in Fahrt: „Seit 1993 haben wir die Porsche-Belegschaft von 6000 auf 12 000 Mitarbeiter verdoppelt. Wir bezahlen unsere Mitarbeiter gut, wir zahlen eine ordentliche Ausschüttung an unsere Aktionäre, und wir zahlen Steuern.“

In der Politik findet Porsche offensichtlich kein Gehör. Ein Brief vom Porsche-Vorstand an das Bundesjustizministerium mit der „eindringlichen Bitte“, die Gesetzesnovelle zurückzuziehen, blieb bisher unbeantwortet. Und auch kein anderer einer langen Liste von Politikern und Wirtschaftsführern, die den Brief in Kopie erhalten haben, hat bisher reagiert, obwohl schon bald zwei Wochen vergangen sind. Gesprächstermine für Porsche? Fehlanzeige.

Ganz anders der VW-Betriebsratschef Osterloh: obwohl bei der SPD nur Karteileiche, hat er sich in den vergangenen Wochen mehrmals mit dem SPD-Parteivorsitzenden Kurt Beck getroffen und auch mit der Bundesjustizministerin Zypries. Den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) weiß Osterloh in Sachen VW-Gesetz sowieso hinter sich. Bezeichnend für das Agreement der ungleichen Partner ist, dass Osterloh im niedersächsischen Landtagswahlkampf nicht dem Gewerkschaftsaufruf zur Unterstützung des SPD-Kandidaten und Wulff-Herausforderers Wolfgang Jüttner gefolgt ist. Osterloh bekommt auch noch Rückenwind aus der politischen Großwetterlage: Politiker fast jeder Couleur sind erzürnt über das Stück, das der finnische Handyhersteller Nokia im Ruhrgebiet aufführt: Über Nacht hatte Nokia mitgeteilt, den Standort Bochum zu schließen. So etwas, könnte Osterloh nun leicht sagen, wird VW-Standorten erspart bleiben. Osterloh sagt das nicht. Muss er auch nicht, weil jeder in der VW-Belegschaft über die geordneten Machtverhältnisse bei VW informiert ist.

Porsche-Chef Wiedeking, sonst erfolgsverwöhnt, steht mit dem Rücken zur Wand. Mit seinem entsprechend offen zur Schau getragenen Selbstbewusstsein hat er offenbar einige so sehr verärgert, dass sie jetzt genüsslich zusehen, wie er sich quält. Dass ein VW-Gesetz nach dem derzeitigen Entwurf ein ordnungspolitischer Sündenfall wäre und nichts mit Gleichbehandlung zu tun hätte, kann zwar als herrschende Meinung in der Wirtschaft gelten. Andererseits: sollte es kommen, wäre der Schaden eigentlich nur für Porsche groß, nicht für die restliche Wirtschaft. „Wiedeking darf nicht viel Schützenhilfe erwarten, weil er sich in eine Außenseiterposition manövriert hat“, sagt Arndt Ellinghorst von Credit Suisse, der als Analyst noch am ehesten offen über die zunehmenden Antipathien gegen Wiedeking sprechen kann – während andere lieber einfach schweigen. „Wenn das die Haltung in der Republik ist, dann gute Nacht“, graust es dem Porsche-Kommunikationschef Anton Hunger, der mitgestrickt hat an der Aura des unangreifbaren Wiedeking: „Was wirft man Wiedeking denn vor, für was sollten wir uns denn entschuldigen oder

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11.02.2008, 22:07
Asiaten investieren in Solarenergie
Indische Moser Baer baut Fabrik für 1,5 Milliarden Dollar

che. SINGAPUR, 11. Februar. Immer mehr Hersteller von Sonnenergietechnik bauen ihre Kapazitäten in Asien aus. Bis 2010 will nun auch der indische Hersteller von Speichermedien, Moser Baer India Ltd., Neu-Delhi, für etwa 1,5 Milliarden Dollar seine Produktion von derzeit 40 auf 600 Megawatt hochfahren. Dabei geht es den Indern um die nächste Generation der Solartechnik, die sogenannte Dünnschichttechnik. Eigenen Angaben zufolge dürfte sie von einem globalen Marktvolumen von derzeit etwa 250 Megawatt bis 2010 auf ein Volumen von 2 Gigawatt und einen Produktionswert von rund 5 Milliarden Dollar wachsen. Derzeit liegt ihr Volumen bei gerade einmal 250 Megawatt.

Moser Baer will rund ein Drittel des künftigen Gesamtmarktes halten. Das Unternehmen mit seinen gut 6000 Mitarbeitern ist erst 1983 gegründet worden, heute aber schon der zweitgrößte Hersteller der Welt von Speichermedien wie CD und DVD. Seit kurzem bauen die Inder weitere Geschäftsfelder auf, wie Sonnenenergie, Unterhaltung und Peripheriegeräte für die Informationstechnologie. Dünnschicht bleibt zwar von der Energieausbeute hinter den bekannten Silikonprodukten zurück, ist aber um etwa die Hälfte günstiger und nach Angaben Moser Baers eher für den Einsatz in der Tropenwitterung geeignet.

Die Ausweitung der Kapazität planen die Inder an ihren beiden Standorten im südindischen Chennai (Madras) und in Noida. Zum Vergleich: Der gerade in Schwierigkeiten mit seinen Lieferanten geratene norwegische Solarkonzern REC plant, im südostasiatischen Singapur eine Solarfabrik mit einem Volumen von 1,5 Gigawatt für mehr als 3 Milliarden Euro zu bauen.

Am selben Standort will nun auch die Schweizer OC Oerlikon Corp AG eine Fertigung errichten. „Wir stehen am Beginn einer Revolution im Energiemarkt, die derjenigen der Halbleiterindustrie vor 30 Jahren gleicht“, sagte Jeannine Sargent, die Vorstandsvorsitzende von Oerlikon Solar bei der Bekanntgabe der Pläne in Singapur.

Asien drängt mehr und mehr in die Führungsposition bei der Herstellung: Die Summe aller für Asien angekündigten Produktionskapazitäten der Solarbranche beläuft sich bis 2010 auf 4 Gigawatt – mehr als doppelt so viel, wie für Amerika und Europa zusammen geplant sind. Nach Schätzungen der Analysten von BCC Research Analysis liegt der Marktanteil der Dünnschicht derzeit bei knapp 10 Prozent des Gesamtmarktes für Photovoltaik. Das Wachstum des jungen Marktes aber soll jährlich bis 2013 rund 45 Prozent betragen. Der internationale Photovoltaik-Markt soll derselben Studie nach im vergangenen Jahr ein Volumen von 12,9 Milliarden Dollar umfasst haben. Bis 2012, so schätzen die Analysten, werde er auf 32,2 Milliarden Dollar wachsen.

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11.02.2008, 22:07
Dell versetzt AMD Rückschlag

Der Mikrochiphersteller Advanced Micro Devices (AMD) hat im Wettbewerb mit seinem Rivalen Intel eine Niederlage erlitten: Der Computerhersteller Dell hat sein Angebot von Rechnern mit Chips von AMD reduziert. Dell hatte erst im Jahr 2006 damit begonnen, Computer mit Mikroprozessoren von AMD anzubieten. Zuvor hatte das Unternehmen bei der Chipzulieferung 22 Jahre lang eine exklusive Partnerschaft mit Intel. Nun aber hat Dell beim Verkauf über seine Internetseite das Sortiment von AMD-Personalcomputern für Endverbraucher deutlich gekürzt. Diese Einschnitte gelten nur beim Online-Verkauf, der jedoch ist der wichtigste Vertriebskanal.

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11.02.2008, 22:08
Die Kapitalnot mancher Banken
Europäische Kredithäuser wollen ihre Bilanzen stärken

da. FRANKFURT, 11. Februar. Die Kapitalerhöhung der französischen Société Générale könnte der Auftakt für eine Reihe ähnlicher Maßnahmen europäischer Banken werden. „Die Kapitalbeschaffung wird in diesem Jahr das große Thema sein“, sagt ein Investmentbanker eines großen amerikanischen Hauses. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer seien die Banken zunächst bemüht gewesen, ihre kurzfristige Refinanzierung zu sichern. Denn seither vertrauten die Banken ihren Wettbewerbern nicht mehr und liehen sich kaum noch Geld. Doch seit dem Jahreswechsel rücke das Thema Eigenkapitalbeschaffung in den Vordergrund. „Wenn die Jahresabschlüsse der Banken auf dem Tisch sind, werden Kapitalmaßnahmen kommen.“

Allein die amerikanischen Großbanken haben nach Zahlen der Ratingagentur Standard & Poor’s in den vergangenen Monaten frisches Kapital im Volumen von 102 Millionen Dollar aufgenommen. Der größte Teil davon wurde von Staatsfonds aus Arabien und Asien bereitgestellt. In Europa stach bisher vor allem die Schweizer UBS mit einer größeren Kapitalaufstockung hervor. Im Fall der Schweizer Großbank und bei den amerikanischen Banken handelten die Akteure zumeist aus der akuten Not heraus. Das dürfte bei vielen europäischen Banken anders sein – auch wenn immer mal wieder Gerüchte über einen dringenden Kapitalbedarf der einen oder anderen Bank herumgeistern. So wurde erst am Freitag über eine Kapitalnot der Münchener Hypo Real Estate (HRE) spekuliert. Der Immobilienfinanzierer hatte diese Spekulationen allerdings dementiert. Auf Basis der aktuellen Risikobewertung brauche die HRE keine Kapitalerhöhung und plane auch keine derartige Maßnahme, schrieb das Unternehmen am Freitag in einer Mitteilung an die Investoren.

Doch eines ist sicher: Während viele Industrieunternehmen derzeit in Liquidität schwimmen und wenig verschuldet sind, sind die Bilanzen vieler der Banken nicht gerade üppig mit Eigenkapital bestückt. Hinter den Kulissen führen viele Kreditinstitute schon Gespräche über vorsorgliche Kapitalmaßnahmen – sei es, um die Aufnahme zuvor außerbilanzieller Zweckgesellschaften auf die Bilanz besser zu verkraften, oder um sich schlichtweg für neue Geschäft zu rüsten. „Wir sitzen an einer Sache für einen Emittenten aus den Benelux-Staaten und an einer Kapitalmaßnahme einer deutschen Bank“, sagt ein Banker. Eine klassische Kapitalerhöhung wie im Fall der Société Générale muss dabei nicht unbedingt das Mittel der Wahl sein. Auch eine Ausgabe von Aktien ohne Bezugsrecht der Altaktionäre ist eine Variante. Hierbei kämen dann Staatsfonds zum Zuge. Und auch Wandelanleihen wie jüngst von vielen amerikanischen Banken begeben könnten in Europa in Mode kommen.

Möglicherweise kommen die Kapitalmaßnahmen allerdings auch viel später als von einigen erwartet. „Im Jahr 2002 hat auch jeder davon gesprochen. Doch die meisten Banken haben erst Kreditportfolios und Tochtergesellschaften verkauft, bevor sie ein, zwei Jahre später das Kapital erhöht haben“, sagt ein deutscher Investmentbanker.

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11.02.2008, 22:08
Versicherer AIG schockiert die Börse

nks./ruh. NEW YORK/FRANKFURT, 11. Februar. Der nach Börsenwert größte Versicherungskonzern der Welt, American International Group Inc. (AIG), New York, hat am Montag die internationalen Aktienmärkte verunsichert. Der Aktienkurs von AIG brach im frühen Handel an der New Yorker Börse um zeitweise mehr als 10 Prozent ein, weil dem Konzern möglicherweise höhere Abschreibungen in Zusammenhang mit Hypothekenanlagen drohen. AIG teilte in einer Eingabe an die Börsenaufsicht mit, dass die Bewertung seiner Kreditausfallversicherungen bei komplexen Hypothekenanleihen geändert werden müsse. Diese Anleihen stehen im Zentrum der aktuellen Hypothekenkrise, deren Auswirkungen bei zahlreichen Finanzkonzernen zu hohen Wertberichtigungen geführt hatten.

AIG gab zudem bekannt, dass der Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers Mängel bei der internen Kontrolle von Bilanzierung und Bewertung der Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) festgestellt hatte. Börsianer fürchten nun, dass AIG Verluste ausweisen muß, und andere Finanzinstitute von ähnlichen Bewertungsfehlern betroffen sein könnten. Eine ähnliche Hiobsbotschaft hatte es im vergangenen November schon einmal für Swiss Re gegeben. Das Unternehmen legte zunächst vermeintlich lupenreine Quartalszahlen vor und musste keine zwei Wochen später einen Milliardenverlust im Zusammenhang mit der Kreditkrise eingestehen.

Seit Monaten schlägt den Versicherern auf den Aktienmärkten das gleiche Misstrauen entgegen, von dem auch die Banken belastet sind, obwohl die Versicherer dem Augenschein nach weniger hart von der Kreditkrise betroffen sind. Viele Anleger befürchten, dass die Versicherer die Risiken ihrer Kapitalanlagen kleinreden oder nicht überblicken. Das Eingeständnis von AIG hat diese Furcht abermals verstärkt. Dadurch gerieten auch die Aktien der europäischen Versicherer am Montag unter starken Verkaufsdruck. Der Branchenindex fiel um mehr als 3 Prozent. Das war gefolgt vom Index der Banken der größte Tagesverlust in Europa. Aktien der Münchener Rück büßten zum Beispiel 2,5 Prozent ihres Werts ein.

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11.02.2008, 22:09
Kiew verhandelt mit Moskau
Gasprom droht weiterhin mit Erdgas-Lieferstopp

gho. Moskau, 11. Februar. Die Ukraine steht wieder einmal vor einer Drosselung der russischen Erdgaslieferungen. Am Montag hatte der Vorstandsvorsitzende des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogas, Oleh Dubyn, Gespräche in Moskau mit Vertretern des vom Kreml kontrollierten Erdgas-Konzerns Gasprom geführt, um den Streit um aufgelaufene ukrainische Schulden zu klären. Gasprom droht, die Gaslieferungen in die Ukraine von Dienstagnachmittag an um einen Viertel einzuschränken, falls die ukrainische Seite ihre Schulden nicht begleichen werde. Die Gespräche zwischen Naftogas und Gasprom sollen am Dienstag wieder aufgenommen werden. Der Erdgas-Disput wird voraussichtlich auch beim heutigen Besuch des ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko in Russland ein Thema sein.

Gasprom wirft der ukrainischen Seite die Nichtbezahlung von Schulden in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vor. Am vergangenen Sonntag hatte die ukrainische Regierung eingeräumt, dass Naftogas tatsächlich Schulden habe, aber nicht in diesem Umfang. Die Situation kommt aufgrund der komplizierten Struktur der Erdgaslieferungen in die Ukraine zustande, die im Jahr 2006 eingerichtet worden war, um den damaligen „Erdgas-Streit“ beizulegen. Das Erdgasgeschäft wird über den in der Schweiz ansässigen Zwischenhändler RosUkrEnergo und einen weiteren Vermittler abgewickelt. RosUkrEngero hatte Mitte Januar mitgeteilt, dass die für die Ukraine bestimmten Erdgaslieferungen aus Turkmenistan zurückgegangen seien, wodurch das Unternehmen um rund 75 Prozent teureres russisches Erdgas habe importieren müssen.

Die Zwischenhändler sind der ukrainischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko ein Dorn im Auge. Von ukrainischer Seite besteht das Angebot, die Schulden zu begleichen, wenn eine direkte Belieferung der Ukraine durch Gasprom vereinbart werden würde. Die Ukraine bezieht drei Viertel ihres Gases aus Zentralasien, 25 Prozent aus Russland.

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11.02.2008, 22:09
Steinbrück tritt auf die Schuldenbremse
Das Konzept der Bundesregierung für die neue Schuldenregel steht. Gäbe es sie schon, hätte der Bund seit dem Jahr 2000 gut 100 Milliarden Euro weniger Schulden machen dürfen.

mas. BERLIN, 11. Februar. Wenn die sechzehn Mitglieder der Föderalismuskommission an diesem Donnerstag zusammenkommen, dann liegt ihnen ein konkretes Modell zur Schuldenbegrenzung vor. „Die Regel soll mit Blick auf die intergenerative Gerechtigkeit nur in sehr engen Grenzen weiterhin strukturelle Verschuldung zulassen“, heißt es in einem mit dem Kanzleramt abgestimmten Papier aus dem Finanzministerium von Peer Steinbrück (SPD), in dem die Notwendigkeit und Struktur der Schuldenregelung erläutert wird. Sie soll eine zusätzliche Verschuldung in Abschwungphasen zulassen, aber im Aufschwung geringere Defizite oder gar Überschüsse erzwingen.

Das Bundesfinanzministerium schlägt konkret vor, in Anlehnung an den europäischen Stabilitätspakt die längerfristige („strukturelle“) Verschuldung des Staates auf 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu begrenzen. Davon beansprucht es mit 0,35 Prozentpunkten den größeren Teil für den Bund. Aktuell wären das rund 8,5 Milliarden Euro. Anders als bisher sollen Privatisierungserlöse dem Staat keinen zusätzlichen Ausgabenspielraum verschaffen. Auch damit orientiert sich das Ministerium am europäischen Vorgehen.

Nach dem reformierten Stabilitätspakt zum Schutz des Euro sollen die Haushalte der Mitgliedstaaten so gut wie ausgeglichen sein. Ein Defizit von 0,5 Prozent des BIP gilt als zulässig. Diese Norm soll nun ins deutsche Grundgesetz übernommen werde. Damit werde die Verschuldung auf ein langfristig tragfähiges Ausmaß begrenzt, heißt es in dem Papier des Finanzministeriums. Die Schuldenstandsquote soll damit schnell sinken. Bei einem nominalen Wachstum von 3,25 Prozent (also unter Einschluss von Preissteigerungen) würde der Anteil der Staatsschuld am BIP von heute mehr als 60 Prozent bis 2030 auf unter 40 Prozent sinken, rechnet das Ministerium vor.

Die vorgeschlagene Schuldenregel soll ein „Atmen“ des Haushalts mit der Konjunktur erlauben. Es soll eine „Normallage“ definiert werden, um zwischen wirtschaftlich guten und schlechten Zeiten unterscheiden zu können. Dazu soll auf das in Europa genutzte Verfahren zurückgegriffen werden. „Bei positiver Abweichungen von der konjunkturellen Normallage wird der Spielraum für die Nettokreditaufnahme eingeschränkt, bei negativen Abweichungen erweitert, wobei die Größenordnungen jeweils konkret berechnet werden.“ In den konjunkturell schwachen Jahren 2002 bis 2004 wäre nach der Kalkulation des Ministeriums eine zusätzliche Neuverschuldung von jeweils etwa 8 Milliarden Euro zulässig gewesen. Bis 2007 wäre diese Konjunkturkomponente auf Null gefallen.

Eine spezielle Regelung soll verhindern, dass dem Haushalt allzu günstige Annahmen zugrundegelegt werden. Denn wenn diese später nicht eintreffen, führt das zu einem höheren Defizit – über den erlaubten Rahmen hinaus. Solche Abweichungen sollen auf einem Ausgleichskonto gespeichert werden, das später ausgeglichen werden muss. Belastungen würden dort zeigen, dass die Verschuldung höher war als eigentlich zulässig. Als Gutschriften würden geringere Defizite oder Schuldentilgungen gebucht. Nach einer Rechnung des Finanzministeriums wäre seit der Jahrtausendwende ein negativer Saldo von etwa 15 Milliarden Euro aufgelaufen. Wird auf dem Ausgleichskonto ein noch zu bestimmender Wert überschritten, sollen Maßnahmen zum Defizitabbau vorgeschrieben werden. In dem Konzept wird eine Obergrenze von 1 bis 2 Prozent des BIP genannt.

Wie gravierend sich die vorgeschlagene Regel auswirken würde, lässt sich am laufenden Haushaltsjahr ablesen: Die Strukturkomponente ließe eine Neuverschuldung von rund 9 Milliarden Euro zu. Die Konjunkturkomponente würde diese jedoch um 5 Milliarden Euro mindern. Hinzu kämen die eingeplanten Privatisierungserlöse von 9 Milliarden Euro, die defizitmindernd wirkten. Im Ergebnisse hätte Steinbrück für dieses Jahr einen Haushalt mit einem Überschuss von 5 Milliarden Euro vorlegen müssen – tatsächlich ist ein Defizit von knapp 12 Milliarden Euro eingeplant.

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11.02.2008, 22:10
Steuergeld zur Bankenrettung
Muss der Bürger auch die IKB sanieren? / Krisengespräche bis Mittwoch

hap./da./ham. FRANKFURT/KAMPALA, 11. Februar. Die in Bedrängnis geratene französische Großbank Société Générale will ihr Eigenkapital um 5,5 Milliarden Euro erhöhen. Die Kapitalerhöhung wird mit einem deutlichen Kursabschlag angeboten. Bisherige Aktionäre erhalten ein Vorzugsrecht und können Aktien für 47,50 Euro erwerben. Dies ist ein Abschlag von 40 Prozent gegenüber dem Börsenkurs vom vergangenen Freitag.

Ob auch andere Banken im Sog der Finanzmarktkrise und der zuletzt niedrigeren Bonitätsbewertungen ihrer Anlagen zu einem solchen Schritt gezwungen werden, ist Gegenstand von Spekulationen am Markt. Am augenfälligsten ist derzeit die Notlage der Düsseldorfer Bank IKB. Der Aktienkurs ist am Montag um rund 20 Prozent eingebrochen, nachdem bekannt wurde, dass die Bank neue Hilfe in Milliardenhöhe benötigt. Doch eine Kapitalerhöhung, an der alle Alteigentümer beteiligt werden können, ist bislang nicht durchgeführt worden – obgleich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schon Ende vergangenen Jahres „Maßnahmen, die auf die Beteiligung der Alteigentümer hinführen,“ angemahnt hatte. Doch so einfach ist es nicht. Zwei Gründe sprechen dagegen: Die IKB bräuchte in der Hauptversammlung eine Zwei-Drittel-Mehrheit, und die ist angesichts der unklaren Risikolage der Bank und fehlender Bilanzen derzeit fraglich. Der zweite Grund dürfte noch schwerwiegender sein: Die IKB war in der Spitze dereinst mit rund 3 Milliarden Euro an der Börse bewertet. Das Rettungspaket erfordert schon jetzt mehr als 6 Milliarden Euro. „Sagen sie mal einem Anleger, der seine ganze Rente auf der vermeintlich sicheren Anlage in IKB-Aktien aufgebaut und so viel verloren hat, dass er nun auch noch eine Kapitalerhöhung zeichnen soll,“ sagt ein Fachmann.

Sollte eine solche dennoch eines Tages stattfinden, wird der zweitgrößte Anteilseigner, die Stiftung Industrieforschung, nach derzeitigem Stand nicht dabei sein. Man habe keine finanziellen Mittel, sich zu beteiligen, sagte Stiftungsvorstand Wolfgang Lerch am Montag. An den Sanierungsgesprächen sei die Stiftung aufgrund ihres Status als gemeinnützige Einrichtung nicht beteiligt. Die Stiftung hält 11,8 Prozent an der IKB. Was die Kölner Bank Sal. Oppenheim als weiterer größerer IKB-Eigner täte, ist unklar.

So kommt es, dass bis zum heutigen Tag der Großaktionär, die staatseigen Förderbank KfW, den Löwenanteil des Rettungsbeitrags bereitgestellt hat. Von den bislang garantierten 6,15 Milliarden Euro entfallen 83 Prozent auf die KfW, obgleich sie nur – je nach Ausübung einer laufenden Wandelanleihe – 38 bis 43 Prozent an der IKB hält. Die restlichen 17 Prozent der Rettungssumme entfallen auf diverse andere Banken. Diese disquotale Beteiligung verursacht auch in der KfW Unbehagen. Jedenfalls hat Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier, die sich mit Hinweis auf den laufenden Verkaufsprozess und die damit verbundene Schweigepflicht derzeit nicht offiziell äußert, schon mehrfach darauf hingewiesen, dass „auch mal andere an der Reihe“ wären. Die KfW selbst sieht in ihrem überproportionalen Engagement auch eine Verantwortung für den Finanzplatz Deutschland mit dem Ziel langfristiger Finanzmarktstabilität. Ginge die IKB in die Knie, habe dies einen Vertrauensverlust für den Bankenplatz zur Folge, ist man in der Förderbank überzeugt. Dass die KfW aus ihrem Engagement nicht den Wunsch nach einer höheren Beteiligung an der IKB ableitet, ist aus ihrer Sicht logisch – jedenfalls, seit sich die Meinung, ob die IKB zur KfW gehören sollte, gedreht hat: Wer die IKB verkaufen will, stockt nicht vorher seine Anteile auf. Ein Trostpflaster scheint der KfW zu bleiben. Die Rettung der IKB ist mit einem Besserungsschein versehen. Dieser sichert offenbar im Verkaufsfall denjenigen einen höheren Anteil am Erlös zu, die größeres Risiko eingegangen sind und mehr Geld gegeben haben.

Wer die nunmehr durch zusätzliche Abschreibungen entstandene Lücke der IKB von bis zu 2 Milliarden Euro schließt, wird heiß diskutiert. Bundesfinanzminister Steinbrück und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der zum 1. Januar den Verwaltungsratsvorsitz der KfW übernommen hat, führen derzeit auf Spitzenebene mit allen beteiligten Gespräche. Bis zur Sitzung des Verwaltungsrats am Mittwoch soll eine Lösung wenigstens in Grundzügen stehen. Ausgeschlossen wird nichts, also auch nicht eine Kapitalerhöhung aus Steuermitteln für die KfW. Als ausgemacht gilt weiterhin nur, dass Mittel für die Mittelstandsförderung nicht für irgendwelche Maßnahmen an anderer Stelle zur Verfügung stehen.

Viele Augen richten sich auf die privaten Banken, die bislang mit knapp 1 Milliarde Euro an der Rettung beteiligt sind. Der Bankenverband unter Leitung von Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller sträubt sich, für die neuen Risiken der IKB abermals geradestehen zu müssen. In einer Beschränkung des Einlagensicherungsfonds ist diese Weigerung nicht begründet: Der 1976 als Folge des Kollapses des Herstatt-Bank gegründete Einlagensicherungsfonds soll laut Satzung „bei drohenden oder bestehenden finanziellen Schwierigkeiten von Banken, insbesondere bei drohender Zahlungseinstellung, im Interesse der Einleger Hilfe leisten“. Ein Grenze je Schadensfall gibt es nicht, sofern der Fonds schon vor der Insolvenz einschreitet. Käme es zur Insolvenz der Bank, müssten die privaten Banken für Kundeneinlagen geradestehen, die bis zu 30 Prozent des Eigenkapitals der IKB betragen. Weil bei der Insolvenz der Bank der Fonds somit noch stärker belastet würde, hatten sich die privaten Banken im Sommer für das kleinere Übel entschieden, einen Teil der Verluste der IKB abzudecken.

Wer die 5 Milliarden Euro teure Sanierung der West LB zahlt, ist indessen schon sonnenklar: Der Steuerzahler, und zwar in Gänze. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da die Bank mit dem Land (38 Prozent), den Sparkassen (50,2) und den Landschaftsverbänden (11,8) ausschließlich staatliche und kommunale Aktionäre hat. Gleichwohl hat das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) als Großaktionär der West LB immerhin eine Lösung durchgesetzt, in der es von den anderen Aktionären im Falle einer überproportionalen Inanspruchnahme eine Gegenleistung bekommt.

Die Rettung der West LB erfolgt in zwei Schritten. 1 Milliarde Euro fließen als Kapitalerhöhung in die Bank. Eine weitere Milliarde dient der Abschirmung von Risiken. Diese insgesamt 2 Milliarden Euro bringen alle Aktionäre gemeinsam entsprechend ihrer Eigentumsquoten auf. Für die übrigen 3 Milliarden Euro bürgt das Land mit Garantien allein. Falls das Land tatsächlich die Garantien leisten muss und weiteres Geld zum Ausgleich von Risiken der Bank aufwenden muss, hat das Land das Recht, von den jetzt nicht bürgenden Aktionären Aktien der West LB zum Buchwert zu kaufen.

Eine erste Tranche von 380 Millionen Euro wird NRW sofort in die Bank einschießen. Das Geld will Finanzminister Helmut Linssen (CDU) noch aus dem Haushalt 2007 nehmen. NRW habe 2007 mehr Steuern eingenommen und weniger Geld ausgegeben als geplant, sagte der Minister am Montag im Haushaltsausschuss des Landtages in Düsseldorf. Woher das Land weitere 380 Millionen Euro nehmen wird, ist noch unklar. Die Sparkassen in NRW leeren für die Sanierung der West LB ihren erst 2004 aufgelegten Reservefonds vollständig. Im Gegenzug müssen sie den Fonds mit 1 Milliarde Euro wieder füllen. Für große Sparkasse in Nordrhein-Westfalen bedeutet dies eine Zahlung von rund 20 Millionen Euro. Die Kosten für den Stützungsfonds belasten die Gewinne der Sparkassen. Deshalb werden die Sparkassen, oft größter kommunaler Steuerzahler, weniger Gewerbesteuer zahlen. Der Bund der Steuerzahler spricht deshalb davon, auf jeden Einwohner des Landes NRW komme somit indirekt ein „Notopfer West LB“ von rund 40 Euro zu.

Wäre die Rettung der West LB durch die Eigentümer ausgeblieben und wäre der Stützungsfall formell ausgerufen worden, hätten die Aktionäre über Verluste der Bank hinaus noch für Verbindlichkeiten von 48 Milliarden Euro aus der Zeit der Gewährträgerhaftung bürgen müssen. Für Mitglieder der Sparkassen-Finanzgruppe gibt es mehrere Haftungsfonds, die für einen Stützungsfall bis zu 4,8 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. In Nordrhein-Westfalen entschädigt der Stützungsfonds allerdings nur Kundengelder, keine Bankengelder. Deshalb haben viele Sparkassen im Land schon im zweiten Halbjahr 2007 ihre Einlagen von der West LB abgezogen, obwohl die West LB ihre Zentralbank ist und damit eigentlich die Aufgabe einer Liquiditätssammelstelle für alle Sparkassen hat.

GvD.news
12.02.2008, 21:57
Die Wall Street gibt immer noch den Takt vor
Die Theorie von der „Abkopplung“ der Weltwirtschaft von dem Geschehen in den Vereinigten Staaten hat einen Dämpfer bekommen. Inzwischen ist wieder von „Ankoppelung“ die Rede.

bes. LONDON, 12. Februar. Jeder Anleger sollte vorsichtig werden, wenn es an den Finanzmärkten heißt: „Dieses Mal ist alles anders.“ Meist entpuppt sich die Aussage später als falsch. Vergangenes Jahr frohlockten die Marktteilnehmer über die Wachstumseuphorie in den Schwellenländern. Die mögliche „Abkoppelung“ des wirtschaftlichen Weltgeschehens von der Dominanz der amerikanischen Volkswirtschaft wurde zu einem großen Thema.

Mittlerweile haben die Finanzmärkte zwar die Risiken einer amerikanischen Rezession eingepreist – und auch die Märkte der Schwellenländer haben korrigiert. Aber Analysten grübeln weiterhin darüber, ob das Thema „Abkoppelung“ nicht zu weit gegangen ist und die Märkte und Währungen der Schwellenländer deshalb einer schärferen Korrektur ausgesetzt sein müssten. Noch 1998 und in den Jahren 2000 und 2001 folgte die Welt der Wachstumsschwäche in den Vereinigten Staaten mit einer deutlichen Konjunkturflaute. Ist dieses Mal im Zeichen der Wachstumsdynamik in den Schwellenländern alles anders? Seit Beginn des Jahres zeigt die Korrektur an den Aktien- und Anleihemärkten der Schwellenländer, dass immer mehr Marktteilnehmer der Theorie der „Abkopplung“ skeptisch gegenüber stehen. Die „Ankoppelung“ der Schwellenländer an die Vereinigten Staaten ist nun das beherrschende Thema.

Am Devisenmarkt zeigt sich der Meinungsumschwung der Marktteilnehmer zum Beispiel in einer deutlichen Wechselkursschwäche des kanadischen Dollar in den vergangenen drei Monaten. Noch im vergangenen Jahr wertete der Kanada-Dollar gegenüber dem amerikanischen Dollar kräftig auf. Die Märkte gingen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum Kanadas und die Nachfrage nach Kanadas Rohstoffen wegen des Aufschwungs in den Schwellenländern nicht mehr von der Konjunktur in den Vereinigten Staaten dominiert werden. „Die Stärke des Kanada-Dollars gegenüber dem Dollar war ein perfektes Beispiel dafür, wie stark das Thema Abkopplung die Devisenmärkte beeinflusst hat“, betonen HSBC-Analysten. Die Bank ist jedoch der Meinung, dass die Theorie der „Abkoppelung“ an den Devisenmärkten zu überzogenen Wechselkursentwicklungen geführt habe, die nun korrigiert würden.

Auch die Investmentbank Morgan Stanley warnt, sie sei mit dem Thema „Abkopplung“ zu weit gegangen. „Trotz der Krise an den Märkten kümmern sich die Anleger zu wenig um die Auswirkungen einer amerikanischen Konjunkturschwäche auf andere Märkte und Volkswirtschaften.“Europa und Japan würden am härtesten von der amerikanischen Konjunkturschwäche getroffen, weil sie am meisten in den Vereinigten Staaten investiert hätten. Lateinamerika leide hingegen weniger. Asien, Russland und der Nahe Osten kämen sogar relativ ungeschoren davon. Morgan Stanley spricht von 2008 als dem „Jahr der Ankopplung“, die allerdings in vielen Schattierungen komme und mit den Auswirkungen früherer amerikanischer Wachstumsschwächen auf die Welt nicht zu vergleichen sei.

Die Vereinigten Staaten machen nur noch 14 Prozent des Weltimports aus, Asien hingegen 20 Prozent. Die Vereinigten Staaten nehmen der Europäischen Union nur 12 Prozent des Exports ab – ein Drittel weniger als im Jahr 2000. „Globalisierung heißt, dass heute niemand immun gegen eine amerikanische Rezession ist, dass die Auswirkungen aber geringer sein werden als früher“, betont Morgan Stanley. Die Bank spricht von einer „weichen Abkopplung“ Asiens von den Vereinigten Staaten und positioniert sich entsprechend: Die Analysten der Bank setzen auf einen wieder steigenden Wechselkurs des Dollar und auf Aktien der Schwellenländer.

Andere Marktteilnehmer sind der Meinung, dass die Börsen der Schwellenländer eine viel höhere Risikoprämie ausweisen müssten. Die Investmentbank Lehman Brothers lehnt diese Sichtweise jedoch ab: „Wir erkennen eine beeindruckende Verbesserung der volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den Schwellenländern.“ Die Analysten glauben nicht einmal an eine amerikanische Rezession. Sie befürchten sogar, dass Asien einen massiven Kapitalzufluss erleben wird und Volkswirtschaften wie Indien die Überhitzung droht.

Credit Suisse ist ein ähnlicher Verfechter der Theorie der „Abkoppelung“. Angesichts einer immer größeren Handelsverflechtung innerhalb Asiens machen Exporte in die Vereinigten Staaten für China nur noch 8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus, für Indien 4 Prozent, für Brasilien 3 Prozent und für Russland ein Prozent. Sollte sich das Wirtschaftswachstum der Industrieländer um ein Prozent reduzieren, würde dies das Wirtschaftswachstum Chinas daher nur um 1,3 Prozent schwächen. Das Wachstum in Brasilien und Indien würde nur zwischen 0,5 und 0,8 Prozent reduziert, rechnet Credit Suisse vor. Eine Konjunkturschwäche im Westen würde zudem zu weiteren Entlassungen, Kostensenkungen und Verlagerungen von Arbeitsprozessen in die Schwellenländer führen – dort also die Direktinvestitionen und die Nachfrage erhöhen. Asien habe angesichts der Fremdwährungsreserven vieler Länder zudem Spielraum, um fiskalpolitisch zu reagieren. Alle Regierungen der Schwellenländer würden zudem mit großen Infrastrukturprojekten voranschreiten. Dies sind nach Ansicht von Credit Suisse Punkte, die ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern gewährleisten.

Credit Suisse setzt daher auf die Märkte der Schwellenländer, warnt jedoch davor, dass sie stark abhängig sind von ausländischen Anlagegeldern, die schnell abgezogen werden können. Aber die Analysten der Bank glauben an ein kräftiges Gewinnwachstum in diesen Regionen. Sie betonen, dass der Kaufzeitpunkt angesichts der Risikoaversion an den Märkten gut sei. Die Bank setzt auf die Märkte in Brasilien, Malaysia, Thailand, Hongkong, Singapur, Taiwan, die Länder der Opec und Russland – nicht aber Südafrika, Türkei und Ungarn. Indirekt könnten Anleger zudem in Unternehmen mit großem Geschäft in den Schwellenländern investieren. Als Beispiele nennt sie unter anderem Nokia, Inbev, Telia, Alstom, ABB, Royal Unibrew, BAT und Minenwerte.

GvD.news
12.02.2008, 21:57
Der Platinpreis ist auf Rekordjagd
Produktionsdefizite haben das Edelmetall knapp gemacht

hi. FRANKFURT, 12. Februar. Der Platinpreis erreicht seit nunmehr neun Tagen immer neue Rekordhöhen. Doch dies ist nur der Ausschnitt aus einer explosiven Haussephase. Sie hat die Notierungen seit Ende Januar in der Spitze um etwa 25 Prozent auf zuletzt rund 1950 Dollar je Feinunze (rund 31 Gramm) getragen. Konkreter Anlass ist die andauernde Besorgnis über die Stromversorgung der Platinminen in Südafrika, dem mit Abstand führenden Produzenten. Das Edelmetall sei nach einer jahrelangen Serie ununterbrochener Produktionsdefizite so knapp geworden, dass die vorhandenen Bestände nicht ausreichen könnten, um weitere Ausfälle bei der Bergwerksgewinnung in Südafrika auszugleichen, heißt es in Fachkreisen. Daher müsse das Angebot über steigende Preise rationiert werden. Zuerst werde dies wohl die Nachfrage der Schmuckhersteller dämpfen.

Autokatalysatoren und Schmuck sind die beiden Hauptverwendungszwecke von Platin. Bei den Katalysatoren konkurriert es vor allem mit Palladium, einem weiteren Edelmetall aus der Platingruppe. Auch hier sind seit Ende Januar deutliche Preissteigerungen zu verzeichnen. Der Bedarf könnte in diesem Sektor zunächst nur sinken, wenn die Nachfrage nach Autos im Zuge einer sich abschwächenden Weltwirtschaft spürbar zurückgehen würde.

Die Nachfrage nach Platinschmuck, die in Asien während der vergangenen Jahre stark zugenommen hat, reagiert nach Ansicht von Händlern erfahrungsgemäß sensibel auf deutliche Preissteigerungen. Doch hier scheint der zuletzt enorm gewachsene Wohlstand in der Region ausgleichend zu wirken, weil sich Platinschmuck immer breiter werdende Käuferkreise erschließt. Der Markt gibt mit seiner gewiss auch stark spekulativ geprägten Hausse zu erkennen, dass die bisherigen Preissteigerungen wohl nicht ausreichen, um Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen.

GvD.news
12.02.2008, 21:57
Der Devisenmarktbericht
Im Spannungsfeld der Zinsen

Den Akteuren an den Währungsmärkten hat das Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der Siebenergruppe (G 7) am vergangenen Wochenende in Tokio nur wenig neue Erkenntnisse gebracht. In ihrer Abschlusserklärung wiederholten die Sitzungsteilnehmer, unter ihnen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesbankpräsident Axel Weber, ihre seit langem bekannte Formulierung, wonach sich in den Wechselkursen die fundamentalen Wirtschaftsdaten der Länder spiegeln sollen und allzu große Schwankungen beziehungsweise ungeordnete Kursbewegungen schädlich für die Konjunktur seien.

Gemessen an diesem Maßstab, ist zumindest mit Blick auf das Austauschverhältnis zwischen Dollar und Euro alles in guter Ordnung: In der Schwäche der amerikanischen Währung kommen die Krise auf dem amerikanischen Häusermarkt und die Furcht vor einer Rezession zum Ausdruck. Den Volkswirtschaften im Euro-Raum geht es ungleich besser, auch wenn natürlich die Abkühlung der amerikanischen Konjunktur hier Spuren hinterlassen wird. Von einer ungeordneten Bewegung, von einem Sturzflug des Dollar gar, kann aber wirklich keine Rede sein. Vielmehr ist die Entwicklung des Kurses von Dollar und Euro in den vergangenen Monaten keine Einbahnstraße gewesen. Nachdem es dem Euro kürzlich erneut nicht gelungen ist, auf mehr als 1,50 Dollar zu klettern, hat die europäische Gemeinschaftswährung wieder an Boden verloren. Am Dienstag wurden Kurse um 1,46 Dollar je Euro genannt.

Hinter der jüngsten Bewegung, die nach Einschätzung technisch ausgerichteter Devisenfachleute sogar noch ein gutes Stück weitergehen und den Euro auf weniger als 1,40 Dollar drücken könnte, steckt vor allem eine veränderte Erwartung der Marktakteure mit Blick auf den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie habe, so meinen viele EZB-Beobachter, angesichts der gestiegenen Konjunkturrisiken ihre Neigung zu einer Zinserhöhung aufgegeben und werde womöglich schon im März den Leitzins senken. Allerdings hat Bundesbankpräsident Weber diese Deutung ein wenig geradegerückt und darauf hingewiesen, dass die erwartete Abkühlung des Wachstums die Inflationsrisiken nicht nennenswert bremsen werde.

Bei Carl Weinberg, dem Chefvolkswirt der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York, ist diese Botschaft angekommen: „Wer jetzt schon eine Runde von Zinssenkungen der EZB vorhersagt, der ist vermutlich ein wenig voreilig.“ Weinberg rechnet weder im März noch im April mit einer Verringerung des Leitzinses im Euro-Raum. „Weber und auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hätten in Tokio die Gelegenheit gehabt, die Märkte auf eine Zinssenkung vorzubereiten. Sie haben es aber nicht getan“, sagt Weinberg, der enttäuscht darüber ist, dass die Siebenergruppe sich nicht auf ein gemeinsames Handeln verständigt hat, um die Risiken für die Weltwirtschaft zu verringern.

Derweil ist in Australien an Zinssenkungen überhaupt nicht zu denken. Ganz im Gegenteil sogar: Dort brummt die Wirtschaft nach wie vor; die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr. Die Inflation ist nach Einschätzung der australischen Währungshüter zu hoch, weshalb schon bald mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik zu rechnen ist. Der Leitzins beträgt schon 7 Prozent und ist damit auf dem höchsten Niveau seit elf Jahren angelangt. „Die hohen Zinsen werden zumindest für den Rest des Jahres den australischen Dollar in die Höhe treiben“, meint Joshua Williamson von TD Securities in Sidney. Inzwischen wird an den Finanzmärkten erwartet, dass der Leitzins Anfang März auf 7,25 Prozent angehoben wird.

Am Dienstag mussten für einen australischen Dollar rund 90,7 amerikanische Cent bezahlt werden, rund 1 Cent mehr als in der vergangenen Woche. Australische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren werfen derzeit rund 4,86 Prozentpunkte mehr ab als vergleichbare Wertpapiere des amerikanischen Finanzministeriums. Das ist der größte Zinsvorteil seit Ende 1990. Die Stärke des australischen Dollar dürfte aber dazu beitragen, das Wachstum etwas zu bremsen.

GvD.news
12.02.2008, 21:58
Warren Buffett sorgt an den Börsen für gute Stimmung
Der Milliardär will Kommunalanleihen im Wert von 800 Milliarden Dollar versichern / Dax gewinnt 3 Prozent

dmoh. FRANKFURT, 12. Februar. Der amerikanische Investor Warren Buffett hat die Finanzmärkte mit dem Angebot positiv überrascht, Kommunalanleihen im Wert von 800 Milliarden Dollar (550 Milliarden Euro) versichern zu wollen. Die Börsen in Europa und in den Vereinigten Staaten stiegen daraufhin deutlich, da dies als Vertrauensbeweis in die Anleihen und die Finanzmärkte an sich gewertet wurde. Der Deutsche Aktienindex Dax lag kurz vor Handelsschluss mit 3,4 Prozent im Plus auf 6970 Punkten, der Euro Stoxx 50 gewann 3,3 Prozent auf 3800 Punkte, und der Dow Jones eröffnete in New York mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 12 450 Punkten.

Buffett sagte in einem Fernsehinterview mit dem Sender CNBC, er habe den in Bedrängnis geratenen Anleiheversicherern Ambac, MBIA und FGIC bereits in der vergangenen Woche eine Offerte für kommunale Anleihen im Volumen von 800 Milliarden Dollar unterbreitet. Einer der Versicherer habe das Angebot bereits abgelehnt, aber er habe den Unternehmen 30 Tage Zeit gegeben, um über die Angebote nachzudenken. Die Anleiheversicherer waren zuletzt in Schwierigkeiten geraten, da ihre Kreditratings wegen der Finanzkrise gefährdet sind, eine Abstufung das gesamte Geschäftsmodell ins Wanken bringen und zudem zu einem Liquiditätsengpass der Unternehmen führen könnte.

Buffett hatte bereits im Dezember erklärt, er habe einen eigenen Anleiheversicherer gegründet. Die Gesellschaft Hathaway Assurance solle Anleihen absichern, mit denen Kommunen öffentliche Bauvorhaben finanzieren. Auf die Offerte von Buffett reagierten die zuletzt arg gebeutelten Aktien der Anleiheversicherer mit einer Stabilisierung ihrer Kurse, größere Kursgewinne blieben zunächst aber aus.

Sonst herrschte an den Aktienmärkten eine positive Grundstimmung vor. Der Dax legte einen der bisher wenigen Tage dieses Jahres mit deutlichen Kursgewinnen hin. Mit knapp 7000 Punkten liegt er seit Jahresanfang allerdings noch immer mit mehr als 1000 Punkten oder rund 14 Prozent im Minus. Das Minus beim Euro Stoxx 50 beträgt ebenfalls 14 Prozent.

Deutlich erholt haben sich am Dienstag die Bankwerte. Die Credit Suisse berichtete, bislang ohne größere Blessuren durch die Kreditkrise gekommen zu sein. Dem Aktienkurs der Schweizer Großbank nutzte das zwar wenig, denn die Analysten hatten bessere Zahlen erwartet, die Commerzbank-Aktie gewann hingegen deutlich an Wert. Die zuletzt ordentlichen Zahlen der Deutschen Bank und nun der Credit Suisse machten den Anlegern Hoffnung, dass auch die Commerzbank auf ihrer Bilanzpressekonferenz am Donnerstag keine Hiobsbotschaften verbreiten muss. Auch die Titel der Hypo Real Estate legten mit plus 7 Prozent überdurchschnittlich zu. Europaweit gehörten die zuletzt arg gebeutelten Finanzaktien wie Fortis, Unicredit oder Barclays zu den größten Gewinnern.

Im M-Dax lagen die Aktien der angeschlagenen IKB mit mehr als 12 Prozent im Plus, nachdem eine weitere finanzielle Unterstützung durch die staatliche KfW mittels einer Wandelanleihe auf Post-Aktien konkretere Formen annahm. Von ihrem 52-Wochen-Hoch von 33 Euro ist die Aktie mit nun 5,50 Euro weit entfernt.

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12.02.2008, 21:58
Google im Handformat
Die amerikanische Suchmaschine wird mobil: Bald soll die Online-Werbung von Google auch auf Mobilfunkgeräten sein. Ein Partner ist schon gefunden. T-Mobile bringt das „gPhone“ im vierten Quartal.

jcw. BARCELONA, 12. Februar. Das Internetunternehmen Google will seine Präsenz auf dem Feld der Online-Werbung auch auf das mobile Internet ausdehnen. Das erklärte Rich Miner, der für Google als Group Manager Mobile Plattforms arbeitet. Als Vehikel dazu soll das im November von Google angekündigte Handy-Betriebssystem Android dienen. „Wir betrachten Android als strategische Investition. Das Produkt wird aber kostenlos abgegeben. Langfristig werden wir durch die Werbung auf den Handys Geld verdienen“, erklärte der Google-Manager während der Messe Mobile World Congress und fügte hinzu: „Wir werden aber erst damit anfangen, Werbung im mobilen Internet zu vermarkten, wenn klar ist, dass der Nutzer etwas davon hat.“ Das kann seiner Ansicht nach zum Beispiel Werbung sein, die den Kunden auf Angebote in seiner direkten Umgebung aufmerksam macht.

Einen Zeitpunkt, wann Google mit der mobilen Werbung beginnen werde, nannte Mines nicht, sagte aber: „Wir sind sehr zuversichtlich, damit Geld zu verdienen.“ Als Grund für die Android-Initiative nennt Miner auch eine „leichte Frustration“ über die bisher langsame Entwicklung auf dem Markt des mobilen Internet. Die hochgradige Fragmentierung auf der Seite der Betriebssysteme habe für Google dazu geführt, dass mehr Leute für das Testen der verschiedenen Internetanwendungen auf unterschiedlichen Geräten gebraucht wurden als Programmierer für die Anwendungen selber. „An dieser Stelle haben wir uns entschieden, der Branche ein wenig unter die Arme zu greifen und eine einheitliche und offene Plattform zu entwickeln“, sagte Miner. Jetzt hofft Google darauf, dass die Multimediahandys mit Android auch preiswerter werden könnten. „Die Lizenzkosten für andere Betriebssysteme können bis zu 20 Prozent der Herstellungskosten für ein Multimediahandy betragen. Android ist kostenlos. Daher können auch die Geräte preiswerter werden.“

Miner verspricht sich davon eine stärkere und schnellere Durchdringung des Marktes mit multimedia- und internetfähigen Mobiltelefonen, was wiederum schneller zu einer kritischen Masse für eine effektive Werbung auf den Geräten führen würde.

Für Android hat Google gemeinsam mit mehr als 30 Unternehmen die Open Mobile Alliance gegründet, die das Projekt nach Angaben von Miner seitdem gut vorangebracht hat. Schon in Barcelona zeigen einige Hersteller erste Prototypen solcher Geräte. Die Unternehmen, die ihre Vorstellungen eines solchen Handys präsentieren, sind bisher aber nicht die klassischen Handyhersteller, sondern die Anbieter der Chips – wie Texas Instruments oder Qualcomm –, welche die Handys erst zum Leben erwecken. Als Partner auf der Seite der Handyhersteller sind bisher Samsung, LG sowie Motorola und die HTC an Bord.

Der weltgrößte Handyhersteller Nokia ist bisher nicht in der Allianz. Das ist auch dem Umstand geschuldet, dass die Finnen der größte Aktionär von Symbian sind, dem Unternehmen, das bisher den Markt für die Betriebssysteme der Oberklasse-Handys dominiert. Allerdings kündigte Nokia am Dienstag in Barcelona an, dass in einige dieser Geräte künftig die Suchmaschine von Google integriert werde.

Zu den Netzbetreibern, die in der Open Mobile Alliance teilnehmen, gehören neben Telefónica und China Mobil auch T-Mobil. Das Unternehmen kündigte am Dienstag in Barcelona das erste Gerät mit dem Android-System für das vierte Quartal des laufenden Jahres an.

Android soll die Produktion mobiler Anwendungen jetzt deutlich günstiger machen als bisher. Dafür nutzt Android das kostenlose Betriebssystem Linux als Kern. Auf dieser offenen Plattform sollen jetzt Tausende von Programmierern eigene Anwendungen für Android gestalten – und vielleicht später von deren Erfolg profitieren. Aus Sicht des Initiators Google soll Android auch die eigenen Programme im mobilen Internet populär machen. Dazu gehört nicht nur die Suchmaschine, sondern auch der E-Mail-Dienst Gmail oder der Landkartendienst Maps.

GvD.news
12.02.2008, 21:58
Gildemeister gibt sich für 2008 noch optimistischer
Guter Start ins neue Jahr / Deutscher Werkzeugmaschinenbau bleibt auf Rekordniveau

kön. FRANKFURT, 12. Februar. Der Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister AG hat seine Prognosen für 2008 optimistischer formuliert. Das letzte Quartal 2007 ist stark ausgefallen, der Auftakt im neuen Jahr gut gewesen. Das Bielefelder Unternehmen stellt auf den hohen Auftragsbestand ab und erwartet nun einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro; das sind gegenüber der November-Prognose 200 Millionen Euro mehr. Das Ergebnis vor Steuern und der Jahresüberschuss würden abermals mit einer zweistelligen Rate wachsen. Die Dividende soll für 2007 von 0,20 auf 0,35 Euro erhöht und für dieses Geschäftsjahr weiter aufgestockt werden.

Der von Gildemeister erwartete Umsatzzuwachs von mindestens 15 Prozent passt in das Gesamtbild des deutschen Werkzeugmaschinenbaus. Denn der Branchenverband VDW hat gestern ein Produktionswachstum von 10 Prozent prognostiziert. Nach dem Plus von 16 Prozent im vergangenen Jahr ist das ein neues Rekordhoch. In diesem positiven Umfeld notierte die Aktie von Gildemeister, hinter der schwäbischen Trumpf GmbH der zweitgrößte deutsche Werkzeugmaschinenbauer, am Dienstag um bis zu 3,5 Prozent auf 14,45 Euro höher. Zwischenzeitlich brach der Aktienkurs jedoch auf 13,55 Euro ein.

Nur gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters präzisierte Gildemeister-Vorstandsvorsitzender Rüdiger Kapitza am Dienstag die Prognose, wonach der Gewinn vor Steuern 2008 um mindestens 20 Prozent auf mehr als 100 Millionen Euro und der Jahresüberschuss um ein Viertel auf mehr als 60 Millionen Euro steigen solle. Zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts auf Korruption und Bestechlichkeit machte das Unternehmen keine Angaben. Mitte Januar hatte die Bielefelder Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume von Gildemeister sowie die Privaträume von Kapitza durchsucht. Anlass waren ungeklärte Geldbewegungen über 1,3 Millionen Euro auf ein Konto das Vorstandsvorsitzenden. Kapitza lehnte gegenüber dieser Zeitung am Dienstag Aussagen über den Stand der Ermittlungen sowie die Geschäftsentwicklung ab. Mitte Januar hatte diese Zeitung auf auffällige Kursbewegungen und möglichen Insiderhandel hingewiesen, die die Staatsanwaltschaft auf den Plan riefen (F.A.Z. vom 17. Januar).

Anders als die gesamte Branche erwartet Gildemeister mit einem Auftragseingang von mehr als 1,9 Milliarden Euro in diesem Jahr einen Zuwachs von nur noch mindestens 2 Prozent, was auf eine spürbare Abflachung im Geschäft hindeutet. Carl Martin Welcker, Vorsitzender des Fachverbandes VDW, sagte am Dienstag, dass er derzeit keinerlei Anzeichen für ein Nachlassen der Nachfrage sehe. „Ein so langer nachhaltiger Aufschwung kommt mir allmählich suspekt vor“, sagte er in Frankfurt. Die Automobilindustrie und deren Zulieferer – mit einem Anteil von rund 50 Prozent am Produktionswert größter Abnehmer – brächten eine Fülle neuer Modelle heraus, womit auch neue Produktionsmaschinen gefragt seien. Der Maschinenbau (Anteil 18 Prozent) laufe ebenfalls sehr gut. Die Unternehmen würden mit einer Kapazitätsauslastung von knapp 95 Prozent voll beschäftigt sein. Der Auftragseingang sei im vergangenen Jahr um 29 Prozent und damit fast doppelt so schnell wie die Produktion gewachsen. Damit reiche der Auftragsbestand im Durchschnitt für fast acht Monate Beschäftigung. Schon von daher sei das erwartete Produktionswachstum für 2008 gesichert.

GvD.news
12.02.2008, 21:59
Credit Suisse übersteht die Hypothekenkrise gut
Die Schweizer Großbank hat 2007 einen Rekordgewinn erzielt. Aber hohe Engagements in Gewerbeimmobilien schwächen den Aktienkurs.

du. ZÜRICH, 12. Februar. Die Credit Suisse (CS) ist bisher vergleichsweise glimpflich durch die Finanzmarktturbulenzen gekommen. Mit einem Reingewinn aus fortgeführten Geschäften in der Rekordhöhe von 8,5 Milliarden Franken (5,3 Milliarden Euro) für 2007 übertraf sie das früher formulierte Ziel und entsprach am Dienstag zugleich den Markterwartungen. Insbesondere die Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten hat die Schweizer Großbank im Berichtsjahr nicht so stark getroffen. Der Bestand aller Subprime-Verbriefungen belief sich nach den Angaben in der Bilanzpressekonferenz Ende des Jahres auf 4,3 Milliarden Franken (2,7 Milliarden Euro), und die Abschreibungen auf alle privaten Hypothekenfinanzierungen konnten auf rund 620 Millionen Franken begrenzt werden.

Mit ihrem Jahresergebnis hebt sich die Credit Suisse markant von dem größeren Konkurrenten UBS ab. Dieser war im Hypothekengeschäft zu Abschreibungen von bisher gut 21 Milliarden Franken gezwungen und hat einen Jahresverlust von 4,4 Milliarden Franken angekündigt.

Dessen ungeachtet hatte auch die Aktie der CS in den vergangenen zwölf Monaten deutlich an Wert verloren. Auf die Zahlen reagierte sie zunächst mit einem weiteren Kursrückgang. Dies könnte damit zusammenhängen, dass der Ausblick des Vorstandsvorsitzenden Brady Dougan äußerst vage blieb und die Engagements der Credit Suisse in zwei anderen sensiblen Bereichen, nämlich der Finanzierung von Unternehmensübernahmen und von Gewerbeimmobilien in den Vereinigten Staaten, klar wurden. In beiden Geschäftsfeldern ist die CS eine der bedeutendsten Banken im Weltmarkt. Selbst nach einem kräftigen Abbau der Positionen wies das Geldhaus Ende 2007 noch Beträge von 36 Milliarden Franken in der Übernahmefinanzierung und von knapp 26 Milliarden Franken in der Verbriefung von Gewerbeimmobilien aus. Zugleich kündigte Dougan eine Verlangsamung des laufenden Aktienrückkaufs an: Es sei nicht mehr geplant, die zweite Hälfte der Gesamtsumme von acht Milliarden Franken bis Ende des Jahres abzuwickeln.

Insgesamt summierten sich die Abschreibungen der Credit Suisse 2007 auf 2,0 Milliarden Franken. Davon entfielen 1,3 Milliarden auf das vierte Quartal. Allerdings konnte die Bank nach eigenen Angaben im Gegenzug aus Absicherungsmaßnahmen rund 1,5 Milliarden Franken verbuchen, die den Bruttowert von 3,5 Milliarden Franken entsprechend verminderten. Mit ihren Zahlen hat die Credit Suisse nach Einschätzung von Dougan „große Teile der Konkurrenz hinter sich gelassen“ und zugleich eine solide Grundlage für 2008 geschaffen. Der Reingewinn je Aktie stieg – unter Ausklammerung des Verkaufs der Winterthur-Versicherung 2006 – von 7,19 auf 7,65 Franken. Die Dividende soll 2,50 Franken betragen.

In den einzelnen Sparten verlief das Geschäft allerdings sehr unterschiedlich. Während im Geschäft mit Privatkunden und Firmen die Bank 2007 vor Steuern 5,5 Milliarden Franken oder 19 Prozent mehr verdiente, fiel das Investmentbanking um denselben Prozentsatz zurück und erwirtschaftete noch 4,8 Milliarden Franken. Im vierten Quartal betrug der Rückschlag sogar 86 Prozent auf 328 Millionen Franken. Demgegenüber legte das Private Banking weiter um ein Fünftel auf 1,4 Milliarden Franken zu. In diesen drei Monaten sammelten die CS-Banker Neugeld in Höhe von 12,0 Milliarden Franken vor allem aus Asien ein nach 8,6 Milliarden Franken im Vorjahr. Insgesamt verwaltete die Bank Ende des Jahres 1,6 Billionen Franken und damit gut halb so viel wie die UBS. Das Asset Management für institutionelle Kunden schnitt 2007 mit 354 Millionen Franken um 30 Prozent schlechter ab. Der Grund liegt im Rückkauf von Wertschriften aus eigenen Geldmarktfonds, die mit nicht weniger als 920 Millionen Franken im Gesamtjahr negativ zu Buche schlugen.

GvD.news
12.02.2008, 21:59
Analysten wieder optimistischer
ZEW-Konjunkturerwartungen überraschend positiv

MANNHEIM, 12. Februar (Reuters). Die deutsche Wirtschaft geht nach Einschätzung von Börsenstrategen von diesem Sommer an wieder besseren Zeiten entgegen. Im Februar stieg der ZEW-Index zu den Konjunkturerwartungen von Anlegern und Analysten erstmals seit Mai 2007. „Das deutet auf eine vorsichtige konjunkturelle Entspannung ab Mitte des Jahres hin“, sagte ZEW-Ökonom Matthias Köhler über die Umfrage, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Analysten setzen darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) schon bald die Zinsen senken werde und mit einem schwächeren Euro der Export wieder anzieht. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Index stieg deshalb um 2,1 Punkte auf minus 39,5 Punkte.

Damit verharrte der Index unter seinem historischen Durchschnitt von 30,7 Punkten. Die derzeitige wirtschaftliche Lage beurteilten die Finanzmarktakteure zugleich jedoch deutlich schlechter als im Januar. Der Index brach um 22,9 auf 33,7 Zähler ein und lag damit so niedrig wie seit August 2006 nicht mehr. Als Grund für diesen deutlichen Einbruch gilt die Talfahrt an den Aktienmärkten, die von Fehlspekulationen der Banken auf dem amerikanischen Immobilienmarkt ausgelöst wurde. „Die Banken gehen durch das Tal der Tränen, aber die Finanzanalysten rechnen damit, dass in einem halben Jahr wohl das Schlimmste überstanden sein wird“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Staatliche Ausgabenprogramme zur Stützung der deutschen Konjunktur seien deshalb nicht nötig.

GvD.news
12.02.2008, 21:59
Iran will Sanktionen umgehen
Knapp 50 staatliche Unternehmen sollen in einer Ölholding an ausländischen Börsen plaziert werden. Wert: mindestens 980 Milliarden Dollar.

Her. ISTANBUL, 12. Februar. Um die amerikanischen Sanktionen zu umgehen, will Iran zur Aufnahme von internationalem Kapital eine Holdinggesellschaft an vier internationalen Börsen plazieren. Das sagte Ghanimi Fard, der in der „National Iranian Oil Company“ (NIOC) als Direktor für internationale Beziehungen zuständig ist, der Fachzeitschrift „Middle East Economic Digest“ (MEED). Die Holdinggesellschaft werde 47 staatliche Unternehmen der Industrien Öl und Gas zusammenführen, sagte Fard in London dem Magazin. Die Privatisierung der Holdinggesellschaft sei durch die Notierung an der Börse Teheran bis zum Jahr 2014 vorgesehen. Der Prozess könne indes beschleunigt werden, um den Appetit der Anleger zu fördern.

Da die Teheraner Börse nicht genügend Kapital aufbringe, wolle Iran die Holding auch an zwei Börsen von Nachbarstaaten und an zwei weiteren in Asien plazieren. Dort sollen internationale Anleger, die aufgrund der amerikanischen Sanktionen an direkten Investitionen in Iran gehindert würden, zu Finanzinvestitionen in der Lage sein. Fard bezifferte den Buchwert der 47 Unternehmen auf mindestens 980 Milliarden Dollar. Er sei zuversichtlich, dass der Marktwert höher liegen werde. Mit den vier Börsen seien bereits Abmachungen unterzeichnet worden, Einzelheiten wollte Fard nicht nennen.

Die Sanktionen führen dazu, dass die iranische Ölförderung sinkt, die weltweit zweitgrößten Gasfelder kaum erschlossen werden und das Opec-Mitglied Iran Benzin einführen muss. Ein Viertel des täglichen Benzinverbrauchs von 64 Millionen Liter muss Iran einführen. Fard rechnet bis 2013 mit einer Zunahme des Verbrauchs auf 95 Millionen Liter, aber auch mit einem Anstieg der Raffinierung von Benzin auf 164 Millionen Liter. Iran hat bereits den Bau von drei neuen Großraffinerien in Arak, Bandar Abbas und Isfahan ausgeschrieben. Chinesische Konsortien haben im Dezember und Januar Verträge zum Bau der Raffinerien in Arak und Isfahan unterzeichnet. Iran hatte den Auftrag für Isfahan zunächst an zwei deutsche Anlagenbauer vergeben, wollte den Baubeginn aber nicht länger aufschieben.

Ausbauen muss Iran auch seine Ölförderung. Eine Studie der amerikanischen John-Hopkins-Universität kommt zu dem Ergebnis, dass Iran aufgrund der von Jahr zu Jahr fallenden Ölproduktion und der steigenden Inlandsnachfrage bereits 2015 kein Öl mehr exportieren könne, wenn nicht umgehend investiert werde. Seit der Revolution im Jahr 1979 ist die Ölförderung von 6 Millionen Barrel am Tag auf 3,9 Millionen zurückgegangen.

Stets aufs Neue schiebt der Ölkonzern Royal Shell Dutch aber die Entscheidung auf, 10 Milliarden Dollar in die Erschließung des größten Gasfelds überhaupt, des South Pars Field, zu investieren. Ein Unternehmen aus Malaysia ist indes bereit, in die Erschließung von Gasfeldern und die Umwandlung des Erdgases in transportierbares Flüssiggas (LNG) 16 Milliarden Dollar zu investieren. Iran strebe eine LNG-Kapazität von 66 Millionen Tonnen im Jahr an, sagte Fard. Iran exportiert bisher Gas nur über Leitungen in die Türkei und nach Armenien.

GvD.news
12.02.2008, 21:59
In der Schuld
Die Formel für den neue Kreditdeckel muss effektiv, einfach und europakompatibel sein.

Die Suche nach einer neuen Schuldenbremse für Bund und Länder tritt in eine entscheidende Phase. An diesem Donnerstag trifft sich die Kommission von Bundestag und Bundesrat, die einen Kompromiss aushandeln soll. Im Frühjahr wollen die Vorsitzenden, Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) und der Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, ihr Konzept vorlegen. Noch im ersten Halbjahr soll das Gerüst stehen, damit die Änderung des Grundgesetzes in ausreichendem Abstand zur Bundestagswahl beraten werden kann.

An Vorschlägen, wie man die Flucht in neue Schulden besser als bisher verbauen kann, mangelt es nicht. Der Sachverständigenrat will grundsätzlich daran festhalten, dass sich der Kreditspielraum an den Investitionen orientiert. Er schlägt aber vor, den Investitionsbegriff enger zu fassen. SPD-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück will sich am Europäischen Stabilitätspakt anlehnen, aber eine gewisse langfristige Verschuldung weiter zulassen. Die Union zeigt sich hier skeptisch. Aus ihren Reihen ist das Mantra zu hören: Ein ausgeglichener Haushalt ist ein ausgeglichener Haushalt.

Nur in der Theorie überzeugt der Ansatz, die nachwachsende Generation über Kredit an den Kosten dauerhafter Investitionsprojekte zu beteiligen, wie es die Ökonomen des Sachverständigenrats vorschlagen. In der Praxis funktioniert das nicht: Wer will den Werteverzehr bestimmen, der herausgerechnet werden müsste, weil Brücken saniert, Autobahnen erneuert, Schulen erhalten werden müssen? In dem Maße, in dem sich das Vermögen des Staates vermindert, wären die Bruttoinvestitionen zu kürzen, um die künftigen Steuerzahler nicht übermäßig zu belasten. Auch ist der Investitionsbegriff nicht hart abgrenzbar. Selbst wenn anfangs ein enger Rahmen gezogen würde, bliebe die Gefahr, dass später der Ruf laut wird, auch die Bildungsausgaben einzubeziehen – nach dem Motto: Es kann nicht sein, dass Investitionen in Köpfe weniger wichtig sind als zusätzliche Autobahn-Kilometer. Damit wären Tür und Tor geöffnet für einen extremen Anstieg der Neuverschuldung.

Es ist daher richtig, dass Steinbrück sich von dem investitionsorientierten Ansatz gänzlich gelöst hat. Er will stattdessen das strukturelle Staatsdefizit auf höchstens 0,5 Prozent beschränken. Für den Bund beansprucht er mit 0,35 Prozent den Löwenanteil. Auch dieses Konzept ist problematisch, da es eine klare Vereinbarung darüber verlangt, welcher Teil des Defizits dauerhaft (strukturell) bedingt ist und welcher Teil durch Konjunkturschwankungen hervorgerufen wird.

Zudem gilt: Weniger ist im Fall der Staatsverschuldung tatsächlich mehr. Die hohen versteckten Lasten, die die nachwachsende Generation mit den Beamtenpensionen und über die Sozialversicherungen schon zu tragen hat, sprechen dafür, auf kreditfinanzierte Ausgaben grundsätzlich zu verzichten, wie es viele Unionspolitiker auch verlangen. Dies darf nicht mit einem totalen Schuldenverbot verwechselt werden. Der Staatshaushalt soll auch nach dem Willen der Union weiterhin mit der Konjunktur atmen können. Die dazu von Steinbrück und der Union ins Auge gefasste Norm hat den Vorteil, dass sie politisch nicht so weich ist wie die aktuelle Konjunkturklausel.

Sinnvoll ist auch das vorgeschlagene Ausgleichskonto, auf dem Abweichungen von den geplanten Werten festgehalten würden, die sich im Haushaltsvollzug unvermeidlich ergeben. Falls der Saldo zu sehr ins Minus rutscht, soll die Regierung zu einem Haushaltssanierungsgesetz verpflichtet werden. Das ist ein geschickter Weg, um zu verhindern, dass dem Haushalt wiederholt zu günstige Annahmen zugrunde gelegt werden.

Offen ist, ob die Länder – wie eigentlich notwendig – in die neue Regelung einbezogen werden. Baden-Württemberg hat einen Entschuldungsfonds angeregt, um auch die besonders verschuldeten Bundesländer zum Mitmachen zu bewegen. Den Fonds lehnen jedoch der Bund und die Bayern ab. Sie sehen zu Recht damit alle gestraft, die bisher sparsam gewirtschaftet haben.

Sachsen-Anhalt hat vorgeschlagen, armen Ländern mit Geld aus dem Solidaritätszuschlag aus dem Schuldenschlamassel zu helfen. Das ist aus Ländersicht reizvoll, weil es ein Geschäft auf Kosten des Bundes wäre, dem die Einnahmen aus dem Soli zustehen. Warum sollte er darauf eingehen? Letztlich muss es im Interesse eines jeden Landes sein, seine Neuverschuldung zu begrenzen, weil mit der Überschuldung die Existenzberechtigung in Frage gestellt werden könnte.

Entscheidend wird sein, dass die neue Formel gegen Schulden effektiv, einfach und europakompatibel ist. Jeder muss sehen können, ob die Norm eingehalten wird. Die erste Große Koalition hat Ende der sechziger Jahre das Schulden-Ventil geöffnet. Ihre Nachfolgerin muss es schließen. Das ist sie dem Land schuldig. Selten war die Gelegenheit so günstig wie derzeit. Union und SPD verfügen im Bundestag über die notwendige Mehrheit. Die konjunkturelle Lage ist trotz Eintrübungen noch so freundlich, so dass sich der Druck, in Defizite auszuweichen, in Grenzen hält. Es wäre fahrlässig, diese Chance nicht zu nutzen.

GvD.news
12.02.2008, 22:00
General Motors bietet Abfindung für alle
Rekordverlust für Amerikas größten Autohersteller: Jetzt schnürt General Motors ein Abfindungspaket für 74 000 Mitarbeiter. Denn die Geschäfte in Europa und Amerika laufen immer schlechter.

lid./hpe. NEW YORK/FRANKFURT, 12. Februar. Der amerikanische Autohersteller General Motors (GM) hat den größten Verlust seiner Geschichte verbucht. GM weist für 2007 einen Nettoverlust von 38,7 Milliarden Dollar aus. Das ist ein Negativrekord für die gesamte amerikanische Autoindustrie. Der Verlust ist vor allem auf eine Abschreibung zurückzuführen, die General Motors bereits im November angekündigt hat. Allerdings hat sich nun im vierten Quartal auch das operative Geschäft erheblich eingetrübt, vor allem im amerikanischen Heimatmarkt und in Deutschland. Der Aktienkurs reagierte zunächst mit Verlusten von mehr als 2 Prozent auf die Mitteilungen, drehte im Handelsverlauf jedoch ins Plus.

General Motors hat angesichts der Verluste weitere Sparmaßnahmen angekündigt. Das Unternehmen bietet allen seinen 74 000 amerikanischen Mitarbeitern in der Fertigung eine Abfindung an. GM hat sich bereits in einem vor mehr als zwei Jahren gestarteten Sanierungsprogramm von 34 000 Beschäftigten getrennt. Ziel des neuen Sparprogramms ist es nicht in erster Linie, die Belegschaft zu reduzieren, sondern ältere und besser bezahlte Beschäftigte durch billigere Kräfte zu ersetzen. Das ist möglich, nachdem sich General Motors vor wenigen Monaten mit der Autogewerkschaft UAW in einem neuen Tarifvertrag auf ein mehrstufiges Gehaltssystem geeinigt hat. Auch Ford hat vor wenigen Wochen angekündigt, allen 54 000 Mitarbeitern in amerikanischen Werken Abfindungspakete anzubieten. GM-Vorstandsvorsitzender Rick Wagoner wollte keine konkreten Angaben dazu machen, von wie vielen seiner Mitarbeiter sich GM tatsächlich trennen will und in welchem Umfang sie ersetzt werden sollen.

Der Verlust für das Gesamtjahr geht in erster Linie auf eine Abschreibung auf latente Steuern von 38,6 Milliarden Dollar zurück, die GM schon für das dritte Quartal vorgenommen hat. Die Abschreibung bedeutet, dass GM in der Zukunft nicht mit ausreichend hohen Gewinnen rechnet, um in der Vergangenheit erworbene Ansprüche auf Steuerersparnisse nutzen zu können. Sie ist also insofern ein Zeichen für schwache Geschäftsaussichten.

Im vierten Quartal hat sich die wirtschaftliche Lage bei GM im Vergleich zum Vorjahr erheblich eingetrübt. Im Gesamtkonzern wies das Unternehmen einen Nettoverlust von 722 Millionen Dollar aus, nachdem es im Vorjahr noch einen Gewinn von 950 Millionen Dollar erwirtschaftet hatte. Zu den größten Schwachpunkten gehörte der amerikanische Heimatmarkt, der GM nun schon seit mehreren Jahren Sorgen macht.

Auch in Europa hat sich die Lage eingetrübt: Im vierten Quartal gab es hier einen Verlust von 445 Millionen Dollar, im Vorjahr lag der Verlust noch bei 154 Millionen Dollar. GM führt dies auf einen „deutlich schwächeren Markt in Deutschland“ sowie ungünstige Währungsrelationen zurück. Das Unternehmen wies darauf hin, dass es im Gesamtjahr 2007 ohne Sonderfaktoren ein positives Ergebnis von 55 Millionen Dollar gegeben habe. Diesen Gewinn in Europa verdankt GM der Marke Opel/Vauxhall, auf die etwa 80 Prozent des gesamten Geschäfts entfällt. Die schwedische Marke Saab steckt dagegen unverändert in der Verlustzone, und es ist auch für das laufende Jahr keine Besserung in Sicht. Frühestens 2010 könnte Saab die Gewinnschwelle erreichen, die früheren Angaben zufolge bei einem Absatz von 180 000 Autos liegt. Davon sind die Schweden aber mit zuletzt nur 125 000 verkauften Autos noch weit entfernt. Sowohl bei Saab als auch bei Opel in Rüsselsheim stellt man sich auf ein schwieriges Jahr 2008 ein. Der Opel Vectra und auch die beiden Saab-Modelle 9-3 und 9-5 verkaufen sich nur sehr schleppend, und das wichtige neue Mittelklassemodell Insignia kommt als Vectra-Nachfolger erst sehr spät auf den Markt. Die in die Jahre gekommenen Saab-Modelle, die ebenso in Rüsselsheim vom Band laufen, sollen sogar noch später ersetzt werden.

GvD.news
14.02.2008, 00:23
Die Aktienkurse in Seoul sind auf einer Talfahrt
Ungünstige Konjunkturaussichten belasten / Südkoreanischer Index gilt als Frühindikator für die Weltwirtschaft

gap. FRANKFURT, 13. Februar. An der Börse in Seoul geht es seit Anfang November abwärts. Zwar hat sich in den zurückliegenden Wochen eine Konsolidierung eingestellt, doch gelten die Chancen, dass sie auch das Ende der Abwärtsbewegung markieren könnte, als sehr gering. Dem südkoreanischen Kospi-Index dürfte als Nächstes ein Test des zyklischen Tiefs bevorstehen, das am 31. Januar erreicht worden war. Vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Aussichten für die Weltwirtschaft erklären Skeptiker, dieses Tief werde wohl eher früher als später unterschritten. Südkorea gilt wegen seiner starken Exportabhängigkeit als besonders anfällig für einen wirtschaftlichen Abschwung in den wichtigen Industriestaaten.

Der Kospi-Index hatte Anfang November das Rekordhoch von 2064,85 Punkten erreicht. Dies war, rückblickend betrachtet, wichtiger Bestandteil und zugleich Wendepunkt im Rahmen einer ausgedehnteren Gipfelbildung, die Ende Juli 2007 zeitgleich mit dem Ausbruch der Krise an den Kreditmärkten eingesetzt hatte. Von diesem Höchststand fiel der Index auf 1589,06 Punkte zurück. Damit hatte er in der Spitze etwas mehr als 20 Prozent Terrain preisgegeben. Dies erfüllt, wenn auch nur so eben, das Mindestmaß von 20 Prozent, das landläufig als Definition einer Baisse gilt. Das größere Bild vom südkoreanischen Aktienmarkt zeigt eine Hausse, die im März des Jahres 2003 bei einem Stand des Kospi von etwa 500 Punkten begann. Im März 2007, als der Index nach einer leichten Korrektur auf 1376 Punkte gefallen war, setzten exponentielle Kurssteigerungen ein, bis im Juli der wohl entscheidende Bruch eintrat. Am Mittwoch schloss der Kospi bei 1631,78 Punkten.

Strategen weisen immer wieder darauf hin, dass sich der Kospi seit fast zwei Jahrzehnten als zuverlässiger Frühindikator für die Weltwirtschaft erwiesen hat. Daher wird er wieder sehr aufmerksam beobachtet. Die prognostischen Fähigkeiten des Index werden damit begründet, dass südkoreanische Unternehmen mit einem im internationalen Vergleich überdurchschnittlich hohen Anteil an Fremdkapital, also Schulden, arbeiten. Laufen die Weltkonjunktur und damit die südkoreanischen Exporte gut, lässt die Hebelwirkung des Fremdkapitals die Gewinne der Unternehmen kräftig steigen. In trüben Zeiten schrumpfen die Gewinne, weil die auf das Fremdkapital zu leistenden Zinsen stark am Ergebnis zehren. Gewiefte, vorausblickende Anleger wissen dies und handeln entsprechend.

Die kritische Lage der Weltkonjunktur und die schwierigen südkoreanischen Wirtschaftsperspektiven sind auch von der Notenbank in Seoul (BoK) erkannt worden. Sie hat ihren Leitzins am 13. Februar bei 5 Prozent belassen, wo er nach zwei vorausgegangenen Anhebungen um jeweils 25 Basispunkte nun bereits sechs Monate lang liegt.

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs erklärt hierzu, die Aussicht auf eine geringere Nachfrage nach südkoreanischen Wirtschaftsgütern habe in den Augen der Zentralbank offenkundig größeres Gewicht als die Gefahren einer zunehmenden Inflation im Lande. Die BoK scheine zu einer lockereren Geldpolitik bereit zu sein und dürfte ihren Leitzins bis zur Jahresmitte um 50 Basispunkte zurücknehmen. Die Zentralbank sei unter anderem besorgt darüber, dass die sich ausweitenden Zinsdifferenzen zu Amerika Kapital nach Südkorea locken und den Won unwillkommen stark aufwerten lassen könnten, was wiederum von Nachteil für den Export der heimischen Unternehmen wäre.

Die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch unterstreichen die von der Weltwirtschaft, und hier besonders von Amerika, ausgehenden konjunkturellen Risiken für Südkorea und raten daher, die Börse in Seoul in einem Portefeuille von Schwellenmärkten untergewichtet zu plazieren. Dabei bleibt anzumerken, dass Südkorea schon lange nicht mehr in die Kategorie der Schwellenländer fällt, dort aber in Fragen der internationalen Anlagestrategie aus systematischen Gründen verblieben ist.

Die Investmentbank Merrill Lynch hebt auch hervor, dass sich der Binnenverbrauch unerwartet robust entwickeln und damit eine deutliche Stütze für die Konjunktur bilden könnte. Ausländische Anleger seien unterdessen hartnäckig untergewichtet in südkoreanischen Aktien engagiert. Daraus kann geschlossen werden, dass sich der künftige Verkaufsdruck in Seoul eher in Grenzen halten dürfte. Zudem bezeichnet Merrill Lynch südkoreanische Aktien im Allgemeinen als nicht teuer. Sie notierten zudem mit einem Bewertungsabschlag gegenüber dem Durchschnitt des Sektors. Zyklische Aktien sollten gemieden werden.

GvD.news
14.02.2008, 00:23
Wer steigt auf, wer steigt ab?
Wie im Fußball ist auch an der Börse die Klassenzugehörigkeit viel wert. Anfang März entscheidet der Arbeitskreis Aktienindizes, wer hoch darf, und wer runter muss.

dmoh. FRANKFURT, 13. Februar. Am Abend des 5. März ist es wieder so weit: Die Vertreter von elf Banken beraten mit der Deutschen Börse über die Neuzusammensetzung der Auswahlindizes Dax, M-Dax, Tec-Dax und S-Dax. Von der Entscheidung hängt einiges ab.

Die Notierung einer Aktiengesellschaft im Dax wird viel stärker öffentlich wahrgenommen als eine im M-Dax oder in gar keinem Auswahlindex. Zudem orientieren sich viele Fonds, Zertifikate und Vermögensverwalter an der Indexzusammensetzung. Gerade die steigende Zahl an Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) bildet die Auswahlindizes genau nach, muss also Aktien eines Aufsteigers kaufen und die eines Absteigers verkaufen.

Da Börsianer zukünftige Entwicklungen zu antizipieren versuchen, wird bereits jetzt wieder munter spekuliert, wer in einen Index aufsteigen könnte und wer absteigen muss. Zumindest kurzfristig profitiert der Aktienkurs von einem Aufstieg, während ein Abstieg eher negativen Einfluss hat. Die mutmaßlichen Indexveränderungen im Überblick:

Dax. Im deutschen Leitindex steht nur im September eines Jahres eine „ordentliche Anpassung“ an, eine „außerordentliche Anpassung“ ist dennoch möglich, derzeit aber nicht wahrscheinlich. Der Arbeitskreis Aktienindizes hat zwei Größen, auf denen seine Entscheidung beruht: die Marktkapitalisierung der Aktien des Unternehmens, die sich im Streubesitz befinden, und die Handelsumsätze in den Aktien des Unternehmens.

Eine außerordentliche Anpassung im Dax fände nur statt, wenn einer der Dax-Werte in mindestens einer der beiden Kenngrößen nicht mehr zu den größten 45 deutschen Aktiengesellschaften gehört. Größter Wackelkandidat ist die TUI, die nach ihrer schwachen Kursentwicklung in der jüngsten Rangliste der Deutschen Börse nach der Marktkapitalisierung nur noch auf Platz 39 liegt. Spätestens im September, wenn Rang 40 zum Maßstab genommen wird, dürfte die TUI ernsthaft um den Dax-Verbleib zittern müssen.

Zumal eine Reihe von Kandidaten die Kriterien (jeweils mindestens Platz 35) für einen regulären Aufstieg bereits erfüllen würden: K+S (Rang 26 bei der Marktkapitalisierung/Rang 34 beim Handelsumsatz), Q-Cells (33/35) und Salzgitter (35/31). Andere sind zumindest nahe dran: Beiersdorf (34/39), Hochtief (36/36) und Gea (38/38). Dass Volkswagen den Dax verlassen muss, wenn Porsche seinen Anteil auf mehr als 50 Prozent erhöht, ist bisher unwahrscheinlich. Das Unternehmen weist eine Marktkapitalisierung von 44 Milliarden Euro auf. Angenommen, Porsche erhöhte auf 51 Prozent, Niedersachsen hielte weiterhin gut 20 Prozent, verbliebe immer noch eine Marktkapitalisierung im Streubesitz von 13 Milliarden Euro. Dax-Unternehmen wie Hypo Real Estate, Infineon oder Postbank, die jeweils eine Marktkapitalisierung des Streubesitzes von rund 5 Milliarden Euro aufweisen und um Rang 30 plaziert sind, wären da schon eher gefährdet.

M-Dax. Da vermutlich kein Unternehmen Anfang März den Index nach oben in den Dax verlassen wird, bekommen Aufsteiger in den M-Dax nur eine Chance, wenn es Absteiger aus diesem Index gibt. Einer bietet sich gleich auf dem Silbertablett an: die IKB. Der Kursverfall der vergangenen Monate hat die Aktiengesellschaft auf Rang 79 der für die 50 Plätze im M-Dax in Frage kommenden Unternehmen zurückgeworfen. Der Abstieg scheint unausweichlich. Auch die erst im September aufgestiegene Deutz-Aktie bewegt sich auf dünnem Eis. Platz 64 bei der Marktkapitalisierung liegt unter der Mindestplazierung von 60 und könnte somit den Abstieg bedeuten.

Zumindest ein Aufsteiger steht quasi fest: der Hamburger Hafen (HHLA). Erst im Herbst an die Börse gekommen, erfüllt die Gesellschaft mit den Plätzen 27 (Marktkapitalisierung) und 33 (Umsatz) locker die Mindestplazierung von Rang 40 für den Aufstieg in den Index für mittelgroße Aktiengesellschaften. Als weitere Aufsteiger böten sich Air Berlin (53/28) oder Demag Cranes (54/41) an.

Tec-Dax. Den Technologieindex Tec-Dax könnte der Arbeitskreis noch mehr zu einem Solarindex machen. Phoenix Solar erfüllt mit den Plazierungen 32 und 34 unter den für den Tec-Dax in Frage kommenden Unternehmen die jeweilige Mindestplazierung von 35. Entsprechende Absteiger ließen sich auch finden: Adva (51/25) und AT+S (35/39) erfüllen zumindest jeweils eine Bedingung nicht.

GvD.news
14.02.2008, 00:24
Anleihen sind ein Lichtblick in der Finanzkrise
Die Börsenmisere hat die Anleger in Scharen aus den Aktienmärkten und in den sicheren Hafen der Anleihen getrieben. Wer dort schon zu Jahresbeginn investiert war, freut sich jetzt über schöne Kursgewinne.

ruh. FRANKFURT, 13. Februar. Selten haben erstklassige Zinsanlagen so viel Freude bereitet wie in Zeiten der Finanzkrise. Seit dem Jahr 2003 mussten sicherheitsbewusste Anleger zusehen, wie die Aktienmärkte davonzogen und meist zweistellige jährliche Renditen abwarfen. Mancher mag angesichts der mageren Anleihezinsen, die selten weit oberhalb der 4 Prozent lagen, schon in Selbstzweifel verfallen sein. Doch nun hat sich das Bild gewandelt. 4 Prozent Ertrag haben langlaufende Bundesanleihen allein in den vergangenen sechs Wochen abgeworfen, zählt man Kursgewinne und Stückzinsen zusammen.

Doch die höheren Anleihekurse haben den Nachteil, dass frisches Geld nun nur noch zu schlechteren Konditionen investiert werden kann. Käufer von zehnjährigen erstklassigen Euro-Staatsanleihen können nicht mehr als 3,9 Prozent jährlicher Rendite erwarten. Viele Analysten erwarten sogar, dass es bald noch etwas weiter runtergehen kann. „Wir erwarten bis zum Jahresende einen Rückgang der Rendite auf 3,7 Prozent“, sagt Rainer Sartoris von der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe nun doch angedeutet, dass sie zu Zinssenkungen bereit sei. Die Kurse im Terminhandel des Geldmarktes spiegeln schon die Erwartung der Anleger, dass die EZB ihren Leitzins in drei Schritten von 4 auf 3,25 Prozent reduzieren wird. Je nach Tagesform der Konjunkturdaten lag die Zinserwartung in den vergangenen Tagen sogar noch niedriger.

Die vom Markt vorgezeichnete Senkung des Leitzinses könne sich die Zentralbank erlauben, weil es absehbar ist, dass die derzeit noch hohe Inflationsrate bald sinken wird, sagt Sartoris. Die Wirkung der im Herbst sehr hohen Energiepreise und der Mehrwertsteuererhöhung des vergangenen Jahres auf die Teuerung lasse allmählich nach. Außerdem werde es weniger übermäßige Lohnerhöhungen geben als befürchtet, weil sich die Verhandlungsposition der Arbeitgeber in der abflauenden Konjunktur verbessert. Und so werde die Jahresrate der Inflation von derzeit gut 3 im Sommer auf 2,5 und im November wieder unter 2 Prozent sinken.

Spielraum für Leitzinssenkungen erkennt auch Klaus Wiener, Chefvolkswirt des italienischen Versicherers Generali. Die Inflationsrate sinke ohnehin, und zudem schränkten die Banken ihre Kreditvergabe ein. In der ersten Jahreshälfte werde wegen der sinkenden kurzfristigen Zinsen deshalb auch der langfristige Marktzins weiter nachgeben, was mit steigenden Anleihekursen verbunden ist. Mittel- bis langfristig erwartet Wiener aber eine Rückkehr der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf deutlich höhere Werte. Den auf Dauer fairen Wert der Rendite vermutet er eher zwischen 4,5 und 5 Prozent. Angesichts verbesserter struktureller Rahmenbedingungen für das Wachstum in Europa liege der angemessene Realzins – also das, was nach Abzug der Inflation übrig bleibt – bei 2,25 bis 2,5 Prozent. Die langfristige Inflationserwartung betrage etwa 2 Prozent, und zuzüglich einer kleinen Risikoprämie gegenüber jederzeit verfügbaren Zinsanlagen addiere er sich zu einem „fairen“ Zehnjahreszins von gut 4,5 Prozent.

Das sei eine plausible Rechnung für die längere Sicht, ergänzt Klaus Holthusen, Analyst der DZ Bank. Trotzdem erwartet er weitere Kursgewinne der Anleihen und einen Rückgang der langfristigen Zinsen auf 3,6 Prozent. „Noch prägen die Kreditkrise und die Verluste der Banken die Stimmung. Das begünstigt die Flucht in sichere Anlagen.“ Nach dieser einige Wochen dauernden Phase rechnet auch Holthusen mit einer Beruhigung. Dann werde sich herausstellen, dass der wirtschaftliche Abschwung in Amerika nicht von langer Dauer sein wird, sagt Holthusen. „Die Welt wird doch nicht untergehen.“

Wenn sich diese Erkenntnis erst durchsetze, würden sich auch auf dem Anleihemarkt die Gewichte verschieben und das Thema Inflation in der zweiten Jahreshälfte wieder eine größere Rolle spielen. Die Inflationsrate werde von heute aus betrachtet zwar fallen, aber nicht unter 2 Prozent. Deshalb rechnet Holthusen zunächst mit Kursgewinnen der Anleihen in den kommenden Wochen, im Anschluss aber mit einer kräftigen Gegenbewegung, die den Anlagezins auf Sicht von zwölf Monaten auf 4,6 Prozent nach oben treiben wird. Behält er mit dieser Prognose recht, wären die guten Zeiten auf dem Anleihemarkt nur noch von kurzer Dauer.

GvD.news
14.02.2008, 00:25
United Internet beteiligt sich an Adition

ht. FRANKFURT, 13. Februar. United Internet hat sich über den Erwerb von 48,7 Prozent der Anteile an der Medienholding Virtual Minds an deren Tochtergesellschaft Adition beteiligt. Adition hat sich auf die Auslieferung der Werbung im Internet spezialisiert (Adserving) und wird nach der Übernahme von Doubleclick durch Google und Adtech durch AOL der letzte relevante unabhängige Anbieter in Deutschland sein. „Adserving gehört zu den Kerntechnologien der digitalen Werbung. Die in diesem Bereich anhaltende Konzentration führt zu einer Marktmacht globaler Anbieter, die den Wettbewerb einschränkt. Für einen offenen und unabhängigen digitalen Mediamarkt sind der Erhalt neutraler Dienstleister von essentieller Bedeutung“, sagt Matthias Ehrlich von United Internet Media.

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14.02.2008, 00:25
Rio Tinto lehnt Übernahme ab
Gewinn höher als erwartet / Wachstum aus eigener Kraft

che. SINGAPUR, 13. Februar. Der Rohstoffkonzern Rio Tinto baut seine Verteidigung gegen eine Übernahme durch den australischen Marktführer BHP Billiton für knapp 150 Milliarden Dollar aus. „Zwischen dem gebotenen Preis und dem wahren Wert unseres Unternehmens liegen Welten“, sagte Tom Albanese, Vorstandsvorsitzender des britisch-australischen Bergwerksunternehmens, am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanz des drittgrößten Bergwerksunternehmens der Welt.

Vor allem setzt Rio Tinto auf die eigene Stärke. So legte das Unternehmen am Mittwoch eine Bilanz vor, die besser als erwartet ausfiel. Während BHP Billiton in der vergangenen Woche Analysten mit einem Gewinnrückgang um 2,4 Prozent zur Hälfte des Geschäftsjahres enttäuscht hatte, weist Rio Tinto nun zwar einen Rückgang des Reingewinns um 2 Prozent auf 7,31 Milliarden Dollar für das vergangene Jahr aus. Der Vorstand betonte aber, dass der bereinigte Gewinn – ohne Währungseinflüsse, Einmaleinflüsse durch die Übernahme des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und Kosten zur Minderung von Schäden – um 1 Prozent zulegte. Seit Juni ist er sogar um 9 Prozent gestiegen. Der Umsatz im Gesamtjahr zog um 32 Prozent auf 29,7 Milliarden Dollar an.

Bis 2015 erwartet Albanese einen Produktionszuwachs von durchschnittlich 8 Prozent im Jahr. Seiner Aussage zufolge ist dies das Doppelte des Wertes, mit dem BHP Billiton rechnet. Im vergangenen Jahr hat Rio Tinto mit 5 Milliarden Dollar ein Viertel mehr für die Erschließung und den Abbau von Lagerstätten ausgegeben als im Vorjahr. So versucht das Unternehmen, der schnell wachsenden Nachfrage vor allem aus China und Indien zu begegnen. „Diese langfristigen Trends werden von der jeweiligen heimischen Nachfrage getrieben und bleiben deshalb weitgehend unberührt von jeder möglichen kurzfristigen Schwäche der westlichen Volkswirtschaften“, sagte Paul Skinner, der Vorsitzende des Verwaltungsrates von Rio Tinto Ltd./plc. In dasselbe Horn stieß sein Chefvolkswirt, Vivek Tulpule: „Es ist sehr gut möglich, dass einige Rohstoffpreise noch vor ihrem zyklischen Höhepunkt stehen“, sagte er. Bei den derzeitigen Preisverhandlungen für Eisenerz erwarten die Förderunternehmen Steigerungen von mehr als 50 Prozent.

Im vergangenen Jahr trug die Steigerung der Preise für Rohstoffe 1,36 Milliarden Dollar zum Rio-Tinto-Gewinn bei, ein höherer Ausstoß unterstützte das Ergebnis mit 516 Millionen Dollar. Am ertragreichsten erwies sich das Geschäftsfeld Kupfer mit 48 Prozent des Gesamtgewinns, gefolgt von Eisenerz mit 36 Prozent und der Aluminiumsparte mit 15 Prozent. Von letztgenannter profitierte Rio Tinto auch auf andere Art: Denn eine Steuerrückzahlung von 392 Millionen australischen Dollar (244 Millionen Euro) im Zusammenhang mit dem Kauf der kanadischen Alcan für 38,1 Milliarden Dollar entspricht in etwa dem Anteil, um den das ausgewiesene Ergebnis die Erwartungen der Analysten übertraf. Die Dividende will Albanese von 1,04 auf 1,36 Dollar anheben.

GvD.news
14.02.2008, 00:26
Krise kostet Bayern LB Milliarden
Zweitgrößte Landesbank greift tief in die Rücklagen

theu. MÜNCHEN, 13. Februar. Die Kreditmarktkrise hat die Bayern LB im vergangenen Jahr insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro gekostet. Der Gewinn werde durch notwendige Abschreibungen auf Wertpapiere aber lediglich um etwa 600 Millionen Euro belastet, teilte die zweitgrößte deutsche Landesbank am Mittwoch überraschend mit. Das Gros der Schäden gleicht das teilstaatliche Kreditinstitut durch einen tiefen Griff in seine Rücklagen aus. Auf die sogenannte Neubewertungsrücklage werden nach Angaben der Bayern LB insgesamt 1,3 Milliarden Euro abgeschrieben. Dies mindert zwar das Eigenkapital und schränkt die Bank damit in der Kreditvergabe ein. In der Gewinnrechnung tauchen die Wertberichtigungen aber zumindest vorerst nicht auf. Nur wenn es bei den betroffenen Wertpapieren zu Zahlungsausfällen kommen sollte, müssen auch sie gewinnmindernd abgeschrieben werden. Dies sei aus heutiger Sicht nicht zu erwarten, heißt es in einer Mitteilung der Bank.

Der operative Gewinn der Bayern LB ist durch die Abschreibungen 2007 voraussichtlich auf rund 1 Milliarde Euro zusammengeschmolzen. Im Vorjahr hatte die Bank einen Betriebsgewinn von 1,375 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Zahlen sind jedoch schlecht zu vergleichen, weil das Geldhaus 2007 erstmals nach IFRS-Buchhaltungsregeln bilanziert. Die Bank kündigte an, trotz der Belastungen eine unveränderte Dividende an ihre Eigentümer, das Land und die bayerischen Sparkassen, auszuschütten. Auch Kapitalmaßnahmen seien wegen der Krise nicht notwendig. Der vollständige Jahresabschluss soll am 28. April veröffentlicht werden.

Die Bayern LB reagierte mit der vorgezogenen Bekanntgabe ihrer Eckzahlen für 2007 auf die wachsende öffentliche Kritik an ihrer Informationspolitik. Ihr wird schon seit Monaten vorgeworfen, sie halte Informationen über das Ausmaß der Schäden zurück. Noch am Dienstag hatte der bayerische Finanzminister Erwin Huber (CSU) im Landtag gesagt, er könne die Belastungen nicht genau beziffern. Huber sitzt im Verwaltungsrat der Bank, der am Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammenkam. Die SPD-Opposition macht ihn mitverantwortlich für den Milliardenschaden.

Unter Druck steht auch der Vorstandschef der Bayern LB, Werner Schmidt. Er hat sich bisher nicht dazu geäußert, warum die Bank, die eigentlich die heimische Wirtschaft unterstützen soll, im internationalen Kapitalmarkt riskante Geschäfte in zweistelliger Milliardenhöhe eingegangen ist. Nach Angaben vom September betreibt die Bayern LB drei außerbilanzielle Zweckgesellschaften (Conduits) im Gesamtvolumen von 16 Milliarden Euro. Davon entfallen rund 1,9 Milliarden Euro auf besonders riskante Subprime-Forderungen.

GvD.news
14.02.2008, 00:26
Ergebnisse von Thyssen-Krupp brechen ein
Vor allem die Edelstahlsparte belastet den Ertrag des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp. Dennoch sieht der Vorstand keinen Anlass, seine Jahresprognose zu senken: Am Ende sollen 53 Milliarden Euro Umsatz und 3 Milliarden Euro Ergebnis stehen.

St. DÜSSELDORF, 13. Februar. Im ersten Geschäftsquartal sind wichtige Ertragskennziffern des Stahl-, Investitionsgüter- und Dienstleistungskonzerns der Thyssen-Krupp AG um etwa ein Drittel gegenüber den Vorjahreswerten zurückgefallen. Der Vorstand erklärt zwar im Zwischenbericht, das um 39 Prozent auf 646 Millionen Euro eingebrochene Ergebnis vor Steuern sei immerhin noch höher als geplant ausgefallen. Aber der Kapitalmarkt reagierte enttäuscht und machte die Thyssen-Krupp-Aktie zum Tagesverlierer im Dax. Ihr Kurs gab zeitweise bis zu zwei Euro auf 33,08 Euro nach, erholte sich dann aber wieder etwas.

Umsatz und Auftragseingang blieben in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2007/2008 mit 12,3 Milliarden beziehungsweise 13,3 Milliarden Euro fast stabil. Dabei schwächte sich in diesem Zeitraum, dem letzten Kalenderquartal 2007, die Dynamik der Weltkonjunktur in Reaktion auf stark erhöhte Energie- und Rohstoffkosten sowie die Unsicherheiten durch die Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten spürbar ab.

Dagegen zeigt im Thyssen-Krupp-Konzern das Konzernsegment Edelstahl, das den Ertragseinbruch weitgehend verursachte, eine Geschäftsstabilisierung. Nach mehrmonatiger Durststrecke nahm der Auftragseingang im Berichtszeitraum sogar um 12 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro zu. Unter Berücksichtigung der im Jahresverlauf extrem gesunkenen Preise stehen dahinter bei den verschiedenen Bandqualitäten Mengenzuwächse von zum Teil mehr als 30 Prozent. Der bereits im Sommer weggebrochene Nickelpreis fiel im ersten Geschäftsquartal nochmals um 20 Prozent zurück. Dies hat über die Legierungszuschläge starken Einfluss auf den Umsatz und durch die Bestandsbewertung auch auf das Ergebnis. Während sich das schwache Geschäft im Segmentumsatz in einem Rückgang um knapp sieben Prozent auf 1,8 Milliarden Euro niederschlug, stürzte das im Vorjahr außergewöhnlich gute Ergebnis in der Edelstahlsparte um 360 Millionen Euro in die Verlustzone (45 Millionen Euro) ab.

Neben dem „Nickeleffekt“ wird der Ertragseinbruch auch mit Belastungen aus der Unterbeschäftigung erklärt. Im Werkstoffhandel des Segments Services hat die Entwicklung im Edelstahl ebenfalls maßgeblich dazu beigetragen, dass sich das Segmentergebnis vor Steuern um ein knappes Drittel auf 132 (Vorjahr: 192) Millionen Euro deutlich verschlechterte.

Bei stabilem Auftragseingang und leicht auf 3,2 Milliarden Euro anziehenden Umsatz im Segment Qualitätsflachstahl hat auch hier das Vorsteuerergebnis um 11,5 Prozent auf 353 Millionen Euro nachgegeben. Dieser Rückgang resultiere aus geringeren Gewinnbeiträgen zum Bespiel des Geschäftsfeldes Autos, das vor allem in den Vereinigten Staaten erheblich schwächer war, aber auch aus den hohen Vorlaufkosten der in Brasilien in Bau befindlichen Stahlhütte.

Rein rechnerisch konnte diese Ergebnisminderung von den sich positiv entwickelnden Segmenten Anlagen- und Maschinenbau und Aufzüge/Fahrtreppen zwar kompensiert werden. Sie haben ihre Vorsteuerergebnisse auf 179 (148) Millionen beziehungsweise 119 (97) Millionen Euro ausgebaut. Aber der Edelstahleffekt schlägt auf die Gesamtzahlen voll durch. So büßte der Konzern beim betrieblichen Ergebnis (Ebitda) 424 Millionen Euro auf 1,08 Milliarden Euro ein. Um jeweils rund 35 Prozent verringerten sich der Quartalsüberschuss auf 435 Millionen Euro und das Ergebnis je Aktie auf 0,85 Euro.

Nach dem absehbar schwachen Start sieht der Vorstand keinen Anlass, seine Jahresprognose zu korrigieren. Aus einem Umsatz von 53 Milliarden Euro soll bereinigt um die Vorlaufkosten der Stahlwerksbauten in Brasilien und den Vereinigten Staaten ein Vorsteuerergebnis von mehr als drei Milliarden Euro erwirtschaftet werden. Das Unternehmen sieht die Perspektiven am Weltstahlmarkt weiterhin günstig, erwartet vor allem einen geringeren Importdruck aus China und eine Erholung am Edelstahlmarkt.

Die enormen Sachinvestitionen vor allem in Amerika schlagen sich inzwischen auch deutlich in der Finanzlage nieder. Ende des Quartals betrugen die Netto-Finanzverbindlichkeiten 859 Millionen Euro, während vor Jahresfrist noch 223 Millionen Euro Netto-Finanzforderungen ausgewiesen worden waren.

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14.02.2008, 00:27
Höhere Leitzinsen gegen die Inflationsgefahr

bf. FRANKFURT, 13. Februar. Auch wenn die starke Lockerung der amerikanischen Geldpolitik den gegenteiligen Eindruck erweckt: Die großen Notenbanken haben die Bekämpfung der Inflation nicht aus dem Auge verloren. So hat die Bank of England am Mittwoch angedeutet, dass sie ihren Leitzins wegen erhöhter Risiken für die Preisstabilität länger hoch halten könnte als an den Finanzmärkten derzeit erwartet. Die schwedische Riksbank ging noch einen Schritt weiter und erhöhte ihren Leitzins überraschend von 4 auf 4,25 Prozent, den höchsten Stand in 14 Jahren.

Die drastische Senkung des amerikanischen Leitzinses um 1,25 Prozentpunkte in der zweiten Januarhälfte hat an den Finanzmärkten die Erwartung geweckt, dass die übrigen Zentralbanken dem Vorbild folgen würden. Nicht zuletzt wird spekuliert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins bis zum Sommer von 4 auf 3,5 Prozent senkt. Diese Spekulationen hat bestärkt, dass EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Ratssitzung in der vergangenen Woche mit seiner Hervorhebung der Risiken für das Wirtschaftswachstum die Tür für Zinserhöhungen einen Spalt geöffnet hat. Allerdings hat Trichet am Wochenende nun wieder seine Sorgen über die Inflation im Euro-Raum hervorgehoben.

In ihrem neuen Inflationsausblick hat die Bank of England am Mittwoch eine Prognose veröffentlicht, die auf der derzeitigen Erwartung des Marktes basiert, dass der Pfund-Leitzins bis Ende 2008 auf 4,5 Prozent sinkt. Nach dieser Prognose würde die Inflationsrate in den nächsten zwei Jahren zeitweilig wieder 3 Prozent erreichen und damit das Ziel von 2 Prozent deutlich verfehlen. Indirekt lässt sich daraus ableiten, dass solch eine starke Zinssenkung für die Bank of England aus heutiger Sicht nicht in Frage kommt.

In Schweden reagierte die Riksbank mit der Leitzinserhöhung darauf, dass die Inflationsrate im Dezember mit 3,5 Prozent so hoch war wie seit 1993 nicht mehr. In den vergangenen Tagen hatten bereits die Notenbanken in Australien, Russland, Polen und anderen Ländern ihren Leitzins angehoben, um der Inflationsgefahr zu begegnen.

GvD.news
14.02.2008, 00:27
Subprime-Verluste in Japan unerwartet hoch

pwe. TOKIO, 13. Februar. Japans Banken haben bislang in Folge der Sub- prime-Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt Verluste von 600 Milliarden Yen (rund 5,6 Milliarden Dollar) verbucht. Diese Berechnung der japanischen Finanzaufsicht (Financial Service Agency) für die ersten drei Quartale des Geschäftsjahres (März bis Dezember) liegt mehr als doppelt so hoch wie die zum Stichtag 31. September 2007 genannten 276 Milliarden Yen. Trotz der Ausweitung der Verluste stehen die japanischen Banken in dieser Hinsicht deutlich besser da als etwa die amerikanischen Banken. Nach einer Schätzung des Internationalen Währungsfonds könnten sich die Subprime-Verluste der Finanzhäuser weltweit auf rund 400 Milliarden Dollar belaufen. Japans Finanzhäusern kommt in gewisser Weise zugute, dass sie nach der Krise zu Beginn des Jahrzehnts weniger Spielraum hatten, sich am amerikanischen Hypothekenmarkt zu engagieren. Nach den Angaben der japanischen Finanzaufsicht betrugen die Subprime-relevanten Investitionen der japanischen Banken zum Stichtag 31. Dezember 1,52 Billionen Yen, rund 14,2 Milliarden Dollar. Die Angaben der Finanzaufsicht berücksichtigen 38 größere Banken, 110 Regionalbanken und 536 weitere Finanzinstitute.

GvD.news
14.02.2008, 00:28
Venezuela stoppt Öl für Exxon
Reaktion auf Einfrieren von Vermögenswerten

mos. BUENOS AIRES, 13. Februar. Venezuelas staatliche Ölgesellschaft Petróleos de Venezuela S.A. (Pdvsa) hat die Öllieferungen an den amerikanischen Ölkonzern Exxon Mobil gestoppt. Das Unternehmen reagiere damit auf die „feindlichen wirtschaftsjuristischen Aktionen“, die Exxon gegen PDVSA unternommen habe. Der texanische Ölkonzern hatte bei verschiedenen Gerichten in Europa und Amerika das Einfrieren von Konten und anderen Vermögenswerten der PDVSA im Gesamtwert von 12 Milliarden Dollar erreicht. Damit will Exxon mögliche Forderungen aus laufenden Gerichtsklagen auf Entschädigung absichern, die das Unternehmen wegen der im vergangenen Jahr erfolgten Enteignung seiner Ölförderanlagen in Venezuela eingereicht hatte. Venezuelas Staatschef Hugo Chávez hatte die Aktion Exxons Anfang der Woche als Teil eines „Wirtschaftskrieges“ der Vereinigten Staaten gegen sein Land bezeichnet und angedroht, alle Ölexporte nach Amerika einzustellen.

Mit dem Stopp der Lieferungen an Exxon macht Chávez seine Drohung zumindest teilweise wahr. Betroffen sind allerdings nur Lieferungen von rund 80 000 Fass (je 159 Liter) je Tag, die bisher direkt für Exxon bestimmt waren. Weitere Lieferungen von 60 000 Fass je Tag, die an eine gemeinsam von PDVSA und Exxon betriebene Raffinerie in Louisiana gehen, seien von dem Lieferstopp nicht betroffen, teilte Pdvsa mit. Auch die übrigen Ölexporte in die Vereinigten Staaten werde Venezuela kaum stoppen, weil es sich damit vor allem selbst schaden würde, kommentierten Fachleute. Venezuela liefert mit rund 1,4 Millionen Fass drei Viertel seiner Ölexporte an Amerika (rund 8 Prozent der amerikanischen Öleinfuhr). Weil fast nur am Golf von Mexiko Raffinerien stehen, die das besonders schwere und schwefelhaltige Öl aus Venezuela verarbeiten können, habe Venezuela kaum Alternativen für die Bestimmung seiner Ölexporte, die allein 90 Prozent zu den gesamten Exporterlösen und rund die Hälfte zu den Staatseinnahmen beitragen.

Auch den Lebensmittelkonzernen Nestlé und Parmalat droht Chávez jetzt mit der Verstaatlichung ihrer Anlagen in Venezuela. Die Konzerne hätten „mit wirtschaftlichem Druck und Erpressung die Milchproduktion gestohlen“ und den staatlichen Milchverarbeitern vorenthalten. Das sei Sabotage, schimpfte Chávez. Eine Mehrheit der Venezolaner hatte in einem Referendum letzten Dezember einen Entwurf Chávez’ für eine sozialistische Verfassung abgelehnt. Der Staatschef ist jedoch vom Parlament mit Sondervollmachten ausgestattet, die Enteignungsmaßnahmen ermöglichen würden.

GvD.news
14.02.2008, 00:28
Japan streitet über ausländisches Kapital
Staatsminister heißt chinesischen Staatsfonds willkommen / Kabinett diskutiert über Beteiligung an Flughäfen

pwe. TOKIO, 13. Februar. Japan würde Investitionen des chinesischen Staatsfonds sehr willkommen heißen. Das hat der Staatsminister für Finanzdienstleistungen, Yoshimi Watanabe, am Mittwoch in Tokio nach einem Gespräch mit dem Generalmanager des chinesischen Staatsfonds China Investment Corp., Xiqing Gao, gesagt. Seit einigen Wochen halten sich in Japan Meldungen, dass der chinesische Staatsfonds, der 200 Milliarden Dollar verwaltet, auch an Investitionen in Japan interessiert sei. Watanabe sagte, der Fonds denke wahrscheinlich darüber nach.

Der Staatsminister gehört in Japan zu den vehementen Verfechtern der Offenheit gegenüber ausländischem Kapital, die in der Regierung nicht zwingend die Mehrheit haben. Das Kabinett ist zerstritten darüber, in welchem Ausmaß man ausländischen Unternehmen die Beteiligung an japanischen Flughäfen erlauben soll. Watanabe und auch Wirtschaftsministerin Hiroko Ota haben für die Offenheit Partei ergriffen, um ausländisches Kapital nicht abzuschrecken. Auch als Folge ihres Protestes hatte die Regierung vergangene Woche einen restriktiven Gesetzentwurf des Ministeriums für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus vorerst von der Tagesordnung des Kabinetts genommen.

Nach dem Plan von Infrastrukturminister Tetsuzo Fuyushiba dürften ausländische Unternehmen höchstens 30 Prozent Stimmrechtsanteile an den Betreibergesellschaften der internationalen Flughäfen Narita, Kansai und Chubu International sowie an der Gesellschaft Japan Airport Terminal Co. übernehmen. Japan Airport Terminal managt die Gebäude des Flughafens Haneda im Süden von Tokio. Transportminister Fuyushiba hatte im vergangenen Herbst erschreckt, dass der australische Investmentfonds Macquarie Airports Management Ltd. fast 20 Prozent an der börsennotierten Japan Airport Terminal übernommen hatte. Auch der Vorsitzende des wichtigen Wirtschaftsverbandes Keidanren, Fujio Mitarai, hat Sympathie für seine Gesetzesinitiative geäußert. Hintergrund des regierungsinternen Streits sind weniger die Putzkolonnen unter ausländischem Kapital im Flughafen Haneda, sondern der internationale Flughafen von Tokio, Narita. Er soll im Jahr 2010 an die Börse gebracht werden.

Der Generalmanager des chinesischen Staatsfonds, Gao, sprach in Tokio auch mit einer Gruppe japanischer Parlamentarier der größten Regierungspartei LDP unter Führung des früheren Finanzdienstleistungsministers Yuji Yamamoto. Die Gruppe hat die Einrichtung eines japanischen Staatsfonds angeregt, um die mit 996,04 Milliarden Dollar rekordhohen Währungsreserven gewinnbringend anzulegen und nebenbei den japanischen Aktienmarkt zu stützen. Bei Finanzminister Fukushiro Nukaga stößt diese Idee indes auf Widerstand. Japan hält nach China die zweithöchsten Devisenreserven der Welt.

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14.02.2008, 00:29
Regierung schnürt Rettungspaket für die IKB
Die Rettung der Deutschen Industriebank kostet immer mehr Geld und belastet den Haushalt. Die Regierung fürchtet eine Insolvenz.

hap./mas./ban. BERLIN/FRANKFURT, 13. Februar. Die von der Insolvenz bedrohte Mittelstandsbank IKB soll ein weiteres Hilfspaket in Höhe von 1,5 Milliarden Euro erhalten. Das hat der Verwaltungsrat der staatseigenen Förderbank KfW, die größter Aktionär der IKB ist, am Mittwoch Abend nach mehr als dreistündiger Sitzung beschlossen. Nach den Worten von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wird der Bund von dieser Summe eine Milliarde Euro übernehmen. Das Geld wird von der KfW ausgereicht. Den Rest sollen die übrigen Gruppen des deutschen Bankensystems tragen. Diese sträuben sich aber weiterhin. Es sei noch unklar, wie sich die fehlenden 500 Millionen Euro auf die Bankengruppen verteilen werden, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos. Der größte Teil soll nach Angaben aus Verhandlungskreisen von den privaten Banken kommen. Die Sparkassen und Kreditgenossenschaften wiesen Steinbrücks Forderung umgehend zurück. Der Präsident des Sparkassenverbandes, Heinrich Haasis, sagte, die IKB sei eine private Bank. Der Sparkassensektor habe bereits seinen Beitrag geleistet. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken lehnen zusätzliche Zahlungen ab.

Steinbrück und Glos sprachen von einer eingehenden Abwägung der Folgen einer IKB-Insolvenz, die zu dem genannten Ergebnis geführt habe. Mit Blick auf die privaten Banken und deren Zögern sagte der Finanzminister: „Die IKB ist eine private Bank.“ Ihre Insolvenz würde die Einlagensicherung der privaten Banken besonders belasten.

Für den Bundeshaushalt 2008 ergibt sich Steinbrück zufolge keine zusätzliche Belastung, in den Folgejahren jedoch schon. Das Engagement sei aber notwendig, weil im Falle einer Insolvenz der IKB ein „erheblicher Vertrauensverlust für den Finanzplatz Deutschland gedroht hätte“. Im Falle einer Insolvenz wären Einlagen von 24 Milliarden Euro bedroht, sagte der Finanzminister. „Die Erschütterungsdynamik wäre unabsehbar.“

Mit der neuen Hilfe sollen alle derzeit erkennbaren Risiken der IKB abgedeckt sein. Im aktuellen Rettungspaket ging es um Risiken in der Bilanz, in den vorangegangenen Rettungspaketen waren schon Risiken über 6,15 Milliarden Euro innerhalb und außerhalb der Bilanz aufgefangen worden. Wie knapp die IKB vor der Insolvenz stand, macht die Beschlussempfehlung zur Verwaltungsratssitzung deutlich. Darin hieß es unter anderem: „Der Verwaltungsrat nimmt zur Kenntnis, dass zur Wiederherstellung einer Eigenkapitalquote, die die aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfüllt und die Kapitalmarktfähigkeit der IKB mit Blick auf den Verkaufsprozess sicherstellt, Maßnahmen zur Kapitalstärkung sowie Maßnahmen zur Bereinigung der IKB-Bilanz um die Portfolioinvestments erforderlich sind.“

Der mittelstandspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Michael Fuchs, warnte, die IKB-Krise dürfe nicht zu Lasten der ERP-Mittelstandsförderung gehen. Die KfW habe sich zum Erhalt eines Fördervolumens von jährlich 590 Millionen Euro verpflichtet. Sollte sich die KfW an weiteren Stützungsmaßnahmen beteiligen, sei nicht auszuschließen, dass diese Zusagen zumindest zeitweise nicht eingehalten werden könnten. Derlei Bedenken will der Verwaltungsrat zerstreuen. In der Beschlussvorlage heißt es weiter: „Im Hinblick auf die notwendige Sicherstellung der Förderleistung der KfW erfolgt dieses finanzielle Engagement nur in dem Maße, wie hieraus resultierende Nachteile durch Dritte vollständig und frei von jeglicher Belastung für das ERP-Sondervermögen ausgeglichen werden.“

Die ausgebrochene Personaldebatte dauerte auch am Mittwoch an. Die FDP-Bundestagsfraktion erwägt, einen Untersuchungsausschuss des Bundestages zu beantragen. Die SPD-Fraktion wies Forderungen aus der Union zurück, die KfW-Vorsitzende Ingrid Matthäus-Maier solle sich zurückziehen. Nachdem am Dienstag schon der SPD-Fraktionsvorsitzende Struck „das ist Blödsinn“ gesagt hatte, verwies am Mittwoch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, darauf, Matthäus-Maier sitze nicht im Aufsichtsrat der IKB. Dort säßen „lauter erste Adressen“ des deutschen Finanz- und Wirtschaftswesens, sodass man sich eigentlich auf das Gremium hätte verlassen müssen. Es sei „sehr befremdlich“, dass Geschäfte der IKB außerhalb der Bilanzen gemacht worden seien. Nötig seien mehr Transparenz und ein besseres Frühwarnsystem. Er warnte davor, Sparkassen und Landesbanken könnten in Schwierigkeiten geraten, wenn die IKB nicht gerettet werde. Oppermann sagte, die Landesbanken müssten „konsolidiert“ werden und sollten „vernünftig“ zusammengelegt werden.

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15.02.2008, 00:02
Die Großanleger am Aktienmarkt sind zutiefst verunsichert
Risikoaversion so hoch wie nach dem Terroranschlag 2001

bes. LONDON, 14. Februar. Selten waren Fondsmanager und Großinvestoren so verunsichert über die Entwicklung an den Finanzmärkten wie derzeit. Da offenbar niemand abschätzen kann, wie sich die Kreditkrise noch zuspitzen wird, ob eine Lösung für die amerikanischen Kreditversicherer gefunden wird, ob die Vereinigten Staaten und womöglich die Welt in eine Rezession rutschen und ob amerikanische Zinssenkungen und fiskalpolitische Hilfe in dieser Krise überhaupt langfristig helfen, halten sich die Investoren zurück. Ihre Risikoaversion ist so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr, als der Terroranschlag auf das World Trade Center die Welt erschütterte.

Nach einer Umfrage von Merrill Lynch unter den global tätigen Großinvestoren halten die Fondsmanager eine so hohe Liquidität vor wie noch nie. Jeder dritte Fondsmanager hat sich mit Anlagestrategien gegen einen weiteren scharfen Kurseinbruch an den Aktienmärkten in den nächsten drei Monaten gewappnet.

„Wir haben noch nie eine so große Unsicherheit bei unseren Kunden erlebt wie jetzt und so wenig Überzeugung mit Blick auf künftige Entwicklungen angetroffen“, sagt Credit Suisse nach einer Umfrage bei ihren Großkunden im Januar. „Nach unserer Erfahrung bedeutet dies in der Regel, dass die Märkte auf ein Niveau extremer Unterbewertung fallen.“ Zwar säßen die Investoren auf hoher Liquidität, warteten aber auf den Startschuss, in den Markt neu einzusteigen. Dieser werde nach Aussage der Anleger erst fallen, wenn eine endgültige Lösung für die Kreditversicherer gefunden worden und der Ölpreis deutlich gesunken sei, die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen gesenkt und China die Straffung seiner Geldpolitik eingestellt habe.

An Zuversicht mangelt es derzeit, weil nur die knappe Hälfte der am Markt errechneten Verluste auf strukturierte Kreditprodukte bestimmten Bankadressen zugeordnet werden kann und der Markt über die Restverluste noch im Dunkeln tappt. Zudem beobachten die Marktteilnehmer, dass Anleger ihre Positionen an strukturierten Produkten nicht abstoßen können, gleichzeitig aber die Absicherung gegen potentielle Verluste an diesem Markt immer teurer wird und dies seinerseits Verluste und den Zwang, sich weiter abzusichern, schürt. Marktteilnehmer sind überzeugt, dass die Kreditkrise mindestens noch bis Mitte des Jahres anhalten wird und der Aktienmarkt nicht ausreichend auf die Risiken daraus reagiert hat. Die Anleger rechnen aber damit, dass diese Reaktion des Marktes mit zweimonatiger Verspätung folgen wird.

Zusätzlich besteht die Angst, dass all die Zinssenkungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve und all die fiskalpolitischen Hilfsmittel letztlich nur für eine zwischenzeitliche Erholung der amerikanischen Konjunktur sorgen werden – sprich sich das Tal der Tränen im nächsten Jahr fortsetzen wird.

Fast alle Investoren erwarten, dass sich die Unternehmensgewinne in den kommenden zwölf Monaten deutlich verschlechtern, dass nicht nur das amerikanische, sondern auch das europäische Wirtschaftswachstum einbricht und die europäische Notenbank EZB zu spät reagiert. Die Hälfte der europäischen Fondsmanager glaube, dass die Geldpolitik der EZB zu restriktiv sei, berichtet Merrill Lynch.

Entsprechend positionieren sich die Anleger: Anders als noch vor wenigen Monaten werden europäische Aktien nicht mehr favorisiert. Britische und japanische Aktien sind tabu. Selbst von den Aktien der Schwellenländer trennen sich Investoren, weil sie glauben, dass die Finanzmarktkrise und der Rückgang der Unternehmensgewinne auch dort zum Thema werden. Wie in den meisten ernsten Krisen an den Aktienmärkten bevorzugen die Investoren amerikanische Aktien, unter anderem, weil sie derzeit davon ausgehen, dass sich der Wechselkurs des Dollar erholen wird.

„Es scheint, als ob die Marktteilnehmer davon ausgingen, dass die Märkte im zweiten Quartal noch einmal die Tiefstkurse vom Januar testen werden“, sagt Credit Suisse nach ihrer Kundenumfrage. Dann wäre der Zeitpunkt gekommen, vorläufig wieder in den Markt einzusteigen, denn im zweiten Halbjahr könnte ein etwas nachhaltigerer Kursanstieg folgen, wenn auch die EZB ihre Zinsen senke. Credit Suisse betont, dass nach ihren technischen Risikoindikatoren die Zeit derzeit noch nicht gekommen sei, wieder in den Markt einzusteigen.

Einige Anleger kaufen jedoch wieder völlig abgewertete Bank- und vor allem Versicherungstitel in der Annahme, dass das derzeit in die Aktienkurse einberechnete Verlustpotential aus Positionen strukturierter Kreditprodukte in der Panik des Marktes viel zu hoch angesetzt sei.

GvD.news
15.02.2008, 00:02
Trotz Konjunktursorgen kann von einer Rohstoff-Baisse noch keine Rede sein
Die Schwäche einzelner Industriemetalle überdeckt das allgemein hohe Preisniveau. Vor allem Agrarrohstoffe befinden sich weiterhin in einer Hausse.

hi. FRANKFURT, 14. Februar. An den Rohstoffmärkten sind derzeit noch keine überzeugenden Hinweise darauf zu erkennen, dass der erwartete Rückgang des globalen Wirtschaftswachstums wegen einer möglichen Rezession in Amerika nachhaltig auf die Preise drückt. Prognosen, die von rückläufigen Preisen auf breiter Front ausgehen, stützen sich bislang nur auf einzelne Indizien. In dieser Situation kommt offensichtlich der verbreitete Hang zur Verallgemeinerung zum Tragen.

So wird häufig von Rohstoffen gesprochen, wenn nur die Basis- oder Industriemetalle gemeint sind. Dabei steht außer Frage, dass beispielsweise Agrarprodukte wie Weizen, Baumwolle und Kakaobohnen ebenfalls Rohstoffe sind und sich entweder in einer Hausse befinden oder wenigstens auf hohem Niveau stabil tendieren – auch wenn im Einzelfall darüber diskutiert werden kann, ob die herrschenden Preise mit den fundamentalen Gegebenheiten von Angebot und Nachfrage gerechtfertigt werden können oder als spekulative Übertreibung gelten müssen.

Schon die höchst unterschiedlichen Prognosen zur Entwicklung der Weltwirtschaft werfen die Frage auf, ob auf dieser Basis nur einigermaßen treffsichere Aussagen zur weiteren Tendenz an den Rohstoffmärkten gegründet werden können. Zudem ist nach Darstellung von Fachleuten zu bedenken, dass der große Bereich der Agrarprodukte auf der Nachfrageseite traditionell wenig sensibel auf konjunkturelle Schwankungen reagiert. Sie dienen der Ernährung einer beständig wachsenden Bevölkerungszahl. Nur bei Genussmitteln wie Kaffee, Kakao und Orangensaft liegen die Dinge anders, denn wenn deren potentielle Käufer sparen müssen, bietet sich hier Potential.

Zucker stellt einen Sonderfall dar. In wirtschaftlich weniger entwickelten Teilen der Welt ist dieses Erzeugnis zwar Grundnahrungsmittel, in den Industrieländern zählt es jedoch zu den Genussmitteln. Seit vor etwa vier Jahren der Ölpreis stark zu steigen begann, rückte eine weitere, immer bedeutsamer werdende Verwendung des Grundprodukts Zuckerrohr ins Rampenlicht: die Herstellung von Ethanol zur Ergänzung oder gar zum vollständigen Ersatz von Benzin. In dieser Hinsicht haben Getreidesorten – und hierbei vor allem Mais – sowie Ölsaaten in den vergangenen Jahren eine zunehmende Gemeinsamkeit mit Zuckerrohr gefunden.

So führt, von den klassischen Industriemetallen einmal abgesehen, jeder Rohstoff sein von den jeweils herrschenden fundamentalen Bedingungen vorgegebenes Eigenleben. Dabei spielt der Umstand eine herausragende Rolle, dass die Agrarrohstoffe reproduzierbar sind und Jahr für Jahr neu heranwachsen. Der einzige Faktor, der sie und auch die Industriemetalle im tatsächlichen Tagesgeschäft miteinander verbindet, ist der Einfluss der Spekulation in ihrer besonderen Erscheinungsform der Hedge-Fonds. Diese Fonds sind als große Gruppe bisher tendenziell nur als Käufer von Rohstoffen aufgetreten. Dabei orientieren sie sich nur zu einem geringen Teil an den jeweils herrschenden fundamentalen Gegebenheiten. Vielmehr gehen sie nach mehr oder minder modifizierten Trendfolgesystemen vor, um Kapitalgewinne zu erzielen. So erklären sich nach Darstellung von Analysten derzeit zum Beispiel die Preissteigerungen für Kaffee und besonders für Kakao. Beide Märkte hätten wegen des Einflusses der Fonds den Bezug zur Realität verloren, heißt es.

Zur weiteren Entwicklung der Industriemetalle, deren Preise sich seit geraumer Zeit keineswegs homogen verhalten, kursieren sehr unterschiedliche Erwartungen. So geht beispielsweise die Investmentbank Merrill Lynch ganz allgemein von einem konjunkturell bedingten, zunehmenden Preisdruck aus. Goldman Sachs und besonders Barclays Capital sagen nach einer vorübergehenden allgemeinen Schwächephase steigende Preise voraus.

Kürzlich hat Rio Tinto, einer der führenden Bergbaukonzerne und Metallproduzenten, eine eigene Betrachtung zur gegenwärtigen Situation und zur weiteren Entwicklung an den Metallmärkten vorgelegt. Darin heißt es, ungeachtet der negativen Stimmung wegen der konjunkturellen Bedingungen in Amerika und der Krise an den Kreditmärkten schienen die fundamentalen Verhältnisse an diesen Märkten durchweg intakt zu sein. Es sei sehr gut möglich, dass die Preise für einige Metalle besonders wegen des andauernden Wachstums in China und anderen Schwellenländern ihre zyklischen Hochs noch nicht erreicht hätten.

GvD.news
15.02.2008, 00:03
Die IKB-Aktie als technischer Musterfall
Verkaufssignale sind rechtzeitig gekommen / Technische Analyse / Von Achim Matzke

FRANKFURT, 14. Februar. Viele übergeordnete Verkaufssignale im Marktsegment der europäischen Banken haben im Sommer 2007 rechtzeitig zur Vorsicht gemahnt. Hierbei traten die Signale sowohl bei europäischen Standardwerten als auch bei mittelgroßen Bankentiteln auf. Zwar sind sie in vielen europäischen Bankaktien inzwischen abgearbeitet, und in ausgewählten Titeln liegen mittelfristig überverkaufte Situationen vor. Bevor aber die technisch defensive Haltung gegenüber diesen Aktien gelockert wird, sollten sie mindestens ihre mittelfristigen Abwärtstrends zur Seite verlassen haben. Dies ist eine Mindestvoraussetzung, damit sich die technische Chance auf eine tragfähige Bodenformation ergibt.

Die Aktie der britischen Großbank HBOS hatte – ausgehend von Kursen um 518 britische Pence im März 2003 – zunächst eine technische Bodenformation und in der Folgezeit einen idealtypischen Hausse-Trend durchlaufen. Hierbei erreichte sie im ersten Quartal 2007 ihre bisherigen historischen Höchststände um 1176 Pence. Insgesamt hatte die Aktie aber ab September 2006 oberhalb der Unterstützung um 1020 Pence eine Kopf-Schulter-Verkaufsformation herausgebildet. Im vergangenen Juni war sie mit einem Gewinnmitnahme-Verkaufssignal aus dieser Formation und gleichzeitig aus dem seit über 50 Monaten bestehenden Hausse-Trend herausgefallen. In den vergangenen Monaten etablierte sich dann ein beschleunigter Baisse-Trend – die Baisse-Trendlinie liegt derzeit um 705 Pence –, wobei mit dem bisherigen Baisse-Tief bei 587 Pence im Januar 2008 bereits ein Gesamtkursverlust von 50 Prozent aufgetreten ist. Zwar gibt es erste technische Hinweise auf eine deutliche Abschwächung der mittelfristigen Abwärtsdynamik. Aber als Mindestvoraussetzung für eine Lockerung der defensiven technischen Haltung sollte auf ein Verlassen des Baisse-Trends zur Seite gewartet werden.

Die italienische Großbank Unicredit durchlief von März 2003 bis Mai 2007 eine Hausse mit einem Start bei 3,05 Euro und einem Kurshoch bei 7,76 Euro. Hierbei war es besonders ab dem Sommer 2005 ausgehend von 4 Euro zu einer Hausse-Beschleunigung gekommen. Bei Unicredit kam es aus technischer Sicht schon im März 2007 zu einem Warnsignal, als der Hausse-Trend zur Disposition stand. Jedoch setzte die ausgeprägte technische Eintrübung erst im Mai 2007 mit dem Gewinnmitnahmesignal (Verlassen des Hausse-Trends) ein.

In den Folgemonaten sorgten mehrere Verkaufssignale für die Etablierung eines steilen Baisse-Trends, dessen Linie aktuell bei etwa 5,40 Euro liegt. Zum Jahresauftakt kam es auch bei Unicredit zu einer Baisse-Verschärfung, wobei mit dem Kursrutsch auf 4,45 Euro auch hier die Verkaufssignale zunächst abgearbeitet sein sollten. Einerseits deutet sich bei Unicredit eine mittelfristige Stabilisierungschance auf dem aktuellen Niveau von knapp 5 Euro an. Andererseits sollte auch bei dieser Aktie auf das Verlassen des zentralen Baisse-Trends gewartet werden, bevor die technisch defensive Haltung aufgegeben wird.

Der deutsche M-Dax-Wert IKB ist ein Musterbeispiel, wie Verkaufssignale rechtzeitig zur Vorsicht mahnen können. Die Aktie war im Zuge der Hausse seit dem Jahreswechsel 2002/2003 von 11,20 Euro bis auf 33,55 Euro gestiegen, wobei sich seit August 2004 mit einem Start bei 18,30 Euro ein idealtypischer moderater Hausse-Trend ergeben hatte. Seit dem ersten Quartal 2006 war dieser aber schon in eine mittelfristige Seitwärtsbewegung mit dem technischen Charakter einer Top-Formation übergegangen. Ende Juni/Anfang Juli 2007 fiel die IKB-Aktie bei Kursen um 25 Euro mit einem Verkaufssignal aus der Top-Formation heraus. In den Folgemonaten etablierte IKB einen von zwei sehr heftigen Abwärtsschüben geprägten Baisse-Trend, wobei nach einem Kursverlust von etwa 80 Prozent seit dem Verlassen der Top-Formation die Verkaufssignale abgearbeitet sind. Da bei IKB noch nicht genau geklärt ist, wie es mit der Bank weitergeht, wird die defensive technische Haltung gegenüber diesem Titel nicht aufgegeben.

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15.02.2008, 00:04
Infineon verspielt das Vertrauen
Die Aktionäre des Chipkonzerns haben nichts zu lachen. Infineon steckt tief in der Verlustzone, der Aktienkurs ist abgestürzt. Die Kritik am Management hält sich aber in Grenzen.

him. MÜNCHEN, 14. Februar. Der tiefe Fall des Aktienkurses spiegelt die Geschäftsentwicklung wider: Im vergangenen Quartal musste Infineon einen Nettoverlust von fast 400 Millionen Euro hinnehmen – noch etwas mehr als im gesamten Geschäftsjahr 2006/07 (30. September). Trotzdem kamen Vorstand und Aufsichtsrat am Donnerstag auf der Hauptversammlung glimpflich davon. Nach einer Ablösung des Managements rief keiner der rund 2500 Aktionäre.

Doch die Anteilseigner, die das Wort ergriffen, vertrauen dem Unternehmen nur noch wenig. „Ein Ende des Verfalls des Aktienkurses ist kaum abzusehen“, klagte Christoph Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Hans-Martin Buhlmann, der Privatanleger vertritt, formulierte es sarkastisch: „Das Einzige, was die Infineon-Aktie auszeichnet ist, dass es keine störenden Steigungen gibt.“ Am Donnerstag sank der Kurs um 2,4 Prozent auf 5,67 Euro. Mit Verweis auf den hohen Verlust im vergangenen Geschäftsjahr fragte Buhlmann die Vorstände: „Jeden Tag eine Million Euro Verlust – warum stehen Sie morgens überhaupt auf?“

Trotz der schon seit Jahren dauernden Misere des im Deutschen Aktienindex notierten Konzerns erteilte die SdK Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung, auch wenn Öfele die Leistung nur als gerade noch ausreichend beurteilte. Dem Vorstand sei immerhin zugutezuhalten, den Umbau von Infineon wie geplant weitgehend verwirklicht zu haben.

Den Aufsichtsrat kritisierte Öfele vor allem für eine Klausel im Fall einer Übernahme von Infineon. Wenn ein Investor mehr als 30 Prozent erwirbt und ein Pflichtangebot abgibt, erhielten die Vorstände bei einem Ausscheiden die Gehaltssumme für die Restlaufzeit ihrer Verträge. „Das ist ein Freibrief für eine volle Abfindung der Vorstände“, schimpfte der SdK-Sprecher. „Hier sieht man die Deutschland AG blühen.“

Max Dietrich Kley, der Vorsitzende des Aufsichtsrats, entgegnete auf den Vorwurf, solche Change-of-Control-Klauseln seien inzwischen international üblich. Absicht sei, dass sich die Vorstände aus Angst um ihre Zukunft nicht generell gegen ein Übernahmeangebot wendeten. Das Thema sei für Infineon aber nicht akut. „Uns ist nichts von einem Investor bekannt, der größer einsteigen will“, berichtete Kley.

Mit Blick auf das Geschäft von Infineon forderte der Aufsichtsratschef vor 2500 Aktionären deutliche Verbesserungen im Kerngeschäft mit den Logikchips für Autos (AIM) und Telefone (Com). „Wenn uns schon der Markt nicht hilft, dann muss auf der Kostenseite mehr geschehen.“ Kley deutete aber an, die Unternehmensleitung weiterhin zu unterstützen: „Der Vorstand ist grundsätzlich auf dem richtigen Weg.“ Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Ziebart griff diese Formulierung auf. „Ich bin sicher, wir sind auf dem richtigen Weg, aber der Weg ist weiter, als wir dachten.“ Das Management sei noch nicht am Ende der Kärrnerarbeit. Vor einer Woche hatte Ziebart eingestehen müssen, dass die Com-Sparte nach dem Erreichen der Gewinnzone im vergangenen Quartal – allerdings ohne Berücksichtigung von Sondereffekten – im gesamten Geschäftsjahr wieder in die Verlustzone rutscht (F.A.Z. vom 8. Februar).

Das größte Sorgenkind im Konzern ist Qimonda, die Tochtergesellschaft, die Speicherchips produziert. „Klar ist, Qimonda muss weg“, forderte Öfele von der SdK. Wenn es ganz schlimm komme, wäre eine Insolvenz das Mittel für eine Trennung. Verena Brendel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz stellte die bange Frage: „Ist zu befürchten, dass Qimonda auch Infineon in den Abgrund reißt?“ Finanzvorstand Peter Fischl wiederholte als Antwort seine Hoffnung auf steigende Speicherchippreise und eine Besserung für Qimonda.

Ziebart berichtete von Kontakten zu Kaufinteressenten für das Tochterunternehmen: „Klar führen wir Gespräche.“ Infineon hält noch 77,5 Prozent von Qimonda. Falls keine andere Möglichkeit für eine Trennung gefunden wird, sollen die Qimonda-Aktien im nächsten Jahr an die Infineon-Aktionäre verschenkt werden. Der Vorschlag für eine entsprechende Satzungsänderung erhielt am Donnerstag 99,7 Prozent der Stimmen.

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15.02.2008, 00:04
Neue Phantasie für die Post-Aktie

Die Post-Aktie war am Donnerstag Tagesgewinner im Deutschen Aktienindex Dax. Einige Börsianer brachten hinter vorgehaltener Hand die Kursgewinne durchaus mit den Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel in Zusammenhang. Zumwinkel habe unter Großaktionären einen schlechten Ruf. Analysten sind zum Beispiel enttäuscht darüber, dass im November die Unternehmensziele nicht eingehalten wurden, Zumwinkel aber trotz der verfehlten Kommunikation im Amt blieb. Dagegen musste der Finanzvorstand der Post gehen. Zumwinkel will im November mit Ablauf seines Vertrages als Vorstandsvorsitzender in den Aufsichtsrat wechseln. Falls es zur Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes wegen der Steueraffäre nun nicht kommen sollte, sei dies zu begrüßen, da Zumwinkels voraussichtlicher Nachfolger Frank Appel dann seine Aufgabe unbefangener angehen könne, sagte ein Analyst. So warte die Börse ungeduldig auf eine Lösung für das seit Jahren hochdefizitäre Express-Geschäft in Amerika. Dafür sei eine Partnerschaft mit Fedex im Gespräch. Solange es in Amerika keine durchgreifende Lösung für die Post gebe, werde die Aktie nicht vom Fleck kommen. Ein anderer Analyst hält Hoffnungen auf einen Strategiewechsel durch Zumwinkels voraussichtlichen Nachfolger Appel für verfrüht. Denn Zumwinkel habe den ehemaligen McKinsey-Berater Appel selbst zur Post geholt.

Seit dem Börsengang am 20. November 2000 haben die Anleger, die damals Post-Aktien für 21 Euro erhielten, angesichts eines Kurses von heute 22,50 Euro außer Dividenden kaum etwas verdient. In den vergangenen Tagen war der Kurs der Post belastet gewesen von der Vermutung, zur Rettung der IKB-Bank durch die staatseigene KfW-Bank werde die KfW über eine Wandelanleihe Post-Aktien aus ihrem Bestand im Volumen von 1 Milliarde Euro auf den Markt werfen. Die Angst vor einem plötzlichen Überangebot an Post-Aktien ist zwar nachvollziehbar. Doch wird sich die KfW früher oder später auf jeden Fall von den bei ihr geparkten Post-Aktien trennen. Die KfW hält noch 30,6 Prozent der Post-Aktien. Positiv beeinflusst hat die Post-Aktie in den vergangenen Wochen am ehesten das von Zumwinkel geschickt transportierte Kaufinteresse, das an der Postbank bestehen soll. Die Post hält 50 Prozent an der größten deutschen Privatkundenbank. Josef Ackermann hatte in der vergangenen Woche zugegeben, dass sich die Deutsche Bank für die Postbank interessiere. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller bekannte sich schließlich am Donnerstag ebenfalls dazu.

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15.02.2008, 00:04
Die Rendite von Daimler erinnert an große Zeiten
Der Name Chrysler ist aus dem Firmennamen verschwunden. Die Geschäfte laufen gut. Der Gewinn ist so hoch wie lange nicht. Und mit Daimler geht es weiter aufwärts.

sup. STUTTGART, 14. Februar. Der Autokonzern Daimler sieht sich für die Herausforderungen der nächsten Jahre gut gerüstet: „Der Kurs ist klar, Daimler gibt Gas“, sagte Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG bei der Jahrespressekonferenz im Carl-Benz-Center in Stuttgart. Mit einem operativen Ergebnis von 8,7 Milliarden Euro hat der Autohersteller das zuletzt genannte Ziel von 8,5 Milliarden Euro übertroffen. Auch das Konzernergebnis wurde von 3,8 auf 4 Milliarden Euro verbessert, obwohl der Verkauf von Chrysler diesen Wert noch einmal mit 2,2 Milliarden Euro belastet hat. Nachdem im vergangenen Jahr bereits die Rendite deutlich gesteigert wurde, erwarte er sowohl für die Autosparte Mercedes-Benz wie auch für Daimler Trucks in diesem Jahr weitere Ergebnissteigerungen, kündigte Zetsche an. Zwar schließe er eine Rezession in den Vereinigten Staaten nicht aus. Die daraus erwachsenden konjunkturellen Belastungen werde Daimler aber ausgleichen können. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass Premiumhersteller davon weniger stark betroffen seien als Volumenhersteller.

Von den guten Ergebnissen des vergangenen Jahres sollen sowohl die Aktionäre wie auch die Belegschaft profitieren. Für die Mitarbeiter der Daimler AG winkt eine Ergebnisbeteiligung von 3750 Euro. Das ist beinahe doppelt so viel wie im vergangenen Jahr und fast viermal so viel, wie die Mitarbeiter vor zwei Jahren Bekommen haben. Die Aktionäre haben eine Dividende von 2 Euro in Aussicht, und möglicherweise eine Wertsteigerung ihrer Papiere durch Aktienrückkauf: bereits gestern wurde das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm fortgesetzt, nachdem der Stuttgarter Konzern im vergangenen Jahr schon 50 Millionen eigene Aktien im Wert von 3,5 Milliarden Euro gekauft und eingezogen hat. An der Börse legte der Kurs der Daimler-Aktie trotzdem kaum zu, sondern bewegte sich um das Vortagesniveau von rund 54 Euro. Damit liegt der Aktienkurs etwa auf der gleichen Höhe wie vor einem Jahr, als Dieter Zetsche in Detroit ankündigte, für Chrysler würden „alle Optionen“ geprüft. Zwischenzeitlich, im Oktober, hatte die Daimler-Aktie dagegen einen Höchststand von mehr als 77 Euro erreicht.

„Alle unsere Geschäfte laufen gut oder sogar sehr gut“, sagte Zetsche mit Blick auf die einzelnen Sparten. Für die Personenwagensparte Mercedes-Benz weist Daimler eine Umsatzrendite von 9,1 Prozent aus, womit das ursprünglich geplante Ziel von 7 Prozent deutlich übertroffen wurde. Spätestens ab dem Jahr 2010 werde dieser Geschäftszweig eine Umsatzrendite von 10 Prozent erzielen, fordert Konzernchef Zetsche, der die Mercedes-Sparte in Personalunion führt. Das Autogeschäft profitiert von dem Effizienzsteigerungsprogramm Core, das bereits der frühere Mercedes-Chef Eckhard Cordes angestoßen hatte und das unter anderem mit massivem Personalabbau einherging. Zetsche verspricht sich weitere Erfolge bei der Effizienzsteigerung durch das Prinzip der Modularisierung: „Überall, wo aufwändige Einzellösungen keinen Mehrwert bieten, wird konsequent standardisiert.“ Schon 2006 sei die Produktivität bei Mercedes um 12 Prozent verbessert worden, im vergangenen Jahr sei sie noch einmal um 10 Prozent gestiegen. In den nächsten Jahren sollen je nach Baureihe weitere Verbesserungen von 10 bis 15 Prozent realisiert werden.

Spektakulärer sind gleichwohl die Verbesserungen in der Lastwagensparte: „Zum ersten Mal überhaupt schreiben unsere Trucks auch im Marktabschwung schwarze Zahlen“, bemerkte Zetsche und untertrieb damit noch: der Gewinn der Sparte wurde sogar gesteigert. In Nordamerika brach zwar der Markt um ein Drittel ein (in dem für Daimler relevanten Segment für Schwerlastwagen sogar um mehr als 40 Prozent) und in Japan um 18 Prozent. Dennoch seien in beiden Regionen keine Verluste entstanden, berichtete Zetsche. Das Renditeziel sei für die Sparte von 7 auf 8 Prozent angehoben worden, dieser Wert soll spätestens 2010 erreicht werden.

Die gute Verfassung der Lastwagensparte führt zu einem Personalaufbau. In Deutschland, wo in den Ausbau der Werke in diesem Jahr 150 Millionen Euro gesteckt werden, entstehen nach Zetsches Prognosen 1300 Stellen. Bei den Personenwagen werde es wohl trotz des Produktivitätsfortschritts keine größeren Schwierigkeiten geben. Insgesamt werde die Belegschaft in Deutschland voraussichtlich bei 167 000 Mitarbeitern gehalten. Auf großen Zuwachs kann die Belegschaft jedenfalls nicht setzen. Für die neue Generation von A- und B-Klasse sucht Daimler einen Standort in Osteuropa.

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15.02.2008, 00:05
Commerzbank hat Interesse an Postbank
Der bald in den Aufsichtsrat wechselnde Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller verabschiedet sich mit einem Rekordgewinn aus dem Amt. Die für 2010 angepeilte Rendite hat die Bank schon im vergangenen Jahr erreicht. Die Wertverluste durch die Finanzkrise halten sich in Grenzen.

da. FRANKFURT, 14. Februar. Die Commerzbank hat als zweite deutsche Großbank ihren Hut für die Postbank in den Ring geworfen. „Wir haben ein deutliches und nachhaltiges Interesse an der Postbank“, sagte der scheidende Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller anlässlich der Vorlage der innerhalb der Markterwartungen liegenden Zahlen für das Geschäftsjahr 2007. Müller war zugleich bemüht, Zweifel an der ausreichenden Kapitalstärke der Bank für einen entsprechenden Zukauf zu zerstreuen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das wuppen können.“ Die Bank könne eine derartige Übernahme auch ohne Kapitalerhöhung stemmen.

Damit zeichnet sich ein heftiger Bieterstreit ab, sollte die Deutsche Post in den kommenden Monaten ihre hälftige Beteiligung an der Postbank zum Verkauf stellen. Denn in der vergangenen Woche hatte schon der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, nachdrückliches Interesse an der Postbank bekundet. Den schwer angeschlagenen Düsseldorfer Mittelstandsfinanzierer IKB will die Commerzbank nicht übernehmen. „Wir sind an einem Erwerb der IKB nicht interessiert“, sagte Müller. Zukäufe im Ausland hält der Vorstandssprecher für denkbar. „Es gibt Adressen in Europa, die wir auf dem Radarschirm haben.“

Im vergangenen Geschäftsjahr hat die zweitgrößte deutsche Bank ihren Gewinn trotz der jüngsten Marktverwerfungen erhöht. „2007 war ein Spitzenjahr“, jubelte Müller, der im Mai den Stab an seinen Nachfolger Martin Blessing weitergeben und in den Aufsichtsrat wechseln wird. Der Nachsteuergewinn stieg um 20 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro. Damit erzielte die Commerzbank eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 15,4 Prozent und übertraf bereits die für 2010 vorgenommene Zielmarke von 15 Prozent. Eine derartige Größenordnung strebe die Bank auch in Zukunft an, sagte Müller.

Für das laufende Geschäftsjahr zeigte er sich optimistisch: Ohne weitere Negativ-Überraschungen werde die Bank das Ergebnis des Vorjahres – trotz einer kräftig steigenden Risikovorsorge – wieder erreichen oder auch übertreffen. Der Verlauf des Januars stimme zuversichtlich. Wie erwartet, musste die Commerzbank im vierten Quartal nochmals mit amerikanischen Hypothekenkrediten unterlegte Papiere im Wert berichtigen. Insgesamt schrieb die Bank im vierten Quartal 248 Millionen Euro ab. Zusammen mit den etwas höheren Abschreibungen des dritten Quartals und einem Griff in die Rücklagen (Neubewertungsreserve) hat die amerikanische Hypothekenkrise die Bank mittlerweile 772 Millionen Euro gekostet – weniger als die Deutsche Bank und die Dresdner Bank.

Nachdem die Commerzbank in den Vorjahren ihre Rücklagen gestärkt hatte, verringerte sich die Neubewertungsreserve im Jahr 2007 durch Wertminderungen auf festverzinsliche Produkte laut Finanzvorstand Eric Strutz insgesamt um 691 Millionen Euro. Müller wollte für das laufende Jahr weitere Abschreibungen nicht ausschließen, unterstrich aber, dass die Bank ihr amerikanisches Hypotheken-Engagement weitgehend abgeschrieben habe. Die Schwierigkeiten der amerikanischen Anleiheversicherer seien für die Bank ein geringes Risiko, sagt Strutz. Die Commerzbank habe ein direktes Engagement bei den amerikanischen Kreditversicherern von 70 Millionen Euro. Hinzu kommen 80 Millionen Euro an Papieren, die von den sogenannten Monolinern gesichert sind.

Die Abschreibungen auf Hypothekenpapiere sowie Verluste der Staatsfinanzierungsgesellschaft Essenhyp ließen den Gewinn der Bank im vierten Quartal um 44 Prozent auf 201 Millionen Euro einbrechen; die Analysten hatten ein noch schlechteres Ergebnis erwartet. Gleichwohl trieben die Aussagen Müllers zu möglichen weiteren Abschreibungen den Aktienkurs nach anfänglichen Gewinnen kräftig ins Minus. Der Kurs fiel um 7,25 Prozent auf 19,98 Euro.

Der zur Commerzbank gehörende Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo erlitt 2007 wegen der Wertberichtigungen durch die amerikanische Immobilienkrise ein sinkendes Ergebnis. Der Vorsteuergewinn fiel um 10 Prozent auf 588 Millionen Euro. Nachdem die Essenhyp zum Jahresbeginn in die Eurohypo eingegliedert wurde, erwartet Müller keine weiteren Verluste aus dem Staatsfinanzierungsgeschäft. Für 2008 rechne er mit einem ausgeglichenen Ergebnis für die Essenhyp. Der größte Ergebnisträger der Bank war das von Müllers baldigem Nachfolger Blessing verantwortete Mittelstandsgeschäft, das eine Eigenkapitalrendite von 39 Prozent erwirtschaftete. Die Bank habe die Kreditvergabe an den Mittelstand um 12 Prozent ausgeweitet, sagte Müller. „Das Thema Kreditverknappung trifft für uns nicht zu.“

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15.02.2008, 00:05
Bernanke sieht Konjunkturrisiken
Notenbank-Chef signalisiert weitere Zinssenkung

nks. NEW YORK, 14. Februar. Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Fed, Ben Bernanke, hat wegen andauernder Konjunkturrisiken eine weitere Senkung der Leitzinsen signalisiert. „Der Ausblick für die Konjunktur hat sich zum Teil wegen der Entwicklung an den Finanzmärkten in den vergangenen Monaten verschlechtert“, sagte Bernanke in einer Rede vor dem Bankenausschuss des Senats. Bernanke rechnet aktuell mit einer Periode schleppenden Wirtschaftswachstums. Später im Jahr dürfte die Wachstumsrate „etwas stärker“ werden, wenn Zinssenkungen und das jüngst beschlossene Konjunkturpaket Wirkung zeigten. Bernanke warnte, dass sich der Häuser- und Arbeitsmarkt stärker abschwächen könnte als bisher erwartet.

Im Zentrum der Sorgen um die amerikanische Konjunktur stehen die Privathaushalte, deren Nachfrage 70 Prozent der Wirtschaftsleistung beträgt. Sinkende Häuserpreise, steigende Zinsen bei zweitklassigen Hypotheken, hohe Benzinpreise und ein schwächelnder Arbeitsmarkt belasten die Verbraucher. Die Fed hatte die Leitzinsen seit September von 5,25 Prozent auf nun 3 Prozent zurückgenommen. An der Wall Street wird unterstellt, dass die Fed die Zinsen weiter senken wird. Präsident Bush hatte zuvor ein vom Kongress verabschiedetes Konjunkturpaket im Umfang von 168 Milliarden Dollar ratifiziert. Das beinhaltete Steuerrückzahlungen für Privathaushalte sowie Steuernachlässe für Unternehmen. Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt war im vierten Quartal 2007 nur noch mit einer Jahresrate von 0,6 Prozent gewachsen. Im dritten Quartal hatte das Wachstum noch bei 4,9 Prozent gelegen.

GvD.news
15.02.2008, 00:06
Unternehmen sehen Lage skeptischer
Der Aufschwung geht weiter, aber er verliert an Stärke. Deshalb warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag die Politik vor neuen Belastungen der Wirtschaft.

ami. BERLIN, 14. Februar. Die Risiken für die Konjunktur steigen, die Zuversicht der Unternehmen in den Wirtschaftsaufschwung schwindet. So fasst der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Ergebnisse seiner Konjunkturumfrage unter 25 000 Unternehmen zusammen. „Unsere Wachstumsprognose von 2 Prozent ist daher mehr Hoffnungs- als Erwartungswert“, relativierte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben die bisher erwartete Ziffer, die am oberen Ende dessen liegt, was Bundesregierung und Institute in diesem Jahr als Zuwachsrate beim Bruttoinlandsprodukt erwartet.

Wansleben warnte die Politik davor, auf einen vom Konsum getriebenen Aufschwung zu hoffen. Die immer noch unter der Erhöhung der Mehrwertsteuer leidende Inlandsnachfrage werde „auch 2008 nicht zum Selbstläufer werden“. Es müsse vielmehr alles dafür getan werden, den Investitionsstandort zu stärken. „Dazu zählen vor allem: Finger weg von Mindestlöhnen, Steuerprogression reduzieren, Betriebsübergang nicht zusätzlich durch Erbschaftsteuerreform belasten, sondern nachhaltig erleichtern.“

Der Aufschwung sei noch nicht zu Ende, die wirtschaftliche Lage sei aber instabiler geworden, sagte Wansleben. Der Aufschwung werde von der Ausfuhr und den Investitionen getragen. Gefahr drohe von den Turbulenzen auf den Finanzmärkten und dem schwächeren Wachstum der Weltwirtschaft, aber auch vom Kurs zunehmender staatlicher Regulierung der Bundesregierung, die der „marktwirtschaftlichen Dynamik den Atem“ nehme. Wansleben bekräftigte, die Wirtschaft werde 300 000 neue Stellen schaffen. Doch seien das nur noch knapp halb so viele wie letzten Jahr.

Als „noch im grünen Bereich“ bewertete DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier die Wirtschaftslage. Zwar habe der Kursrutsch an den Börsen Ende Januar die Unsicherheiten verstärkt. Aktuelle Geschäftserwartungen und Investitionspläne seien dadurch aber kaum beeinflusst worden. Zwar erwarteten nur noch 26 Prozent der Firmen bessere Geschäfte und 16 Prozent eine Verschlechterung, doch liege der Saldo trotz des Rückgangs gegenüber dem Herbst noch deutlich über seinem langjährigen Durchschnitt. Zwar trübe die schwache Wirtschaftsentwicklung in Amerika die Aussichten der Ausfuhrwirtschaft ein, doch blieben deren Erwartungen insgesamt robust. Auch hier sei der Saldo von positiven und negativen Einschätzungen niedriger als zuletzt, liege aber über dem langjährigen Mittelwert. Hoch sei die Nachfrage weiter aus wachstumsstarken Schwellenländern, die ihre Infrastruktur und Produktionskapazitäten ausbauten. Hier sei die hohe Spezialisierung ein Vorteil der deutschen Hersteller. Auch mache sich der konsequente Sanierungskurs der deutschen Unternehmen der vergangenen Jahre positiv bemerkbar. Eine leichte Abschwächung liest Treier aus den Meldungen zu den Inlandsinvestitionen heraus. Dies sei aber auch Folge steuerlich bedingter Vorzieheffekte.

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15.02.2008, 00:06
Wachstum verliert Schwung
Deutsches BIP legt im Schlussquartal 2007 um 0,3 Prozent zu / Euro-Raum leicht gebremst

ppl. FRANKFURT, 14. Februar. Die deutsche Wirtschaft hat zum Jahresende deutlich an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vierten Quartal 2007 real um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Auf Jahressicht war dies ein Wachstum von 1,6 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Das BIP misst den Wert aller im Inland produzierten Waren und erbrachten Dienstleistungen. Im dritten Quartal 2007 war das BIP noch um 0,7 Prozent gestiegen. Für das Gesamtjahr bleiben die Statistiker bei ihrer im Januar gemeldeten Schätzung von 2,5 Prozent Wachstum.

Getragen wurde das Wachstum im vierten Quartal von den erneut kräftig gestiegenen Ausrüstungsinvestitionen und vom Außenbeitrag, also einem positiven Saldo des Exports über dem Import, erklärten die Statistiker. Negative Impulse gingen hingegen vom Konsum aus; die Konsumausgaben der privaten Haushalte seien rückläufig gewesen. Ausführlichere Ergebnisse zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung wird das Statistische Bundesamt erst in knapp zwei Wochen bekanntgeben. Die ersten qualitativen Andeutungen zeigen jedoch schon, dass die Hoffnung auf eine vom privaten Konsum gestützte Binnenwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2007 getrogen haben. Bankvolkswirte hatten ein schwaches Wachstum im vierten Quartal 2007 erwartete; sie werteten die Daten aus Wiesbaden dennoch als enttäuschend. Auch in anderen großen Volkswirtschaften des Euro-Raums war das vierte Quartal schwach. In Frankreich betrug der BIP-Zuwachs nach Angaben des dortigen Statistikamts nur noch 0,3 Prozent, weniger als halb so viel wie im dritten Quartal. Im Gesamtjahr erreichte das Wachstum damit 1,9 Prozent, knapp weniger, als die Regierung erwartet hatte. Der stärkste konjunkturelle Impuls kam dabei vom Verbrauch der privaten Haushalte; positiv war auch der Wachstumsbeitrag der Investitionen, während der Außenhandel einen negativen Beitrag leistete. In Spanien war das Wachstum im vierten Quartal mit 0,8 Prozent stärker als erwartet. Als positive Überraschung werteten Analysten das holländische Wachstum von 1,2 Prozent im vierten Quartal, erheblich mehr als prognostiziert. In Griechenland, Portugal und Österreich belief sich das Wachstum auf 0,7 Prozent. Daten zu Italien werden erst noch veröffentlicht, Volkswirte rechnen dort mit einer geringfügigen BIP-Schrumpfung.

Insgesamt betrug das Wachstum in den dreizehn Ländern des Euro-Raums auf durchschnittlich 0,4 Prozent und in der Europäischen Union (EU) auf 0,5 Prozent, teilte das europäische Statistikamt Eurostat mit. Im Vergleich zum Vorjahresquartal bedeutete dies 2,3 Prozent Wachstum im Euro-Raum und 2,6 Prozent in der EU – gut 0,3 beziehungsweise 0,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. „Die Euro-Wirtschaft hat sich ganz gut gehalten im späten Jahr 2007“, kommentierte der Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding. „Das Wachstum liegt nur leicht unter dem Potential von 0,5 Prozent.“ Auch die Europäische Zentralbank (EZB) bezeichnet in ihrem aktuellen Monatsbericht die wirtschaftlichen Fundamentaldaten im Euro-Raum als solide. Die konjunkturelle Abschwächung einiger der wichtigsten Handelspartner werde 2008 zwar bremsen, doch sei eine Stützung durch Inlands- und Auslandsnachfrage zu erwarten.

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15.02.2008, 00:07
Verdacht der Steuerhinterziehung gegen Klaus Zumwinkel
Razzia im Haus des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post / Vernehmung in Bochum

bü. BONN, 14. Februar. Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung gegen den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel. Er soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit Geldanlagen in Liechtenstein rund eine Million Euro hinterzogen haben. Angeblich hat Zumwinkel dort bei einer Stiftung seit fast zwanzig Jahren ein Vermögen von rund zehn Millionen Euro untergebracht.

Bei Razzien in Zumwinkels Privathaus in Köln und in seinem Büro in der Bonner Konzernzentrale der Deutschen Post stellten die Ermittler am frühen Donnerstagmorgen umfangreiches Material sicher. Zumwinkel wurde von der Polizei nach Bochum gefahren und dort vernommen. Ein Haftbefehl gegen den 64 Jahre alten Spitzenmanager sei ausgesetzt worden, weil er sich zur Zusammenarbeit bereit erklärt und eine Kaution „in namhafter Höhe“ gestellt habe, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Nach ihren Angaben ist Zumwinkel nur einer von mehreren Beschuldigten. Es soll mindestens ein weiteres Familienmitglied in den Fall verwickelt sein. An anderer Stelle war die Rede von einer breit angelegten Ermittlung, die über die Familie Zumwinkel hinausgehe.

Am Nachmittag berieten Mitglieder des Aufsichtsrates und des Vorstandes darüber, wie es an der Spitze des Unternehmens weitergehen soll. Anschließend teilte die Deutsche Post in Bonn mit, Zumwinkel übe ungeachtet der Vorwürfe weiter sein Amt aus. Er sei „vollständig handlungsfähig“ und führe mit dem Vorstand „die Geschäfte wie gewohnt fort“. Die Deutsche Post gehört zu knapp einem Drittel der staatseigenen KfW-Bank. Als designierter Nachfolger für Zumwinkel, dessen Vertrag im Dezember dieses Jahres endet, gilt der Logistikvorstand Frank Appel.

In einem Telefongespräch habe ihn der Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Weber am Nachmittag gebeten, bis auf weiteres die Geschäfte zu leiten, hieß es. Die Post wollte das nicht bestätigen. Als potentieller Nachfolgekandidat, zumindest für eine Übergangszeit, wurde auch der aus Schottland stammende Finanzvorstand John Allan genannt. Die Bundesregierung wollte sich zu den Vorwürfen gegen Zumwinkel zunächst nicht äußern. Sprecher von Finanz- und Bundeswirtschaftsministerium verwiesen auf die Staatsanwaltschaft. Sie riefen Zumwinkel aber auch auf, zur Aufklärung beizutragen. Zumwinkel war bereits Ende vorigen Jahres massiv in die Kritik geraten. Damals nutzte er den durch die Einführung des Mindestlohns verursachten Anstieg der Postaktie, um eigene Anteilsscheine im Wert von fast fünf Millionen Euro zu verkaufen.

Aktionärsschützer forderten Zumwinkel auf, sein Amt zunächst ruhenzulassen und den Weg für eine „stille Stabsübergabe“ frei zu machen. Der Sprecher der Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, Jürgen Kurz, sagte, im Falle einer Anklage erwarte er jedoch den Rücktritt Zumwinkels. Kurz äußerte die Sorge, dass das Ansehen der deutschen Manager nun unabhängig von einer Schuld Zumwinkels weiteren Schaden nehmen werde.

Die Börse reagierte am Donnerstag mit einem deutlichen Kurssprung der Postaktie auf die Nachrichten im Fall Zumwinkel. Begründet wurde dies mit der Hoffnung, dass ein Nachfolger Zumwinkels energischer gegen die Verluste in Amerika vorgehen und sich nicht länger gegen einen Verkauf der bei der Post liegenden Anteile der Postbank stellen werde. Zumwinkel ist einer der einflussreichsten Unternehmensführer in Deutschland. Er steht seit 1989 an der Spitze der Deutschen Post, die er von einer Behörde zu einem internationalen Weltkonzern umgebaut hat.

GvD.news
17.02.2008, 22:03
Aktienmärkte ignorieren Kreditkrise
Die andauernde Krise an den Finanzmärkten hat nichts mit hohen Zinsen zu tun. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt.

LONDON, 17. Februar. Jeder Anflug von Erleichterung an den Finanzmärkten wird derzeit sofort im Keim erstickt. Dafür spitzt sich die Krise an den Kreditmärkten zu. Vergangene Woche griffen die Turbulenzen auf den amerikanischen Markt für kommunale Anleihen über. Das Angebot des Großinvestors Warren Buffet, den amerikanischen Anleiheversicherern für 800 Milliarden Dollar abgesicherte Kommunaldarlehen abzunehmen, beflügelte zwar zunächst die Märkte, stieß bei den Anleiheversicherern aber auf wenig Gegenliebe.

Trotz zunächst festerer Tendenz an den Börsen hat es der Deutsche Aktienindex Dax wieder nicht geschafft, die Widerstandsmarke von 7000 Punkten nachhaltig zu brechen. Er gab Freitag um 1,9 Prozent auf einen Schlussstand von 6832 Punkten nach, als ernüchternde ökonomische Daten in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurden. Dort ist die Zuversicht der Verbraucher auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gefallen.

Der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Ben S. Bernanke, hat unterdessen auf die zeitverzögernde Wirkung der Zinspolitik hingewiesen und betont, es gehöre zur Aufgabe der Notenbank, zu prüfen, ob die vorgenommenen geldpolitischen Schritte Wirkung zeigten – der Fingerzeig, dass weitere Zinssenkungen nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss sein müssen. An den Terminmärkten ist derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 68 Prozent zu erkennen, dass die Federal Reserve ihren Leitzins auf ihrer nächsten Sitzung am 18. März von derzeit 3 auf 2,5 Prozent senken wird. Real wäre dies nahezu ein Negativzins, den die Federal Reserve in ihrer Geschichte nur während oder nach einer Rezession zugelassen hat.

Andere Notenbanken haben unterdessen signalisiert, dass sie ohnehin eine andere Politik als die Federal Reserve verfolgen. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) wie auch die Bank von England legen immer noch großes Gewicht auf die beharrlich hohe Inflation, wenn auch die EZB angedeutet hat, dass sie der Krise an den Finanzmärkten nicht blind gegenübersteht. Die Marktteilnehmer werden daher in den nächsten Monaten möglicherweise erleben, dass die Notenbanken auf die Krise nicht mehr einfach nur mit weiteren Zinssenkungen reagieren. An einigen Marktsegmenten wie dem Handel variabel verzinslicher Kredittranchen, der wieder in Schwung kommen muss, ist die Erwartung weiter sinkender Zinsen ohnehin kontraproduktiv. Die andauernde Krise an den Finanzmärkten hat nichts damit zu tun, dass die Zinsen nicht niedrig genug wären. Vielmehr geht es um eine technische Blockade von Marktsegmenten. Diese aufzulösen braucht Monate. So lange werden die Märkte extremen Stimmungs- und Kursschwankungen ausgesetzt bleiben.

Die Finanzmärkte werden so lange nicht endgültig aufatmen können, wie allen Marktteilnehmern nicht klar ist, dass der größte Batzen der Verluste aus dieser Krise ausgewiesen und damit verdaut wurde. Bisher sind dem Markt von Banken und anderen Finanzinvestoren erst Verluste aus der Finanzkrise in Höhe von etwa 140 Milliarden Dollar gemeldet worden. Dies ist nach Schätzungen von Marktteilnehmern weniger als die Hälfte dessen, was an Verlusten bisher angefallen sein dürfte.

Zudem drohen sich die Verluste derzeit auszuweiten, wie am Markt für synthetische Kreditverbriefungen (collat- eralized debt obligations, CDO) zu beobachten ist. Der Markt schlittert in einen Teufelskreislauf. Je mehr die Angst vor Ausfällen im Kreditmarkt zunimmt, desto höher werden die Kosten, sich gegen die Kreditausfälle abzusichern, denn die Risikoprämie wird vom Markt höher angesetzt. Die Crux ist, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit und die Kosten einer Absicherung gegen Kreditausfälle zur Bewertung von Portfolios synthetischer Kreditverbriefungen herangezogen werden, die viele Finanzinvestoren auf den Büchern halten.

Je höher nun die Ausfallwahrscheinlichkeit angesetzt wird und je teurer die Form der Absicherung wird, desto mehr droht Investoren weiteres Verlustpotential aus ihren CDO-Positionen. Je mehr sich die Marktteilnehmer aber gegen diese drohenden Verluste absichern (hedgen) wollen, desto mehr treiben sie – gerade durch ihre Absicherungsgeschäfte – die Kosten von Kreditversicherungen in die Höhe. Das hat sich in der Woche an den extrem hohen Indexständen am Markt für Kreditversicherungen gezeigt.

Dabei greift dieser Teufelskreislauf auf Marktsegmente eigentlich risikoärmerer Mezzanine-Tranchen der CDO über, da diese überproportional auf die steigende Ausfallwahrscheinlichkeit und zunehmende Risikoprämie am Markt reagieren, und zwar stärker als die ohnehin riskante Eigenkapital-Tranche, die als Erste die Anfangsverluste von Kreditausfällen auffängt. Dies ist ein Grund, warum die Verluste der Finanzinvestoren auf ihre Positionen am Markt für Kreditverbriefungen derzeit kontinuierlich steigen, und ein Grund, warum Banken plötzlich mit neuen Verlusten an den Markt kommen, die sie vor wenigen Wochen noch nicht erwartet haben.

Ein weiteres technisches Problem ist, dass viele Banken auf ihren ehemals zugesagten Übernahmefinanzierungen sitzenbleiben und diese nicht an Finanzinvestoren weiterreichen können. Weil die Investoren, die sonst variabel verzinsliche Kredittranchen kaufen, von sinkenden Zinsen am Markt ausgehen, ist es für sie unattraktiver, variabel verzinsliche Kredittranchen in ihre Portfolios zu nehmen. Sie fahren besser, wenn sie derzeit festverzinsliche Papiere kaufen – mithin die Blockade am Markt für Übernahmefinanzierungen.

Diese technischen Schwierigkeiten am Kreditmarkt sind nur einige wenige Gründe, warum es an den Märkten immer wieder Schauerprognosen über weitere Verluste bei den Banken gibt, wie vergangene Woche mit Blick auf UBS. Die Marktteilnehmer an den Aktienmärkten geraten in Versuchung, die mittlerweile günstigen Bewertungen für Zukäufe zu nutzen. Aber es wird bis Mitte des Jahres dauern, bis die Kreditmärkte es geschafft haben, ihre technischen Schwierigkeiten zu überwinden. Frühestens dann dürften die Märkte wieder in ruhigeres Fahrwasser einschwenken können.

GvD.news
17.02.2008, 22:03
Europlatz Frankfurt
Die EZB muss glaubwürdig bleiben

Steckt die Europäische Zentralbank bald in der Zwickmühle? Mit klaren Worten hat die EZB in den vergangenen Monaten angekündigt, dass sie überhöhten Lohnabschlüssen mit höheren Leitzinsen entgegentreten müsste. Doch obwohl gerade die deutschen Gewerkschaften alles daransetzen, stabilitätswidrige Lohnzuwächse durchzusetzen, lässt sich nicht mehr ausschließen, dass die EZB angesichts der globalen Wachstumsschwäche stattdessen bald erwägen könnte, ihren Leitzins zu senken.

Alles in allem hat die EZB bisher hervorragende Arbeit geleistet. Seit Anfang 1999 sind die Preise im Euro-Raum mit einer durchschnittlichen Rate von 2,2 Prozent gestiegen. Angesichts der Serie von Ölpreisschocks kann sich dies sehen lassen. Im Vergleich zur Fed und zur Bank of England hat sich die EZB auch mit einer modernen Geldmarktsteuerung großes Ansehen erworben.

Im Rückblick zeigt sich, dass selbst die EZB nicht immer den Versuchungen eines kurzfristigen Aktivismus widerstanden hat. So hat sie im April 1999 ihre Zinsen gesenkt, obwohl die Konjunktur bereits begonnen hatte, sich von einem kurzen Schwächeanfall zu erholen. Nur sieben Monate später musste die EZB ihren Fehler korrigieren. Im Gegenzug hat die Bank dann im auslaufenden Boom Ende 2000 ihren Leitzins etwas zu sehr angehoben.

Der neutrale Zins, mit dem die EZB angesichts eines langfristigen Wachstumstrends von gut 2 Prozent den hausgemachten Inflationsdruck auf dem gewünschten Niveau von knapp 2 Prozent halten kann, liegt unseres Erachtens bei 4 Prozent. Dort ist die EZB Mitte 2007 wieder angekommen. Natürlich gibt es immer wieder gute Gründe, von diesem Richtwert abzuweichen, um Gefahren für die Preisstabilität zu begegnen oder einen Konjunktureinbruch zu lindern. Aber die Geldpolitik wirkt nur mit Zeitverzögerung.

Im letzten Sommer hat die EZB nach der Rückkehr zu 4 Prozent gleich angekündigt, sie wolle die Zinsschraube weiter gen 4,5 Prozent anziehen, statt zunächst die Wirkung der vorherigen Zinserhöhungen in Europa und Amerika abzuwarten. In den Herbststürmen danach konnte sie ihren Worten dann keine Taten mehr folgen lassen. Derzeit werden die Rufe nach niedrigeren Zinsen lauter. Aber braucht die Wirtschaft wirklich einen Stimulus aus Frankfurt, der zudem erst im Jahr 2009 richtig wirksam wird? Die Fed hat bereits so aggressiv auf die Hypothekenkrise reagiert, dass die Weltmärkte und -konjunktur sich bis Anfang 2009 wohl auch ohne Nothilfe aus Frankfurt erholen können.

Die Logik spricht dafür, dass die EZB ihre Zinsen für absehbare Zeit beibehalten sollte. Die Erfahrung legt allerdings die Vermutung nahe, dass sie vielleicht doch im Frühsommer auf einige schlechte Wirtschaftsdaten mit einer Zinssenkung reagieren könnte, um diese dann vermutlich Anfang 2009 wieder zurücknehmen zu müssen. Gerade da mit dem Ende der Lohnzurückhaltung der langfristige Inflationsdruck wieder etwas zunimmt, sollte die EZB sich aber davor hüten, ihre Glaubwürdigkeit durch eine unstete Geldpolitik zu belasten.

GvD.news
17.02.2008, 22:03
Amazon will Ebay die Händler abwerben
Jedes dritte Produkt, das auf den Amazon-Seiten verkauft wird, stammt inzwischen von externen Händlern. Jetzt übernimmt das Unternehmen auch die Lagerung und den Versand der Produkte für seine Händler. Bald dürfen die externen Anbieter sogar Werbung auf den Amazon-Seiten schalten. Die Wandlung vom Online-Händler zum Marktplatz ist vor allem gegen Ebay gerichtet.

FRANKFURT, 17. Februar. Der Online-Händler Amazon lagert und versendet künftig auch die Produkte fremder Händler. „Unser Programm „Fulfillment by Amazon“ funktioniert ganz einfach: Händler können ihre Produkte zu Amazon schicken. Wir stellen die Produkte in unsere Lager, liefern sie aus und übernehmen auch die anschließende Kundenbetreuung“, sagte Joe Walowski, für das Programm zuständiger Direktor bei Amazon, dieser Zeitung. In Deutschland gilt das Angebot zunächst nur für die Händler, die ihre Produkte auf der Amazon-Plattform verkaufen. Künftig können aber alle Online-Händler – egal, ob sie bei Ebay oder auf ihrer eigenen Internetseite Produkte verkaufen – den Service von Amazon nutzen. „Dann wird es egal sein, auf welcher Plattform die Bestellung eingegangen ist. Wir liefern sie aus. Noch gibt es das nur in den Vereinigten Staaten, aber wir werden so schnell wie möglich auch in Großbritannien und Deutschland damit beginnen“, sagte Walowski.

Was zunächst unspektakulär klingt, ist ein Frontalangriff auf Ebay, um dem Unternehmen die Händler abzuwerben. Viele Ebay-Händler haben nicht nur mit negativen Käuferbewertungen wegen einer – als zu langsam oder zu teuer empfundenen – Lieferung ihrer Produkte zu kämpfen, sondern sind auch unzufrieden mit den neuen Verkaufskonditionen, die Ebay am 20. Februar einführen wird. Da kommt das Angebot von Amazon, Produkte auf der vielbesuchten Seite zu verkaufen und die lästige Lieferung gleich mit zu übernehmen, wie gerufen.

Schon 1,3 Millionen Händler in aller Welt vertreiben ihre Produkte bei Amazon und treten für jedes verkaufte Produkt 10 bis 15 Prozent des Erlöses als Kommission an Amazon ab. Das Geschäft brummt: „Jedes dritte Produkt, das wir verkaufen, stammt inzwischen von diesen Händlern – und der Anteil steigt weiter. Auch in Deutschland ist dieser Anteil schon sehr hoch“, sagte der Amazon-Vorstandschef Jeff Bezos dieser Zeitung (F.A.Z. vom 12. November). Angst, dass die Kunden die Produkte der anderen Händler besser als die eigenen Angebote finden, hat Bezos nicht. „Uns ist es egal, ob ein Kunde ein Produkt bei Amazon oder bei einem unserer Händler kauft. Unser Umsatz ist zwar geringer, wenn der Kunde das Produkt eines Händlers wählt, aber die Verkaufsgebühr, die wir dafür erhalten, entspricht im Durchschnitt unserem Gewinn, wenn wir es selbst verkauft hätten“, sagte Bezos, der Amazon auch zehn Jahre nach dem Markteintritt in Deutschland auf Wachstumskurs hält. Die Besucherzahl auf der Seite ist in den vergangenen beiden Jahren nach Berechnungen von Nielsen Online um rund 40 Prozent auf 14,2 Millionen je Monat gewachsen; der Umsatz hat längst die Schwelle von einer Milliarde Euro überschritten. Ebays Umsatz bewegt sich in einer ähnlichen Größenordnung; der Marktplatz zieht zwar jeden Monat rund 19 Millionen Besucher an, verzeichnet aber seit rund drei Jahren kein Besucherwachstum mehr.

Das Fulfillment-Programm soll nun zusätzliche Händler auf die Amazon-Seite ziehen, um das Wachstum weiter anzukurbeln. „Das Interesse an dem Programm ist groß; die Zahl der Händler wächst schnell“, sagte Walowski. Das Programm sei eigentlich für kleine und mittlere Händler konzipiert gewesen, für die Lieferung und Abwicklung oft schwierig seien. „Es hat auch uns überrascht, dass auch große Händler mitmachen“, sagte Walowski. Aber Amazon, der weltgrößte Online-Händler, gilt inzwischen als ausgewiesener Logistik-Experte. „In der Lagerung und Lieferung gibt es ausgeprägte Größenvorteile. Wenn man noch unsere große Erfahrung hinzurechnet, sind wir extrem wettbewerbsfähig“, sagte Walowski. Gerade erst hat Amazon die Genehmigung bekommen, im nordhessischen Bad Hersfeld ein zweites Logistikzentrum zu bauen, um Platz für die Produkte der externen Anbieter zu schaffen.

Die Händler könnten zudem von einer anderen Amazon-Innovation profitieren: die Versandkostenpauschale Prime, die unbegrenzt viele Lieferungen für 29 Euro im Jahr ermöglicht. „Alle Produkte der Händler fallen unter das Prime-Programm. Wenn die Kunden die Versandkostenpauschale bezahlt haben, können sie sich auch alle Produkte der Händler kostenlos liefern lassen“, sagte Walowski. Das könnten sich vor allem Händler zunutze machen, die Produkte mit geringer Marge verkaufen. Für alle Lieferungen der Händler, die 20 Euro Bestellwert überschreiten, berechnet Amazon wie bei eigenen Produkten keine Versandkosten.

Nach Ebay öffnet sich auch Amazon für Online-Werbung. Das Unternehmen testet in Amerika ein neues Werbesystem, das Händlern Werbung für ihre Produkte auf der Amazon-Seite ermöglicht. „Die Werbung führt die Nutzer auf die Internetseiten anderer Händler. Das ist aber kein Problem für uns, denn es erhöht die Produktauswahl, die Kunden bei Amazon finden können“, sagte Walowski. Diese externen Händler sind essentieller Bestandteil der Strategie, Amazon zur universellen Einkaufsplattform zu machen, auf der alle Produkte zu finden sind. „Unsere Vision ist die umfassende Auswahl. Die einzige Chance, diese umfassende Auswahl zu erreichen, ist mit Hilfe unserer Händler. Deshalb haben wir in dieses Geschäftsfeld auch stark investiert“, sagte Bezos.

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17.02.2008, 22:04
„Monolinern“ droht Aufspaltung
Anleiheversicherer stehen vor großen Umwälzungen

nks. NEW YORK, 17. Februar. Die angeschlagene Branche der amerikanischen Anleiheversicherer, die eine Schlüsselrolle bei der aktuellen Finanzkrise spielt, steht vor gravierenden Veränderungen. Der drittgrößte amerikanische Anleiheversicherer Financial Guaranty Insurance Co. (FGIC) hat der New Yorker Versicherungsaufsicht eine Spaltung in zwei Unternehmen angeboten, nachdem mehrere Kreditbewertungsagenturen ihm die für das Geschäft entscheidende Höchstnote bei der Bonität verweigert hatten.

Auch beim zweitgrößten Anleiheversicherer Ambac wird einem Bericht der „New York Times“ zufolge eine Aufspaltung diskutiert. Diese Pläne sehen vor, das risikoreiche Geschäft mit komplexen, unter anderem mit Hypotheken besicherten Anleihen abzuspalten. Dieser Geschäftsbereich hat die im Branchenjargon auch als „Monoliner“ bekannten Anleihenversicherer in ihre prekäre Lage geführt. Für Banken, die in von Anleiheversicherern garantierte komplexe Anleihen investiert sind, könnte das weitere Abschreibungen bedeuten. Mehrere Banken an der Wall Street, darunter auch die Dresdner Bank, verhandeln derzeit auf Initiative der New Yorker Versicherungsaufsicht mit den Anleiheversicherern über einen Rettungsplan.

Die Lage der Anleiheversicherer ist an der Wall Street zu einem Angstthema geworden. Die bis vor kurzem nur Fachleuten bekannten Unternehmen wie MBIA, Ambac oder FGIC haben ihr Geschäft traditionell mit der Versicherung kommunaler Anleihen gegen Zahlungsausfälle bei Zins und Grundkapital gemacht. Insgesamt versichern sie rund die Hälfte des kommunalen Anleihemarktes, dessen Volumen auf 2,6 Billionen Dollar beziffert wird.

In den vergangenen Jahren hatten die Anleiheversicherer ihr Geschäft aber auf die Versicherung sogenannter strukturierter Finanzprodukte ausgeweitet. Dazu gehören auch hypothekenbesicherte Anleihen. Diese Papiere haben im Zuge der Hypothekenkrise nun stark an Wert verloren. Die großen Kreditbewertungsagenturen haben die Bonität der Monoliner daher auf den Prüfstand gestellt.

GvD.news
17.02.2008, 22:04
Berlin will Postbank an Commerzbank verkaufen

gb. FRANKFURT, 17. Februar. Die Bundesregierung favorisiert aus industriepolitischen Gründen einen Verkauf der Postbank an die Commerzbank noch in diesem Jahr. Das ist aus Finanzkreisen zu hören. Mit einem Zusammenschluss der beiden Häuser will die Politik eine zweite bedeutende private Bank in Deutschland schaffen. „Das Geschäft ist aber noch nicht in trockenen Tüchern“, hieß es am Wochenende. Der Vorstandssprecher der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, hatte am vergangenen Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz gesagt, ein Kauf der Postbank wäre auch ohne Kapitalerhöhung möglich. Commerzbank und Postbank kämen unter Berücksichtigung ihrer aktuellen Aktienkurse zusammen auf einen Börsenwert von knapp 23 Milliarden Euro und blieben damit immer noch weit hinter der Deutschen Bank zurück, deren Börsenwert rund 40 Milliarden Euro beträgt. Auch die Deutsche Bank hat sich mehrfach an einem Erwerb der Postbank interessiert gezeigt.

GvD.news
17.02.2008, 22:04
66 000 Prozent Inflation
Lebenserwartung in Zimbabwe sinkt auf weniger als 40 Jahre

tos. JOHANNESBURG, 17. Februar. Die Inflation in Zimbabwe hat im vergangenen Dezember mit offiziell 66 000 Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen neuen Rekordwert erreicht. Im Vergleich zum Dezember 2006 sei die Inflation im vergangenen Dezember um genau 66 213 Prozent gestiegen, teilte das nationale Statistikamt in Harare am Donnerstag in einem Brief an die Banken mit. In November 2007 habe die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat noch bei 26 000 Prozent gelegen. Demnach habe die Preissteigerung allein zwischen November und Dezember 2007 mehr als 240 Prozent betragen, teilte das Amt mit. Die zimbabwische Zentralbank wollte diese Zahlen nicht bestätigen. Unabhängige Finanzfachleute halten indes selbst die Angaben des Statistikamtes für geschönt und gehen mittlerweile von einer realen Inflationsrate von 150 000 Prozent aus.

Die Zentralbank hat in der Vergangenheit mehrfach die Landeswährung Zim-Dollar abwerten müssen und erst im Januar neue Geldscheine eingeführt, deren – vorerst – höchste Note ein Schein über zehn Millionen Zim-Dollar ist.

Die Regierung hatte im vergangenen Juni vergeblich versucht, die Inflationsrate durch staatlich verordnete Höchstpreise besonders für Grundnahrungsmittel zu bremsen. Das Resultat waren noch dramatischere Versorgungsengpässe, weil die Erzeuger angesichts der unrealistischen Verkaufspreise ihre Kosten nicht mehr decken konnten und die Produktion einstellten. Selbst auf dem Schwarzmarkt sind selbstverständliche Produkte wie Salz, Seife oder Speiseöl kaum noch zu finden.

Das ehedem als „Kornkammer des südlichen Afrikas“ gepriesene Zimbabwe befindet sich seit der gewaltsamen Vertreibung der weißen Farmer vor acht Jahren auf einer wirtschaftlichen Talfahrt, die ihresgleichen sucht. Der autoritäre Präsident Robert Mugabe bezichtigt den Westen der Verschwörung gegen sein Land und verhindert gleichzeitig durch die brutale Unterdrückung der Opposition einen politischen Wandel. Die Arbeitslosenquote in Zimbabwe wird mittlerweile auf mehr als 80 Prozent geschätzt, während die durchschnittliche Lebenserwartung auf weniger als 40 Jahre gesunken ist – nicht zuletzt wegen unerschwinglich teurer Medikamente, der Massenflucht von Ärzten und der zeitweiligen Schließung von Krankenhäusern aufgrund von Strommangel. Angesichts der eigenen Energiekrise hat das Nachbarland Südafrika seine stark verbilligten Stromlieferungen nach Zimbabwe fast vollständig eingestellt.

Ein Drittel der auf zwölf Millionen Menschen geschätzten Bevölkerung Zimbabwes ist mittlerweile außer Landes geflohen, vornehmlich nach Südafrika. Wenn es bislang noch nicht zu größeren Hungerkatastrophen in Zimbabwe gekommen ist, dann nur, weil die Flüchtlinge ihre zurückgebliebenen Familien mit Lebensmittellieferungen am Leben erhalten. Etliche südafrikanische Kaufhausketten haben sich inzwischen auf diese Kundschaft eingestellt und bieten Haus-zu-Haus-Lieferungen von Johannesburg nach Harare beziehungsweise Bulawayo an, den beiden größten Städten in Zimbabwe. Trotz internationaler Proteste will der seit 1980 regierende und mittlerweile 83 Jahre alte Mugabe Ende März für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren kandidieren.

GvD.news
17.02.2008, 22:05
Mit Asien bestens im Geschäft
[I]Argentiniens Landwirtschaft ernährt die Welt. Darum fühlt man sich am R

GvD.news
17.02.2008, 22:05
Eine Welle von Steuerrazzien rollt an
Bei Verdunklungsgefahr haben Strafverfolger Haftbefehle für Hunderte Vermögende parat

jja. FRANKFURT, 17. Februar. Das Wochenende war die Ruhe vor dem Sturm: Ein paar hundert vermögende Bundesbürger dürften in den kommenden Tagen Besuch von Steuerfahndern, Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei bekommen. Denn die Razzia bei Post-Chef Klaus Zumwinkel war nur der Anfang. Die vom Bundesnachrichtendienst aufgekaufte CD-ROM mit Stiftungskonten in Liechtenstein wird schon seit Monaten von Strafverfolgern ausgewertet. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Bochum hat personelle Verstärkung erhalten, das dortige Amtsgericht hat Durchsuchungsbeschlüsse ausgefertigt – serienweise.

Details wollen die Behörden zwar nicht verraten. Ein ähnlich prominenter Wirtschaftslenker wie Zumwinkel soll allerdings nicht mehr darunter sein. Doch eine ganze Welle von Durchsuchungen rollt an, die Fahnder haben sich darauf vorbereitet. In manchen Dienststellen stehen in den kommenden Wochen täglich Beschlagnahmungen an, wie diese Zeitung erfahren hat. Genau wie bei Zumwinkel haben die Beamten dann einen Haftbefehl in der Tasche, falls sie vor Ort Verdunklungsgefahr vermuten. In aller Ruhe haben sie zuvor die Depotauszüge aus Liechtenstein mit den Steuerakten der Inhaber bei der deutschen Finanzverwaltung abgeglichen.

Bei den einschlägigen Steuerstrafverteidigern blieb aber trotz der spektakulären Fahndungsaktion bislang der Andrang reumütiger Mandanten aus, wie in den Kanzleien zu hören ist. Dabei hatte ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Freitag alle Steuersünder zur Selbstanzeige aufgerufen. Mit ein paar hundert Millionen Zusatzeinnahmen für die Staatskasse von „bekannten und weniger bekannten Leistungsträgern“ rechnete er angesichts des mit mehr als 4 Millionen Euro teuer bezahlten Datenschatzes.

Doch die Bereitschaft, Steuern nachzuzahlen, um sich wenigstens vor einer Bestrafung zu retten, ist in Deutschland gering. Das hat bereits die geringe Resonanz auf die Steueramnestie von Steinbrück-Vorgänger Hans Eichel (SPD) in den Jahren 2004 und 2005 gezeigt. Egon Müller, einer der bekanntesten Steuerstrafrechtler des Landes, sagt: „Von hundert Mandanten habe ich damals 98 zur Selbstanzeige geraten. Getan haben es zehn.“ Einen besonders drastischen Fall hat der Rechtsanwalt aus Saarbrücken in seinem eigenen Sportverein erlebt: In einem Strafverfahren tauchte in Müllers Akten auch der Name eines Tenniskameraden auf. Der Anwalt warnte ihn und versuchte ihn zu einem Schreiben ans Finanzamt zu überreden – vergeblich. Nach Rücksprache mit seiner Ehefrau versuchte Müller es noch einmal – wieder ergebnislos. Schließlich wurde der Mann von der Finanzverwaltung überführt. „Man kann die Leute nicht zum Fiskus hinprügeln“, bedauert der Advokat.

Allerdings könnte es für eine Straffreiheit schon zu spät sein. Eine Selbstanzeige ist nämlich nur möglich, solange die Tat nicht „entdeckt“ worden ist und der Täter „dies wusste oder bei verständiger Würdigung der Sachlage damit rechnen musste“ (Paragraph 371 der Abgabenordnung). „Weil der Name der LGT-Bank konkret in den Zeitungen genannt wurde, wird es eng“, sagt der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Steuerberater Marcus Geuenich von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche. Nun komme es auf die Detailkenntnisse der Ermittler an – etwa ob ihnen konkrete Erträgnisaufstellungen vorlägen.

„Dass die Behörden den Phantasienamen einer Stiftung dem Klarnamen eines Steuerpflichtigen zuordnen können, reicht dagegen noch nicht“, erläutert Geuenich aufgrund seiner Erfahrungen mit Kontoauszügen, die den Beamten manchmal bei Bargeldkontrollen an der Landesgrenze in die Hände fallen. Auch weist der Anwalt auf ein Zeitproblem bei einer Selbstanzeige hin: Diese funktioniert nämlich nur, wenn sie konkret beziffert ist. „Doch bei den meisten Leuten liegen die Unterlagen seit Jahrzehnten im Ausland im Schließfach. Und sie betreffen komplexe Anlageprodukte, bei denen die steuerpflichtigen Kapitalerträge nicht so klar auf der Hand liegen wie bei Investments in Festgelder.“ Dennoch rät Geuenich zur Selbstanzeige, weil sie zumindest noch zur Strafmilderung verhelfe. „Denn die LGT-Kunden werden auf jeden Fall alle auffliegen.“

Nicht sicher ist allerdings, ob die Fahnder die Unterlagen vor Gericht überhaupt einsetzen können. Der Kölner Steuerfachanwalt Michael Streck sieht ein Verwertungsverbot, weil der Staat die gestohlenen Daten gekauft habe. „Das ist Hehlerei“, sagt Streck. Sein Kompagnon Rolf Schwedhelm vertritt zwar Zumwinkel, so dass Streck nicht ganz unbefangen ist. Doch war er auch jahrelang Präsident des Deutschen Anwaltvereins. „Eigentlich ist das eine Sauerei“, ärgert sich Streck. „Einer wird hingerichtet – und alle anderen sollen sich nun übers Wochenende selbst anzeigen.“

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17.02.2008, 22:06
Ausgeschaltet
Südafrika in der Stromkrise
Das staatliche Monopol kann die wachsende Nachfrage nach Energie nicht mehr bedienen.

Es ist noch nicht lange her, als sich die Südafrikaner über die Nachbarn in Zimbabwe lustig machten. „Was gab es in Zimbabwe, bevor es Kerzen gab?“, lautete einer der Witze. Die Antwort: „Strom.“ Seit einigen Wochen ist den Südafrikanern der Spott vergangen. Das Land, das als Wirtschaftsmotor des afrikanischen Kontinents gilt und 2010 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten soll, erlebt die schlimmste Energiekrise seit Jahrzehnten. Täglich schaltet der staatliche Versorger Eskom in vorher ausgewählten Ortschaften den Strom ab. Nicht nur der Verkehr, auch das Wirtschaftsleben kommt regelmäßig für mehrere Stunden zum Erliegen.

Die Stromausfälle sind längst mehr als eine lästige Unannehmlichkeit im Alltag. Sie drohen dem seit vier Jahren währenden kräftigen Wirtschaftsaufschwung ein Ende zu setzen. Die Prognosen reichen von einem um 0,5 Prozentpunkte niedrigeren Wachstum bis zu einer langen, schmerzhaften Rezession. Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen bedeutet der Elektrizitätsmangel Umsatzeinbußen und Produktivitätsverluste. Jüngst schlossen aber auch die Bergbaukonzerne die größten Minen des Landes mehrere Tage lang, weil Eskom sie nicht ausreichend mit Strom versorgen konnte. Südafrika kämpft derzeit ohnehin um seine Macht auf den Rohstoffmärkten. Bei weiteren Stromausfällen wird das Land gegenüber den Konkurrenten in Australien, Kanada, Russland und anderen afrikanischen Ländern noch weiter ins Hintertreffen geraten.

Die Krise trifft indes nicht nur die einheimische Wirtschaft. Schon mehren sich die Anzeichen, dass ausländische Investoren den Rückzug antreten. Bislang betrachteten sie Südafrika nicht zuletzt wegen seiner billigen und sicheren Stromversorgung als einen der führenden Schwellenmärkte. Diese Einschätzung kann sich schnell ändern, wenn weiterhin so oft im ganzen Land die Lichter ausgehen.

Die offiziellen Erklärungen für die Stromausfälle – nass gewordene Kohlevorräte, überschwemmte Kohlenbergwerke, unvorhergesehene Wartungsarbeiten in den Kraftwerken – verschleiern nur notdürftig die nüchterne Wahrheit: Der staatseigene Monopolist Eskom kann die Nachfrage nicht mehr bedienen. Und zwar nicht wegen des schlechten Wetters, sondern wegen einer Regierung, die über Jahre hinweg glaubte, sich in der Energiepolitik gegen die Gesetze des Marktes stellen zu können. Jetzt erhält sie die Quittung in Form von Arbeitsplatzverlusten, Inflation und besonderen Härten für die ärmere Bevölkerung.

Die wirtschaftliche Blütezeit und die Verkabelung von Millionen zuvor stromloser Haushalte in den Armenvierteln haben die Stromnachfrage in Südafrika kräftig in die Höhe getrieben. Stromsparen hielt bis vor kurzem niemand für nötig. Die Regierung buhlte sogar bewusst um Ansiedlung von Unternehmen mit hohem Energieverbrauch wie Eisenschmelzen.

Ungeachtet des steigenden Bedarfs lagen die von staatlicher Seite beschlossenen Strompreiserhöhungen stets unter der Inflationsrate. Südafrikas Strompreise gehören heute noch zu den niedrigsten der Welt. Gleichzeitig hat die Regierung den Fehler gemacht, Marktöffnung und Privatisierung zu versprechen, aber nicht zu verwirklichen. In der Erwartung, dass private Unternehmen bald die dringend benötigten Investitionen in Kraftwerke und Infrastruktur übernehmen würden, steckte Eskom selbst kein Geld mehr in neue Projekte. Auf die privaten Energieversorger wartet man in Südafrika heute noch, auf die Investitionen ebenfalls.

Die Versäumnisse sind nicht von einem Tag auf den anderen wiedergutzumachen. Eskom rechnet mit Stromausfällen bis 2013. Davon wäre auch die Fußball-Weltmeisterschaft betroffen, von der sich Südafrika enorme wirtschaftliche Impulse erhofft.

Dass ein milliardenschweres Investitionsprogramm und Strompreiserhöhungen langfristig unausweichlich sind, ist unumstritten. Das schnell aufgelegte Rettungsprogramm der Regierung jedoch liefert noch zusätzlich Anlass zur Sorge. In schönster planwirtschaftlicher Manier wird der Strom über sämtliche Branchen hinweg um 10 bis 20 Prozent rationiert. Zusätzlich kündigt die Regierung privaten Kohlelieferanten Sanktionen an, wenn sie Eskom nicht ausreichend beliefern, sondern die Kohle gewinnbringend exportieren. Auch die Herstellung und Nutzung von Produkten mit hohem Stromverbrauch wird künftig von staatlicher Seite geahndet. Weitere Fehlallokationen der knappen Ressource Strom werden die Folge sein. Auch drohen Korruption und Vetternwirtschaft bei der Zuteilung der Stromquoten. Die Privatwirtschaft wird sich das staatliche Diktat nur so lange gefallen lassen, wie es sich rechnet.

Ein rapider Übergang zur Marktwirtschaft freilich fällt ebenfalls schwer. Um die Stromnachfrage wie gewünscht um 15 bis 20 Prozent zu drosseln, müssten die Strompreise um 75 Prozent steigen. Keine Regierung könnte eine solche Entscheidung rechtfertigen, schon gar nicht, wenn ein großer Teil der Bevölkerung wie in Südafrika in Armut lebt. So bleibt den Südafrikanern nur zweierlei: warten und den Rat ihrer Energieministerin befolgen. Die hat ihren Landsleuten angesichts der Stromausfälle geraten, einfach früher ins Bett zu gehen.

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19.02.2008, 00:39
Preise für deutsche Eigenheime stabil

bf. FRANKFURT, 18. Februar. Nach jahrelanger Talfahrt haben sich die Preise am deutschen Markt für gebrauchte Wohnimmobilien im vergangenen Jahr weiter stabilisiert. Das jedenfalls signalisiert ein von der Bulwien-Gesa AG errechneter Index, den die Deutsche Bundesbank in ihrem Monatsbericht Februar veröffentlicht . Er war bis zum Jahr 2006 gefallen. Die Bundesbank weist allerdings darauf hin, dass nach einem Index der Hypoport AG die Wiederverkaufspreise für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser auch im vergangenen Jahr gefallen sind – und zwar um durchschnittlich 2,5 Prozent.

Sowohl der Bulwien-Gesa-Index als auch der Hypoport-Index zeigen an, dass die Preise für neugebaute Wohnimmobilien im vergangenen Jahr leicht gestiegen sind. Die Bundesbank erklärt dies zum einen mit der verbesserten Konjunktur in Deutschland, zum anderen mit der Verteuerung von Bauleistungen für Wohngebäude. Nicht zuletzt wegen der Anhebung des Mehrwertsteuersatzes von 16 auf 19 Prozent zu Beginn des Jahres 2007 hätten sich diese Kosten im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent erhöht, schreibt die Bundesbank.

Nach einer Studie von Unicredit/Hypo-Vereinsbank sind deutsche Wohnimmobilien in den vergangenen Jahren sehr viel erschwinglicher geworden. 1997 habe ein Eigenheim im Durchschnitt noch das Zehnfache des Pro-Kopf-Einkommens gekostet, in diesem Jahr dürfte dieser Multiplikator nur noch etwas mehr als das Achtfache betragen. Bezogen auf das Pro-Kopf-Einkommen finde man in Deutschland neben Italien und Irland die günstigsten Eigenheimpreise im Euro-Raum.

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19.02.2008, 00:39
Der Auslandsmarkt: Großbritannien
Gute Nerven sind gefragt

Gerade zu Beginn der Berichtswoche britischer Banken hat die Regierung von Premierminister Gordon Brown und Schatzkanzler Alistair Darling die Reißleine gezogen und Northern Rock vorläufig verstaatlicht. Für die Aktionäre von Northern Rock hört das Drama also nicht auf. Seit Montag sind die Aktien von Northern Rock vom Handel suspendiert. Und die düpierten Aktionäre werden irgendwann erfahren, wie hoch – oder eher jämmerlich niedrig – sie abgefunden werden.

Es dürfte ein schwacher Trost sein, nachdem der Aktienkurs von Northern Rock von 850 Pence im Sommer auf 90 Pence am vergangenen Freitag, also um fast ein Zehntel seines ehemaligen Wertes, eingebrochen war. Die 140 000 Kleinaktionäre von Northern Rock und einige Hedge-Fonds werden jetzt schmerzhaft spüren, was der Begriff Risikokapital heißt. Viele Aktionäre prüfen bereits, ob sie wegen Entschädigung auf Enteignung gegen die britische Regierung rechtlich vorgehen.

Aktien von Finanztiteln zu halten ist derzeit etwas für gute Nerven. Diese Woche werden Barclays, Alliance & Leicester, Lloyds TSB und in der kommenden Woche Standard Chartered, HBOS und die Royal Bank of Scotland ihre Ergebnisse für 2007 vorlegen. Der Vorgeschmack von Bradford & Bingley, die am Mittwoch die Märkte mit einem Verlust im zweiten Halbjahr von 35,8 Millionen Pfund überraschten, ließ zunächst nichts Gutes erahnen. Der Aktienkurs der Hypothekenbank brach in der vergangenen Woche um 27 Prozent ein. Auf Talfahrt ging auch der Aktienkurs der Hypothekenbank Alliance & Leicester, die im Herbst vergangenen Jahres Northern Rock nahezu in die Liquiditätsschwierigkeiten gefolgt wäre. Der Aktienkurs ist von einem Rekordstand von fast 12 Pfund im vergangenen Mai auf nur noch 530 Pence gefallen.

Es ist die Angst vor weiteren Verlusten, Abschreibungen und bösen Überraschungen, die Investoren bei den mittlerweile deutlich günstigeren Bewertungen nur sehr zögerlich zugreifen lässt. Am Wochenende wollten britische Medien wissen, dass Barclays und Lloyds TSB sogar recht kräftige Gewinne vorlegen und trotz Abschreibungen ihre Dividenden erhöhen werden, um dem Markt Zuversicht zu signalisieren.

Trotz all der Furcht am Markt könnten die britischen Banken letztlich in der Tat weniger geschädigt aus der Finanzkrise hervorgehen als befürchtet. Keine britische Bank hat sich mit Portfoliopapieren verbriefter Kreditforderungen (Collateralized Debt Obligation CDOs) so mächtig eingedeckt und die Klaviatur außerbilanzieller Zweckgesellschaften (SIVs) so weit betrieben wie deutsche Landesbanken oder die IKB. Schatzkanzler Alistair Darling mag in dem Debakel um Northern Rock zwar auf die IKB verweisen, weil auch dort der Staat und die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden. Aber beide Bankenskandale sind grundlegend verschieden.

Northern Rock ist in Großbritannien kein Zeichen für weitere Liquiditätsnöte in der Branche oder potentiell existenzgefährdende Verluste aus der Kreditkrise. Andere britische Banken haben andere, bessere Geschäftsmodelle und sind weniger gefährdet. Auch wäre es falsch, von der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten auf die Krise in Großbritannien zu schließen, denn weder gibt es in Großbritannien einen derart ausgewachsenen Sektor des „sub-prime“, noch waren die Ausleihekonditionen der Banken je so lax wie in Amerika, und am Immobilienmarkt gibt es nicht den Überhang an Neubauten, der derzeit auf dem amerikanischen Markt lastet.

Britische Banken handeln derzeit zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7, bezogen auf die dieses Jahr erwarteten Gewinne. Credit Suisse warnt jedoch, dies sei angesichts der zu erwarteten Abschreibungen und nach unten zu korrigierenden Gewinnerwartungen immer noch zu hoch, als dass Investoren derzeit höher einsteigen sollten. Die am britischen Aktienmarkt stark vertretenen Minen- und Ölwerte werden von vielen Investoren favorisiert. Der britische Aktienmarkt hat viele Titel, die es Anlegern erlauben, auf ein andauerndes Wachstum in den Schwellenländern zu setzen, ohne sich dort direkt engagieren zu müssen. Dies bedeutet aber auch, dass der Gesamtmarkt deutlich zyklischer ist als früher.

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19.02.2008, 00:39
Marktentscheid

Am Ende ging es schneller als erwartet. Der offenbare Ausstieg von Toshiba aus der HD-DVD genannten Technik macht den Weg frei für den Massenmarkt des Nachfolgeformats der heutigen DVD. Wer künftig Filme von der Scheibe in höchster Auflösung auf seinem neuen Flachbildfernseher sehen will, muss wahrscheinlich zu Bluray-Geräten greifen. Die Entscheidung von Toshiba ist vernünftig. Nachdem sich viele Filmstudios für Bluray entschieden hatten, drohte der HD-DVD ein Leben in der Nische. Das aber rechnet sich im von Skaleneffekten geprägten Markt der Unterhaltungselektronik nicht. So wäre die Treue zur eigenen Lösung für Toshiba teurer geworden als der Ausstieg mit einem scharfen Schnitt. Aber: Hat sich jetzt das bessere System durchgesetzt? Gegenfrage: Ist Windows das beste Betriebssystem? Die Antwort auf beide Fragen ist müßig. Der Massenmarkt hat entschieden, und das ist gut so. Nichts hätte mehr geschadet als ein weiterer Streit der Lager. Einige Verbraucher sind angesichts der Komplexität der neuen Technik schon jetzt überfordert. Weiterer Zwist hätte dies nur verstärkt und Umsatz gekostet. Den aber braucht die Branche dringend.

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19.02.2008, 00:39
Indiens Biotech-Königin drängt nach Deutschland

Die reichste Frau Indiens fällt vor allem durch ihre Zurückhaltung auf. Kiran Mazumdar-Shaw, die in ihrer Heimatstadt Bangalore als Partylöwin gilt und für ihre Eloquenz und Durchsetzungskraft bekannt ist, wäre im Gewühl auf der Pressekonferenz glatt zu übersehen, hätte sie sich nicht ein orangefarbenes Halstuch umgebunden. Orange ist die Farbe ihrer neuesten Beteiligung, des hessischen Generikaherstellers Axicorp, und dieser Partnerschaft soll an diesem Tag auch die ganze Aufmerksamkeit gelten.

So verliert die Vorzeigeunternehmerin des Subkontinents – laut dem Magazin „Forbes“ eine der 50 mächtigsten Frauen der Welt – kaum ein Wort zur unglaublichen Erfolgsgeschichte ihres Biotechnologieunternehmens Biocon. Generös lässt Mazumdar-Shaw den beiden Axicorp-Geschäftsführern Raum für den großen Auftritt und begnügt sich mit ein paar Worten zur großen gemeinsamen Zukunft der beiden Unternehmen. Wahrscheinlich gibt sich Mazumdar-Shaw auch deshalb bescheiden, um die verängstigten deutschen Gemüter zu beruhigen. Nachdem der Einstieg von Biocon bekanntgeworden war, wurde die Befürchtung laut, dass nun Arbeitsplätze aus Friedrichsdorf nach Indien verlegt würden. Deshalb betont die indische Unternehmerin an diesem Vormittag mehrmals, sie wolle keine Arbeitsplätze in Hessen ab-, sondern aufbauen.

Doch auch ohne dass sich Mazumdar-Shaw in Szene setzt, wird klar, wer in Friedrichsdorf in Zukunft die Entscheidungen treffen wird. Biocon hat für 30 Millionen Euro einen Anteil von 70 Prozent an Axicorp erworben. Wie zwischen den Zeilen deutlich wurde, wollen die Inder vor allem auf die Marketing- und Vertriebsstrukturen von Axicorp zurückgreifen, um ihre Wirkstoffe in Deutschland unter eigenem Namen auf den Markt zu bringen. Biocon drängt mit seinen Biosimilars, also Nachahmerprodukten von patentierten biotechnologischen Medikamenten, nach Europa. Doch auch selbstentwickelte Biopharmazeutika will Biocon hier bald vermarkten.

Vor drei Jahren hatte die indische Unternehmerin angekündigt, zum größten Insulinhersteller der Welt werden zu wollen. Folgerichtig soll auch Insulin das erste Präparat sein, mit dem Biocon auf den deutschen Markt kommt. Mazumdar-Shaw geht mit einem Zeitraum von 12 bis 24 Monaten bis zum Markteintritt aus – eine Einschätzung, die Branchenkenner für äußerst optimistisch halten.

Ein Blick auf ihre Biographie beweist jedoch, dass Mazumdar-Shaw eine Kämpfernatur ist und das nötige Durchhaltevermögen aufbringen wird, um ihre Medikamente auf die etablierten europäischen und amerikanischen Märkte zu boxen. Vor 30 Jahren gründete sie Biocon mit 250 Dollar Startkapital als Enzymhersteller in einer Garage. Davor hatte sie schon einige Rückschläge erlebt. In Australien wurde sie zu Indiens erster Braumeisterin ausgebildet, um in die väterlichen Fußstapfen zu treten. Doch zurück in der Heimat stieß sie auf unüberwindbare Mauern: Als Frau wurde sie noch nicht einmal zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Aus ihrem Studium nahm sie die Vorliebe für tschechisches Bier und nutzte ihre Fermentierkenntnisse, um aus Papayas Enzyme herzustellen.

Doch auch nach der Unternehmensgründung erwies sich ihr Geschlecht als Wettbewerbsnachteil auf dem Arbeitsmarkt. Ende der siebziger Jahre wollte in Indien kaum jemand unter einer Frau arbeiten. Auch die Banken waren der Frau mit der unkonventionellen Geschäftsidee gegenüber skeptisch. Doch Mazumdar-Shaw kämpfte weiter und gewann junge, häufig im Ausland ausgebildete Wissenschaftler für ihr Unternehmen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich Biocon von einem Enzymhersteller zu einem integrierten Biotechnologieunternehmen. Auch wenn die Herstellung von Biosimilars noch immer 90 Prozent des Umsatzes ausmachen, setzt Mazumdar-Shaw in Zukunft verstärkt auf Entwicklung eigener biotechnologischer Wirkstoffe.

Mittlerweile hat Biocon weder Finanzierungs- noch Nachwuchsprobleme. Als das Unternehmen 2004 an die Börse ging, war die Aktie dreiunddreißigfach überzeichnet. Und diejenigen, die in den Anfangstagen ein Stellenangebot ablehnten, werden sich geärgert haben: Mitarbeiteraktien haben viele Angestellte mittlerweile zu Millionären gemacht.

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19.02.2008, 00:40
Blaues Auge für die Aareal Bank

da. FRANKFURT, 18. Februar. Die Krise an den Finanzmärkten ist auch an dem Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank nicht spurlos vorübergegangen. Im vierten Quartal brach der Nettogewinn im Konzern um 42 Prozent auf 22 Millionen Euro ein. Der Grund dafür sind abermalige Wertberichtigungen von 16 Millionen Euro auf das Portfolio strukturierter Produkte und Bankschuldverschreibungen. Vor allem dank des Anteilverkaufs an dem Internetportal Immoscout24 steigerte die Bank im Gesamtjahr dennoch den Konzernüberschuss um fast das Dreifache auf 290 Millionen Euro. Damit erwirtschaftet Aareal eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent.

Trotz des schlechteren vierten Quartals sprang der Aktienkurs der Immobilienbank am Montag um rund 6 Prozent nach oben. Damit ist die Aareal Bank, deren Aktienkurs im Zuge der Finanzkrise stark abgestürzt ist, wieder gut eine Milliarde Euro an der Börse wert. Analysten lobten, dass die Bank von der Finanzkrise auch profitiert hat: Im Zuge der veränderten Marktbedingungen hat die Bank nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Wolf Schumacher die Margen für Immobilienkredite erhöht – sprich, die Kredite wurden für den Kunden teurer. Das spiegelt sich in einem im vierten Quartal um fast ein Fünftel auf 109 Millionen Euro gestiegenen Zinsüberschuss.

Auch für das laufende Jahr zeigt sich die auf gewerbliche Immobilienfinanzierung spezialisierte Aareal Bank daher zuversichtlich. „Die angemessene Bepreisung von Kreditrisiken und die damit einhergehende Verbesserung der Margen im Finanzierungsgeschäft werden sich positiv auswirken“, sagt Schumacher. Nach den Worten eines Sprechers haben sich die Gewinnspannen seit Jahresbeginn weiter verbessert. Wenn es keine „schwerwiegenden Verwerfungen“ an den Finanzmärkten geben werde, wolle die Bank daher das operative Ergebnis des vergangenen Jahres erreichen oder verbessern, sagte Schumacher. Im Jahr 2007 hat die Bank das Betriebsergebnis dank der Sondereffekte auf 380 Millionen Euro mehr als verdoppelt.

Den Aktionären der Aareal Bank kommt das verbesserte Ergebnis freilich nicht zugute: Die Dividende soll für das vergangene Jahr bei 50 Cent je Aktie stabil gehalten werden.

GvD.news
19.02.2008, 00:40
BASF beteiligt sich in Russland

mir. LUDWIGSHAFEN, 18. Februar. Die BASF SE steigt zum ersten Mal in nennenswertem Umfang in die Chemieproduktion in Russland ein. Mit Solvin, einem Gemeinschaftsunternehmen von BASF und dem belgischen Solvay-Konzern, und dem russischen Energiekonzern Gasprom wird eine Fabrik zur Herstellung von PVC in der Region Nischnij Nowgorod errichtet. BASF und Gasprom sind im Erdgasgeschäft schon Jahrzehnte eng verbunden. Über eine Zusammenarbeit in der Chemie wird schon länger spekuliert. Jetzt erfolgt ein erster Schritt. Die neue Fabrik, die 650 Millionen Euro kostet, soll eine jährliche Kapazität von 300 000 Tonnen haben. Das ist nach Ansicht von Branchenkennern eine sehr beträchtliche Größenordnung. Die BASF hat 1999 ihr PVC-Geschäft in Solvin eingebracht und hält heute daran 25 Prozent. Das Unternehmen ist mit einem Umsatz von einer Milliarde Euro und Kapazitäten von 1,3 Millionen Tonnen PVC Marktführer in Europa. PVC wird unter anderem für Fußböden verwendet.

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19.02.2008, 00:40
Bundesbank sieht stabile Konjunktur

ppl. FRANKFURT, 18. Februar. Die Deutsche Bundesbank sieht trotz des gegen Jahresende verlangsamten Wirtschaftswachstums kein Ende des Aufschwungs. Der konjunkturelle Ausblick habe sich nicht nennenswert eingetrübt, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Es bestünden zwar weiterhin Risiken, etwa durch eine stärkere Abschwächung der amerikanischen Wirtschaft. „Bisher halten sich die wahrscheinlichen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft in engen Grenzen.“ Das deutsche Bankensystem habe die Turbulenzen der vergangenen Monate „insgesamt gesehen gut gemeistert und seine Stabilität und Funktionsfähigkeit behauptet“. Die Bundesbank erwartet für dieses Jahr in Deutschland ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,9 Prozent.

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19.02.2008, 00:41
Bundesregierung will Postbank schnell verkaufen
Lange Schlange von Interessenten / Vorgespräche nach Zumwinkel-Rücktritt „auf Eis“

da./bü./mas. FRANKFURT/BONN/BERLIN, 18. Februar. Die andauernde Finanzkrise und der Führungswechsel der Deutschen Post könnten die Konsolidierung der deutschen Bankenbranche in den kommenden Monaten beschleunigen. Vor dem Sommer dürfte die Deutsche Post ihren Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie an der sehr begehrten Deutschen Postbank zum Verkauf stellen. Denn die Bundesregierung als Großaktionär der Postbank macht nun offenbar Druck und will den Verkauf noch vor dem Jahresende erzwingen.

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums hat sich der Bund vertraglich ein zehnjähriges Zustimmungsrecht für den Weiterverkauf des Kapitalanteils gesichert. Dieses Recht endet Anfang 2009. Einen Bericht dieser Zeitung, wonach die Bundesregierung aus industriepolitischen Gründen den Verkauf an die in Frankfurt sitzende Commerzbank favorisiert, kommentierte ein Sprecher mit den Worten: „Es gibt keine Vorentscheidung seitens des Bundes.“ Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte am Rande einer Sitzung der SPD-Spitze in Hamburg: „Das sind alles Spekulationen.“ Entscheidenden Einfluss auf den Käufer hat die Bundesregierung ohnehin nicht: Wie zu hören ist, gilt das Vetorecht nur für die Grundsatzentscheidung des Verkaufs. Für oder gegen einen bestimmten Käufer habe die Regierung dagegen kein Vetorecht.

Nach Informationen aus Frankfurter Bankenkreisen haben der Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller sowie sein designierter Nachfolger Martin Blessing gleichwohl mehrfach mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über einen Zusammenschluss mit der Postbank gesprochen. Allerdings seien diese Gespräche nicht mit konkreten Verhandlungen gleichzusetzen. „Das ist noch in einem sehr frühen Stadium. Wir reden hier nicht über einen Zeitraum von Wochen, sondern über Monate“, heißt es in Bankenkreisen. Eine Kombination aus Postbank und Commerzbank wäre mit einem Börsenwert von gut 23 Milliarden Euro die deutsche Nummer zwei hinter der Deutschen Bank und mit gut 20 Millionen Kunden die größte deutsche Privatkundenbank.

Nach Informationen dieser Zeitung hat die von der Deutschen Post mit einer Sondierung des Marktes beauftragte Investmentbank Morgan Stanley zudem nach dem Rücktritt des Post-Vorstandsvorsitzenden Klaus Zumwinkel erst einmal alle Vorgespräche eingestellt. „Das liegt nun auf Eis“, heißt es. Aus allen beteiligten Banken ist überdies zu hören, dass es bislang noch gar keine wie auch immer gearteten Verkaufsverhandlungen gegeben habe. Der Deutsche-Bank-Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann hatte erst vor zwei Wochen gesagt, bislang habe noch niemand mit der Deutschen Bank Kontakt aufgenommen.

Gleichwohl drängt die Zeit. Da ein Verkaufsprozess nach der Erfahrung der Investmentbanker in der Regel rund sechs Monate dauert, müsste er noch vor dem Sommer beginnen. Falls es überhaupt zu einem Bieterverfahren kommt. Denn in Finanzkreisen wird schon eine andere, ebenfalls die Commerzbank favorisierende Option ins Spiel gebracht: Eine Mischung aus Geld- und Aktiengeschäft, an dessen Ende die Bundesregierung über die Staatsbank KfW sowohl Minderheitsaktionär der Deutschen Post als auch der Commerzbank wäre. Damit könnte die Regierung verhindern, dass ein neugeschaffener „National Champion“ der deutschen Bankenwelt von einer ausländischen Bank übernommen würde.

Die Schlange der möglichen ausländischen Interessenten für die Postbank ist groß. Neben der niederländischen ING Bank werden die britischen Finanzinstitute HSBC und Royal Bank of Scotland sowie die französische Bank BNP Paribas genannt. Doch auch das Duo Allianz und Dresdner Bank dürfte nicht außen vor bleiben: Die Allianz werde an einem möglichen Bieterverfahren teilnehmen, heißt es im Umfeld des Münchner Versicherungskonzerns.

Doch auch die Postbank selbst versucht, in dem Prozess mitzureden. Der Vorstandschef der Postbank, Wolfgang Klein, sieht sein Institut bei der Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes in einer „selbstbewussten Rolle“. Wegen der einzigartigen Kunden- und Vertriebsplattform werde man an der Postbank nicht vorbeikommen, hatte er erst Ende vergangener Woche bekräftigt. Seine Äußerungen deuten darauf hin, dass die Postbank an einem Modell interessiert sein könnte, das lediglich die Privatkundenaktivitäten mit denen eines zweiten Instituts verbindet – was dem Postbank-Vorstand in dem neugeschaffenen Institut eine stärkere Machtstellung sichern würde.

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19.02.2008, 00:41
Strafverfolger durchsuchen deutsche Banken
Die Staatsanwaltschaft ging am Montag mit einer Durchsuchungswelle gegen Verdächtige vor. Auch die Privatbanken Hauck & Aufhäuser und Bankhaus Metzler waren betroffen.

cbu./mas./da. FRANKFURT/BERLIN, 18. Februar. Die Strafverfolgungsbehörden haben am Montag in ganz Deutschland mit Durchsuchungen bei Verdächtigen im Steuerskandal begonnen. Nach Medienberichten sollen insgesamt 37 Steuerfahnder, acht Staatsanwälte und einige hundert Polizeikräfte an den Razzien beteiligt gewesen sein. Nach Informationen dieser Zeitung wurden die Münchner Büroräume der Privatbank Hauck & Aufhäuser durchsucht. Ein Sprecher der Bank bestätigte, dass die Strafverfolger am Vormittag die Geschäftsräume der Bank in München aufgesucht haben. Zu weiteren Details wollte er sich nicht äußern. Auch in den Geschäftsräumen der Privatbank Metzler in Frankfurt und München gab es am Montag Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Steuerskandal.

Koordiniert wird der Einsatz – wie schon die Durchsuchung des inzwischen zurückgetretenen Post-Chefs Klaus Zumwinkel – von der Bochumer Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung in Wuppertal. Dort gaben sich die Strafverfolger jedoch zunächst bedeckt. „Wir bestätigen und dementieren nichts“, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek in Bochum mit Verweis auf das Steuergeheimnis. Es sollte nicht zu weiteren Situationen kommen, in denen „irgendwelche Leute durchs Dorf getrieben werden“. Frühestens Anfang kommender Woche werde man ein Resümee zum Ermittlungsstand abgeben. In der vergangenen Woche hatte das Bundesfinanzministerium mitgeteilt, auf einer dem Bundesnachrichtendienst zugespielten CD-Rom seien die Daten von Hunderten Verdächtigen, darunter auch bekannte Leistungsträger. In den kommenden Tagen sollen weitere Durchsuchungen folgen.

Die Ermittlungen waren schon am Wochenende erwartet worden, nachdem mit der Razzia bei Zumwinkel am Donnerstag ein medienwirksames Exempel statuiert worden war. Das Vorgehen von Staatsanwaltschaft und Polizei in diesem Fall ist inzwischen auf deutliche Kritik gestoßen. Dieter Ondracek, Vorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, nannte es erstaunlich, dass ein Verfahren gegen eine Einzelperson vorgezogen worden sei, anstatt gegen eine Vielzahl von Verdächtigen gleichzeitig vorzugehen. Diesen werde nun die Gelegenheit gegeben, ihre Unterlagen zu bereinigen. „Ermittlungstaktisch kann ich das nicht verstehen“, kritisierte Ondracek.

Ähnlich umstritten ist auch das Vorgehen des Bundesnachrichtendienstes BND, der für die Steuerdaten bis zu fünf Millionen Euro gezahlt hat. Diesen Erwerb hat das Bundesfinanzministerium am Montag verteidigt. Der Sprecher von Peer Steinbrück (SPD) sagte in Berlin, der Kauf der Daten von einem Mittelsmann für 4 bis 5 Millionen Euro sei eine Abwägungsfrage gewesen. „Wer die Chance hat, massenhaft gegen Steuerhinterziehung vorzugehen, muss es tun.“ Den Sumpf der Steuerkriminalität trockenzulegen, sei eine dauerhafte Aufgabe. Wie das Bundesfinanzministerium hervorhebt, gibt es Steuerhinterziehung nicht nur in den höheren Einkommenskreisen. Viele glaubten, dass diese Straftat eine andere Qualität als alle anderen Delikte habe, doch das sei falsch. Steuerhinterzieher stellten sich wie Diebe, Räuber, Hehler und andere Verbrecher gegen die Rechtsordnung. „Diese Menschen werden feststellen, dass wir in der Lage sind, Kriminalität zu bekämpfen“, betonte der Sprecher. „Der Staat ist wehrhaft, und er wehrt sich.“ In jedem vergleichbaren Fall werde man eine ähnliche Abwägung treffen, sagte er mit Blick auf die Kritik an dem Kauf der Datei mit den heimlich erworbenen Daten. Die Steuerhinterziehung belaste die ehrlichen Steuerzahler, wie Steinbrücks Sprecher betonte: „Jeder Cent, der hinterzogen wird, ist die Steuererhöhung der Zukunft.“ Er riet abermals allen Steuerhinterziehern, sich so schnell wie möglich dem Finanzamt zu offenbaren. „Eine Selbstanzeige würde helfen, solange die Fahnder bei ihnen nicht vor der Tür stehen.“ Das Bundesfinanzministerium zeigte sich überzeugt, dass die Erkenntnisse vom erworbenen Datenträger vor Gericht verwertet werden können. Der Kölner Steuerfachanwalt Michael Streck, dessen Kanzlei-Kollege Rolf Schwedhelm Zuminwinkel vertritt, hatte dies jedoch in einem Gespräch mit dieser Zeitung bezweifelt, weil der Staat gestohlenen Daten gekauft habe.

Ondracek trat zudem dem Eindruck entgegen, deutsche Gerichte zeigten sich zu milde gegenüber Steuersündern. „In Steuersachen sind Gefängnisstrafen keine Ausnahmen.“ Jedes Jahr würden Haftstrafen zwischen 1500 und 1600 Jahre wegen Steuerhinterziehung verhängt, sagte er. Nach dem derzeit geltenden Recht drohen Steuersündern bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe. Auch er beklagte jedoch, dass zu viele Verfahren mit einem „Deal“ endeten.

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19.02.2008, 23:13
Chinas Inflationsrate steigt auf 7,1 Prozent

FRANKFURT, 19. Februar (Bloomberg). In China ist die Inflationsrate im Januar im Jahresvergleich auf 7,1 Prozent gestiegen. Damit war die Teuerung so hoch wie zuletzt vor über elf Jahren. Volkswirte hatten im Median mit einer Inflationsrate von 7 Prozent gerechnet. Im Dezember lagen die Preise um 6,5 Prozent über dem im gleichen Monat des Vorjahres erreichten Niveau. Allein die Preise der Lebensmittel schnellten im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent in die Höhe, da die schweren Winterstürme der vergangenen Wochen Transportmittel lahmlegten und Saaten vernichteten. Schweinefleisch verteuerte sich um 59 Prozent, Speiseöl um 37 Prozent und Gemüse um 14 Prozent. Darüber hinaus erhöht die wachsende Geldmenge das Risiko auch breiter angelegter Preissteigerungen. Durch den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln nimmt das Risiko sozialer Unruhen zu, nicht zuletzt, da in China der Weltbank zufolge 300 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze leben.

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19.02.2008, 23:13
Der Devisenmarktbericht
Zinsspekulationen treiben den Euro

Rund um den Globus steht jede Zentralbank vor einer schwierigen Frage: Wird sich die Volkswirtschaft, für die sie Verantwortung trägt, von dem Abschwung der amerikanischen Wirtschaft abkoppeln? Wenn die Antwort „ja“ lautet, folgert daraus in vielen Ländern, dass die Wirtschaft weiter unter Dampf bleiben wird – und damit auch der inflationäre Preisauftrieb. Diese Zentralbanken neigen dann zur Erhöhung ihrer Leitzinsen – was die betreffende Währung attraktiver machen und aufwerten lassen kann.

Nach Einschätzung der meisten Bankenvolkswirte wird sich die Konjunktur im Euro-Raum nicht von der amerikanischen Wirtschaft abkoppeln und deshalb ebenfalls abkühlen. Als Konsequenz spekuliert der Markt darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins von aktuell 4 Prozent im Jahresverlauf auf 3,5 Prozent senken wird. EZB-Vizepräsident Lucas Papademos ist diesen Spekulationen unlängst aber mit Hinweis auf die hohen Inflationsraten im Euro-Raum entgegengetreten. Das hat dem Euro prompt etwas Rückenwind verschafft und wieder auf Kurse oberhalb von 1,47 Dollar gehievt.

Mit einiger Spannung fiebere der Markt nun den neuen Daten zu den Auftragseingängen im Dienstleistungsgewerbe entgegen, die am Freitag veröffentlicht werden, berichtet Carsten Fritsch, ein Währungsfachmann bei der Commerzbank. Sollte dieser Index weiter fallen, könnte dies die EZB wegen der zunehmenden Risiken für das Wirtschaftswachstum dann eben doch dazu bringen, ihren Leitzins demnächst zu senken. Das werde den Euro zum Dollar dann wohl unter Abwertungsdruck bringen. Denn in den aktuellen Kursen sei bereits eingepreist, dass die amerikanische Notenbank ihren Leitzins demnächst noch weiter kräftig senke.

Auch in Osteuropa treiben Energie- und Nahrungsmittelpreise die Inflation nach oben. In Tschechien, wo die Inflationsrate im Januar 7,5 Prozent betrug, hat die Notenbank daraufhin ihren Leitzins Anfang Februar von 3,5 auf 3,75 Prozent angehoben. Das hat dazu beigetragen, dass die Krone zum Euro weiter aufgewertet hat. Am vergangenen Freitag mussten nur noch 25,08 Kronen für den Euro gezahlt werden, so wenig wie nie zuvor. Noch im vergangenen Sommer kostete der Euro fast 29 Kronen. Für Gillian Edgeworth, eine Devisenanalystin bei der Deutschen Bank in London, haben gleich mehrere Faktoren die jüngste Aufwertung der Krone getrieben: Wegen ihres niedrigen Zinsniveaus sei sie in der Vergangenheit von Ausländern als Finanzierungswährung genutzt worden. Mit der zunehmenden Unsicherheit hätten die Investoren diese „Carry Trades“ in den vergangenen Monaten wieder aufgelöst – was zu verstärkter Nachfrage nach Tschechen-Kronen geführt habe. Abgesehen davon erfreue sich das Land bei internationalen Investoren des Rufs einer hohen Stabilität, was Direktinvestitionen anlocke und damit für einen stetigen Kapitalzufluss sorge. Die Aufwertung der Krone dürfte sich deshalb fortsetzen.

Auch das kleinere Nachbarland Slowakei erfreut sich seitens ausländischer Unternehmen eines stetigen Stroms von Direktinvestitionen. Die slowakische Krone wertet deshalb ebenfalls auf. Im vergangenen März hat dies dazu geführt, dass ihr Paritätskurs im Wechselkursmechanismus II – der Vorstufe zur Einführung des Euro – um 7,8 Prozent hochgesetzt wurde, und entsprechend der Euro-Slowakenkrone-Kurs herabgesetzt. In der vergangenen Woche hat nun der Vorsitzende der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker bestätigt, dass sich die Slowakei auf dem Weg in den Euro-Raum befinde. Zuvor dürfte der Paritätskurs von derzeit 35,44 Kronen je Euro aber noch einmal angepasst werden, erwartet Harwig Wild, ein Fachmann bei Metzler Financial Markets. Denn ein – aus Sicht der Slowakei – höherer Wechselkurs verbillige Importe und dämpfe damit den Inflationsdruck, erläutert er das politische Kalkül. Er gehe deshalb davon aus, dass der Paritätskurs – zu dem die slowakische Krone mit Jahresbeginn 2009 durch den Euro abgelöst werde – vermutlich im April oder Mai auf 32,50 bis 33 Kronen je Euro festgesetzt werde. Aktuell kostet der Euro 33,09 Kronen.

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19.02.2008, 23:14
Anleiheversicherer Ambac will frisches Kapital
Hoffnung auf Rettung der Bonität / Wechsel an der Spitze des Konkurrenten MBIA

nks. NEW YORK, 19. Februar. Die wegen der Hypothekenkrise angeschlagenen amerikanischen Anleiheversicherer reagieren mit drastischen Schritten auf ihre prekäre Lage. Die Nummer zwei der Branche, Ambac Financial, plant einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge eine Kapitalerhöhung von mindestens 2 Milliarden Dollar, um eine drohende Bonitätsabstufung durch die großen Kreditbewertungsagenturen zu verhindern. Unterdessen wechselt der größere Konkurrent MBIA, der aus dem gleichen Grund in den vergangenen zwei Monaten bereits mehr als 2,5 Milliarden Dollar aufgenommen hat, seinen Vorstandschef aus. Nachfolger des seit fast vier Jahren amtierenden Gary Dunton wird dessen Vorgänger Joseph „Jay“ Brown, der bereits von Anfang 1999 bis Mai 2004 Vorstandschef gewesen war. „Wir hoffen darauf, das Vertrauen in das Unternehmen und in die Branche wiederherzustellen“, sagte Brown, der Anfang der neunziger Jahre Vorstandschef des 1990 an die Münchner Allianz verkauften amerikanischen Sachversicherers Fireman's Fund gewesen war. Die Aktienkurse von MBIA und Ambac sind seit einem Jahr um jeweils mehr als 80 Prozent gefallen.

Die Branche der amerikanischen Anleiheversicherer spielt eine Schlüsselrolle in der Finanzkrise. Die bis vor kurzem nur Fachleuten bekannten Unternehmen, die im Branchenjargon „Monoliner“ heißen, haben ihr Geschäft traditionell mit der Versicherung kommunaler Anleihen gegen Zahlungsausfälle bei Zins und Grundkapital gemacht. Insgesamt versichern sie rund die Hälfte des kommunalen Anleihemarktes, dessen Volumen auf 2,6 Billionen Dollar beziffert wird. In den vergangenen Jahren hatten die Monoliner ihr Geschäft aber auf die Versicherung sogenannter strukturierter Finanzprodukte ausgeweitet. Dazu gehören auch hypothekenbesicherte Anleihen, die in Folge der Hypothekenkrise stark an Wert verloren haben. Die großen Kreditbewertungsagenturen stellen die bisherige Bonität der Spezialversicherer deswegen in Frage. Die Agenturen prüfen, ob die Unternehmen genügend Kapital besitzen, um für erwartete Verluste aufkommen zu können.

Eine Abstufung der bisher exzellenten Bonität der größten Monoliner durch die führenden Ratingagenturen hätte negative Auswirkungen auf den Markt für Kommunalobligationen. Denn die Bewertung dieser Anleihen hängt eng mit die Bonität der Versicherer zusammen. Verlören die Monoliner ihre Höchstnoten, wären die Anlagen vieler Fonds gefährdet, die in diese Wertpapiere investiert haben.

Für die amerikanischen Kommunen würde zudem die Aufnahme von Kapital teurer. Und für Banken, die in von Anleiheversicherern garantierte Hypotheken-Anleihen investiert haben, könnte das weitere Abschreibungen bedeuten. Mehrere Kreditinstitute verhandeln derzeit auf Initiative der New Yorker Versicherungsaufsicht mit den Versicherern über einen Rettungsplan. Zudem hat der Milliardär Warren Buffett die Versicherung von Kommunalobligationen im Volumen von 800 Milliarden Dollar angeboten, was diesen Markt stützen würde. Buffetts Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway, die exzellente Bonitätsnoten vorweisen kann, hatte jüngst einen eigenen Anleiheversicherer gegründet, um vom Trubel in der Branche zu profitieren.

Sowohl MBIA als auch Ambac beteuerten bisher, dass sie genug Kapital haben. Die Nummer drei der Branche, Financial Guaranty Insurance (FGIC) hatte in der vergangenen Woche allerdings die bisherige Bonitätsbestnote verloren. FGIC hatte danach der Versicherungsaufsicht eine Aufspaltung angeboten. Der Plan sieht vor, die risikoreiche Sparte für strukturierte Produkte abzutrennen. Bei Ambac wird Presseberichten zufolge ebenfalls eine Aufspaltung erwogen.

Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Eliot Spitzer, hatte den Versicherern am Donnerstag der vergangenen Woche drei bis fünf Tage Zeit gegeben, um eine Herabstufung der Bonität zu verhindern. Spitzer drohte, dass andernfalls die staatlichen Aufsichtsbehörden deren Geschäft mit den Kommunalobligationen abspalten würden. Spitzer agiert im Interesse der Kommunen. Eine Trennung der Geschäftsbereiche in eine „gute Sparte“ für Kommunalanleihen und eine „schlechte Sparte“ für strukturierte Finanzprodukte könnte nach Einschätzung von Analysten der Bank of America zu jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen zwischen den Monolinern und ihren Kunden führen.

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19.02.2008, 23:14
Zertifikate bekommen ein Gütesiegel
Der Derivate Verband will noch in diesem Halbjahr ein neutrales Zertifikate-Rating etablieren. Der Anleger soll so die mehr als 300 000 Produkte besser einschätzen können.

dmoh. FRANKFURT, 19. Februar. Mit der Einführung eines unabhängigen Zertifikate-Ratings will der Deutsche Derivate Verband (DDV) die Markttransparenz erhöhen. Der Anleger soll so die seiner Risikoneigung entsprechenden Zertifikate besser finden und einschätzen können. Der Verband, der sich in der vergangen Woche gerade neu gegründet hat, entwickelt das Ratingsystem in Zusammenarbeit mit Hochschulen. Die Ratings sollen von einer bankenunabhängigen Gesellschaft ermittelt werden. Alle Details des Konzepts sollen noch im ersten Halbjahr vorgestellt werden, die Einstufung der Zertifikate noch in diesem Jahr beginnen.

In einem ersten Schritt müssen die Anleger ihre Risikoneigung einstufen, in fünf Risikostufen von sicherheitsorientiert bis spekulativ. Innerhalb seiner Risikoneigung soll dem Anleger dann mittels eines Bewertungssystems die Beurteilung der Zertifikate erleichtert werden. Für die Produkte sollen Sterne vergeben werden, wobei fünf Sterne die Bestnote sind. Die Bewertung der Zertifikate erfolgt anhand verschiedener Kriterien. Eines davon soll die Handelbarkeit der Produkte sein. In den jüngsten Kursturbulenzen hatten zahlreiche Anleger vergebens versucht, ihre Zertifikate zu verkaufen, die Emittenten stellten mitunter über Stunden keine Kurse. Ein weiteres Kriterium zur Einstufung der Zertifikate soll die Bonität der Emittenten sein. Zertifikate sind Schuldverschreibungen und daher im Falle der Insolvenz des Emittenten nicht geschützt. Ein Blick auf die Bonität des Emittenten kann daher vor manch böser Überraschung bewahren.

Ebenfalls in die Bewertung eingehen soll die Aufklärung des Emittenten über seine Produkte. Eine klare und verständliche Erklärung der Funktionsweise des Zertifikats und seiner Chancen und Risiken gibt Pluspunkte. Anhand der Gesamtbenotung und der Einstufung der einzelnen Aspekte soll der Anleger so besser beurteilen können, ob das Zertifikat seinen Vorstellungen entspricht. Der Verband reagiert mit dem Rating auf immer wieder geäußerte Kritik von Anlegerschützern an der mangelnden Transparenz der Zertifikate. Die mitunter sehr komplizierte Strukturierung der Produkte sei nicht nachvollziehbar. Daher müsse der Anleger bei der Preisstellung dem Emittenten blind vertrauen und wisse nicht, was für Kosten das Zertifikat enthält. „Der Kunde kann überhaupt nicht nachprüfen, ob er fair behandelt wird, und eine neutrale Stelle, die es für ihn tut, gibt es auch nicht“, bemängelte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger jüngst in ihrem Schwarzbuch Börse.

Der Derivate Verband lehnt eine gesetzliche Regulierung jedoch ab. „Staatliche Regulierung bedeutet gleichzeitig immer auch Aufwand und damit Kosten, die letztlich zu Lasten der Anleger gehen“, sagt Hartmut Knüppel, geschäftsführender Vorstand des DDV im Gespräch mit dieser Zeitung. „Mit der Selbstverpflichtung der Emittenten im Derivate-Kodex und künftig dem Zertifikate-Rating zeigt die Branche, dass sie sich selbst regulieren kann.“ Der Wettbewerb unter den Emittenten sorge zudem dafür, dass sich keiner auf Kosten der Anleger bereichern könne. „Der Zertifikatemarkt ist der einzige Bereich der Finanzindustrie, in dem Deutschland weltweit die Führung übernommen hat“, sagt Knüppel. „Das sollten wir nicht durch Gängelung durch Behörden aufs Spiel setzen.“ So sei es gerade die Stärke der Branche, neue Themen und Regionen für Anleger schnell investierbar zu machen.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Anlagezertifikate, der Aktienanleihen, der Optionsscheine und der Knock-Out-Papiere drastisch angestiegen. An der Börse Stuttgart werden mittlerweile mehr als 300 000 Produkte gehandelt. Zum Jahresende waren es noch rund 250 000, vor zehn Jahren gerade einmal 4400. Das Anlagevolumen kletterte auf 135 Milliarden Euro. „Das starke Wachstum des Zertifikatemarktes wird sich nur fortsetzen lassen, wenn wir neue Anlegerkreise dafür gewinnen“, sagt Knüppel. „Das Zertifikate-Rating ist ein wichtiger Schritt dafür.“ So bekomme der Anleger eine Orientierung, die es ihm erleichtert, die für ihn geeigneten Zertifikate auszuwählen. „Außerdem ist das Rating ein Qualitätsmaßstab und macht die Produktlandschaft übersichtlicher.“ Neben dem Zertifikate-Rating sollen auch Schulungsprogramme für Kundenberater dazu beitragen dass der Anleger nur Produkte kauft, die er auch versteht und haben will.

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19.02.2008, 23:15
Spreu und Weizen

Es gibt noch gute Nachrichten aus der Solarindustrie – und aus Ostdeutschland. Nachdem Conergy, der tief gefallene Marktführer aus Hamburg, die ganze Sonnenbranche in Misskredit gebracht hat, legt der Solarzellenhersteller Q-Cells aus Sachsen-Anhalt jetzt eine geradezu strahlende Bilanz vor. Umsatz und Ergebnis sind stark gestiegen, der Rückschlag in einer Beteiligung geht als Schönheitsfehler durch. Während Conergy nur damit prahlte, als erster Photovoltaiker die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz zu durchbrechen, ist dieses Ziel für die Ostdeutschen in greifbare Nähe gerückt. Q-Cells ist mittlerweile nicht nur der größte Zellenhersteller Deutschlands, sondern sogar Weltmarktführer vor Sharp. Anders als Conergy hat sich Q-Cells rechtzeitig mit dem raren Rohstoff Silizium eingedeckt, hat in die Dünnschichttechnik und die gesamte Wertschöpfungskette investiert, sich aber aus anderen regenerativen Energien herausgehalten. An der gesunden Basis ändert auch der Kurseinbruch wenig. Der Rückgang ist eher der allgemeinen Marktschwäche geschuldet und der Korrektur des zwischenzeitlich heißgelaufenen Solarbooms. Es ist gut, wenn sich auch in der Photovoltaik die Spreu vom Weizen trennt.

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19.02.2008, 23:15
Thomas Cook kauft Flugkapazität zu

noa. FRANKFURT, 19. Februar. Der zweitgrößte europäische Reiseveranstalter Thomas Cook hat wegen der höheren Nachfrage seine Flugkapazitäten für mehrere Zielgebiete aufgestockt. Für einige Ziele seien bei den Fluggesellschaften Sitzplatzkontingente nachbestellt, für andere Ziele hingegen storniert worden, sagte Peter Fankhauser, Direktor für Zentraleuropa, in Frankfurt. Es soll sich dem Vernehmen nach um 120 000 zusätzliche Sitze für den deutschen Markt handeln.

Die konjunkturelle Entwicklung habe offenbar keinen Einfluss auf den Geschäftsverlauf des Unternehmens, sagte Fankhauser. Bei den nachbestellten Flugkontingenten kam laut Fankhauser vielfach Air Berlin zum Zuge. Aber auch bei anderen Fluggesellschaften und der hauseigenen Fluggesellschaft Condor, die in diesem Jahr mit Air Berlin fusionieren soll, seien Sitzplätze nachbestellt worden. Bei den Buchungen für Sommer 2008 schneiden Fankhauser zufolge derzeit die Kanaren und Mallorca als Urlaubsziele besonders gut ab. Der Reiseveranstalter Thomas Cook plc gehört zu 52 Prozent dem deutschen Handels- und Touristikkonzern Arcandor AG. Thomas Cook hat seinen Sitz in London und ist an der dortigen Börse notiert. Der Unternehmenssitz der deutschen Tochtergesellschaft befindet sich in Oberursel.

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19.02.2008, 23:16
Toshiba steigt aus dem HD-DVD-Geschäft aus
Der „Kampf der Formate“ für die DVD-Nachfolge scheint entschieden. Mit Toshiba gibt ein großer Hersteller von HD-DVD-Geräten auf. Damit könnte sich Sony mit seinem System Bluray durchgesetzt haben. Microsoft hält noch an HD-DVD fest.

pwe. TOKIO, 19. Februar. Der Wettbewerb der Formate um den Nachfolgestandard für DVD scheint endgültig entschieden. Der größte Hersteller von DVD-Spielern für Filme hochauflösender Qualität (HD DVD), Toshiba Corp., gibt die Entwicklung und Produktion in diesem Bereich bis Ende März auf. Das teilte Toshiba in Tokio mit.

Damit hat der japanische Elektronikhersteller Sony Corp. mit seinem Bluray-System den seit 2005 andauernden teuren Wettstreit für sich gewonnen. HD DVD und Bluray sind Produktionsstandards für optische Speicherscheiben, die erheblich mehr Kapazität als die gebräuchlichen DVD bieten und damit für hochauflösende Filme geeignet sind.

„Es war eine harte Entscheidung“, sagte Toshiba-Präsident Atsutoshi Nishida vor Journalisten. „Aber es hätte große Auswirkungen auf unser Management gehabt, wenn wir weitergemacht hätten.“ Toshiba, das den HD-DVD-Standard maßgeblich mitentwickelt hatte, reagierte mit dem Rückzug auf die Entscheidung des amerikanischen Filmstudios Warner Bros. im Januar, seine Filme nur noch auf Bluray-Scheiben zu verkaufen. Wie die verbliebenen zwei HD-DVD-Anhänger der großen Filmstudios, Universal und Paramount, auf Toshibas Ausstieg reagieren, ist offen. In der vergangenen Woche hatten große amerikanische Einzelhandelsketten wie Wal-Mart angekündigt, keine HD-DVD-Filme mehr zu verkaufen. Über die Kosten des Ausstiegs aus dem HD-DVD-Abenteuer wollte Toshiba am Dienstag keine Auskunft geben. Sony bezeichnete in einer Presseerklärung die „überwältigende Unterstützung“ für Bluray zum klaren Beleg, dass die Verbraucher Bluray zum Standard der nächsten Generation erkoren hätten.

Toshiba plant nach eigenen Angaben derzeit nicht, Bluray-Geräte anzubieten. Das Unternehmen will herkömmliche DVD-Spieler so lange bauen, wie Nachfrage besteht. Toshiba kündigte am Dienstag zugleich an, mehr als 10,7 Milliarden Euro in zwei neue Werke in Japan zur Produktion von nichtflüchtigen NAND-Speicherchips zu investieren; Partner dabei ist Sandisk, ein amerikanischer Hersteller von Speicherkarten.

Toshiba hat seit März 2006 überwiegend in Nordamerika und Europa rund eine Million HD-DVD-Geräte verkauft. Sony gibt keine Absatzzahlen für seine rund ein Drittel teureren Bluray-Geräte bekannt, die dem Unternehmen bislang nach eigenen Angaben Verluste bringen. Doch will das Unternehmen allein in diesem Geschäftsjahr 9,5 Millionen Stück der Spielekonsole Playstation 3 verkaufen, nach 3,57 Millionen im Vorjahr. Diese Videospielkonsolen sind mit dem vergleichsweise teuren Bluray-Laufwerk ausgestattet und können so als Filmabspielgerät dienen. Dieser Schachzug hat dem Sony-Standard zu einer breiten Benutzerbasis verholfen. Doch sind die hohen Kosten der Playstation-3-Spielekonsolen ein Grund dafür, dass Sony im Spielebereich Verluste schreibt.

Zum Bluray-Konsortium um Sony gehören der japanische Elektronikhersteller Matsushita (Panasonic) und das koreanische Unternehmen Samsung. HD DVD wird von den Elektronikproduzenten NEC und Sanyo sowie von den amerikanischen Computerunternehmen Intel und vor allem von Microsoft unterstützt. Microsoft, das für seine Spielekonsole Xbox 360 ein HD-DVD-Laufwerk als Zubehör anbietet, wies am Dienstag Spekulationen über mögliche Auswirkungen von Toshibas Rückzug auf sein Geschäft mit Spielekonsolen zurück.

Für Sony ist der Sieg im Kampf um den DVD-Nachfolgestandard nicht nur ein Vorbote einträglicher Lizenzeinnahmen, sondern auch ein Prestigegewinn. Im Wettbewerb um den Standard für Videorekorder war das Unternehmen mit Betamax in den achtziger Jahren dem VHS-Standard unterlegen. Nach dem großen Erfolg der gemeinsam mit Philips entwickelten CD-Musikscheibe hatte Sony dann Vergleichbares nicht mehr aufzubieten. Sonys Weiterentwicklung SACD ist außerhalb Japans nicht weit verbreitet; auch der hauseigene Atrac-Standard für digitale mobile Musikspieler hatte sich nicht durchgesetzt.

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19.02.2008, 23:16
Q-Cells an der Spitze
Kein anderes Unternehmen macht in Deutschland so viel Umsatz mit der Solarenergie wie der Konzern aus Sachsen-Anhalt. Noch in diesem Jahr soll der Bau einer neuen Fabrik in Malaysia beginnen.

itz. LEIPZIG, 19. Februar. Die Q-Cells AG aus Sachsen-Anhalt, die als größter Hersteller von Solarzellen in der Welt gilt, hat 2007 Umsatz und Geschäftsergebnis stark gesteigert, netto aber weniger verdient als erwartet. Für 2008 rechnet das Unternehmen aus Thalheim/Wolfen abermals mit einem deutlichen Wachstum und als erstes deutsches Solarunternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro.

Dieses Ziel hatte das angeschlagene Hamburger Photovoltaik-Unternehmen Conergy kürzlich aufgeben müssen. Q-Cells hingegen habe sich ausreichend mit dem knappen Rohstoff Silizium versorgt und werde die Produktionskapazitäten im In- und Ausland erweitern, um der großen Nachfrage nachzukommen, teilte das Unternehmen bei der Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen mit. So plant der Konzern für das zweite Quartal den Baubeginn seiner ersten Fabrik für Solarzellen in Malaysia. Die erste Ausbaustufe werde Anfang 2009 mit einer maximalen Gesamtleistung aller hergestellten Zellen von 160 Megawatt-Peak (MWp) beginnen; insgesamt seien 300 MWp geplant.

Den Zahlen zufolge nahm die Gesamtproduktion von Q-Cells 2007 um 54 Prozent auf 389 MWp zu. Nach einer Einschätzung des Fachmagazins „Photon“ war der Ausstoß damit erstmals größer als jener der Wettbewerber Sharp und Suntech. Der Umsatz von Q-Cells stieg den Angaben nach 2007 um 59 Prozent auf 858,9 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um 52 Prozent auf 197 Millionen Euro zu. Der Jahresüberschuss des Konzerns wuchs um 69 Prozent auf 148,2 Millionen Euro. Ursprünglich waren allerdings 163 Millionen Euro erwartet worden. Begründet wurde diese Fehlprognose damit, dass der Ergebnisbeitrag aus einer Beteiligung von 17 Prozent am norwegischen Solarenergie-Konzern Renewable Energy Corporation (REC) geringer als erwartet ausgefallen sei und man weitere Abschreibungen auf eine Put-Option für REC-Aktien habe vornehmen müssen. Ohne REC sei das Nettoergebnis um 45 Prozent auf 127 Millionen Euro gestiegen, was die Erwartungen um 7 Millionen Euro übertroffen habe. Für 2008 erwartet der Vorstand einen Umsatzanstieg um etwa 40 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Ohne REC soll die Umsatzrendite 14 Prozent erreichen. Als Ausstoß werden 565 bis 590 MWp anvisiert.

Für das vierte Quartal 2008 kündigte die Gesellschaft die Aufnahme der Fertigung an einer neuen, sechsten Produktionslinie in Wolfen mit einer Kapazität von 130 MWp an. Die siebte Linie soll dann in Malaysia entstehen. Von dort aus sollen die Wachstumsmärkte in Asien erschlossen und das Geschäft gegen Währungsschwankungen abgesichert werden. Analysten zeigten sich trotz des Dämpfers aus der REC-Beteiligung erfreut über die Geschäftszahlen. Der Umsatz habe 2007 die Vorhersage von 800 Millionen Euro klar übertroffen, hieß es. Für 2008 habe das Unternehmen einen eher konservativen Ausblick gegeben. Wichtig sei vor allem, dass sich Q-Cells ausreichend Rohstoffe gesichert habe. Die Erwartungen an die Silizium sparende neue Dünnschicht-Technik hätten sich hingegen noch nicht bestätigt.

Unterdessen teilte Q-Cells mit, dass das Tochterunternehmen Calyxo GmbH die Kapazität zum Bau von Dünnschicht-Modulen 2008 um weitere 60 MWp aufstocken werde. Der Kurs der im Technikindex Tec-Dax notierten Q-Cells-Aktie stieg am Dienstag nach Bekanntgabe der Zahlen um bis zu 4,2 Prozent auf fast 70 Euro. Allerdings hatte das Papier zuvor seit Jahresbeginn fast 30 Prozent an Wert eingebüßt.

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19.02.2008, 23:17
Barclays nutzt Schwäche der Konkurrenz
Ausweitung des Investmentbanking in New York / Moderater Dämpfer aus Finanzkrise

bes. LONDON, 19. Februar. Die britische Bank Barclays hat als erste größere britische Bank ihr Ergebnis, und zwar ein nur moderat schlechteres Ergebnis als 2007 vorgelegt. Zwar musste die Investmentbank Barclays Capital ihre Wertberichtigungen und Verluste aus der Kreditkrise von zunächst geschätzten 1,3 auf 1,635 Milliarden Pfund für das Gesamtjahr 2007 heraufsetzen, und sie büßte einen derben Gewinneinbruch von 30 Prozent im zweiten Halbjahr ein. Aber der Vorsteuergewinn des Investmentbanking legte im Gesamtjahr immer noch um 5 Prozent zu.

Der Nettogewinn der gesamten Bankengruppe sank im vergangenen Jahr „nur“ um 3,4 Prozent von 4,57 auf 4,42 Milliarden Pfund. Der Vorsteuergewinn der Bankengruppe gab nur um 0,8 Prozent von 7,14 Milliarden Pfund auf 7,08 Milliarden Pfund nach. Die Geschäftsführung erklärte dies mit der großen Diversifikation des Geschäftes der Bank und der breiten Palette des Investmentbanking, wo die Erträge aus dem Kreditgeschäft zwar um 50 Prozent einbrachen, die Erträge aus dem Zinsgeschäft, Rohstoff- und Devisenhandel jedoch kräftig ausgeweitet wurden.

Barclays lässt sich von der Krise an den Finanzmärkten nicht abschrecken. „Im Gegenteil. Wir nutzen die Gelegenheit und zielen darauf ab, unseren Marktanteil in den Vereinigten Staaten jetzt deutlich auszuweiten“, sagte Jerry del Missier, Präsident von Barclays Capital, gegenüber dieser Zeitung. Missier wird Anfang März als Chef des Investmentbanking für Barclays Capital nach New York wechseln und dort die Expansion des Investmentbanking forcieren. Die Bank will die Schwäche von Konkurrenten in New York nutzen und ihr organisches Wachstum vorantreiben, aber auch Übernahmen nicht vollends ausschließen.

Anders als die schweizerischen Konkurrenten wie UBS und Credit Suisse oder auch amerikanische Investmentbanken wurde Barclays nicht so extrem von der Krise im Kreditgeschäft gebeutelt, sondern hielt sich – ähnlich wie die Deutsche Bank – relativ stabil. Der Aktienkurs von Barclays, der im letzten halben Jahr um 26 Prozent gefallen ist, hat in den vergangenen beiden Tagen wieder etwas aufgeholt, auch weil Barclays die Dividende für das vergangene Jahr um 9,7 Prozent auf 0,34 Pfund erhöht hat, ein etwas geringerer Anstieg als für 2006. Die Bank führte zudem die neue Eigenkapitalberechnung nach Basel II ein. Danach hat sie nun eine Gesamteigenkapitalquote von 7,6 Prozent und eine Kernkapitalquote von 5,1 Prozent.

Die Wertberichtigungen der Bankengruppe sind im vergangenen Jahr um 30 Prozent auf 2,8 Milliarden Pfund geklettert. Darin sind Abschreibungen und Wertberichtigungen über 722 Millionen Pfund auf Super-Senior Tranchen von Portfolios abgesicherter Kreditverbriefungen (ABS CDOs) erhalten, 60 Millionen Pfund auf andere Kreditrisiken und 58 Millionen Pfund auf gezogene Kreditlinien im Rahmen von Übernahmefinanzierungen (leveraged finance). Der Vorstandsvorsitzende der Bank, Sir John Varley, betonte, die Geschäftsführung sei zuversichtlich, mit den bisher gebildeten Abschreibungen und Wertberichtigungen angemessen reagiert zu haben. Sie schätzt die Lage an den Kreditmärkten und die künftige konjunkturelle Situation in den Vereinigten Staaten und Großbritannien allerdings auch nicht so extrem negativ ein, wie von Marktteilnehmern derzeit befürchtet.

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19.02.2008, 23:17
Credit Suisse schockiert die Börse
Die Finanzmarktkrise verschont auch Brady Dougan nicht: Überraschend kündigt der Bankenchef eine Wertberichtigung von 2,85 Milliarden Dollar an – eine Woche nach der Vorlage glänzender Jahreszahlen. Die verantwortlichen Mitarbeiter sind freigestellt. Der Aktienkurs sackt ab.

du. ZÜRICH, 19. Februar. Völlig überraschend hat die Schweizer Großbank Credit Suisse eine Wertberichtigung von 2,85 Milliarden Dollar oder umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro bekanntgegeben. Sie wird den Reingewinn des ersten Quartals um rund eine Milliarde Dollar drücken, teilte die Bank am Dienstag mit. Ein sichtlich verärgerter Vorstandsvorsitzender Brady Dougan sagte in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz, er habe von dem Korrekturbedarf erst nach der Bilanzpressekonferenz vor einer Woche erfahren. Ursache seien die negativen Marktentwicklungen im ersten Quartal sowie zum kleineren Teil zuvor unterlassene Bewertungen durch eine „kleine Gruppe“ von Händlern. Diese seien inzwischen vom Dienst vorläufig freigestellt worden. Die Zahl der in den Missgriff involvierten Mitarbeiter wollte Dougan nicht benennen.

An der sonst freundlichen Börse in Zürich erlebten die Anleger einen herben Rückschlag für die Credit-Suisse-Aktie. Bis zum Nachmittag fiel der Kurs um mehr als sieben Prozent. Damit liegt er um nahezu 23 Prozent unter dem Niveau von Ende 2007. Helvea-Analyst Peter Thorne nannte die Mitteilung „eine große Enttäuschung“. Die Wertberichtigung und die Minderung des Quartalsgewinns bestätigten bedauerlicherweise den Ruf großer Schweizer Banken, finanzielle Fehltritte ungeschickt zu kommunizieren. Die Negativmeldung kommt zu einem Zeitpunkt, in dem das Scheichtum Qatar mit dem Aufbau einer größeren Credit-Suisse-Beteiligung begonnen hat.

Nach den Worten Dougans sieht die Bank in den Fehlbewertungen bei den strukturierten Krediten keine bewusste Manipulation. Solche Manipulationen in Milliardenhöhe hatten in diesem Jahr die französische Société Générale in eine schwere Krise gestürzt. Allerdings sei die Untersuchung nicht abgeschlossen. Trotz des Rückschlags werde die Bank im ersten Quartal Gewinn machen, versprach er. Ob der Abschluss für 2007 korrigiert werden muss, ließ er offen. Dies werde wie vieles andere geprüft, kündigte Dougan an. Die Positionen betreffen nach seinen Angaben die Verbriefung privater Hypothekendarlehen in den Vereinigten Staaten und weitere komplizierte Kreditpakete, sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDO). Dougan betonte, die Bekanntgabe sei auf freiwilliger Basis erfolgt im Sinne der höheren Transparenz, auf die er die Bank verpflichtet habe.

In der vergangenen Woche hatte die Credit Suisse für das Bankgeschäft einen Rekordgewinn bekanntgegeben, der das Vorjahresniveau trotz der Finanzmarktkrise mit 8,5 Milliarden Franken um 3 Prozent übertraf. Die Abschreibungen summierten sich dabei auf 2 Milliarden Franken, davon 1,3 Milliarden Franken im vierten Quartal. Die Credit Suisse ist damit nach Einschätzung von Beobachtern sehr viel besser als der Konkurrent UBS durch die Finanzmarktkrise gekommen, der die höchsten Abschreibungen aller Banken in Europa hinnehmen musste. Sie weist aktuell einen Bestand an den besonders problematischen Subprime-Positionen von rund 30 Milliarden Franken aus. Die Credit Suisse nannte demgegenüber ein Volumen von 4,3 Milliarden Franken.

Trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten verdiente das Investmentbanking der Credit Suisse 2007 insgesamt 4,8 Milliarden Franken, allerdings nur noch 328 Millionen Franken im vierten Quartal. Zuletzt hatte sich Dougan gegenüber dieser Zeitung überzeugt davon gezeigt, dass die Bank nach den Abschreibungen mit ihren Bilanzpositionen in einer relativ sicheren Position sei (F.A.Z. vom 18. Februar). Am Dienstag sprach er nun jedoch von einer „sehr enttäuschenden Entwicklung“.

GvD.news
19.02.2008, 23:17
Wal-Mart spürt Konsumschwäche
Der Einzelhändler setzt immer mehr auf Kampfpreise

lid. NEW YORK, 19. Februar. Der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart Stores Inc. hat mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen, kämpft aber trotzdem zunehmend mit Konsumzurückhaltung beim amerikanischen Verbraucher. Der Ausblick auf das neue Geschäftsjahr blieb etwas unter den Erwartungen. Wal-Mart sieht sich aber mit seiner zuletzt immer aggressiveren Niedrigpreisstrategie in diesem schwierigen Umfeld gut positioniert.

Gerade gegen Ende des abgelaufenen vierten Quartals im Geschäftsjahr 2007/2008 (31. Januar) hat sich die Lage für Wal-Mart eingetrübt. „Die Kunden waren im Januar zurückhaltender bei den Ausgaben“, sagte Vorstandsvorsitzender Lee Scott. Wal-Mart hatte bereits vor einigen Tagen gemeldet, dass der Umsatz in Amerika im Januar auf bereinigter Fläche – also in mindestens ein Jahr geöffneten Filialen – unter den Erwartungen lag und kaum gewachsen ist. So habe zum Beispiel das üblicherweise nach Weihnachten sehr starke Geschäft mit Geschenkgutscheinen enttäuscht. Kunden haben nach Angaben des Unternehmens ihre Gutscheine in geringerem Umfang als erhofft eingelöst, und sie haben die Gutscheine eher für notwendige Dinge des täglichen Bedarfs als für Extrawünsche verwendet.

Für das gesamte vierte Quartal des Geschäftsjahres 2007/2008 (31. Januar) meldete Wal-Mart ein Umsatzwachstum um 8 Prozent auf 107,4 Milliarden Dollar. Es war das erste Mal, dass ein Einzelhändler in einem einzigen Quartal einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden Dollar ausgewiesen hat. Der Nettogewinn legte um 4 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar zu, das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 1,04 Dollar lag um 2 Cent über den Analystenschätzungen. Für das neue Geschäftsjahr schlug Wal-Mart vorsichtige Töne an: „Wir wissen, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ein kritischer Faktor sein wird“, sagte Scott. Er unterstrich vor diesem Hintergrund die Bedeutung der Ausrichtung auf Niedrigpreise: Wal-Mart hat nach einigen erfolglosen Versuchen, sich auch als Einkaufsziel für gehobenere Ansprüche zu positionieren, im vergangenen Jahr wieder eine klare Billigstrategie eingeschlagen. Wal-Mart sagte für das angelaufene Geschäftsjahr ein Ergebnis je Aktie von 3,30 bis 3,43 Dollar voraus. Analysten lagen mit ihren Prognosen bislang am obersten Ende dieser Spanne.

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19.02.2008, 23:18
Steuerfahnder durchsuchen UBS und Dresdner Bank
Strafverfolger kopieren Kundendaten / Selbstanzeigen halten sich offenbar in Grenzen

da./mas. FRANKFURT/BERLIN, 19. Februar. Staatsanwälte und Polizei haben am Dienstag ihre bundesweiten Hausdurchsuchungen bei Verdächtigen im Steuerskandal fortgesetzt. Dabei nahmen sie insbesondere Geschäftsräume zahlreicher Banken ins Visier. Nach Informationen dieser Zeitung durchleuchteten die Steuerfahnder Büroräume der traditionsreichen Berenberg Bank in Hamburg sowie der Schweizer Großbank UBS in München. Schon am Vortag hatten die Staatsanwälte Filialen der Dresdner Bank in München sowie der Privatbanken Hauck & Aufhäuser und Metzler Besuche abgestattet. In allen Fällen sollen sich die Steuerfahnder für Daten einzelner Kunden interessiert haben.

Zumeist waren die Fahnder nach Informationen aus Bankenkreisen nur einige Stunden oder gar Minuten in der Bank. „Die haben keine Kisten mit Akten rausgeschleppt, sondern lediglich ein paar Kopien gemacht“, sagt einer der betroffenen Banker. In der Branche wird vermutet, dass sich die Fahnder bewusst eine renommierte Adresse wie das Bankhaus Metzler als eines der ersten Durchsuchungsobjekte herausgepickt haben, um eine hohe Öffentlichkeitswirksamkeit zu erreichen – ebenso wie sie schon im Fall des zurückgetretenen Deutsche-Post-Chefs Klaus Zumwinkel vorgegangen waren. „Die haben noch mal auf den Busch geklopft, um Kunden zu einer Selbstanzeige zu bewegen“, sagt der Banker.

Privatbanken wie Berenberg, Metzler und Hauck & Aufhäuser sind auf die Vermögensverwaltung für eine reiche Privatklientel spezialisiert. Auch große Geschäftsbanken wie die Dresdner Bank, die Deutsche Bank, Credit Suisse oder UBS sind in diesem Geschäft sehr aktiv und unterhalten häufig Dependancen in den wichtigsten „Steueroasen“ wie Monaco oder Liechtenstein.

Unterdessen wurde bekannt, dass Zumwinkel keine weiteren Zahlungen mehr von der Deutschen Post erhält. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende habe mit seinem Rücktritt auf jegliche weitere Gehaltszahlungen verzichtet, hieß es aus dem Bonner Konzern. Auch eine Abfindung zahlt das Unternehmen nicht, Pensionsansprüche blieben jedoch bestehen. Einen Bericht, wonach gegen den Bruder des ehemaligen Post-Chefs, Hartwig Zumwinkel, Haftbefehl erlassen wurde, kommentierte die Bochumer Staatsanwaltschaft nicht.

Für Rätselraten sorgte zudem die Frage, wie viele Steuersünder die Gelegenheit genutzt haben, dem Finanzamt zu beichten, um straffrei zu bleiben. Nur aus Rheinland-Pfalz verlautete, dass dort drei Selbstanzeigen mit Bezug auf Liechtenstein eingegangen seien. Im Finanzministerium von Nordrhein-Westfalen hieß es dagegen, man könne dazu noch nichts sagen. Auch die Bochumer Staatsanwaltschaft hat keine Informationen, ob Bürger vermehrt diese Möglichkeit genutzt haben. Die Finanzämter sind offenbar nicht klüger. Aktuell gebe es noch keine Erkenntnisse, sagte die Sprecherin der Oberfinanzdirektion Frankfurt. Das sei auch nicht möglich. Eingehende Selbstanzeigen würden generell nicht gesondert registriert. Erfasst würden nur die Selbstanzeigen, bei denen anschließend das Strafverfahren eingestellt wurde. 2007 habe es 506 derartige Fälle gegeben, 2006 lag die Zahl bei 405.

Der Steuerberaterverband spricht von widersprüchlichen Meldungen, die ihn aus den Kanzleien erreichen. Mal sei von einer Welle an Selbstanzeigen die Rede, mal gebe es keinerlei Anfragen. „Ich vermute, dass sich die Selbstanzeigen in Grenzen halten“, sagte Verbandssprecher Markus Deutsch. Vielfach sei der Steuerbetrug zu lange geplant gewesen. Auch könne man eine Selbstanzeige nicht von heute auf morgen aufsetzen.

Grundsätzlich wird es für Steuerhinterzieher schwerer, nicht entdeckt zu werden. „Die Steueroasen werden ausgetrocknet“, berichtet Deutsch. Auch hätten die Steuerfahnder ganz neue technische Möglichkeiten. Beispielsweise könnten sie heute mit „Google Earth“ schauen, ob jemand, der angeblich nur ein kleines Ferienhäuschen in Spanien hat, in Wirklichkeit Besitzer einer Villa mit Pool sei. Probleme gebe es weniger bei der Steuerfahndung, die relativ gut ausgestattet sei, vielmehr sei die Ausstattung der normalen Finanzämter der wunde Punkt. So höre man, dass es immer wieder Tage gebe, in denen die Steuererklärungen nur durchgewinkt würden, sagte der Rechtsanwalt. Es gebe zu wenig Mitarbeiter, und das Steuerrecht werde immer komplizierter. Wer der Steuerhinterziehung vorbeugen wolle, solle die Finanzämtern besser ausstatten.

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20.02.2008, 22:56
Furcht vor Knappheit treibt den Ölpreis
Eine Korrektur schließen die Analysten zwar nicht aus. Aber ein neuer Preisschub spätestens im zweiten Halbjahr gilt als sicher.

bes. LONDON, 20. Februar. Der Ölpreis hat sich am Mittwoch von seinem Rekordhoch entfernt. Der Preis für Rohöl fiel am Mittwoch auf bis zu 98,40 Dollar je Barrel (159 Liter) für die amerikanische Sorte WTI, nachdem er am Dienstag zum Handelsschluss den Rekordpreis von 100,10 Dollar erreicht hatte. Aber noch nie war die Stimmung der Investoren am Ölmarkt so euphorisch, haben so viele spekulative Investoren auf ein Steigen des Ölpreises gesetzt und haben so viele Analysten einen weiteren Preisschub prognostiziert. Goldman Sachs pocht darauf, dass der Ölpreis in der zweiten Jahreshälfte auf mehr als 105 Dollar steigen wird. Barclays Capital hält sogar einen Preisaufschwung auf bis zu 115 Dollar für möglich.

Zwar ist es immer wieder am Markt zu beobachten, dass der Preis nach einem rasanten Preisschub von mehr als 4 Prozent, wie er am Dienstag zu beobachten war, erst einmal wieder zurückgeht. Auch ist nicht auszuschließen, dass die Sorge über eine amerikanische Rezession dem Markt noch einmal einen Dämpfer versetzen wird. „Aber das Fenster für eine zyklische Preiskorrektur am Ölmarkt schließt sich sehr schnell“, heißt es bei Goldman Sachs. Zwar sagen die Prognosemodelle der amerikanischen Investmentbank in den nächsten Wochen einen leichten Preisrückgang voraus, den Goldman Sachs den Anlegern zum Kauf empfiehlt. Auf Öl werden beispielsweise Zertifikate gehandelt.

Generell werde aber derzeit die konjunkturabhängige Nachfrageschwäche der OECD durch grundsätzlich höhere, strukturelle und langfristige Preisprognosen ausgeglichen. Von Mai an müsse der Markt zudem damit rechnen, dass sich die trüben Aussichten der amerikanischen Konjunktur plötzlich aufhellen und sich auch die erhebliche Nachfrage von China an den Rohstoffmärkten verstärkt in höheren Preisen durchsetzen werde.

Vorsichtiger argumentieren die Analysten von Credit Suisse, die darauf hinweisen, dass seit der Hausse am Ölpreis, die 1998 begann, vier scharfe Preiskorrekturen von mehr als 25 Prozent den Preisaufschwung unterbrochen haben. Eine nächste Korrektur sei derzeit nicht ausgeschlossen, zumal der Ölpreis im Vergleich zu anderen Rohstoffen extrem gestiegen sei, das Nachfragewachstum am Ölmarkt enttäusche und normalerweise ohnehin mit einer Zeitverzögerung sinke, wenn dem Westen eine Konjunkturschwäche drohe. Auch mache China nur 9 Prozent der Weltnachfrage nach Öl aus; die Vereinigten Staaten kämen aber für 24 Prozent der globalen Ölnachfrage auf.

Credit Suisse erwartet daher, dass der Ölpreis noch im laufenden Quartal wieder auf einen Preis von 80 Dollar je Barrel fallen wird. Die Bank hat daher in ihren Portfolios die Übergewichtung großer Ölaktien aufgehoben und die Übergewichtung von anderen Versorgertiteln gesenkt. Sie setzt jedoch weiter auf Industrieunternehmen, die bei der technischen Ölbohrung und -förderung helfen. Eine Übergewichtung von Minenwerten behält Credit Suisse indessen bei.

Unabhängig davon, ob dem Ölmarkt eine vorübergehende Preiskorrektur bevorsteht, war in den vergangenen Wochen zu beobachten, dass sich der Ölpreis erstmals seit langem von der Entwicklung der Aktienmärkte abgekoppelt hat. Während die Aktienmärkte trotz großer Schwankungen auf der Stelle treten, legte der Ölpreis allein in diesem Jahr um mehr als 15 Prozent zu und schnellte in den vergangenen Tagen wegen kräftiger spekulativer Neukäufe und Eindeckung von Investoren mit Leerpositionen am Markt in die Höhe. Aber auch am Terminmarkt ist zu beobachten, dass der langfristige Ölpreis steigt, obwohl sich die von den Konjunkturaussichten beeinflusste Terminprämie abbaute.

„Der Ölmarkt ist jetzt auf die gleiche große Hausse eingeschwenkt, die am Markt für die anderen Rohstoffe und Agrarprodukte zu beobachten ist“, sagt Goldman Sachs. Die amerikanische Investmentbank ist überzeugt, dass diese Hausse über Jahre anhalten wird, weil sich zwar die physische Nachfrage nach Rohstoffen im Rahmen der Globalisierung und Entwicklung der Schwellenländer kräftig ausgeweitet hat. Die für diese Nachfragesteigerung aber notwendigen Kapitalinvestitionen in die Kapazitätsausweitung würden verzögert, weil politischer Einfluss, Protektionismus, Kapitalverkehrsbeschränkungen, Behinderung von Auslandsdirektinvestitionen in den Produktionsländern, die Androhung von Enteignung und politische Unruhen die effiziente Allokation von Kapital in die Ausweitung der Rohstoffkapazitäten – gleich welcher Art – behinderten.

Goldman Sachs ist überzeugt: Solange sich dies nicht ändere – genau das Gegenteil sei derzeit der Fall –, werde der Nachfrageüberhang logischerweise zu einer anhaltenden Hausse der Rohstoffpreise – und zwar auch des Ölpreises – führen.

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20.02.2008, 22:57
Börsenrekorde

Wenn ein Unternehmen mit knapp 2,2 Milliarden Euro Umsatz einen Jahresüberschuss von 912 Millionen Euro ausweist, kann die Unternehmensführung nicht wirklich viel falsch gemacht haben. Die Deutsche Börse blickt daher zu Recht stolz auf das Geschäftsjahr 2007 zurück, das für sie in vielen Bereichen neue Bestmarken beschert hat. Sie baut dennoch Personal ab und verlässt die Stadt Frankfurt aus steuerlichen Gründen. Das mag manchem Moralisten verwerflich erscheinen, der Gewinnmaximierung und damit dem Wohl der Aktionäre dient es. Viel wichtiger für die langfristige Gewinnentwicklung ist jedoch ein funktionierendes Geschäftsmodell. Und das läuft dank immer höherer Handelsumsätze an den Börsen derzeit besser denn je. Wenn die Handelssysteme einmal vorhanden sind, verursacht jeder zusätzlich getätigte Handel für die Deutsche Börse kaum Kosten und schlägt daher nahezu vollständig auf den Gewinn durch. Da ist es zum Beispiel hilfreich, dass die Deutsche Börse die Algo-Trader, die mittels Computerprogrammen in Millisekundenschnelle Unmengen an Transaktionen tätigen, über gesonderte Konditionen an sich gebunden hat. Im Januar trugen sie bereits 47 Prozent zu den Handelsumsätzen bei.

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20.02.2008, 22:57
Viele neue Großflughäfen in Asien
China will in zwei Jahren 43 neue Flughäfen bauen

che. SINGAPUR, 20. Februar. Mit dem rasch steigenden Flugverkehr müssen auch die Flughäfen Asiens wachsen. Mit beispielloser Geschwindigkeit werden deshalb in der Region Flughäfen ausgebaut, wiederbelebt, neu gegründet. Alle sechs Flughäfen, die im vergangenen Jahr das höchste Wachstum im Passagieraufkommen verzeichneten, liegen entweder in China oder in Indien. In Gesamtasien werden innerhalb von nur fünf Jahren 300 Millionen Menschen mehr fliegen als noch heute, erwartet der Branchenverband International Air Transport Association (IATA). Allein Peking rechnet damit, dass das Passagieraufkommen in China bis 2020 um jährlich durchschnittlich 11,4 Prozent zulegen wird.

Vor diesem Hintergrund plant China, innerhalb von nur zwei Jahren 43 neue Flugplätze zu bauen. Dann soll ihre Zahl bei 190 liegen. Nur um dank einer geschätzten Gesamtinvestition von 450 Milliarden Yuan (42,9 Milliarden Euro) bis zum Jahr 2020 auf 244 zu steigen. Mit dem raschen Ausbau will Peking erreichen, dass 2020 gut 80 Prozent aller dann erwarteten 1,45 Milliarden Festlandchinesen nicht länger als 90 Minuten bis zum nächstgelegenen Flughafen werden fahren müssen. Indien, der andere große asiatische Wachstumsmarkt, verfolgt sogar noch anspruchsvollere Ziele: 2020 will das Land 500 Flughäfen haben. Derzeit nennen die Inder 448 Flughäfen, von denen freilich nur 80 mit regelmäßigen Flugverbindungen bedient werden. Den Löwenanteil neben ihnen machen die 136 Militärflughäfen aus.

Der Unterschied zwischen China und Indien liegt vor allem in der Anbindung an den Luftverkehr: Während in der Volksrepublik nur 60 Prozent der Menschen im Umkreis von 100 Kilometern eines Flughafens leben, kann in Indien praktisch jeder Einwohner einen Flughafen erreichen. Die wachsende Zahl der Mittelschicht dürfte es daher mehr und mehr Menschen erlauben, von der Bahn auf das Flugzeug umzusteigen. „Indien hat Vorteile gegenüber China: Es verfügt über eine Fülle ehemaliger Flugplätze, auch aus der Kolonialzeit, hat aktive Investoren und Landesregierungen, die zumindest Erfahrung im Führen von Flughäfen aufweisen“, sagt Peter Harbison vom Centre for Asia Pacific Aviation.

Der Flughafen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi verzeichnete im vergangenen Jahr den höchsten Zuwachs im Passagieraufkommen weltweit. Mit fast 25 Millionen Passagieren wurden 28 Prozent mehr als im Vorjahr abgefertigt. Dabei ist der Flughafen nur auf 13 Millionen Fluggäste ausgelegt. Indiens Luftfahrtminister Praful Patel erwartet, dass die Branche über zehn Jahre Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 50 Milliarden Dollar benötige. Neue Flughäfen entstehen gerade in der Wirtschaftsmetropole Bombay (Mumbai), in Bangalore und Hyderabad.

In diesem Jahr aber wird schon aufgrund des Verkehrs zu den Olympischen Spielen der Flughafen von Chinas Hauptstadt im Mittelpunkt stehen. Das dritte Terminal wird in diesen Tagen eröffnet. Es soll die Abfertigungskapazität von 52 Millionen im vergangenen Jahr auf 76 Millionen Passagiere erhöhen. Das Passagieraufkommen steigt in China um jährlich etwa 10 Prozent, 200 Millionen Menschen dürften in diesem Jahr fliegen.

Gebaut wird auch in Südostasien. Singapur verteidigt seinen Ruf als Drehscheibe der Region mit einem eigenen Abfertigungsgebäude für Billigfluglinien, dem gerade eröffneten dritten Terminal für den Flughafen Changi und der Wiedereröffnung von Seletar, einem ehemaligen Militärflughafen, der auf Dauer auch Geschäftsfliegern als Basis dienen soll. Dank der neuen Kapazität in Terminal 3 steigt die Gesamtkapazität von Changi um 22 Millionen Menschen auf 70 Millionen Gäste. Kleiner ist dagegen der im September 2006 eröffnete Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok, der mit Singapur konkurriert. Analysten halten ihn für weitgehend verfehlt: „Er wird auch heute noch von Baumaßnahmen und Mängeln in der Abfertigung geprägt“, schreibt das Fachmagazin International Aerospace. „Wenn er in diesem Jahr seine Kapazitätsauslastung von 45 Millionen Passagieren erreichen wird, wird alles nur noch schlimmer werden.“

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20.02.2008, 22:57
Fresenius zeigt sich in bester Verfassung
Der Gesundheitskonzern Fresenius präsentiert überzeugende Geschäftsdaten. Das gilt auch für den wichtigsten Bereich, das Dialysegeschäft.

pso. FRANKFURT, 20. Februar. Kostendruck im Gesundheitswesen, ein schwacher Dollarkurs und Konjunkturschwäche in den Vereinigten Staaten: Der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius SE hätte auf den ersten Blick allen Grund, sich Sorgen zu machen. Der wichtigste Absatzmarkt mit einem Anteil von 43 Prozent am Konzernumsatz ist Nordamerika, und in Deutschland ist Fresenius inzwischen mit seinen Helios-Kliniken eine der führenden Krankenhausketten. Und doch legte der Konzern jetzt wiederum positiv beeindruckende Geschäftsdaten vor: Alle vier Geschäftsbereiche – neben dem Dialysegeschäft und dem Krankenhaus-Trägergeschäft (Helios) sind dies Ernährung und Infusionen (Kabi) sowie Krankenhaus-Dienstleistungen (Vamed) – haben den Umsatz teils deutlich erhöhen können, so dass der Konzernumsatz 2007 um 5 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro zunahm. Bereinigt um Wechselkursverschiebungen, nahm der Konzernumsatz sogar um 10 Prozent zu.

Da alle vier Unternehmensbereiche das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sogar zweistellig erhöhten, stieg das Konzern-Ebit um 17 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss legte sogar um 28 Prozent auf 410 Millionen Euro zu. Der Fresenius-Vorstandsvorsitzende Ulf Schneider zeigte sich zuversichtlich, dass die gute Entwicklung aller Unternehmensbereiche anhält. Mit dem profitablen, weitgehend konjunkturunabhängigen Wachstum des bestehenden Geschäfts und kleineren bis mittleren Zukäufen von Unternehmen im Wert von bis zu 300 Millionen Euro werde man das Ziel aus heutiger Sicht gut erreichen, den Konzernumsatz bis 2010 auf 15 Milliarden Euro zu erhöhen. Selbstverständlich ist der gute Lauf von Fresenius nicht: Noch Ende 2002 war der Aktienkurs des im M-Dax notierten Konzerns auf einen Tiefpunkt von 6,17 Euro gefallen, nachdem sich Fresenius vor allem mit Kabi und dem Krankenhausgeschäft in unklaren Strategien verzettelt hatte. Seitdem geht es im Wesentlichen aufwärts. Nach Veröffentlichung der jüngsten Geschäftsdaten stieg der Fresenius-Kurs um mehr als 2 Prozent auf knapp 55 Euro.

Stärker im Blick steht indes die Aktie der Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care AG & Co. KGaA (FMC). Dieser in der Welt führende Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Dialysepatienten ist sogar Mitglied im wichtigsten deutschen Aktienindex Dax 30. Auch der FMC-Kurs stieg am gestrigen Mittwoch in einem schwachen Börsenumfeld um mehr als 2 Prozent. Zu den Besonderheiten von FMC gehört – neben der Aufnahme als Tochtergesellschaft eines größeren Konzerns im Dax – die Fakturierung in Dollar, ein verschwindend kleiner Umsatzanteil von gut 5 Prozent auf dem Heimatmarkt und der Geschäftsschwerpunkt in Nordamerika mit einem Umsatzanteil von knapp 70 Prozent. Den größten Wachstumsschub verzeichnet FMC derzeit in Asien, wo der Umsatz zuletzt um 44 Prozent auf 541 Millionen Dollar stieg. Doch auch in Nordamerika verzeichnete FMC noch einmal einen Umsatzanstieg um 11 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz von FMC nahm im Berichtsjahr um 14 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar zu. Vorstandsvorsitzender Ben Lipps erläuterte dazu, dass das Dialysegeschäft von Konjunkturschwankungen unabhängig sei und wegen der international steigenden Patientenzahl stabil wachse. Von daher sei der regionale Geschäftsschwerpunkt kein Nachteil.

Das Währungskursrisiko sei begrenzt, da FMC nicht exportiert, die Kosten also jeweils regional anfallen. Einbußen in vernachlässigbaren Größenordnungen verzeichnet allein der in Euro abrechnende Fresenius-Konzern bei der Umrechnung des FMC-Ergebnisses. Das FMC-Ebit nahm 2007 um 20 Prozent auf 1,58 Milliarden Dollar zu, der Jahresüberschuss stieg um 34 Prozent auf 717 Millionen Dollar. Umrechnungsbedingt kam von dieser Gewinnsteigerung nur etwa die Hälfte im Fresenius-Konzern an, womit FMC aber, gefolgt von Kabi, weiterhin den entscheidenden Konzernbeitrag leistet.

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20.02.2008, 22:58
Hewlett-Packard setzt sein Wachstum fort
Der Computerkonzern erhöht seine Prognosen / Aber es gibt auch einige Schwachstellen

lid. NEW YORK, 20. Februar. Der amerikanische Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) hat die Finanzmärkte mit seinen Quartalszahlen überzeugt. Eine gute Entwicklung im Geschäft mit Personal-Computern kurbelte das Wachstum in den vergangenen drei Monaten an, und Hewlett-Packard korrigierte seine Prognosen für das Geschäftsjahr 2007/2008 (31. Oktober) nach oben.

Hewlett-Packard setzte damit ein positives Zeichen für die Technologiebranche, nachdem es zuletzt einige Enttäuschungen gegeben hatte. So berichtete der Netzwerkausrüster Cisco Systems vor wenigen Tagen von einer deutlichen Abkühlung des Geschäfts in Amerika und Europa im Januar und gab einen zurückhaltenden Ausblick ab. Hewlett-Packard-Vorstandsvorsitzender Mark Hurd schlug bei einer Telefonkonferenz deutlich optimistischere Töne an, gab aber vereinzelte Schwachpunkte zu. So habe Hewlett-Packard gegen Ende des im Januar abgelaufenen Geschäftsjahresquartals „ein bisschen mehr Vorsicht“ im amerikanischen Endverbrauchergeschäft gespürt. Hurd wies aber in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Hewlett-Packard sowohl nach Regionen als auch nach Kundengruppen sehr breit aufgestellt sei. Das Unternehmen erzielt 69 Prozent seines Umsatzes außerhalb der Vereinigten Staaten und ist sowohl im Endverbrauchermarkt als auch bei Unternehmenskunden stark vertreten.

Hewlett-Packard meldete für das abgelaufene Quartal ein Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 28,5 Milliarden Dollar und lag damit deutlich über den Analystenschätzungen von 27,6 Milliarden Dollar. Währungsbereinigt hätte das Plus bei 8 Prozent gelegen. Der Nettogewinn erhöhte sich um 38 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar.

Wachstumsmotor war abermals die Personal-Computer-Sparte, deren Umsatz um 24 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar zulegte. Besonders gut entwickelte sich das Geschäft mit Laptops mit einem Umsatzwachstum von 37 Prozent. Bei Standgeräten (Desktops) gab es ein Wachstum von 15 Prozent. Das Personal-Computer-Geschäft ist auch deutlich profitabler geworden: Der Betriebsgewinn lag bei 5,8 Prozent des Umsatzes, im Vorjahr betrug diese Marge noch 4,7 Prozent. Hewlett-Packard hat in der lange schwächelnden Sparte in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht und vor allem dem Wettbewerber Dell Marktanteile abgenommen. Dell hat sich allerdings zuletzt wieder etwas stabilisiert. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IDC ist Dell auf dem amerikanischen Heimatmarkt im Schlussquartal 2007 wieder schneller gewachsen als Hewlett-Packard. Dell hat den Marktanteil gegenüber dem Vorjahr von 28,0 auf 29,6 Prozent ausgebaut, Hewlett-Packard legte von 24,1 auf 24,3 Prozent zu. Weltweit ist Hewlett-Packard Marktführer.

Getrübt ist bei Hewlett-Packard auch das Bild in der hochprofitablen Druckersparte. Hier wuchs der Umsatz zwar um 4 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. Die Absatzzahlen schrumpften auf dem Endverbrauchermarkt aber um 2 Prozent. Mark Hurd räumte ein, „nicht wirklich glücklich“ über die Entwicklung zu sein. Hewlett-Packard sagt nun für das Gesamtjahr einen Umsatz von 113,5 Milliarden bis 114 Milliarden Dollar voraus. Bislang hatte die Prognose bei 111,5 Milliarden Dollar gelegen. Beim Ergebnis je Aktie schraubte das Unternehmen die Prognose von 3,32 bis 3,37 auf 3,50 bis 3,54 Dollar nach oben.

GvD.news
20.02.2008, 22:58
Porsche bunkert Geld für weitere VW-Aktien

sup. STUTTGART, 20. Februar. Der Sportwagenbauer Porsche wappnet sich offenbar für die Aufstockung der Anteile am VW-Konzern. Eine Kreditlinie von 10 Milliarden Euro sei voll ausgeschöpft, teilte das Stuttgarter Unternehmen mit, ohne aber einen klaren Zweck für den Kredit zu benennen. „Es handelt sich in erster Linie um einen technischen Schritt“, heißt es in der Mitteilung unter Verweis auf die günstigen Zinsen: Der Kredit werde noch zu den Konditionen aus dem Mai 2007 gewährt, als der Sportwagenbauer ein Pflichtangebot an die VW-Aktionäre vorlegte und dafür einen Kreditrahmen von 35 Milliarden Euro vorweisen musste. „Die aufgenommene Summe wird risikofrei gut verzinslich angelegt und bringt Porsche zusätzlichen Ertrag“, erklärt Porsche. Gleichzeitig demonstriert Porsche damit, dass die Aufstockung der Anteile von gut 30 auf 50 Prozent jederzeit möglich ist. Bei einem Börsenwert von Volkswagen von derzeit rund 44 Milliarden Euro würde der Kredit für die Aufstockung ausreichen. Die notwendigen Optionen, um die VW-Aktien zu kaufen, hat sich Porsche seit längerem gesichert. Einen Beschluss für die Aufstockung gebe es nicht, heißt es bei Porsche zwar. In einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung könnte aber jederzeit darüber entschieden werden. Anhaltspunkte, weshalb Porsche noch zögern sollte, gibt es nicht. Einen Zusammenhang zwischen der Aufstockung und dem Konflikt mit dem VW-Betriebsrat gebe es nicht, heißt es bei Porsche ausdrücklich.

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20.02.2008, 22:58
Zuckerrohr und Peitsche auf Kuba
Fidel Castro hat immer nur so viel wirtschaftliche Freiheit gewährt, wie nötig war, um den Kollaps zu vermeiden. Die Kubaner hoffen jetzt auf einen Wechsel.

BERLIN, 20. Februar. Nach dem schleichenden und nun auch offiziellen Machtverzicht des Diktators Fidel Castro setzt mancher Kubaner im In- und Ausland auf eine baldige Öffnung der sozialistischen Tropeninsel. Das gilt für die rigide Einparteienherrschaft ebenso wie für die Planwirtschaft. Dieses doppelte Zwangssystem hält Millionen Kubaner in Armut und Unfreiheit, indem es ihnen Grund- und Eigentumsrechte, die Ausreise, jede demokratische Partizipation, die Beteiligung an Märkten oder die freie Berufsausübung verwehrt. Doch die Hoffnung auf schnelle Veränderungen nach Castros Abgang könnte trügen, denn trotz seiner Vergangenheit ist Kuba mehr ein Land der Evolution als der Revolution.

Castro hat es verstanden, immer nur so viel Freiheit zu gewähren, wie nötig war, um die schlimmsten Notstände abzuwenden und die Bevölkerung ruhig zu halten. Das wurde vor allem nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nötig – des wichtigsten Wirtschaftspartners und Rohstofflieferanten –, als das Bruttosozialprodukt um mehr als ein Drittel schrumpfte und die Lebensbedingungen untragbar wurden. In dieser Situation ließ die Staatsführung zunächst Direktwahlen und die Religionsfreiheit zu, dann stellte sie die illegale Ausreise straffrei. Plötzlich war es auch erlaubt, kleine Handwerksbetriebe, Pensionen oder Restaurants auf eigene Rechnung zu betreiben. Selbst den Dollar führte man zwischenzeitlich als Zahlungsmittel ein, um die lebenswichtigen Überweisungen der Auslandskubaner zu erleichtern. Seit jedoch Venezuela mit seinem revolutionsbeseelten Führer Hugo Chávez Kuba zu Vorzugskonditionen mit Rohstoffen und Kapital versorgt und auf der Insel selbst Öl und Gas gefördert werden, sind viele dieser kleinen Freiheiten wieder verschwunden. Auch China verhilft dem System von „Zuckerrohr und Peitsche“ zu Stabilität, indem es Kuba dreistellige Millionenkredite für den Kauf chinesischer Investitions- und Konsumgüter gewährt.

Geblieben ist die große Abhängigkeit von Devisen, die die vermeintliche Klassenlosigkeit auf Kuba als Märchen entlarvt: Außerhalb der privilegierten Funktionärsriege zerfällt die Gesellschaft in jene, die Zugang zu harter Währung haben, und jene, die allein vom Peso leben und umgerechnet nicht mehr als 12 bis 14 Dollar im Monat verdienen. Um überleben zu können, scherzen die Kubaner, brauche man in erster Linie „Fe“ (Glauben). Das Wortspiel steht für „Familia en el extranjero“, Verwandte im Ausland. Rund 40 Prozent bekommen solche Rimessen von zusammen etwa 1 Milliarde Dollar im Jahr, vor allem aus Amerika.

In den etwa anderthalb Jahren, in denen Raúl Castro kommissarisch die Staats- und Regierungsgeschäfte seines älteren Bruders Fidel leitet, hat sich die wirtschaftliche Lage kaum verändert. Trotz der Rohstofffunde und der hohen Preise für Nickel und Kobalt ist der Lebensstandard niedriger als vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Der Zustand der Häuser oder des Verkehrswesens ist miserabel, die Peso-Gehälter reichen trotz der regulierten Lebensmittelpreise kaum für das Nötigste. Immerhin hat sich Raúl, der Fidel jetzt auch offiziell in seinen Ämtern beerben dürfte, dem Kampf gegen die Ineffizienz verschrieben. So können unfähige Funktionäre bestraft oder faule Mitarbeiter entlassen werden. Auch lässt er Diskussionen über den Kurs des Landes zu, in denen die Bevölkerung die Missstände ungewohnt offen anprangern darf.

Raúl Castro ist allenfalls ein moderater Reformer, aber er könnte das Land ohne Gesichtsverlust öffnen. Und zwar dann, wenn die amerikanische Embargo-Politik gelockert würde, die Kuba immer wieder als Entschuldigung für die verheerenden Zustände vorschieben kann. Auf der Insel setzt man deshalb nicht nur auf einen Wechsel in der eigenen Führung – sondern auch im Weißen Haus.

GvD.news
20.02.2008, 22:58
Konjunkturpaket für Südafrika
Regierung will Steuern senken und Ausgaben erhöhen

clb. JOHANNESBURG, 20. Februar. Die südafrikanische Regierung will sich mit Steuererleichterungen und einem milliardenschweren Ausgabenprogramm gegen ein langsameres Wirtschaftswachstum stemmen. Finanzminister Trevor Manuel kündigte in seiner Haushaltsrede am Mittwoch unter anderem an, den Körperschaftsteuersatz um 1 Prozentpunkt auf 28 Prozent zu senken. Unternehmen hatten dies seit Jahren gefordert. Zudem sollen die Steuerzahler, insbesondere die Niedrigverdiener, um 7,7 Milliarden Rand (670 Millionen Euro) entlastet werden. Dem angeschlagenen Energiekonzern Eskom wird der südafrikanische Staat mit 60 Milliarden Rand über die kommenden fünf Jahre beispringen, um die Energiekrise zu beenden. Eskom plant 343 Milliarden Rand in neue Kraftwerke und verbesserte Infrastruktur zu investieren. Dazu sollen auch die Verbraucher mit einer neuen Abgabe auf Strom aus Kohlekraftwerken beitragen.

„Es gibt weder Grund für Schwarzmalerei noch für Panik“, sagte Manuel. Er gestand aber ein, dass Südafrika „stürmisches Wetter“ bevorstehe, zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass dieses gemeistert werden könne. „Wir konzentrieren uns nicht auf den Sturm, sondern auf die Zeit nach dem Sturm. Dabei müssen wir alle zusammenhalten.“ Volkswirte hatten jüngst vor einem dramatischen Wachstumsrückgang gewarnt. Regelmäßige Stromausfälle in den vergangenen Wochen und eine insgesamt abgekühlte Weltwirtschaft setzen der südafrikanischen Wirtschaft zu. Wegen der Stromkrise mussten die größten Bergwerke mehrere Tage lang geschlossen werden. Die Landeswährung Rand ist nicht zuletzt wegen der Energieprobleme seit Beginn des Jahres um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Dollar gefallen. Südafrikas Wirtschaft hat die stärkste Wachstumsphase seit den siebziger Jahren hinter sich. In den vergangenen vier Jahren betrugen die Wachstumsraten mehr als 5 Prozent. Das reichte jedoch noch nicht aus, um die andauernd hohe Arbeitslosigkeit im Land wirksam zu bekämpfen.

Manuel zeigte sich in seiner Haushaltsplanung dennoch optimistisch. Südafrikas Wirtschaft, die als Motor des Kontinents gilt, werde in diesem Jahr um 4 Prozent wachsen. Noch im Oktober, vor Ausbruch der Energiekrise, war das Finanzministerium von 4,5 Prozent ausgegangen. Gleichzeitig will Manuel weiterhin Haushaltsüberschüsse verzeichnen, 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem und 0,6 Prozent im kommenden Jahr. Dies ist nur etwas weniger als im vergangenen Jahr. Mit einem moderaten Haushaltsüberschuss rüste sich das Land für künftige Investitionen und sichere sich gegen Finanz- und Handelsrisiken ab, sagte Manuel.

GvD.news
20.02.2008, 22:59
Die Stahl-Vorlage

Unter diesem Tarifabschluss wird die deutsche Wirtschaft noch lange leiden. Die Fünf vor dem Komma, die sich die Stahlarbeitgeber unter dem Eindruck übervoller Auftragsbücher und bedrohlicher Streikgebärden schnell abpressen ließen, werden ihre Signalwirkung entfalten – und damit einen Arbeitskostenschub auslösen, der sich nicht auf die florierende Stahlbranche begrenzen lässt. Selbst dort wird manches Unternehmen an dem Tarifergebnis schwer zu tragen haben, das alle Risiken für das Wachstum ausblendet. Es schreibt die guten Zeiten blind fort, statt die Mitarbeiter an der außergewöhnlich guten Lage auch durch einmalige Konjunkturzuschläge zu beteiligen, die die Kalkulation nicht dauerhaft belasten. Bemerkenswert fahrlässig ist auch die Anhebung der Ausbildungsvergütungen um rund zehn Prozent. Das führt den Lehrstellenmangel herbei, den der Staat gerade mit neuen Ausbildungszuschüssen auf Kosten der Sozialkassen zu beheben versucht.

Für die Arbeitgeber aller anderen Branchen, die in diesem Jahr noch Tarifverhandlungen führen müssen, wird es nach dieser Stahlvorlage sehr schwer, die Löhne in einem Rahmen zu halten, der die Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährdet und die Inflation nicht weiter anheizt.

Ganz unmittelbar aber wird das Stahlergebnis im öffentlichen Dienst Spuren hinterlassen und damit in den Staatskassen. Die Gewerkschaft Verdi hat ohnehin entschlossen Nachholbedarf angemeldet für die Beschäftigten bei Bund und Kommunen, die auch schon kräftig warnstreiken. Nun sieht sie sich beflügelt durch die lobenden Worte, die gleich zwei Minister der großen Koalition unverzüglich für den Stahlabschluss gefunden haben. CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos zeigt sich überzeugt, dass 5,2 Prozent der prosperierenden Stahlbranche nicht schadeten. Noch weiter geht sein SPD-Kollege. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz nannte das Ergebnis „angemessen“ und betonte, nach zwei Jahren Aufschwung seien deutliche Lohnsteigerungen fällig. Wenn das kein Fingerzeig für die Staatsdiener ist? Wer solche Mitstreiter hat, muss sich keine Zügel anlegen.

Die lohnpolitische Trendwende, die die Gewerkschaften im vergangenen Jahr eingeleitet haben, wird – mit dem ausdrücklichen Segen der wahlkämpfenden Politik – verschärft fortgesetzt. Als einsamer Rufer in der Wüste steht Bundespräsident Horst Köhler da, der mehr Engagement gegen Arbeitslosigkeit fordert. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Im Tarifkalkül spielt nur der eine Rolle, der seinen Arbeitsplatz schon hat.

GvD.news
20.02.2008, 22:59
Ypsilanti will sich zur Wahl stellen
Beck fürchtet Stillstand in Hessen / Mit Hilfe der Linkspartei?

ban./holl. BERLIN/WIESBADEN, 20. Februar. Für Aufsehen in Hessen und Berlin haben Berichte gesorgt, wonach sich die hessische SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti in Absprache mit dem Parteivorsitzenden Beck bei der ersten Sitzung des neuen Landtags am 5. April notfalls auch mit den Stimmen der Fraktion „Die Linke“ zur Ministerpräsidentin wählen lassen wolle. Die Zeitungen „Neue Presse“ und „Wiesbadener Kurier“ hatten Quellen in der SPD zitiert, es sei in der Partei nicht vermittelbar, darauf zu verzichten, Frau Ypsilanti zur Wahl zu stellen. Das sehe auch Beck so. Als Ministerpräsidentin einer rot-grünen Minderheitsregierung könne sie nach vier oder fünf Monaten im Amt eine Neuwahl des Landtags veranlassen, hieß es in den Berichten, was aber in der SPD bestritten wurde. Eine solche Minderheitsregierung könne Beschlüsse fassen, um deutlich zu machen, für welche Politik Frau Ypsilanti stehe.

Am Mittwoch wurden Bemerkungen Becks bekannt, dass die SPD weiter versuchen werde, die FDP für eine „Ampelkoalition“ zu gewinnen. Wenn das nicht gelinge, müsse sich Frau Ypsilanti zur Wahl stellen, zumal erwartet werde, dass ansonsten Ministerpräsident Koch (CDU) geschäftsführend im Amt bleibe. Der politische „Schub“ für die SPD nach der Landtagswahl am 27. Januar dürfe nicht verlorengehen. Eine Koalition mit der Linkspartei aber solle nicht gebildet werden. Bei der geheimen Wahl zum Ministerpräsidenten könne jedoch nicht gesagt werden, wie die Abgeordneten abgestimmt hätten.

In der Bundes-SPD stießen die Berichte auf Erstaunen, weil sich Beck und Frau Ypsilanti in den Führungsgremien anders geäußert hätten. Solche Berichte könnten vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg der SPD schaden. Auch widersprächen sie der Linie Becks für den Bundestagswahlkampf 2009. Bisher hatte er stets gesagt, weder in den westdeutschen Ländern noch im Bund dürfe es eine Kooperation mit der Linkspartei geben. SPD-Generalsekretär Heil schloss ein Bündnis mit der Linkspartei in Hessen und Hamburg aus. Auch die Duldung einer rot-grünen Minderheitsregierung durch die Linkspartei in Hessen sei für ihn nicht vorstellbar, sagte er dem Internetdienst „Spiegel online“. CDU-Generalsekretär Pofalla forderte die SPD auf, „Farbe zu bekennen“.

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21.02.2008, 22:21
Der Dax befindet sich in einer Pattsituation
Rohstoffe als Gegenmodell / Technische Analyse

FRANKFURT, 21. Februar. Was der Deutsche Aktienindex Dax den Anlegern nun schon seit geschlagenen zwei Wochen zumutet, erinnert an den Spruch: „Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln.“ Er kann sich einfach nicht entscheiden. Ein freundlicher Tagesbeginn war oft genug nur ein Zeichen für einen wenig überzeugenden Schlusskurs – ein schwacher Beginn verhieß wiederum einen freundlichen Tagesausklang.

Was sich auf den ersten Blick orientierungslos ausnimmt, hat bei genauerem Hinsehen durchaus Methode. Mit diesem ständigen Hin und Her lotete der Dax die oberen und unteren Begrenzungen eines Dreiecks aus. Die obere Begrenzung bildet dabei der Widerstandsbereich zwischen 7060 und 7080 Punkten, die untere der leicht ansteigende kurzfristige Aufwärtstrend seit den Tiefs vom 23. Januar dieses Jahres.

Dreiecke sind immer Ausdruck eines Selbstfindungsprozesses. Noch weiß der Dax nicht so recht, was er wirklich will. Aber je mehr er sich in die zulaufende Spitze des Dreiecks hineinbewegt, desto sicherer naht eine Entscheidung. Ein Ausbruch über 7060 bis 7080 Punkte hinaus wäre wahrscheinlich das Startsignal für eine kleine Rally; ein Rückfall unter die ansteigende untere Begrenzung des Dreiecks wäre gleichbedeutend mit einem schnellen Einbruch auf die Unterstützungen zwischen 6384 und 6130 Punkten.

Wofür wird sich das Kursbarometer der deutschen Standardwerte also entscheiden? Ich will an dieser Stelle nicht verhehlen, dass gerade die aktuelle Situation ihre analytischen Tücken hat. Im Normalfall sind Dreiecke trendbestätigende Formationen. Die aktuelle Stimmungslage legt nun nahe, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer wenig zuversichtlich ist und mit der Fortsetzung des Abwärtstrends rechnet. Weil an den Märkten aber selten das geschieht, was die Mehrheit zu antizipieren versucht, befinden sich Bullen und Bären nun fast in einer Pattsituation.

Eine Prognose kann sich deshalb heute – auch wenn die Bären noch leicht im Vorteil sind – nur an den genannten Grenzwerten orientieren. Über 7080 Punkten dürfte der Dax zu einer kleinen Rally bis in Regionen um maximal 7500 Punkte antreten. Ein Bruch des ganz kurzfristigen Aufwärtstrends mit Kursen unter rund 6900 Punkten wird ihn schnell wenigstens in die Nähe der bisherigen Jahrestiefstände führen. Unabhängig davon bleibt die mittelfristige Lage unbefriedigend. Klare Kaufsignale dürften sich nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse möglicherweise selbst nach einem weiteren Anstieg um rund 300 Punkte nicht ausmachen lassen.

Ganz anders sieht die Lage bei den Rohstoffen aus. Deren marktbreiter Preisindex, der CRB-Rohstoff-Index, hat alle überhaupt vorhandenen Widerstände hinter sich gelassen und erzielt zurzeit beinahe täglich einen neuen historischen Höchstkurs. Wahrscheinlich wird ihn auch die mittlerweile knapp erreichte magisch runde Zahl von 400 Dollar nicht sonderlich lange aufhalten können. Alles andere als eine Fortsetzung des Anstiegs wäre in meinen Augen eine mittelprächtige Sensation, und deshalb sollte niemand damit rechnen. Kurse zwischen 440 und 450 Dollar sind für den Index noch 2008 gut in Reichweite. Für den Fall, dass alles anders kommt: Die analytische Stop-Loss-Marke für den CRB-Index von Staud Research liegt momentan bei 338 Dollar.

Das Faszinierende an dieser Preisentwicklung ist, dass sie von nahezu allen in diesem Index zusammengefassten Rohstoffen mitgetragen wird. Egal ob Palladium, Gold, Silber, Kupfer, Platin, Öl und Zinn oder die sogenannten „soft commodities“ wie Kaffee, Kakao oder Zucker: Nirgendwo finden sich halbwegs ernstzunehmende Verkaufssignale, aber nahezu überall hervorragende analytische Vorzeichen dafür, dass sich die jeweiligen Aufwärtstrends fortsetzen sollten. Übersetzt heißt das: Tanken wird teurer, Katalysatoren werden teurer, Autos werden teurer, Essen und Trinken wird teurer.

Jesse Livermore, Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine Legende an der Wall Street, erzählt in seinem Buch „Das Spiel der Spiele“, wie sich zwei Händler eines Morgens das Ziel setzten, im Tagesverlauf für ihre Frauen einen Pelzmantel zu verdienen. Das war damals durchaus noch ein ehrenwertes Unterfangen: Pelze waren nicht geächtet und die Winter kalt. Aber beide scheiterten grandios. Am Ende des Tages hatten sie ein Mehrfaches dessen verloren, was sie eigentlich verdienen wollten. Beseelt von dem Wunsch, einen bestimmten Betrag in einer vorgegebenen Zeit zu erzielen, suchten sie krampfhaft nach den Chancen und gingen dabei unnötige Risiken ein, denen sie ohne diese fatale Zielvorgabe auf jeden Fall aus dem Weg gegangen wären.

Ein Engagement im Dax wäre in meinen Augen momentan ein ähnliches Unterfangen. Es wäre der Versuch, mit unnötig großer Risikobereitschaft einen Pelzmantel zu verdienen. Viel sinnvoller wäre es da schon – und hätte, am Rande gesagt, auch viel mehr Charme –, ein Engagement in Rohstoffen zu suchen und sich damit beispielsweise gegen weitere Preisanstiege an den Zapfsäulen sowie in den Supermärkten und Konsumtempeln zu versichern. Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Spekulation aufgeht, heute deutlich größer als bei einer Wette auf das bekannteste deutsche Kursbarometer.

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21.02.2008, 22:21
Das Parkettgespräch
Chancenreiche Nebenwerte
Die Skepsis der vergangenen Monate könnte übertrieben sein

Die deutschen Nebenwerteaktien haben einen scharfen Kurssturz hinter sich. Der 50 Werte umfassende M-Dax fiel von Juli bis Januar von 11 500 auf 7500 Punkte – ein Rückgang um 35 Prozent. In den vergangenen Wochen erholte er sich aber deutlich und steht nun wieder bei mehr als 9200 Punkten. Die Nebenwerte halten sich damit seit Jahresanfang weitaus besser als die Aktien im Deutschen Aktienindex Dax.

Für die starke Entwicklung in jüngster Zeit gibt es gute Gründe, meint Henning Gebhardt, Leiter des Bereichs Deutsche Aktien und Fondsmanager der DWS. „Im zweiten Halbjahr 2007 wurde in sehr kurzer Zeit die höhere Bewertung gegenüber den Dax-Aktien abgebaut“, sagt Gebhardt. „Viele Titel aus dem M-Dax sind nun wieder günstig zu haben.“ Die Anleger seien während der Kreditkrise von einer hohen Bereitschaft zu Risiko plötzlich auf keine Risikobereitschaft umgeschwenkt. Dies ging besonders zu Lasten der kleineren Aktiengesellschaften. „Der Verkaufsdruck der Anleger – insbesondere auch derjenigen die verkaufen mussten, um Liquidität zu bekommen – lässt aber nun spürbar nach“, sagt Gebhardt. „Viele erkennen jetzt, dass einige Aktien sehr attraktive Chance-Risiko-Verhältnisse aufweisen.“

Gebhardt bevorzugt in der jetzigen Marktphase defensive Aktien – also jene Titel, die nicht so stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängen und üblicherweise unterdurchschnittliche Kursschwankungen aufweisen. Als Beispiel nennt er den Bereich Gesundheit und Pharma. Mit Celesio, Fresenius und Stada sind gleich mehrere Unternehmen aus diesem Bereich unter den Schwergewichten im M-Dax. „Unternehmen, die erkennbar wachsen, deren Aktien günstig bewertet sind und die eine attraktive Dividende zahlen, sind derzeit keine schlechte Wahl“, sagt Gebhardt.

Falls sich die Skepsis über die weitere wirtschaftliche Entwicklung als übertrieben herausstellen sollte, hält Gebhardt eine überdurchschnittliche Kursentwicklung der Nebenwerte für wahrscheinlich. „In der derzeit unsicheren Marktphase haben die Anleger eher die liquideren, größeren Aktien gesucht und den Nebenwerten die kalte Schulter gezeigt“, sagt Gebhardt. „Käme es daher nicht so schlimm wie erwartet, bieten die Nebenwerte besonderes Erholungspotenzial, zumal eine wirtschaftliche Abschwächung schon in den Kursen eingepreist ist.“

Gleichwohl sei weiterhin unklar, welches Ausmaß die wirtschaftliche Abschwächung haben werde und welche Auswirkungen das auf die Gewinne und Aktienkurse der Unternehmen habe. „Der Nebel hat sich noch nicht gelichtet“, sagt Gebhardt. „Das Umfeld für Aktien bleibt daher schwierig.“ Daher rät er auch nur Anlegern mit einem langen Atem jetzt zum Einstieg in Nebenwerte. „Schlechte Nachrichten aus der Finanzbranche werden ein steter Begleiter bleiben und eine nachhaltige Erholung am Aktienmarkt erschweren.“ Erst im zweiten Halbjahr rechnet Gebhardt mit einer klareren Sicht auf das Ausmaß der Krise und die Lage der Weltwirtschaft.

„Das stellt für die Nebenwerte ein besonderes Risiko dar, denn die würden von einem langen und stärkeren Abschwung härter getroffen als der Aktienmarkt insgesamt“, sagt Gebhardt. Im Zweifel werden die weniger liquiden und daher riskanteren Papiere im Krisenfall als erstes gemieden. Gleichwohl hält er einen Gewinnrückgang im Segment M-Dax im Jahr 2008 für sehr unwahrscheinlich. „Die Indexschwergewichte wie K+S, Fresenius, Beiersdorf oder Celesio verleihen dem Index Stabilität.“

Für die Branchen mit dem höchsten Überraschungspotenzial hält er die Konsumtitel und die Immobilienaktien. „Die waren in der Vergangenheit der Spielball der angelsächsischen Investoren“, sagt Gebhardt. „Zuletzt wurden die Anleger aber gerade im Immobilienbereich herb enttäuscht.“ Kursrückgänge von 50 Prozent waren im vergangenen Jahr bei den Immobilienaktien eher die Regel als die Ausnahme. „Der Konsumbereich könnte von einer stärkeren Binnenkonjunktur in Deutschland profitieren – gerade angesichts deutlicherer Lohnerhöhungen.“

Ebenfalls ein sehr gutes Jahr erwartet Gebhardt für die Solarbranche. Mit Wacker Chemie ist zwar nur einer der Titel im M-Dax, im Tec-Dax befinden sich dafür gleich mehrere Solaraktien. „Der jüngste Kurssturz wurde durch eine Reihe sehr guter Unternehmensnachrichten gestoppt“, sagt Gebhardt. „Der Klimawandel ist der Megaanlagetrend der nächsten Jahre, auch weil Länder wie die Vereinigten Staaten dort irgendwann groß einsteigen werden.“ Zwar dürfe man die Bewertungen der Aktien nicht aus dem Blick verlieren, der Kursrutsch um 50 Prozent und mehr habe die Aktien jedoch wieder auf ein attraktives Niveau zurückgebracht.

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21.02.2008, 22:22
Hypo Real Estate auf Investorensuche
Nach dem Kurssturz der vergangenen Wochen hat der Immobilienfinanzierer die Investmentbank JP Morgan eingeschaltet. Die Amerikaner sollen langfristige Investoren anlocken und dazu auch Wettbewerber ansprechen.

da. FRANKFURT, 21. Februar. Der durch einen drastischen Aktienkursverfall gebeutelte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) ist auf der Suche nach neuen Investoren. Nach Informationen dieser Zeitung aus Bankenkreisen hat das Münchener Kreditinstitut schon vor einigen Wochen die amerikanische Investmentbank JP Morgan damit beauftragt, langfristige Investoren zu finden. Dies könnten sowohl institutionelle Anleger als auch Finanzinvestoren oder gar Wettbewerber sein, hieß es. Eine der Möglichkeiten sei damit die Minderheitsbeteiligung eines Unternehmens aus der Finanzbranche.

Ein Sprecher der Hypo Real Estate bestätigte, dass JP Morgan den Immobilienfinanzierer seit kurzem berate. Zu den Inhalten des Mandats wollte er sich aber nicht äußern. Nach den Angaben aus Finanzkreisen reagiert die HRE mit dem „strategischen Mandat“ an die Investmentbank auf den dramatischen Kurseinbruch, der Mitte Januar vom Vorstandsvorsitzenden Georg Funke ausgelöst wurde. Völlig überraschend hatte der HRE-Chef damals Abschreibungen auf Hypotheken-Wertpapiere von fast 400 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2007 angekündigt. Der Aktienkurs der Bank war daraufhin um mehr als 35 Prozent abgestürzt und hat seit Jahresbeginn rund die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Mittlerweile ist die HRE an der Börse nur noch 3,7 Milliarden Euro wert. Sollte sich dieser Kursverfall fortsetzen, wäre der Verbleib des Immobilienfinanzierers im Deutschen Aktienindex gefährdet.

Der Kurssturz hatte für einen großen Vertrauensverlust des HRE-Vorstands an den Kapitalmärkten gesorgt. „Es ist die heiligste Aufgabe eines Bankers, die Risiken in seinen Büchern zu verstehen“, schimpfte vor vier Wochen DWSFondsmanager Klaus Kaldemorgen. Erste Aktionäre haben Schadensersatzklagen gegen den Immobilienfinanzierer angekündigt. Ein Einzelaktionär hat bereits eine Klage eingereicht. Angesichts der zum Teil äußerst heftigen Kritik an Funke und den anderen Vorstandsmitgliedern hatte sich der Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Kurt Viermetz, vor einem Monat demonstrativ hinter die Führungsspitze gestellt. „Der Vorstand hat weiter unser uneingeschränktes Vertrauen“, sagte er damals dieser Zeitung.

Die Banker von JP Morgan sollen nun das an den Kapitalmärkten angeknackste Vertrauen wiederherstellen, indem sie den Kontakt zu den bisherigen Anlegern sowie möglichen neuen Investoren aufnehmen. Teil des Mandats sei weder die Verteidigung gegen eine möglicherweise drohende feindliche Übernahme noch die Anbahnung einer Fusion, hieß es. „Es gibt kein derartiges Szenario.“ Auch eine Kapitalerhöhung werde nicht angestrebt. Ziel sei es vielmehr, Ordnung in die Aktionärsstruktur zu bringen.

Der einst von der Hypo-Vereinsbank abgespaltene Immobilienfinanzierer hat einen Streubesitz von 100 Prozent. Eine Übernahme durch einen Wettbewerber wäre also ohne den Widerstand eines Großaktionärs möglich. Viele der großen Hedge-Fonds, die eine wesentliche Stütze des Börsengangs im Herbst 2003 waren, sind in den vergangenen Jahren aus dem Aktionärskreis ausgeschieden.

Dass die zuletzt in der Finanzbranche äußert rege Investmentbank JP Morgan das Mandat erhalten hat, ist kein Zufall. Über ihren Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz hat die HRE eine enge Bindung an das amerikanischen Institut. Viermetz war bis Ende der neunziger Jahre stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Wallstreet-Hauses.

Den im Vergleich zu den meisten anderen Banken überproportionalen Kursabsturz der HRE-Aktie begründen Analysten vor allem mit dem großen Misstrauen der Anleger. Niemand wolle derzeit weitere Überraschungen oder versteckte Verluste ausschließen, heißt es. Dabei sind die bisherigen Abschreibungen der Bank im Vergleich mit den Milliardensummen, die andere Häuser wertberichtigt haben, moderat. Der Bestand an CDO-Wertpapieren, die besonders problematisch sind, gilt mit einer Milliarde Euro ebenfalls als verhältnismäßig überschaubar. Zudem steht die Bank im operativen Geschäft nicht schlecht da. Nach eigenen Angaben steigen dank der Finanzkrise die Margen in der Immobilienfinanzierung. Und die erst im vergangenen Jahr mit der milliardenschweren Übernahme der Depfa ausgebaute Staatsfinanzierung gilt als antizyklisches Geschäft, weil die Staaten in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten einen höheren Finanzierungsbedarf haben.

Auf der anderen Seite steht aber angesichts der von dem amerikanischen Häusermarkt ausgelösten Krise eine hohe Skepsis der Anleger gegenüber allen Immobilienbanken – auch wenn sie wie die HRE auf den Gewerbeimmobilienmarkt und nicht auf den vor allem betroffenen privaten Häusermarkt spezialisiert sind.

GvD.news
21.02.2008, 22:22
Indische ICICI kommt deutschen Banken in die Quere
Die führende indische Bank hat die heimische Mittelschicht fest im Griff. Nun will sie im Ausland wachsen. Von Ende des Monats an will sie auch deutsche Sparer mit hohen Zinsen locken.

che. BOMBAY, 21. Februar. Die größte Privatbank Indiens wird am 28. Februar ihr Geschäft in Deutschland aufnehmen. Die ICICI Bank, Bombay (Mumbai), wird als Direktbank Kleinanleger und Sparer mit höheren Zinsen locken, als sie derzeit hierzulande geboten werden. Zugleich will sie vom wachsenden Handel zwischen Deutschland und Indien profitieren, indem sie auf das Firmenkundengeschäft zielt. Kurz nach dem Markteintritt in Deutschland strebt ICICI auch den Einstieg in das amerikanische Direktgeschäft an. In den nächsten Wochen soll eine Filiale in New York eröffnet werden. „In drei Jahren soll der Anteil unseres Auslandsgeschäftes auf etwa ein Drittel unseres Geschäftsvolumens steigen“, sagt Vorstandschef Kundapur Vaman Kamath im Gespräch mit dieser Zeitung.

Ursprünglich war die Aufnahme des Geschäftes in Frankfurt für vergangenen November geplant. „Wir hatten intern ein paar Hürden zu nehmen“, sagt Kamath. Ihre deutschen Anleger wollen die Inder mit einem einzigen Produkt ködern: ein Tagesgeldkonto, dessen Zinsen spürbar über dem liegen, was der Markt bietet. Branchenkenner erwarten, dass der Zins damit knapp unter 5 Prozent liegen werde; und dies bei voller Sicherung der Einlagen über den Einlagensicherungsfonds.

Die wachsende Präsenz im Ausland ist die jüngste Entwicklungsstufe einer erstaunlichen Expansion: Die fünf Buchstaben des Namens sind dabei alles, was von der einst verschlafenen Industrial Credit and Investment Corporation of India übrig geblieben ist. Innerhalb von nur einer guten Dekade durchlief der einstige Projektfinanzierer einen völligen Wandel zum ersten indischen Allfinanzkonzern. Heute gilt er bei Indern wie Ausländern, die von 2009 an stärker in den indischen Markt vordringen dürfen, als Vorreiter.

ICICI baut systematisch die Aktivitäten aus, um der wachsenden indischen Mittelschicht ein breites Produktportfolio anzubieten: Gemeinsam mit Prudential bietet ICICI eine Lebensversicherung, gemeinsam mit Lombard übrige Versicherungsleistungen. Sie hat den größten Wagniskapitalfinanzierer geschaffen. Und auch das Vermögensmanagement gewinnt rasch an Bedeutung – das Geschäft mit den Reichen und Superreichen wächst in Indien um 21 Prozent jährlich.

Die Konzentration auf die Mittelschicht in Indien liegt nahe: Das Vermögen indischer Haushalte stieg seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt um 14 Prozent jährlich. Schon heute, bei einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von rund 1000 Dollar, zählen in Indien 350 Millionen Menschen zur Mittel- und Oberschicht. Bis zum Jahr 2015 soll sich die Zahl der zahlungskräftigen Inder auf dann 600 Millionen fast verdoppelt haben. Das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt pro Kopf dürfte dann 1500 Dollar erreichen.

Hatte es im Jahr 2000 gerade einmal eine Versicherung in Indien gegeben, tummeln sich nun 14 Anbieter auf dem Markt – und ICICI ist mit ihren Partnern der führende Anbieter, noch vor der Allianz und dem Kooperationspartner Bajaj. „Wir haben allein im dritten Quartal unseres Geschäftsjahres umgerechnet rund 290 Millionen Euro in unsere Tochtergesellschaften investiert – in die Lebensversicherung, unsere Auslandsbanken und die Hypothekenbank“, berichtet Rakesh Jha, der stellvertretende Finanzchef von ICICI.

Neben der Absicherung der Position in der Heimat legt Kamath großen Wert auf die Eroberung neuer Märkte. Sie liegen in Indien und im Ausland: „Das ländliche Indien bietet uns die Gelegenheit, die klassischen Bankhaus-Strukturen zu umgehen und unsere Leistungen etwa per Mobiltelefon anzubieten. Noch stecken solche Initiativen zwar in den Kinderschuhen, aber wir wollen in den kommenden Jahren eine umfassende Plattform für Bankdienstleistungen auf dem Land anbieten“, sagt Kamath mit Blick auf die 600 Millionen Bauern und Landarbeiter in seinem Land.

An diesen Herausforderungen gemessen, erscheint der Sprung über die Landesgrenzen einfacher. Heute ist ICICI in 18 Ländern tätig. Zunächst setzte sie vor allem auf das Geschäft mit den ausgewanderten Indern. Dank ansprechender Konditionen aber hat sich ICICI in Großbritannien inzwischen einen Anteil von 80 Prozent Nichtindern an ihren Kunden erobert. In Großbritannien machte ICICI in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres (31. März) einen Gewinn von 71 Millionen Dollar vor Steuern. „Unsere Geschäfte in Kanada und Eurasia liegen gerade an der Gewinnschwelle“, sagt Jha. Ausgangspunkt der Offensive jenseits der indischen Grenzen war das Geschäft mit den Auslandsindern – sie überweisen jährlich fast 30 Milliarden Dollar in die Heimat. Gut 7,5 Milliarden Dollar davon hat ICICI nach Indien transferiert.

Für europäische Bankiers klingen die Zahlen der Inder fast zu gut, um wahr zu sein: In den ersten neun Monaten steigerte ICICI ihren Nachsteuergewinn um 32 Prozent auf mehr als 500 Millionen Euro (30,1 Milliarden Rupien). Allein 2007 eröffnete ICICI 110 neue Filialen in Indien, bis zu 400 weitere sollen nun bis Ende März noch folgen. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs um 2400 auf nun fast 40 000.

Allerdings verlangsamte sich die Kreditausgabe im Vergleich zu den Vormonaten. Analysten warnen zudem davor, dass Kredite nahezu unbesichert ausgegeben würden und somit – wie in China – die Gefahr uneinbringlicher Kredite hoch sei. 61 Prozent der gesamten ICICI-Ausleihungen machen Konsumentenkredite aus, die Zahl der faulen Kredite in diesem Segment erhöhte sich im dritten Quartal um 81 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Kamath indes weist hier eine Gefahr von sich: „Insgesamt machen die gefährdeten Kredite gerade ein Prozent unserer Ausleihungen aus“, sagt er. Die Bank, an der unter anderen auch die Regierung Singapurs mit 7 Prozent beteiligt ist, liegt zu mehr als 70 Prozent in Händen ausländischer Anleger und Fonds.

GvD.news
21.02.2008, 22:22
Die Allianz stellt das Gewinnziel in Frage
2007 hat der Finanzkonzern Milliardenabschreibungen der Dresdner Bank durch Gewinne im Versicherungsgeschäft ausgeglichen. Das könnte 2008 schwer werden. Neue Wert- berichtigungen drohen. Trotzdem steigt der Aktienkurs.

theu. MÜNCHEN, 21. Februar. Kein deutsches Unternehmen hat im vergangenen Jahr mehr Geld verdient als die Allianz AG. Der Jahresüberschuss des größten deutschen Finanzkonzerns stieg, wie berichtet, auf den Rekordwert von 8 Milliarden Euro. Für 2008 allerdings zweifelt Vorstandschef Michael Diekmann daran, dass der operative Gewinn, wie bisher in Aussicht gestellt, abermals um 10 Prozent zulegen wird. „Wenn wir nochmals große Wertberichtigungen haben sollten, wird es sehr, sehr schwer werden“, sagte Diekmann am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in München. Im mittelfristigen Durchschnitt hält der Konzern aber an diesem Wachstumsziel fest.

Die in diesem Jahr drohenden weiteren Abschreibungen bei der Frankfurter Tochtergesellschaft Dresdner Bank seien wegen der weiter schwelenden Kreditmarktkrise nicht abschätzbar, warnte Diekmann. Deshalb sei auch keine Gewinnprognose für die Banksparte möglich. Vergangenes Jahr ist ihr Ergebnis auf die Hälfte eingebrochen (F.A.Z. vom 25. Januar).

Die Finanzkrise trifft im Allianz-Konzern praktisch ausschließlich die Dresdner Bank, die der Münchner Versicherer vor sieben Jahren für 24 Milliarden Euro gekauft hat. Die Versicherung und Vermögensverwaltung, die 2007 mehr als 90 Prozent des operativen Konzerngewinns verdienten, seien von den Finanzmarkt-Wirren „nahezu völlig unbelastet“, versicherte Diekmann. Die Allianz-Aktie legte daraufhin im Handelsverlauf um mehr als 2 Prozent zu.

Für die Dresdner Bank kommt es dagegen umso dicker. Allein im Januar sei auf vorläufiger Basis ein weiterer Abschreibungsbedarf auf Wertpapiere von 300 bis 400 Millionen Euro aufgelaufen, sagte Finanzvorstand Helmut Perlet. Bis Quartalsende könnte dieser je nach Marktentwicklung wachsen oder schrumpfen. Vor vier Wochen hat die Allianz bereits mitgeteilt, die Dresdner Bank habe im Schlussquartal 2007 insgesamt 900 Millionen Euro abgeschrieben.

Die Dresdner Bank muss außerdem ihrem in Zahlungsschwierigkeiten geratenen außerbilanziellen Spezialfonds K2 unter die Arme greifen. K2, ein sogenanntes Special Investment Vehicle (SIV), werde ein Stützungskredit (Support Facility) eingeräumt, teilte die Bank am Donnerstag mit. Das Volumen des Spezialfonds betrage aktuell noch 18,8 Milliarden Dollar gegenüber 31,2 Milliarden Dollar im vergangenen Sommer. Möglicherweise müsse die Dresdner Bank Wertpapiere aus dem Fonds auf die eigenen Bücher nehmen, sagte Perlet. Er rechne daraus aber nicht mit Verlusten. „Das kann zu einem positiven Ergebnisbeitrag führen“, sagte er. Die Bank bekomme dadurch die Chance, die Turbulenzen „auszusitzen“.

Vorstandschef Diekmann kündigte an, im Investmentbanking der Dresdner Bank würden weitere 450 Arbeitsplätze gestrichen. Das Geschäft mit SIV-Spezialfonds habe keine große Zukunft mehr. Fragen nach der Zukunft des gesamten Investmentbankings der Dresdner Bank blockte der Allianz-Chef ab. „Ich führe jetzt keine strategische Diskussion über die Zukunft der Investmentbank“, sagte Diekmann. Spekulationen, die Allianz werde sich vom notorisch ertragsschwachen Kapitalmarktgeschäft der Dresdner Bank trennen, gibt es schon seit Jahren.

Diekmann vermied auch ein klares Bekenntnis zur Dresdner Bank insgesamt. In der Vergangenheit hat es immer wieder Gerüchte gegeben, der Versicherer wolle sich von seinem Frankfurter Sorgenkind komplett trennen. Der Vorstandschef der Dresdner Bank, Herbert Walter, und der für das Kapitalmarktgeschäft verantwortliche Vorstand Stefan Jentzsch hätten aber weiter sein Vertrauen, sagte Diekmann.

Ebenfalls nur vage äußerte sich der Allianz-Chef zur Postbank. Der Bund wird seine Hälfte an der größten deutschen Privatkundenbank voraussichtlich verkaufen. Die Allianz wird zum Kreis der Interessenten gezählt. Doch während die Deutsche Bank und die Commerzbank offen um das Geldhaus werben, hält sich Diekmann bedeckter. Er wolle sich zur Postbank nicht äußern, sagte der Allianz-Manager am Donnerstag. Doch werde sich die Allianz mit der nun offenbar wieder in Fahrt kommenden Konsolidierung der deutschen Bankenbranche „sehr intensiv auseinandersetzen“.

GvD.news
21.02.2008, 22:23
Pfleiderer erwartet Erholung in Amerika

him. MÜNCHEN, 21. Februar. Der Holzwerkstoff-Hersteller Pfleiderer bekommt die Schwäche des nordamerikanischen Marktes zu spüren. Der Konzernumsatz blieb 2007 mit 1,8 (Vorjahr 1,4) Milliarden Euro um 100 Millionen Euro unter dem eigenen Ziel. Mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 249 (208) Millionen Euro lag das Oberpfälzer Unternehmen aber am oberen Ende der geplanten Spanne von 240 bis 250 Millionen Euro. Unter dem Strich ergab sich ein Überschuss von 85 Millionen Euro nach von Sondererträgen beeinflussten 101 Millionen Euro 2006. Für dieses Jahr kündigte Vorstandsvorsitzender Hans Overdiek einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro und eine Ebitda-Marge von 15 (13,8) Prozent an. Zuvor hatte er davon gesprochen, mindestens diese Werte erreichen zu wollen. Pfleiderer sei gut ins Jahr 2008 gestartet. Der Auftragseingang liege über dem Vorjahreswert, und die Kosten seien gesenkt worden. In Nordamerika leidet der Markt für Laminatfußböden unter der Immobilienkrise. Zudem musste Pfleiderer dort im vergangenen Jahr eine Restrukturierung des übernommenen Fußbodenherstellers Pergo stemmen. „Jetzt sind wir in Nordamerika aber in einer starken Position, die uns ermöglicht, weiter Marktanteile zu gewinnen“, sagte Overdiek. Er stellte den Aktionären eine moderat höhere Dividende in Aussicht. 2007 waren es 0,25 Euro.

GvD.news
21.02.2008, 22:23
BASF bleibt auf Wachstumskurs
Dämpfer im Schlussquartal / Die Auftragslage ist gut / Aktiensplit und Dividendensprung

mir. LUDWIGSHAFEN, 21. Februar. Trotz des Rückgangs des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen im vierten Quartal des vergangenen Jahres rechnet BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht mit einem leichten Anstieg dieser Kennzahl im laufenden Geschäftsjahr. Auch der Umsatz soll zulegen. „Die ersten Wochen des neuen Jahres haben nahtlos an das Vorjahr angeschlossen, unsere Auftragslage ist unverändert positiv, unsere Anlagen sind gut ausgelastet“, sagte er bei der Bilanzvorlage. Im Jahresbericht steht zu lesen, dass die BASF auch für 2009 eine positive Geschäftsentwicklung erwartet.

In Nordamerika gibt es nach Angaben von Finanzvorstand Kurt Bock zwar Bremsspuren bei der BASF-Kundschaft am Bau und in der Autoindustrie. „Eine Panik in Richtung Rezession ist nicht angemessen“, sagte Vorstandschef Hambrecht. Der Einbruch des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern von 50 Prozent im vierten Quartal stammt größtenteils aus der Chemiesparte. Dort wirkten sich länger als erwartet andauernde Anlagenabstellungen in den Vereinigten Staaten und Belgien aus. Wegen des höheren Ölpreises waren die Cracker-Margen schlechter. Cracker sind Großanlagen, in denen Rohöl-Destillat zu Basischemikalien wie Ethylen und Propylen verarbeitet wird. Die BASF nutzt diese als Ausgangsstoffe für weitere eigene Produkte und verkauft sie auch an Dritte. Des Weiteren belastete eine Wertberichtigung bei Industrielacken in Nordamerika das Ergebnis. Alles in allem war das vierte Quartal aber „ein sehr gutes Quartal“, sagte Hambrecht. Analysten sprachen von einem durchwachsenen Quartal und einem optimistischen Ausblick.

Die Beteiligung der BASF am Gasfeld Juschno Russkoje des russischen Gasprom-Konzerns wird teurer. Bisher hieß es, für die Anteile am Gasfeld erhalte Gasprom weitere Anteile an der Erdgashandelsgellschaft Wingas und an zwei libyschen Ölfeldern. Nun wurde bekannt, dass es noch eine Ausgleichszahlung der BASF an Gasprom von rund 530 Millionen Euro gibt. Das Gasfeld ist aufgrund gestiegener Gaspreise heute mehr wert, sagte ein Unternehmenssprecher. Beim geplanten Verkauf von Teilen der Kunststoffsparte (Styrol-Standardprodukte) wird mit einem Partner verhandelt, dem Vernehmen nach ist das der Polyolefin-Hersteller Basell. Der Verkauf soll im ersten Halbjahr abgeschlossen werden, kündigte Konzernchef Hambrecht an.

Ein Großprojekt der BASF zur Kohlevergasung in Ludwigshafen steht derzeit aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen bei Emissionszertifikaten in der Warteschleife. Details nannte Hambrecht nicht. Das Investitionsvolumen soll sich gerüchteweise auf etwas mehr als eine Milliarde Euro belaufen. Neben der Energieerzeugung kann das Gas als Ausgangsstoff für Chemieprodukte verwendet werden. Das Projekt hätte für den deutschen Standort eine Signalwirkung, weil auch weiterverarbeitende Fabriken entstehen könnten.

Die in den vergangenen drei Jahren rückläufige Gesamtkapitalrendite und die ebenfalls gesunkene Marge, gemessen am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, erklärte Hambrecht mit der Portfoliostruktur. Der Metallhandel, der mit der Milliardenübernahme des amerikanischen Unternehmens Engelhard zur BASF kam, und auch der Erdgashandel seien nicht so margenträchtig wie das Chemiegeschäft. Auch der gestiegene Ölpreis belaste. Auf die Gesamtkapitalrendite wirkten sich die Akquisitionen ebenfalls negativ aus.

An der Gesamtkapitalrendite bemisst sich die freiwillige Erfolgsbeteiligung der BASF-Beschäftigten. Sie bleibt für 2007 nahezu konstant. Die Aktionäre können sich über eine um 30 Prozent erhöhte Dividende freuen. Im Jahr 2001 gab es bei der BASF Proteste der Belegschaft, als die Mitarbeiterbeteiligung gesenkt und die Dividende erhöht wurde. Neben der Dividendenerhöhung will die BASF der Hauptversammlung einen Aktiensplit im Verhältnis eins zu zwei vorschlagen.

GvD.news
21.02.2008, 22:23
EU-Kommission senkt Prognose
1,8 Prozent Wachstum 2008 / Inflation steigt

wmu./ppl. BRÜSSEL/FRANKFURT, 21. Februar. Wachstum und Inflation im Euro-Raum werden sich 2008 spürbar schlechter entwickeln als von der Europäischen Kommission zuletzt erwartet. EU-Währungskommissar Joaqu

GvD.news
21.02.2008, 22:23
Banken sollen im Steuerskandal geholfen haben
Mit ihren Hausdurchsuchungen in ganz Deutschland hat die Staatsanwaltschaft Bochum nicht nur vermögende Kunden im Visier: Auch Bankmitarbeiter geraten in den Strudel.

da./cbu. FRANKFURT, 21. Februar. Im Zuge des Liechtensteiner Steuerskandals ermitteln die Fahnder auch gegen Mitarbeiter deutscher Banken. Das Frankfurter Bankhaus Metzler bestätigte am Donnerstag, dass gegen drei seiner Kundenberater ermittelt wird. Metzler habe aber weder für sich noch für Dritte in Liechtenstein Stiftungen errichtet oder Kunden in diese Richtung beraten, hob ein Sprecher der Bank hervor. Die Mitarbeiter werden der Beihilfe zur Steuerhinterziehung verdächtigt, gegen die Bank selbst richten sich die Untersuchungen aber nicht. In Frankfurter Bankenkreisen kursierte am Donnerstag zudem das Gerücht, dass auch gegen einzelne Mitarbeiter der Schweizer UBS ermittelt wird. Dieser Bank hatten die Fahnder am Dienstag einen Besuch abgestattet. Eine UBS-Sprecherin wollte keinen Kommentar zu den Gerüchten abgeben. Die Frankfurter und Münchener Geschäftsräume des traditionsreichen Bankhauses Metzler waren schon am Montag durchsucht worden. Es war nicht das erste Mal, dass sich Fahnder bei Metzler umschauten. In einem dieser Zeitung vorliegenden Kundenbrief des Bankhauses heißt es: „Derartige Vorgänge hat es in der Vergangenheit bei anderen Instituten und auch bei Metzler in einzelnen Fällen bereits gegeben – wenn auch nicht mit der aktuellen medialen Begleitung.“

Nach den offiziellen Angaben des Bankhauses sind die Ermittler Geschäftsverbindungen von sieben inländischen Steuerpflichtigen nach Liechtenstein auf der Spur. „Diese Kontoverbindungen wurden bereits in den Jahren 1998 bis 2006 beendet. Das für diese Kontoinhaber verwaltete Vermögen – nicht die etwaigen steuerpflichtigen Beträge – hatte insgesamt ein Volumen von unter 6 Millionen Euro.“ Die Mitarbeiter seien nicht freigestellt worden, sagte der Sprecher. „Hier gilt die Unschuldvermutung.“ Ein zunächst bestehender Anfangsverdacht gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Dresdner Bank hat sich dagegen nach Informationen dieser Zeitung nicht bestätigt. „Die Ermittler hatten einige Fragen, die aber geklärt wurden“, heißt es in Finanzkreisen.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft nannte keine konkreten Banken, bestätigte aber, dass die Durchsuchungen auch auf den Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung gegen einige Mitarbeiter basieren. Es werde vermutet, dass Mitarbeiter einzelnen auswählten Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen hätten, sagte der Sprecher der Bochumer Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Das vorliegende Beweismaterial zu einer Vielzahl von Verdächtigen sei „sehr aussagekräftig“ und wesentlich besser als in allen vergangenen Fällen, sagte er.

Nach Medienberichten haben einige Privatbanken und andere Institute in Deutschland liechtensteinische Stiftungen verwaltet. Kunden seien von diesen Kredithäusern gezielt zum Thema Liechtenstein-Stiftungen beraten worden. Nach bisherigem Stand handele es sich um etwa 50 Stiftungen, auf deren Konten hohe Millionenbeträge lagerten. In einigen Fällen soll von den Banken unter Codewörtern Geld auf die Stiftungskonten überwiesen worden sein.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft wehrte sich derweil gegen Vorwürfe, sie habe dem ZDF am vergangenen Donnerstag einen Tipp über die anstehende Durchsuchung beim ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, gegeben. Der öffentlich-rechtliche Sender hat schon vor Beginn der Aktion seine Kameras vor dem Privathaus des Managers in Stellung gebracht und live berichtet. „Das ZDF hat von uns keine Informationen bekommen“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Vorsitzende der Schweizerischen Bankiervereinigung brachte das Vorgehen der deutschen Steuerfahnder mit dem Nationalsozialismus in Zusammenhang. „Das sind Methoden, die leider ein bisschen an Gestapo würdige Methoden erinnern“, sagte Pierre Mirabaud in einem Interview eines französischsprachigen Schweizer Fernsehsenders. Der Genfer Privatbankier vertritt mit rund 350 Schweizer Banken alle führenden Institute.

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24.02.2008, 21:30
Die Finanzmärkte in Zeiten der Inflation
Die wachsende Sorge vor Inflation hat eine Flucht in die Sachwerte ausgelöst. Das treibt viele Rohstoffpreise auf Rekordhöhen.

FRANKFURT, 24. Februar. „Flucht in die Sicherheit“ – in Zeiten erhöhter Inflationsgefahr wird dies an den Finanzmärkten neu ausbuchstabiert: Während sich Anleger in den vergangenen Jahren typischerweise in die Sicherheit von Staatsanleihen flüchteten, kaufen sie derzeit vor allem Sachwerte, da diese einen besseren Schutz gegen Geldentwertung bieten als festverzinsliche Wertpapiere. So hat kräftige Nachfrage die Preise für Gold und Platin in der vergangenen Woche auf Rekordhochs getrieben. Auch die globalen Aktienmärkte zeigten sich im Wochenverlauf insgesamt stabil. Hingegen erlitten Anleihekurse hohe Einbußen.

Eine Serie von Daten hat in den vergangenen Tagen die Inflationssorgen bestärkt. So ist die Teuerungsrate in China im Januar auf 7,1 Prozent gesprungen, den höchsten Stand in elf Jahren. Die EU-Kommission hat ihre Inflationsprognose für 2008 von 2,1 auf 2,6 Prozent kräftig angehoben – und ähnlich die amerikanische Notenbank Fed ihre Prognose für die Kerninflationsrate im laufenden Jahr von 1,9 auf 2,2 Prozent; in beiden Fällen ist das mehr als angestrebt. Und der Inflationsdruck lässt nicht nach: Sowohl in London als auch in New York ist der Ölpreis zuletzt auf Rekordhochs jenseits von 100 Dollar je Barrel (159 Liter) hochgeschnellt. Parallel kennen auch die Preise zahlreicher weiterer Rohstoffe – von Mais bis Kupfer – nur eine Richtung: nach oben. Der CRB-Rohstoffindex hat daraufhin am Freitag mit 402,20 Punkten ein Rekordhoch erreicht.

Gleichzeitig nährt im Euro-Raum der unerwartet hohe Tarifabschluss in der westdeutschen Stahlindustrie die Angst vor einer Lohn-Preis-Spirale. Mit Spannung wird nun erwartet, inwieweit die große Gewerkschaft Verdi ihre Lohnforderung von 8 Prozent durchzusetzen vermag. Anders als von vielen Ökonomen erwartet, hat sich die Konjunktur bislang nicht so kräftig abgekühlt, dass dies den Elan der Gewerkschaften gebremst hätte. Eher im Gegenteil: Zur allgemeinen Überraschung ist der Index der Einkaufsmanager im Dienstleistungsgewerbe zuletzt sogar wieder gestiegen. Am kommenden Dienstag wird der Ifo-Geschäftsklimaindex weiteren Aufschluss über die Stimmung in der deutschen Wirtschaft geben. Die Fachwelt erwartet einen nur marginalen Rückgang von 103,4 auf 103,0 Punkte.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) gibt es damit bis auf weiteres kaum Spielraum, ihren Leitzins von derzeit 4 Prozent zu senken. Die Akteure an den Finanzmärkten sehen das inzwischen ähnlich. Sie haben ihre Spekulationen auf baldige Leitzinssenkungen drastisch zurückgeschraubt. Ganz deutlich hat sich dies in den Renditen der zweijährigen Staatsanleihen niedergeschlagen, die auf Leitzinsspekulationen stets besonders sensibel reagieren: Diese Rendite ist in Wochenfrist um 23 Basispunkte auf 3,34 Prozent nach oben geschnellt. Das war der größte Sprung in fast vier Jahren.

In den Vereinigten Staaten wird am Dienstag der Case-Shiller-Index für die Immobilienpreise veröffentlicht: Die Fachwelt erwartet einen geradezu desaströsen Preisrutsch von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Viele Millionen Haushalte werden sich daraufhin ärmer fühlen – und darauf wohl mit einer Einschränkung ihres Konsums reagieren. Kommt es so, bedeutet dies eine tiefgreifende Wende: Denn in den vergangenen Jahren war die Konsumlust der Amerikaner der wichtigste Antrieb des globalen Wirtschaftswachstums.

Schon einen Tag später, am Mittwoch, hat Fed-Chef Ben Bernanke Gelegenheit, die Daten in seiner halbjährlichen Anhörung vor dem Finanzausschuss des Senats zu interpretieren. Die Fachwelt geht davon aus, dass er ein eher düsteres Bild zeichnen wird: Auf der einen Seite schwächt sich die Konjunktur weiterhin ab, auf der anderen Seite aber steigen die Preise ungemütlich stark. So lagen die Verbraucherpreise im Januar um 4,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch an den amerikanischen Finanzmärkten haben die Investoren deshalb ihre Leitzinserwartungen zurückgeschraubt: Galt es vor einer Woche noch als durchaus möglich, dass die Fed ihren Leitzins am 18. März von derzeit 3 auf 2,25 Prozent zurücknehmen könnte, lautet die Erwartung jetzt nur noch auf eine Senkung auf 2,5 Prozent.

Die große Unbekannte bei allen diesen Kalkülen ist derzeit die weitere Entwicklung der Kreditkrise. In der vergangenen Woche sind die Prämien für Kreditversicherungen – sogenannte Credit Default Swaps (CDS) – zeitweise auf Rekordhochs nach oben geschossen. Fachleute führen dies allerdings auf eher technische Gründe zurück: So sahen sich einige Manager komplexer Wertpapiere (Collateralized Debt Obligations oder CDO) aufgrund des Erreichens bestimmter vorgegebener Schwellenwerte gezwungen, zusätzliche Kreditversicherungen zu kaufen. Das trieb deren Preise in die Höhe – und löste eine Kettenreaktion in Form weiterer Nachfrage nach solchen Kreditversicherungen aus.

Am Freitag bildeten sich die CDS-Prämien zwar etwas zurück. Dennoch liegen sie, gemessen am einschlägigen iTraxx-Index, immer noch mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Das könnte auf die Kreditkosten der Unternehmen durchschlagen – und darüber auf die Kreditnachfrage und die Konjunktur. Denn die Versicherungsprämien bestimmen heutzutage den „Spread“, den Aufschlag auf die Rendite sicherer Staatsanleihen, den eine Bank einem Kreditkunden in Rechnung stellt. Einiges spricht dafür, dass die Versicherungsprämien auf Dauer hoch bleiben werden. Denn im vergangenen ersten Halbjahr waren diese Prämien im Zuge der „Jagd nach Rendite“ auf extrem niedrige Niveaus gefallen.

Trotz der neu aufgeflammten Kreditkrise zeigten sich die Aktienkurse zahlreicher europäischer Banken erholt. Sie profitierten teils von guten Ergebnissen, teils von der Hoffnung, dass die Kreditkrise auch eine positive Seite haben könnte: einer Ausweitung der Kreditmargen. Dem weltgrößten Stahlhersteller Arcelor-Mittal ist es bereits gelungen, eine kräftige Preiserhöhung durchzusetzen. Die Inflationssorgen hat dies nicht gerade gemildert, doch der Aktie ist dies zugute gekommen: Sie gewann im Wochenverlauf mehr als 9 Prozent.

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24.02.2008, 21:30
Europlatz Frankfurt
Keine Angst vor einer Rezession

Auch sechs Monate nach dem Beginn der „Subprime-Krise“ ist an den Finanzmärkten keine Ruhe eingekehrt. Nervosität und hektische Preisausschläge kennzeichnen das Tagesgeschäft. Die Angst vor einer Rezession in den Vereinigten Staaten und weiteren Schockwellen der Finanzmarktkrise ist allgegenwärtig. Große Zahlen zu den möglichen Wertverlusten aus der Finanzmarktkrise machen die Runde, und es ist klar, dass der Markt für zweitklassige amerikanische Hypotheken andere Marktsegmente angesteckt hat. Die Investoren sind in sichere Staatsanleihen geflüchtet und haben deren Rendite trotz höherer Inflation stark gedrückt. Aktien und Unternehmensanleihen leiden dagegen unter Mittelabzügen, und es ist kaum mit einer Trendwende zu rechnen, solange die Unsicherheit über die amerikanische Konjunktur und weitere Belastungen aus der Finanzmarktkrise bestehen bleibt.

Verfehlt wäre es aber, aus den aktuellen Finanzmarktturbulenzen längerfristige Krisenszenarien abzuleiten. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sprechen nicht für eine weltweite Rezession. Selbst in den Vereinigten Staaten fehlten bis zuletzt die typischen Vorboten einer längeren Konjunkturkrise: Es gab keine überzogenen Lohnsteigerungen, keine Gewinnkompression, keine geldpolitischen Bremsmanöver und keine Überinvestitionen in Lager- oder Sachkapazitäten. Was wir derzeit erleben, ist eine nachhaltige, aber nach Jahren der Euphorie und übermäßiger Risikobereitschaft von Finanzinvestoren und Kreditgebern auch notwendige Konsolidierung der Finanzmärkte.

Märkte neigen zu Übertreibungen – im Guten wie im Schlechten – und kurzfristig ist daran wenig zu ändern. Aber sie folgen auch einer inneren Logik und lösen dadurch Gegenkräfte aus. Die Kapitalmarktrenditen fallen. Zentralbanken sehen Spielräume für niedrigere Leitzinsen. Als Folge sinken die Geldmarktzinsen – eine schnelle Hilfe für hochverschuldete Privathaushalte, die, wie in Amerika, variabel verzinste Konsum- oder Hypothekenschulden haben. Das niedrige Geldmarktzinsniveau hilft auch Banken, die längerfristige Forderungen kurzfristig refinanziert haben. Und schließlich erscheinen andere Vermögenswerte bei niedrigem Zinsniveau irgendwann wieder attraktiver, und es kommt zu einem Wendepunkt.

Die Wachstumseinbußen einer Finanzmarktkorrektur hängen natürlich von ihrer Dauer und Intensität ab. Derzeit sieht es nicht danach aus, dass die Abkühlung der überhitzten Immobilienmärkte in den Vereinigten Staaten oder anderen Ländern so stark auf den Konsum der privaten Haushalte durchschlägt, dass dadurch eine längere Rezession ausgelöst würde. In Amerika werden massive Impulse der Geld- und Finanzpolitik die Inlandsnachfrage im Verlauf des Jahres vermutlich deutlich beschleunigen, wenn nicht der Ölpreis zu einem neuen Steigflug ansetzt. Welche Probleme dabei für die weitere Entwicklung der Leistungsbilanz entstehen, steht angesichts der akuten Rezessionsfurcht jetzt nicht im Vordergrund.

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24.02.2008, 21:31
Medienhäuser sichern sich die sozialen Netzwerke

ht. FRANKFURT, 24. Februar. Die Medienhäuser investieren weiter kräftig in soziale Netzwerke. Nachdem Rupert Murdoch mit seiner 580-Millionen-Dollar-Investition in MySpace die Medienunternehmer zunächst ins Staunen brachte und dann vor Neid erblassen ließ, greifen auch immer mehr deutsche Medienhäuser beherzt zu: Nachdem Holtzbrinck und Pro Sieben Sat.1 bereits vor gut einem Jahr bei den sozialen Netzwerken StudiVZ und Lokalisten eingestiegen sind, hat nun Burda sich am amerikanischen Frauennetzwerk Glam beteiligt, und RTL hat sich 49 Prozent am Netzwerk „Wer-kennt-wen.de“ gesichert. Das junge Unternehmen, gegründet von den beiden Koblenzer Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler, ist in den vergangenen Monaten vor allem in Rheinland-Pfalz sehr schnell gewachsen. Allerdings wird sich auch Wer-kennt-wen.de in Zukunft wachsender Konkurrenz gegenübersehen: StudiVZ wird in den kommenden Tagen den Start eines weiteren Netzwerkes für ehemalige Studenten verkünden. Auch der amerikanische Konkurrent Facebook wird noch in diesem Quartal auf den deutschen Markt drängen. Allerdings sind nicht alle Engagements erfolgreich: Neben dem von Bertelsmann finanzierten Netzwerk Bloomstreet hat auch United Internet mit seiner Gemeinschaft Unddu.de nicht den gewünschten Zulauf.

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24.02.2008, 21:31
Eni will Ölförderung steigern
Der italienische Konzern sichert sich Ölfelder

tp. ROM, 24. Februar. Der italienische Öl- und Gaskonzern Eni SpA, mit der Benzinmarke Agip, steckt sich bis 2011 Ziele, die ganz und gar nicht zu den derzeit verbreiteten düsteren Szenarien vom Versiegen des Öls und von dauerhaften Rekordpreisen passen: Die Öl- und Gasförderung lag im vergangenen Jahr bei täglich 1,74 Millionen Barrel Öl oder Öläquivalenten (ein Barrel sind 159 Liter). Sie soll bis 2011 auf 2 Millionen Barrel steigen und damit um durchschnittlich 4,5 Prozent im Jahr.

Dabei rechnet Eni damit, dass bis 2011 die in der Bilanz aufgeführte Laufzeit der Ölreserven (derzeit für eine Förderung von elf Jahren) konstant bleibt. Die geförderten Mengen an Öl und Gas können nach Angaben von Eni durch die Erschließung neuer Felder sowie durch Zukäufe von Ölunternehmen und Anteilen an Förderprojekten ersetzt werden. Eni geht davon aus, dass die wachsende Ölförderung auch der anderen Anbieter in der Branche die Ölpreise wieder sinken lässt. Dem Strategieplan von Eni liegt für 2008 ein Durchschnittspreis von 64 Dollar für ein Barrel Nordseeöl („Brent“) zugrunde, für 2011 ein Preis von 55 Dollar je Barrel.

Im vergangenen Jahr wurde Eni Betreiber in Öl- und Gasfeldern in Sibirien, Alaska und Kongo und erwarb zudem weitere Beteiligungen an Ölreserven der russischen Gasprom, von Feldern in Turkmenistan, Mexiko und Angola. In Algerien und Libyen wurden Verträge als Öl- und Gasförderer verlängert. Zuletzt hat Eni zu Jahresbeginn Förderverträge mit Kasachstan für das Kaspische Meer neu verhandelt. Dort müssen die Italiener mit Beginn der Förderaktivitäten nun ihre Rolle als alleiniger Betreiber der Felder aufgeben, doch zeigt sich Eni nach außen hin zufrieden mit der Aussicht auf jahrzehntelangen Zugang zu Vorkommen, die denen von ganz Norwegen entsprechen. Zuletzt hat Eni den kleinen britischen Ölförderer Burren Energy übernommen. Im Jahr 2007 wurden insgesamt 4 Milliarden Barrel an Ölreserven oder Öläquivalenten hinzugekauft, 1,1 Milliarden Barrel bei Explorationsprojekten gefunden.

Als bewiesene, bilanzierbare Reserven gibt Eni derzeit 7,1 Milliarden Barrel Öläquivalente an. Rechne man die wahrscheinlichen Reserven hinzu, ergeben sich 14 Milliarden Barrel, mit denen Eni die bisherige Öl- und Gasförderung 22 Jahre lang aufrechterhalten könne. Die Prognosen einschließlich zusätzlicher Exploration in den bisherigen Feldern ergeben, dass selbst der Wert der wahrscheinlichen Reserven für eine Förderdauer von 43 Jahren noch einmal verdoppelt werden könne. Die Investitionen für die Exploration und Erschließung von Öl- und Gasfeldern will Eni im Vierjahresplan 2008 bis 2011 auf 33,5 Milliarden Euro erhöhen, 19 Prozent mehr als im letzten Strategieplan für 2007 bis 2010.

Robuste Perspektiven vor allem für die Öl- und Gasförderung sowie für den Gasvertrieb in Italien und im benachbarten Ausland sind für Eni-Chef Paolo Scaroni wichtig, weil gerade in diesem Frühjahr die Verlängerung seines Dreijahresvertrages als Chief Executive des Unternehmens ansteht. Weil Eni direkt und indirekt zu 30,2 Prozent vom italienischen Staat kontrolliert wird, war bis vor einigen Monaten nicht sicher, ob die Mitte-links-Regierung von Romano Prodi den Eni-Chef bestätigen würde oder ob der Ministerpräsident lieber einen Gefolgsmann installieren wollte. Nach dem Sturz der Regierung sind solche brüsken Eingriffe unwahrscheinlich geworden.

Die Eni-Spitze versucht indessen mit der Bilanz 2007 zu glänzen, die einen Rekordgewinn von 10,4 Milliarden Euro (plus 9 Prozent) aufweist, bei einem um 1,2 Prozent auf 87,2 Milliarden Euro gewachsenen Umsatz. Vom Nettogewinn – er beträgt 7,07 Euro je Aktie – sollen 1,30 Euro als Dividende ausgeschüttet werden und damit 4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Allerdings sind weitere Details der Gewinnrechnung nicht ganz so rosig: Der höhere Nettogewinn ist vor allem auf Steuereffekte zurückzuführen.

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24.02.2008, 21:31
Börsengang von Evonik rückt in die Ferne
Die ehemalige RAG galt in Börsenkreisen als sicherer Kandidat für eine Mitgliedschaft im Dax, dem Leitindex des deutschen Aktienmarktes. Doch die Krise an den Finanzmärkten drückt den Erlös, den die Eigentümer aus einer Verwertung erwarten können. Die RAG-Stiftung will statt dessen nun die Preis. vorstellungen von Finanz- investoren und Beteiligungs- gesellschaften prüfen.

St. DÜSSELDORF, 24. Februar. Auf die Aktie des Dax-Kandidaten Evonik Industries AG warten interessierte Anleger in diesem Jahr vergeblich. Angesichts der Finanzmarktkrise ist der im vergangenen Jahr nach zweijährigem politischen Ringen beschlossene Börsengang im Jahr 2008 vom Tisch. Der aus dem Steinkohlekonzern RAG abgespaltene Essener Chemie-, Energie- und Immobilienkonzern mit 43 000 Beschäftigten und einem Umsatz von etwa 15 Milliarden Euro würde gegenwärtig am Kapitalmarkt fast ein Drittel weniger einbringen als im vergangenen Jahr kalkuliert, heißt es aus Beraterkreisen des Evonik-Eigentümers, der RAG-Stiftung.

Als im Frühsommer der heftige politische Streit um das Stiftungs-Börsenmodell beigelegt werden konnte, hatten Gutachter den Unternehmenswert von Evonik auf mindestens 5 Milliarden Euro veranschlagt. Aus den Verkaufserlösen sollen vom Jahr 2019 an die sogenannten Ewigkeitslasten des Bergbaus zum Beispiel für die Wasserhaltung in den stillgelegten Zechen finanziert werden.

„Wir bereiten uns unverändert auf einen Börsengang im ersten Halbjahr vor. Für die Festlegung des genauen Zeitpunktes berücksichtigen wir natürlich auch das Kapitalmarktumfeld“, sagte zwar Evonik-Sprecherin Barbara Müller am Sonntag auf Anfrage. Aber die für die Zukunft des Essener Unternehmens Verantwortlichen sind konkreter. „Evonik ist ein sehr wertvolles Unternehmen, viel zu wertvoll, um verscherbelt zu werden“, hatte zwei Tage zuvor Wilhelm Bonse-Geuking, Stiftungschef und Vorsitzender des Evonik-Aufsichtsrates, in Bochum vor Betriebsräten erklärt.

„Nichts treibt uns“, sagte ebenfalls am Freitag Hubertus Schmoldt, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), vor der Presse in Haltern am See bei Recklinghausen. Der geplante Börsengang sollte nicht überhastet stattfinden. Die Aktien dürften nur zu einem guten Preis abgegeben werden. Anfang Februar war Schmoldt, der im Stiftungskuratorium die Arbeitnehmerinteressen vertritt, vor Betriebsräten weiter gegangen. Er hatte im Augenblick einen Beteiligungsverkauf an Investoren als vorteilhafter bezeichnet. Denn wenn man jetzt Aktien im Publikum an der Börse plaziere, entstehe ein Handlungsdruck, der für die langfristigen Perspektiven ungünstig sei. Er hoffe, es gelinge der Stiftung, den passenden Partner zu finden, der die Finanzkraft des Unternehmens stärkt und seinen Ausbau ermöglicht.

Die Stiftung befindet sich in einem Dilemma. Bundestag und Bundesrat haben im zweiten Halbjahr 2007 ein Gesamtkonzept beschlossen, das sich anstelle der lange umstrittenen Einzelverwertung der industriellen Geschäfte auf einen Börsengang stützt. Dabei ist allerdings für bis zu einem Drittel des Eigenkapitals der Verkauf an einen oder einzelne Investoren zulässig. Betriebswirtschaftlich ist der vom früheren RAG-Chef Werner Müller geführte Evonik-Konzern zwar auf gutem Kurs. Vor allem die Chemie-Sparte verbessert in florierender Weltkonjunktur ihre Erträge, aber auch das Stromgeschäft läuft gut. Nur der richtige Zeitpunkt am Kapitalmarkt wurde verpasst.

Zum Zeitverlust hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) einiges beigetragen. In seinem Kampf gegen den parteilosen, aber der SPD nahestehenden früheren Bundeswirtschaftsminister Müller, den Architekten des Stiftungs- und Börsenkonzept für den heimischen Steinkohlenbergbau, setzte Rüttgers für sein Bundesland zwar niedrigere Subventionen für den Steinkohlenbergbau durch. Aber nun muss er auf die Maximierung der Verkaufserlöse für Evonik achten. Denn wenn die Ewigkeitslasten irgendwann nicht mehr von der Stiftung finanziert werden könnten, müsste in erster Linie Nordrhein-Westfalen einspringen. So ist es nicht verwunderlich, dass neuerdings auch aus Rüttgers’ Umfeld Hinweise auf die Vorteile eines Investors anstelle eines Börsengangs kommen.

Bei diesen unmissverständlichen Signalen aus den Gremien dürfte die offizielle Verschiebung des Börsengangs nur noch eine Frage von Tagen sein. Nach Informationen dieser Zeitung will die Stiftung nun bis Ende April in konkreten Gesprächen mit potentiellen Investoren deren Preisvorstellungen ausloten. Dazu zählt die Prominenz der Eigenkapitalfinanziers und Beteiligungsfonds, angefangen bei KKR über Blackstone bis Bain Capital.

GvD.news
24.02.2008, 21:31
Rettungsplan für Ambac erwartet

NEW YORK, 24. Februar (Reuters). Ein Rettungsplan für den im Zuge der Finanzkrise unter Druck geratenen amerikanischen Anleiheversicherer Ambac ist offenbar in greifbare Nähe gerückt. Das Paket könnte am Montag oder Dienstag präsentiert werden, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die „New York Times“ berichtete am Samstag, Ambac wolle sich in zwei Unternehmen spalten und hoffe auf eine Kapitaleinnahme von 3 Milliarden Dollar (2 Milliarden Euro). Ambac droht infolge der Kreditmarktkrise ein milliardenschwerer Verlust und der Entzug der Top-Ratings. Erste Berichte über einen nahenden Durchbruch bei dem Rettungsplan hatten die amerikanischen Börsen zum Wochenschluss beflügelt.

Zwar gelte eine Einigung noch nicht als sicher, aber die Verhandlungen mit den Banken machten Fortschritte, verlautete aus den Kreisen am Freitag weiter. Zu den Geldhäusern zählen neben der Dresdner Bank des deutschen Allianz-Konzerns die Citigroup, UBS, Société Générale, Barclays, BNP Paribas, Royal Bank of Scotland und Wachovia.

Als am Freitag erste Berichte über den wohl bevorstehenden Durchbruch bei Ambac die Wall Street erreichten, drehte der Dow-Jones-Index ins Plus und schloss 0,8 Prozent fester. Die Ambac-Aktie schoss 16 Prozent in die Höhe. Möglicherweise werde Ambac eine ähnliche Strategie verfolgen wie die ebenfalls in den Strudel der Hypothekenkrise geratenen Konkurrenten MBIA und FGIC, hieß es in den Kreisen weiter. Die beiden anderen Bondversicherer haben bereits angekündigt, ihre Sparte der amerikanischen Kommunalanleihen abzuspalten.

GvD.news
24.02.2008, 21:32
Russland schirmt weitere Branchen ab

MOSKAU, 24. Februar. Die russische Regierung hat offenbar die Liste der „strategisch“ wichtigen Branchen erweitert. Die Liste ist Teil eines lang erwarteten Gesetzes, in dem der Zugang von ausländischen Investoren geregelt werden soll. Im neuen Entwurf sind nach der Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ auch die elektronischen Medien Fernsehen und Radio, die Telekommunikationsbranche sowie der industrielle Fischfang aufgeführt. Im bisherigen Entwurf des Investitionsgesetzes war vorgesehen gewesen, insgesamt 39 Branchen als „strategisch“ zu definieren, darunter Rüstung, Raumfahrt und Chiffriertechnik sowie Flugzeugbau, die Kernkraftindustrie, „natürliche Monopole“ (wie die Eisenbahn) und die Entwicklung und Verarbeitung von militärisch bedeutenden Metallen. Ausländischen privaten Unternehmen soll es künftig nur mehr möglich sein, in Unternehmen dieser Branchen zu investieren, wenn nicht mehr als 50 Prozent des Kapitals des „strategischen“ Unternehmens angestrebt werden. Für staatlich kontrollierte, ausländische Gesellschaften liegt die Höchstgrenze bei 25 Prozent. Ausnahmegenehmigungen kann eine Staatskommission erteilen, die auch die Empfehlungen des Inlandsgeheimdienstes FSB berücksichtigt. Ursprünglich wollte man das Gesetz bis Ende 2007 beschließen. Hitzige Diskussionen führten zu einer Verschiebung der Entscheidung über das Gesetz in den März.

GvD.news
24.02.2008, 21:32
Energiekonzerne werden wohl nicht aufgespalten
EU-Kommission bewegt sich / Deutscher Vorschlag jedoch nicht ausreichend

hmk. BRÜSSEL, 24. Februar. Die Europäische Kommission bewegt sich in der Debatte über eine stärkere Trennung von Energieerzeugung und Netzbetrieb auf die Bundesregierung zu. Wie aus einem Papier der EU-Behörde hervorgeht, stellt sich die Kommission nicht mehr strikt gegen den von Deutschland, Österreich und sechs weiteren Staaten angeregten „dritten Weg“ zur Schaffung von mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt. Zwar sei das Konzept in der von diesen Staaten ausgearbeiteten Form nicht akzeptabel. Unter bestimmten Bedingungen könne der „dritte Weg“ aber eine Option neben der von der Kommission bevorzugten Aufspaltung von Konzernen sein, die Produktion und Netzbetrieb unter einem Dach vereinen. Ein Sprecher von Energiekommissar Andris Piebalgs bestritt, dass sich die Behörde dem deutschen Widerstand beuge. Die Energieminister beraten am Donnerstag in Brüssel wieder über den Vorschlag.

Ursprünglich wollte die Kommission nur die Wahl zwischen zwei Modellen lassen: der eigentumsrechtlichen Trennung von Energieproduktion und Netz sowie der Übertragung der Überlandnetze an einen unabhängigen Betreiber. Nach diesem Modell dürften Konzerne wie Eon, RWE oder EnBW zwar ihr Netz behalten, müssten aber die Kontrolle darüber an einen anderen Konzern abgeben. Piebalgs will so verhindern, dass der Mutterkonzern sein Netz missbraucht, um der Konkurrenz den Marktzugang zu erschweren.

Deutschland, Frankreich, Österreich und einige andere Staaten halten einen solchen Eingriff für überzogen. Sie hatten Anfang Januar ein eigenes Konzept für eine stärkere Marktöffnung vorgelegt. Es baut auf der schon von der EU vorgeschriebenen rechtlichen Trennung von Produktion und Netz innerhalb von Energiekonzernen auf. Um die Unabhängigkeit des Netzbetreibers zu stärken, soll dieser nach dem Vorschlag nicht mehr nur rechtlich, sondern auch personell und räumlich vollständig vom Mutterkonzern getrennt werden. Dieser könnte den Vorstandsvorsitzenden des Netzbetreibers nur mit Zustimmung der nationalen Regulierungsbehörde ernennen. Der Vorstand dürfte keine Weisungen vom Mutterkonzern erhalten. Der Vorsitzende dürfte nach seinem Vertragsende erst nach drei Jahren wieder eine Tätigkeit in anderen Teilen des Konzerns übernehmen.

Die Kommission knüpft die Zustimmung zu diesem Konzept jetzt an weitere Auflagen. Voraussetzung sei, dass die nationalen Regulierungsbehörden hohe Geldstrafen verhängen dürfen, wenn der Netzbetreiber den Mutterkonzern beim Zugang zu den Übertragungsnetzen in irgendeiner Form begünstigt. Außerdem soll der Mutterkonzern keinen direkten Einfluss auf die Besetzung der Führung des Betreibers haben. Er soll aber in Absprache mit den nationalen Regulierungsbehörden einen unabhängigen Treuhänder ernennen können, der die Interessen des Konzerns im Aufsichtsrat wie auf der Jahreshauptversammlung vertreten soll. Der Mutterkonzern soll ein Veto gegen Netzinvestitionen aussprechen können. Die Regulierungsbehörde soll nach dem Papier dann aber den Netzbetreiber zwingen können, die Investitionen dennoch zu tätigen und diese durch Dritte oder eine Kapitalerhöhung zu finanzieren.

Nach Angaben von Piebalgs’ Sprecher dient das neue Papier dazu, einen Kompromiss zu finden. Piebalgs habe den Vorschlag der acht Mitgliedstaaten als konstruktiven Beitrag bezeichnet. Letztlich müssten aber die Mitgliedstaaten und das Parlament entscheiden. Die slowenische Ratspräsidentschaft will beim Treffen der Energieminister am Donnerstag einen eigenen, ähnlichen Vorschlag vorstellen. Weil acht Staaten gegen die ursprünglichen Vorschläge seien, komme man nur voran, wenn deren Vorstellungen berücksichtigt würden, sagte ein Sprecher der Ratspräsidentschaft. Eine Entscheidung soll in dieser Woche nicht fallen. Ob sich der „dritte Weg“ am Ende durchsetzt, gilt als unsicher. Besonders die britische Regierung beharrt auf einer Aufspaltung der Energiekonzerne.

GvD.news
24.02.2008, 21:33
CDU bleibt stärkste Kraft in Hamburg
Mit Beust mehr als 40 Prozent / Leichte Gewinne für die SPD / Linkspartei in der Bürgerschaft

F.A.Z. HAMBURG, 24. Februar. Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg ist die CDU mit Abstand stärkste Kraft geworden; sie konnte allerdings ihre absolute Mehrheit nicht verteidigen. Nach ersten Hochrechnungen erhielt die Partei des Hamburger Ersten Bürgermeisters Ole von Beust mehr als 42 Prozent. Die SPD, für die der beurlaubte „Zeit“-Herausgeber und frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann als Spitzenkandidat antrat, verbesserte ihren Stimmenanteil demnach von 30 Prozent im Jahr 2004 auf knapp 34 Prozent. Die Grünen, die sich in Hamburg Grün-Alternative Liste (GAL) nennen, erreichten nach den Hochrechnungen gut neun Prozent und lagen damit deutlich vor der Partei „Die Linke“. Diese erreichte demnach mit gut sechs Prozent ein schlechteres Ergebnis als lange erwartet, ist aber wie seit den Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen im Januar nun auch in der Hamburger Bürgerschaft vertreten. Für die FDP war der Wahlabend zunächst mit der Ungewissheit verbunden, möglicherweise abermals an der Fünf-Prozent-Klausel gescheitert zu sein. Sie lag nach den Nochrechnungen bei fünf Prozent. Die Wahlbeteiligung ging nach Prognosen von knapp 69 bei der vergangenen Wahl 2004 auf etwa 63 Prozent zurück.

Die Union wertete das Ergebnis als klaren Regierungsauftrag für Beust. CDU-Generalsekretär Pofalla sprach von einem „historisch guten“ Ergebnis. Der CDU-Landesvorsitzende Michael Freytag sagte im ZDF-Fernsehen: „Wir sind die Nummer eins, und Rot-Grün ist in Hamburg nicht gewollt.“ Die Bürger wollten Ole von Beust als Ersten Bürgermeister behalten. Naumann sagte, die absolute Mehrheit des Beust-Senats sei „weg“, die Sozialdemokratie in Hamburg sei „wieder da“. Die Grünen-Landesvorsitzende, Anja Hajduk, gestand ein, das Wahlziel, eine rot-grüne Mehrheit zu erreichen, „verfehlt“ zu haben. Zu einer schwarz-grünen Mehrheit äußerte sie sich auf Nachfrage ausweichend. Auch Grünen-Vorsitzende Bütikofer vermied eine klare Aussage. Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Krista Sager, sagte: „Wir werden nicht diejenigen sein die sagen, wir reden mit niemandem.“ Der Hamburger SPD-Fraktionsvorsitzende Neumann, sagte im NDR, die CDU habe ihre absolute Mehrheit verloren und die SPD habe mit etwa 4 Prozentpunkten deutlich hinzugewonnen. Zu den Äußerungen des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck zur Regierungsbildung in Hessen wollte sich Neumann nicht äußern.

Aus Berlin hieß es am Abend, das SPD-Präsidium wolle am Montag beschließen, dass die Landesverbände der SPD eigenständig über eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei entscheiden sollten, die Bundespartei jedoch bei ihrem Nein bleibe. Nur wenige Tage vor der Wahl hatten Äußerungen Becks und der Streit darüber den Wahlkampf der Hamburger Sozialdemokraten irritiert. Bei einem Treffen mit Naumann in einem Hamburger Restaurant hatte Beck den Eindruck erweckt, als erwäge er doch, die hessische SPD-Vorsitzende und Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl im Januar, Ypsilanti, Anfang April im Landtag antreten zu lassen. Sie könnte dann mit den Stimmen der Linkspartei zur Ministerpräsidentin gewählt werden. Freytag, hatte vor einem „Geheimplan“ gewarnt, der laute: „Nach der Hamburg-Wahl ist der Weg frei für Linksfront-Regierungen in Hessen und in der Hansestadt.“ Auch aus der Hamburger SPD, die der Streit über die Äußerungen Becks zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt getroffen hatte, war Kritik am Vorgehen des Parteivorsitzenden laut geworden. Naumann hatte am Freitag abermals jede Zusammenarbeit mit der Linkspartei von sich gewiesen: „Für die Freunde der Linkspartei sage ich es so, dass auch ihre Genossen aus der alten DKP und die Freunde von Frau Wegner aus Niedersachsen es verstehen: Njet“.

Rund 1,24 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, die neue Bürgerschaft und sieben Bezirksversammlungen zu wählen. Erstmals wurde nach einem neuen Wahlgesetz abgestimmt. Gab es bislang nur eine Stimme jeweils für Bürgerschaft und Bezirksversammlung, so waren es am Sonntag jeweils sechs, insgesamt also für jeden Wähler zwölf Stimmen. Erstmalig wurden auch siebzehn Wahlkreise eingeführt. Die Bürgerschaft hatte in den vergangenen Wochen mit einer großangelegten Kampagne unter dem Motto „Wirf deine Stimme nicht weg“ über das neue Wahlrecht informiert und die Wähler mit Musterstimmzetteln ausgerüstet. Für viele Hamburger hatte sich nicht nur der Wahlvorgang selbst verändert; sie mussten auch ein anderes Wahllokal als früher aufsuchen, da sich auch der Zuschnitt der Wahlbezirke teilweise geändert hat. Ein vorläufiges amtliches Endergebnis wird es erst am Mittwoch geben können. In der Zeit bis dahin müssen die Stimmzettel in einem aufwendigen Verfahren bewacht werden.

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25.02.2008, 22:19
Centrotherm begeistert die Anleger
Aktienkurs steigt um 6 Prozent / Gewinn verdoppelt

stt. FRANKFURT, 25. Februar. Der Kurs der Aktien von Centrotherm ist am Montag gleich zu Börsenbeginn um mehr als 6 Prozent nach oben geschossen. Er profitierte damit von der Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen für 2007. Das Unternehmen hat eindrucksvoll die Erwartungen bestätigt, insbesondere, was die Gewinne angeht.

Marktteilnehmer äußerten sich am Montag sehr positiv zu dem Zahlenwerk. So sind die Ergebnisse für 2007 einem Analysten zufolge „viel besser als erwartet“ ausgefallen. Sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe Centrotherm die Marktschätzungen deutlich übertroffen. Das Ergebnis wuchs gegenüber dem Vorjahr von gut 11 Millionen auf 21 Millionen Euro, und der Umsatz stieg um 53 Prozent auf 166 Millionen Euro. Laut einem Börsianer dürfte die Solartechnikgesellschaft damit 2007 auf Basis der Gesamtproduktion eine Ebit-Marge von 12,5 Prozent erwirtschaftet haben.

Einem Händler zufolge dürfte nun der Ausblick auf das Jahr 2008 ausschlaggebend für die weitere Entwicklung der Aktien von Centrotherm sein. Die endgültigen Zahlen werden am 31. März 2008 vorgelegt. Dann will das Unternehmen auch eine Prognose für 2008 veröffentlichen. „2007 war für uns ein sehr gutes Jahr, in dem wir wichtige strategische Ziele erreicht haben“, sagte Finanzvorstand Oliver Albrecht. Mit dem Kapital aus dem Börsengang im Jahr 2007 könne Centrotherm die Expansionsstrategie in den Geschäftsbereichen Solarzelle und Solarsilizium konsequent weiterverfolgen. „Durch die gestiegene Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit konnten wir uns verstärkt als attraktiver Arbeitgeber positionieren und einige Top-Technologen für uns gewinnen“, sagte Albrecht. Insbesondere in den noch jungen Technologien Dünnschicht und Silizium sei das ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Centrotherm will sein Firmennetz weltweit ausbauen und mehr forschen. Schon heute habe das Unternehmen davon einiges umgesetzt: Neben der Gründung weiterer Tochtergesellschaften entsteht am Firmensitz in Blaubeuren derzeit ein weiteres Forschungs- und Entwicklungszentrum, das unter anderem ein Dünnschicht-Labor und eine Pilot-Fertigung enthält.

Dort wird mit moderner Technik und Geräteausstattung entwickelt und getestet, um die Effizienz der Fertigungslinien von Centrotherm Photovoltaics weiter zu steigern und das Technologie-Knowhow der Gesellschaft weiter auszubauen. Finanzvorstand Albrecht sagte: „Unser Jahresergebnis belegt den Erfolg unserer Strategie und dass wir in der Lage sind, die Potentiale des weltweiten Wachstumsmarktes Photovoltaik zu verwirklichen.“

Alle Anlagenbauer profitieren derzeit, weil neue Wettbewerber in den Markt eintreten. Es wird bald wesentlich einfacher werden, Solarzellen zu produzieren – dank immer besserer, effizienterer und schlüsselfertiger Maschinen. Das setzt auch die etablierten Solarunternehmen unter Druck.

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25.02.2008, 22:19
Ungarn gibt Wechselkurs frei

ela. WIEN, 25. Februar. Ungarn gibt den Wechselkurs für die Landeswährung Forint an diesem Dienstag frei. Dies hat die Notenbank MNB am Montag entschieden. Die Aufhebung der zum Euro fixierten Wechselkursspanne des Forint solle die Notenbank bei ihrem Ziel, unterstützen, Preisstabilität über einen längeren Zeitraum hinweg zu gewährleisten, sagte eine Sprecherin. Seit Mai 2001 konnte der Forintkurs um eine feste Wechselkursparität von zuletzt 282,36 Forint je Euro um 15 Prozent nach oben oder unten schwanken. Auf die Ankündigung hin wertete die ungarische Währung am Montag auf. Für einen Euro mussten am späten Nachmittag 261,80 Forint gezahlt werden, nach 265,10 Forint am Freitag. Den Leitzins beließ die MNB am Montag unverändert bei 7,50 Prozent. Damit bietet Ungarn nach wie vor die höchste Risikoprämie in der Region. Die Nationalbank bezeichnete die Freigabe des Wechselkurses als wichtigen Schritt auf dem Weg zum Euro. Erhofft wird, dass eine Aufwertung des Forint Importgüter verbilligt und so die Inflation dämpft. Diese betrug im vergangenen Jahr 8 Prozent; mittelfristig wird eine Rate von 3 Prozent angestrebt.

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25.02.2008, 22:19
Amerika unterstützt IWF-Goldverkäufe

nks. NEW YORK, 25. Februar. Das Finanzministerium der Vereinigten Staaten will im Gegensatz zu seiner bisherigen Haltung Verkäufe von Gold aus den Reserven des Internationalen Währungsfonds (IWF) befürworten. Die Goldverkäufe müssten allerdings Teil weitergefasste Kostensenkungen sowie anderer Reformen des IWF sein. Das sagte David McCormick, der in der amerikanischen Regierung für internationale Angelegenheiten zuständig ist. McCormick kündigte gegenüber Journalisten in Washington an, dass das Finanzministerium die Veräußerung von rund 8 Prozent der IWF-Reserven als Teil eines Reformpakets unterstützen will. Der Erlös solle dann in einen Stiftungsfonds fließen, mit dem der IWF seinen Betrieb finanzieren könne. McCormick sagte zudem, dass der IWF sich zukünftig stärker auf die Überwachung internationaler Wechselkurse sowie auf die Stabilität des globalen Finanzsystems konzentrieren solle. Die traditionelle Aufgabe des IWF, die Vergabe von Darlehen an Schwellenländer, müsse keine so große Rolle mehr spielen, da diese Volkswirtschaften sich zunehmend über internationale Finanzmärkte refinanzieren können.

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25.02.2008, 22:20
Leipziger Erwachen

Bis gestern durften viele Messegesellschaften davon träumen, die attraktive Videospielmesse Games Convention vom kommenden Jahr an zu organisieren. Eine große Messe wird selten neu vergeben. Für Köln wird der Traum wahr. Für die Messegesellschaft, die genug Albträume hinter sich hat von der Vakanz im Vorsitz der Geschäftsführung über das Wegbleiben der Küchenhersteller von der Möbelmesse bis hin zur fast toten Hausgerätemesse Domotechnica, ist das ein schönes Erwachen. Für München war der Traum als Standort der Videospielmesse schon ausgeträumt, als sich CSU-Politiker gegen Gewaltvideos stark machten. Unsanft ist Frankfurt aus seinem Traum aufgewacht. Glaubte man doch, alles zu haben, was Leipzig nicht hat: Hotels, eine günstige Verkehrsanbindung und eine zentrale Lage. Frankfurt muss schnell wach werden und für den Wegfall seiner Herbstmesse einen anderen Ersatz finden. Die Messe Leipzig aber ist am härtesten in der Wirklichkeit aufgeschlagen. Für sie war mit der Games Convention die Hoffnung verbunden, in absehbarer Zeit unter den großen Messeplätzen mitspielen zu können. Dieser Traum der Messegesellschaft ist für lange Zeit ausgeträumt. Leipzig bleibt ein regionaler Messeplatz.

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25.02.2008, 22:20
GPC verschärft den Sparkurs
Biotechunternehmen baut nochmals Stellen ab

pso. FRANKFURT, 25. Februar. Das Münchener Biotech-Unternehmen GPC Biotech verringert seine Kosten noch einmal deutlich. Wie aus einer Unternehmensmitteilung hervorgeht, werden 38 der zur Zeit noch rund 100 Stellen gestrichen. Danach wird GPC 49 Mitarbeiter in Princeton und 14 in Martinsried bei München beschäftigen. Außerdem scheiden zwei der vier Vorstandsmitglieder aus. Dabei handelt es sich um die beiden Mitgründer Elmar Maier und Sebastian Meier-Ewert, die GPC als Berater verbunden bleiben sollen.

Der verschärfte Sparkurs soll das Überleben des angeschlagenen Biotechwertes in den kommenden drei Jahren sichern helfen. Grundlage hierzu sind Finanzmittel von 65 Millionen Euro zum Jahresende 2007, die damit um 5 Millionen Euro höher lagen als zuvor veranschlagt. Der Aktienkurs von GPC stieg nach Veröffentlichung der Kostensenkungsbeschlüsse vorübergehend um fast 10 Prozent, fiel dann aber wieder etwas zurück.

Das Unternehmen, das noch kein Medikament bis zur Marktreife geführt hat, hatte im Sommer 2007 einen herben Rückschlag erlitten, als die Zulassung des Krebsmittels Satraplatin in den Vereinigten Staaten scheiterte. Damals zählte GPC noch mehr als 300 Mitarbeiter. In Europa wird die Zulassung von Satraplatin aber weiterhin angestrebt, unter anderem mit neuen Studien. Zu den Geldgebern zählt seit 2007 auch der SAP-Mitgründer Dietmar Hopp.

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25.02.2008, 22:20
Stromkrise treibt den Goldpreis
Produktionsausfälle und Stellenstreichungen in Südafrika

clb. JOHANNESBURG, 25. Februar. Südafrikas Bergbauunternehmen sehen sich von der Stromkrise im Land schwer getroffen. Gold Fields, der viertgrößte Goldproduzent der Welt, kündigte am Montag einen Produktionsrückgang von bis zu 25 Prozent im laufenden Quartal an. Mehrere Bergwerksschächte müssten vorübergehend geschlossen werden, 6900 von 53 000 Arbeitsplätzen seien gefährdet. Die Engpässe in der Stromversorgung hätten eine „beträchtliche Krise in der südafrikanischen Bergbaubranche ausgelöst“, sagte Terence Goodlace, der Chef des Südafrika-Geschäfts von Gold Fields. „Es ist paradox, dass wir die Produktion reduzieren müssen, während der Goldpreis auf Rekordniveau steigt.“

Auch der südafrikanische Konkurrent Harmony, der fünftgrößte Goldproduzent der Welt, befürchtet Einbußen. Die wichtige Elandsrand-Mine war 2007 wegen eines Unfalls und Reparaturarbeiten 44 Tage geschlossen. Mehr als 3000 Minenarbeiter waren dort im Oktober mehr als 24 Stunden lang unter Tage eingeschlossen. Nach Unternehmensangaben sorgte dies für einen Produktionsausfall von 1177 Kilogramm Gold.

Der staatliche Versorger Eskom kann seit Beginn des Jahres die Stromnachfrage in Südafrika nicht mehr vollständig bedienen. Stromausfälle stehen seither an der Tagesordnung. Im vergangenen Monat wurden die größten Gold- und Platinminen wegen der Engpässe fünf Tage lang geschlossen. Derzeit beliefert Eskom die Minenunternehmen mit 90 Prozent der früheren Strommenge. Ein Ende der Rationierungen ist laut Gold Fields bis 2012 nicht in Sicht.

Die Produktionsschwierigkeiten in Südafrika treiben die Preise für Edelmetalle an den Weltmärkten auf Rekordniveau. Am Donnerstag erreichte der Goldpreis einen neuen historischen Höchststand. Auch die Preise für Platin und Kupfer stiegen kräftig.

Wie Gold Fields weiter mitteilte, sollen Entlassungen vermieden werden. Stattdessen erwäge das Unternehmen Frühverrentungen, Abfindungsangebote und Versetzungen. Gleichzeitig investiere der Konzern 200 Millionen Rand, umgerechnet 17 Millionen Euro, in eine eigene Stromversorgung, um bei Ausfällen die Sicherheit seiner Mitarbeiter zu gewährleisten.

Harmony und der südafrikanische Marktführer Anglo Gold Ashanti rechnen ihrerseits derzeit nicht mit Arbeitsplatzverlusten. Harmony werde zwar ebenfalls mehrere Schächte schließen. Die betroffenen Minenarbeiter würden jedoch andernorts eingesetzt, sagte der Harmony-Vorstandsvorsitzende Graham Briggs der Nachrichtenagentur Reuters. Anglo Gold Ashanti erwartet in diesem Jahr eine um 3 Prozent geringere Produktion als 2007. „Wir planen keine Entlassungen, können aber auch keine Stellengarantien abgeben“, sagte ein Sprecher.

Südafrikas größte Minenarbeiter-Gewerkschaft NUM kündigte derweil Straßenproteste an, sollte Beschäftigten wegen der Energiekrise gekündigt werden. Die Organisation forderte ein Treffen der Unternehmen mit Eskom und der Regierung. Finanzminister Trevor Manuel hatte bereits in der vergangenen Woche eine Finanzhilfe für Eskom von umgerechnet 5 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren angekündigt.

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25.02.2008, 22:20
Ende der Rekordserie für die Münchener Rück
Nach einem weiteren Rekordgewinn machen dem zweitgrößten Rückversicherer der Welt sinkende Preise und turbulente Kapitalmärkte zu schaffen.

theu. MÜNCHEN, 25. Februar. Die Münchener Rück rechnet für 2008 mit einem kräftigen Gewinnrückgang. Die Rahmenbedingungen seien wegen eines wachsenden Preisdrucks in der Rückversicherung und den Verwerfungen am Kapitalmarkt schwieriger geworden, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard am Montag auf der Bilanzpressekonferenz des Finanzkonzerns in München. Der zweitgrößte Rückversicherer der Welt erwartet für das laufende Jahr deshalb einen Konzerngewinn von lediglich 3,0 bis 3,4 Milliarden Euro.

2007 hat die Münchener Rück dagegen wie berichtet mit einem Nettoergebnis von rund 4 Milliarden Euro den vierten Rekordgewinn in Folge eingefahren. (F.A.Z. vom 31. Januar). Der Konzern profitierte dabei allerdings von hohen Sondergewinnen durch die Senkung der Unternehmenssteuern in Deutschland. Die im Deutschen Aktienindex Dax geführte Aktie der Münchener Rück legte am Montag im Handelsverlauf um 1,8 Prozent auf 118,68 Euro und damit stärker als der Gesamtmarkt zu.

Mit Blick auf die schwelende Finanzkrise, die auch zahlreiche internationale Versicherer hart getroffen hat, gab der Konzern abermals Entwarnung. „Es gibt keine Hiobsbotschaften von uns“, sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. Im Geschäft mit bonitätsschwachen amerikanischen Hypothekenanleihen (Subprime) musste die Münchener Rück 2007 lediglich 166 Millionen Euro abschreiben. Das Unternehmen habe insgesamt nur rund 340 Millionen Euro in solche Geschäfte investiert.

Auch das Bild bei den strukturierten Finanzprodukten insgesamt sei „völlig unproblematisch“, versicherte Schneider. Die Münchener Rück ist damit bisher deutlich besser durch die Krise gekommen als etwa der Hauptkonkurrent Swiss Re, der bereits im November weit höhere Wertberichtigungen melden musste. Bomhard rechnet außer bei Banken auch bei Versicherungen mit weiterem Abschreibungsbedarf durch die Finanzkrise. „Da mag noch etwas kommen“, sagte er.

Im Rückversicherungsgeschäft, in dem der Konzern den Großteil seiner Gewinne erzielt, bläst der Münchener Rück allerdings zunehmend Gegenwind ins Gesicht. „Die Margen und Konditionen sind etwas unter Druck geraten“, räumte Vorstandschef Bomhard ein. Das Unternehmen rechnet deshalb für 2008 mit einer schlechteren versicherungstechnischen Rentabilität: Die Schaden-Kosten-Quote (Combined Ratio) werde sich in der Sachrückversicherung voraussichtlich auf 98 Prozent verschlechtern, kündigte Bomhard an. 2007 lag diese Kennzahl dagegen noch bei 96,4 (Vorjahr 92,6) Prozent. Die Combined Ratio setzt Aufwand für Schäden und Verwaltung in Relation zu den Beitragseinnahmen. Ein Wert von weniger als 100 Prozent drückt aus, dass ein Versicherer ohne Berücksichtigung von Kapitalanlagegewinnen profitabel arbeitet.

Auch im vergangenen Jahr hat die Münchener Rück operativ bereits deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Das höhere Konzernergebnis ist ausschließlich auf eine drastisch gesunkene Steuerlast zurückzuführen. Das operative Ergebnis (Ebit) fiel dagegen in der Rückversicherung um 5,6 Prozent schwächer aus. Hier schlugen auch höhere Schäden für Naturkatastrophen wie etwa den Wintersturm Kyrill zu Buche. Das Ebit im vor allem von der Düsseldorfer Tochtergesellschaft Ergo betriebenen Erstversicherungsgeschäft stagnierte weitgehend. Ergo ist mit Marken wie Hamburg-Mannheimer, Victoria und DKV nach der Allianz der zweitgrößte deutsche Erstversicherer.

Mit Blick auf mögliche Akquisitionen für den seit Jahren unter rückläufigen Umsätzen leidenden Konzern äußerte sich Bomhard weiterhin zurückhaltend. Vorstellbar seien lediglich kleinere und mittlere Zukäufe im Volumen von bis zu etwa einer Milliarde Euro.

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25.02.2008, 22:21
Dresdner Bank vor schwerem Jahr
„Herausforderndes Umfeld“ / Beteiligung an Ambac-Rettung

da. FRANKFURT, 25. Februar. Die Dresdner Bank geht nach einem mehr als halbierten Vorjahresgewinn mit gebremstem Elan in das neue Geschäftsjahr. „Wir werden auf Sicht erst einmal mit einem herausfordernden Umfeld leben müssen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Herbert Walter anlässlich der Bilanzvorlage. Eine Prognose für das laufende Jahr gab er wegen der andauernden Turbulenzen auf den Finanzmärkten nicht ab. In der für den Gewinneinbruch verantwortlichen Kapitalmarktsparte der Bank soll der Abschwung aber gestoppt werden: „Wir erwarten für 2008 zumindest einigermaßen stabile Erträge und Ergebnisse“, sagte der für die Investmentbank Dresdner Kleinwort zuständige Vorstand Stefan Jentzsch.

Im ersten Quartal dürfte das Investmentbankgeschäft jedoch nochmals unter Wertkorrekturen leiden, die von dem Abschwung auf dem amerikanischen Immobilienmarkt ausgelöst geworden sind. Im Januar seien weitere Wertberichtigungen von 350 bis 400 Millionen Euro auf strukturierte Wertpapiere aufgelaufen, sagte Finanzvorstand Klaus Rosenfeld. Allerdings sei dies nur eine Momentaufnahme. Im vergangenen Jahr hat die Dresdner Bank knapp 1,3 Milliarden Euro abschreiben müssen und ist damit relativ zu ihrer Größe härter von der Finanzkrise getroffen worden als die Wettbewerber Deutsche Bank und Commerzbank.

Rosenfeld wies darauf hin, dass die Bank, anders als einige Konkurrenten, die betroffenen Wertpapiere vollständig im Handelsbuch halte. Die Wertkorrekturen gingen damit nicht zu Lasten des Eigenkapitals, sondern würden direkt als Verlust ausgewiesen. Nach Ansicht von Walter gibt es an den Märkten derzeit eine Übertreibung nach unten. Wenn sich die Märkte erholten, könne es bei den strukturierten Wertpapieren durchaus wieder zu Zuschreibungen kommen.

Die hohen Wertberichtigungen haben der Dresdner Bank im vierten Quartal operativ sogar einen Verlust von 401 Millionen Euro beschert. Im Gesamtjahr brach der operative Gewinn dadurch um fast die Hälfte auf 710 Millionen Euro ein; unter dem Strich verdiente die Bank noch 410 Millionen Euro und damit 53 Prozent weniger als im Vorjahr. Ausschlaggebend dafür war allein das Investmentbanking. Im Privat- und Firmenkundengeschäft stieg dagegen der operative Gewinn um fast 13 Prozent auf 884 Millionen Euro. Die Kundenzahl sei im vergangenen Jahr um 400 000 auf 6,5 Millionen erhöht worden, berichtete Privatkundenvorstand Andreas Georgi. In diesem Segment will die Dresdner Bank im zweiten Quartal mit einer Direktbank namens „Dresdner Direct 24“ an den Markt gehen. Die Direktbank soll Leistungen einer Online-Bank mit denen einer klassischen Filialbank kombinieren.

Anders als die Chefs der Wettbewerber Commerzbank und Deutsche Bank warf Walter nicht öffentlich seinen Hut für die bald zum Verkauf stehende Postbank in den Ring. „Wir sagen erst dann etwas, wenn wir die Eier gelegt haben.“ Zur strategischen Zukunft der Dresdner Bank wollte sich Walter ebenso wenig äußern. Der Vorstandschef des Mutterkonzerns Allianz, Michael Diekmann, hatte in der vergangenen Woche weder ein klares Bekenntnis zur Dresdner Bank insgesamt noch zu Dresdner Kleinwort abgegeben. Jentzsch warnte davor, angesichts der jüngsten Verluste das gesamte Geschäftsmodell der Investmentbank in Frage zu stellen. „Nur etwa 10 Prozent unserer Aktivitäten sind direkt von der Kreditkrise betroffen.“ In den entsprechenden Abteilungen der Investmentbank hatte die Allianz in der vergangenen Woche einen bereits weitgehend umgesetzten Abbau von 450 Stellen angekündigt. Pläne für einen weiteren Stellenabbau gebe es derzeit nicht, sagte Walter.

Nach den Worten von Jentzsch will sich die Dresdner Bank an der bald bevorstehenden Rettungsaktion für den amerikanischen Anleiheversicherer Ambac beteiligen. Die Bank werde dafür einen kleinen zweistelligen Millionenbetrag bereitstellen, sagte er. Die Dresdner Bank hat nach eigenen Angaben knapp 16 Milliarden Euro bei Anleiheversicherern abgesichert. Um das Ausfallrisiko zu verringern, habe sich die Bank mittlerweile zusätzlich für einen zweistelligen Millionenbetrag bei Drittanbietern versichert.

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25.02.2008, 22:21
Linde zahlt 1,70 Euro Dividende
Höhere Ausschüttung und stärkerer Schuldenabbau

kön. FRANKFURT, 25. Februar. Die Linde AG will die Dividende deutlicher als erwartet erhöhen. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Aktionäre des Münchener Industriegase-Herstellers und Anlagenbauers für das Geschäftsjahr 1,70 Euro je Aktie erhalten. Das sind 0,20 Euro oder 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Satz liegt zudem um 0,10 Euro über den im Durchschnitt von Analysten erwarteten Satz von 1,60 Euro. Überdies sind die Nettoschulden stärker gesunken als zunächst geplant.

Ein Konzernsprecher bestätigte die Information nicht. Er verwies auf die Bekanntgabe der Eckdaten für 2007 an diesem Donnerstag. Details gibt es am 17. März auf der Bilanzpressekonferenz.

Die stärkere Erhöhung der Dividende ist auf den guten Verlauf des Geschäftsjahres zurückzuführen, hieß es. Das Betriebsergebnis, dessen Entwicklung die Grundlage für die Dividendenentscheidung ist, legte im zurückliegenden Geschäftsjahr kräftig zu. Es sei ein zweistelliger Prozentsatz. Tatsächlich dürfte der Zuwachs eine Größenordnung von 20 Prozent erreichen. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Reitzle hatte schon im vergangenen Oktober einen Umsatz von mehr als 12 Milliarden Euro angekündigt, aber auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) konkret mit 2,4 Milliarden Euro prognostiziert. Je nach Vergleichsbasis ist das ein Zuwachs rund als 20 Prozent.

Damit holt Linde von der Ertragskraft her weiter zum französischen Konkurrent Air Liquide auf, der für 2007 ein Anstieg im Ebitda von 6 Prozent auf 2,73 Milliarden Euro gemeldet hatte. Bezogen auf den Umsatz, dürften die Münchener mit von Analysten geschätzten rund 12,5 Milliarden Euro Umsatz die Franzosen (11,8 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr überholt haben. Das ist vor allem auf die volle Einbeziehung der britischen BOC zurückzuführen, die Linde 2006 für knapp 12 Milliarden Euro übernommen hatte.

Der Linde-Chef verfolgt das Ziel, die Aktionäre entsprechend des operativen Erfolgs zu beteiligen. Danach würde es sogar für eine Ausschüttung von 1,80 Euro reichen. Doch ist der Konzern wegen der BOC-Übernahme immer noch stark verschuldet. Somit muss Reitzle ebenso den Abbau der Nettoschulden im Auge behalten. Die Dividende von 1,70 Euro ist somit als ein Kompromiss zu sehen, ist aus dem Unternehmen zu hören. Die Ausschüttungssumme beträgt damit 283 Millionen Euro. Sie steigt mit 17 Prozent sogar noch stärker als die Einzeldividende. Denn die Zahl der Aktien ist noch einmal deutlich um 6 Millionen auf 166,34 Millionen Stück gewachsen, bedingt durch Ausübung von Optionen und Wandlung von Anleihen. Im Vorjahr wurde die Dividende nur um 0,10 Euro erhöht. Doch stieg die Ausschüttungssumme damals um 43 Prozent, da neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung Im Sommer 2006 für das gesamte Geschäftsjahr gewinnberechtigt waren.

Trotz der höheren Ausschüttungssumme in diesem Jahr hat der Konzern die Nettoverschuldung nach Informationen dieser Zeitung auf weniger als 7 Milliarden Euro abgebaut. Im vergangenen Oktober hatte Reitzle bereits den Richtwert für das Jahresende von 7,2 bis 7,5 Milliarden Euro auf weniger als 7,2 Milliarden Euro gesenkt. Der stärkere Schuldenabbau ist zum einen auf die positive Gewinnsituation und den damit verbundenen höheren Mittelzufluss (Cash-flow) zurückzuführen, aber auch auf die unerwartet hohen Erlöse aus dem Verkauf von Geschäftsbereichen.

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25.02.2008, 22:21
Schlechteres Klima im Mittelstand
KfW-Ifo-Barometer im Januar gesunken

F.A.Z. FRANKFURT, 25. Februar. Das monatlich gemeinsam von der KfW Bankengruppe und dem Münchner Ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima kleiner und mittlerer Unternehmen hat zu Jahresbeginn um 2,6 Zähler nachgegeben. Mit 11,8 Saldenpunkten lag es aber weiterhin über seinem langfristigen Mittelwert von null. Der Rückgang ist vor allem auf die schlechtere Beurteilung der aktuellen Geschäftslage zurückzuführen. Die Erwartungen der Mittelständler sind dagegen nur moderat gesunken, um 0,9 Zähler.

Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen starken Rückgang des Geschäftsklimas; es sank um 4,3 Punkte auf 18,2 Saldenpunkte. Die Lage- und die Erwartungskomponente bewegten sich abwärts. Deutlich verschlechtert zeigte sich auch die Stimmung im Großhandel. Sie gab um 4,7 Zähler auf 2,7 Saldenpunkte nach. Im Einzelhandel ging das Geschäftsklima leicht um 2,9 Zähler auf minus 3,9 Saldenpunkte zurück. Die Korrektur der Geschäftslage fiel außerordentlich stark aus. Die Erwartungskomponente stieg hingegen kräftig. Einzig die Stimmung im Baugewerbe verbesserte sich – um 2,4 Zähler auf 8,7 Saldenpunkte. Die Aufhellung ist im Wesentlichen auf die verbesserten Geschäfts- erwartungen zurückzuführen.

Während sich die Stimmung in Ostdeutschland aufhellte, trübte sich das Geschäftsklima im westdeutschen Mittelstand ein. Die unterschiedlichen Entwicklungen sind vor allem auf den Handel zurückzuführen. Das Klima im westdeutschen Handel war spürbar rückläufig, die ostdeutschen Händler äußerten sich optimistischer bezüglich ihrer zukünftigen Geschäftstätigkeit. Damit zogen sie das ostdeutsche Geschäftsklima insgesamt nach oben. Der relative Mittelstandsindikator, der die unterschiedlichen Einschätzungen von Großunternehmern und Mittelständlern abbildet, veränderte sich im Januar kaum.

Ihre Beschäftigungserwartungen haben die Mittelständler nur marginal herabgesetzt. Mit einem Saldenniveau von 15 Punkten signalisierten sie eine hohe Bereitschaft, zusätzliche Beschäftigung aufzubauen. Die Absatzpreiserwartungen der Mittelständler stiegen im Januar nur wenig.

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25.02.2008, 22:22
Abkoppeltheorien
Tatsächlich ist die Wirtschaftswelt heute enger aneinander gebunden als noch vor zwanzig Jahren.

Wenn die Vereinigten Staaten husten, bekommt die Welt eine Grippe. Mit diesem Bild wurden lange Zeit die ökonomischen Abhängigkeiten der Welt von ihrer größten Volkswirtschaft beschrieben. Das Bild ist, wie es sich für eine erfolgreiche Metapher gehört, übertrieben. Ebenso übertrieben aber sind die für Europa, für Japan und vor allem für asiatische Schwellenländer gepflegten Beschwörungen, man könne sich dem Sog einer möglichen Rezession in den Vereinigten Staaten entziehen. Diskutiert werden diese Hoffnungen unter dem Schlagwort der Abkoppelung. Es ist hilfreich, sich dieser Hypothese von zwei Seiten zu nähern.

Die Abkoppelungstheorie beruht auf dem Befund, dass die wirtschaftlichen Gewichte in der Welt sich in den vergangenen Jahren ein wenig verschoben haben. Tatsächlich haben die Vereinigten Staaten, mehr aber noch Europa und Japan, an Gewicht eingebüßt, nicht absolut, sondern relativ im Verhältnis zum Rest der Welt. Wenn Entwicklungs- und Schwellenländer gerade in Asien über Jahre stärker wachsen als die saturierten Industriestaaten, ist dies unvermeidlich. Machtpolitisch mag diese Verschiebung der relativen Größen Politiker in Washington, Brüssel und Tokio stören, wirtschaftlich gesehen ist die Entwicklung alles andere als schädlich. Sie spiegelt den überdurchschnittlich steigenden Wohlstand und eine höhere Produktivität der Menschen in vielen Schwellenländern Asiens wider, die Anlass zur Freude und nicht zur Klage ist und die den Wohlstand in den alten Industriestaaten des Westens nicht bedroht.

Die relativ geringere wirtschaftliche Größe der Vereinigten Staaten lässt sich – nicht immer zweifelsfrei – an einigen Indikatoren zeigen, am Bruttoinlandsprodukt oder am amerikanischen Import im Verhältnis zum Welthandel. Dies schürt die Erwartung, dass eine Rezession in Amerika den Rest der Welt weniger stark träfe als früher. Rein rechnerisch ist dem nicht zu widersprechen. Hier kommt freilich die zweite Überlegung ins Spiel. Die These der Abkoppelung widerspricht allem, was seit den neunziger Jahren über die Globalisierung gesagt und geschrieben wurde. Tatsächlich ist die Wirtschaftswelt heute enger aneinander gebunden als noch vor zwanzig Jahren. Der ökonomische Erfolg der Schwellen- und Entwicklungsländer beruht auf ihrer Integration in die Weltwirtschaft und gerade nicht darauf, dass sie ihre Grenzen geschlossen hätten. In wichtigen Entwicklungs- und Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas ist der Export von Waren und Dienstleistungen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, in den vergangenen Jahren zum Teil drastisch gestiegen. In China liegt er bei fast 40 Prozent der Wirtschaftsleistung, in Indien bei fast 25 Prozent. An die fünfzig Prozent der amerikanischen Einfuhr stammen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, die Wertschöpfungsketten amerikanischer Unternehmen umspannen heute den Globus. Einen Wachstumseinbruch in den Vereinigten Staaten spüren deshalb die Arbeitnehmer am Telefon eines Dienstleistungscenters in Indien ebenso wie Spielzeug- oder Elektronikfabrikanten in China.

Tatsächlich werden in den wichtigsten Staaten Asiens ja auch schon die Vorbereitungen getroffen, um einer schwächeren Nachfrage aus den Vereinigten Staaten entgegenzuwirken, die auch den asiatischen Binnenhandel mit Vorprodukten belastete. Japan verzichtet vorerst auf Zinserhöhungen, weil der drohende geringere Exportzuwachs – wie in Europa – die Schwäche der Binnenwirtschaft offenlegt. Aus China kommen erste Signale, dass die Kreditvergabe weniger stark gebremst werden könnte, um dem Nachfrageausfall aus dem Ausland entgegenzuwirken. Bankvolkswirte sprechen wahlweise von einer „erwünschten Abkühlung“ oder von einem Gegensteuern. Wer aber gegensteuern muss, hat sich von der amerikanischen Wirtschaft nicht entkoppelt.

Spielen für die Entwicklungs- und Schwellenländer vor allem die Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten eine Rolle, sind es für die Industriestaaten mehr noch die finanziellen Verbindungen, die Rezessionssignale noch schneller übertragen als die Warenströme. Westeuropäische und japanische Unternehmen stellen den Großteil der Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten. Japans Aktienmarkt wird in großem Ausmaß durch ausländisches Kapital gespeist. Der recht hohe Gleichlauf der Aktienindizes wichtiger Standorte symbolisiert die enge Abhängigkeit der Finanzwelt, in der die leichtfertige Vergabe von Immobilienkrediten in Amerika Banken in Europa in den Untergang treiben kann.

Es mag sein, dass einzelne Länder sich einer Rezession in den Vereinigten Staaten zeitweise entgegenstemmen können, weil sie sich zufällig in einer anderen Phase des Konjunkturzyklus befinden. Einiges spricht auch dafür, dass Schockwellen aus Amerika nicht mehr ganz so stark ausgreifen wie früher. Einer Abkoppelung aber stehen die Jahre der Globalisierung entgegen. Eigentlich braucht man sich nur Kurt Tucholskys zu erinnern, der 1931 in einem bösen Essay schrieb: „Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.“ Das klingt banal, aber es legt die Leere der Abkoppelungstheorien offen.

GvD.news
25.02.2008, 22:22
Die SPD auch im Westen offen für Zusammenarbeit mit der Linkspartei
Freie Hand für die Landesverbände / „Keine Koalitionen“ / Ypsilanti vor der Wahl

ban./holl. BERLIN/WIESBADEN, 25. Februar. Die SPD-Führung in Berlin hat im Verhältnis zur Linkspartei einen Kurswechsel vollzogen. In einem von Präsidium und Vorstand am Montag beschlossenen Papier heißt es: „Sollte es nicht zu einer Koalition kommen, wird die SPD Hessen entscheiden, ob und gegebenenfalls wann sich Andrea Ypsilanti im Landtag zur Wahl stellt.“ Damit wurde der hessischen SPD-Spitzenkandidatin freie Hand bei ihrem weiteren Vorgehen in Hessen gegeben. In der Erklärung heißt es, die SPD in Hessen werde in den nächsten Tagen einen „Mindestbedingungskatalog“ erstellen, „um weitere Sondierungsgespräche mit den Grünen, der FDP und der CDU zu entwickeln“. Der Verzicht von Ministerpräsident Koch (CDU) auf sein Amt sei eine dieser Bedingungen. Die FDP wurde zu „konstruktiven Gesprächen“ aufgefordert. Die Entschließung war vom SPD-Vorsitzenden Beck mit seinen Stellvertretern sowie dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Struck am Sonntagabend ausgearbeitet worden. Wegen einer Grippeerkrankung nahm Beck an den Gremiensitzungen am Montag nicht teil.

Regierungssprecher Wilhelm äußerte am Montag, die Erwägungen der SPD in Hessen gefährdeten nicht die Grundlagen der großen Koalition in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Vorsitzende Beck wollten sich demnächst zu einem vertraulichen Gespräch treffen. Frau Merkel warnte Beck am Montag vor einem „Wortbruch“. Doch werde die Arbeit der großen Koalition fortgesetzt; sie verwies auf die an diesem Dienstag in Bonn beginnende Klausurtagung der engeren Fraktionsführungen von CDU/CSU und SPD. SPD-Generalsekretär Heil wies den Vorwurf des „Wortbruchs“ zurück und forderte die Union auf, sich ihrerseits zur Koalition zu bekennen: „Wir werden unsere Pflicht tun.“

Die hessische SPD hat unterdessen nach der Bürgerschaftswahl in Hamburg ihr Angebot an die FDP erneuert, ernsthafte Verhandlungen über eine Ampelkoalition aufzunehmen. Der hessische SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt sagte, die Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti habe dem FDP-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn einen Brief geschrieben.

GvD.news
26.02.2008, 22:12
Lateinamerikas Börsen erleben Erholung
Die ehemalige Krisenregion zeigt sich stabil / Hohe Rohstoffpreise stützen die Kurse

mos. BUENOS AIRES, 26. Februar. Lateinamerikanische Aktien haben sich in den vergangenen Wochen vergleichsweise gut gehalten. Der von Morgan Stanley ermittelte MSCI-Aktienindex für Lateinamerika, der von Anfang Dezember bis Mitte Januar um 23 Prozent abgestürzt war, hat sich zuletzt erholt. Der Index liegt nur noch knapp 3 Prozent unter seinem bisherigen Höchststand. An der Börse von São Paulo, dem größten Aktienmarkt der Region, liegen die Kurse, gemessen am Leitindex Bovespa auf Dollar-Basis, schon wieder leicht über dem Niveau von Jahresanfang.

Ursache der Nervosität ist in Lateinamerika wie überall auf dem Globus die Ungewissheit über das Ausmaß der wirtschaftlichen Abschwächung in den Vereinigten Staaten. Doch je weiter man auf der Landkarte nach Süden wandert, desto geringer ist die direkte Bedeutung Nordamerikas für den Export. Während der Export in die Vereinigten Staaten in Mexiko fast 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt, sind es in Argentinien und Brasilien lediglich 2 bis 3 Prozent. Entscheidend sei, wie es in China und anderen Wachstumsländern Asiens weitergehe, meinen Volkswirte der Bank JP Morgan.

Die starke Nachfrage aus Asien stützt bisher die Weltmarktpreise von Rohstoffen wie Eisenerz, Rohöl und Soja, deren Export in den Ländern Südamerikas mehr als die Hälfte der gesamten Ausfuhrerlöse ausmacht. So konnte Brasiliens Bergbaukonzern Vale do Rio Doce vergangene Woche bei den Stahlproduzenten Asiens einen Preisaufschlag von 65 Prozent für seine Eisenerzlieferungen durchsetzen. Die Preise von Nahrungsmitteln wie Soja, Weizen und Mais steigen seit Monaten.

Anders als frühere Finanzkrisen hat die jüngste Kreditkrise bisher keine dramatischen Auswirkungen auf die Märkte Südamerikas gehabt. Die Risikoaufschläge in den Anleiherenditen sind im Vergleich zu früheren Turbulenzen nur maßvoll gestiegen. Denn aufgrund seiner Leistungsbilanzüberschüsse ist Lateinamerika kaum mehr auf Kapitalzuflüsse angewiesen. Brasiliens Devisenreserven haben sich 2007 auf 180 Milliarden Dollar verdoppelt. Brasilien ist erstmals Nettogläubiger gegenüber dem Rest der Welt.

„Lateinamerika ist mehr als jemals zuvor in der jüngeren Geschichte von einer Abschwächung in den Vereinigten Staaten isoliert“, stellt JP Morgan fest. Immun ist die Region freilich nicht. Eine Rezession in den Vereinigten Staaten würde Lateinamerikas Wirtschaftsleistung um ein Prozent verringern, erwartet die Bank. Vor allem Mexiko, das 85 Prozent seiner Exporte nach Nordamerika liefert, würde leiden.

Internationale Anleger sind vorsichtig geworden. Aus Brasilien-Aktienfonds haben sie nach Angaben von EPFR Global in den letzten zehn Wochen kontinuierlich Kapital abgezogen. Stattdessen gehen in Brasilien die lokalen Anleger auf Schnäppchenjagd. „Für den, der bisher nicht im Markt ist, lohnt sich der Einstieg“, meint Roberto Nishikawa, Leiter des Aktienhandels bei Itaú Corretora. Mit Kursen, die etwa dem Elffachen der für die nächsten zwölf Monate erwarteten Gewinne entsprechen, seien Brasiliens Aktien billiger als die von anderen Schwellenländern wie Indien und China. Zudem kommt die Binnenkonjunktur immer besser in Fahrt. Neben den bereits stark gestiegenen Aktien der Ölgesellschaft Petrobras und des Bergbaukonzerns Vale setzen Analysten in Brasilien darum auf konsumnahe Werte aus den Branchen Handel und Energie. Auch Brasiliens Banken, die 2007 abermals Rekordgewinne erzielt haben, seien attraktiv, meint Goldman Sachs.

Brasilien hat 2007 mit einem Rekord von Neuemissionen den Rang als wichtigster Finanzplatz Lateinamerikas gefestigt. 66 Börsenstarts verschafften den Unternehmen mehr als 32 Milliarden Dollar. Die Erstemissionen der brasilianischen Börsenbetreiber selbst – der Bovespa Holding sowie der Waren- und Terminbörse BM&F – gehörten 2007 zu den zehn größten Börsengängen weltweit. Nun verhandeln Bovespa und BM&F über eine Fusion. Daraus könnte dem Marktwert nach die viertgrößte Börsengesellschaft der Welt entstehen.

Chile und Peru zählen zu den am stärksten unterbewerteten Börsen der Welt, meint Walter Molano von BCP Securities. Gegenüber den Höchstständen von Mitte Oktober 2007 haben Aktien beider Länder zweistellige Verluste erlitten. Bis Dezember sei das durch den Preisrückgang bei Kupfer zu erklären gewesen, denn Chile und Peru erzielen drei Viertel ihrer Exporteinnahmen aus Kupfer und anderen Erzen. Doch seither seien die Kupferpreise wieder gestiegen.

In Argentinien und Venezuela, die schon 2007 Schlusslichter in der regionalen Börsenentwicklung waren, werden die Anleger allerdings durch die Eingriffe der Regierungen verschreckt. So trüben in Argentinien Exportbeschränkungen und Steuererhöhungen die Perspektiven in der besonders wettbewerbsfähigen Landwirtschaft. In Venezuela hat Staatschef Hugo Chávez die Börse mit der Verstaatlichung von einigen der größten Gesellschaften weitgehend ausgetrocknet.

Die träge dümpelnde Börse von Buenos Aires, die pro Tag kaum 50 Millionen Dollar umsetzt, taucht in den Analysen der Banken kaum noch auf. Dabei dürfe Argentinien 2008 wie schon in den Vorjahren zu den wachstumsstärksten Ländern zählen. Einen Geheimtipp sieht Molano von BCP Securities in den an das Wachstum der Wirtschaft gebundenen Kupons. Diese bei der Umschuldung 2005 vom argentinischen Staat ausgegebenen Papiere gewähren ihren Besitzern eine jährliche Auszahlung, deren Höhe davon abhängt, in welchem Ausmaß das Wachstum bestimmte vorgegebene Mindestwerte überschreitet. Die BIP-Kupons sind damit so etwas wie Aktien der „Argentinien AG“, die den Besitzern Anspruch auf eine Zahlung von Dividenden in guten Geschäftsjahren gewähren. Nachdem Argentiniens BIP seit fünf Jahren mit unerwartet hohen Raten von fast 9 Prozent wächst und auch 2008 noch um immerhin 7 Prozent zulegen dürfte, könnten die BIP-Kupons allein in den nächsten zwei Jahren eine Rendite von mehr als 40 Prozent abwerfen, kalkuliert Molano. Sollte das BIP-Wachstum jedoch einbrechen, drohen hohe Verluste.

GvD.news
26.02.2008, 22:12
Anleger wieder risikofreudiger
Technische Kommentare aus der Wall Street

hi. FRANKFURT, 26. Februar. An der Wall Street hat in den vergangenen Tagen der Verkaufsdruck nachgelassen. Dies deutet nach dem Urteil technisch orientierter Analysten darauf hin, dass wenigstens in diesen Tagen und Wochen kein dringlicher Liquidationsbedarf mehr besteht. So könne sich die unter mittelfristigen Aspekten „überverkaufte“ Lage über steigende Kurse auflösen, heißt es. Aus charttechnischer Sicht fällt auf, dass die Mitte Januar verzeichneten zyklischen Tiefstände der schweren Indizes wenigstens ihren vorläufigen Wendepunkt in der Abwärtsbewegung erreicht haben. Nach einem sofortigen, erfolgreich verlaufenen Test dieser Tiefstände haben sich die Indizes deutlich über den Tiefpunkten in einer Handelsspanne eingependelt. Diese Stabilisierung sei inzwischen weit genug gediehen, um eine recht solide Basis für eine mittelfristige Erholung zu bieten, meinen die charttechnischen Analysten.

Das wohl herausragendste Thema der Techniker ist die Stimmungslage unter den Börsianern. Sie drückt sich in eindeutig positiver gewordenen Indikatoren zur Risikoscheu aus. Die meisten dieser Indikatoren sind zwar noch weit davon entfernt, Optimismus auszustrahlen, doch vermittelt ihr aktueller Stand den Eindruck, als hielten mehr und mehr Anleger das Schlimmste für überstanden. In die Sprache der Techniker übersetzt, bedeutet dies zunehmende Sorglosigkeit gegenüber den vorhandenen Risiken. David Rosenberg von Merrill Lynch glaubt konkrete Hinweise auf dieses Phänomen zu erkennen. Je mehr sich diese Sorglosigkeit ausbreitet, desto anfälliger werden die Börsianer für unangenehme Überraschungen. Sie scheinen sich an die schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft und von den Kreditmärkten gewöhnt zu haben und zu glauben, dass die Finanzmärkte die negativen Aspekte bereits hinreichend, wenn nicht sogar überzogen in den Kursen berücksichtigt hätten. Techniker, die normalerweise wenig auf fundamentale Faktoren geben, vermuten, die Gelassenheit der Börsianer beruhe auch zu einem guten Teil auf der Annahme, dass die bisherigen und die vielleicht noch ausstehenden Senkungen des Leitzinses sowie die Konjunkturspritze der Regierung in Washington Wirkung zeigen dürften. Jeffrey Saut, ein auch technisch argumentierender Stratege von Raymond James, weist immer wieder darauf hin, dass alle seit 1948 lancierten staatlichen Konjunkturprogramme Erfolg hatten. Im Zweifel werde auch das jüngste wirken, meint er.

Für bedeutsam halten Techniker den Tenor der Aufmacher amerikanischer Zeitungen und Wirtschaftsmagazine. Sie vermitteln Szenarien, die an wirtschaftliche Katastrophenzeiten heranreichen. Aus technischer Sicht sind dies zweifelsfrei Kontraindikatoren. Es wird daran erinnert, dass die amerikanische Zeitschrift „Business Week“ vor fast dreißig Jahren den „Tod der Aktie“ verkündete. Seinerzeit kämpfte der Dow-Jones-Index für Industriewerte noch mit der Marke von 1000 Punkten. Nur Monate später setzte die Wall Street zur bislang größten Hausse in ihrer Geschichte an.

Ein Phänomen, das seine Wirkung allem Anschein noch nicht voll entfaltet hat, sind die auf Rekordniveau liegenden Baissepositionen an der New York Stock Exchange. Auch sie sind ein Stimmungsindikator, der aber eher die Haltung unter professionellen Börsianern wiedergibt als die der Masse. Zudem ist zu bedenken, dass die Baissepositionen über die zurückliegenden Jahre hinweg immer mehr Bestandteil vielschichtiger Engagements auch an den Termin- und den Optionsbörsen geworden sind. Daher kann aus ihrem tatsächlichen Stand nicht unbedingt darauf geschlossen werden, dass im Einzelfall die gesamte Operation auf sinkende Kurse abzielt. Sicher ist jedoch aus technischer Sicht, dass die sich auf Höchststand befindenden Baissepositionen ein enormes Auftriebspotential bergen, weil sie eines Tages durch Gegengeschäfte (Käufe) eingedeckt werden müssen. Je mehr das Kursniveau im Zuge der nun erwarteten Erholung steigen sollte, desto mehr häufen sich die Verluste der Baissiers und damit der auf ihnen lastende Zwang, sich durch Käufe aus dieser misslichen Lage zu befreien. Dies ist ein mechanisch verlaufender Prozess, der aber nichts darüber aussagt, ob die Baissepositionen aus fundamentaler Sicht gerechtfertigt sind oder nicht.

GvD.news
26.02.2008, 22:13
Der Devisenmarktbericht
Inflationsdruck

Rund um den Globus heizt der Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise die Inflation an. Viele Zentralbanken reagieren darauf mit einer Anhebung ihres Leitzinses. Da die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins hingegen drastisch gesenkt hat und noch weiter senken dürfte, weitet sich der Zinsvorsprung zahlreicher Währungen gegenüber dem Dollar aus. Die Folge: Kapital strömt in die Hochzinsländer und lässt ihre Währungen aufwerten – manche sogar auf Rekordhochs.

Das gilt zum Beispiel für den neuseeländischen Dollar, für den am Dienstag in der Spitze 81,5 amerikanische Cent gezahlt werden mussten. Das war mehr als je zuvor seit 1985, als der Wechselkurs des „Kiwi“-Dollar freigegeben wurde. Der Hintergrund: Zur Bekämpfung der Inflation, die mit zuletzt 3,2 Prozent höher war als angestrebt, hat die Notenbank den Leitzinssatz auf 8,25 Prozent angehoben. Kein größeres Industrieland bietet Anlegern mehr. Zum Euro hat der Kiwi-Dollar zuletzt gleichwohl etwas an Wert verloren. Ein Euro kostet derzeit rund 1,83 Neuseeland-Dollar.

Im benachbarten Australien ist die Situation ähnlich: Dort hat sich die Inflation im Januar mit 3,8 Prozent so stark beschleunigt wie seit 16 Jahren nicht mehr. Australiens Zentralbank hat daraufhin den Leitzins auf 7 Prozent angehoben und dürfte am 4. März einen weiteren Zinsschritt auf 7,25 Prozent tun. Mit knapp 93 amerikanischen Cent liegt der Aussie-Dollar nur noch gut einen Cent unter seinem Rekordhoch. Ähnlich wie der Kiwi-Dollar hat er zum Euro zuletzt aber abgewertet.

Viele weitere Währungen sind zum amerikanischen Greenback auf Höhenflug. So sprang der Singapur-Dollar auf den höchsten Stand seit 1997, der thailändische Baht nähert sich dem höchsten Kurs seit Ausbruch der Asien-Krise im Sommer 1997. Dabei spielt auch eine Rolle, dass eine Aufwertung der eigenen Währung nun nicht mehr – wegen der dämpfenden Wirkung auf den Export – als unerwünscht gilt, sondern vielmehr als durchaus erwünscht – weil sie die Importe verbilligt und damit den Preisauftrieb bremst.

In Lateinamerika werten viele Währungen ebenfalls auf. Das hat teils mit inflationsbedingten Leitzinserhöhungen zu tun, teils aber auch damit, dass die Rohstoffpreise trotz des Abschwungs der amerikanischen Wirtschaft dank der starken Nachfrage aus China, Indien und anderswo hoch geblieben sind. Dies wiederum lockt ausländisches Kapital nach Lateinamerika. Dank solcher Kapitalzuflüsse sei Brasilien im Januar erstmals zu einem Nettogläubiger geworden, teilte die Zentralbank des Landes mit. Kommentatoren werten die Abkopplung von der amerikanischen Wirtschaft bereits als einen historischen Bruch, der eine jahrhundertelange Ära wirtschaftlicher und politischer Abhängigkeit beende, die mit den Eroberern Hernán Cortés und Francisco Pizarro begann. Wie auch immer: Jedenfalls steht Brasiliens Real derzeit zum Dollar auf dem höchsten Stand seit 1999.

In Ungarn hat die Notenbank überraschend einen anderen Weg gewählt, um die Inflation einzudämmen. Statt den Leitzins anzuheben, gab sie die freiwillige Bindung des Forint an den Euro auf. Bislang durfte der Forint gegenüber dem Paritätskurs von 282,36 Forint je Euro um 15 Prozent nach oben oder unten abweichen. Ab sofort kann er frei schwanken. Die Zentralbank hofft, dass der Forint aufgrund der hohen ungarischen Zinsen aufwertet und so die „importierte Inflation“ in Schach hält. Am Montag hat der Forint tatsächlich zugelegt, am Dienstag rückte er weiter auf nur noch rund 258 Forint je Euro vor.

Auch den Euro bewegen Inflation und Leitzinsspekulationen. Am Dienstag trieb ihn ein überraschender Anstieg des Ifo-Konjunkturbarometers wieder auf Kurse von fast 1,49 Dollar. Händler erklärten das so: Wenn die Konjunktur hierzulande trotz des amerikanischen Abschwungs unter Dampf bleibt, bleibt der Inflationsdruck hoch. Die Europäische Zentralbank hat dann keinen Spielraum, ihren Leitzins zu senken. Solche Zinsspekulationen, so meinen viele Händler, dürften den Euro in den nächsten Tagen sein Rekordhoch von 1,4967 Dollar testen lassen.

GvD.news
26.02.2008, 22:13
Katerstimmung in der Beteiligungsbranche
Beteiligungsmanager befürchten für die kommenden Jahre die ersten großen Pleiten. Die Anleger schimpfen über die Exzesse der großen Fonds.

da. MÜNCHEN, 26. Februar. In der Beteiligungsbranche wächst die Furcht vor Schieflagen mancher hochverschuldeter Unternehmen. „In diesem und im nächsten Jahr wird es größere Private-Equity-Pleiten geben“, sagt Jon Moulton, Gründer des Beteiligungsfonds Alchemy Partners, auf der Konferenz „Superreturn“ in München. Steven Puccinelli, Leiter des europäischen Private-Equity-Geschäfts von Investcorp, ist ähnlicher Ansicht: „Wir werden Zahlungsunfähigkeiten und Pleiten sehen.“ Zuletzt hat es derartige Schieflagen in der Branche kaum gegeben, weil das wirtschaftliche Umfeld gut war und die Banken den Finanzinvestoren immer laxere Kreditbedingungen zugestanden. Doch seit dem Beginn der Krise auf dem Markt für amerikanische Hypotheken schwacher Bonität (Subprime) hat der Wind gedreht: Die Banken geben den Beteiligungsfonds keine Großkredite mehr.

Einige der in den vergangenen Jahren gekauften Unternehmen sind nun bedrohlich hoch verschuldet. „In unserer Branche gab es die selben Strukturen und Exzesse wie auf dem Subprime-Markt“, schimpft Moulton. „Im Subprime-Markt haben die Kreditgeber die Immobilien mittels Google Earth geprüft, in der Private-Equity-Branche haben sich die Manager nur noch auf Powerpoint-Präsentationen der Verkäufer verlassen.“ Zudem hätten viele Fondsmanager die Unternehmen zuletzt auf Basis der um diverse Effekte bereinigten „Proforma-Gewinnzahlen“ gekauft. „Wir haben uns auf gefälschte Gewinnziffern verlassen.“ Die immer laxer gewordenen Kreditkonditionen hätten nun lediglich den Effekt, dass die Schieflagen der Unternehmen um ein bis zwei Jahre nach hinten verschoben würden. Bis zum Beginn der Krise im Jahr 2007 hatten sich Kreditstrukturen eingebürgert, die kaum Kontrollmöglichkeiten für die Banken vorsahen und oft einen Großteil der Schuldentilgung an das Ende der Laufzeit verschoben.

Die Manager großer Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone oder KKR sehen das gelassener. „Es wird relativ wenig große Pleiten geben“, sagt Hamilton James, Präsident und Leiter des Tagesgeschäfts von Blackstone. Wie am Rande der für die Beteiligungsbranche wichtigsten europäischen Konferenz zu hören war, ist Blackstone derzeit dabei, ungeachtet der Finanzkrise einen neuen Fonds aufzulegen. Der Beteiligungsfonds soll mit maximal 20 Milliarden Dollar nur ein wenig kleiner sein als der 21,7 Milliarden Dollar schwere Vorgänger, der 2007 geschlossen wurde. Auch Johannes Huth, Europachef der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft KKR, hat keine Sorgenfalten auf der Stirn. Die Bewertungen der Unternehmen würden zwar in den kommenden Quartalen sinken, sagt er. Aber das bedeute nicht, dass dies auch der Fall sein werde, wenn die Unternehmen in einigen Jahren verkauft werden.

Gleichwohl sind große Investoren, die in den vergangenen Jahren immer mehr Geld in Private Equity gesteckt haben, nicht mehr sehr optimistisch. „Wir erwarten, dass die Renditen sehr stark sinken werden“, sagt Joseph Dear, einer der Leiter des staatlichen Washingtoner Pensionsfonds, der 85 Milliarden Dollar verwaltet und mit Investitionen in Private Equity im vergangenen Jahr eine Rendite von 29 Prozent erzielt hat. Aber entscheidend sei, dass die Branche die Aktienmärkte weiterhin übertreffen werde.

In Erwartung der Schieflagen wenden sich nun immer mehr Investoren Fonds zu, die notleidende Kredite kaufen. „Wir haben unsere Investitionen in notleidende Kredite im vergangenen Jahr vervierfacht“, sagt Leon Shahanian, ein Manager des kalifornischen Pensionsfonds Calpers, die auch eine Beteiligung an dem auf Schieflagen spezialisierten Finanzinvestoren Apollo Management besitzt. Auch Blackstone, die erst kürzlich den Kredit-Hedge-Fonds GSO gekauft hat, ist für die schwierigeren Zeiten gut gerüstet: „Wir haben 20 Milliarden Dollar an Kaufkraft für notleidende Kredite“, sagt James.

Allerdings rechnet James nicht damit, dass es bald viel derartiges Geschäft geben wird. Denn dank der laxeren Kredikonditionen dauert es länger, bis ein Kreditgeber die Kontrolle über ein notleidendes Unternehmen erlangen kann. Ein viel besseres Geschäft für die Renditejäger wären die Kredite von Unternehmen, denen es finanziell blendend geht. Die Kreditpapiere vieler von Beteiligungsfonds gekauften Gesellschaften werden angesichts der Risikoscheu der Anleger derzeit zu Preisen weit unterhalb ihres Nennwerts gehandelt.

GvD.news
26.02.2008, 22:13
Qimonda erfreut die Börse
Speicherchiphersteller verschafft sich einen Technikvorsprung gegenüber der Konkurrenz

utb./Kno. FRANKFURT, 26. Februar. Dem Speicherchiphersteller Qimonda ist ein überraschender Entwicklungssprung gelungen. Die Tochtergesellschaft des deutschen Halbleiterherstellers Infinion AG hat in der Nacht zum Dienstag eine neue Produktionstechnik vorgestellt, mit der das defizitäre Unternehmen leistungsstärkere Chips mit doppelt so großer Speicherkapazität herstellen will – und das zur Hälfte der Produktionskosten.

Der Vorstandsvorsitzende der Qimonda AG, Kin Wah Loh, sprach von einem wichtigen Meilenstein für sein Unternehmen: „Wir dürften nun einen Entwicklungsvorsprung von mehreren Monaten gegenüber unseren Wettbewerbern haben“, sagte Loh in einem Gespräch dieser Zeitung. Das ist in der schnelllebigen Chipindustrie ein beachtliches Polster.

Die Finanzmärkte reagierten positiv auf die Nachrichten des Chipherstellers, an dem Infineon noch rund 78 Prozent der Anteile hält. Der Kurs der Qimonda-Aktie stieg am Dienstag im Verlauf um mehr als 9 Prozent; später schwächte sich der Kurszuwachs allerdings wieder etwas ab. Offen bleibt damit auch, ob diese Entwicklung angesichts der Tatsache, dass das Papier in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 70 Prozent seines Wertes eingebüßt hat, den Beginn einer Trendumkehr markiert. Im vergangenen Quartal hatte der drittgrößte Hersteller von Speicherchips der Welt noch einen Verlust von etwa 600 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Chiphersteller leiden aufgrund der Überkapazitäten am Markt unter einem starken Preisverfall.

Die ersten Speicherchips der neuen Generation will Qimonda schon in der zweiten Hälfte dieses Jahres auf den Markt bringen. Bis Ende 2009 soll dann der nächste Entwicklungsschritt genommen werden: Dann will das Unternehmen mit der Massenproduktion der Chips mit einer Strukturbreite von 46 Nanometern beginnen. Insgesamt rechnet Qimonda für die Umrüstung der Produktion mit einem einmaligen Investitionsmehraufwand von etwa 100 Millionen Euro. Eine Aufnahme zusätzlicher Mittel ist hierfür aber nicht nötig, vielmehr sollen die Investitionen über den Zahlungsmittelfluss (Cash-Flow) in den Jahren 2009 und 2010 finanziert werden.

Qimonda produziert sogenannte D-Ram-Chips, die als Bausteine für Computer, aber auch in Mobiltelefonen oder Spielekonsolen eingesetzt werden. Vom Einsatz der neuen Speicherchips sollen sowohl Privatanwender als auch Unternehmenskunden profitieren: So sorgt der niedrigere Energieverbrauch beispielsweise für längere Akku-Laufzeiten von Laptops und Handys. Die Stromkosten in den Rechenzentren dürften durch die höhere Effizienz der Chips ebenfalls deutlich sinken. Zudem sorgen die neuen Speicherbausteine dafür, dass Computeranwendungen mit hohem Speicheraufwand – wie zum Beispiel das Betriebssystem Windows Vista vom Softwarehersteller Microsoft – besser genutzt werden können.

Über den Technikvorsprung von Qimonda dürfte sich nicht zuletzt auch Infineon freuen. Der Münchner Halbleiterhersteller will bis 2009 seinen Qimonda-Anteil auf weniger als 50 Prozent reduzieren. Der Verkauf dürfte sich angesichts der neuesten Entwicklungen nun leichter gestalten.

GvD.news
26.02.2008, 22:13
Solarunternehmen profitieren von Kapazitätsausbau
Solon und Ersol wachsen stärker als erwartet / Aktienkurse weiter schwach

itz. LEIPZIG, 26. Februar. Nach dem Branchenprimus Q-Cells melden auch die ostdeutschen Solarunternehmen Ersol und Solon ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2007 und einen guten Ausblick. Damit setzen sie sich von den schwachen Leistungen des Verlustbringers und ehemaligen Marktführers Conergy aus Hamburg ab. Wie es heißt, zahlten sich jetzt die Kapazitätserweiterungen und die langfristigen Lieferverträge aus. Alle Unternehmen sind im Index Tecdax gelistet. Trotz der guten Geschäftszahlen fielen die Kurse im Handelsverlauf, bei Ersol bis zum Nachmittag um 0,6 Prozent auf 64 Euro, bei Solon um 4,2 Prozent auf 52,40 Euro.

Der Modulhersteller und Solarkraftwerksbauer Solon übertraf 2007 seine im November bereits angehobenen Ziele. Er steigerte den Konzernumsatz um 45 Prozent auf 503 Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 41 Prozent auf 35 Millionen Euro; erwartet worden waren je 40 Prozent. Das um Einmaleffekte bereinigte Nettoergebnis im Konzern stieg den Angaben zufolge um 46 Prozent auf 21 Millionen Euro. Je Aktie betrug das Plus 31 Prozent auf 2,05 Euro. Bezieht man Veräußerungsgewinne, Neubewertungen von Beteiligungen und die Rückzahlung einer Wandelanleihe mit ein, betrug das Konzernergebnis 37 Millionen Euro oder 3,62 Euro je Aktie.

2008 will die Solon AG für Solartechnik, Berlin, 850 bis 900 Millionen Euro umsetzen und auch das Konzernergebnis „entsprechend“ erhöhen. Das wären bei einem Anstieg um knapp 70 Prozent etwa 35 Millionen Euro. Für 2009 erwarte der Vorstand ein Wachstum um 50 Prozent. 2012 soll der Umsatz rund 2 Milliarden Euro erreichen. Um den Zuwachs realisieren zu können, würden die Kapazitäten 2008 auf eine theoretische Gesamtleistung aller Module von 500 Megawatt (MW) annähernd verdoppelt. Der wichtigste Ausbau in den fünf Werken in Deutschland, Österreich, Italien und Amerika erfolge in Greifswald. Die nötigen Zellen habe man sich langfristig gesichert.

Solon ist der wichtigste Kunde des Thüringer Solarzellenherstellers Ersol Solar Energy AG, Erfurt. Auch dessen Geschäfte liefen 2007 besser als erwartet, wenngleich der hohe Finanzierungsbedarf für den Ausbau das Vorsteuerergebnis drückte. Unternehmensangaben zufolge stieg der Umsatz 2007 um mehr als ein Viertel auf 160,2 Millionen Euro. Das Ebit legte um 10 Prozent auf 22,3 Millionen Euro zu. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) ging stark um fast ein Drittel auf 13,4 Millionen Euro zurück. Hier hätten die Finanzierungsaufwendungen für höhere Kredite sowie Zins- und Währungssicherungsgeschäfte zu Buche geschlagen. Den Überschuss enthalten die vorläufigen Zahlen nicht. 2007 sei das Jahr des größten Ausbaus gewesen, wovon man 2008 profitieren werde, sagte der Vorstandsvorsitzende Claus Beneking. „Jetzt kann Ersol die Früchte bisheriger Arbeit ernten“, Der Umsatz werde auf 300 bis 320 Millionen Euro zulegen, das Ebit auf 70 bis 80 Millionen. Für 2009 seien Erlöse von 420 bis 440 Millionen und ein Ebit von 90 bis 100 Millionen geplant. Bis Ende 2012 will man für 500 Millionen Euro die Kapazität für kristalline Zellen auf 550 MW erweitern. Die Produktion sei schon zu 60 bis 70 Prozent verkauft.

GvD.news
26.02.2008, 22:14
Altana will das hohe Wachstumstempo halten
Der Spezialchemiekonzern scheut sich nicht vor größeren Akquisitionen

B.K. DÜSSELDORF, 26. Februar. Bei dem Chemiespezialisten Altana AG aus Wesel stehen die Zeichen ganz auf Expansion. Auch wirklich große Akquisition, die über die üblichen kleineren Zukäufe zur Arrondierung oder regionalen Erweiterung der bestehenden Geschäfte hinausgehen würde, schließt Matthias Wolfgruber nicht aus. Wie der Vorstandsvorsitzende des nach der Abspaltung der Pharmasparte ausschließlich auf die Spezialchemie konzentrierten Unternehmens im Gespräch mit dieser Zeitung sagt, besitzt das Unternehmen den nötigen finanziellen Spielraum, einen mehr als eine Milliarde Euro schweren Zukauf zu stemmen. Zu den möglichen Optionen gehört auch der Einstieg in ein völlig neues Geschäft, das die vorhandenen vier Unternehmenssäulen um eine weitere ergänzen könnte.

Allerdings verweist Wolfgruber auf die sehr strengen Investitionskriterien seines Hauses: „Es kommen nur Spezialitätengeschäfte in wachstumsstarken Nischenmärkten in Frage, in denen Altana die Chance auf Marktführerschaft hat.“ Auch muss ein Neuzugang spätestens im zweiten Folgejahr positiv zum Ergebnis beitragen. Eine Verwässerung der robusten Ergebnissituation darf jedenfalls nicht eintreten.

Ein gutes Beispiel liefert nach seinen Worten die bisher größte Akquisition in der Firmengeschichte: Im Jahr 2005 hatte Altana mit dem damals 630 Millionen Euro teuren Erwerb des Fürther Pigmentspezialisten Eckart einen kräftigen Wachstumssprung gemacht und sich in einem neuen Geschäftsfeld zum Weltmarktführer aufgeschwungen. Diesen Zukauf im Volumen zu übertreffen traut man sich in Wesel ohne weiteres zu. „Wir haben nicht nur die Mittel dazu, sondern auch die Kompetenz und die Leute.“ Doch auch ohne größere Zukäufe wird Altana nach Wolfgrubers Plänen die Wachstumsdynamik der vergangenen Jahre weiter aufrechert halten. Mittelfristig werde der Konzernumsatz deutlich über dem derzeitigen Niveau von rund 1,4 Milliarden Euro liegen, und zwar unter Beibehaltung einer überdurchschnittlichen Ertragskraft, verspricht er. „6 plus 4 plus x“, lautet seine Formel. Im mehrjährigen Mittel soll das organische Wachstum 6 Prozent ausmachen und der durch Zukäufe erzielte Zuwachs 4 Prozent. Hinzu käme die mögliche Großakquisition.

„Wir wollen nicht wachsen um der schieren Größe willen“, schränkt er aber mit dem Hinweis darauf ein, dass Altana in dreieinhalb seiner vier Geschäftsfelder ohnehin Weltmarktführer ist, so beispielsweise bei Farbadditiven, Effekt-Pigmenten oder Elektrodraht-Ummantelungen. „Aber gewisse Skaleneffekte würden schon helfen, als Arbeitgeber vor allem international noch attraktiver zu sein“, stellt der promovierte Chemiker fest.

Mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zeigt sich Wolfgruber sehr zufrieden. „Die Neupositionierung der Altana und die Verlegung der Holding-Zentrale ist sehr effizient und geräuschlos verlaufen“, blickt er zurück. Auch sei es in der Kommunikation mit dem Kapitalmarkt gelungen, das vom Börsensegment DAX in den Nebenwerteindex M-DAX übergewechselte Unternehmen nicht mehr als Konglomerat, sondern als reinen Spezialchemie-Konzern zu positionieren. Mit dem auf großen Werbeplakaten zu lesenden Spruch „Kunst kommt aus Kassel, Computer aus Kalifornien und Spezialchemie aus Wesel“ bekennt sich das Unternehmen zudem ausdrücklich zum neuen Firmensitz.

Doch auch wirtschaftlich war 2007 ein „bombenstarkes Jahr“, wie Wolfgruber sagt. Bei einem sowohl im Inland als auch im internationalen Geschäft erzielten Umsatzplus von bereinigt 9 Prozent schaffte Altana beim operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und allen Abschreibungen (Ebitda) einen überdurchschnittlichen Sprung von 33 Prozent.

Für das laufende Jahr erwartet er nach wie vor robuste Absatzmärkte, wenngleich sich die Chemiekonjunktur leicht abschwächen dürfte. Der mit seinen Spezialitäten kaum von den Chemiezyklen abhängige Konzern sieht derzeit das größte Wachstum in Asien, gefolgt von Europa und Amerika. Nach bisherigen Prognosen soll der Umsatz in diesem Jahr währungs- und akquisitionsbereinigt im einstelligen Prozentbereich zulegen. Eine Konkretisierung seines Ausblicks kündigt Wolfgruber für die Bilanzpressekonferenz Mitte März an.

GvD.news
26.02.2008, 22:14
Einmaleffekte steigern den Lufthansa-Gewinn

noa. FRANKFURT, 26. Februar. Die Deutsche Lufthansa hat im vergangenen Jahr ihr Ergebnis verdoppelt und die Erwartungen von Experten übertroffen. Wie das Unternehmen am Dienstag mit Bezug auf vorläufige Zahlen mitteilte, erhöhte sich das Konzernergebnis von 803 Millionen auf 1,66 Milliarden Euro. Zu dem deutlichen Gewinnplus trugen sowohl die „positive Geschäftsentwicklung“ als auch „Erträge aus dem Portfoliomanagement“ bei, wie es in einer Mitteilung des Konzerns heißt.

Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa aus dem Verkauf ihrer Beteiligung an dem zweitgrößten europäischen Reisekonzern Thomas Cook AG an die Arcandor AG bisherigen Angaben zufolge einen Buchgewinn von 503 Millionen Euro erzielt. Das operative Ergebnis der größten deutschen Fluggesellschaft ist den Angaben zufolge von 845 Millionen Euro auf knapp 1,4 Milliarden Euro gestiegen. Damit übertraf das Unternehmen die eigene, durchaus vorsichtige Prognose und die Erwartungen von Experten, die im Mittel von 1,3 Milliarden Euro ausgegangen waren.

Gleichzeitig sei der Umsatz von 19,8 Milliarden auf 22,4 Milliarden Euro gestiegen. Auch hier wurden die Analystenschätzungen von durchschnittlich 22,2 Milliarden Euro leicht übertroffen. Aktionäre sollen mit einer um 55 Cent auf 1,25 Euro erhöhten Dividende je Aktie am Erfolg beteiligt werden. Ihre vollständigen Geschäftszahlen wird die zweitgrößte Fluggesellschaft Europas am 12. März in Frankfurt bekanntgeben.

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26.02.2008, 22:14
Blackstone hat Evonik und Telekom im Blick

da. MÜNCHEN, 26. Februar. Der amerikanische Finanzinvestor Blackstone zeigt Interesse an der zum Verkauf stehenden Minderheitsbeteiligung des Industriekonzerns Evonik. „Unter bestimmten Voraussetzungen wäre eine Beteiligung an Evonik für uns interessant“, sagte Blackstone-Partner David Blitzer am Rande der Private-Equity-Konferenz „Superreturn“ in München. Er nannte zwei Bedingungen, die dafür erfüllt sein müssten: Blackstone müsse einen Einfluss auf das Management haben können. Außerdem müsse der Weg zu einem späteren Börsengang des Mischkonzerns offen sein.

Die RAG-Stiftung als alleiniger Besitzer von Evonik hatte kürzlich einen Börsengang in diesem Jahr verworfen. Stattdessen will sie nun einen Minderheitsanteil von 25 Prozent an einen Finanzinvestor verkaufen. Neben Blackstone gelten auch die amerikanischen und britischen Beteiligungsfonds Bain Capital, BC Partners, Permira und KKR als interessiert. Offiziell hat die Stiftung bislang noch nicht bestätigt, dass ein Börsengang vom Tisch ist.

Auch über eine Aufstockung seines Anteils an der Deutschen Telekom denkt Blackstone nach. „Wir könnten darüber nachdenken – wenn der Preis stimmt“, sagte James Hamilton, der Präsident und Leiter des Tagesgeschäfts der mit einem 21,7 Milliarden Dollar großen Fonds wohl größten Beteiligungsgesellschaft der Welt. Mit der Bundesregierung sei vor knapp zwei Jahren die Erlaubnis vereinbart worden, weitere 2 Prozent der Aktien zu kaufen. Damals hatte Blackstone für 2,7 Milliarden Euro einen Anteil von 4,5 Prozent erworben. Dies war die erste Minderheitsbeteiligung eines Private-Equity-Fonds an einem der ganz großen börsennotierten Unternehmen. Der Telekom-Kurs ist seither kaum gestiegen, die Rendite ist laut James nicht zuletzt wegen des gefallenen Dollarkurses dennoch positiv.

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26.02.2008, 22:15
Ifo-Geschäftsklima überraschend verbessert
Aber die Konsumflaute bremst das Wachstum im vierten Quartal 2007

rike./wmu. FRANKFURT/BRÜSSEL, 26. Februar. Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im Februar überraschend leicht verbessert. Der vom Münchner Ifo-Institut erhobene Geschäftsklimaindex legte um 0,7 auf 104,1 Punkte zu. Konjunkturbeobachter hatten mit einem Rückgang gerechnet. Die Unternehmen beurteilen ihre derzeitige Lage deutlich besser als noch im Januar. Der Teilindikator für die Erwartungen ging allerdings leicht zurück. Am kräftigsten hellte sich die Stimmung im Einzelhandel auf, dessen Geschäfte zuletzt sehr schwach liefen. Die Betriebe beurteilten nun sowohl ihre gegenwärtige Lage als auch ihre Aussichten für die kommenden sechs Monate deutlich besser. Auch im Großhandel verbesserte sich das Geschäftsklima leicht, während es im verarbeitenden Gewerbe leicht und im Bauhauptgewerbe stark nach unten ging. Ökonomen sahen in dem gestiegenen Ifo-Index allerdings kein Zeichen für eine Trendwende, da die Erwartungen sich verschlechterten und nur der Einzelhandel bessere Werte melde. „Insgesamt befindet sich die gewerbliche Wirtschaft in einer robusten Verfassung“, kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn die Zahlen. „Die Erwartungen deuten aber weiterhin auf eine konjunkturelle Abkühlung hin.“

Für den gesamten Euro-Raum hält er nicht 2008 für das konjunkturell schwierigste Jahr, sondern erst 2009. Die durch die Subprime-Krise ausgelöste Wachstumsabbremsung in Amerika werde den Euro-Raum wohl erst im kommenden Jahr voll erreichen, sagte Sinn zur Präsentation des Jahresberichts der European Economic Advisory Group (EEAG) in Brüssel. „Es hat im Aufschwung lange gedauert, bis wir von Amerika profitiert haben, und es wird auch im Abschwung länger dauern, bis wir Amerika spüren.“ Die EEAG – ein Zusammenschluss von sieben europäischen Ökonomen, die sich unter dem Dach des Ifo-Instituts zusammengefunden haben – prognostiziert für 2008 ein Wachstum von 1,8 Prozent im Euro-Raum; der Wert entspricht der in der vergangenen Woche veröffentlichten Prognose der Europäischen Kommission. Für 2009 veröffentlichte die Gruppe noch keine Prognose. Sinn sagte, er erwarte keine Rezession, sondern ein verlangsamtes Wachstum. Deshalb sei es richtig, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen nicht gesenkt habe. Sie solle es vorläufig auch weiter nicht tun. „Das Pulver muss trocken bleiben, bis die EZB wirklich einmal Anlass hat einzugreifen.“

Die Abkühlung der deutschen Wirtschaft ist auch an den Zahlen zur Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2007 erkennbar, die das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden veröffentlichte. Das Tempo des Wirtschaftswachstums verringerte sich demnach deutlich. Als Wachstumsbremse erwies sich zum Jahresende vor allem der private Konsum. Im Schlussquartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – bereinigt um Preis-, Saison- und Kalendereffekte – gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent. Damit bestätigten die Statistiker ihre erste Schätzung vom 14. Februar. In den Monaten Juli bis September hatte das Wachstum noch 0,7 Prozent betragen.

Der private Konsum brach im Schlussquartal 2007 um 0,8 Prozent ein, nachdem er im Frühling und Sommer noch gestiegen war. Dementsprechend hemmte der Rückgang der privaten Konsumausgaben mit einem Wachstumsbeitrag von minus 0,4 Prozentpunkten das Wirtschaftswachstum in den Wintermonaten. Volkswirte der Commerzbank erklärten den Rückgang zum einen mit dem direkten Kaufkraftentzug durch die hohen Energie- und Lebensmittelpreise. Zum anderen hätten die Preissteigerungen auch indirekt über eine Verschlechterung der allgemeinen Verbraucherstimmung gewirkt. Auch der Staatskonsum ging zurück und leistete einen Wachstumsbeitrag von minus 0,1 Prozentpunkten.

Im Inland trugen allein die Bruttoanlageinvestitionen der Unternehmen mit 0,2 Prozentpunkten positiv zum Wachstum bei. Sie legten, verglichen mit dem Vorquartal, um 1,1 Prozent zu. Kräftig, mit 3,4 Prozent, stiegen vor allem die Ausrüstungsinvestitionen. Die Bauinvestitionen gingen dagegen um 1,1 Prozent zurück. Der Außenhandel erwies sich als wichtige Stütze des Wachstums. Der Export legte um 1,3 Prozent zu, während der Import leicht um 0,2 Prozent zurückging. Der daraus resultierende positive Außenbeitrag trug 0,7 Prozentpunkte zum Quartalswachstum bei. Für das gesamte Jahr 2007 beträgt die Wachstumsrate 2,5 Prozent. Damit bestätigten die Statistiker ihre vorläufige Schätzung. Die Commerzbank-Ökonomen verwiesen darauf, dass die Dynamik von Export und Unternehmensinvestitionen im laufenden Jahr nachlassen dürfte. Der Konsum werde dies wohl nicht ausgleichen können, weshalb 2008 nur noch mit einer unterdurchschnittlichen Konjunkturdynamik zu rechnen sei.

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26.02.2008, 22:15
Siemens will einen zweiten BenQ-Fall verhindern
Der Elektronikkonzern streicht in seiner Telekommunikationssparte Tausende Stellen. Der Bereich soll verkauft – und deshalb restrukturiert werden.

theu. MÜNCHEN, 26. Februar. Die Ausgangssituation bei Siemens weckt traurige Erinnerungen: Wie vor drei Jahren im Fall der Handysparte sucht der Münchner Elektronikkonzern auch jetzt wieder nach Käufern für defizitäre Teile seines Telekommunikationsgeschäfts. Dieses Mal geht es um die Telekommunikationstechnik für Firmenkunden (SEN). Das Unternehmen will sich von 6800 Mitarbeitern trennen. Schon der Ausstieg aus dem Handygeschäft war für den Konzern 2006 zu einem Ende mit Schrecken geraten: Nur gut ein Jahr nachdem Siemens die defizitäre Sparte, versehen mit einer Mitgift in dreistelliger Millionenhöhe, an den taiwanischen BenQ-Konzern verschenkt hatte, schickte dieser das Unternehmen mit Tausenden Mitarbeitern in die Insolvenz. Am Pranger stand Siemens. Der Traditionskonzern habe die Sparte nur an die Asiaten abgegeben, um sich mit der Abwicklung nicht selbst die Finger schmutzig zu machen, lautete der Vorwurf.

Dieses Mal verspricht Siemens, alles besser zu machen. „Es wird kein zweites BenQ geben“, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser am Dienstag. Siemens werde die verlustreiche SEN-Sparte, für die seit mehr als anderthalb Jahren ein neuer Eigentümer gesucht wird, nur „voll restrukturiert“ und „durchfinanziert“ abgeben, versicherte Kaeser. „Bei SEN gehen nicht die Lichter aus“, sagte er.

Die Restrukturierung des Geschäftsfelds ist wie erwartet mit einem massiven Arbeitsplatzabbau verbunden. Siemens bestätigte am Dienstag einen Bericht dieser Zeitung, dass gut die Hälfte der deutschen SEN-Stellen wegfallen (F.A.Z. vom 23. Februar) werden. Von 3200 der bisher rund 6200 Mitarbeiter des Bereichs im Inland will sich Siemens trennen. Davon würden bis zu 2000 Stellen ganz gestrichen, 1200 Arbeitsplätze entfielen auf Bereiche, die Siemens verkaufen wolle, sagte Kaeser. Betroffen davon ist unter anderem das SEN-Werk in Leipzig mit 530 Stellen. Auch im Ausland zückt Siemens den Rotstift. Hier sollen bei SEN durch Kürzungen und Verkäufe insgesamt weitere 3600 Arbeitsplätze wegfallen.

Kaeser bezeichnete die Verluste von SEN als „bedrückend“. Der Bereich habe im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von rund 3,2 Milliarden Euro einen Fehlbetrag von 602 Millionen Euro vor Steuern erwirtschaftet. Verglichen mit Konkurrenten wie Cisco, IBM und Avaya seien die Kosten 10 Prozent höher. Siemens werde der Stellenabbau, der sozialverträglich erfolge, einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag kosten, sagte Kaeser. Für die betroffenen Mitarbeiter soll eine „Transfergesellschaft“ geschaffen werden. Deren Aufgabe ist es, Beschäftigte für neue Arbeitsplätze im Siemens-Konzern oder in anderen Unternehmen zu qualifizieren. Bei SEN sind betriebsbedingte Kündigungen bis September 2009 vertraglich ausgeschlossen.

Gewerkschafter kritisierten die Kürzungspläne von Siemens. „Nur Personal abbauen und verkaufen ist verantwortungslos“, sagte Werner Neugebauer, Bezirksleiter der IG Metall in Bayern. Die Gewerkschaft sei jedoch bereit, mit dem Unternehmen über „Lösungen mit echten Perspektiven für die Beschäftigten zu verhandeln.“

Kaeser wollte sich nicht dazu äußern, wie weit Siemens mit der langwierigen Suche nach einem neuen Eigentümer für SEN mittlerweile ist. Denkbar sei, dass Siemens zunächst Minderheitsgesellschafter bleibe. Auch Finanzinvestoren kämen als Partner in Frage. Er ließ offen, ob Siemens einen Verkaufserlös für SEN erwartet oder den Bereich wie die Handysparte verschenkt. Bislang hatte Siemens die Absicht, bis Jahresmitte einen neuen Eigner für die Sparte zu finden, weil Siemens SEN sonst wieder als fortgeführte Aktivität in die Bilanz nehmen müsste. Kaeser relativiert diese Vorgabe mittlerweile aber: „Wir werden wegen der Bilanzregeln nicht voreilig etwas machen, was nicht tragfähig ist“, sagte er.

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27.02.2008, 23:49
DWS-Verkauf löst Kurssturz der K+S-Aktie aus
Düngemittelhersteller hielt bisher der Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten stand

mho. FRANKFURT, 27. Februar. Es gibt nur wenige Aktien an den deutschen Börsen, die zuletzt die gute Kursentwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt haben. Zu diesen Ausnahmen zählt der Anteilsschein des Düngemittelherstellers K+S. Zwar kam der Aktienkurs nicht ungeschoren davon und verzeichnete im November und im Januar Einbrüche von jeweils mehr als 20 Prozent. Doch waren diese stets vorübergehend. Noch am Dienstag kletterte der Kurs mit 209,21 Euro auf ein Allzeithoch.

Allerdings brach der Kurs am Mittwoch kräftig um bis zu 8,2 Prozent auf 192 Euro ein. Ursache war eine Stimmrechtsmeldung des Unternehmens, wonach die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, ihre Beteiligung zum zweiten Mal innerhalb von vier Monaten gesenkt hat. Dabei sank der Anteil, der ursprünglich 5,5 Prozent betragen hatte, auf nur noch knapp 3 Prozent. Schon vor drei Wochen hatte auch die Fondsgesellschaft Fidelity ihren Anteil auf weniger als 3 Prozent reduziert.

Bislang hatte der Aktienkurs negativen Meldungen längerfristig widerstehen können, bietet der Wert doch angesichts einer hohen Nachfrage nach Agrarrohstoffen genug Phantasie. Viele hoffen, dass das Unternehmen von diesem Boom profitieren kann. Immerhin soll der operative Gewinn nach Analystenprognosen im kommenden Jahr um bis zu 88 Prozent steigen. Und bei einer Marktkapitalisierung von rund 8 Milliarden Euro gilt das Unternehmen auch als Kandidat für den Deutschen Aktienindex Dax, der stets 30 Aktien enthält. K+S rangiert nach Börsenwert dort doch auf Rang 25. Sobald ein Platz frei wird, hätte der Titel somit gute Chancen, in den Leitindex des deutschen Aktienmarktes aufzusteigen.

Weitere Phantasie geht von dem russischen Großaktionär des Unternehmens aus. Im September hatte die Beteiligungsgesellschaft Linea des Industriellen Andrej Melnitschenko einen Anteil von 6,75 Prozent erworben und mitgeteilt, eine Kooperation anzustreben. Da die Linea-Tochtergesellschaften Eurochem Mineral and Chemical Company in der gleichen Branche tätig sind wie K+S, hören die Übernahmespekulationen seitdem nicht auf. Dabei ließen sich die Anleger auch nicht von einer im Oktober aufgrund des starken Euro ausgesprochenen Gewinnwarnung irritieren.

Doch nun mehren sich die kritischen Stimmen. Erstens wird der Aufstieg den Charttechnikern langsam unheimlich – einige machen eine überkaufte Situation aus. Zweitens liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der durchschnittlichen Analystenschätzungen für das laufende Jahr bereits bei 18. So bieten sich preiswertere Alternativen an. Drittens sieht sich K+S politischem Gegenwind ausgesetzt. Der hat mit der Landtagswahl in Hessen zugenommen. Denn 2012 läuft die Genehmigung aus, die es dem Unternehmen ermöglicht, salzhaltige Abwässer in die Werra einzuleiten. Eine SPD-geführte Landesregierung könnte den Kurs gegen K+S verschärfen, besonders dann, wenn das Kabinett tatsächlich von der Linkspartei toleriert sein sollte.

Solange der Kursrückgang nur auf einer Stimmrechtsmeldung basiert, sind die Chancen gut, dass der Einbruch Episode bleibt. Entscheidend dürfte sein, ob der Ausblick auf 2008, den K + S in zwei Wochen bei der Bilanzvorlage geben wird, die Phantasie stützen kann, die den Aktienkurs bislang angetrieben hat.

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27.02.2008, 23:50
Dollar-Schwäche treibt Goldpreis
Auch die Preise von Silber und Palladium steigen kräftig

hi. FRANKFURT, 27. Februar. Der Goldpreis ist am Mittwoch auf neue Rekordhöhen gesprungen, und auch die anderen börsengehandelten Edelmetalle zeigten sich in fester Verfassung. Besonders bemerkenswert erscheint, dass Gold gegenüber allen bedeutenden Währungen, also auch gegenüber dem Euro, neue Höchststände erreichte. Beim Vormittagsfixing in London wurden Preise von 958,75 Dollar beziehungsweise 636,32 Euro je Feinunze (31,1 Gramm) ermittelt. Silber erreichte mit mehr als 19 Dollar je Unze das höchste Niveau seit 27 Jahren. Platin, das sich in den zurückliegenden Wochen außerordentlich stark verteuert hatte, zog diesmal nur mäßig an und blieb hinter seinem in der vergangenen Woche verzeichneten Höchststand zurück. Dafür sprangen aber die Notierungen für Palladium auf gut 550 Dollar je Unze und damit auf das höchste Niveau seit mehr als sechs Jahren.

Anlass für die Preissteigerungen bei den Edelmetallen, und hier vor allem bei Gold, war nach einhelliger Darstellung der jüngste Schwächeanfall des amerikanischen Dollar, der den handelsgewichteten Dollar-Index auf ein noch nie verzeichnetes Tief drückte. Gold verhält sich zum Dollar meist wie eine Währung. Fachleute heben immer wieder hervor, sein in allen führenden Währungen verzeichneter Rekordpreis sei eine Abstimmung der Anleger für das Edelmetall und gegen diese Valuten. In den meisten Darstellungen wird auch Inflationsfurcht für die Preissteigerungen angeführt. Dies ist ein Standardargument, das selbst dann gebetsmühlenartig wiederholt wird, wenn sich die allgemeine Teuerung in akzeptablen Bahnen bewegt.

Zahlreiche Ökonomen und Anlagestrategen, darunter Albert Edwards (Société Générale), Jörg Krämer (Commerzbank) und David Rosenberg (Merrill Lynch) bestreiten vor allem mit Hinweis auf die sich verschlechternden konjunkturellen Aussichten, dass Inflation derzeit tatsächlich ein Thema bei Anlageentscheidungen sei. Beachtenswert erscheint in diesem Zusammenhang jedoch, dass die realen Zinsen in Amerika negativ sind und dass negative reale Zinsen in der Vergangenheit meist ein Motiv zum Kauf des Edelmetalls waren.

Unbestritten spielt die Spekulation in Form der Hedge-Fonds in der gegenwärtigen Lage an den Märkten für Edelmetalle eine herausragende Rolle. Dies zeigt der zuletzt verzeichnete Rekordstand der Netto-Kaufpositionen dieser Gruppe an der Terminbörse in New York (Comex). Wie so häufig in Phasen starker Preisbewegungen, so gibt auch jetzt der Terminmarkt wieder die Tendenz vor, vor allem beim Gold. Am letztlich entscheidenden physischen Markt lässt sich das jüngste Geschehen nach Darstellung von Händlern nicht nachvollziehen. Im Gegenteil, die Nachfrage vor allem der Schmuckhersteller ist hier nicht nur weitgehend erlahmt, sondern Privatleute verkaufen auch zunehmend Gold in seinen verschiedensten Erscheinungsformen zum Einschmelzen. Heraeus schreibt hierzu, es bewege sich ein „Altgold-Tsunami“ auf den Markt zu.

Silber gilt als reiner Mitläufer der Gold-Hausse. Viele Quellen, darunter Barclays Capital, stehen diesem Edelmetall sehr skeptisch gegenüber. Wenn die jüngsten Preissteigerungen hier den Eindruck vermittelten, es herrsche Knappheit an Silber, so sei dies ein Irrtum, heißt es weithin. Gleiches gilt für Palladium, ein Metall der Platingruppe. Über die solideste fundamentale Basis für Preissteigerungen verfügt nach verbreiteter Überzeugung Platin, das überwiegend zur Herstellung von Abgaskatalysatoren verwendet wird. Zehn Jahre ununterbrochener Produktionsdefizite und sich häufender Produktionsschwierigkeiten in Südafrika schüren akute Verknappungsfurcht.

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27.02.2008, 23:50
Staatsfonds springen in die Bresche
Private Equity sucht nach Alternativen zu Investmentbanken

da. MÜNCHEN, 27. Februar. Große Staatsfonds wie Adia könnten bald als Kreditgeber für Private-Equity-Fonds auftreten und damit für die angeschlagenen Investmentbanken in die Bresche springen. „Adia ersetzt die Wall Street“, sagte der Gründer der Beteiligungsgesellschaft Terra Firma, Guy Hands, auf der Branchenkonferenz Superreturn in München. „Derzeit werden Übernahmen verhandelt, die ohne Wall-Street-Banken finanziert werden.“ Große Beteiligungsgesellschaften wie Blackstone und Cerberus seien dabei, den Banken Kreditmarktspezialisten abzuwerben. Mit dieser Expertise seien sie in der Lage, von Staats- und Pensionsfonds Fremdkapital für einzelne Firmenkäufe aufzunehmen.

Auf den Bilanzen der Banken lasten seit dem Beginn der Kapitalmarktkrise im vergangenen Juli immer noch Akquisitionskredite von rund 200 Milliarden Dollar. Solange die Banken diese Darlehen nicht an andere Anleger weitergeben können, vergeben sie keine neuen Großkredite an Beteiligungsfonds. Es werde bis zu drei Jahre dauern, bis die Banken derartige Kredite wieder in großem Stil ausgäben, erwartet David Rubenstein, Mitgründer und Leiter der amerikanischen Carlyle-Gruppe. Einzelne Beteiligungsfonds haben schon seit Jahren Fonds für Übernahmekredite, die aber immer nur Einzelkredite eines Finanzierungspakets erwerben. Wenn die Beteiligungsfonds künftig an den Banken vorbei Firmenkäufe finanzieren würden, käme das einer Revolution gleich. Bislang gab es dafür nur einen Präzedenzfall: lediglich eine kleinere Übernahme, die von Hedge-Fonds fremdfinanziert wurde. Zudem haben Beteiligungsfonds in den vergangenen Monaten besonders in Europa lokale, von der Kreditmarktkrise wenig betroffene Banken zur Finanzierung genutzt. Doch das waren nur Übernahmen im Volumen von ein bis zwei Milliarden Euro. Mit Hilfe der Staatsfonds kämen wieder weitaus größere Unternehmen in Reichweite.

Nach den Worten von Hands könnten die Finanzinvestoren je Staatsfonds Fremdkapital in Höhe von ein bis zwei Milliarden Euro aufnehmen. Die von der Politik ungeliebten Staatsfonds und die mitunter ebenso wenig goutierten Beteiligungsfonds arbeiten immer enger zusammen. Mehrere große Staatsfonds sind an Finanzinvestoren wie Carlyle oder Blackstone direkt beteiligt und investieren immer größere große Summen in deren Fonds.

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27.02.2008, 23:50
Versatel macht mehr Verlust
Interesse an der DSL-Sparte von Freenet

FRANKFURT, 27. Februar (Reuters). Der Telekom- und Internetanbieter Versatel kommt angesichts eines immer teureren Wettbewerbs um Neukunden vorerst nicht aus den Verlusten heraus. Wachsen will der Börsenneuling nun durch Zukäufe. Der Vorsitzende des Vorstands, Peer Knauer, meldete überraschend Interesse an der zum Verkauf stehenden Internet- sparte des Konkurrenten Freenet an.

„Strategisch gesehen, könnte das für Versatel von Interesse sein. Wir würden das prüfen, wenn Freenet den angekündigten Verkaufsprozess tatsächlich eingeleitet hat“, sagte Knauer am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Mit der Freenet-Sparte für schnelle DSL-Internetanschlüsse würde Versatel seinen eigenen Kundenstamm von derzeit 657 000 DSL-Kunden auf einen Schlag auf zwei Millionen verdreifachen. Freenet-Chef Eckhard Spoerr hatte vorige Woche erklärt, es würden bereits erste Gespräche mit Interessenten für das DSL-Geschäft geführt.

Versatel machte 2007 mit einem Konzernverlust von 89 Millionen Euro um mehr als zwei Drittel mehr Verlust. Dabei hätten allerdings auch Sonderaufwendungen – etwa für den Börsengang – das Ergebnis belastet, sagte Knauer. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel um 10 Prozent auf 191 Millionen Euro. Der Jahresumsatz stieg um 5 Prozent auf gut 700 Millionen Euro und soll 2008 ähnlich stark auf 730 bis 740 Millionen Euro zulegen. Auch das Ebitda soll um 5 Prozent wachsen. Die Zahl der Neukunden blieb mit 185 000 unter der erhofften Zielmarke von 200 000. Für 2008 rechnet Versatel noch mit deutlich weniger Neukunden. Dennoch will Versatel den Konzernverlust in diesem Jahr halbieren. Für 2009 sei mit schwarzen Zahlen zu rechnen, kündigte Knauer an. Im vierten Quartal 2007 sei der Verlust deutlich geringer gewesen als im Vorquartal. „Künftig geht Profitabilität vor Wachstum um jeden Preis“, sagte er.

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27.02.2008, 23:50
SAP erwartet für die Zukunft 35-Prozent-Marge

mir. LUDWIGSHAFEN, 27. Februar. Der Softwarekonzern SAP will, nach hohen Investitionen in den vergangenen beiden Jahren, nun seine Marge steigern. Vorstandssprecher Henning Kagermann sagte vor Investoren in Las Vegas, dass vom kommenden Jahr an eine operative Marge von 35 Prozent möglich sei. Im vergangenen Jahr lag diese Kennzahl bei 27,3 Prozent, 2008 sollen es bis zu 28 Prozent werden. Die höhere Marge soll nach der Integration der Milliardenübernahme von Business Objects und dem Ende der Investitionsphase bei der neuen Mittelstandsmietsoftware „Business by Design“ erreicht werden. Ob die 35 Prozent auch überschritten werden, hänge vom Erfolg der Mittelstandssoftware ab, sagte Kagermann. SAP-Kunden sind traditionell größere Unternehmen. Im Januar hatte Kagermann von 150 Kunden für die neue Mittelstandssoftware gesprochen. 50 von ihnen seien zahlende Kunden, der Rest sei interessiert oder teste das Produkt. Branchenkenner rechnen damit, dass SAP auf der Messe Cebit nächste Woche das Überschreiten der Schwelle von 500 Kunden bekanntgibt, zum Jahresende sollen es mehr als 1000 sein. Wie viele davon bezahlen, ist jedoch offen. SAP plant, insgesamt 400 Millionen Euro in die Software zu investieren. Diese Ausgaben wurden zuletzt als Grund für eine geringere Marge genannt.

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27.02.2008, 23:51
Google fällt in Ungnade
Die Zeiten als Börsenliebling sind vorerst vorbei / Marktforschungsdaten schüren Sorgen

lid. NEW YORK, 27. Februar. Das amerikanische Internetunternehmen Google hat seinen Rang als Liebling der Finanzmärkte fürs Erste eingebüßt. Der schon seit einigen Wochen andauernde Abschwung der Google-Aktie hat sich nun beschleunigt, nachdem Daten eines amerikanischen Marktforschungsinstituts Sorgen über das Wachstum des Unternehmens verstärkt haben. Die Daten veranlassten mehrere Analysten dazu, ihre Kursziele nach unten zu korrigieren. Daraufhin verlor der Aktienkurs von Google am Dienstag fast 5 Prozent an Wert, am Mittwoch notierte er mit 470 Dollar leicht im Plus.

Noch im vergangenen Herbst schien die Aktie von Google nicht zu bremsen und durchbrach eine Schallmauer nach der nächsten. Im Oktober übersprang das Papier innerhalb weniger Wochen die Marken von 600 und 700 Dollar, im November erreichte die Aktie einen zwischenzeitlichen Höchststand von 742 Dollar. Gegenüber diesem Wert hat das Papier nun 37 Prozent an Wert eingebüßt, die Marktkapitalisierung ist um mehr als 80 Milliarden Dollar auf rund 145 Milliarden Dollar geschrumpft.

Auslöser für den jüngsten Kursrutsch war eine Erhebung des Marktforschungsinstituts Comscore. Demnach haben amerikanische Nutzer der Google-Seite im Januar nicht häufiger auf die Textanzeigen neben den Suchergebnissen geklickt als im gleichen Monat des Vorjahres. Es war das erste Mal, dass Comscore hier eine Stagnation meldete. Mit diesen Klicks steht und fällt das Geschäft von Google: Das Unternehmen macht den größten Teil seiner Umsätze mit diesen kleinen Textanzeigen, und Geld fließt immer nur dann, wenn die Nutzer auf die Anzeigen klicken. Google versucht zwar, sein Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen, und setzt zum Beispiel stärker auf grafische Markenwerbung. Diese Initiativen schlagen sich aber noch kaum in den Umsätzen nieder.

Analysten sehen Marktforschungsdaten gerade bei Google als Orientierungshilfe, weil das Unternehmen selbst keine konkreten Prognosen zur künftigen Geschäftsentwicklung gibt. Ben Schachter von der Bank UBS sagte, er wolle zwar nicht zu viel in die Marktforschungsdaten hineinlesen. Trotzdem sei er nun „etwas vorsichtiger“ mit Blick auf seine Umsatzschätzungen für Google, und er reduzierte sein Kursziel für die Aktie von 650 auf 590 Dollar. Robert Peck von Bear Stearns sprach von „besorgniserregenden Daten“. Nach Ansicht einiger Analysten könnte sich eine allgemeine wirtschaftliche Abschwächung im Geschäft von Google niederschlagen.

Einige Analysten zeigten sich unbeeindruckt von den Daten von Comscore und meinten, die Zahlen eines Monats ließen nicht auf einen allgemeinen Trend schließen. Google-Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt hatte noch Ende Januar bei der Vorlage des Quartalsberichts gesagt, das Unternehmen spüre bislang „keine negativen Auswirkungen der Gerüchte über eine mögliche Rezession“.

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27.02.2008, 23:51
BMW verzichtet auf 5000 Zeitarbeiter
Die Kosten steigen, die Rendite sinkt: Jetzt müssen bei BMW insgesamt 8100 Mitarbeiter gehen, die meisten zurück zu Leiharbeitsfirmen. Die Belegschaft ist verunsichert, die Gewerkschaft empört.

hpe. MÜNCHEN, 27. Februar. Der Münchner Autokonzern BMW hat sein Stellenabbauprogramm konkretisiert. Danach wird bis zum Ende dieses Jahres die Zahl der Zeitarbeitskräfte um 5000 Stellen sinken, gleichzeitig soll die Stammbelegschaft um 3100 Mitarbeiter reduziert werden. Die deutschen Standorte, an denen BMW 80 000 von insgesamt 108 000 Menschen beschäftigt, sind am stärksten betroffen. Nur 600 Stellen entfallen auf das Ausland.

„Unser Ziel ist ein Abbau auf freiwilliger Basis“, sagte Ernst Baumann, der BMW-Personalvorstand, in München. 2500 Leiharbeiter haben das Unternehmen nach seinen Angaben bereits verlassen, auch gibt es schon erste Aufhebungsverträge mit BMW-Beschäftigten. Alle BMW-Standorte im Inland sind betroffen, lediglich in dem neuesten Werk in Leipzig solle es „nur marginale Korrekturen“ geben, wie Baumann sagte. BMW will die Altersteilzeit-Regelung stärker nutzen, freie Stellen nicht mehr besetzen und Mitarbeiter durch Abfindungen zum Ausscheiden animieren. Betriebsbedingte Kündigungen sind aufgrund einer Beschäftigungssicherungsvereinbarung bis zum Jahr 2013 ausgeschlossen.

Der Stellenabbau werde für BMW einen Aufwand „in dreistelliger Millionenhöhe“ verursachen, sagte Baumann. Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmendaten für die Autoindustrie verschlechtern, könnte das Auswirkungen haben: „Wenn der Dollar nachhaltig auf diesem Niveau bleibt, dann werden weitere Personalmaßnahmen folgen“, sagte Baumann. Den Dollar-Kurs von 1,50 bezeichnete er als „kritisch, aber beherrschbar“. Zwar hat BMW mit dem amerikanischen Spartanburg eine Produktionsstätte im Dollar-Raum, aber kein anderer deutscher Autohersteller verkauft auch so viele Personenwagen wie BMW. Außerdem belasten gestiegene Rohstoff- und Materialkosten sowie ein hoher Entwicklungsaufwand für die Einhaltung künftiger Umweltrichtlinien.

Gleichwohl erweckte der Personalvorstand den Eindruck, als müsse der Stellenabbau nun „kleingeredet“ werden, nachdem die Zahl von 8000 wegfallenden Stellen drei Tage vor Weihnachten – angeblich über eine undichte Stelle im Unternehmen – herauskam und entsprechend große Schlagzeilen in der Presse verursacht hatte. Um die Belegschaft am Mittwoch nicht noch weiter zu verunsichern, stellte der Konzern die Nachricht sofort ins Intranet.

Die Kürzungen sind Teil eines milliardenschweren Sparprogramms, mit dem BMW den Renditeverfall der vergangenen Jahre stoppen will. Vorstandschef Norbert Reithofer will mit seiner – „Number One“ genannten – Strategie bis zum Jahr 2012 die Umsatzrendite von zuletzt unter 6 Prozent auf 10 bis 12 Prozent anheben; das ist das Niveau, das Wettbewerber Mercedes-Benz im abgelaufenen Geschäftsjahr schon erreicht hat. Insgesamt will Reithofer bekanntlich 6 Milliarden Euro einsparen, den Großteil von 4 Milliarden Euro freilich bei der Materialbeschaffung und bei Produktion und Entwicklung.

An der Börse sorgte die Nachricht über den Stellenabbau nicht für den sonst üblichen Reflex eines Kursaufschwungs. Die BMW-Aktie litt wie andere Autowerte am Mittwoch unter der Dollar-Schwäche und dem Ölpreisanstieg. Der Kurs fiel zwischenzeitlich um gut 2 Prozent auf 36,50 Euro.

Der Standort Deutschland solle auch in Zukunft seine herausragende Bedeutung für das Unternehmen behalten, sagte Personalvorstand Baumann. Dafür aber seien Effizienzsteigerungen unerlässlich. BMW werde auch weiterhin Personal einstellen. So benötige der Konzern in diesem Jahr voraussichtlich 500 Fach- und Führungskräfte, sagte Baumann.

Die IG Metall Bayern kritisierte die Pläne als „kurzfristiges Renditedenken“, das die Beschäftigten verunsichere. Nur Personal abbauen zu wollen sei noch kein tragfähiges Konzept für die Zukunft, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer. Der Vorsitzende des BMW-Gesamtbetriebsrates, Manfred Schoch, forderte die Beschäftigten auf, sich genau zu überlegen, ob sie einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Schoch verwies auf die vereinbarte Beschäftigungssicherung, welche die Arbeitsplätze bei BMW für die nächsten sieben Jahre sichere. Einen so umfangreichen Stellenabbau hat es in der jüngeren Geschichte von BMW nicht gegeben. Zuletzt waren vor 15 Jahren Stellen gestrichen worden.

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27.02.2008, 23:51
Abstieg einer Bank
Die Dresdner Bank hat bis heute keine wirkliche Heimat bei der Allianz gefunden.

Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr 6,5 Milliarden Euro nach Steuern verdient. Die Commerzbank verdiente immerhin noch 1,9 Milliarden Euro – und die Dresdner Bank gerade einmal 410 Millionen Euro. Das ganze Elend der Dresdner Bank drückt sich in diesem Vergleich aus.

Die Geschichte eines Unternehmens mag den dort heute Beschäftigten nichts bedeuten, aber um zu erkennen, was mit der Dresdner Bank im Speziellen und dem deutschen Großbankensystem im Allgemeinen schiefgegangen ist, lohnt es sich doch, kurz die Vergangenheit zu bemühen.

Die Dresdner Bank war bis vor einigen Jahren – man kann es sich heute kaum noch vorstellen – eine der großen und angesehenen Banken in Europa. Sie war in Deutschland lange die Nummer zwei, zwar kleiner als der Erzrivale Deutsche Bank, aber ein gutes Stück größer als die Commerzbank. Dabei war die Dresdner in einem gewissen Sinne moderner und dynamischer als ihre Konkurrenten.

Sie war es, die früh das Wertpapiergeschäft (das damals in Deutschland noch nicht Investmentbanking hieß) förderte. Und während in anderen Häusern üblicherweise distinguierte Kreditleute an die Spitze rückten, machte die Dresdner Bank Mitte der achtziger Jahre mit Wolfgang Röller einen hemdsärmeligen ehemaligen Wertpapierhändler zum Vorstandssprecher. Und sie besaß (und besitzt noch) viele große Unternehmenskunden, die zur Dresdner unter anderem deshalb gingen, weil ihre Konkurrenten bei der Deutschen Bank waren.

Dennoch wurde die Deutsche Bank zum Verhängnis der Dresdner Bank. Denn die Herren der Dresdner ließen sich von dem Gedanken fesseln, ihren wichtigsten Wettbewerber mindestens einzuholen. Zu diesem Zweck wagten sie Geschäfte mit zu hohen Risiken. Die Dresdner geriet Anfang dieses Jahrzehnts auf die schiefe Bahn und musste von ihrem Großaktionär, der Allianz, vollständig übernommen werden. Von diesem Schlag hat sich die Dresdner Bank bis heute nicht erholt, auch wenn sie mit 6,5 Millionen Kunden immer noch eine große Bank ist. Die Verantwortung für den unbefriedigenden Zustand der Dresdner Bank trägt die Allianz.

Seit vielen Jahren wurde bis zum Überdruss diskutiert, ob eine Versicherung und eine Bank unter einem gemeinsamen Dach glücklich werden können. Neben den Optimisten, die auf Verbundeffekte zwischen diesen beiden Typen von Finanzhäusern bauen, haben sich auch immer wieder Pessimisten zu Wort gemeldet, die unvereinbare Mentalitäten zu konstatieren meinten. Ein Blick auf die Verbindung zwischen der Allianz und der Dresdner Bank zeigt: Optimisten wie Pessimisten haben recht.

Es ist nicht so, dass die Dresdner Bank nichts taugte. Das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden läuft nicht schlecht. Auch die enge Verbindung mit der Allianz trägt Früchte: Immerhin eine Million Kunden haben die Berater des Versicherungsriesen der Dresdner Bank zugeführt.

Doch im Unterschied zur Deutschen und zur Commerzbank konnte sich die Dresdner Bank strategisch nicht weiterentwickeln. Josef Ackermann hat die Deutsche Bank zielstrebig zu einer der größten Investmentbanken der Welt ausgebaut. Ähnlich große Würfe hat die Commerzbank nicht vorzuweisen, aber mit dem Abbau des Investmentbanking und dem Kauf der Immobilienbank Eurohypo hat der scheidende Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller Zeichen gesetzt.

Die Dresdner kann außer der allmählichen Integration in die Allianz nichts Vergleichbares anbieten. Vor allem hat die Allianz es nicht verstanden, eine Lösung für die größte Schwäche der Dresdner Bank zu finden: Die Investmentbank Dresdner Kleinwort ist zu groß, um mit Erfolg eine Nischenstrategie zu betreiben, wie es etwa Rothschild tut. Andererseits ist Dresdner Kleinwort viel zu klein, um mit Riesen wie Goldman Sachs oder der Deutschen Bank zu wetteifern. So hat denn auch die Investmentbank der Dresdner Bank einen ansonsten durchaus passablen Jahresabschluss 2007 verhagelt.

In der Allianz-Zentrale am Englischen Garten in München darf man sich daher nicht genervt darüber zeigen, dass in der Öffentlichkeit immer wieder Diskussionen über die Zukunft der Dresdner Bank entstehen, zumal die unbefriedigende Rentabilität der Bank den Aktienkurs des Versicherungskonzerns belastet. Die Bekenntnisse zur Dresdner klingen denn auch nicht mehr so eindeutig wie in der Vergangenheit.

Über alternative Szenarien kursieren seit Monaten die wildesten Spekulationen, zu denen sich mit etwas Phantasie weitere Szenarien gesellen könnten. So wird über einen Verkauf nur von Dresdner Kleinwort gerätselt, wobei man sich fragt, wer Interesse an einer mittelgroßen und nicht sehr ertragsstarken Investmentbank besitzen sollte. Alternativ wird über einen Verkauf der gesamten Bank (zum Beispiel an die Deutsche) oder umgekehrt den Hinzukauf einer weiteren Bank (etwa der Postbank) spekuliert.

Was mit der Dresdner Bank geschehen wird, wissen die Macher in München möglicherweise selbst noch nicht so genau. Eines jedoch ist klar: Die Situation kann auf Dauer nicht so bleiben, wie sie ist.

GvD.news
27.02.2008, 23:52
Der Euro kostet erstmals mehr als 1,50 Dollar In Amerika wird mit weiteren Zinssenkungen gerechnet – in Europa vorerst nicht

dmoh./ctg. FRANKFURT/WASHINGTON, 27. Februar. Der Euro ist auf ein Rekordhoch zum Dollar gestiegen. Für einen Euro mussten am Mittwoch bis zu 1,5144 Dollar gezahlt werden. Ein Dollar kostet somit 66 Euro-Cent; vor einem Jahr waren es noch 77 Cent. Den jüngsten Wertverlust des Dollar erklären Fachleute mit den schwachen Wirtschaftsdaten aus den Vereinigten Staaten. Das Verbrauchervertrauen war am Dienstag auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gefallen. Am Mittwoch fielen die Daten zu den Auftragseingängen für Gebrauchsgüter im Januar schwächer aus als prognostiziert. Dies nährt die Erwartungen weiterer Zinssenkungen durch die amerikanische Notenbank Fed. Für die nächste Sitzung am 18. März rechnen die Marktteilnehmer mit einer Senkung des Leitzinses um weitere 25 Basispunkte auf dann 2,75 Prozent. Einige halten auch größere Zinsschritte für möglich. Im September hatte der Leitzins noch 5,25 Prozent betragen. Die sinkenden Zinsen machen Geldanlagen im Dollar-Raum weniger attraktiv und schwächen somit die amerikanische Währung.

Bestärkt fühlen sich die Marktteilnehmer von Äußerungen des Fed-Chefs Ben Bernanke. Der sagte am Mittwoch vor dem Kongress, dass sich die Wachstumsaussichten in den vergangenen Monaten spürbar eingetrübt hätten. Auch nach den jüngsten Zinssenkungen bestünden noch erhebliche Konjunkturrisiken. Falls nötig, werde die Notenbank „zeitnah“ handeln. Die Fed hält aber an ihrer Prognose fest, dass die Wirtschaft in diesem Jahr nicht in eine Rezession gleiten wird, und rechnet mit einem Wachstum von 1,3 bis 2 Prozent in diesem und von 2,1 bis 2,7 Prozent im kommenden Jahr.

In Europa wird hingegen in den kommenden Monaten nicht mit einer Zinssenkung gerechnet. Der Leitzins im Euro-Raum wurde zuletzt am 6. Juni 2007 erhöht und beträgt seitdem 4 Prozent. Die Wirtschaftsdaten deuten bisher nicht auf einen scharfen Abschwung hin. Zudem betrug die Inflation mehr als 3 Prozent. „Wegen des hohen Ölpreises und des Drucks von den Agrar- und Rohstoffmärkten wird sich der erhoffte Rückgang der Inflationsraten verzögern“, sagte Bundesbankpräsident Axel Weber auf der Klausurtagung der Koalitionsfraktionen auf dem Petersberg bei Bonn. Der Ölpreis für die Sorte Brent kletterte am Mittwoch erstmals auf mehr als 100 Dollar für ein Barrel (159 Liter). „Die Erwartung von Zinssenkungen für den Euro-Raum bilden nicht die geldpolitische Einschätzung einer Notenbank ab, die der Preisstabilität verpflichtet ist“, sagte Weber. Der Preisdruck bereite der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank deutlich größere Bauchschmerzen als die wegen der Finanzkrise zuletzt gestiegenen Konjunkturrisiken.

Diese Aussagen verhalfen dem Euro zu weiteren Kursgewinnen gegenüber dem Dollar. Zu größeren wirtschaftlichen Verwerfungen in Deutschland wird der neue Rekordpreis für den Euro nach Meinung von Fachleuten jedoch nicht führen. „Der Euro hat gegenüber dem Dollar zwar an Wert gewonnen, gegenüber osteuropäischen Währungen aber verloren“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Insgesamt hält sich die Aufwertung und damit auch die Auswirkungen auf die Exportindustrie in Grenzen.“ Gleichwohl sei klar, dass die Aufwertung das Wachstum tendenziell schwäche.

GvD.news
27.02.2008, 23:52
Eon will seine Stromnetze verkaufen
Der Energieversorger ist bereit, seine Netze eigentumsrechtlich vom Konzern abzuspalten. Die Regierung scheint wenig begeistert zu sein.

St./km. DÜSSELDORF/BERLIN, 27. Februar. Die Eon AG ist zum Verkauf ihrer Höchst- und Hochspannungsleitungen, der sogenannten Stromautobahnen, bereit. Der Düsseldorfer Energiekonzern hat nach Informationen dieser Zeitung aus Politik und Energiewirtschaft seinen Widerstand gegen die Pläne der Europäischen Kommission zur eigentumsrechtlichen Abspaltung der Stromnetze aufgegeben. Ein Eon-Sprecher wollte dies am Mittwoch nicht kommentieren.

Die Gespräche mit der Kommission über den Verkauf der zum Konzern gehörenden rund 10 000 Kilometer Hoch- und Höchstspannungsleitungen sollen sehr weit fortgeschritten sein. Unklar ist, wer die Leitungen, deren Wert auf mehr als 1 Milliarde Euro veranschlagt wird, übernehmen soll. Der Eon-Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat habe auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von diesem Vorhaben unterrichtet, heißt es. Die Kanzlerin sei von der überraschenden Nachricht wenig erbaut gewesen, weil sich die Regierung und vor allem Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) in Brüssel – auf Druck der Energiekonzerne – vehement gegen die Pläne der Kommission zur Aufspaltung von Netz und Produktion wehrten, ist in der Regierungskoalition zu hören.

In Berlin waren am Mittwoch – zum Beispiel im Umweltministerium – aber auch Stimmen zu vernehmen, die den überraschenden Schritt von Eon nicht so negativ bewerteten. „Das löst einen Konflikt für den Konzern und ist in wettbewerbsrechtlicher Hinsicht vorteilhaft“, sagte ein hoher Beamter. Nun müsse aber sichergestellt werden, dass das Netz des Konzerns nicht in die Hände ausländischer Unternehmen oder Finanzinvestoren gelange.

Seit vergangenem Herbst favorisieren in Brüssel sowohl der Energiekommissar als auch die Wettbewerbskommissarin einen strikten Kurs der Netzentflechtung der großen Verbundkonzerne, das sogenannte „ownership unbundling“. Die Bundesregierung gehört zu den Gegnern dieser Politik und hat erst vor wenigen Wochen mit sieben anderen Mitgliedstaaten das Konzept des „dritten Wegs“ für den Energiemarkt vorgelegt. Dieser Vorschlag, der keine eigentumsrechtliche Entflechtung, sondern eine organisatorische Trennung von Produktion und Transport vorsieht, erinnert stark an die von Eon im vergangenen Herbst vorgeschlagenen grenzüberschreitenden Koordinierungsgesellschaften. In dieser Woche gab es aus Brüssel verschiedene Signale, denen zufolge Energiekommissar Andris Piebalgs einen Kompromissvorschlag aus dem bisherigen Konzept der Kommission und dem von Staaten wie Deutschland und Frankreich vorgeschlagenen „dritten Weg“ erwäge.

Es ist weniger die Kehrtwende von Eon als der Zeitpunkt dieser Nachricht, der die anderen Verbundkonzerne überrascht. Betriebswirtschaftlich spielt das regulierte Hochspannungsnetz keine besondere Rolle mehr. Der Eon-Chef erklärte schon im August 2007 im Gespräch mit dieser Zeitung zu der in Brüssel propagierten Entflechtung: „Für mich ist das nicht eine Frage von Sein oder Nichtsein.“ 2007 hatte auch der Essener Energiekonzern RWE, damals noch unter dem Vorstandsvorsitzenden Harry Roels, unter dem Codenamen „Tony“ den Verkauf seiner Netze geprüft. Zunächst stieß dies auf heftigen Widerstand der Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsvertreter, die Finanzinvestoren unter den potentiellen Käufern fürchteten. Am Ende wurde das Projekt 2007 aber deshalb abgeblasen, weil es an Ideen fehlte, was mit dem Verkaufserlös angefangen werden könnte. Inzwischen gilt das Stromnetz als größter Risikofaktor einer störungsfreien Stromversorgung. Der Genehmigungsprozess für neue Überlandleitungen ist außergewöhnlich zeitraubend. Das mag den Abschied erleichtern.

GvD.news
27.02.2008, 23:52
Online-Durchsuchung in engen Grenzen erlaubt
Karlsruhe erklärt nordrhein-westfälische Vorschriften für nichtig / Ein neues Grundrecht

Mü./ban./löw. KARLSRUHE/BERLIN/BONN, 27. Februar. Das Bundesverfassungsgericht hat am Mittwoch die Vorschriften zur Online-Durchsuchung im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzgesetz für nichtig erklärt. Zugleich hob der Erste Senat ein neues Grundrecht aus der Taufe: Aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht leiteten die Karlsruher Richter ein Grundrecht „auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme“ ab. Eingriffe in dieses Recht sind sowohl zu präventiven Zwecken als auch zur Strafverfolgung möglich – aber nur in engen Grenzen. Ein Eingriff mit präventivem Ziel ist demnach nur zulässig, wenn es tatsächliche Anhaltspunkte einer konkreten Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut gibt. Überragend wichtige Rechtsgüter seien Leib, Leben und Freiheit sowie solche Güter, deren Bedrohung die Grundlagen oder den Bestand des Staates oder die Grundlagen der Existenz der Menschen berühre. Zum Schutz anderer Rechtsgüter muss sich der Staat nach dem Urteil auf andere Methoden beschränken. Zudem müsse der Gesetzgeber sicherstellen, dass der unantastbare Kernbereich privater Lebensgestaltung geschützt wird. All diesen Anforderungen genüge die Regelung im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzgesetz nicht, heißt es in dem Urteil. Schon wegen ihrer Unbestimmtheit ist sie nach Ansicht der Karlsruher Richter grundgesetzwidrig.

Die Bundesregierung und die Führungen der Koalitionsfraktionen kündigten umgehend an, bald eine Neufassung des Gesetzes für das Bundeskriminalamt (BKA) vorzulegen. Bundesinnenminister Schäuble (CDU) sagte unmittelbar nach Verkündung des Urteils, man sei sich einig, dass – nach sorgfältigem Studium der Entscheidung – „sehr rasch“ ein Gesetzentwurf verabschiedet werde. Justizministerin Zypries (SPD) kündigte ihre Unterstützung an. Schäuble sagte, er gehe davon aus, „dass ein langer Streit nun Gott sei Dank zu Ende gegangen ist“.

BKA-Präsident Ziercke sagte, das Urteil ermögliche eine effektive Bekämpfung des Terrorismus und den Strafverfolgungsbehörden eine angemessene Reaktion auf das veränderte Kommunikationsverhalten von Schwerstkriminellen.

Der BKA-Präsident sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Die Entscheidung macht deutlich: Freiheit und Sicherheit sind keine Gegensätze, sondern sind in einem beständigen Prozess auszubalancieren.“ Ziercke charakterisierte das Urteil als „Botschaft an die Sicherheitsbehörden“. Sie müssten sorgfältig prüfen, ob der Einsatz einer Online-Durchsuchung erforderlich sei, und dürften dieses Mittel unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit nur als „Ultima ratio“ einsetzen. Diese Forderung des Gerichts „deckt sich mit der von uns vertretenen Position“.

Die Karlsruher Richter hatten unter Federführung des Ende März aus dem Gericht scheidenden Berichterstatters Wolfgang Hoffmann-Riem schon in der mündlichen Verhandlung deutlich gemacht, dass sie sich umfassend zur Online-Durchsuchung äußern würden. Die Nutzung informationstechnischer Systeme sei für die Persönlichkeitsentfaltung vieler Bürger von zentraler Bedeutung, begründe aber auch neue Gefährdungen, hieß es. Die Überwachung solcher Systeme und eine Auswertung der auf den Speichermedien befindlichen Daten können nach Ansicht der Karlsruher Richter weitreichende Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Nutzers „bis hin zu einer Profilbildung ermöglichen“.

Es gebe deshalb ein „grundrechtlich erhebliches Schutzbedürfnis“. Die vom allgemeinen Persönlichkeitsrecht gewährleistete Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme werde dagegen nicht berührt, wenn sich die Maßnahmen darauf beschränken, Daten, die der Inhaber des Systems für die Internetkommunikation vorgesehen hat, auf dem technisch dafür vorgesehenen Weg zu erheben.

Die Ermächtigung zum heimlichen Aufklären des Internets im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzgesetz wurde vom Verfassungsgericht für nichtig erklärt (Aktenzeichen 1 BvR 370 und andere).

Gegen das Landesgesetz hatte der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) ebenso Verfassungsbeschwerde eingelegt wie Rechtsanwälte, eine Journalistin und ein Mitglied der Linkspartei. Baum nannte die Entscheidung „wegweisend“. Die Verfassungsrichter seien ihrer Rolle als „Bollwerk gegen die Erosion der Grundrechte“ gerecht geworden. Damit sei „eine neue Dimension des Grundrechtsschutzes“ eröffnet worden.

GvD.news
28.02.2008, 21:42
Turbulente Zeiten für Getreide und Ölsaaten
Der globale Weizenvorrat dürfte im Sommer auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren sinken

hi. FRANKFURT, 28. Februar. Die Märkte für Getreide und Ölsaaten sind unverändert turbulent. Die Berichterstattung kommt mit den Meldungen über immer neue Rekorde kaum noch nach. Die nächsten Wochen könnten noch heißer werden, denn an den amerikanischen Terminbörsen für diese Agrarprodukte ist die Liquidation der März-Kontrakte angebrochen. Dies ist im Wesentlichen ein technischer Prozess, der sich sehr turbulent gestalten könnte. Er dürfte nach Ansicht von Fachleuten vor allem Weizen stark berühren, denn dieses wichtigste Nahrungsgetreide wird vor dem Eintreffen der neuen amerikanischen Ernte 2008/09 (Juni/Mai) sehr knapp. Mais und Sojabohnen hingegen sind zu diesem Zeitpunkt der jeweiligen Rechnungsjahre 2007/08 noch in großen Mengen vorhanden, ganz abgesehen davon, dass besonders bei Sojabohnen in überschaubarer Zukunft mit physischer Ware aus der neuen Produktion in Südamerika gerechnet werden kann.

Was bei Weizen alles möglich ist, zeigt die jüngste Entwicklung des Marktes in Minneapolis. Der Terminkontrakt dort gründet sich auf hocheiweißhaltigen Mühlenweizen (hard red spring), der zum Ende der laufenden Saison hin besonders knapp wird. Allein in den zurückliegenden drei Tagen schossen die Notierungen hier zwischen 17 und 25 Dollar je Bushel (27,2 Kilogramm) hin und her. Seit Mitte Dezember hat sich der Preis für diesen Weizen in der Spitze mehr als verdoppelt und seit Mitte Oktober sogar mehr als verdreifacht. Die Kontrakte der neuen Ernte weisen jedoch drastische Abschläge gegenüber den beiden letzten der laufenden Saison (März und Mai) auf, auch wenn die Notierungen noch immer weit über ihren langjährigen Durchschnitten liegen. Diese Abschläge drücken aus, dass sich die Versorgungslage mit dem Eintreffen der neuen Ernte spürbar entspannen dürfte, auch wenn der in Minneapolis gehandelte Weizen erst im Hochsommer eingebracht und nicht vor der Liquidation des September-Kontrakts physisch verfügbar sein wird. Offenbar reicht die Aussicht auf das neue Angebot an dem überwiegend in Kansas City gehandelten, bereits im Juni auf den Markt gelangenden Winterweizen aus, um Druck auf die Preise auszuüben.

Amerika ist deshalb zum Brennpunkt am Weizenmarkt geworden, weil das Angebot an den verschiedenen Sorten dort zum Ende der laufenden Saison besonders drastisch schrumpft. Neben unzureichenden Ernten ist die Abwertung des Dollar ein wesentlicher Grund dafür, denn dieser Prozess hat amerikanischen Weizen für viele ausländische Abnehmer deutlich billiger werden lassen als Ware aus den meisten anderen Exportländern. Das Landwirtschaftsministerium in Washington (USDA) schätzt, dass das amerikanische Angebot Ende Mai absolut auf den niedrigsten Stand seit der Saison 1947/48 sinkt. Weltweit wird der Weizenvorrat Ende 2007/08 (Juli/Juni) absolut auf den niedrigsten Stand seit dreißig Jahren schwinden, sagt das USDA voraus. Im Verhältnis zum Verbrauch dürfte ein wohl noch nie zuvor verzeichnetes Tief erreicht werden. So niedrige Weizenpreise, wie sie noch vor zwölf Monaten zu verzeichnen waren, werde es wohl nie wieder geben, heißt es weithin.